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Ulli

Erleuchteter

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Beiträge: 17 130

Registrierungsdatum: 16. Januar 2005

1

Montag, 2. März 2009, 21:28

Haydn, Joseph: Sinfonia Concertante B-Dur Hob. I:105

Joseph Haydn: Sinfonia Concertante B-Dur Hob. I:105



Nach Mozarts Tod, im Jahre 1792, komponierte Joseph Haydn die Sinfonia Concertante B-Dur Hob. I:105 für Violine, Oboe, Violoncello, Fagott und Orchester. Die Uraufführung des Werks fand am 9. März 1792 in den Hanover Square Rooms, London, statt. Eine gute Woche zuvor führte Ignace Pleyel ebenfalls eine Concertante (für Violine, Viola, Violoncello, Flöte, Oboe und Fagott) im Beisein Haydns auf. Ganz offenbar fand hier so eine Art musikalischer Wettstreit der beiden freundschaftlich verbundenen Komponisten statt, der sicherlich beiden Komponisten werbetechnisch zugute kam. Wegen der kleineren solistischen Besetzung, dafür aber größeren Orchesterbesetzung mit Trompeten und Pauken, machte denn Haydns Schöpfung auch als Grand Simphonie Concertante die Runde. Bei der Uraufführung von Haydns Werk spielte der Initiator Johann Peter Salomon die Sologeige. Während Mozarts bekannte Concertante Es-Dur für Violine und Viola KV 364 mehr ein Doppelkonzert ist, ist Haydns Werk durchaus sinfonischer angelegt und m. E. zurecht den Sinfonien unter Hoboken-Werkgruppe I eingereiht.

Bei Mozart verschmelzen Solisten und Orchester mehr zu einer Einheit, als dies bei Haydns Werk der Fall ist: hier wechseln ständig die solistischen und orchestralen Phasen sehr plakativ.

Das Werk ist dreisätzig - Haydn gab sich hier keine besondere Mühe, Satzbezeichnungen mit Liebkosungen zu versehen, sondern teilte die Sätze seines Werkes wie folgt ziemlich kaltherzig ein:

I Allegro
II Andante
III Allegro con spirito

Alles andere als kaltherzig ist jedoch die Musik selbst.

Die Beschreibung der einzelnen Sätze überlasse ich lieber Berufeneren - nur soviel Senf gebe ich dazu: Bemerkenswert ist der Einsatz der Solovioline im Finalsatz - nach einem kurzen Ritornell "singt" die Violine ein Rezitativ, sogar ein accompagnato wie in der Opera seria, einige Male vom Orchester unterbrochen. Erst danach beginnt der eigentliche spritzige Finalsatz - ein wahrer Ohrwurm, ein wirkliches Feuerwerk! Es wäre interessant zu wissen, welche Worte Haydn diesem Rezitieren der Violine im Geiste unterlegt hat...vor dem feurigen Schluß wird das Rezitativ nochmals wiederholt, Haydnscher Witz ohnegleichen.

Mir liegt folgende Einspielung vor:



Joseph Haydn [1732-1809]
Sinfonie Concertante B-Dur Hob. I:105

Julia Schröder, Violine
Matthias Arter, Oboe
Christoph Dangel, Cello
Matthias Bühlmann, Fagott

kammerorchesterbasel
Christopher Hogwood


Die Einspielung ist wenig aggressiv und dennoch sehr mitreißend! Außerdem beinhaltet die CD noch eine bemerkenswerte Fassung von Mozarts Concertante als Arrangement für Streichsextett des großen Anonymous. Nach eigenen Angaben hat sich Matinu, dessen Concertante hier ebenfalls enthalten ist, von Haydns Hob. I:105 inspirieren lassen... er hätte die Partitur richtig herum halten sollen...

:hello:

Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 504

Registrierungsdatum: 12. August 2005

2

Donnerstag, 12. März 2009, 22:35

RE: Haydn, Joseph: Sinfonia Concertante B-Dur Hob. I:105

Zitat

Original von Ulli
Bemerkenswert ist der Einsatz der Solovioline im Finalsatz - nach einem kurzen Ritornell "singt" die Violine ein Rezitativ, sogar ein accompagnato wie in der Opera seria, einige Male vom Orchester unterbrochen. Erst danach beginnt der eigentliche spritzige Finalsatz - ein wahrer Ohrwurm, ein wirkliches Feuerwerk! Es wäre interessant zu wissen, welche Worte Haydn diesem Rezitieren der Violine im Geiste unterlegt hat...vor dem feurigen Schluß wird das Rezitativ nochmals wiederholt, Haydnscher Witz ohnegleichen.


Eingangs muß ich gestehen, daß ich kaum eines der konzertanten Werke Haydns so hoch schätze wie selbst eher unbekannte Sinfonien. Gewiß sind sie, selbst das frühe Cellokonzert, keineswegs schlecht. Aber doch eher Nebenwerke, die m.E. überproportional häufig eingespielt werden, angesichts der Vernachlässigung etlicher anderer Stücke. Beim Trompetenkonzert kann man das verstehen, weil das Repertoire hier so klein ist.
Eigenartigerweise gibt es auch von der Sinfonie concertante relativ viele Einspielungen; ich besitze zwei historische (Busch und Markevitch), die in der Fischer-Box und eine HIPpe unter Kuijken. Früher mochte ich das Stück nicht besonders und der Kopfsatz kann mich auch immer noch nicht so recht begeistern. Das Andante ist dagegen großartig, wunderschön kammermusikalisch, in einem schlichten, mal ein wenig melancholischen, dann eher schwärmerischem Ton, leider sehr kurz. Auch das Finale gefällt mir sehr gut. Den Rezitativ-Effekt hast Du ja schon erwähnt und der Rest ist auch sehr überzeugend, die Verbindung eines Rondos mit sinfonischen Entwicklungsabschnitten und dem konzertanten Element völlig bruchlos und selbstverständlich (m.E. gelungener als im Kopfsatz).

Fischers Aufnahme ist nicht schlecht, Solisten (Streicher von den Wiener Philharmonikern, Bläser vielleicht auch) sehr gut, leider das Orchester etwas matschig und im Hintergrund.
Kuijkens Aufnahme ist im Tutti sehr schlank besetzt, aber ziemlich direkt aufgenommen (dieses Cover hält die Concertante nicht mal der Erwähnung wert...)




Zitat


Außerdem beinhaltet die CD noch eine bemerkenswerte Fassung von Mozarts Concertante als Arrangement für Streichsextett des großen Anonymous.


Man lehnt sich vermutlich nicht allzuweit aus dem Fenster, wenn man vermutet, daß Du die CD hauptsächlich dieses Arrangements wegen gekauft hast... ;)

:hello:

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

Ulli

Erleuchteter

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Beiträge: 17 130

Registrierungsdatum: 16. Januar 2005

3

Freitag, 13. März 2009, 07:49

RE: Haydn, Joseph: Sinfonia Concertante B-Dur Hob. I:105

Zitat

Original von Johannes Roehl
Man lehnt sich vermutlich nicht allzuweit aus dem Fenster, wenn man vermutet, daß Du die CD hauptsächlich dieses Arrangements wegen gekauft hast... ;)


Ich habe sicher nicht gezielt nach dieser Bearbeitung der Mozartschen Concertante gefahndet, von deren Existenz ich ja nichts wusste. Ich weiß auch nicht, welche Fahndungsgelüste mich just zu dieser CD trieben. Aber es dürfte klar sein, daß das Mozartarrangement die letzten Zweifel über das Ja oder Nein dieses CD-Kaufs ausräumte.

:hello:

Ulli
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(Vincenzo Geilomato Hundini)

John Doe

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  • »John Doe« ist männlich

Beiträge: 828

Registrierungsdatum: 27. Juni 2009

4

Sonntag, 10. Oktober 2010, 09:13

Haydns Concertante in der Interpretation von Dorati

Hallo miteinander,

die beste Einspielung dieses Werkes, die mir bis jetzt untergekommen ist, stammt von Dorati. Selbige zeichnet sich neben einem inspirierten Spiel der Solisten und des Orchester besonders dadurch aus, dass dieser eingangs erwähnte plakative Einsatz der Tutti und Soli vermieden wird, sondern tatsächlich das eine aus dem anderen gleichsam organisch heraus wächst, wobei die Einzelstimmen - für diese Aufnahme typisch - deutlichst eingefangen sind.
Ansonsten spielt er dieses Werk charmant, elegant und schön, so dass es sich zumindest von dieser Interpretation her in die Reihe der großen Mozartkonzerte einreiht.

Viele Grüße
John Doe

Maurice

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  • »Maurice« ist männlich

Beiträge: 5 549

Registrierungsdatum: 7. Oktober 2010

5

Freitag, 26. Juli 2013, 18:11

Begeistert bin ich momentan von dieser preisgünstigen Aufnahme:

Haydn, Franz Josef (1732-1809)
Sinfonia Concertante

Kölner Kammerorchester
Helmut Müller-Brühl



Wunderbares, transparentes Orchesterspiel, die Solisten treten deutlich hervor.
Hatte ich von dieser Aufnahme nicht erwartet.
Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)