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Joseph II.

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91

Donnerstag, 27. August 2009, 21:56

RE: Klemp mit Bruckner 5 scheint schwer erhältlich

Zitat

Original von s.bummer
Als Kurisoum: Knappertsbusch (DECCA) für den Kenner. So ne vergewaltigte Version wie die von Schalk muss man mit demselbigen im Nacken erst mal ertragen können.

Ist das diese Aufnahme?



Die würde mich als Knappertsbusch-Fan ja auch interessieren. :D
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

s.bummer

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92

Donnerstag, 27. August 2009, 22:01

YES!

Die isses!

Höre übrigens grade die Music and Arts Aufnahme von Klemp mit den Wienern:
Deutlich flotter als die frühere Studioaufnahme. Aber der Hammer sind die Wiener, die ihn gradezu himmlisch in den Streichern begleiten und die Bläser sind wunderbar transparent und unangestrengt.
Ein einziger Wohlklang!

Gruß S.
Johannes Richter: Neue Ideen setzen sich nur durch, weil die Anhänger der alten aussterben

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »s.bummer« (27. August 2009, 22:12)


Norbert

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93

Donnerstag, 27. August 2009, 22:16

Zitat

Original von Johannes Roehl

Die habe ich hauptsächlich wegen Klemp und mal geschnappt, weil ich wußte, daß sie selten war. (s.u., EUR 40 würde ich nicht zahlen) Wie anderswo neulich geschrieben, sind ja seltsamerweise 5, 8 u. 9 schon länger vergriffen. (Ich meine aber mal gelesen zu haben, daß die 8. gekürzt sei und die 9. sehr spät eingespielt und nicht so gut gelungen).
Ich kann zu der 5. Klemperers auch kaum etwas sagen; oft gehört habe ich nur Wand und Gielen, weil ich die schon knapp 20 bzw. ca. 17 Jahre besitze und mit Anfang 20 viel mehr Bruckner gehört habe als in den letzten Jahren.


Klemperers Aufnahme von Bruckners 9. datiert aus 1970 (2. Februar, meine ich, also war er 84 Jahre alt zum Zeitpunkt der Einspielung).

Ich bin mit der Aufnahme nie recht "warm" geworden, obwohl ich Klemperer als Bruckner-Dirigent bei der 6., 7. und insbesondere 4. Sinfonie sehr schätze.

Zitat

Wenn ich recht erinnere, ist bei Wand u.a. das zügige Tempo des Adagios bemerkenswert, daß die Nähe zum Scherzo deutlich macht (danach kommt einem das übliche Tmepo für den 2. Satz schleppend vor).


Ich hatte heute Vormittag Wands Aufnahme mit den Berliner Philharmonikern gehört.
In der Tat ist das Adagio, insbesondere im Vergleich zu Gielen, relativ flott im Tempo (in der Aufnahme mit den Kölnern noch einmal ca. 40 s schneller als mit den Berlinern; Wand 15'49'' bzw. 16'26'', Gielen 18'05''), aber mich stört ein wenig, daß Wand das Pizzicato zum Beginn für mein Empfinden zu schnell dirigiert.

Zitat

Gielens ist mir nicht zuletzt wegen der großen Klarheit und des m.E. exzellenten Klangs in Erinnerung. Naja, im Herbst/Winter werde ich mir vielleicht endlich mal wieder Muße für Bruckner nehmen. Die 5. fand ich schon immer faszinierend, vielleicht weil sie am wenigsten den sonstigen "Mustern" Bruckners entspricht.


Zustimmung zu Gielen in beiden Punkten.
Trotz Herreweghes vorzüglicher Neuaufnahme hält Gielen einen leichten Vorsprung, weil beim letztgenannten die Tempi noch etwas flüssiger sind und er Bruckners Akzentuierungen der Blechbläser so sehr verdeutlicht wie kein anderer mir bekannter Dirigent.

@s.bummer: Daß es noch eine Live-Aufnahme von Klemperer gibt, wußte ich nicht. Danke für den Hinweis.
Wenn es die Aufnahme irgendwann irgendwo zu einem erschwinglichen Preis gibt, werde ich sie mir sicherlich zulegen...
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

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s.bummer

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94

Donnerstag, 27. August 2009, 22:35

Nur mal so als Tempi eines alten Herrn

Klemp in Wien mit Bruckner 5:
21:10 flotter als Wand!
15:12 flott nicht?
14.26, ok, etwas zu langsam!
25:25
Nicht schlecht, oder???
Da erübrigt sich die Frage nach der Statik der Sinfonie!
Gruß S.
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Wolfram

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95

Sonntag, 6. Dezember 2009, 23:06

Hallo zusammen,

ich habe in den letzten Tagen die 5. Bruckner mit Benjamin Zander und Philippe Herreweghe gehört.

Die Aufnahme mit Herreweghe fand ich recht belanglos. Wie kann man solche Musik nur so uninteressant spielen?!

Die Aufnahme mit Zander fand ich aufnahmetechnisch hervorragend (kenne nur die CD-Spur in Stereo). Von der Interpretation her sehr gut, aber es fehlte das letzte Quäntchen Begeisterungsqualität, wie ich es aus den Aufnahmen mit Barenboim und Chailly kenne.

Die Aufnahme mit Wand und BPO ist bestellt - bin gespannt ...
Viele Grüße, Wolfram

Wolfram

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96

Dienstag, 15. Dezember 2009, 21:40

Hallo zusammen,

nun also die Aufnahmen mit Thielemann und Harnoncourt.

Der erste Satz zerfällt Thielemann total. Da passt nichts zusammen. Wie konnte das freigegeben werden? Er steigert sich dann von Satz zu Satz, der vierte Satz hat mich überzeugt. Ich fand nicht, dass es ein Dauerfortissimo war. Der Schluss steht im dreifachen Forte so in der Partitur (O-Ton Bruckner: "Choral bis zum Ende fff"). Schade, dass der erste Satz so misslungen ist.

Harnoncourt - sehr detaillierte Aufführung, spannend, fordert der Hörer, verführt zum Verfolgen der Details. Macht hellwach. Eine sehr gute, allerdings kopflastige Aufführung der Sinfonie. Die Aufnahme ist eher eine Vorlesung über die Sinfonie als eine Aufführung derselben. Aber äußerst hörenswert.
Viele Grüße, Wolfram

Joseph II.

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97

Mittwoch, 16. Dezember 2009, 23:53

Um mal eine etwas plumpe Frage einzuwerfen, die ich mich kaum stellen traue, aber weil's Weihnachten ist: Wo klingt eurer Meinung nach das Finale des 4. Satzes am effektvollsten? :D

Das hat mich neulich wirklich dermaßen gefesselt, daß mich die Frage umtrieb.

Habe insofern mal ein paar Vergleiche angestellt, nur immer Auszüge: Celibidache 1993 (?), Wand 1998, Thielemann 2004 und noch ein paar. Solti würd mich ja interessieren ...
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Norbert

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98

Donnerstag, 17. Dezember 2009, 20:25

Hm, definiere "effektvoll"...

Am "knalligsten" dürfte Thielemann sein, wobei ausgerechnet er in der Schlußcoda wenig zuzusetzen hat, da durch das vorherige Dauerfortissimo keine Steigerungsmöglichkeiten mehr hat.

Die Schlußcoda wiederrum ist bei Jochum 1958 am "imposantesten", da bei ihm tatsächlich nioch die "elf Apostel" (siehe Seite 1 des Threads) zu hören sind. Mir persönlich gefällt dieser damals noch gebräuchliche Effekt allerdings gar nicht.

In Bezug auf ein grandioses, unaffektiertes Orchesterspiel dürfte Chailly kaum zu übertreffen sein (das Concertgebouw Orchester ist für mich ohnehin das Bruckner-Orchester schlechthin).

Wenn Du hören möchtest, wie dynamische Steigerungen feinsinnig im Verlauf der gesamten Sinfonie eingesetzt werden, um am Ende in der Coda tatsächlich ein strahlendes Fortissimo zu hören, dann wird Dich Herreweghe überraschen.

Wand 1998 kenne ich nicht (dürfte wohl die Aufnahme mit den Mpnchner Philharmonikern gewesen sein). 1996 mit den Berlinern verstand es Wand, die riesige Architektur der Sinfonie bestens zu verwalten. Allerdings war er mir bei allen Aufnahme mit den Berlinern ein wenig zu "altersmilde", deswegen höre ich lieber die früheren Einspielungen mit dem NDR-Sinfonieorchester.
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

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99

Donnerstag, 17. Dezember 2009, 20:55

Danke für die Auflistung, lieber Norbert.

Handelt es sich bei der genannten Jochum-Aufnahme um die mit dem Bayerischen RSO?

Einzeln offenbar nur als Japan-Import erhältlich:



Und jene Aufnahme ist die einzige mit den "elf Aposteln"?
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Norbert

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100

Donnerstag, 17. Dezember 2009, 22:49

Lieber Joseph II,

ich denke, das wird die genannte Aufnahme sein.

Ob es noch mehr Einspielungen gibt, in denen die Bläser zum Schluß der Sinfonie verstärkt wurden, entzieht sich meiner Kenntnis.

Es ist zumindest die einzige Aufnahme, die ich besitze (und das ist auch gut so, denn ich halte den Effekt für absolut verzichtbar).

Jochum selbst ist sich relativ schnell "untreu" geworden, denn in dem von mir früher schon erwähnten, aber derzeit leider auch nicht erhälltlichen Live-Mitschnitt aus Ottobeuren 1964, wartet er nicht mehr mit verstärkten Bläsern in der Coda auf.
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

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101

Dienstag, 22. Dezember 2009, 01:35



Aus Neugier habe ich mir nun den ersten Bruckner-Zyklus unter Jochum (DGG, 1958–1967) doch komplett zugelegt (wenn man bedenkt, daß bereits eine Einzelaufnahme über 20 EUR kostet, diese Box aber nur knapp über 40 EUR, rentiert sich das über die Maßen) und kenne seit heute auch die Fünfte von 1958 daraus.

Ich bin begeistert. Mit "imposant" hat Norbert es gut umschrieben: In der Tat ist die Coda bei Jochum gewaltig. Die ganze Symphonie scheint eine einzige Steigerung zu sein. Die Bläser sind unglaublich. Man muß diesen Effekt mit den "elf Aposteln" nicht mögen, aber besser als hier kann man sich das kaum vorstellen. Der "Bruckner-Papst" wird m. E. seinem Ruf gerecht. Eine mustergültige, sehr weihevolle Aufnahme, die mir persönlich mehr zusagt als der nüchterne, vielleicht "altersmilde" 86jährige Wand in seiner (letzten?) Einspielung der Fünften, wo das doch etwas brav daherkommt (ich kenne den früheren Wand allerdings nicht und bin gern bereit, dieses Urteil zu revidieren).

Die Stereo-Tonqualität ist in Anbetracht des hohen Alters hervorragend. Lediglich im Finale gerät sie offenbar an ihre Grenzen (zumindest mit Kopfhörern scheint es so, als wäre da ein Kanal zwei-, dreimal kurzzeitig "weg" – wird ja kaum an der CD liegen?).
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Norbert

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102

Dienstag, 22. Dezember 2009, 10:48

Es kann durchaus angehen, daß ich die "elf Apostel" wegen der Tontechnik für "verzichtbar" halte. Man bedenke, daß Bruckners 5. 1958 aufgenommen wurde - zu "Frühzeiten" der Stereophonie.

Der Moment, in dem der Schlußchoral gespielt wird, klingt für mich "künstlich" und "aufgebläht".

Auch deswegen höre ich diese Aufnahme sehr selten.

Falls die Aufnahme irgendwann wieder problemlos erhältlich ist, lege ich Dir wärmstens die schon öfter erwähnte Aufnahme aus Ottobeuren ans Herz.

Sehr schön in dem Zusammenhang ist auch Jochums letztes Konzert mit dem Concertgebouw Orchester (und sein vorletztes Konzert überhaupt):



Jochum selbst war von der Orchesterqualität so begeistert, daß er den letzten Satz im Konzert als Zugabe noch einmal spielen ließ (ist im Beiheft zu lesen).

Mich selbst begeistert besonders der sehr langsame, aber traumhaft gespielte zweite Satz. :jubel: :jubel: :jubel:
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Norbert

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103

Donnerstag, 24. Dezember 2009, 00:32

Zitat

Original von Masetto
Fand ich die 9. unter Celibidache und den Münchnern einfach nur perfekt, verstört mich die Aufnahme der Fünften etwas. Die Sinfonie klingt (vor allem im Finale) ein wenig merkwürdig. Es sind nicht die Tempi, sondern die Akzente, die gesetzt werden, die mir überhaupt nicht zusprechen. Eine sonderbare Aufnahme, wie ich meine.


Zitat

Original von Roman
Zu meiner Lieblingsaufnahme: :jubel:



Zwei Positionen, zu denen ich mich mal kurz äußern will:

Einerseits vermag ich es, Romans Begeisterung irgendwie zu verstehen – eine sehr schöne Aufnahme, besonders die ersten drei Sätze sind gut gelungen; tontechnisch vorbildlich –, andererseits kann ich Masetto beipflichten, wenn er Celibidaches Einspielung als "ein wenig merkwürdig" charakterisiert. Auch ich fand das Finale etwas sonderbar. Grad die Coda gerät etwas enttäuschend (meine ich das nur? ist das 1993 anders?). Es klingt recht gemächlich aus. Hätte mir da etwas mehr Schärfe erhofft. Da Celibidache ja keine "elf Apostel" einsetzt, hätte er m. E. die Pauken stärker betonen sollen. Aber na ja, was red' ich Laie groß rum. :pfeif: Maestro Celibidache wollte es sicherlich genau so.

Kommt jedenfalls für mich nicht an Jochum ['58] ran.

P.S.: Wand finde ich allerdings auch nicht optimal. Viel zu nüchtern irgendwie.
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104

Donnerstag, 24. Dezember 2009, 00:40

Kennt übrigens jemand die bei Tahra mal erschienene, scheinbar vergriffene Aufnahme Georg Ludwig (sic!) Jochums (jüngerer Bruder Eugens) mit dem Reichs-Bruckner-Orchester von 1944 live aus Wien?

Gab es einzeln und in einer großen Box mit andereren Aufnahmen der beiden Brüder:

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Wolfram

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105

Samstag, 26. Dezember 2009, 22:15

Habe in den Tagen vor Weihnachten meine sonstigen "Bruckner 5." gehört.

- Wand, BPO
- Celi, MPO
- Barenboim, BPO
- Chailly, RCO
- Celi, RSO Stuttgart
- Wand, RSO Köln

Wand mit BPO hat mich ein wenig enttäuscht, zumal ich seine Aufnahmen mit BPO der 4., 7. und 8. sehr schätze. Vielleicht war ich nicht 100% konzentriert beim Zuhören - werde es demnächst nochmal mit dieser Aufnahme probieren -, aber es hat mich nicht gepackt.

Celi mit MPO war eine Offenbarung. Jede Note war genau an ihrem Platz, alles passte zueinander! Ich hatte diese Aufnahme als zu langsam in Erinnerung und muss diesen Eindruck revidieren. Für mich ist diese die mit Abstand beste unter den "langsamen" Aufnahmen.

Barenboim mit BPO ist für mich die beste unter den "schnellen" Aufnahmen. Sehr stimmig, mit hervorragend aufgelegten Berliner Philharmonikern und einer phänomenalen Schlussteigerung im Finale. Auch klanglich ganz hervorragend!

Chailly mit RCO folgt auf Platz 2 der "schnellen" Aufnahmen. Nicht ganz so stringent wie Barenboim. Beim letzten Einsatz des Chorals im Finale nimmt er das Tempo einen ganz kleinen Tick zurück - überwältigend! Um eine Formulierung aus FonoForum (zur Zander-Aufnahme) zu klauen: Da geht der Himmel auf ... Als Ganzes leider nicht so gut wie Barenboim.

Celi mit RSO Stuttgart. Leider im ersten Satz etwas zu dozierend, zu sehr gewollt. Schade, ansonsten eine sehr gute Aufnahme.

Wand mit RSO Köln hat ich voll überzeugt. Ein entschlackter Bruckner, gut aufgezeigte Werkarchitektur. Kein Wunder, dass er damals dafür den Deutschen Schallplattenpreis bekommen hat.

Mein Fazit: Mit Barenboim/BPO und Celi/MPO ist eine gute Grundversorgung in Sachen "Bruckner 5" gesichert. Harnoncourt/WPO wäre eine sinnvolle Ergänzung dazu. - Leider kenne ich weder die Aufnahmen mit Jochum noch Klemperer noch Kna noch Schuricht.
Viele Grüße, Wolfram

Agon

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Samstag, 26. Dezember 2009, 23:35

Barenboim und Bruckner = :kotz: :kotz: :kotz: :kotz: :kotz:
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. (Theodor W. Adorno)

teleton

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107

Sonntag, 27. Dezember 2009, 11:54

RE: Barenboim

Hallo Agon,

von Dir hatte ich auch schon mal "bessere Beiträge" gelesen, die Hand und Fuß hatten, als so einen unangemessenen Quark.
Man kann seine Bruckner - Bemühungen nun wirklich nicht als ganzes abtun.

Nach der Jochum-GA (DG-LP) hatte ich damals alle Sinfonien mit Karajan (DG) als Einzel-CD erworben. Wäre ich mit Karajan nicht schon absolut glücklich gewesen, hätte ich mir Barenboim (DG-GA) geholt.
Barenboim´s Bruckner ist zwar von einigen Effekthaschereien gekennzeichnet (finde ich gar nicht so schlecht), die gar nicht so unbrillant sondern zupackend klingen.... und Barenboims Vorbild ist Furtwängler ......
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Joseph II.

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108

Sonntag, 27. Dezember 2009, 12:54

Ich habe mal gelesen, daß die Berliner Philharmoniker für Bruckner gar nicht (mehr) das ideale Orchester sein sollen. Dies wäre unter Jochum (60er-Aufnahmen) noch anders gewesen.
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Agon

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109

Sonntag, 27. Dezember 2009, 13:28

Ich gebe zu, Niveau sieht anders aus.

Meine Favoriten für die Fünfte Bruckner sind:

- Gewandhausorchester Leipzig, Franz Konwitschny (Berlin Classics)

- Münchner Philharmoniker, Sergiu Celibidache (EMI)

- London Philharmonic Orchestra, Franz Welser-Möst (EMI)


:yes:A g o n
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110

Sonntag, 27. Dezember 2009, 20:07

RE: Jochum

Hallo Joseph,

in den letzten Tagen/Wochen beobachte ich, dass Du an allen Ecken und Enden Jochums DG-Bruclker-Zyklus favorisierst und bewunderst. Das kann ich schon nachvollziehen, denn dies waren auch meine ersten Aufnahmen mit denen ich Bruckner schätzen lernte. Damals noch in der DG-LP-Schallplatten-GA.
:angel: Meine Bewunderung für Bruckner stieg allerdings erst später ins unermessliche, als ich mir alle Karajan-DG-Aufnahmen in Einzel-CD´s kaufte. Die Folge dieser gekauften Bruckner-DG-CD´s war sehr schnell, weil meine Spannung auf diese fabelhaften Aufnahmen von CD zu CD wuchs.
Ich finde das Karajan ungleich zupackender ist, als Jochum und mich seinerzeit aufs Höchste begeisterte. Die Berliner PH also auch bei Karajan absolut spitze ( :D bei wem sonst ???).
Als Ergänzung kam später Solti´s GA dazu, die ich ebenfalls wegen ihrem rhythmischen Element packend finde (eine bessere Sinfonie Nr.6 habe ich nie gehört; die Nr.8 ist der Wahnsinn).

Viele Bruckner-Dirigenten, die hier favorisiert werden, empfinde ich als Langeweiler, besonders die "Auswalzkünstler" wie Wildner und Co. :stumm:
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Joseph II.

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111

Montag, 28. Dezember 2009, 00:57

RE: Jochum

Hallo Wolfgang,

Du hast mich in der Tat angeregt, mir auch die Interpretationen Karajans und Soltis anzuschaffen.

Karajans Bruckner-Zyklus ist kürzlich erstaunlich preisgünstig (keine 20 EUR) neu erschienen, womit er fast schon so billig ist wie die Brilliant-Box mit Jochum II, die ich mir gleich mitbestellte:



Da Du Dich andernorts für die Eloquence-Einspielung der Achten mit den Wiener Philharmonikern ausgesprochen hast, die ja in der Solti-Gesamtbox mit dem Chicago Symphony Orchestra nicht enthalten ist, und es zudem die Fünfte aus besagtem Zyklus auch einzeln gibt (meine beiden liebsten Symphonien von Bruckner), habe ich mich gegen den Gesamtzyklus und kurzerhand für diese beiden Eloquence-CDs entschieden:



(Angeblich hat die DGG die Beschriftung der Achten mittlerweile ausgebessert, bin ja gespannt.)

Bin jetzt wirklich erwartungsvoll. Es war allerdings ohnehin angedacht, mich mit Karajans und Soltis Bruckner auseinanderzusetzen. Der Entscheidungsprozeß wurde sozusagen nur beschleunigt. :D

Desweiteren wurde noch die kontrovers diskutierte Herreweghe-Aufnahme geordert:



Wer hätte gedacht, daß ich mir mal eine Bruckner (!)-Aufnahme eines ausgewiesenen Alte-Musik-Experten zulegen würde. :wacky:

Summa summarum habe ich ergo bald insgesamt vier neue Aufnahmen der "Katholischen", d. h. insgesamt sechs:

- Jochum 1958
- Karajan 1976
- Solti 1980
- Jochum 1980
- Celibidache 1986
- Herreweghe 2008

Jochum 1958 wird aber ein harter Brocken, soviel steht bereits jetzt fest.

:hello:
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John Doe

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112

Montag, 28. Dezember 2009, 10:26

Bruckner 5 säkularisiert

Um eine vorzügliche Einspielung von Bruckners 5. handelt es sich bei folgender Aufnahme:



Orchestre National de France unter der Leitung von Lovro von Matacic.

Eine sehr kontrastreiche Interpretation bezüglich der Dynamik und auch der Klangfarben, die die Spannung vom ersten bis zum letzten Takt aufrecht erhält, dabei durchaus "in die Vollen" geht und bei aller Getragenheit, die durchaus vorhanden ist, nie ins Pathetisch - Mystische abtriftet und somit zu einem sehr "säkularisierten" Eindruck kommt.

Ich persönlich schätze diese Aufnahme sehr, da bei ihr der nüchtern - unpathetische Ansatz, den man sonst nur bei Bruckner in HIP findet, auf ein großes Sinfonieorchester übertragen worden ist und von dem her ganz anders vermittelt wird, als bei den diversen Diät- bzw. Reformkost-Aufnahmen dieser Sinfonie.

Außerdem möchte ich auch noch ein Lob auf das Cover dieser Aufnahme aussprechen, das sich wohltuendst von anderen dieser Sinfonie unterscheidet und durchaus schon beim Betrachten vermittelt, was für ein Bruckner da auf einem zukommt.

Schade nur, dass Lovro von Matacic nicht mehr Sinfonien von Bruckner eingespielt hat.

Viele Grüße
John Doe

Norbert

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113

Montag, 28. Dezember 2009, 11:13

Amazon ist anderer Meinung.

Ansonsten schätze ich die Aufnahme ebenfalls, obwohl ich sie nicht als "nüchtern-unpathetisch" empfinde.

Lovro von Matacic geht durchaus mit einigem Enthusiasmus und viel Subjektivität zu Werke.

Seine Aufnahme ist von großen Tempo- und Dynamikkontrasten geprägt, die in der Ausführung aus Bruckner eine aufregende und spannende Angelegenheit machen.

Auch merkt man dem Orchestre Nationale de France im positiven Sinne an, daß Bruckner in Frankreich nicht unbedingt zum Standardrepertoire gehört.
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

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Montag, 28. Dezember 2009, 11:33

Es gibt mindestens noch zwei weitere V. unter v. Matacic:

Die von Norbert schon verlinkte mit den Tschechischen Philharmonikern:



Und eine mit dem NHK:



Auch wenn's hier nicht wirklich her gehört: v. Matacic hat – neben der bei Norberts Link bereits aufgelisteten III., IV., V. und VII. – auch die VIII. und IX. aufgenommen. Man muß hier v. a. auf Japan-Importe achten. Er nahm viel mit den Asiaten auf:




Die beiden Altus-Aufnahmen dürften tontechnisch hervorragend sein (habe aus der Serie die V. unter Celibidache). Offenbar vertreibt Altus diese Aufnahmen aber offiziell nicht in Europa.

:hello:
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Montag, 28. Dezember 2009, 13:07

Meine 5ten Bruckner:

- Karajan (1976)
- Wand (1977)
- Jochum (1980)
- Solti (1980)
- Suitner (1990)
- Barenboim (1992)
- Welser-Möst (1994)
- Wand (1996)
- Skrowaczewski (1996)
- Herreweghe (2008 )


:hello: LT
Arm bin ich auf die Welt gekommen,
alle meine Mitgift ist Haupt und Hand.
---
Beharrlichkeit führt zum Ziel!
---
Das wahre Genie wird bei Bewunderung des Fremden nicht dessen Nachahmer,
sondern erhält dadurch nur den schönen Anstoß, neue Bahnen zu finden.
---
... wenn ich keine Oper unter den Fäusten habe ist mir nicht wohl!
---
Soli deo gloria
(CMvW -- Carl Maria von Weber)

Norbert

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Montag, 28. Dezember 2009, 14:51

Ich sehe, Joseph II hat akribischer recherchiert.
Respekt...
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

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Montag, 28. Dezember 2009, 22:36

Hallo Agon,

ich stimme Deiner emotionalen Aussage über Barenboim (fast) zu, auch, wenn ich es coram publico in einem Augenblick innerer Sammlung eventuell anders formulieren würde ... :-)

Ich würde (fast) so weit gehen, zu sagen, dass der Name "Barenboim" auf einer CD für mich ein klares Argument gegen den Kauf derselben ist. Zuviele Enttäuschungen: Seine meist langweiligen Beethoven-Sonaten-Versuche bei EMI, die Mozart-Klavierkonzert-Verzuckerungen, die unzulänglichen Einspielungen der Brahms-Sinfonien samt Dt. Requiem, die unsägliche Bruckner 4 bei (damals) Teldec, und, und, und, ...

Und doch ... manchmal gibt es eine lichte Stelle im Tal der Tränen, wo sich der niedere Geist der Komponisten-Gleichmacherei und der Selbst-Großmacherei emporschwingt zu Höhen, die außer ihm nur wenige erreichten. Da erreicht er in einzelnen Werken Momente, die unglaublich sind. So z. B. in seiner EMI-Einspielung der Beethovenschen Klaviersonate e-moll op. 90 - da kommen weder Schnabel noch Gulda noch Brendel mit. Das will was heißen! Ein anderes Beispiel ist eben "seine" 5. Bruckner, unglaublich zumal neben "seiner" 4. Bruckner.

Woran das liegt? Ich weiß es nicht. Vielleicht ein ähnliches Phänomen wie Placebo Domingo: Ungemein begabt, erreicht er mit 20% vom maximal denkbaren Einsatz 80% der maximalen Wirkung, die er erzielen könnte, und gibt sich damit zufrieden. Eine Schwarzkopfsche oder Carlos-Kleibersche Beschränkung auf Wenigstes, um dort Maximales zu erreichen, ist seine Sache nicht. Man kann es ihm noch nicht einmal vorwerfen - das ist sein Entscheidung (wenn meine Hypothese überhaupt zutrifft, aber das wäre ein Thema für einen Barenboim.Thread oder noch wo anders).

Trotzdem erreicht Barenboim in seltenen Momenten eben diese 100% wie ein Furtwängler, Carlos Kleiber, Fritz Reiner und wenige andere noch. Dann erkennt man, welch Genie ihm eigen ist.

Die 5. Bruckner mit Barenboim und BPO ist ein solcher Fall. Man höre und staune.
Viele Grüße, Wolfram

John Doe

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Dienstag, 29. Dezember 2009, 08:44

Hallo Joseph II,

ich hab bei meiner Matacic-Recherche nicht soviel gefunden, daher freut es mich dass doch ein bißchen was existiert.
Danke!

Hallo Norbert,

mit nüchtern-unpathetisch hab ich gemeint, dass bei dieser Aufnahme die B5 nicht wie ein theologisches Traktat, wie ein Glaubensbekenntnis gespielt wird, sondern ganz aus sich selbst heraus ohne "Weihrauch und Barockengerl", also ohne diesen ganzen ideologischen Bombast.

Zitat

Auch merkt man dem Orchestre Nationale de France im positiven Sinne an, daß Bruckner in Frankreich nicht unbedingt zum Standardrepertoire gehört.


Dieser Aussage von dir möchte ich mich uneingeschränkt anschließen und sie dahingehend ergänzen, dass es auch genau daran liegt, dass diese B5 etwas anders daherkommt.

Viele Grüße
John Doe
:hello:

s.bummer

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Dienstag, 29. Dezember 2009, 22:53

Bitte beachten!

Nicht jeder, der unfallfrei Bruckners 5. bewältigt, ist gleich ein großer Bruckner Dirigent!
Nur mal so.
Gruß S.
Johannes Richter: Neue Ideen setzen sich nur durch, weil die Anhänger der alten aussterben

Joseph II.

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Mittwoch, 30. Dezember 2009, 02:48

Ich habe gestern spontan ein vergleichendes Hören meiner vier neuen Aufnahmen Herreweghe (HMF, 2008), Solti (DGG, 1966), Karajan (DGG, 1975) und Jochum (EMI/Brilliant, 1980) gemacht. Meine Eindrücke kurz im folgenden:


Orchestre des Champs-Élysées
Herreweghe
2008

Gesamtzeit 73'36
I. 20'12
II. 18'08
III. 12'27
IV. 22'27

Den Anfang machte die nagelneue Einspielung unter Philippe Herreweghe, den man als Klassik-Hörer ja sicherlich nicht in erster Linie mit Bruckner verbindet, gilt er doch als Experte für die Alte Musik. Vorweg: Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Die Aufnahme ist sehr gut durchhörbar und tontechnisch (altersbedingt) wohl die beste in hiesigem Vergleich. Herreweghes Ansatz ist ein nüchterner, er schwelgt nicht im Schönklang wie frühere Dirigenten. Gleichwohl kann man dem Orchester eine sehr gute Gesamtleistung bescheinigen. Die historischen Instrumente fallen nicht weiter negativ auf. Gleichwohl will mir diese "säkularisierte" Version der "Katholischen" – grad auch im Vergleich – etwas blutleer vorkommen. Alles klingt etwas arg akademisch angehaucht (nicht unähnlich seinerzeit dem Gardiner-Beethoven-Zyklus, dem man handwerklich wenig ankreiden kann, der aber – zumindest bei mir – wenig Emotionen auslöst). Es ist stellenweise irgendwie wie ein Bruckner auf Sparflamme. Wer den österreichischen Komponisten so kennenlernt, der wird dies vielleicht nicht derartig empfinden. Kommt man aber von der "alten" Bruckner-Lesart eines Eugen Jochum, so vermißt man das, was Bruckner landläufig ausmacht.


Wiener Philharmoniker
Solti
1966

Gesamtzeit 79'01
I. 20'21
II. 21'37
III. 13'25
IV. 23'38

Auf den Belgier folgte Sir Georg Solti mit den Wiener Philharmonikern. Im direkten Vergleich konnte der Kontrast nicht größer sein. Soltis Interpretation ist ungleich fulminanter. Er kostet die Forte-Stellen gnadenlos aus, was zu Gefallen weiß (Coda des I. Satzes). Die Decca-Aufnahme klingt für 1966 sehr gut, es ist quasi kein Rauschen vernehmbar. Stellenweise wirkt es aber so, als würden die Bläser zu sehr im Vordergrund spielen (letzter Choral im IV. Satz). Die leiseren Töne der Symphonie, insbesondere im Adagio, bleiben etwas auf der Strecke. Insgesamt würde ich diese Aufnahme derer von Herreweghe vorziehen; optimal erscheint indes auch sie mir nicht.


Berliner Philharmoniker
v. Karajan
1975

Gesamtzeit 80'35
I. 20'43
II. 21'26
III. 13'44
IV. 24'42

Nach Solti kam Karajan – und dies war die absolute Überraschung des Tages. Nachdem Karajans Einspielung in diesem Thread bislang fast totgeschwiegen wurde (ich kann mir fast vorstellen, wieso dem so ist ...), waren meine Erwartungen nicht wirklich extrem hoch. Teletons Lobpreisungen auf den Karajan-Bruckner-Zyklus bewogen mich glücklicherweise dennoch zum Kauf – und soviel ich bisher sagen kann (ich habe mir neben der 5. noch die 8. und 1. bisher angehört), hat er in keinster Weise übertrieben. Bereits die Introduktion ist himmlisch. Es ist wirklich erstaunlich, wie unterschiedlich man ein und dasselbe Werk dirigieren kann! Bedrückend schön gelingt Karajan das Adagio – die Berliner spielen göttlich. Hier wird einem die volle Schönheit des II. Satzes erst voll bewußt. Karajan kostet dies zur Gänze aus und schwelgt (positiv gemeint!) im Schönklang. Das erzeugt wahrlich Gänsehaut – und ich, der ich die ruhigeren, verinnerlichten Sätze in Symphonien an sich weniger schätze als die "deftigeren", lauten, sage dies gewißt nicht spaßeshalber. Genauso vollkommen erscheint dann das Scherzo. Doch das Grandioseste steht dann erst im Finale bevor: Besser als es Karajan hier mit seinen Berlinern hier her zaubert, geht's nicht! Ein wahrer Klangmagier erster Güte. Hielt ich die Coda bei Jochum (DGG, 1958) für unübertrefflich, so wurde ich hier eines besseren belehrt: Karajans Intensität ist schier unbeschreiblich. Man hält es kaum für möglich, aber die Berliner steigern sich am Ende abermals, man glaubt, das Himmelstor zu durchschreiten. Perfekt die Ausbalancierung des Orchesters, die Pauken donnern sondergleichen (dagegen sind selbst Soltis Wiener lau), ohne aber – und das ist eben die Kunst – den Rest zu übertönen. Mächtig schmettern die Bläser, sich perfekt ergänzend, so daß man hier glaubt, wirklich die himmlischen Posaunen zu vernehmen. Im Vergleich mit allen bisherigen Aufnahmen wird in dieser die Überlegenheit der Berliner Philharmoniker in der Ära Karajan deutlich (und ich bin an sich eher ein Fan der Wiener): Perfekter klingt es nirgends. Der Ehrentitel "Wunderharfe" gebührt zumindest bei Bruckners Fünfter nicht den Dresdnern, sondern den Berlinern – doch dazu gleich mehr. Summa summarum eine kaum zu toppende Spitzeneinspielung und eine der besten Aufnahmen Karajans, die völlig zu unrecht in diesem Thread bislang – außer von Teleton – nicht gewürdigt wurde. Für mich der legendären Aufnahme Jochums von 1958 mindestens ebenbürtig. Was hier hinzu kommt, ist (jetzt werden sich einige vielleicht wundern) die DGG-Tontechnik. Die Aufnahme klingt etwas schummriger und dunkler als jene der Decca unter Solti, was aber bei Bruckner m. E. sehr gut passt. Sie verleiht der "Glaubenssymphonie" ein "gotisches" Antlitz, zur Assoziation mit einer Kathedrale sehr gut passend.


Staatskapelle Dresden
Jochum
1980

Gesamtzeit 77'30
I. 21'26
II. 19'16
III. 13'04
IV. 23'42

So vorgeprägt, erschien mir eine Steigerung kaum mehr möglich – und ich sollte Recht behalten. Kaum jemand hat die Fünfte von Bruckner öfter eingespielt als Eugen Jochum. Er hat 1958 eine sehr hohe Meßlatte gelegt mit seiner Stereo-Einspielung für die DGG. Es folgten etliche weitere Aufnahmen, die letzte bekanntlich 1986, ein Jahr vor seinem Tode. Ich habe mich ja bereits vorab ein wenig informiert über seinen zweiten Bruckner-Zyklus, den er zwischen 1975 und 1980 mit den Dresdnern für EMI einspielte. Vorliegende Fünfte war die letzte dieser Aufnahmen. In den meisten Rezensionen wird der für Staatskapellen-Verhältnisse mangelhafte Orchesterklang beklagt, und ich muß sagen: es stimmt (leider). Insbesondere die Bläser wirken oft schneidend scharf, das Blech tut den Ohren manchmal richtig weh. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, daß es an Jochum liegt – kaum einer hat öfter bewiesen, daß es besser geht. Jedenfalls ist die "Wunderharfe" hier nicht auf der Höhe (freilich ist es auch nicht katastrophal, nicht, daß hier ein falscher Eindruck entsteht), den Wienern unter Solti und insbesondere den Berlinern unter Karajan eindeutig unterlegen. Sieht man mal von diesen Schwächen ab, so legt Jochum ein gewohnt souveränes Dirigat vor. Vielleicht sogar einen Hauch zu souverän. Es klingt manchmal ein klein wenig lieblos. Für den Einstieg mag diese Einspielung freilich angehen. Unter den TOP-Aufnahmen rangiert sie nicht. Jochum selbst hat sie mehrmals überboten.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid