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Alfred_Schmidt

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31

Montag, 2. Januar 2006, 23:40

Ich oute mich an dieser Stele als Verfechter des Bösendorfer Konzertflügels, der aus meiner Sicht wesentlich musikalischer klingt als Steinway, das weiß auch Schiff, und deshalb verwendet er ihn.

Leider muß aber gesagt werden, daß die Vorzüge des Bösendorfer eher live, als auf Aufnahmen zu erkennen sind, woran das liegt ist mir allerdings unbekannt, scheinbar ist auch die moderne Aufnahmetechnik nicht in der Lage die subtile Schönheit des Bösendorferklanges realitätsnah widerzugeben

LG

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Caesar73

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32

Mittwoch, 4. Januar 2006, 12:02

In einem der obigen Beiträge wurde der Versuch unternommen, die Eigenart von András Schiff´ Spiel zu charakterisieren. Einen ebensolchen - freilich sehr poetischen- Versuch hat auch der indische Dichter Vikram Seth unternommen, inspiriert durch Schiffs Aufnahme der Goldbergvariationen.

Mir haben die Verse sehr gut gefallen, deswegen möchte ich sie Euch nicht vorenthalten:


Art gives us form and clarity and grace,
Nature a singing-freshness, pulse and pace.
Dear András, in your natural art, one thing
Rings through the varied air - the urge to sing.
A constant tonic was that Bach once drew.
So, as your pour it, is this draught from you.


So, as I drink it, does my mind grow clear,
Clear too my dormant heart, my deadened ear.
How could I, like poor Goldberg, hope to sleep?
I laugh, surprised by pleasure, and I weep.
For all of this my thanks: for storm, for calm,
For all that music is, both barb and balm.

Vikram Seth


Herzliche Grüße,:hello::hello:

Christian
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33

Donnerstag, 5. Januar 2006, 01:57

noch immer Bösendorfer?

Lieber Alfred,

Zitat

Zitat Alfred:
Ich oute mich an dieser Stele als Verfechter des Bösendorfer Konzertflügels, der aus meiner Sicht wesentlich musikalischer klingt als Steinway, das weiß auch Schiff, und deshalb verwendet er ihn.


Ist das wirklich so? Ich dachte, Schiff hätte immer Steinway und Bösendorfer parallel gespielt. Die Wahl des Instruments hat Schiff m.E. dem jeweiligen Komponisten angepasst.
Ob ein Flügel "musikalisch" klingen kann, vermag ich nicht zu beurteilen. In meinen Ohren klingt der Bösendorfer durchweg weicher, "samtiger" - oder wenn man so will: schmeichelnder. Er hat in der Tat einen sehr erlauchten Klang.
Ich persönlich favorisiere jedoch die "stählernere" Note des Steinways. Den Steinway-Klang würden die meisten Hörer vermutlich für neutral halten. Nicht weil er es tatsächlich ist, sondern weil wir diesen Klang auf den allermeisten Platten und in den allermeisten Konzerten hören und unsere Ohren dementsprechend auf diese "Hörnorm" geeicht, quasi durch sie "sozialisiert" sind. Ich würde mal behaupten, dass diese Gewöhnung an den Steinway-spezifischen Klang dazu führt, dass das Instrument in der Interpretation weit weniger "mitspricht", weil man es als "unverrückbares Faktum", als "natürliche Gegebenheit" zur Kenntnis nimmt. Ein Bösendorfer setzt auf Anhieb einen eigenen, weit weniger vertrauten (also "exotischen") Reiz, der für sich genommen schon eine Menge Aufmerksamkeit beansprucht - das Instrument wird selbst zur "Show", anstelle das Präzisionswerkzeug zu sein, auf und mit dem eine gute Show möglich wird. Mag natürlich sein sein, dass es in Wien üblich ist, auf Bösendorfern zu spielen, der Klang also zur Selbstverständlichkeit geworden ist und du ganz anders mit ihm umgehst, als ich es tue.
Ich habe meine Wurzeln mütterlicherseits übrigens in Hamburg - da ist es ja nur logisch, dass ich Steinway-Fan bin... :D

Liebe Grüße!
Daniel

Caesar73

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34

Donnerstag, 5. Januar 2006, 09:37

RE: noch immer Bösendorfer?

Zitat

Original von Daniel Behrendt

Ist das wirklich so? Ich dachte, Schiff hätte immer Steinway und Bösendorfer parallel gespielt. Die Wahl des Instruments hat Schiff m.E. dem jeweiligen Komponisten angepasst


Lieber Daniel,

seinen Schubert (da war doch was in einem anderen Thread ?:D ) hat Schiff tatsächlich auf einem Bösendorfer eingespielt. Schiff wechselt aber tatsächlich je nach Bedarf den Flügel: Im Beiheft zu seiner neuen Beethoven-Einspielung wird ausdrücklich erwähnt, dass Schiff den Flügel während des Konzerts wechselte, um dem wechselnden Charakter der drei Sonaten gerecht werden zu können- was man auch hören kann.

Herzliche Grüße,:hello::hello:

Christian
Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

Seb

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35

Freitag, 6. Januar 2006, 17:06

Mir war auch so als würde Schiff den Flügel je nach Komponist wechseln, in einer Dokumentation die ich über ihn sah erläuterte er dieses herangehen näher und sprach auch über seine jeweilige Intention. Leider ist mir entfallen wie genau er sich äußerte.
Ich persönlich besitze die og. Aufnahme der Mozartschen Klaviersonaten, sowie eine Aufnahme der eher weniger gespielten Französischen Suiten von Bach, samt Italienischem Konzert, auch hier weiß Schiff mit seinem farbigen nuancierten Spiel zu überzeugen. Eine Aufnahme die ich jedem ans Herz legen kann:
LG
Sebastian

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36

Freitag, 6. Januar 2006, 18:07

Hallo Sebastian,
ich finde, dass die Franz. Suiten die gelungesten Aufnahmen aus der Decca-Box sind. Sie sind m.E. fast am Ende der Gesamtaufnahme entstanden. Wenn man sie z.B. mit dem einige Jahre früher eingespielten WTK vergleicht, fällt doch auf, dass Schiffs Spiel in jenen Jahren nach und nach runder und geschmeidiger wurde. Jetzt, rund 15 Jahre später, spielt er noch vollkommener - Zeit also, nach der Neuauflage der Goldberg-Variationen nochmals den ganzen Bach anzupacken...
LG :hello:
Daniel

tom

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37

Samstag, 7. Januar 2006, 18:50

Zitat

Original von Daniel Behrendt

dass Schiffs Spiel in jenen Jahren nach und nach runder und geschmeidiger wurde.




Hallo,

eben das mißfällt mir an Schiffs frühen Decca-Einspielungen und sorgt dafür, daß ich, freilich auf hohem Niveau, mit zuenehmender Dauer seines Spiels Langeweile verspüre. Schiff erscheint mir eine Spur zu elegant, zu ausgewogen, zu gleichförmig, zu wenig eigenwillig. Interpretation heißt für mich auch, daß sich beim Anhören der Einspielungen ein Wiedererkennungseffekt einstellt. Dies fällt mir bei Schiff, jedenfalls bei den Deccaeinspielungen der 80er und frühen 90er Jahre, sehr schwer. Dann schon lieber Glenn Gould, Tatjana Nicolayeva, Joao Carlos Martins.

Beste Grüße

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38

Sonntag, 8. Januar 2006, 11:28

Wiedererkennungseffekte

Hallo tom,

Zitat

Zitat tom:
Interpretation heißt für mich auch, daß sich beim Anhören der Einspielungen ein Wiedererkennungseffekt einstellt. Dies fällt mir bei Schiff, jedenfalls bei den Deccaeinspielungen der 80er und frühen 90er Jahre, sehr schwer.


... also, ich weiß ja nicht. Gerade Schiffs Klavierton und sein Zugang zu Bach'schen Tanzsätzen hatten von Anfang an etwas sehr Spezifisches. Wenn man sich z.B. die Gigue aus der Partita BWV 830 mit Schiff anhört, dann fällt doch auf, dass er wirklich vollkommen andere rhythmische Akzente setzt, als man es durch andere Interpretationen "abgespeichert" hat.
Alfred Brendel sagte in einem Nebensatz über Schiff (und das muss in jener frühen Decca-Zeit gewesen sein), dass er Bach das Tänzerische zurückgegeben habe. Ich finde, das trifft die Sache sehr gut. Schiffs sprechende, bzw. "tänzerische" Artikulation ist von Anfang an sein Markenzeichen gewesen. Früher fast mehr als heutzutage, wo mir sein Spiel fast "diskreter" bzw. klassischer erscheint.

Schöne Grüße :hello:
Daniel

tom

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39

Sonntag, 8. Januar 2006, 11:57

Zitat

Original von Daniel Behrendt

ich finde, dass die Franz. Suiten die gelungesten Aufnahmen aus der Decca-Box sind. Sie sind m.E. fast am Ende der Gesamtaufnahme entstanden. Wenn man sie z.B. mit dem einige Jahre früher eingespielten WTK vergleicht, fällt doch auf, dass Schiffs Spiel in jenen Jahren nach und nach runder und geschmeidiger wurde.




Moin,

soll denn Deine Einschätzung auch für die Französischen Suiten gelten, die Schiff im Jahr 1991 aufgenommen hat, die Du im Übrigen als seine "gelungendste Aufnahme" bezeichnest? Gerade dieser Zyklus offenbart mE ein eher eingeschränktes Differenzierungsvermögen. Du sprichst ferner, bezogen auf die Partiten, die Tanzsätze an. Diese empfinde ich bei den Französischen Suiten in der Einspielung Schiffs eher gleichförmig hinsichtlich Tempo und artikulatorischer Gestaltung. Noch einmal, was uns András Schiff hier bietet, ist von sehr hohem pianistischen Niveau, wenn auch für meinen Geschmack in weiten Teilen, nicht in allen, etwas stereotyp.

Beste Grüße

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40

Sonntag, 8. Januar 2006, 12:43

Hallo Tom,

ja, dieses vorbehaltlose Lob spende ich auch (und insbesondere) Schiffs Franz. Suiten. Ich finde z.B. schön, was Schiff aus den Widerholungen macht - da bringt er hier und da zusätzliche Verzierungen an (aber nie übertrieben), akzentuiert anders, beleuchtet das Geschehen aus einer anderen Perspektive. Da bleibt Angela Hewitt (die ich SEHR liebe) wenigstens in den Franz. Suiten (die ziemlich am Anfang ihres Bach-Zyklus standen) deutlich einfallsloser. Auch mit Schiffs Tempi bin ich durchweg d'accord.
Ich würde Schiffs Lesart als diskret, aber dennoch eigenständig und phantasievoll bezeichnen.
Der Niederländer Ivo Janssen macht in bezug auf Tempowechsel und (blockartige) dyn. Kontraste um einiges mehr (fast mehr als in allen anderen Aufnahmen, die ich kenne) - mir ist das aber schon zu viel. Klingt irgendwie zerpflückt. Andere stehen drauf, that's Life!

herzliche Grüße :hello:
Daniel

PS: Hallo nochmals Tom, ich bearbeite diesen Beitrag nochmals, da ich eben eigens die erste Partita und die fünfte Franz. Suite mit András hintereinander weg gehört habe, um mich meiner Meinung zu vergewissern. Nun denn, ich bleibe dabei:
Partiten: natürlich schön, aber etwas zu prätentiös - Schiff baut zu viele Zusatzornamente ein und "buhlt" um jede Phrase, das ist gestalterisch fast ein wenig hypertrophiert, klingt tiftelig.
Französische Suiten: immer noch viel Detailakribie, aber flüssigere Tempi, großzügigere Disposition, schönes Legato (Schiff "tupft" nicht ganz so arg) - wirkt einfach ausgereifter...

LG!
D.

AcomA

Profi

  • »AcomA« ist männlich

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41

Sonntag, 15. Januar 2006, 23:55

hallo,

andras schiff ! als 16 jähriger hörte ich im rundfunk erstmalig diesen pianisten mit meinem bruder zusammen mit mozarts a-dur sonate kv 331. wir hörten seine tänzerisch veranlagten triller und wunderten uns , wer denn dieser pianist sei. 1982 schließlich schnitt ich im rundfunk seinen auftritt bei den wiener festwochen mit den bachschen goldberg-variationen mit. seitdem bin ich ein großer verehrer dieses künstlers. seine 'zweite' aufnahme der goldberg-variationen fand ich bei seinem live-auftritt (2005) in der essener philharmonie bestätigt.

heute mittag nun, wieder andras schiff in der essener philharmonie. diesmal mit sämtlichen partiten bachs. reihenfolge: 5-3-1-2-pause-4-6. er spielte wie vergangenes jahr auf einem steinway. nahezu ohne pedal ! die tänzerische phrasierung und unabhängigkeit der hände ist phänomenal ! er spielte sie noch freier und vehementer als auf seiner decca-aufnahme. man hätte problemlos mitschneiden und veröffentlichen können ! ungeheuerlich !

gruß, siamak
Siamak

sagitt

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Registrierungsdatum: 1. November 2004

42

Dienstag, 21. März 2006, 08:09

Schiff´s Beethoven

Sagitt meint:

Bei ecm bringt Schiff jetzt eine Gesamtaufnahme des " neuen Testaments" heraus.Ich bin davon nicht beeindruckt. Schiff hat eine lockere Art zu spielen und das ist nicht mein Beethoven.Zu schön und damit zu harmlos, man höre die Pathetique und dann Richter und dann Schiff. Wers mag, ich nicht.
Ich habe Schiff mehrfach mit Mozartkonzerte live gehört und war eingenommen von seiner selbstverständlichen Art des Musizierens. Da passte es.
Was meint Ihr zu seinem Beethoven ?

thdeck

Profi

  • »thdeck« ist männlich

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Registrierungsdatum: 7. Oktober 2010

43

Samstag, 20. Mai 2006, 18:02

Dazu eine Frage. Was haltet ihr von dieser Aufnahme:



Diese beiden Klavierkonzerte fehlen mir nämlich noch...


Thomas Deck

PS: Eine Zusammenstellung genau dieser beide Konzerte gibt's auch von einer gewissen Annerose Schmidt zusammen mit Kurt Masur...

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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44

Samstag, 20. Mai 2006, 18:23

Zitat

Original von thdeck
Dazu eine Frage. Was haltet ihr von dieser Aufnahme:



Diese beiden Klavierkonzerte fehlen mir nämlich noch...

PS: Eine Zusammenstellung genau dieser beide Konzerte gibt's auch von einer gewissen Annerose Schmidt zusammen mit Kurt Masur...


Ich kenne zwar mit Schiff/vegh nicht 20/21, aber ca. 5 andere. Vegh und das Mozarteum-Orch. bieten eine der besten Orchesterbegleitungen, die man in Aufnahmen Mozartscher Konzerte findet, Schiff ist mir jedoch eher zu "lasch", dazu ist das Klavier hier komischerweise tendenziell von der balance etwas benachteiligt (normalerweise leiden Aufnahmen eher am Gegenteil). Daher würde ich gerade bei diesen beiden Konzerten nicht unbedingt zuraten. Eine Möglichkeit wäre das "Duo" mit Gulda/Abbado (zwar hier mir auch etwas zu zahm, aber doch sehr gut, ca EUR 17, außerdem sind noch 25 und 27 enthalten). Zu meinen Favoriten hier gehört Casadesus/Szell, aber das d-moll ist nur in einer 3-CD-Box, erhältlich,die in Frankreich bestellt werden muß (und obendrein mono)

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

musicophil

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45

Samstag, 20. Mai 2006, 18:27

Ich habe von Schiff die Mendelssohn Klavierkonzerten. Sehr schön gespielt.



Aber seine größte Leistung, bis jetzt noch nie gleichgekommen, ist sein Spiel, zusammen mit Sängerin Sylvia Sass, in Mozarts Konzertarie KV 505 (Ch'io mi scordi di te? - Non temer, amato bene).



Diese Aufnahme betrachte ich als Referenz für alle andere Ausführungen dieser wunderschönen Konzertarie.

LG, Paul
Wirklich schöne Musik rührt

Caesar73

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46

Sonntag, 4. Juni 2006, 09:56

RE: Schiff´s Beethoven

Zitat

Original von sagitt
Sagitt meint:

Ich habe Schiff mehrfach mit Mozartkonzerte live gehört und war eingenommen von seiner selbstverständlichen Art des Musizierens. Da passte es.
Was meint Ihr zu seinem Beethoven ?


Die erste Folge des Zyklus gefiel mir gut, mit der zweiten Folge bin ich noch nicht so warm geworden. Insbesondere die Interpretation der Pathetique hat mich nicht überzeugt. Da fehlt mir insbesondere im Presto die eherne Wucht von Richter oder Backhaus. Sicher klangschön musiziert- aber eben auch nicht mehr.

Herzliche Grüße,:hello: :hello:

Christian
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Christian B.

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47

Donnerstag, 22. Juni 2006, 16:05

RE: Schiff´s Beethoven

Lieber Forianer,

hinzuweisen ist auf eine Schumann-Einspielung von Andras Schiff, die bemerkenswert ist und Qualitäten aufweist, die man eher nicht von ihm erwarten würde (siehe Einschätzung in diesem Thread): Die Davidsbündlertänze



Sehr lebendig und beweglich im Ton, bringt Schiff überschenderweise gerade die Exentrik und rythmischen Reibungen dieser Musik gut zum Vorschein, ohne dabei freilich den klanglichen Kosmos des Komponisten gänzlich zu verlassen (wie das Horowitz m.E. in seinen Schumann-Einspielungen riskiert, aber auch das ist natürlich sehr reizvoll). Im Vgl. mit Pollinis Davidsbündlertänzen in jedem Fall die wildere, ungestümere Einspielung!

Viele Grüße,
Christian

Dux

Anfänger

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Registrierungsdatum: 5. Juni 2006

48

Donnerstag, 22. Juni 2006, 22:01

Von András Schiff besitze ich die Goldbergvariationen. Schiffs Spiel erkennt man meist an seinem "tänzerischen" Stil. Insgesamt ausgewogen interpretiert, aber manchmal doch nicht ernst genug. Doch denke ich, dass Bach vielleicht der Komponist ist, den Andras Schiff am besten (im Vergleich mit seinen anderen Aufnahmen) spielt.
Dass er keine Lebhaftigkeit wie Glenn Gould besitzt, verwundert wohl kaum (wer hat so was noch?)... Für mich ist Schiff ein Solist/Interpret mit hervorragendem Anschlag, doch vielleicht auch nicht konsequent genug; nichtsdestotrotz habe ich mir vorgenommen, die Englischen Suiten von Bach (als DVD) mir anzuschaffen. Wie emfindet ihr seine bach einspielungen?
Gruß und K...
Der Dux

Christian B.

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49

Donnerstag, 23. November 2006, 16:42

später Beethoven live in München

Liebe Forianer,

am vergangenen Dienstag hat Andras Schiff in München die letzten drei Beethoven Sonaten aufgeführt und damit seinen Zyklus in unserer Landeshauptstadt abgeschlossen. Ich habe die anderen Konzerte leider alle verpasst und habe keine Vergleichmöglichkeit zu den vorangegangenen Abenden. Erstaunt war ich beim Betreten des Herkulessaals, standen doch zwei Flügel auf dem Podium: ein Bösendorfer und ein Steinway (mit einer ital. klingendenden Signatur, es schien ein Sondermodell zu sein). Schiff hat op. 109 und 110 auf dem Bösendorfer gespielt und op. 111 auf dem Steinway.

Die Tempi waren insgesamt eher moderat, Schiff spielte wie immer sehr gesanglich, er durchdrang die polyphonen Sätze bis in die letzten Verästelungen hinein udn hinterließ den Eindruck, in diesen Werken zu Hause zu sein. Vielleicht hat in den jeweils zweiten Sätzen von op. 109 und 110 etwas Tempo und Aplomb gefehlt, aber die Schluss-Steigerung in der Fuge von op. 110 war großartig und hatte die nötige Energie. Die Überraschung des Abends war für mich aber op. 111 - auf dem Steinway, der in den Mittelstimmen ausgewogener wirkte und insgesamt einen leuchtenderen Klang hatte. Die Arietta-Variationen hat Schiff voller Lebenslust ins Diesseits gesetzt, der Flügel fing regelrecht an zu glühen, es war eine Wonne, diese Variationen einmal so zu hören und nicht so geistig entrückt wie sonst üblich (wie bspw. zuletzt auch Pletnev in München).

Freue mich schon auf die CD bei ECM, vor allem wegen op.111, da ist ihm meines Erachtens wirklich eine neue Deutung gelungen.

Viele Grüße,
Christian

Caesar73

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50

Freitag, 24. November 2006, 09:47

RE: später Beethoven live in München

Zitat

Original von Christian B.
Erstaunt war ich beim Betreten des Herkulessaals, standen doch zwei Flügel auf dem Podium: ein Bösendorfer und ein Steinway (mit einer ital. klingendenden Signatur, es schien ein Sondermodell zu sein).
Schiff hat op. 109 und 110 auf dem Bösendorfer gespielt und op. 111 auf dem Steinway.

[...]

Die Arietta-Variationen hat Schiff voller Lebenslust ins Diesseits gesetzt, der Flügel fing regelrecht an zu glühen, es war eine Wonne, diese Variationen einmal so zu hören und nicht so geistig entrückt wie sonst üblich (wie bspw. zuletzt auch Pletnev in München).



Bei den beiden Flügeln handelt es sich um Schiffs eigene Instrumente, aus dem Haus Angelo Fabbrinis aus Pescara. Schiff erläutert übrigens im Vorwort zun ersten Teil seiner Gesamtaufnahme der Sonaten warum er sich für die Verwendung zweier verschiedener Instrumente entschieden hat. Schiff möchte so dem unterschiedlichen Charakter der einzelnen Sonaten besser gerecht werden.

Mitsuko Uchida hat den letzten Satz von op. 111 übrigens ähnlich aufgefasst wie Schiff (Sowohl im Konzert als auch auf der Platte): Dionysisch-diesseitig und nicht metaphysisch-transzendent.

Herzliche Grüße,:hello: :hello:

Christian
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Christian B.

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51

Freitag, 24. November 2006, 11:32

RE: später Beethoven live in München

Hallo Christian,

es gibt ja nicht so viele Pianisten, die ihre eigenen Flügel mitbringen (Krystian Zimerman 'beschränkt' sich auf den herausnehmbaren Teil mit Tasten und Mechanik), dass ein Pianist gleich zwei Flügel anreisen lässt, dürfte ein Novum sein! Meinetwegen könnte er sich auf den Steinway beschränken, wenngleich heute in der SZ eher der Bösendorfer gerühmt wird. Aber das mag auch Geschmackssache sein und wurde ja in einem eigenen Thread bereits sehr differenziert beleuchtet.

Wie findest Du die Schiff-Einspielung von op. 2 im Vgl. zu Korstick? Ich meine, dass Du beide kennen müsstest.

Viele Grüße,
Christian

Caesar73

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52

Samstag, 25. November 2006, 17:44

RE: später Beethoven live in München

Zitat

Original von Christian B.

Wie findest Du die Schiff-Einspielung von op. 2 im Vgl. zu Korstick? Ich meine, dass Du beide kennen müsstest.



Lieber Christian,

wenn ich mich aus dem Stand für eine der beiden Aufnahmen entscheiden müsste, würde ich zu Korstick greifen, wobei das nicht bedeutet, dass mir die Einspielung von Schiff grundsätzlich nicht gefällt. Schiff kommt mir nur im Vergleich zu Korstick ein wenig farblos vo, sein Ton ist mir manchmal zu dünn. Korstick spielt die Kontraste- besonders auffällig in der ersten Sonate- schärfer und pointierter aus. Sein Zugriff ist dynamischer und energischer.

Auffallend sind die Unterschiede in der Tempowahl. Korstick bevorzugt generell raschere Tempi, außer in den langsamen Sätzen. Da ist Schiff immer ein gutes Stück rascher unterwegs. Natürlich sagt die reine Zeitspanne wenig aus, doch gelingen gerade die langsamen Sätze Korstick im Vergleich zu Schiff überzeugender, weil intensiver. Genauer kann ich´s noch nicht beschreiben.

Herzliche Grüße,:hello: :hello:

Christian
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bubba

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53

Sonntag, 14. Januar 2007, 01:33

Wer was über Beethoven Sonaten lernen will, András Schiffs Sicht und Umsetzung dieser hören möchte:
http://music.guardian.co.uk/classical/pa…1943867,00.html
Hochinteressant.
:) :jubel: :jubel:
Das Frühstück ist ihm viel zuviel Zeremonie. Die ganze Lächerlichkeit kommt zum Ausdruck, wenn ich den Löffel in die Hand nehme. Die ganze Sinnlosigkeit. Das Zuckerstück ist ja ein Anschlag gegen mich. Das Brot. Die Milch. Eine Katastrophe. So fängt der Tag mit hinterhältiger Süßigkeit an.

Barezzi

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Registrierungsdatum: 1. August 2006

54

Sonntag, 14. Januar 2007, 04:00

Zitat

Original von bubba
Wer was über Beethoven Sonaten lernen will, András Schiffs Sicht und Umsetzung dieser hören möchte:
http://music.guardian.co.uk/classical/pa…1943867,00.html
Hochinteressant.
:) :jubel: :jubel:


Hallo bubba,

hochinteressanter Link! :jubel: :jubel: :jubel:
Was ist denn das für ein Projekt, das so viel Tonmaterial kostenlos ins Netz stellt?

:hello:
Stefan
Viva la libertà!

petemonova

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  • »petemonova« wurde gesperrt

Beiträge: 4 186

Registrierungsdatum: 6. Dezember 2004

55

Sonntag, 14. Januar 2007, 13:14

Hey ihr beiden,

dafür gibt es sogar schon einen eigenen Thread.

:hello:

Gruß, Peter.
Musik zu hören ist zweifellos eine der extravagantesten Arten, sein Geld auszugeben.
- Mauricio Kagel

Barezzi

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  • »Barezzi« ist männlich

Beiträge: 2 163

Registrierungsdatum: 1. August 2006

56

Sonntag, 14. Januar 2007, 15:05

Zitat

Original von petemonova
Hey ihr beiden,

dafür gibt es sogar schon einen eigenen Thread.

:hello:

Gruß, Peter.


Merci! Da wär ich nie drauf gekommen :O (weil nicht damit gerechnet)

:hello:
Stefan
Viva la libertà!

Milosz

Fortgeschrittener

  • »Milosz« ist männlich

Beiträge: 211

Registrierungsdatum: 23. März 2006

57

Samstag, 25. Oktober 2008, 13:34

... dann möchte ich mal wieder einen kleinen Verweis einbringen.

In der ZEIT ist unlängst ein Bericht über Andras Schiff abgedruckt worden,
der auch online verfügbar ist.

ZEIT ONLINE >> Andras Schiff - Stürme und Schübe

Inhaltlich geht es um die Vollendung der Gesamteinspielung beethovenscher
Klaviersonaten.

Bislang habe ich nur eine Aufnahme mit seiner Mitwirkung, die Klaviertrios
von Schubert ... was sich aber bald ändern wird
;-)

======================
Grüße aus dem Ländle.
Milosz.
"Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt."
Arnold Schönberg

Beiträge: 470

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

58

Montag, 12. Januar 2009, 12:56

Ich hoffe, ich hab jetzt nicht was übersehen, aber soweit ich überblicken kann wurde folgende Einspielung hier nicht angesprochen



András Schiff mit Mozartschen Klavierwerken, gespielt auf Mozart eigenem Pianoforte (aus dem Geburtshaus in Salzburg), aufgenommen im Zimmer seiner Geburt). András Schiffs introvertierter Ansatz kommt mit dieser sehr intimen Aufnahme sehr zugute. Man spürt förmlich, daß diese Musik in erster Linie für kleine Räume geschrieben wurde; die Große Fantasie kommt hier zwar nicht so majestätisch rüber wie vielleicht gewohnt, aber dennoch höchst zauberhaft. Herrliche Klangfarben sind da zu hören....

Und bei der Sonate D545 habe ich das Gefühl, daß Mozart durch András Schiff tatsächlich so und nicht anders geklungen haben muß.

Was haltet Ihr davon?
Thomas

Aus dieser Serie (mit Mozart Originalinstrumenten) gibts noch eine Einspielung mit Klavierwerken zu 4 Händen und eine mit seinen Violinsonaten.

Anna

Anfänger

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Registrierungsdatum: 6. Januar 2010

59

Samstag, 10. April 2010, 01:27

Chopin hat Schiff auch schon auf einem Pleyel gespielt. Man suche bei Interesse auf Youtube Andras Schiff, Prelude No, 24 in D minor. Ist wohl ebenfalls ein von Fabbrini restauriertes Instrument.
writing about music is like dancing about architecture

William B.A.

Erleuchteter

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Donnerstag, 30. Dezember 2010, 20:51

Andras Schiff

Ich habe mal in diesem Thread-Directory herumgestöbert und bin auf diesen Thread gestoßen, der, wie ich finde, in letzter Zeit etwas selten besucht worden ist.
Ich habe Andras Schiff im September in der Essener Philharmonie erlebt, wie er mit seiner Capella Andrea Barca, einem ausgezeichneten Ensemble mittlerer Größe ein etwas anderes Programm vorgelegt hat: vor der Pause dirigierte er die Haydn-Variationen von Johannes Brahms und die Sinfonie Nr. 102 von Joseph Haydn und nach der Pause vom Klavier aus das 1. Klavierkonzert von Johannes Brahms. Wie die Standing Ovations nach dem Konzert bezeugten, haben er und seine Musiker ihre Sache sehr gut gemacht.
Schiff ist meiner Meinung nach ein immer noch etwas unterschätzter führender Pianist der mittleren Generation, der ein breites Feld maßstäblich "beackert", von seinen ausgezeichneten Bachinterpretationen über die Beethoven-Sonaten bis hin zu Schubert und Brahms, überall sind seine Einspielungen mit an der Spitze.
Ganz besonders gelungen aber finde ich seine Mozart-Konzerte mit Sander Vegh und der Camerata Academica:



und seine Mozart-Sonaten:



die ich zur Zeit durchhöre. Er ist ein Meister des kultivierten Anschlags, hat bei den Konzerten in Sandor Vegh und der Camerata kongeniale Partner und zeigt bei den Sonaten, dass es Mozarts Musik gut tut, wenn sie so leicht klingt wie hier, was ja, wenn man zum Beispiel Alfred Brendel glauben darf, gerade für Profis äußerst schwer zu sein scheint. Deshalb erscheint mir auch der Kreis referenzwürdiger (männlicher) Mozartpianisten vor allem bei den Sonaten äußerst überschaubar. Dabei kann er durchaus zupacken, wie in der Kombination Fantasie c-moll KV 475/Sonate c-moll KV 457, die er attaca hintereinader spielt sowie in der a-moll-Sonate KV 310.

Liebe Grüße

Willi :thumbsup:
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).