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Dr. Holger Kaletha

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  • »Dr. Holger Kaletha« ist männlich

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211

Samstag, 15. November 2014, 17:37

Wer ist Helene Grimaux? - Ich kenne nur Helene Grimaud. Und gleich zweimal falsch geschrieben. Mein Onkel sagte mir einmal, ein falsch geschriebener Name zeugt von Ignoranz und innerer Miss- bis Verachtung des Verschreibers gegenüber der falsch geschriebenen Person.
Dann schreibe ich demnächst Bordeaud-Wein zu Ehren von Helene (wo auch noch zwei Akzente fehlen). Was aber nicht heißt, dass ich Bordeaud bzw. Bordeaux-Wein nicht trinke....


Aber gehörte die Show nicht schon immer dazu,
Mag sein. Mich stört einfach die Diskrepanz zwischen der realen künstlerischen Leistung und dem überdimensionierten öffentlichen Brumborium, das um ihn gemacht wird. Das war bei Bernstein eben anders.

Im Falle von Harnoncourt glaube ich, dass da die Agenten der Plattenfirmen, Orchester solche Paarungen arrangieren. Einfach weil sich das gut verkauft.

Schöne Grüße
Holger

William B.A.

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  • »William B.A.« ist männlich

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212

Samstag, 15. November 2014, 21:32

Zitat

lLiebstraum: Wer ist Helene Grimaux... usw.
Lieber Liebestraum: Was soll das? Ich würde mir wünschen, wenn du dich hier schon äußerst, etwas Substantielles beizutragen. Wir müssen uns doch nicht gegenseitig das Leben schwermachen.
Liebe Grüße

Willi :D
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

sagitt

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213

Samstag, 15. November 2014, 22:13

Sagitt meint:

Das eben glaube ich nicht, dass sich Harnoncourt von einem Agenten einen Solisten aufdrängen läßt. Warum sollte ER das mit 85 mit sich machen lassen?

m-mueller

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  • »m-mueller« ist männlich

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214

Samstag, 15. November 2014, 22:18

Einfach weil sich das gut verkauft.

Was ist daran schlimm? Ist es nicht besser, als wenn es sich nicht gut verkaufte?

Wer die Manierismen des Herrn LL nicht mag, möge die Augen schließen oder hinter einer Fliege herschauen - bisher hat sich jedenfalls niemand zu der Behauptung verstiegen, er könne nicht Klavier spielen.

Dr. Holger Kaletha

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  • »Dr. Holger Kaletha« ist männlich

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215

Samstag, 15. November 2014, 23:13

Das eben glaube ich nicht, dass sich Harnoncourt von einem Agenten einen Solisten aufdrängen läßt. Warum sollte ER das mit 85 mit sich machen lassen?
Ich glaube etwas ganz anderes. Spitzenpolitiker und auch gefragte Musiker haben einen Terminkalender, den sie selber kaum noch durchschauen. Sie übergeben deshalb gerne das "Organisatorische" komplett in dritte Hände, weil sie sonst für ihre eigentliche Aufgabe kaum noch Zeit hätten. Ich vermute, dass Hornoncourt mit 85 noch weniger Lust hat als früher, sich um irgendwelche organisatorischen Dinge was die Konzertplanung angeht zu kümmern. Und es wird ihm ein bisschen schmeicheln, wenn man ihm so einen Medienstar anbietet, den er nicht kennt und er sich gerne auf ein solches Abenteuer - ein bisschen auch aus Neugier - einläßt.


Was ist daran schlimm? Ist es nicht besser, als wenn es sich nicht gut verkaufte?
Von der Seite der Agenten ist das auch legitim.


Wer die Manierismen des Herrn LL nicht mag, möge die Augen schließen oder hinter einer Fliege herschauen - bisher hat sich jedenfalls niemand zu der Behauptung verstiegen, er könne nicht Klavier spielen.
Ich bin immer dafür, dass man sich ausschließlich mit der künstlerischen Leistung auseinandersetzt. Und da ist Lang Lang eine Größe unter gleichaltrigen anderen, die genauso viel wenn nicht sogar mehr können als er. Die letzten Aufnahmen, die er gemacht hat, sind jedenfalls kaum geeignet, seinen Ruf als "bester Pianist...", den ihm die Massenmedien andichten, auch nur annähernd zu rechtfertigen.

Schöne Grüße
Holger

WolfgangZ

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  • »WolfgangZ« ist männlich

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216

Sonntag, 16. November 2014, 00:01

Zitat

Ruf als "bester Pianist..."

Genau dieser "Ruf" ist es, der bei Rezipienten, die auch nur ein klein wenig Sachverstand mitbringen, eine verständliche Abwehrreaktion hervorrufen. Dabei ist Lang Lang nicht so schlecht, wie eine solche Abwehrreaktion durchaus nahelegen kann - und ich glaube nicht, dass ich hier unzulässig von mir auf andere schließe. Es hat wohl etwas mit einer (tragischen oder tragikomischen) Fallhöhe zu tun.

Der Musikmarkt ist es, der solche Künstler emporjubelt, ihnen damit für eine gewisse - vielleicht für eine lange - Zeit ein gutes Einkommen auch über den CD-Verkauf und gepflegte Auftritte ermöglicht. Irgendwann kann dieses System zusammenbrechen. Bei kleineren faulen Sternchen am Musikhimmel geschieht es vermutlich schneller. Es kann durchaus sein, dass sich Lang Lang seinen Reichtum bis dorthin gesichert hat und ihm seine naiv-zirzensische Selbsteinschätzung weder objektiv noch subjektiv schaden wird. Warum sollte er als reifer Künstler plötzlich in eine Schaffens- und Ich-Krise geraten, wenn ihm im unmittelbaren Umfeld kein Anstoß dazu geliefert wurde und wird? Es kann aber auch anders kommen.

:hello: Wolfgang
Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

JLang

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  • »JLang« ist männlich

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217

Sonntag, 23. November 2014, 22:25

Zitat WolfgangZ

Zitat

Genau dieser "Ruf" ist es, der bei Rezipienten, die auch nur ein klein wenig Sachverstand mitbringen, eine verständliche Abwehrreaktion hervorrufen. Dabei ist Lang Lang nicht so schlecht, wie eine solche Abwehrreaktion durchaus nahelegen kann - und ich glaube nicht, dass ich hier unzulässig von mir auf andere schließe. Es hat wohl etwas mit einer (tragischen oder tragikomischen) Fallhöhe zu tun.

Lieber WolfgangZ, ich kann Dir nur voll und ganz zustimmen. Als "der Beste" bezeichnet man sich ja auch meist nicht selbst, bei Lang Lang kann ich allerdings auch keine "Gegenwehr" feststellen. Es ist keine Frage, dass Lang Lang die Technik des Klavierspiels beherrscht, m Sinne einer guten manuellen Beherrschung des Instruments. Das hat er natürlich mit einigen anderen, weniger bekannten Pianisten gemeinsam, deren manuelle Begabung m. E. allerdings noch über das Niveau hinausreicht, dass LL besitzt. Denn unbegrenzte technische Möglichkeiten hat er nicht (man vergleiche nur etwa Lisitsa, Hamelin, Volodos). Mich stört die im Gegensatz zu anderen Pianisten geringere Achtung, die er imO den Werken entgegenbringt. In den Einspielungen und noch mehr in den Konzerten ist mir fast immer zu viel Lang Lang und zu wenig des originalen Werkes drin. Nicht in dem Sinne, dass er sich gewisse Freiheiten nimmt, sondern dass er sich inszeniert. Damit entspricht er natürlich den Erwartungen, die an ihn herangetragen werden und ich finde es nicht verwerflich, aber meine Bewunderung hält sich dann eben doch in Grenzen. Da sich die Werke interpretatorisch auf einem guten, aber häufig nicht auf einem Spitzenniveau bewegen, kann ich es mir allerdings leisten, mir seine Aufnahmen nicht alle zu kaufen, ohne reihenweise Sternstunden zu verpassen. Ich will auf keinen Fall jemandem eine Aufnahme schlechtreden, eher ermuntern vielleicht doch noch eine Alternative zu kaufen, um einmal zu hören, wie man Werke eben auch spielen kann.

Beste Grüße
JLang
Gute Opern zu hören, versäume nie
(R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)

m-mueller

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  • »m-mueller« ist männlich

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218

Montag, 24. November 2014, 23:00

Der Thread hat sich längst selbst beantwortet - der erste Eintrag mit der Frage nach dem Strohfeuer ist aus dem Jahre 2004 - muß ziemlich viel Stroh sein, was da seit mindestens 10 Jahren brennt.

Ich habe heute die folgende Doppel-CD (teilweise mehrfach) gehört:



und war überrascht über den feinen, differenzierten, trockenen Klavierklang - da spielt kein Hampelmann, sondern ein hervorragender Pianist. Es ist vollständig berechtigt, daß er ein Dauerbrenner ist.

William B.A.

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  • »William B.A.« ist männlich

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219

Dienstag, 25. November 2014, 03:28

Ich will mal kommentarlos dieses Dokument hier einstellen:



Liebe Grüße

Willi
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Uranus

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220

Dienstag, 25. November 2014, 11:06

Ich will mal kommentarlos dieses Dokument hier einstellen:

Liebe Grüße

Willi
... um uns was damit nicht zu sagen? ;)
Herzliche Grüße
Uranus

m-mueller

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  • »m-mueller« ist männlich

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221

Dienstag, 25. November 2014, 11:40

Lieber Willi,

dirigieren kann er anscheinend nicht - bei dem Orchester aber wohl auch nicht nötig. Er macht eben ein bißchen Show. Kann man mögen, muß man nicht. Kann man nicht mögen, muß man aber auch nicht.

Helmut Hofmann

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  • »Helmut Hofmann« ist männlich

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222

Dienstag, 25. November 2014, 12:44

Meine Güte! Wie musikalisch ungebildet muss ich sein!
Ich höre und empfinde das als beschwingt und überdies perfekt musizierten Mozart. Dass dieser Lang Lang mit Dirigiergesten herumkaspert, mindert doch nicht die Perfektion seines Mozart-Spiels. Der hat halt ein fröhliches Gemüt. Was ist dagegen zu einzuwenden? Diese Musik ist doch auch frohgestimmt! Über das Theater sieht man hinweg und freut sich an ihr.
Hab ich eben gerade getan.

lutgra

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  • »lutgra« ist männlich

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223

Dienstag, 25. November 2014, 13:37

Ich habe ja nicht viel Ahnung von Klavierspiel, aber ich wäre lieber in diese Aufführung gegangen:


William B.A.

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  • »William B.A.« ist männlich

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224

Dienstag, 25. November 2014, 13:39

Zitat

Ich höre und empfinde das als beschwingt und überdies perfekt musizierten Mozart. Dass dieser Lang Lang mit Dirigiergesten herumkaspert, mindert doch nicht die Perfektion seines Mozartspiels.

Lieber Helmut,

so ähnlich habe ich empfunden.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Helmut Hofmann

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  • »Helmut Hofmann« ist männlich

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225

Dienstag, 25. November 2014, 16:29

Es freut mich, lieber Willi, dass Du, der Du von Klaviermusik ungleich mehr verstehst als ich, in diesem Punkt mit mir übereinstimmst.
Aber das wird ja für mich heute ein durch Mozart bereicherter Tag. Eben habe ich mir die von lutgra als Link eingestellte Version dieses Klavierkonzerts angehört, und ich gebe sehr gerne zu:
Dezsö Rankis Klavierspiel ist ungleich differenzierter im Anschlag, feinfühliger in der Herausarbeitung der melodischen Linie und ungleich kunstreicher in der Herausarbeitung ihrer Struktur. Bei ihm kann man hören, dass Tonläufe nicht einfach eine Aufeinanderfolge von Noten sind, sondern eine innere Binnengliederung aufweisen. Bei Lang Lang hört man davon nur sehr wenig. Ich habe allerdings sein musikantisch-lebhaftes Spiel genossen.
Ich möchte mich bei Willi und lutgra dafür bedanken, dass mir mein Tag mit dieser Musik versüßt werden konnte.

lutgra

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  • »lutgra« ist männlich

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226

Dienstag, 25. November 2014, 16:45

Ich möchte mich bei Willi und lutgra dafür bedanken, dass mir mein Tag mit dieser Musik versüßt werden konnte.
Lieber Helmut
Es freut mich, dass Dir das Konzert mit Ranki auch so gefällt, ich habe es auch erst durch die Diskussion hier und durch Willis Beitrag zu Lang Lang entdeckt. Um Ranki ist es in den letzten Jahren sehr still geworden, im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen Andras Schiff und Zoltan Kocsis. Aber ich habe einige sehr schöne ältere Platten von ihm mit Musik von Bartok (Mikrokosmos, Für Kinder) und Stravinsky. Außerdem mit Kocsis die Mozart'sche Klaviermusik zu 4 Händen.

m-mueller

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  • »m-mueller« ist männlich

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227

Samstag, 29. November 2014, 23:10

Ich stimme grundsätzlich dem Beitrag von Helmut zu, Ranki hinterläßt einen ernsthafteren Eindruck. Sein Spiel ist gut und solide. Der Star in diesem Clip ist m. E. aber der Dirigent....

Ich will nicht behaupten Lang lang spiele besser als Ranki - aber das Gegenteil habe ich auch nicht gehört. Bei der Beurteilung von Musik, die man nicht ganz so gut kennt, scheint es eine große Hysterese-Schleife zu geben.

MSchenk

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  • »MSchenk« ist männlich

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228

Freitag, 23. Oktober 2015, 20:47

Ich möchte mich kurz auf die in einem anderen Thread begonnene Diskussion (hier und ff) beziehen, die eigentlich nur Teile des hier bereits Geschriebenen wiederholt:

Dank meines Urlaubes konnte ich in den vergangenen Tagen einige heruntergeladene Konzertaufzeichnungen "abarbeiten". Darunter auch Lang Langs Wiener Konzert, dessen Wiedergabe auf CD bereits oben besprochen wurde, sowie die Aufzeichnung eines weiteren (Mozart-/Chopin-)Recitals aus der Royal Albert Hall und schließlich das 2015er-Waldbühnen-Konzert der Berliner Philharmoniker unter Sir Simon, Lang Lang spielte dort das Grieg-Klavierkonzert. - Ich gebe zu, dass Lang Langs Spielweise rein optisch auch auf mich manieriert und übertrieben wirkt. Jedoch fällt es mir schwer, dies dem Pianisten wirklich zum Vorwurf zu machen, fallen mir doch auch andere hochangesehene Künstler ein, denen ich auch nicht unbedingt gerne zuschaue. Gerade erst sah ich ebenfalls als Aufzeichnung ein Konzert des SO des BR unter Nézet-Séguin und dachte "Oh! Lang Lang am Pult.". Weiter wären etwa Waleri "ich sehe nicht nur aus, wie Joe Cockers jüngerer Bruder, ich bewege mich auch so" Gergijew oder der späte Herbert v. "Spinnenfinger" Karajan zu nennen.
Natürlich ist es fast unvermeidlich, dass der optische Eindruck einen beeinflußt und tatsächlich werfe ich persönlich, der ich kein Experte der Klavierliteratur bin, Lang Lang vor, die Stücke zu zerdehnen, Teile des Werkes in einzelne Töne zu zerlegen, um daraus einen Effekt zu machen. Andererseits hat er z.B. in dem Wiener Konzert neben Beethoven auch Prokofjews 7te KLaviersonate m.E. weitestgehend ausgezeichnet gespielt und auch El puerto aus Albéniz Klavierzyklus Iberia hat mit viel Vergnügen bereitet; zum einen, da man dieses Werke m.W. ohnehin eher selten im Konzertsaal antrifft und andererseits, vermittelte Lang Lang dem Stück einen angemessen jazzigen Unterton. Überhaupt scheint mir die ihm vorgeworfene übertriebene, ja, artifizielle Spielweise möglicherweise auch ein Zeichen großer, innerer (und äußerer) Spielfreude zu sein und mithin nicht tatsächlich so aufgesetzt, wie sie vielleicht auf uns wirkt.
Auch in Interview-Passagen, die in die Konzertaufzeichnungen eingestreut waren, kam mir der junge Mann sehr sympathisch, offen und verständig vor. Immerhin ist er auch UN-Friedensbotschafter und UNICEF-Botschafter, sowie Gründer einer eigenen Stiftung (Lang Lang International Music Foundation) - außerdem, wenn mir dieses Bonmont erlaubt sei, kümmert er sich offensichtlich sehr liebevoll um ältere Menschen, wie diese Photos beweisen. Dies mögen Dinge sein, die heutzutage für einen international bedeutenden Künstler durchaus "üblich" sind - was aber die Betroffenen, denen dadurch geholfen werden kann, wenig interessieren dürfte.
mfG Michael

Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

Dr. Holger Kaletha

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229

Samstag, 24. Oktober 2015, 01:27

Lang Lang, Konzert im Wiener Musikvereinssaal, 28.2.2010

Ich hatte damals eine Kritik verfaßt - die Quelle war der später auf CD veröffentlichte Rundfunkmitschnitt, der im Radio gesendet wurde. Sony hätte ihm wirklich die Peinlichkeit der Veröffentlichung ersparen sollen! Aber sie haben schließlich eine millionenschwere Ablösesumme für ihn bezahlt wie beim Fußball - und das Geld mußte wieder reinkommen! :D

Programm: Beethoven –Sonaten op. 2 Nr. 3 u. op. 57 („Appassionata“), Albeniz „Iberia“ Heft 1 (Evocation, El Puerto, Fete Dieu a Seville), Prokofieff 7. Sonate. Zugaben: Copin Etüde op. 25 Nr. 1, Polonaise Nr. 6 und Walzer op. 34/1.

Mit nunmehr 28 Jahren dabei, den musikalischen Lehr- und Wanderjahren zu entwachsen, erwartet man auch vom Medienstar Lang Lang ein reifes Konzertprogramm, dass nicht nur mit Virtuosenliteratur zu glänzen versucht, sondern sich an die monumentalen Klassiker wagt, zumal als Ort des Auftritts der ehrwürdige Musikvereinssaal der geheimen musikalischen Hauptstadt der Welt – Wien – gewählt ist. Dieser Erwartung scheint Lang Lang auch entsprechen zu wollen: Zu Beginn stehen zwei Klassiker: Die frühe Beethoven-Klaviersonate op. 2 Nr. 3, die sowohl Virtuosität als auch klassische Reife erfordert. Bereits hier ist die Meßlatte für Lang Lang unglaublich hoch, hat doch der mit 21 Jahren noch 7 Jahre jüngere Arturo Benedetti Michelangeli mit seiner Mailänder Aufnahme aus dem Kriegsjahr 1941 (EMI-Italiana) Maßstäbe gesetzt was schier unglaubliche virtuose Perfektion und frühreifen, traumwandlerischen Sinn für Klassizität angeht. Zu dieser Zeit war ABM nicht von ungefähr – seit seinem 18 Lebensjahr – bereits Professor! Das zweite Werk auf dem Programm, Beethovens Sonate op. 57, die „Appassionata“, gehört zu den meistgespielten Werken, mit dem bedeutende Interpreten immer wieder den Beweis ihres Könnens abgeben. Ob Lang Lang dieses klassische Programm zu bewältigen vermag? Von vornherein war ich sehr skeptisch. Das rührte nicht zuletzt von einem Film her, der Lang Lang in der Beethoven-Meisterklasse von Daniel Barenboim zeigt, wo sich Star Lang Lang Belehrungen in Sachen „Appassionata“ gefallen lassen muss, die ihn doch ziemlich „grün“ hinter den Ohren zeigten: Da wirkte der junge Chinese wie ein Konservatoriumsschüler vor Erlangung der Konzertreife. Und meine Befürchtungen werden leider mehr als bestätigt. Für Beethoven fehlt Lang Lang schlicht jeglicher musikalische Sachverstand. Er verfügt weder über Formgefühl, weder über Sinn für klassische Periodik und ihre Phrasierung, weder hat er Sinn für musikalische Entwicklungen, noch die Fähigkeit, sich in die „Empfindsamkeit“ Beethovens einzufühlen. Lang Lang macht schlicht zu jeder Zeit die falschen Dinge. Es gibt jede Menge unsinnige Betonungen, zum wiederholten Mal ein klobiges Forte, dass sich nicht in den Kontext einfügt, statt atmender Phrasierung, metrischer und rhythmischer Stabilität willkürliche Dehnungen und Stauchungen, so dass der musikalische Fluß versiegt und Musik in eine Folge von lauter unzusammenhängenden Einzelereignisse zerfällt. Bezeichnend in der Sonate op. 2 Nr. 3 der unsinnig lang gehaltene Triller im Finale bar jeglichen musikalischen Zeitgefühls. Und so etwas wie musikalische Konsequenz ist Lang Lang fremd. Warum bleibt er im virtuosen Mittelteil des Scherzo, der das Trio vertritt, nicht bei seiner Linie, mit der er beginnt? Die Klassiker eignen sich nicht dazu, sich interessant zu machen. Was gesagt wird, ist in gewissem Sinne einmalig und endgültig, ein „Eidos“ im griechischen Sinne, ein unveränderlicher Wesensanblick. Auch klaviertechnisch ist das alles andere als perfekt, was der Virtuose Lang Lang hier abliefert. Hier überhaupt Vergleiche zu ABMs mirakulöser Aufnahme anstellen zu wollen, wäre vermessen. Der langsame Satz hat keinerlei Ausstrahlung: Da gibt es weder so etwas wie Innerlichkeit noch Dramatik. Statt dessen verzärtelnde Klangsäuseleien und ein Auf-der-Stelle-Treten der Musik, wo so etwas wie Drang und Leidenschaft zu verspüren sein sollte – gerade in diesem Satz sind die Bezüge zur Oper eigentlich mit Händen zu greifen. Und die Appassionata? Wie konturlos und unorganisiert das Seitenthema auftritt – das ist kaum zu glauben. Der Variationssatz ist als ein solcher kaum zu erkennen, keine organische Entwicklung! Im Finale ist Lang Lang um virtuosen Effekt bemüht mit deutlich vernehmbaren pianistischen Schwächen – Lautstärke statt Präzision. Die Coda im Tempo angezogen und überdreht, keine organische Tempodramaturgie.

Wer nun darauf hofft, dass Lang Lang beim Klassiker des spanischen Impressionismus, Isaac Albeniz´ klaviertechnisch wie musikalisch höchst anspruchsvoller Iberia-Suite, endlich zu sich selbst finden würde, der wird doch herb enttäuscht. Schon „Evocation“ mit Lang Langs manierierter, übertreibender Phrasierung verunstaltet lässt jeden Sinn für das Idiomatische dieser Musik, das spanische Couleur, vermissen. Wieder versucht Lang Lang mit einer Mischung aus Sich-Interessantmachen und Klangsäuselei durchzukommen. Bei dem vom Rhythmus lebenden so lebensfrohen Stück El Puerto, welchen Lang Lang so befremdlich verfremdet, kann man ihm nur raten, eine mehrwöchige Reise durch die iberische Halbinsel zu unternehmen und immer wieder Flamenco zu hören. Albeniz portraitiert anschließend Sevilla mit einer Prozessionsszene und einem dort allbekannten Choral. Da ist es erforderlich einmal den hymnischen Tonfall treffen und der Marsch braucht einen festen und feierlichen Schritt. Zudem hat dieses Stück wie kein anderes Lisztsche Grandezza. Ein Daniel Barenboim, der im übrigen eine alles andere als ideale Aufnahme der ersten beiden Hefte von Iberia hinterlassen hat, vermag es hier, Lisztsche Dämonie spüren zu lassen. Bei Lang Lang ist das belangloses Klavier-„Spiel“. Dieses Stück gehört zu den technisch anspruchsvollsten des immens schwierigen Iberia Zyklus (die Notenfülle erschlägt den Interpreten förmlich und findet nur auf drei (!) Notenzeilen Platz!). Besonders vertrackt ist eine polyphone Passage, wo Albeniz die Musik gleichsam mehrfach übereinanderblendet. Lang Lang wurschtelt sich dermaßen stümperhaft durch diesen Abschnitt, dass ich laut lachen musste! Da kann man nur sagen: Schleunigst vergessen und Alicia de Larrocha hören!

Ein junger Musiker sollte doch wenigstens Prokofieffs 7. Sonate mit ihren Maschinenrhythmen bewältigen können. Aber auch da wird man von Lang Lang eines Besseren bzw. Schlechteren belehrt. Schon der Auftakt des Kopfsatzes ist dermaßen klobig und unpassend, dass man es kaum fassen kann. Die motorische Bewegung bei Lang lang rollt nicht an, er fällt mit der Tür ins Haus. Natürlich, so etwas wie musikalische Entwicklung ist damit im Keim erstickt. Kopfschütteln erzeugt sein – man kann es nicht anders sagen – stümperhafter Vortrag des Seitenthemas. Die Ratlosigkeit des Interpreten ist hier mit Händen zu greifen. Die versucht er überspielen mit dermaßen schwachsinnigen Phrasierungen und Akzentuierungen, womit er sich einmal mehr interessant zu machen versucht. Das erinnert an die ebenso musikalisch unsinnigen Manierismen eines Ivo Pogorelich. Von messerscharfer rhythmischer Präzision ist Lang Lang zudem weit entfernt. Der langsame Satz zeigt Lang Langs Unfähigkeit, sich in die russische Gefühlswelt einzufühlen. Jedem Interpreten müsste es eigentlich deutlich werden, dass sich Prokofieff hier mit Alexander Scriabin auseinandersetzt. Der lyrische Satz endet dämonisch in einer Apotheose, einem makabren Marsch, der an Scriabins 9. Klaviersonate erinnert. Und das Finale? Das sind die mechanisch stampfenden Rhythmen des Maschinenzeitalters, eine „objektive“, „tote“ Dynamik ohne lebendige Subjektivität. Es ist unfassbar: Auch das versteht Lang Lang einfach nicht und macht daraus eine musikalische Oper! Grauenvoll! Seine klaviertechnischen Schwächen überspielt er mit der Lautstärke – in der Schlußapotheose versinken die Rhythmen einfach im Pedalnebel! Unfassbar schlecht! Das Publikum aber grölt begeistert - auch in Wien ist Musik offenbar zum Zirkusereignis geworden.

Diesen misslungenen Abend runden Zugaben von Chopin ab. Der polnische Meister hat schließlich 200. Geburtstag. Lang Lang beginnt mit einer klaviertechnisch schlampig und geschmacklos vorgetragenen Etüde op. 25 Nr. 10. Da wird im Stile von Rachmaninow oktaviert und quasi paraphrasiert. Ausgerechnet bei dieser so schlichten Etüde mit ihren sanften Harfenklängen, die den Auftakt des zweiten Zyklus bildet! Die Polonaise Nr. 6 gehört zu den beliebtesten Vortragsstücken – von Rubinstein und Horowitz war sie bei ihren Moskauer Konzerten zu hören. Lang Lang ist von deren Niveau himmelweit entfernt: Das ist musikalischer Zirkus, der an Geschmacklosigkeit nicht mehr zu überbieten ist. Den Abschluß bildet der virtuose Walzer op. 34 Nr. 1 – auch Rubinstein wählte ihn als Zugabe in seinem Moskauer Konzert von 1961. Da kann man nur sagen: Bitteschön Rubinstein hören! Bei Lang Lang gerät dies nicht nur zum Salonstück, das ist einfach infantil, albern lustig. Eine musikalische Peinlichkeit, welche die Peinlichkeit des ganzen Konzertabends noch einmal vor Augen führt.

Man kann nur hoffen, dass Langs Langs Plattenfirma nicht auf die gefährliche, weil kaufmännisch verlockende Idee kommt, dies auf CD oder DVD gewinnbringend zu vermarkten. Denn dann würde jeder wissen, dass sich Lang Lang als seriöser Interpret aus der Musikwelt verabschiedet hat und fortan als Zirkusartist in Fernsehshows wie „Wetten dass...“ wahrlich besser aufgehoben ist! In dieser „Form“ ist der „Star“ Lang Lang eine Beleidigung für die Musikwelt!

Nachtrag:

Der aktuelle Chopin aus Versaille ist so grauenvoll, dass ich nicht mehr als die JPC-Hörschnipsel ertrage! Er hat also dieses Niveau leider fortgesetzt.

Schöne Grüße
Holger

Dieter Stockert

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230

Samstag, 24. Oktober 2015, 06:48

»Wie immer spielt er mit fabelhafter Beherrschung des Instruments, absolut sauber und sozusagen taghell ...« (FONO FORUM, November 2012)
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

Dieter Stockert

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231

Samstag, 24. Oktober 2015, 07:01

Ich kann nicht Klavier spielen und verstehe nicht viel von Musik außer dass ich sie gern höre. Ich könnte auch nie eine so differenzierte Besprechung wie Holger schreiben. Aber wenn ich den Klangschnipsel von Lang Lang mit Chopins op. 20 bei jpg anhöre und mit der mir vorliegenden Einspielung von Dina Yoffe vergleiche, so kommt es mir vor, als ob Lang Lang einfach aufs Klavier draufhaut.
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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Samstag, 24. Oktober 2015, 09:11

Gerhard Oppitz heute Abend in 3sat1

Nachdem wir über Gerhard Oppitz diskutierten ist es sicherlich interessant, das heute Abend von 20.15 Uhr Beginn sein Brahmskonzert beim Beethoven-fest in Bonn in 3sat übertragen wird.

herzlichst
Operus
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Stimmenliebhaber

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233

Samstag, 24. Oktober 2015, 09:52

Man kann ja zu Lang Lang stehen, wie man will, ihn mögen oder nicht mögen, aber die im Rubriktitel vor 11(!) Jahren gestellte Frage, ob er ein Strohfeuer oder ein Dauerbrenner sei, dürfte durch die Realität inzwischen entschieden sein...
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

teleton

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234

Samstag, 24. Oktober 2015, 11:54

Denn dann würde jeder wissen, dass sich Lang Lang als seriöser Interpret aus der Musikwelt verabschiedet hat und fortan als Zirkusartist in Fernsehshows wie „Wetten dass...“ wahrlich besser aufgehoben ist!
Die grosse Showsendung "Wetten dass" kommt nicht leider mehr ...


aber die im Rubriktitel vor 11(!) Jahren gestellte Frage, ob er ein Strohfeuer oder ein Dauerbrenner sei, dürfte durch die Realität inzwischen entschieden sein...
Stimmt genau, nur sollte man mal überlegen von WEM Lang Lang so dauerhaft hochgeputscht wurde ...
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Alfred_Schmidt

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Samstag, 24. Oktober 2015, 12:02

Stimmenliebhaber schrieb

Zitat

Man kann ja zu Lang Lang stehen, wie man will, ihn mögen oder nicht mögen, aber die im Rubriktitel vor 11(!) Jahren gestellte Frage, ob er ein Strohfeuer oder ein Dauerbrenner sei, dürfte durch die Relaität inzwischen entschieden sein...
Daran ist natürlich der Threadersteller schuld, die Fragestellung wurde von einer Person verfasst, der man einst eingebläut hatte: "Qualität setzt sich durch". Und die zwar inzwischen erkannt hatte, dass genau das Gegenteil stimmt, es aber nicht wahrhaben wollte. Letztlich haben es alle vergleichbaren Interpreten geschafft in aller Munde zu sein und von den großen Orchestern zähneknirschend akzepiert zu werden, weil sie genau auf die Anforderungen der "breiten Masse" ausgerichtet sind und Gott Mammon unbarmherzig das Zepter schwingt.


Dr Holger Kaletha schrieb:

Zitat

Der aktuelle Chopin aus Versaille ist so grauenvoll, dass ich nicht mehr als die JPC-Hörschnipsel ertrage! Er hat also dieses Niveau leider fortgesetzt.
Warum wundert mich das nicht ???

mfg aus Wien
Alfred

PS: @Dr Kaletha: Wunderbarer Beitrag übrigens.......

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

236

Samstag, 24. Oktober 2015, 13:27

Ohne Worte

Manchmal gebietet es einfach die Höflichkeit, eine künstlerische Leistung nicht zu kommentieren.
Was wohl Mozart zu dieser Interpretation seines türkischen Marschs gesagt hätte?



;(
"...du holde Kunst, ich danke dir!"

Alfred_Schmidt

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237

Samstag, 24. Oktober 2015, 14:20

Zitat

Manchmal gebietet es einfach die Höflichkeit, eine künstlerische Leistung nicht zu kommentieren.
Was wohl Mozart zu dieser Interpretation seines türkischen Marschs gesagt hätte?

Mit Sicherheit wäre er nicht nicht höflich gewesen.

Wie war doch das im Falle von Clementi, der von Mozart als "bloßer Mechanicus, ohne jeden Kreutzer von gutem Geschmack" abqualifiziert wurde? - vermutlich noch dazu ungerechterweise!!

Mozart war nicht zimperlich, verfügte zudem über einen umfassen Fäkalwortschatz, und hätte vermutlich nicht gezögert ihn auch in gegebener Situation einzusetzen ....... dem wohlerzogenen Gentleman von heute verbietet sich so etwas selbstverständlich von selbst !! -- leider....

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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WolfgangZ

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238

Samstag, 24. Oktober 2015, 14:45

Lang Langs Precipitato

"https://www.youtube.com/watch?v=L9XhrSmqCPI"

Lang Lang kann Klavier spielen, so wie viele andere mittlerweile auch. Man kann über das oben auf yt präsentierte berühmte Prokofieff-Precipitato streiten; es ist zu wenig streng, zu wenig unerbittlich, bisweilen agogisch zu frei. Und in jedem Fall würde ich Pollini oder Ashkenazy oder auch Argerich oder Glemser vorziehen. Undsoweiter.

In jedem Fall muss man Lang Lang in dem Video aber neben der Fingerfertigkeit zugestehen, dass er sich ernsthaft mit dem Stück auseinandersetzt.

Würde er sich mit jedem Stück in jeder Lage aber ausschließlich ernsthaft auseinandersetzen, er wäre - da bin ich mir eigentlich sicher - wirklich nur ein Strohfeuer. Denn man würde ihn genauso unter ferner laufen lassen wie - da bin ich mir ebenfalls ziemlich sicher - eine HJ Lim, wenn eine gewisse Zeit über ihrem seltsamen Beethoven-Zyklus vergangen ist. Wer HJ Lim nicht kennt, möge in die folgenden Schnipsel hineinhören und er wird rasch wissen, was ich sagen will ...



Zum fragwürdigen Dauerbrenner (und mehrfachen Echo-Preisträger) wird Lang Lang dadurch, dass er zur ernsthaften Auseinandersetzung vielfach gar nicht bereit ist oder sie rasch beseite schiebt, wenn es die Clownerie, der billige Publikumseffekt verlangen. Schade, dass ich den Ausschnitt auf einem yt-Video nicht mehr finden kann, in dem Lang Lang das Precipitato ebenfalls spielt. Es war in einer Stefan-Raab-Sendung - und Stefan Raab hat hier neben dem Pianisten wie ein Intellektueller gewirkt. Langs Spiel war so grauenhaft billig und schlecht und fehlerhaft vor lauter Clownsgehabe, dass einem die Worte fehlen - und absolut kein Vergleich mit obigem Rondo alla Turca, das nur effekthascherisch, aber nicht wirklich schlecht geboten wird. Indes: Lang Lang hatte bei Raab sein Publikum ...

Vielleicht sollten wir endlich Lang Lang durch HJ Kim ersetzen. Vielleicht sollten wir den begabten, aber unreifen Musik-Troll nicht fortwährend füttern. Nur wird dies nicht geschehen, solange die kommerzielle Kunstmusik Preise wie den Echo nötig zu haben scheint.

:hello: Wolfgang
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teleton

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239

Samstag, 24. Oktober 2015, 15:00

Vielleicht sollten wir den Musik-Troll nicht fortwährend füttern. Nur wird dies nicht geschehen, solange die kommerzielle Kunstmusik Preise wie den Echo nötig zu haben scheint.

Hallo Wolfgang, was heisst "Nötig zu haben scheint"? ER bekommt sie - nur von Wem? Wer vergibt solche Preise, muss man hier mal deutlich fragen?

Das LL nicht uninteressant zu sein scheint, sieht man an der Länge dieses Therads, der jetzt 239 Beiträge aufweist ... das gibt es nicht einmal von wirklich grossen Pianisten, wie z.Bsp. Gilels, von dem mind "2390" angemessen wären ...
Gruß aus Bonn, Wolfgang

WolfgangZ

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240

Samstag, 24. Oktober 2015, 15:19

Zitat

Das LL nicht uninteressant zu sein scheint, sieht man an der Länge dieses Therads, der jetzt 239 Beiträge aufweist ... das gibt es nicht einmal von wirklich grossen Pianisten, wie z.Bsp. Gilels, von dem mind "2390" angemessen wären ...

Ja, werter Namensvetter, so ähnlich schreibe ich das ja auch in meinem letzten Beitrag. Die berühmte Katze, die sich in den Schwanz beißt und um die eigene Achse dreht ... :yes:

:hello: Wolfgang
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