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Ravel, das Klaviertrio a-moll |
Cosima

Dabei seit: 11.03.2005
Beiträge: 1.101
Herkunft: Göttingen
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| Ravel, das Klaviertrio a-moll |
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Hallo,
ich habe gerade auf Arte einen frz. Film gesehen („Ein Herz im Winter“ – blöder Titel, aber schöner Film): Es ging um einen Geigenbauer, der sich in eine Violinistin verliebt, seine Gefühle aber nicht zeigen kann etc.
Diese Violinistin übte nun u.a. das Klaviertrio a-moll von Ravel ein. Mir gefielen diese kurzen Auszüge, weshalb ich Euch nach Empfehlungen für dieses Werk fragen möchte. Es existiert eine Aufnahme mit den Brüdern Capucon – vielleicht kennt sie jemand?
Gute Nacht & adios
Cosima
P.S.: Ich füge noch das Cover der Capucon-Aufnahme ein:
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16.06.2005 23:06 |
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C.Huth
Dabei seit: 17.08.2004
Beiträge: 1.291
Herkunft: Frankfurt/Main
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Hallo Cosima,
mit der Aufnahme mit den Capucons und dem hier phänomenalen Frank Braley machst Du ganz bestimmt eines: Nichts falsch!
Beste Grüsse,
C.
__________________ Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)
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16.06.2005 23:17 |
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Heinz
kennt den Hausbrauch
 
Dabei seit: 11.08.2004
Beiträge: 345
Herkunft: Stuttgart
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Hallo Cosima,
das Klaviertrio von Ravel ist ein supertolles Stück. Ich besitze davon nur 1 Aufnahme, und zwar diese hier mit dem Trio Italiano

Sie hat mir auf Anhieb super gefallen, so daß ich garnicht das Bedürfnis hatte, mir eine weitere Aufnahme zuzulegen
Liebe Grüße
Heinz
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16.06.2005 23:42 |
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Walter.T
kennt den Hausbrauch..
 
Dabei seit: 09.04.2005
Beiträge: 393
Herkunft: Bensheim
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Hallo Cosima,
dieser Film hat mir auch sehr gefallen. Interessant, wie souverän Du ihn in wenigen Worten zusammenfasst. Mich hat er sehr berührt und ich fand ein Problem dargestellt, das anzusprechen großen Mut bedeutet, ist es doch etwas, das sehr mit Scham verbunden ist. Vielleicht sehen Männer und Frauen diesen Film verschieden (und bei der „Klavierspielerin“ nach Jelinek mit Isabelle Huppert wird es genau umgekehrt sein).
Und ich kenne kaum einen Film, in dem die Musik so gut integriert ist. Als ich anschließend die Ravel-Stücke „pur“ hörte, war ich fast ein wenig enttäuscht. Der Film hat auch meine Sicht auf Ravel geändert.
Als Interpret sollte auch Heifetz erwähnt werden. Ravel sollte in keiner Heifetz-Sammlung fehlen. Die CD, die ich mir vor Jahren gekauft habe, finde ich bei jpc oder Amazon nicht, aber eine andere, auf der dies Stück ebenfalls aufgeführt ist:

Viele Grüße,
Walter
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18.06.2005 11:12 |
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Cosima

Dabei seit: 11.03.2005
Beiträge: 1.101
Herkunft: Göttingen
Themenstarter
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| Zitat: |
Original von Walter.T
Hallo Cosima,
dieser Film hat mir auch sehr gefallen. Interessant, wie souverän Du ihn in wenigen Worten zusammenfasst. Mich hat er sehr berührt und ich fand ein Problem dargestellt, das anzusprechen großen Mut bedeutet, ist es doch etwas, das sehr mit Scham verbunden ist. Vielleicht sehen Männer und Frauen diesen Film verschieden (und bei der „Klavierspielerin“ nach Jelinek mit Isabelle Huppert wird es genau umgekehrt sein).
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Hallo Walter, hallo allerseits,
merkwürdig, dass Du das Wörtchen „souverän“ gebrauchst. In der Tat habe ich den Film mit einer gewissen inneren Distanz angeschaut, vielleicht weil ich mich nicht so sehr berühren lassen wollte. Ich kann diese Scham (ich nehme an, dass Du die Scham der Violinistin meinst, die allen Stolz fallen ließ und sich quasi „anbiederte“) nämlich sehr gut nachempfinden, weil ich selber einmal in ähnlicher Situation war: Man spürt mit jeder Faser seines Körpers, dass die Gefühle beim Gegenüber hinter haushohen Mauern brodeln, aber die distanzierte, „gefühlskalte“ Fassade – errichtet zum Selbstschutz – wird niemals fallengelassen. Anziehung und Abstoßung sind die Folge, und dieses Schwanken zwischen den Polen und diese Unzugänglichkeit können zermürben und schließlich zu eigenen, ungewollten Gefühlsausbrüchen führen.
Bei der „Klavierspielerin“ konnte ich diese Schamgefühle ebenso nachfühlen, jedoch mit anderen Konsequenzen: Die brutale, selbstzerstörerische und abstoßende Art und Weise, wie die Protagonistin sich aus ihrer Abhängigkeit zu befreien versucht, ruft ein wenig die Abscheu hervor, die auch ihren Klavierschüler später zu diversen Erniedrigungen hinreißen lässt.
Ja, das ist schon eine seltsame Sache mit den Gefühlen… und um nicht ganz off-topic zu geraten: Mir schrieb einmal ein Mann, dass es verschiedene Perspektiven gäbe, aus denen man Musik betrachten könne – eine emotionale und eine rationale. Mir ist bis heute nicht ganz klar, wie man Musik rational wirklich erfassen kann.
Und wieder ganz zurück zum Thema: Ich habe gestern Abend bereits die Heifetz-Rubinstein-Aufnahme bestellt – welch Zufall! Weiterhin ist die Capucon-CD geordert. Sobald ich beide gehört habe, werde ich mich wieder zum Thema äußern.
Zunächst einmal herzlichen Dank für die Hinweise und Anregungen.
Gruß von
Cosima (die jetzt ein Sonnenbad nimmt
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18.06.2005 12:53 |
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Walter.T
kennt den Hausbrauch..
 
Dabei seit: 09.04.2005
Beiträge: 393
Herkunft: Bensheim
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Hallo Cosima,
dieser kleine Gedankenaustausch über das „Herz im Winter“ hat es in sich. Vorweg muss ich sagen, dass ich den Film nicht kürzlich, sondern schon vor Jahren gesehen habe, mich also nicht mehr an Einzelheiten erinnern kann. Aber mit den Scham-Gefühlen meinte ich den Geigenbauer und seine Unfähigkeit, seine Gefühle zu zeigen, ein Verhalten, das sich kein Mann gern eingesteht. Wenn ich Deine Antwort lese, wird die Scham noch stärker, wie solches Verhalten die geliebte Frau dahin bringen kann, so unglücklich zu werden.
Es geht auch um die Frage, zwischen Arbeit und Liebe ein richtiges Verhältnis zu finden. Der Geigenbauer scheint Angst zu haben, dass eine Frau in seine geliebte Arbeitswelt einbricht und sie durcheinanderbringt.
Damit sind wir mitten in Ravels Trio. Er hat es 1914 bei einem Sommeraufenthalt gemeinsam mit seiner Mutter in Saint-Jean-de-Luz geschrieben, einem Badeort in der Nähe des baskischen Ciboure, seinem Geburtsort und der Heimat seiner Mutter. In der rororo-Monographie von Michael Stegemann ist davon ein Foto zu sehen.
Anschließend zog er in den Krieg, und als er zurück kam, war seine Mutter gestorben. Das Trio bildet also genau die Mitte von Ravels Werk und Leben. Er selbst hat es als „opus postumum“ bezeichnet.
Und er hat gesagt: „Mein Trio ist fertig; es fehlen mir nur noch die Themen!“ Das Gefühl des Fehlens empfinde ich als die innerste Aussage dieses Trios. Vielleicht kann es etwas verstehen helfen, wie ein solches Verhalten wie das des Geigenbauers möglich ist.
Übrigens kann ich sehr empfehlen, von Lermontov die Novelle „Ein Held unserer Zeit“ zu lesen, dem die Geschichte dieses Films entnommen wurde.
Viele Grüße,
Walter
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19.06.2005 11:19 |
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Cosima

Dabei seit: 11.03.2005
Beiträge: 1.101
Herkunft: Göttingen
Themenstarter
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Hallo Walter,
seltsam: Ich ahnte, dass Du vorrangig den Geigenbauer meintest, als Du das Thema „Scham“ ansprachst. So unterschiedlich sind die Perspektiven auf diesen Film.
Obgleich das Thema wirklich interessant ist, erspare ich den Lesern, die hier eine Besprechung des Klaviertrios erwarten, weitere Einzelheiten – sonst schaut Alfred am Ende noch so aus:
Gruß, Cosima
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19.06.2005 11:58 |
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Cosima

Dabei seit: 11.03.2005
Beiträge: 1.101
Herkunft: Göttingen
Themenstarter
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Inzwischen war die Post da – ich habe das Werk (mit den Capucons) gehört: Es ist in der Tat phantastisch. Vertonte Emotion, von Überschwänglichkeit, tief empfundener Bedrohung bis hin zu herzzerreißendem Schmerz. Warum nur findet dieses Werk so wenig Anklang?
Soweit ich richtig las, erntete diese Aufnahme mit den Capucon-Brüdern und Frank Braley am Klavier im Jahr 2002 den „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“. Ich bin sicher zu Recht, denn so glutvoll, aber auch herausfordernd, provozierend, dann versunken und der Verzweiflung nahe muss es klingen. Einfach klasse!
Gruß, Cosima
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21.06.2005 17:03 |
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Barbirolli

Dabei seit: 27.01.2006
Beiträge: 545
Herkunft: Norddeutschland
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Hallo,
auch ich zähle mich zu den glühenden Verehrern dieses Klaviertrios. Ich besitze es ebenfalls in der Aufnahme mit den Capucons und Frank Braley. Eine schöne Einspielung, dennoch hörte ich es im Konzert unlängst noch schöner, nämlich mit dem schwedischen Kungsbacka Trio. Eine Sternstunde der Kammermusik! Ich hoffe, dass dieses Trio das Werk demnächst einmal einspielen wird. Bislang gibt es eine CD des Ensembles bei Naxos mit Aufnahmen Schuberts.
Die Passcaille gehört für mich zu den anrührendsten Sätzen der kammermusikalischen Literatur. Eine Melodie scheinbar ohne Anfang und Ende, wie aus dem Nichts kommend. Umwerfend, wie die beiden Streicher des Kungsbacka Trios in diesem Satz (so nach ca. 6 Min.) einen Klang zauberten, der nach kleinem Streichorchester klang, während die Klaviernoten wie von Ferne herüberwehten.
Umrahmt ist die Passacaille von drei rhythmisch und dynamisch ambitionierten Sätzen, die besonders dem Cellisten so einiges abzuverlangen scheinen. Ganz erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit bei gleichzeitig höchster Präzision das Trio durch diese Sätze gerauscht ist!
LG
B.
__________________ "Once you've seen your face on a bottle of salad dressing, it's hard to take yourself seriously."
Paul Newman
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16.09.2008 14:21 |
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Cassiodor

Dabei seit: 31.10.2008
Beiträge: 356
Herkunft: Düsseldorf
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Einer meiner Lieblingskomponisten und mein Lieblings-Klaviertrio. Leidenschaft, Poesie, Exotik, virtuoses Feuerwerk - dieses Stück hat einfach alles. An dem wundervollen Thema der Passacaille kann ich mich nicht satt hören.
Wer könnte dies besser spielen als das französischste aller Trios - die Wanderer! Sie treffen einfach den genau richtigen Tonfall und überzeugen durch Homogenität und Klangsinn, feinste dynamische Abstufungen und, wo es sein muß, wirklich packenden Zugriff. Den trockenen Gesamtklang muß man allerdings mögen.

Ich glaube, ich habe diese Musik auch schon mal in einem anderen französischen Spielfilm gehört - welcher war es nur ...?
Weiterer Vorteil dieser Aufnahme: die Koppelung mit dem ebenfalls höchst lohnenden, aber kaum bekannten Trio von Ernest Chausson!
A bientot,
Cassiodor
__________________ Ich sehe jene Bruchstellen zwischen den Subjekten, die Wittgenstein mit dem Begriff der Aspektblindheit markierte.
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05.11.2008 22:52 |
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