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Klawirr

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Registrierungsdatum: 24. März 2007

1

Samstag, 8. November 2008, 15:30

Haydn, Joseph: Symphonie Nr. 24 D-dur

Joseph Haydn: Symphonie Nr. 24 D-dur

Entstanden 1764 für den Fürsten Esterhazy.

Vier Sätze:
1. Allegro
2. Adagio
3. Menuetto
4. Finale: Allegro

Besetzung: Flöte, 2 Oboen, 2 Hörner, Streicher.

Da mir leider keine Partitur vorliegt, gibt’s nur Höreindrücke:

Der Kopfsatz (4/4 Takt) ist ein zwar frohsinniger, aber durchaus dramatischer Sonatensatz, der gleich mit dem markant-selbstbewußt wirkenden Hauptthema anhebt - vorgetragen im forte von Oboen und Hörnern. Dem Hautthema wird ein entspannteres schreitendes 2. Thema zur Seite gestellt. In der Durchführung, die in einer von motorisch vorwärtsdrängenden Streicherläufen bestimmten Passage einen dramatischen Höhepunkt gewinnt, arbeitet Haydn mit starken dynamischen Kontrasten. Nach einer Generalpause setzt die Reprise mit der Wiederaufnahme des Hauptthemas ein – allerdings überraschend im piano und außerdem in moll. Erst nach und nach setzt sich wieder der selbstbewußte Charakter der Exposition durch. Sowohl für Exposition als auch für Durchführung/Reprise sind Wiederholungen vorgeschrieben.

Das an zweiter Stelle stehende, ebenfalls gradtaktige Adagio ist ein überaus lyrisch-aparter Satz, über die gesamte Länge bestimmt von einer solistisch geführten Flöte, die ausschließlich von den Streichern dezent begleitet wird. Der Satz erinnert an den Charakter der Mittelsätze galanter Konzerte für Traversflöte und Streichorchester.

Das Menuet ist im Ausdruck recht rustikal, fast ein wenig hemdsärmelig. Hier dialogisieren abwechselnd einerseits (von den Streichern begleitet) Hörner und Oboen, dann andererseits Bläsergruppe und Streichergruppe. Im ländlerhaft-milden Trio wird die Flöte erneut solistisch eingesetzt.

Das Finale, wie der Kopfsatz ein Sonatensatz im 4/4 Takt, nimmt wieder die Dramatik des Kopfsatzes auf. Es beginnt mit dem in einem gespannten piano vorgetragenen Thema, das sich dann in einer Wiederholung den Weg zum forte bricht. Dieses kantige Gegeneinander von gespannt-zurückgehaltenen Passagen mit solchen, die im forte hervorbrechen, bestimmt den Charakter des ganzen Satzes, der zwar atemlos voranstürzt, aber aufgrund seiner inneren Dramatik nicht so recht als bloßer Kehraus zu werten ist. Auch hier werden Exposition und Durchführung/Reprise wiederholt.


An Aufnahmen besitze ich Goodman (Hanover Band) und Hogwood (Academy of Ancient Music) sowie Fischer (Brilliant Box). Letzteren habe ich in diesem Falle allerdings bisher in der Kiste gelassen. Die Einspielungen von Goodman und Hogwood finde ich ziemlich gleichwertig. In den Zeiten unterscheiden sie sich in Kopfsatz und Menuet kaum, im Adagio ist Hogwood eiliger unterwegs (3:50; Goodman: 4:48 ), im Finale Goodman (4:14; Hogwood: 4:45). Hoogwood geht die Sache insgesamt etwas entspannter an, bereits der erste Satz gewinnt bei ihm eine deutlich lyrischere Dimension als bei Goodman, der wesentlich stärkere und teilweise auch harte Akzente setzt. Ist aber beides in seiner Art durchaus überzeugend. Im zweiten Satz gefällt mir die zügigere Gangart Hogwoods deutlich besser. Im Menuet ist Goodman derber, Hogwood wirkt tänzerischer. Im Finale dann ist Goodman IMO ziemlich überlegen: das ist bei ihm zwingend motorisch musiziert und einfach spannender, während Hogwood hier IMO zu sehr versucht, die Musik in Richtung des Lyrisch-Galanten zu interpretieren und dabei die der Musik innewohnende Spannung glattgeschliffen wird.

Viele Grüße,
Medard

Pius

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Beiträge: 3 644

Registrierungsdatum: 11. Mai 2005

2

Sonntag, 9. November 2008, 14:22

RE: Haydn, Joseph: Symphonie Nr. 24 D-dur

Hallo, Medard,

Zitat

Original von Klawirr
Der Kopfsatz (4/4 Takt) ist ein zwar frohsinniger, aber durchaus dramatischer Sonatensatz, der gleich mit dem markant-selbstbewußt wirkenden Hauptthema anhebt - vorgetragen im forte von Oboen und Hörnern. Dem Hautthema wird ein entspannteres schreitendes 2. Thema zur Seite gestellt. In der Durchführung, die in einer von motorisch vorwärtsdrängenden Streicherläufen bestimmten Passage einen dramatischen Höhepunkt gewinnt, arbeitet Haydn mit starken dynamischen Kontrasten. Nach einer Generalpause setzt die Reprise mit der Wiederaufnahme des Hauptthemas ein – allerdings überraschend im piano und außerdem in moll.


Daß die Reprise dann in d-moll (so stehts im Reclam) einsetzt, ist sicher sehr ungewöhnlich; IMO ein weiteres Sturm-und-Drang-Charakteristikum (welche sich ja in den 20er-Symphonien durchaus häufen).
Die Piano/Forte-Kontraste des 1. Satzes kommen ja dann im Finale wieder, das ich aber nicht so überzeugend und interessant finde wie den 1. Satz.
Eher unter ferner liefen sind für mich dann die Studie für ein nie zustande gekommenes Flötenkonzert und das Menuett.

Viele Grüße,
Pius.

Klawirr

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Beiträge: 3 735

Registrierungsdatum: 24. März 2007

3

Sonntag, 9. November 2008, 14:39

RE: Haydn, Joseph: Symphonie Nr. 24 D-dur

Hallo Pius,

Zitat

Original von Pius
Daß die Reprise dann in d-moll (so stehts im Reclam) einsetzt, ist sicher sehr ungewöhnlich; IMO ein weiteres Sturm-und-Drang-Charakteristikum (welche sich ja in den 20er-Symphonien durchaus häufen).


Das sehe ich auch so. Allerdings ist der Charakter des 1. Satzes für mein Empfinden insgesamt leichter und lichter als es die Kopfsätze der meisten richtigen Sturm-und-Drang-Sinfonien sind.

Zitat

Die Piano/Forte-Kontraste des 1. Satzes kommen ja dann im Finale wieder, das ich aber nicht so überzeugend und interessant finde wie den 1. Satz.


Aber der Satz hat schon Potential, wie ich finde. Hängt vielleicht auch von der Interpretation ab, ob dieses Potential ausgeschöpft und vermittelt wird. Ich weiß ja nicht, welche Einspielung Du gehört hast - ich vermute mal Fischer, weil Du den auch bei der 23. zugrunde gelegt hattest. Die Fischer-Aufnahme habe ich, wie schon gesagt, noch gar nicht gehört. Bei Goodman jedenfalls hat das Finale ordentlich Energie und weiß zu fesseln, während es bei Hogwood ein wenig neutral-gefällig daherkommt.

Zitat

Eher unter ferner liefen sind für mich dann die Studie für ein nie zustande gekommenes Flötenkonzert und das Menuett.


Beide Sätze sind sicherlich keine besonders herausragenden Exemplare Haydnscher Mittelsätze, wobei ich das Menuet in seiner derb-rustikalen Art schon ganz ansprechend finde. Das Flöten-Adagio wirkt allerdings auch auf mich ein wenig ausgeborgt - wenn es aber einigermaßen zügig angegangen wird (bei Hogwood etwa), ist es sehr apart...

Viele Grüße,
Medard