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klingsor

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1

Freitag, 13. Mai 2005, 00:02

Glocken, Glockenklänge und Glockenimitationen in der Musik

hallo, bin ein absoluter fan von kirchenglocken/röhrenglocken/glockenmotiven in der musik ... und da gibts ja wunderbarste stellen vor allem seit der romantik ... wie erstaunter war ich, eine der grandiosesten unmittelbaten glockenimitationen bei bach zu finden. (trauerkantate: 'laß fürstin....'). diese ist sowieso schon eine der bedeutendsten kompositionen des barock :jubel:
die bachsche vertonung ist die älteste verwendung des musikalischen motivs, die ich kenne. gibt es noch ältere/zeitgenössische. bzw. welche stücke kennt ihr, in denen (röhren)glocken entweder selbst 'klingen' oder imitiert werden?
--- alles ein traum? ---

klingsor

ThomasBernhard

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2

Freitag, 13. Mai 2005, 00:56

RE: Glocken/Glockenklänge und -imitationen in der Musik

Na dann will ich mal den Anfang machen was "Glockenimitationsstücke" betrifft:

"Carillon des morts" von Michel Corrette ist ein ca. fünfminütiges Stückchen für Streichorchester und Holz das ein Trauergeläut imitieren will, laut booklet spätestens 1764 komponiert.
Hübscher Bonus zum Requiem von Gilles - aber ansonsten wohl nur was für Glockenfanatiker.



p.s.: kennt jemand aus der "Glockenszene" den Glockenmäzen Herrn Pinger? (dumme Frage, ich will nur mal sehen, ob er flächendeckend bekannt ist, in der Glockenszene kennt man ihn bestimmt.)
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mimi

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3

Freitag, 13. Mai 2005, 07:42

RE: Glocken/Glockenklänge und -imitationen in der Musik

Hallo Klingsor

Mh. Also Stücke mit Glockenimitationen fallen mir spontan keine ein. Damit habe ich mich, wenn ich ehrlich bin, auch noch nicht beschäftigt.

Aber ich habe bei einer Besichtigung des Klosters Weltenburg im Klosterladen eine wunderschöne CD, auf der die Orgeln UND Glocken verschiedener Benediktinerabteien zu hören sind, gekauft.

Mich beeindruckt schon immer die Klangvielfalt der verschiedenen Kirchenglocken. In diesem Fall geben sie der gesamten CD einen sehr feierlichen Rahmen. Die Orgelstücke sind wunderschön gewählt und wenn man dabei die Augen schließt, kann man die Pracht der Klöster sehen und vor allem den Frieden, der von ihnen ausgeht, spüren.

CD-Inhalt:

Weltenburg
Volles Geläut - Vier Glocken
An der Brandensteinorgel P. Stephan Honikel OSB
Johann Gottfried Walther
Konzert für Orgel nach Tomaso Albinoni
Allegro - Adagio - Allegro
Die Glocken IV, III
Johann Sebastian Bach
Pastorale, BWV 590
Georg Böhm
Partita über "Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Leben"
Die Glocken II, I

Metten
Die Glocken V. III, II
An der Sandtner-Orgel Alois Auer
Georg Muffat
Toccata XI
Grave - Allegro - Adagio -Allegro - Allegor
Johann Sebastian Bach
Drei Orgelchoräle
"Komm. Gott Schöpfer, Heiliger Geist" BWV 667
"Nun komm, der Heiden Heiland" BWV 659
"Nun danket alle Gott" BWV 657
Volles Geläut - Fünf Glocken

Niederalteich
Die Glocken I - IV
An der Jann-Orgel Stephan E. Wehr
Wolfgang Amadeus Mozart
Fantasie f-Moll, KV 608
Volles Geläut - Vier Glocken

Viele Grüße - Mimi
che gelida manina....

salisburgensis

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4

Freitag, 13. Mai 2005, 08:59

Lieber Klingsor,

von William Byrd gibt es ein Stück für Cembalo mit dem Namen The Bells. Ein lautmalerisches Stück an dessen Beging erst eine große Glocke läutet, dann eine zweite hinzukommt und sich das ganze zu einem wilden Gebimmel steigert um dann in umgekehrter Weise wieder abzuebben. Andreas Staier spielt das wirklich sehr schön.



Thomas
Da freute sich der Hase:
"Wie schön ist meine Nase
und auch mein blaues Ohr!
Das kommt so selten vor."
- H. Heine -

Karsten

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5

Freitag, 13. Mai 2005, 10:13

RE: Glocken/Glockenklänge und -imitationen in der Musik

Hallo!

Aus der Opernwelt fallen mir die entsprechend eindrucksvollen (Massen-)Szenen aus Richard Wagners "Parsifal" und Mussorgskis "Boris Godunoff" ein, in denen Glockenklänge vorkommen, ein.

Sehr beliebt ist auch die Form/Bezeichnung des "Carillon" in der Orgelmusik. Dabei handelt es sich um ein Stück, das entweder ein "Carillon", also ein Glockengeläut bzw. eine Glockenspielmelodie verarbeitet und/oder imitiert.

Ein paar Beispiele:

Léon Boellmann:
- Carillon (12 Stücke)

Emile Bourdon:
- Carillons (10 Stücke)

Marcel Dupré:
- Carillon (aus Suite Bretonne)
- Carillon (7 Stücke)

Jules Grison:
- Les Cloches: "Verset-Prelude poulr le Magnificat"
Henry Mulet:
- Carillon-Sortie

Leo Sowerby
- Carillon

Louis Vierne:
- Carillon de Westminster (wohl das bekannteste, verarbeitet das Thema des "Big Ben")
- Carillon de Hinckley (beide aus den "4 Fantasiestücken")
- Carillon de Longpont (aus 24 Stücke im freien Stil)

Gruß
Karsten

Ulli

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6

Freitag, 13. Mai 2005, 11:18

RE: Glocken/Glockenklänge und -imitationen in der Musik

Salut,

ich bin jetzt nicht [mehr] ganz im Bilde, aber ich meine, Gustav Mahler schreibt in seiner 7. Sinfonie Kuhglocken vor. Der Satz war sinngemäß mit "Erinnerungen vom Lande" überschrieben. Es war recht sinnvoll, den Tieren, nicht nur den Kühen, sondern auch den Kälbern und Ziegen Glocken umzuhängen, denn früher trieb man die Tiere in die Waldweide und es kam nicht selten vor, dass sich das ein oder andere Tier von der Herde verlor und der Kuhhirt es dann suchen durfte. Kuh- und auch Ziegengeläut waren harmonisch aufeinander abgestimmt. Ein komplettes Geläut bestand aus 36 Glocken, das für Kühe im F-Dur-Dreiklang, für Jungvieh, Schafe und Ziegen in C- Dur gestimmt war.

Cordialement,
Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
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klingsor

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7

Freitag, 13. Mai 2005, 11:26

RE: Glocken/Glockenklänge und -imitationen in der Musik

hallo, ulli, du hast vollkommen recht ... die kuhglocken gibt es in mahlers 7. sie sollen dort das gefühl der einsamkeit und naturbezogenheit vermitteln :yes:
über die tonalität der einzlenen glocken wußte ich noch nichts, interessant ....
--- alles ein traum? ---

klingsor

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8

Freitag, 13. Mai 2005, 11:33

hallo, danke schon mal allen beitragenden :yes:
als großer glockenfan kenne ich natürlich schon einiges, vieles, fast alles :D ,aber das byrd und das corette-stück muß ich mir mal zu gemüte führen .... vielen dank!

ja, parsifal hat für mich die schönsten und ergreifendsten glockenpassagen...dann kommt boris godunow. hier machen ea ja viele (west)europäische aufnahmen falsch, indem sie glockgeläute nehmen. das gibt es im osten so nicht, dort werden nämlich die glocken angestoßen, deshalb auch der harschere, dünnere klang.

die größte glocke der welt war wohl der sog. glockenkaiser in rußland, so groß wie ein haus, leider brach nach dem gießen gleich ein torgroßes stück heraus...es gibt interessante abblidungen mit menschen davor zum größenvergleich ....
--- alles ein traum? ---

klingsor

Ulli

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9

Freitag, 13. Mai 2005, 11:46

RE: Glocken/Glockenklänge und -imitationen in der Musik

Zitat

Original von klingsor
hallo, ulli, du hast vollkommen recht ... die kuhglocken gibt es in mahlers 7. sie sollen dort das gefühl der einsamkeit und naturbezogenheit vermitteln :yes:
über die tonalität der einzlenen glocken wußte ich noch nichts, interessant ....


Salut,

da ich mich gerade etwas mehr mit Mozart als mit Mahler beschäftige, habe ich die Partitur nicht griffbereit [obwohl bei mir als großer Mahler-Verehrer vorhanden - aber der Platz...].

Ich weiß daher nicht, in welcher Stimmung Mahler die Kuhglocken verwendet, aber in meiner Aufnahme [Kubelik] klingen sie wirklich fremd und einsam, in einer anderen Tonart. Könnte sein, dass Mahler die F-Dur-Version ins e-moll purzeln lässt. Man sollte unbedingt nachschauen, wie er es gemeint hat...

Meine Angaben beziehen sich hier auf Kühe aus dem Harz [aus deren Milch man dann vermutlich den Harzer Käse macht...]. Wenn Mahler sein Werk aber - was ich nun nicht weiß - in seinem Komponierhäuschen am Wörther See geschrieben hat, gelten hier vielleicht andere "Glockenstimmungen"...

Cordialement,
Ulli
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katlow

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10

Freitag, 13. Mai 2005, 12:22

Ich weiß nicht, ob das im strengen Sinne unter deine Definition von Glockenklang fällt, aber ich erinnere mich, bei einer Aufführung von Janaceks "Taras Bulba" die Verwendung von einer Art überdimensionalem Glockenspiel bewundert zu haben, das aus unterschiedlichen, übermannsgroßen Metallröhren bestand, die an einem Gerüst aufgehängt waren - der zuständige Percussionist musste auf einen Stuhl steigen, um die Röhren anzuschlagen. Den dabei produzierten Klang würde ich als glockenähnlich beschreiben - soweit ein solcher Klang in dem für einen Orchestersaal notwendigen reduzierten Maß erzeugt werden kann.

Das Werk selbst würde ich als "gewöhnungsbedürftig" bezeichnen :D - am Anfang war es schon eine ziemlich merkwürdig fremde Klangwelt, aber wenn man sich eine Weile hineingehört hatte, dann fing man an, sich darin einzufühlen.

Gruß

katlow

Ulli

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11

Freitag, 13. Mai 2005, 12:32

Zitat

Den dabei produzierten Klang würde ich als glockenähnlich beschreiben


Salut,

es handelt sich Deiner Beschreibung zufolge um sogenannte Röhrenglocken, die einfach etwas platzsparender und vielleicht nicht ganz so laut sind, wie "echte" Glocken.

Cordialement,
Ulli
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observator

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12

Freitag, 13. Mai 2005, 13:06

glockeninfo

Zitat

Die Pummerin
Von Philip Schiffmann


1683. Halb Europa eilt Wien zu Hilfe, das seit zwei Monaten von den Türken belagert wird. Nach ihrer Vertreibung lassen sie uns nicht nur ein neuartiges Getränk, den Kaffee zurück, sondern auch 300 Kanonen.
Aus 160 dieser Kanonen, fertigt der Wiener Glockengießer Johann Achamer (auch Aichhammer genannt), 1711 eine Glocke. 22.511 kg schwer und 316 cm im Durchmesser. Sie wird wegen ihres tiefen Tones die Pummerin genannt. Der Guß war am 21.7.1711 um 12.17 LMT beendet.
Die Glocke wurde am 26.1.1712 zum ersten Mal geläutet, 16 Mann mußten zusammen am Glockenstrang ziehen, und es dauerte eine Viertelstunde bis der Klöppel das erste Mal anschlug. Sie wird nur an zehn Tagen im Jahr geläutet.
Nach einem schweren Bombenangriff begann der Dom St.Stephan am 8.4.1945 zu brennen und die Glocke stürzte am 12.4.1945 um 12.44 UT ab und zerbrach. Aus den Trümmern goß man sie am 5.9.1951 in St.Florian/OÖ. neu. Sie wiegt jetzt 21.383 kg und wurde in feierlichem Zug am 26.4.1952 zur Neueröffnung des Domes nach Wien gebracht.

Sie ist die fünftgrößte Glocke der Welt. Die größte Glocke Europas ist die "Deutsche Glocke" im Kölner Dom mit 25 Tonnen, die drittgrößte ist im Glockentempel in Peking mit 53 Tonnen, die zweitgrößte ist im Kaisertempel in Osaka mit 114 Tonnen, und die größte Glocke der Welt ist in Moskau der "Zar Kolokol", der Glockenkaiser, mit 2oo Tonnen, 1734 gegossen. Aber sie hat nie geläutet, da sie beim Guß gesprungen ist. Sie steht als Fremdenverkehrs-Attraktion auf einem Platz in Moskau.


auf grund der grösse und der damit zusammenhängenden vibrationen wird sie nur an hohen feiertagen geläutet. man kann sie dann (wienbesucher wissen das wahrscheinlich) aber aus ca. 3 m entfernung erleben (hören wäre zu eindimensional, der schalldruck geht buchstäblich durch mark und bein). ihr klang reicht bei günstigem wind viele kilometer weit und gehört für mich zum ergreifendsten, das ich in meinem leben hören kann.

es gibt auch cd-aufnahmen. ich weiss das, konnte sie aber jetzt nicht ergooglen. wahrscheinlich im domshop...

und um nun doch noch zum eigentlichen thema zu kommen:

es gibt von telemann ein carillon für 2 schalmaien (falls das noch nicht erwähnt wurde)
und in der 4-händigen klavierfassung der 3. bruckner höre ich im 2. satz immer die glocken läuten...
erkenntnis braucht oft lange -selbst für selbsterkenntnis ist es nie zu spät

salisburgensis

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13

Freitag, 13. Mai 2005, 13:27

Ein recht beliebtes Instrument im Barock war das Glockenspiel. Das waren etliche kleine Glöckchen an einem Gestell aufgehängt, meist über eine Tastatur zu bedienen.

In Händel Oratorien finden sich mehrere Beispiele für den Gebrauch dieses Instruments, z.B. in:
Il Trionfo del Tempo e della Verita,
Saul, die Willkommenszene erster Akt, dritte Szene;
L'Allegro, il Penseroso ed il Moderato: Arie mit Chor Or let the merry bells ring round
Mehr davon bald im Händel-Oratorien-Thread...

Ein weiteres Beispiel findet sich bei Dietrich Buxtehude in der Kantate Wie wird erneuet, wie wird erfreuet.

Thomas
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Alfred_Schmidt

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14

Freitag, 13. Mai 2005, 13:37

[zitat]Nach einem schweren Bombenangriff begann der Dom St.Stephan am 8.4.1945 zu brennen und die Glocke stürzte am 12.4.1945 um 12.44 UT ab und zerbrach[/zitat]

Ein weiterer Beitrag der USA zur abendländischen Kultur., die ja auch unsere Staatsoper in Schutt und Asche gelegt haben (die nie wieder so schön wurde wie sie war)
Bei dem Brand verbrannte auch das Chorgestühl aus dem Spätmittelalter- es konnte nie wieder ersetzt werden.

Auch die Glocke ist eigentlich nur mehr eine Imitation.Sie entspricht nicht mehr dem Orignal von 1711. Zudem mußte sie im unfertigen Nordturm angebracht werden, weil der (fertige) Südturm, wo sie eigentlich hingehört, wahrscheinlich einstürzen würde, würde sie dort geläutet werden.

Zum eigentlichen Thema:

Mir fällt da spontan der letzte Satz der Sinfonie Fantastique von Berioz ein.

Freundliche Grüße aus Wien

Alfred

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ThomasBernhard

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15

Freitag, 13. Mai 2005, 14:54

und noch was ganz wichtiges: Rachmaninov: Die Glocken, so eine Art Sinfonie-Kantate. Die unten abgebildete Aufnahme will ich mir schon seit langem kaufen....



ist Dir natürlich seit langem bekannt, nur so der Vollständigkeit halber.
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ThomasBernhard

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16

Freitag, 13. Mai 2005, 14:58

und noch was HERRLICHES:

die Musik zu Beginn des dritten Akts aus Puccinis Tosca.
Rom, Morgendämmerung, Glockengebimmel. Gänsehaut garantiert.

Eckhard Henscheid schreibt in seinem Buch "Verdi ist der Mozart Wagners" dazu ein paar schöne und einfühlsame Zeilen.

Lieblingsaufnahme diesbezüglich:



[Literarische Nebenempfehlungen zum römischen Glockengebimmel: Thomas Mann: der Erwählte. gleich auf den ersten Seiten fangen die römischen Glocken an zu bimmeln]

In Bartoks Einakter "Herzog Blaubarts Burg" hört man zu der Textstelle "...hörst Du läuten Sturmesglocken..." auch ganz kurz im Orchester dumpfe Glockenimitation; eigentlich wahrlich nicht der Rede wert, eigentlich nur zwei oder wenig mehr schläge, aber es hat sich bei mir in Verbindung mit dem Text intensiv eingeprägt.
[CD Empfehlung: Fischer-Dieskau, Fricsay, DG]
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observator

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17

Freitag, 13. Mai 2005, 15:21

Zitat

Original von Alfred_Schmidt
[zitat]Nach einem schweren Bombenangriff begann der Dom St.Stephan am 8.4.1945 zu brennen und die Glocke stürzte am 12.4.1945 um 12.44 UT ab und zerbrach[/zitat]

Ein weiterer Beitrag der USA zur abendländischen Kultur..


das stimmt ja so nicht! genausowenig, wie die meinung, die abziehende ss (6.panzerarmee/sepp dietrich) habe vom bisamberg aus den dom in brand geschossen -ein diesbzgl. tatsächlicher befehl wurde verweigert!
die amerikaner haben zu dem zeitpunkt des dombrandes wien längst nicht mehr bombardiert, da die innenstadt ja schon in händen der roten armee war. ursache des brandes waren (einheimische?) plünderer, die die umliegenden häuser in brand gesetzt hatten, und da die deutsche wehrmacht auch die sogenannte feuerschutzpolizei(=feuerwehr) mitabgezogen hatte, wurden die brände sich selbst überlassen.

Zitat

Zudem mußte sie im unfertigen Nordturm angebracht werden, weil der (fertige) Südturm, wo sie eigentlich hingehört, wahrscheinlich einstürzen würde, würde sie dort geläutet werden.


aber darum hat man andererseits eben die von mir beschriebene einzigartige gelegenheit 21 tonnen klangerzeugende masse aus nächster nähe zu beobachten...
dieses wochenende ist es wieder soweit!
:beatnik:
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18

Freitag, 13. Mai 2005, 15:25

Ha, Oper ist ein weites Feld. Viel ergiebiger als Bartoks Blaubart ist Brittens "Peter Grimes". Immerhin vier Minuten lang gibt es hier im Zwischenspiel "Sunday Morning" eine schöne Geläut-Imitation des Orchesters. Es reicht der Auszug "4 Sea Interludes" oder man greift halt zur vollständigen Oper.



Gruß, Markus
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19

Freitag, 13. Mai 2005, 15:56

"das klinget so herrlich,..."
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Ulli

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20

Freitag, 13. Mai 2005, 16:05

Zitat

Original von observator
"das klinget so herrlich,..."


... aber das sind Glöckchen und keine Glocken. Gucksdu hier:

„…nur gieng ich auf das theater bey der Arie des Papageno mit dem Glöckchen-Spiel, weil ich heute so einen trieb fühlte es selbst zu Spielen. – da machte ich nun den Spass, wie Schikaneder einmal eine haltung hat, so machte ich eine Arpegio – der erschrack – schauete in die scene und sah mich – als es das 2:te mal kamm – machte ich es nicht – ich erriet seinen Gedanken und machte wieder einen Accord – dann schlug er auf das Glöckchenspiel und sagte HALTS MAUL – alles lachte dann – ich glaube dass viele durch diesen Spass das erste Mal erfuhren dass er das Instrument nicht selbst schlägt…“

[W. A. Mozart an seine Frau. Wien, 8./9. Oktober 1791]

Bien Cordialement,
Ulli
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21

Freitag, 13. Mai 2005, 16:43

ich hab gedacht: riesengroß und klitzeklein... :]
:hello:

(außerdem habe ich auf salisburgensis reagiert)
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22

Freitag, 13. Mai 2005, 16:45

hallo thomas, bzgl. der glocken empfehle ich die einspielungen von previn oder ashkenazy, weniger die pletnev, die ist einfach zu kühl.... ;)

eine großartige glockenszene gibt es in korngolds das wunder der heliane oder auch natürlich in den bildern einer ausstellung, ergreifend auch die kleineren stellen im war requiem (britten) mit liturgischen glöckchen dann natürlich auch stellen in den debussy preludes .... auch die glockenkantate von alvfen ist beachtlich ...
--- alles ein traum? ---

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23

Freitag, 13. Mai 2005, 16:46

hallo, observator, ja, ich zielte nicht auf die größe ab, sondern auf die wirkung ... :D :stumm:
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petemonova

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24

Freitag, 13. Mai 2005, 17:27

Hallo, ihr Glöckner.

Zum Thema Glocken fällt mir zuerst eine Stelle aus dem "Großen Tor von Kiew" ein, das ja auch einen Glockenturm hat und man diese dann wunderbar läuten hört.
In der Orchesterfassung kommt das natürlich noch schöner rüber als "bloß" auf dem Klavier.


Gruß, Peter.
Musik zu hören ist zweifellos eine der extravagantesten Arten, sein Geld auszugeben.
- Mauricio Kagel

Theophilus

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25

Freitag, 13. Mai 2005, 17:49

Hallo

1. In der Ouvertüre Solennelle 1812 von Tschaikowsky ist Glockengeläut vorgeschrieben (im Finale, wenn ich mich richtig erinnere).

2. Strauss - Eine Alpensymphonie
Während des Aufstiegs kommen wir auf die Alm und hören dort Kuhglockengeläut.

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

observator

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26

Freitag, 13. Mai 2005, 17:51

bimbam

ich glaube, die
sonnerie de sainte geneviève du mont à paris
von marin marais
ist noch nicht erwähnt worden...
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Ulli

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27

Freitag, 13. Mai 2005, 18:05

Süßer die Glocken nie klingen...

Salut,

dann gehört aber auch W. A. Mozart’s Deutscher Tanz C-Dur KV 605 Nr. 3, genannt Die Schlittenfahrt dazu. Mozart verlangt hier im Trio 4 sonagli [ital. = Schellen], welche in F, A, C und E gestimmt sind.

Wikipedia beschreibt diese Schellen so:

Zitat

Als Schelle oder Tintinnabulum bezeichnet man eine Glocke, die aus hart geschlagenem Messing- oder Silberblech oder aus Glockenmetall gegossen wurde. Schellen sind oft kugelförmig und heißen dann Zimbel. Man gebraucht diese Schellen, welche früher auch als Schmuck an Panzern, Wehrgehängen und als Kleiderzierat dienten, jetzt nur noch zu den Schlittengeläuten.


Aus dem Vorwort zur NMA erfahren wir von Marius Flothius:

Zitat

Die in KV 605 […] vorgeschriebenen sonagli sind abgestimmte, also auf bestimmten Tonhöhen erklingende Schellen. Sie stellen in dieser Form einen Sonderfall dar, denn die heute allgemein gebräuchlichen Schellen, wie sie etwa Gustav Mahler in seiner 4. Sinfonie einsetzt, sind tonhöhenmäßig indifferent [vgl. The New Growe Dictionary of Musical Instruments II, S. 329f., Artikel jingles] .


Bien Cordialement,
Ulli
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28

Freitag, 13. Mai 2005, 18:11

RE: Süßer die Glocken nie klingen...

jingle-bells, jingle-bells, jingle all the way.... :D
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Ulli

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29

Freitag, 13. Mai 2005, 18:15

RE: bimbam

Salut,

zu "bimbam" fällt mir auch noch ein Mozart-Zitat ein: Le Nozze di Figaro N° 2 Duettino [Susanna/Figaro]:

Se a caso madama
la notte ti chiama,
din din- in due passi
da quelle puoi gir.

Vien poi l'occasione
che vuolmi il padrone,
don don- in tre salti
io vado a servir.

din din mit jeweils 2 Flöten und Oboen
don don mit jeweils beiden Fagotten und Hörnern.

Grüße,
Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

petemonova

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30

Freitag, 13. Mai 2005, 18:19

Das Schiller-Jahr

Schrieb nicht Schiller auch ein "Lied von der Glocke"?

:D :D :D
Musik zu hören ist zweifellos eine der extravagantesten Arten, sein Geld auszugeben.
- Mauricio Kagel