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Joseph II.

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Registrierungsdatum: 29. März 2005

331

Freitag, 22. April 2016, 21:17

Beethoven: Symphonie Nr. 7
Wiener Philharmoniker
Hans Knappertsbusch
Aufnahme: Musikverein, Wien, 17. Jänner 1954

Spielzeiten: 12:47 - 10:04 - 8:23 - 8:09

Dass dies kein Beethoven von heute sein kann, hört man bereits in den ersten Takten der das Konzert einleitenden "Coriolan"-Ouvertüre. Da ist der ganz große Gestus, da ist das heutzutage verpöhnte Pathos in überbordendem Maße. So leitet man ein Trauerspiel ein. Gottfried Kraus betitelt seinen Begleittext treffend mit "Anti-Star und genialer Improvisator". Dass viel vorab geübt wurde, wird man eher nicht annehmen dürfen. Dass das Ergebnis trotzdem dermaßen überzeugt, mag auch an der besonderen, beinahe ein halbes Jahrhundert währenden Beziehung zwischen Hans Knappertsbusch und den Wiener Philharmonikern liegen. Der Wiener Musikpublizist Alexander Witeschnik schrieb treffend:

"Interpretationsprobleme und Taktstockfragen haben ihn nie bekümmert. Sein Verhältnis zur Musik ist kein intellektuelles, sondern ein durchaus emotionelles. Wie keiner hat er die Gnade, sich der Gunst des Augenblicks zu überlassen. Er vertraut der Intuition des Abends mehr und lieber als dem Schweiß der Proben. Ja es scheint, dass er die gewisse Spannung des Risikos braucht und sucht. Aus ihr gewinnt er die lebende Unmittelbarkeit seines Musizierens, aus ihr den herrlichen Mangel an geheimnisloser Perfektion. Knappertsbusch ist der größte und genialste Improvisator am Pult."

Das breite Zeitmaß ist in diesem Beethoven-Bild, das zweifellos dem Verständnis des späten 19. Jahrhunderts verhaftet ist, vorherrschend. Man wird Kraus beipflichten müssen, wenn er betont, dass beim "Kna" jede Diskussion über Tempo- oder Stilfragen gegenstandslos erscheint.

Diese Siebente baut sich gemächlich, aber unaufhaltsam auf, den alles bestimmenden Rythmus immer klarer herausstellend. Das Vivace bricht mit Vehemenz herein. Die Blechbläser dürfen dionysisch schmettern und müssen sich nicht unter dem schwelgerischen Streicherklang verstecken. Es überwiegt das Triumphale, das Erhebende im Kopfsatz. Das berühmte Allegretto wird hier ganz altmodisch in der Art eines feierlichen Trauermarsches aufgefasst und bildet den natürlichen Kontrast zum Kopfsatz. Geschickte Temporückungen dienen der Akzentuierung. In dieser Monumentalität fühlt man sich beinahe an eine frühe Reminiszenz an Siegfrieds Trauermarsch erinnert. Das Scherzo entbehrt nicht der Dramatik. Gemessen und, wenn nötig, doch impulsiv herausfahrend. Das bukolische Trio ist in seiner monumentalen Statik im besten Sinne unzeitgemäß, beinahe an die "Pastorale" erinnernd. Zum Höhepunkt gerät der Finalsatz, der zwar kaum einem Allegro con brio entsprechen dürfte, in seiner Wuchtigkeit aber die Raserei sogar noch besonders unterstreicht. Unbeirrbar hält Knappertsbusch am einmal angeschlagenen Grundtempo fest. So gerät dies zwar nicht zum revolutionären Tanz, entfaltet aber dennoch eine Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann. Die Bedrohlichkeit in der Coda wird durch schneidend scharfes Blech noch verstärkt. Geheimnisvoll schlängelt sich die Musik voran, fast an einen Lindwurm erinnernd. Die Pauken, Trompeten und Hörner legen sich zuletzt besonders in Zeug. Erschütternd klingt die Symphonie aus und veranlasst das Publikum zu überbordendem Applaus.

Dirigat überragend. Orchesterleistung trotz der Spontaneität sehr gut, ohne seelenlosen Perfektionismus, und ein schönes Zeugnis für die praktische Umsetzung der Traumpartnerschaft "Kna"-Wiener Philharmoniker. Tonqualität und Remastering in Anbetracht des hohen Alters gut.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

William B.A.

Erleuchteter

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332

Samstag, 23. April 2016, 14:38

Lieber Joseph,

Ich habe mal in die Siebte hineingehört, und das Ergebnis hat mich auf Anhieb mitgerissen. Die dynamischen Steigerungen sind kaum zu übertreffen, und auch die Pianokultur der Wiener ist ja von jehr zu rühmen. Ich bin ja so langsam davon abgekommen, nur Stereo-Aufnahmen zu kaufen, und so habe ich diese Aufnahme gleich in den Einkaufswagen gelegt, werde sie aber erst bestellen, wenn ich vom Urlaub wieder zurück bin.
Noch ein weiterer Großmeister der Vergangenheit, der es Kna an dynamischer Intensität und Steigerungsfähigkeit gleichtat, war ja zweifellos Fu, um mal bei der Kurzform zu bleiben. Und ob verschiedene Dirigenten "von heute" mit ihren Originalklangaufnahmen mit solchen Giganten von "früher" schritthalten , nehmen wir mal "Old Klemp" und Toscanini, (von dem ich übrigens die GA habe), noch hinzu, wage ich doch zu bezweifeln. Eine GA mit einem "Dirigenten von heute" habe ich, da klingen die Tutti gerade bei diesen beiden (Siebte und Eroica), wo es doch großsymphonischer kam geht, manchmal doch ein wenig schwindsüchtig, ähnlich wie das berühmte Gewächs bei Ringelnatz: "ein armes Kraut, ein schwacher Halm, schwindsüchtig und verloren".

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

William B.A.

Erleuchteter

  • »William B.A.« ist männlich

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333

Donnerstag, 26. Mai 2016, 03:53

Bevor ich nun wirklich zu Kna greife, habe ich erst mal den ersten Durchgang der neuen Gesamtaufnahme der Berliner Philharmoniker abgeschlossen, natürlich mit der Siebten, die ja schon in der GA der Wiener unter Thielemann zu den Herausragenden gehörte, und so ist es auch bei Sir Simon. Hier zunächst einmal die Einzelheiten:

Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 7 A-dur op. 92
Berliner Philharmoniker
Dirigent: Sir Simon Rattle
AD: Oktober 2015
Spielzeiten: (brutto) 13:45-8:43-8:27-8:17 -- 39:22 min:


Diese Aufnahme, die zusammen mit der gleich noch kurz zu besprechenden Zweiten zu meinen Lieblingssinfonien Beethovens gehört, kann ich am besten aus der Sicht der ebenfalls bestens dokumentierten Aufnahme Thielemanns in Wien beurteilen. Beide Aufnahmen stellen m. E. zwei verschiedene Seiten derselben Medaille dar. Thielemann interpretiert die Siebte romantisch, was ihr durchaus bekommt und, wie Kaiser im Gespräch mit Thielemann betonte, wo der Applaus schon mit einkomponiert sei.
Rattle nun ist im Abstand von 14 Jahren, seit er den Zyklus zum ersten Mal mit den Wienern eingespielt hat, bei seiner klassischen Auffassung nicht nur geblieben, sondern ich meine, er hat sie noch puristischer gestaltet, nicht nur, was die Besetzung angeht, sondern auch den dynamischen Impetus, der sich von dem der mir lieb und teuer gewordenen Originalklang-Orchester kaum mehr unterscheidet, außer, dass die Berliner vielfach noch engagierter und vor allem noch besser klingen.
Vor allem aber hat, wenn man die Szenerie beobachtet und hört, die Synthese zwischen Orchester und Dirigent ein Niveau erreicht, das kaum mehr zu toppen scheint.
Vor über 20 Jahren gab es einen Dirigenten, der mit seinem Orchester auf vergleichbarer Bewusstseinsebene kommunizierte. Das Orchester war das Bayerische Staatsorchester, und der Dirigent war Carlos Kleiber. Rattle machte es in vielen Momenten wie Kleiber: er schaute sein Orchester an, dirigierte mit den Augen oder mit dem Kopf, bevor er wieder explodierte.
Da er nie wie Thielemann den romantischen Schritt geht, sondern das klassische Tempo perfektioniert hat, war in allen Sätzen eine ungeheure Leichtigkeit zu verspüren, vor allem im Allegretto, das meilenweit vom schwermütigen Allegretto (Andante) eines Karl Böhm entfernt war.
Demzufolge gerieten natürlich Scherzo und vor allem das Finale in eine (kontrollierte) Extase.
Selten habe ich eine so mitreißende und meisterlich musizierte Siebte von Beethoven gehört, an deren Zustandekommen auch der auf Topniveau musizierende Solopaukist Wieland Welzel sowie seine Bläserkollegen Emanuel Pahud und Albrecht Mayer maßgeblich beteiligt waren.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

WoKa

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334

Samstag, 12. November 2016, 23:54

Hallo!

Ich hatte die Freude, die 7te heute Abend in der Stuttgarter Liederhalle mit Philippe Herreweghe und dem Orchestre des Champs-Elyssées erleben zu dürfen. Ich bin normalerweise kein großer Freund von historischen Instrumenten - dennoch war ich restlos begeistert (wie die übrige Besucher auch).

Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

Glockenton

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335

Donnerstag, 1. Dezember 2016, 16:06

Auf Youtube habe ich mir die Siebte unter Furtwängler angehört, und ich dachte, es wäre vielleicht eine Idee, meine wirklich nur sehr subjektiven Eindrücke hier zu teilen:



Mein Eindrücke sind wie folgt:

Satz 1: Viel Gutes, immer eine klare Ausformulierung der Phrasen, ein volles "Reingehen" in die Musik ist auf jeden Fall immer da, hohe Konzentration über den ganzen Satz hinaus.

Satz 2: (ab 13.00) Erst dachte ich: "Gut, dass ist gut......" und dann irgendwann, da "hatte er mich" und ich habe da so einen "furtwänglerischen Wahrheitsmoment" erfahren, aber vielleicht sollte man es eher einen kurzes beethovensches Kernerlebnis nennen. Es scheint mir hier auf jeden Fall ein die musikalische Wahrheit in den Fokus rückendes Musizieren gewesen zu sein, fern jeder Eitelkeit. Jeder Anflug von "seht mal, wie ich hier interpretiere oder gearbeitet habe" fehlt jedenfalls. Es geschieht einfach, und irgendwie muss ich dann sagen: "Ja, es ist so."

Hier fällt mir Celibidaches Ansicht ein, dass es so etwas wie "Interpretation" in der Musik eigentlich nicht gibt. Wenn ich von A nach B durch eine Landschaft fahre, dann erlebe ich ja auch nur die Landschaft, wie sie nun einmal ist, und nicht irgendeine Interpretation derselben.
Die Aufgabe eines Dirigenten sollte es von daher sein, in der Probe wie eine Art Archeloge das Störende und Überflüssige zu entfernen, so dass erkennbar wird, wie die Musik im Kern tatsächlich ist.

Satz 3: Ab hier überzeugt es mich erstaunlicherweise weniger. Die Temposchwankungen müssen m.E. nicht nur nicht sein, sondern sie verdunkeln das formale Verständnis des Satzes. Das Trio ist arg langsam und klebrig - die Spannung wird da nicht gehalten.

Satz 4: Nun, schon gut.... Auch hier sehe ich keine zwingenden Notwendigkeiten für die Temposchwankungen, auch wenn ich schon verstehe, was er meinte. Wie gesagt, es ist aber nicht schlecht. Sehr gut gefällt mir -wie in Satz 1- diese Klarheit in der Ausformulierung der Phrasen und das volle, immer auch körperliche "Reingehen" in die Musik. Es kann gut sein, dass ich diesen Satz live so als Offenbarung erlebt hätte. Den Unterschied zwischen Live-Erlebnis und Konservenhören sollte man vor allem beim Hören von Furtwänglers Aufnahmen immer im Hinterkopf haben. Mittendrin im Satz scheint mir so ein gewisser Durchhänger erkennbar zu sein, zum Ende hin wird es dann wieder sehr zielgerichtet und stark mitreißend.

Satz 3 und 4 zeigen mir, dass Furtwängler eben auch nur ein Mensch war. Er war aber jemand, der in gewissen Momenten Zugänge zur Musik öffnen konnte, wie es eben Andere vor und nach ihm so nicht konnten. Ein großer Magier war er also auf jeden Fall.

Lohnte sich das Anhören?
Ja, für Satz 1 auf jeden Fall, vor allem aber für Satz 2! Da gab es so einen Moment an dem ich dachte " das ist es doch, wonach wir alle suchen". Nun ja, es hört sich später etwas gefühlig-pathosbeladen an, aber es war tatsächlich so, dass der Furtwängler diese nicht einfach so wiederholbaren Momente hatte, wo er ganz tief im Inneren der Hörer etwas öffnete, so dass man durch dieses Mitschwingen für Momente etwas intuitiv erkennt, dass man allerdings nur schwer in Worte fassen kann.

Ich liefere hier mit Absicht keine fachliche Analyse, die sich naturgemäß immer nur auf die greifbaren und nachweisbaren Parameter beschränken müsste. Vielmehr sind das subjektive Erlebnisse, die wahrscheinlich - im Gegensatz zur Möglichkeit, die Sounddatei wieder und wieder abzuspielen- NICHT wiederholbar sind. Dennoch habe ich auch schon von Anderen gehört, dass es ihnen beim Hören einer Furtwängler-Aufführung so ähnlich ergangen ist, weshalb ich mich auch den Mut habe, es trotz aller zugegebenen Subjektivität zu veröffentlichen.

Gruß
Glockenton

Dr. Holger Kaletha

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336

Donnerstag, 1. Dezember 2016, 16:45

Lieber Glockenton,

das war doch sehr schön! :) Leider kenne ich die 7. mit Furtwängler gar nicht. Das mit den Tempo-Schwankungen ist natürlich die Wagner-Tradition, die Furtwängler in gewisser Weise vollendet hat. Wagner sprach von "Modifikationen des Tempos" und betonte das gegen Mendelssohn, der ein zügigeres und vor allem einheitliches Tempo wählte. In vielen Fällen kann das Furtwängler wirklich ungemein organisch, einfach geradezu vollendet intuitiv selbstverständlich, aber für unsere Ohren heute wirkt es dann doch anderernorts einfach antiquiert und befremdlich. So wohl wie hier. :hello:

Herzlich grüßend
Holger

Glockenton

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337

Donnerstag, 1. Dezember 2016, 17:45

Lieber Holger,

vielen Dank für Dein Lesen und Antworten :-)

Der von Dir beschriebenen Tradition stehe ich bei meiner neu aufgeflammten Begeisterung für Celi, Thielemann und Fu auf der einen, aber vor allem für Bruckner und Wagner auf der anderen Seite vielleicht gar nicht so fern.
Gerade bei einem so auf Metrum und Tanz getrimmten Satz wie dem Finalsatz der Siebten meine ich aber, dass das Metrum hier meistens durchlaufen sollte. Da fällt einem ja sofort der Herr Solti ein, wenn es um unbedingte rhythmische Klarheit gehen soll.
Irgendwie haben ja beide Seiten auch recht. So ist es ja im wirklichen Leben auch oft, sogar in der Politik. Was in jeweiligen Takt dann das Bessere wäre, verlangt dann eben nach Antworten.

Nebenbei: Beneide Dich um Deine Möglichkeiten, jetzt auf den schönen Weihnachtsmarkt in Münster gehen zu können. Hier gibt es so etwas nicht, und der norwegische Gløgg kann es mit unserem Glühwein nach meinem Geschmack auch nicht aufnehmen.


Gruß :hello:
Glockenton

Dr. Holger Kaletha

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338

Donnerstag, 1. Dezember 2016, 18:11

Nebenbei: Beneide Dich um Deine Möglichkeiten, jetzt auf den schönen Weihnachtsmarkt in Münster gehen zu können. Hier gibt es so etwas nicht, und der norwegische Gløgg kann es mit unserem Glühwein nach meinem Geschmack auch nicht aufnehmen.
Lieber Glockenton,

der Weihnachtsmarkt hier ist wirklich sehr schön! Und die Auswahl an Glühwein und Punsch ist groß - dann gibt es auch noch einen Stand mit originalen Nürnberger Lebkuchen. Lecker! Die Rezepte zu norwegischem Gløgg, die ich eben google, sind aber auch nicht schlecht! Vielleicht ist der Wein bei Euch nicht so gut?

Ich finde auch, dass die Wagner-Tradition es wert ist, erhalten zu werden. Celi hat irgendwie Furtwängler mit romanischer Klarheit verbunden und Thielemann nimmt die Wagner-Tradition auch wieder auf. Das möchte man nun wirklich nicht missen! :hello:

Herzlich grüßend
Holger

lutgra

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339

Donnerstag, 1. Dezember 2016, 18:16

Lieber Glockenton

ich habe die Aufnahme, die ich sowohl auf LP als auch auf CD habe, gerade selbst noch einmal gehört und gebe Dir recht. Speziell der dritte Satz ist in meinen Ohren ziemlich missraten. Eine Erklärung wäre, dass es sich lt. meinen Unterlagen um eine Studioaufnahme handelt, die hat WF nicht besonders geliebt. Und vielleicht war er am zweiten Tag etwas lustlos. Es könnte auch sein, dass die Aufnahme aus mehreren Takes zusammengeschnitten wurde, ich bilde mir ein, auch Schwankungen in der Lautstärke zu vernehmen. Egal, das hätte Walter Legge jedenfalls so nicht freigeben dürfen, der war ja bekanntermassen eigentlich sehr kritisch. Es gibt auf youtube eine Live-Aufnahme von 1943 aus Berlin, wenn ich Zeit habe, höre ich die mal im Vergleich.



P.S. Hier auf dem Stuttgarter Weihnachstmarkt gibt es auch Gløgg, aber ich glaube aus Finnland. Werde ich am 16. mit den Mitarbeitern überprüfen gehen. :hello:

Joseph II.

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340

Donnerstag, 1. Dezember 2016, 18:21

Bei Furtwängler gilt (bis auf ganz wenige Ausnahmen) eigentlich immer: live ist besser als Studio.

Als seine beste Aufnahme der 7. Symphonie von Beethoven habe ich eigentlich die letzte mit den Wiener Philharmonikern von den Salzburger Festspielen 1954 in Erinnerung. Die ist geradezu mustergültig.



Im Video nur der 1. Satz, die weiteren sind auch auf YouTube verfügbar.

Die Orfeo-Aufnahme ist derzeit sehr günstig zu beziehen und beinhaltet zudem auch seine beste Aufnahme der 8. Symphonie:



Interessant ist hier gerade der direkte Vergleich mit der von mir in Beitrag 331 vorgestellten Aufnahme von Knappertsbusch mit den Wienern aus demselben Jahr, die mir aufgrund ihrer "altertümlichen" Wuchtigkeit noch mehr zusagt (man höre das Finale!):



(im Video allerdings nicht im neuen Orfeo-Remastering)
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

William B.A.

Erleuchteter

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341

Freitag, 2. Dezember 2016, 22:03

Ich habe jetzt, wegen Glockentons differnzierter Betrachtung, nur die beiden Binnensätze senes Tonbeispiels gehört, weil es da ja auch darauf ankam.

Bei den ersten Taktern des Allegrettos dachte ich sofort an Böhms Aufnahme mit den Wiener Symphonikern, der den zweiten Satz in archaischer Unerbittlichkeit aufbaut und gnadenlos durchhält.
Doch dann nahm Fu in seiner unnachahmlichen Art den Druck aus diesem archaischen Impetus unvermittelt heraus und steuerte in eine unglaubliche Leichtigkeit hinein, nur befeuert won wenigen Diminuendi. Das fand ich ungeheuerlich, und das war mir bei Böhm nicht so erinnerlich.

Und im Scherzo bin ich nicht deiner Ansicht, lieber Glockenton. Ich finde, dass Fu hier in seiner Sichtweise die temproalen Gegensätze des Scherzos bis zum "Geht nicht mehr" ausreizt und gerade dadurch eine ungeheure Spannung aufbaut. Aber das ist meine ganz persönliche Meinung. Eine derart zwingende, in den Kontrasten ungeheuerliche Siebte habe ich zumindest in den Binnensätzen bisher noch nicht gehört, was mich zu der Überzeugung führt, nun endlich meine Furtwängler-Diskographie der Beethoven-Sinfonien aufzufüllen.
Gerade am Ende des Trios, lieber Glockenton, höre ich die Spannungskurve kontinuierlich ansteigen, deren Verzögerung sich dann in dem letzten Presto-Kontrast weder Bahn bricht.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
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Glockenton

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Registrierungsdatum: 27. Juli 2006

342

Samstag, 3. Dezember 2016, 13:54

Ich freue mich sehr, dass hier tatsächlich mitgehört wird!

Da ich für den kommenden Adventssonntag viel vorbereiten muss, wird es bei mir etwas eng, die Beispiele alle durchzuhören, die Ihr gepostet habt.
Aber ich habe schon einmal etwas hineingehört und finde den Anfang der Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern von den Salzburger Festspielen 1954 auf jeden Fall sehr gelungen. Mir ist sofort die Wucht der ersten Orchesterschläge aufgefallen. Sofort gibt Furtwängler seine Visitenkarte ab. Man hört hier nämlich sehr schön, dass die kinetische Energie eben dadurch entsteht, dass das Orchester nicht exakt zusammenspielt. Es ist kein trockenes "Pamm" viel eher ein gewisser "buchhjunkk" - eben typisch Furtwängler.
Das Vorspiel vor dem Übergang in den schnelleren Teil ist auch ein Beispiel für das von uns weiter oben angesprochene flexiblere Metrumsgefühl der Wagner-Furtwängler-Thielemann-Schule. Es entstehen grandiose Wirkungen, ähnlich grandios aber ganz anders wie bei Solti, der seine Wirkungen metrisch gesehen mit dem genauen Gegenteil, nämlich der absoluten Exaktheit erzielt.
Den schnelleren Teil des ersten Satzes finde ich in dieser Aufnahme nun wieder etwas träg - man sieht, dass er es wirklich immer recht unterschiedlich gemacht hat.

Lieber Willi,

wenn wir uns bei Satz 3 und 4 nicht ganz einig sind, ist das ja kein Beinbruch :-) , vor allem weil Dich mein Beitrag zum Auffüllen Deiner Furtwängler-Bestände inspirierte. Ich verstehe und höre auch, was Du mit Deinen Aussagen meinst. Man kann es mit der Spannungskurve unterschiedlich empfinden: ob sie durch ein flexibles Metrum erkennbarer oder eher verdunkelt wird, muss man von Fall zu Fall für sich entscheiden.

@Holger:
Ich habe übrigens meinen Vater aus Bielefeld gebeten, mir ein Paket mit Lebkuchen, Pfefferkuchen, Sylter Rote-Grütze-Tee und Wurst vom Damisch-Schlachter ( Rügenwälder feine Teewurst, Krakauer und andere Leckereien...) zu schicken, auch wenn das Porto viel zu teuer werden wird.
Echte Nürnberger Lebkuchen wird er wohl nicht finden, sondern normale aus dem Supermarkt. Aber trotzdem werde ich mich sehr freuen und es mit viel Sehnsucht nach Deutschland unter Tränen und mit Andacht zum Advent essen und trinken..... ;)
Blöd dass ich einen Beruf habe, bei dem man in der Weihnachtszeit auf keinen Fall Urlaub machen kann...

@Joseph: Das Finale mit Kna hat etwas - ich mag so etwas auch! Diese Pauke.... und dann ab und zu dramatische Crescendi in den Trompeten... ob die da stehen, weiss ich nicht, aber sie sind musikalisch und gefallen mir.

@lutgra: Erstaunlich, dass wir es so hören, während diese fraglichen Sätze in Willis Ohren sehr gelungen sind. Man sieht, wie unterschiedlich etwas empfunden werden kann. Recht haben wir wohl alle....:-)


LG :hello:
Glockenton