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Pius

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1

Samstag, 3. Mai 2008, 21:40

Die Lieder von Johannes Brahms

Hallo!

Derzeit habe ich von einem Bekannten die Brahms-Lieder-Box von DiFiDi bei EMI (6 CDs) ausgeliehen (die müßte m.W. fast alle Lieder für Singstimme mit Klavierbegleitung von Brahms enthalten). Und ich stehe etwas ratlos vor der Box. Was sind die wichtigen, die wesentlichen Lieder, die man auf jeden Fall kennen sollte oder mit denen man beim Kennenlernen beginnen sollte?
Im Forum habe ich noch kenen thread zu Brahms-Liedern gefunden (Ausnahme: Schnadahüpferl - Brahms: Vier Ernste Gesänge - aber op. 121 kenne ich ja schon), daher sah ich die Notwendigkeit, einen solche zu eröffnen.
Ich hoffe, hier kommt mit der Zeit einiges Wissenswerte zu Brahms' Liedschaffen zusammen. ich kann hier derzeit erstmal wenig beitragen - außer meinen obigen Fragen: Womit beginnen? Was sind die Hauptwerke unter den Liedern?

Viele Grüße,
Pius.

Ulrica

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2

Samstag, 3. Mai 2008, 22:52

Lieber Pius,

da ich mich in Vorbereitung meines Liederabends gerade intensiv zum Thema zugange bin, kann ich dir vielleicht weiterhelfen. Vorweg meine ich aber, dass hier DiFiDi wahrscheinlich nicht der alleridealste Interpret ist. Hier ist m. E. ein anderer Stimmtypus geeigneter. Ist aber nur meine subjektive Vorstellung, du kannst das vielleicht auch ganz anders empfinden. Ein Tipp wäre, sich hier auch bei den Frauen umzusehen, z. B. Jessye Norman oder Kathleen Ferrier.

Hier ein paar Lieder:

Liebestreu:
Disput zwischen Mutter und Tochter über Heiratskandidaten (Mädchen liebt ihn, Mutter ist skeptisch), ein Sänger singt abwechseld beide Personen.

Sonntag:
heitere Angelegenheit, Mädchen wird angeschwärmt

Der Gang zum Liebchen:
Kurz, aber fein

Das berühmte "Wiegenlied": Guten Abend, gute Nacht...

Meine Liebe ist grün:
Frühling, Liebestaumel, Flieder. Dieses recht anspruchsvoll gesetzte Stück liebe ich sehr. sehr ausgeprägte Klavierbegleitung

Vergebliches Ständchen:
Er will rein, sie läßt ihn nicht. Heitere, aber nachhaltige Debatte der beiden, von der sicher auch die Nachbarn was haben

Feldeinsamkeit:
Unglaublicher Ewigkeitstraum, meditativ - spirituell.

Sapphische Ode:
Lauschige Sommernacht mit einem Hauch Melancholie. Was für tiefe Stimmfächer.

Der Jäger:
Der Bursche ahnt sicher nicht, wie genau ihn die Dame durchschaut.

Wie Melodien:
Beschreibung, wie Literatur entsteht. Kryptisch.

Immer leiser wird mein Schlummer:
Eine junge Frau liegt im Sterben. Traurigkeit fast nicht auszuhalten

Von ewiger Liebe:
Fast eine Opernarie, Junge und Mädchen sehen Probleme der Außenwelt auf sich zukommen. Ein starkes Lied mit einem starken Sujet. Absolutes Highlight!

Auf dem See:
Ode an die Natur einer Gebirgslandschaft.

Unbedingt noch zu empfehlen, obwohl schon nicht mehr Lied. Die Altrhapsodie (hat DiFiDi sicher nicht gesungen :D

LG und eine treffsichere Auswahl wünscht

Ulrica
Der Feind ist vernichtet, wenn er zum Freund geworden ist

Fairy Queen

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3

Samstag, 3. Mai 2008, 23:00

Lieber Pius, das ist natürlich auch ein Stück Geschmackssache und ich nenne Dir mal einige "Lieblingslieder" bzw Konzert-Hits, die auch auf sehr vielen Brahms--Auswahl- Cds zu finden sind:

Die Mainacht

Wie Melodien zieht es


Von ewiger Liebe

Sapphische Ode

Der Tod, das ist die kühle Nacht

Feldeinsamkeit

Immer leiser wird mein Schlummer

Vergebliches Ständchen

Und vor allem natürlich das Wiegenlied "Guten Abend, gut Nacht"

Dann gibt es den Liedzyklus "Die schöne Magellone", den unser Gioachno oft gesungen hat und evtl etwas dazzu sagen kann/will.


Wenn Du die Alle kennst, bist du schon ganz gut für Konzerte und "normale" Cds bestückt.

Ich kann und will im Moment ncihts Ausführliches zu Brahms-Liedern schreiben, da ich intensiv mit Schumann befasst bin und einfach keine Zeit dazu habe.
Aber ich halte Brahms für einen sehr bedeutenden Liedkomponisten und denen , die mit dem Lied an sich nciht soviel anfangen können , kann man zum Einstieg gazn unkonventionell eine CD mit Transkriptionen für Cello mit Mischa Maisky empfehlen. Da bekommt man solche Lust auf diese wunderschönen Melodien, dass es bis zum Lied kein grosser Schritt mehr ist.

Viel Freude mit Brahms wünscht Fairy Queen


Sehe gerade, dass ich mich mit Ulrica gekreuzt hab...... :hello:
Leben zeugt Leben, Energie erschafft Energie. Man wird reich , indem man sich verschwendet. (Sarah Bernardt)

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4

Samstag, 3. Mai 2008, 23:14

Brahms' Lieder sind, soweit ich sie kenne, ziemlich unterschiedlicher Art. Viele sind bewußt schlicht, volksliednah (er hat tatsächlich auch viele echte Volkslieder bearbeitet und neu gesetzt), andere, wie schon von den beiden Sängerinnen erwähnt, fast "opernhaft", erstaunlich leidenschaftlich z.B. das frühe "Liebestreu".
Sie bieten jedenfalls reichlich Material, um die bizarre, aber immer wieder geäußerte Idee, Brahms sei ein schwacher Melodiker, zurückzuweisen.

Ich bin mal so nett und schlage einige Opuszahlen nach, aber nur von den Liedern, die ich so gut in Erinnerung habe, daß ich sie problemlos empfehlen kann:

Liebestreu op.3,1

Die Mainacht op.43,2

Von ewiger Liebe op.43,1

Feldeinsamkeit op.86,2

Es hing der Reif op.106,3

und bitte nicht zu vergessen, die beiden Lieder mit obligater Bratsche

op.91
#1 Gestillte Sehnsucht
#2 Geistliches Wiegenlied :jubel: :jubel: :jubel:

und schließlich mein momentanes Lieblingslied von Brahms

Wir wandelten op.96,2


viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
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Fairy Queen

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5

Samstag, 3. Mai 2008, 23:30

Besonders schön auch die Duette für Sopran und Alt und für Alt und Bariton! Das sind richtige Perlen drunter, z.B. "Die Meere", "Die Schwestern" oder "Die Nonne und der Ritter".

Von wegen schwacher Melodiker :boese2:: die Cello-Translkriptioenn ohne Text sind das beste Gegenbeispiel, denn da gibt es NUR herrlichste Melodie!

F.Q.
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Alviano

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6

Samstag, 3. Mai 2008, 23:57

Brahms-Lieder

Auch ich höre Brahms-Lieder immer wieder gerne und bin mit Fischer-Dieskau nicht ganz so streng, wie Ulrica :D.

Bei den Frauenstimmen möchte ich auf alle Fälle noch die Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender erwähnen - für mich immer wieder ein Erlebnis.

Der Vorteil der 6-CD-Ausgabe der EMI, die Pius erwähnt hat: die Zusammenfassung nach Opus-Zahlen, man kann das quasi chronologisch hören.

Einige meiner "Highlights wurden schon genannt:

Ganz klar darunter "Von ewiger Liebe"

Gerade von Fischer Dieskau würde ich das Platen-Lied "Wie rafft ich mich auf in der Nacht" empfehlen.

Ja, und dann noch zu den bereits genannten:

Über die Heide

Auf dem Kirchhofe

Wehe, so willst du mich wieder

In stiller Nacht

Viel Spass!
Alles was ist, endet

Zwielicht

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7

Sonntag, 4. Mai 2008, 00:14

Wenn wir so weiter machen, sind bald alle Brahms-Lieder genannt und Pius ist genausoweit wie vorher (hat allerdings ein paar Infos mehr). ;)


Trotzdem verzichte natürlich auch ich nicht darauf, einige Favoriten zu nennen bzw. zu bekräftigen:

Die Lieder nach Texten von Daumer op. 57 sind alle sehr schön (sonst vereint Brahms oft unterschiedlich gewichtige Stücke unter einer Opusnummer - das macht's gerade bei einer Komplettedition wie bei FiDi schwer). Bei op. 57 ragen "Von waldbekränzter Höhe" (Nr. 1), "Ach, wende diesen Blick" (Nr. 4) und "Unbewegte laue Luft" (Nr. 8 ) heraus.

"In Waldeseinsamkeit" op. 85 Nr. 6 (fast noch schöner als die "Feldeinsamkeit" im nächsten Opus).

Die beiden, schon von JR genannten Lieder mit Bratsche op. 91 (dürften allerdings bei FiDi nicht dabeisein).

"Auf dem Kirchhofe" op. 105 Nr. 4 nach Liliencron - das ist der herbe, norddeutsche Brahms par excellence.

Als ein Problem empfinde ich bei Brahms oft die Qualität der vertonten Gedichte - manchmal nur schwer erträglich. Da hätte er sich bei Hugo Wolf eine Scheibe abschneiden können.


Viele Grüße

Bernd
Was heut gehet müde unter, hebt sich morgen neugeboren.

Hildebrandt

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8

Sonntag, 4. Mai 2008, 00:34

Zitat

Original von Zwielicht
Wenn wir so weiter machen, sind bald alle Brahms-Lieder genannt und Pius ist genausoweit wie vorher (hat allerdings ein paar Infos mehr).


Und um Pius noch weiter zu verwirren: :D
Nicht zu vergessen sind die Duette op. 20, 28, 61 und 66.
Allerdings kenne ich keine Aufnahme, die ich wirklich empfehlen möchte.

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9

Sonntag, 4. Mai 2008, 10:03

Zitat

Original von Zwielicht
Wenn wir so weiter machen, sind bald alle Brahms-Lieder genannt und Pius ist genausoweit wie vorher (hat allerdings ein paar Infos mehr). ;)


Naja, was bisher genannt wurde, dürfte (ohne die schöne Magelone) gerade mal knapp eine CD füllen. Und ein paar Frauenlieder werden bei Fi-Di fehlen, fallen also auch weg.

Zitat


Die beiden, schon von JR genannten Lieder mit Bratsche op. 91 (dürften allerdings bei FiDi nicht dabeisein).


ich will's nicht hoffen (mit Kontrabaß statt Viola?)

Zitat


"Auf dem Kirchhofe" op. 105 Nr. 4 nach Liliencron - das ist der herbe, norddeutsche Brahms par excellence.

Als ein Problem empfinde ich bei Brahms oft die Qualität der vertonten Gedichte - manchmal nur schwer erträglich. Da hätte er sich bei Hugo Wolf eine Scheibe abschneiden können.


Finde ich ziemlich unproblematisch (auch ohne jetzt auf Opernlibretti einzudreschen, gibt es bei etlichen anderen Liederdichtern ebenso Fragwürdiges) . Im Gegensatz zu der Musik von Wolf, mit dessen Liedern ich auch nach bald 10 Jahren wiederholter Versuche nicht viel anfangen kann... und was an dem Pseudo-Volkstum des Italienischen und Spanischen Liederbuchs erträglicher sein soll als an dem entsprechenden deutschen (oder pseudo-ungarischen) Volkstum bei Brahms sehe ich auch nicht recht..

Zitat

(Alviano) Bei den Frauenstimmen möchte ich auf alle Fälle noch die Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender erwähnen - für mich immer wieder ein Erlebnis.


Meine erste wirkliche Begegnung mit Brahms' Liedern, und es ist bis heute eine meiner Lieblings-Lieder-CDs, war eine Auswahl mit Fassbaender. Es muß die folgende sein, obwohl ich sie in einer anderen Gestaltung (Label "Acanta") habe. Faßbaender ist manchmal vielleicht etwas "over the top", aber insgesamt sehr beeindruckend.



Die würde ich daher, auch wegen des günstigen Preises ohne Vorbehalte empfehlen.

Das Fi-Di-Material, was ich habe, müßte ich erst nochmal anhören; von Otters Recital auf DG war ich eher ein bißchen enttäuscht (jedenfalls nicht so begeistert wie erhofft). Wer historischen Klang toleriert, versuche für ein paar Euro die Brahms gewidmeten Folgen der Raucheisen-Edition zu finden.

:hello:

JR
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Alviano

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10

Sonntag, 4. Mai 2008, 10:43

Empfehlungen

Zitat

Original von Zwielicht
Wenn wir so weiter machen, sind bald alle Brahms-Lieder genannt und Pius ist genausoweit wie vorher


Naja, er kann ja schon mal nach Schnittmengen suchen - "Von ewiger Liebe" spricht offensichtlich einen breiten Hörer/innenkreis an.

Mir persönlich gefallen auch die "Deutschen Volkslieder" sehr gut (und ich würde Edith Mathis und Peter Schreier den Vorzug vor Elisabeth Schwarzkopf und Fischer-Dieskau geben: gerade die Schweizer Sopranistin trifft mit ihrem natürlichen Ton den Charakter der Stücke besser, als Elisabeth Schwarzkopf).

Von Brigitte Fassbaender gibt es noch eine CD mit den "Zigeunerliedern", op. 103 und neben Liedern von Schumann, Liszt, Tschaikowsky und Dvorak enthlät die CD auch noch eine kleine Auswahl von Brahms-Liedern, z. B. "Nicht mehr zu dir zu gehen", "Der Tod, das ist die kühle Nacht" oder "Auf dem Kirchhofe", ihre Begleiter am Flügel sind Karl Engel (op. 103) und Erik Werba.

Zitat Johannes Roehl

Zitat

Faßbaender ist manchmal vielleicht etwas "over the top", aber insgesamt sehr beeindruckend


Sicher, aber das ist eine sehr persönliche, unverkennbare Art, Lieder zu interpretieren, die wohl niemanden so wirklich kalt lässt.
Alles was ist, endet

Pius

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11

Sonntag, 4. Mai 2008, 10:51

Hallo!

Vielen Dank schonmal für die Tips! :hello:

Ich werde mich bei der Selektion der zu hörenden Lieder daran orientieren.
Op. 91 ist allerdings ebenso wie jegliche Duette leider nicht in der Box enthalten.



Viele Grüße,
Pius.

Zwielicht

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12

Sonntag, 4. Mai 2008, 17:08

Zitat

Original von Johannes Roehl

Zitat


"Auf dem Kirchhofe" op. 105 Nr. 4 nach Liliencron - das ist der herbe, norddeutsche Brahms par excellence.

Als ein Problem empfinde ich bei Brahms oft die Qualität der vertonten Gedichte - manchmal nur schwer erträglich. Da hätte er sich bei Hugo Wolf eine Scheibe abschneiden können.


Finde ich ziemlich unproblematisch (auch ohne jetzt auf Opernlibretti einzudreschen, gibt es bei etlichen anderen Liederdichtern ebenso Fragwürdiges) . Im Gegensatz zu der Musik von Wolf, mit dessen Liedern ich auch nach bald 10 Jahren wiederholter Versuche nicht viel anfangen kann... und was an dem Pseudo-Volkstum des Italienischen und Spanischen Liederbuchs erträglicher sein soll als an dem entsprechenden deutschen (oder pseudo-ungarischen) Volkstum bei Brahms sehe ich auch nicht recht..


Bei Hugo Wolf nun gerade an die beiden Ausnahmen zu erinnern finde ich nicht ganz fair. Zu erinnern ist vor allem an die großen Mörike- und Goethe-Komplexe, aber natürlich auch an die Heine-, Eichendorff- und Michelangelo-Lieder. In puncto literarischem Geschmack, aber auch bei der Subtilität der Wortausdeutung und der harmonischen Mittel würde ich Wolf jederzeit eine Kategorie über Brahms ansiedeln (über Brahms als Liedkomponisten wohlgemerkt).

Klar, auch bei Schubert finden sich zahlreiche Vertonungen eher zweifelhafter Lyrik. Aber zu Zeiten von Brahms ist die Reflexion über Liedkomposition doch auf einem ganz anderen Stand als in den 1820ern. Vor allem finde ich es bemerkenswert, dass Brahms fast ausschließlich zweit- bis viertklassige Lyrik vertont hat: Einige wenige Goethe-, Brentano-, Mörike-, Eichendorff-und Platen-Lieder sowie die Tieck-Romanzen bleiben eher Ausnahmen. Die Regel sind Verseschmiede wie Reinick, Bodenstedt, Daumer, Wenzig, Hölty, Kopisch, Schenkendorf, Candidus, Lemcke, Allmers, Groth und wie sie alle heißen. Die sind allerdings weitgehend Zeitgenossen von Brahms, das muss man ihm zugutehalten. Wolf war ja dagegen eher ein Lyrik-Historiker.

(Und Opernlibretti sind dann doch ein ganz anderes Schlachtfeld als Gedichtvertonungen.)


Viele Grüße

Bernd
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13

Sonntag, 4. Mai 2008, 21:46

Zitat

Original von Zwielicht

Zitat

Original von Johannes Roehl

Zitat


"Auf dem Kirchhofe" op. 105 Nr. 4 nach Liliencron - das ist der herbe, norddeutsche Brahms par excellence.

Als ein Problem empfinde ich bei Brahms oft die Qualität der vertonten Gedichte - manchmal nur schwer erträglich. Da hätte er sich bei Hugo Wolf eine Scheibe abschneiden können.


Finde ich ziemlich unproblematisch (auch ohne jetzt auf Opernlibretti einzudreschen, gibt es bei etlichen anderen Liederdichtern ebenso Fragwürdiges) . Im Gegensatz zu der Musik von Wolf, mit dessen Liedern ich auch nach bald 10 Jahren wiederholter Versuche nicht viel anfangen kann... und was an dem Pseudo-Volkstum des Italienischen und Spanischen Liederbuchs erträglicher sein soll als an dem entsprechenden deutschen (oder pseudo-ungarischen) Volkstum bei Brahms sehe ich auch nicht recht..


Bei Hugo Wolf nun gerade an die beiden Ausnahmen zu erinnern finde ich nicht ganz fair. Zu erinnern ist vor allem an die großen Mörike- und Goethe-Komplexe, aber natürlich auch an die Heine-, Eichendorff- und Michelangelo-Lieder. In puncto literarischem Geschmack, aber auch bei der Subtilität der Wortausdeutung und der harmonischen Mittel würde ich Wolf jederzeit eine Kategorie über Brahms ansiedeln (über Brahms als Liedkomponisten wohlgemerkt).

Klar, auch bei Schubert finden sich zahlreiche Vertonungen eher zweifelhafter Lyrik. Aber zu Zeiten von Brahms ist die Reflexion über Liedkomposition doch auf einem ganz anderen Stand als in den 1820ern. Vor allem finde ich es bemerkenswert, dass Brahms fast ausschließlich zweit- bis viertklassige Lyrik vertont hat: Einige wenige Goethe-, Brentano-, Mörike-, Eichendorff-und Platen-Lieder sowie die Tieck-Romanzen bleiben eher Ausnahmen. Die Regel sind Verseschmiede wie Reinick, Bodenstedt, Daumer, Wenzig, Hölty, Kopisch, Schenkendorf, Candidus, Lemcke, Allmers, Groth und wie sie alle heißen. Die sind allerdings weitgehend Zeitgenossen von Brahms, das muss man ihm zugutehalten. Wolf war ja dagegen eher ein Lyrik-Historiker.

(Und Opernlibretti sind dann doch ein ganz anderes Schlachtfeld als Gedichtvertonungen.)


Keiner sagt, daß Groth so gut sei wie Goethe oder Heine. Es ging nur darum, daß mir bisher kein Text eines Brahms-Liedes begegnet ist (was nicht viel heißen mag, da ich gewiß nur einen Bruchteil kenne), den ich so offensiv schlecht, stümperhaft oder altmodisch fand, daß er mir das Stück vergällt hätte. Jedenfalls fällt mir keiner ein. Und das ist m.E ziemlich genau dieselbe Sache wie bei Libretti (oder wie bei Müller - Schubert).

Es ist auch keine Frage, daß ein (Nach)Wagnerianer wie Wolf harmonisch avancierter ist als der eine Generation ältere Anti-Wagnerianer und -was das Lied betrifft- in vieler Hinsicht erzkonservative Brahms. Nur leider sagen mir die Wolf-Lieder, ganz gleich ob es Pseudo-Volkstum (was ich übrigens keineswegs unfair finde anzuführen, diese Zyklen gehören, wenn ich recht sehe, zu den beliebtesten und sehr häufig aufgeführten und eingespielten Werken Wolfs) oder Mörike ist, meistens sehr wenig. Das wird sicher an mir liegen. Allerdings habe ich den Eindruck, daß ich damit nicht allein bin, sondern Wolf noch mehr als Brahms selbst unter der überschaubaren Minderheit der Klassikhörer, die überhaupt Lieder jenseits der allerbekanntesten von Schubert und Schumann hören, ein besonderer Geschmack ist. Mit diesem "Wagnerisieren" des Liedes scheinen einige ihre Probleme zu haben.

Auch Mahler vertonte übrigens ziemlich eigenwillig ausgewählte, sehr selten als erstklassig zu bezeichnende Lyrik. Ein weiterer Hinweis darauf, daß die Qualität des Endergebnisses eher wenig mit der der Vorlage zu tun hat. Und darum ging es mir, wobei ich zugeben muß, daß der Seitenhieb auf Wolf überflüssig war. Aber dessen Lieder sind eben für mich ein Beispiel, wie kunstvolle Komposition und hochwertiger Text zu Ergebnissen führen, die mir nichts sagen.

:hello:

JR
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14

Sonntag, 4. Mai 2008, 22:56

Brahms hat unzweifelhaft großartige Lieder auf teilweise mittelmäßige Gedichte komponiert, da unterscheidet er sich nicht von Schubert. Ich wollte auch keineswegs (nachträglich) dafür plädieren, dass alle deutschsprachigen Komponisten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nur Goethe oder Heine hätten komponieren sollen, das wäre ja langweilig. Schon bei Schubert ist die ein oder andere Collin- oder Mayrhofer-Vertonung viel aufregender als so manches Lied auf berühmte Goethe-Lyrik.

Was mir bei Brahms nur auffällt, ist eine bewusste Beschränkung auf eine Form von Lyrik, wie sie m.W. in den bürgerlichen Wohnzimmern und Salons der Zeit allgegenwärtig war. Viel Naturlyrik, viel bemühter Volksliedton (kein Vergleich zum "Wunderhorn"), gerne mit religiösen Wendungen.

Manchmal scheint es mir, als habe Brahms dieser bewusst eingeschränkten Auswahl von Gedichten auch eine bewusste Beschränkung seiner musikalischen Mittel beigesellt. Wie gesagt, es gibt manches Großartige, aber doch auch einiges weniger Originelle. Diese Ungleichgewichtigkeit des kompositorischen Anspruchs finde ich bei einem skrupulösen Komponisten wie Brahms bemerkenswert - mir fällt z.B. kein einziges Kammermusikwerk von ihm ein, das ich als nicht erstklassig bezeichnen würde, fast ebenso bei der Klaviermusik (mit ein paar mehr Ausnahmen). Ich habe einfach gelegentlich das Gefühl, dass Brahms so manches Gedicht nur adäquat in Töne gesetzt hat, nicht mehr.

Mahler ist bei der Gedichtauswahl nur einmal mit dem zeitgenössischen Mainstream gegangen, nämlich bei den Chinoiserien des LvdE (was dem Werk natürlich nicht geschadet hat). Die Begeisterung für die Wunderhorn-Gedichte war um 1900 überaus ungewöhnlich - da entsteht m.E. eine Synthese wie bei den Schubert/Müller-Zyklen. Bei den Rückert-Gedichten gibt es zwei, drei schwächere, deren Vertonung auch nicht so bemerkenswert ist.

Hugo Wolf müssen wir mal an anderer Stelle diskutieren - da gibt's einen Thread, der leise vor sich hinschlummert. Ich hör ja auch nicht jeden Tag zum Frühstück Wolf-Lieder, aber angesichts von Werken wie "Ganymed" oder "Auf eine Christblume I" fällt mir nichts vergleichbar Faszinierendes ein.


Viele Grüße

Bernd
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Fairy Queen

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15

Montag, 5. Mai 2008, 07:28

Lieber Bernd, Hugo Wolf hat im Lied seine Bestimmung als Komponist gefunden(wobei er eigentlich für die Oper angetreten war....), von Brahms kann man das ganz sicher nciht sagen.
Ich kenne mich in Brahms komponsitorischem Lebensweg nciht aus, aber evtl hat er Lieder nur als Gelegenheitskompositionen und "Spielwiese" gesehen? Das wäre bereits ein erheblicher Unterschied zu Wolf oder Schumann oder auch Mahler, der die Lieder ja sogar in seine Symphonien einbaute.

Was Hugo Wolf -Threads angeht: wenn wir mit dem Schumann durch sind, könnten wir in derselben Methode auch mit Wolf-"Zyklen" oder Wunderhorn oder oder oder verfahren.

Ich will nur schnell noch als Ergänzung zu deinen beiden Liedern hier "Nachtzauber" nennen.
Eines der unglaublichsten Lieder, die ich je gehört/gesungen habe. Jeder Pianist wird Dir das aus voller Seele und mit :faint: auch bestätigen.
Nein, das hat mit Brahms wahrlich nichts zu tun.

Aber um den melodischen Reichtum der Brahms-Lieder richtig zu würdigen, sollte man sie wirklch mal ohne Text hören. Sie sind auch rein musikalisch mehr als nur lebensfähig. Neben Mischa Maisky hat auch der grosse Liedbegleiter Irvin Gage die Lieder instrumantal eingespielt

Es gibt eine sehr schöne Brahms-Cd mit der französischen Sopransitin Françoise Pollet.

Beosnders empfehlen will ich aber diese hier:



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Gerald

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16

Dienstag, 24. Juni 2008, 20:52

Liebe Fairy Quenn, von "Gelegenheitskompositionen" kann man bei Brahms' Liederschaffen bestimmt nicht reden - immerhin machen die Lieder und Gesänge einen Großteil seiner Opusnummern aus, Vokalmusik insgesamt zählt gute 80 Nummern. Ich komme auch immer mehr zur Überzeugung, dass Brahms sein überzeugendstes, persönlichstes Schaffen in der Vokalmusik bewältigte - von den Motetten bis hin zu seinen wunderbaren Sololiedern. Bezeichnend ist auch, dass Schumann schon 1853 die ersten Lieder Brahms' als Lieder bezeichnet, "deren Poesie man, ohne die Worte zu kennen, verstehen würde, obwohl eine tiefe Gesangsmelodie sich durch alle hindurchzieht,"
Brahms kam es sicher nicht in erster Linie auf die psychologische Textausdeutung an - ein ganz grober Zugriff sind seine zahlreichen Deklamationsfehler, z.B. bei op. 3/6. Aber ist nicht auch das ein kunstgriff, die Melodie über das Wort zu stellen und nicht nur zu interpretieren und musikalisch nachzumalen?

Sehr empfehlenswert ist dazu folgendes Buch, welches ich gerade lese, und das mir mehr Aufschluss als so manche reine Biografie gibt:



Die obengenannte CD mit Bernarda Fink ist tatsächlich empfehlenswert - bei einer tieferen Beschäftigung kommt man bei Fischer-Dieskau aber keinesfalls vorbei, dessen box auch bereits bei Brilliant vorliegt. Hoffentlich werden durch diesen günstigen Preis endlich mehr Brahms-Freunde motiviert, diesen völlig unterschätzten Teil - ja Großteil aus des Meisters Schaffen zu
entdecken.



Liebe Grüße,
Gerald
"Das Höchste in der Kunst - vor Gott besagt's nicht viel.
Hat doch die Welt zuletzt nur ein moralisch Ziel."
(Hans Pfitzner)

Gerald

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Registrierungsdatum: 6. Juli 2007

17

Donnerstag, 26. Juni 2008, 17:02

Weil mich Brahms' Lieder immer mehr fesseln und folgende CD hier noch nirgends erwähnt wurde, möchte ich kurz Quasthoffs Brahms/Liszt-Album erwähnen und gleichzeitig fragen, ob ihr, sehr geschätzte Taminos, eine Kaufempfehlung aussprechen könnt? Bei derart teuren CDs bin ich - selbst wenn Stars wie Thomas Quasthoff musizieren - nämlich immer etwas vorischtig:



Beim Stöbern auf jpc entdecke ich just, dass es bereits eine deutlich billigere
"Grand Prix"-Neuauflage gibt. Na, dann ist die Scheibe schon so gut wie bestellt ;) :



Liebe Grüße,

Gerald
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gioachino

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18

Sonntag, 13. Juli 2008, 22:07

Es lohnt allemal, einen Blick auf Brahms` einzige " Oper " zu werfen, die " Schöne Magelone ", komponiert auf Gedichte, welche Tieck in seine gleichnamige Novelle eingestreut hat !
Kümmert man sich zu Viert um diesen Zyklus ( Mezzo, Bariton, Klavier, Erzähler/in ), wird tatsächlich so etwas wie Oper aus diesem spannenden Opus.
Ich darf für mich in Anspruch nehmen, als meines Wissens Erster die Wiedergabe der Lieder auf Männer - u n d Frauenstimme erweitert zu haben.
Seltsam, dass zuvor niemand auf die Idee gekommen ist, denn die Lieder sind meist so lang, dass sie sich problemlos sogar einzeln aufteilen lassen. Zudem gibt es einige " Frauenlieder " in dem Zyklus ( Magelone, Sulima ).
Zu beachten ist lediglich, dass die Stimmfächer zueinander passen ( Sopran / Tenor bzw. Mezzo / Bariton oder Alt / Bass ).
Die - sinnvoll gekürzte - Lesung der Tieckschen Novelle gibt dem Ganzen die entscheidende Würze. Will man ein einzelnes Lied für sich sprechen bzw. klingen lassen, so ist es gewiss das wunderbare " Ruhe, Süßliebchen ".
Die Kombination Lied / Literatur ist übrigens momentan so populär, dass die Interpreten sich keine Gedanken um die Publikumsakzeptanz machen müssen.

Ciao. Gioachino :pfeif:
MiniMiniDIFIDI

Fairy Queen

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19

Montag, 14. Juli 2008, 06:17

Lieber Gioachino, die Verbindung Lied und Literatur springt so deutlich ins Auge, dass man sich eher fragt, wie sie NICHT beachtet werden kann.
In den Salons des 19 Jh war es ganz natürlich und gang und gäbe , alle Künste miteinander zu verbinden und eine umfassende Musen-Synthese zu celebrieren.
Ich kann solcherlei "Revival" nur begrüssen und aktiv wie passiv unterstützen.


Lieber Gerald, ich hatte die Bedeutung der Kunst-Lieder in Brahms Gesamt-Schaffen mit einem Fragezeichen versehen und freue mich umso mehr, wenn sie grösser ist, als ich im ersten Moment fürchtete. :yes: Dass das Vokalwerk insegesamt eine grosse Rolle spielt(nicht zu vergessen Requiem und Alt-Rhapsodie!!!) sehe ich wie du.

Die Quasthoff-Cd kenne ich nicht, mich würde daher deine Wertung, falls du sie nun gekauft hast, interessieren.

Fairy Queen
Leben zeugt Leben, Energie erschafft Energie. Man wird reich , indem man sich verschwendet. (Sarah Bernardt)

Elisabeth

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20

Sonntag, 23. November 2008, 11:00

Ich höre gerade ganz begeistert diese schönen Lieder für vier Stimmen und vier Hände:

Johannes Brahms (1833-1897)
Liebeslieder-Walzer op. 52 & 65


Marlis Petersen, Stella Doufexis, Werner Güra, Konrad Jarnot,
Christoph Berner, Camillo Radicke
Label: HMF , DDD, 2006




Vielleicht kann sich jemand von Euch dazu näher äußern?

Ist eigentlich diese Form des Lied-Quartetts eine Besonderheit von Brahms?

LG, Elisabeth

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21

Sonntag, 23. November 2008, 21:47

Quartette

Zitat

Original von Elisabeth
Ist eigentlich diese Form des Lied-Quartetts eine Besonderheit von Brahms?


Hallo Elisabeth,

ich war bei dieser Frage im ersten Moment etwas unsicher, fragst Du ob BRAHMS noch mehr "Lied-Quartette" geschrieben hat oder ob er das Genre entscheidend (weiter)entwickelt hat?
BRAHMS hat noch weitere Quartette für vier Singstimen und Klavier (diesmal aber nur zwei Hände) geschrieben:

Drei Quartette op.31
1. Wechsellied zum Tanze, 2. Neckereien, 3. Der Gang zum Liebchen

Drei Quartette op.64
1. An die Heimat, 2. Der Abend, 3. Fragen

Vier Quartette op.92
1.O schöne Nacht!, 2. Spätherbst, 3. Abendlied , 4. Warum?

Elf Zigeunerlieder op.103
1. He, Zigeuner, greife in die Saiten ein!, 2. Hochgeturmte Rimaflut, wie bist du trüb, 3. Wisst ihr, wann mein Kindchen am allerschonsten ist?, 4. Lieber Gott, du weisst, wie oft bereut ich hab', 5. Brauner Bursche führt zum Tanze, 6. Roslein dreie in der Reihe blühn so rot, 7. Kommt dir manchmal in den Sinn, 8. Horch, der Wind klagt in den Zweigen traurig sacht, 9. Weit und breit schaut niemand mich an, 10. Mond verhüllt sein Angesicht, 11. Rote Abendwolken ziehn am Firmament

Zwei Quartette op.112a
1. Sehnsucht , 2. Nachtens

Vier Zigeunerlieder op.112b
1. Himmel straht so helle und klar, 2.Rote Rosenknospen, 3. Brennessel steht an Weges Rand, 4. Liebe Schwalbe, kleine Schwalbe

zu finden z.B. auf dieser CD mit dem RIAS-Kammerchor



auf diser CD also nicht mit vier Solisten, sondern mit Chor- wie ja auch die Liebesliederwalzer öfters aufgeführt werden. Vom Gehalt der Texte eignen sie sich aber meiner Meinung wesentlch besser für vier Solostimmen. Übrigens hat BRAHMS über die Werke Gesang ad libitum vermerkt! Für mich erscheint nur die Aufführung des Klavierparts ohne Singstimmen doch sehr merkwürdig!

Von den Liebesliederwalzern reizt mich immer noch sehr folgende Aufnahme kennezulernen:



Harper, Baker, Pears, Hemsley, Arrau, Britten
besonders wegen des Klavierduos Britten/Arrau!

Gruß pt_concours


edit: in dem Thread gelegentlich heiter finden sich noch weitere hinweise zu BRAHMS -Liebesliederwalzern.
Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
Keine Gefahr der Langeweile, im Gegensatz zu dem, was viele glauben, sondern vielmehr Seelenfrieden.
Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)

Gurnemanz

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Freitag, 9. Januar 2009, 09:29

Brahms-Lieder in Wiesloch

Zitat

Original von Elisabeth
Ich höre gerade ganz begeistert diese schönen Lieder für vier Stimmen und vier Hände:

Johannes Brahms (1833-1897)
Liebeslieder-Walzer op. 52 & 65


Marlis Petersen, Stella Doufexis, Werner Güra, Konrad Jarnot,
Christoph Berner, Camillo Radicke
Label: HMF , DDD, 2006




Vielleicht kann sich jemand von Euch dazu näher äußern?

Wem die Region Rhein-Neckar erreichbar ist, hat die schöne Gelegenheit, fast alle der genannten Künstler/innen demnächst im Konzertsaal zu erleben, mit Brahms:

Zitat

Freitag, 06.02.2009, 20.00 Uhr
Wiesloch, Palatin

RUTH ZIESAK, Sopran
STELLA DOUFEXIS, Alt
WERNER GÜRA, Tenor
KONRAD JARNOT, Bass
CHRISTOPH BERNER und CAMILLO RADICKE, Klavier

Johannes Brahms: Sololieder
Johannes Brahms: Liebeslieder-Walzer op. 52

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Samstag, 10. Januar 2009, 23:31

Zitat

Original von pt_concours: Zwei Quartette op.112a 1. Sehnsucht , 2. Nächtens


Diese beiden Quartette möchte ich ausdrücklich dem empfehlen, dem der volksliedhafte Gestus vieler Brahmslieder manchmal ein wenig zu unzeitgemäß sind.

Diese beiden hier sind
- tragisch (und ohne Happy End)
- düster (das Düsterste, was ich von Brahms kenne)
- sehr anspruchsvoll in ihrer musikalischen Struktur (das erste Quartett lebt geradezu vom 4 gegen 3, das zweite beinhaltet im Klavierpart ein ständig sich veränderndes und changierendes auskomponiertes Tremolo)

Die Texte stammen übrigens von einem Dichter namens "Kugler". Ich kenne ihn nicht, aber es ist auf jeden Fall ernstzunehmende Poesie.

Tharon.

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Donnerstag, 29. Januar 2009, 14:04

Liebe Brahms-Kenner,
wisst ihr, ob es die Zigeunerlieder auch für Sopranstimme-Solo gibt?
Ich bin etwas ratlos, weil mir meine Gesangslehrerin gestern zwischen Tür und Angel gesagt hat, ich solle jetzt Brahms Lieder im Unterrciht singen und dabei auch die Zigeunerlieder nannte. Ich selbst kenne diesen Zyklus noch gar nciht-weder vom Hören noch vom Sehen- und habe eben bei der Suche nur Quartett oder Mezzo-Versionen gesehen.

?( ?( ?(

F.Q.
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ThomasBernhard

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25

Donnerstag, 29. Januar 2009, 14:58

Zitat

Original von Fairy Queen
Liebe Brahms-Kenner,
wisst ihr, ob es die Zigeunerlieder auch für Sopranstimme-Solo gibt?


Jessye Norman (Sopran oder Mezzo? Wird auf der CD als Sopran bezeichnet) hat sie aufgenommen.

Brahms op. 103: "Zigeunerlieder"

u.a. auf dieser CD zu finden:



:hello:
Frauen und Kinder zuerst

good night and good luck

thomasbernhards-1[ätttttt]yahoo[punkt]de

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Samstag, 7. Februar 2009, 10:02

RE: Brahms-Lieder in Wiesloch

Zitat

Original von Gurnemanz

Zitat

Original von Elisabeth
Ich höre gerade ganz begeistert diese schönen Lieder für vier Stimmen und vier Hände:

Johannes Brahms (1833-1897)
Liebeslieder-Walzer op. 52 & 65


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Wem die Region Rhein-Neckar erreichbar ist, hat die schöne Gelegenheit, fast alle der genannten Künstler/innen demnächst im Konzertsaal zu erleben, mit Brahms:

Zitat

Freitag, 06.02.2009, 20.00 Uhr
Wiesloch, Palatin

RUTH ZIESAK, Sopran
STELLA DOUFEXIS, Alt
WERNER GÜRA, Tenor
KONRAD JARNOT, Bass
CHRISTOPH BERNER und CAMILLO RADICKE, Klavier

Johannes Brahms: Sololieder
Johannes Brahms: Liebeslieder-Walzer op. 52

Hier habe ich eben etwas zu dem Konzert in Wiesloch geschrieben, das ich gestern besucht habe.

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Samstag, 7. Februar 2009, 10:28

Diese Brahms Zigeunerlieder sollte man schon kennen, sie gehören eigentlich zum Repertoire einer jeden Sängerin, es gibt sie in der hohen und tiefen Lage.
musica

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Samstag, 7. Februar 2009, 14:23

Wer bestimmt eigentlich , was zum Repertoire "eines jeden Sängers" gehört??????
Wie wäre es z.B. mit den Baudelaireliedern von Debussy? Oder Reynaldo Hahn?
Oder Britten ? Oder Vaughn Williams? Oder Schostakowitsch?

Ich habe mir die Zigeunerlieder inzwischen angehört und sie gefallen mir lange nciht so gut wie andere Brahmslieder.
"Feldeinsamkeit", In Waldeseinsamkeit "Wie Melodien zieht es", "Ach wüsst ich doch den Weg zurück", "Mainacht", "Ständchen" etc haben deshalb Priorität.

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Samstag, 7. Februar 2009, 15:25

Also, ich kenne sie zwar, aber habe sie - noch - nicht im Repertoire. gab noch keinen Anlass hierfür.

Ich werde sie auch nicht deshalb aufnehmen, weil sie irgendwie im Repertoire sein müssen???!!! Kapiere ich auch nicht ganz. Die von Fairy aufgezählten Lieder enthalten auch meine Favoriten.

Die Zigeunerlieder gibt es auch in einer Chorfassung, aber in der Form gefielen sie mir gar nicht. Die "Zigeunermusik" hat Brahms recht gut getroffen, aber im wehenden Chorrauschen geht der Charakter verloren. Als Soli mag ich den kleinen Zyklus schon.

LG
:hello:
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Samstag, 7. Februar 2009, 16:22

Liebe Ulrica,

ich vermute, dein Repertoire ist noch nicht so weit gefächert, dass du sie im Programm hast. Die Zigeunerlieder sind ein Zyklus, sicherlich etwas anderes als die "normalen" Lieder von Brahms, sie werden vom Publikum sehr gut aufgenommen.

Na wenigstens hast du sie schon mal gehört. :yes:
musica

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