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AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

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Mikko

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91

Donnerstag, 24. Mai 2007, 18:40

Zitat

Original von Caesar73
Liebe Taminos,
hat schon jemand von Euch Lang Lang´s Beethoven gehört? ,:hello: :hello:
Christian


Hallo,
als im November 2006 die neue Konzerthalle des Mariinski-Theaters in Sankt Peterburg eröffnet wurde, hatte Valeri Gergijev einige Kuenstler eingeladen, die mit ihm enger verbunden sind, nicht mit ganzen Konzerten, sondern mit einzelnen Sätzen (sonst hätte die Zeit nicht ausgereicht) : Lang Lang mit dem 2. und 3. Satz des Klavierkonzertes No 5 von Beethoven, Maxim Vengerov mit Passacaglia und Finale des Violinkonzerts No 1 von Shostakovitsh sowie Vadim Repin mit dem Finale des Tshaikovski-Violinkonzertes. Mein (laienhafter) Eindruck : Bei Vengerov und Repin hörte ich gebannt zu, bei Lang Lang schweiften meine Gedanken ab. Technisch brilliantes Spiel, aber (fuer mich) zu glatt.
In Konzertuebertragungen hörte ich ihn Bartók und Prokofjev spielen; das Perkussive scheint ihm mehr zu liegen, oder?

Mikko

Gruesse

Caesar73

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92

Sonntag, 15. Juli 2007, 19:36

Lieber Michael,

einige Zeilen , zu dem Konzertausschnitt:

der Schubert war klangschön gespielt- aber besonders aufregend fand ich ihn nicht- mir fehlte das - bei Schubert immer vorhandene Doppelbödige- für den Liszt fehlt mir offengestanden der Vergleich. Technisch souverän auf jeden Fall. Ansonsten: Lang Lang spielt sicher schön, aber das er jetzt eine Jahrhundertentdeckung sein soll? Ich weiß nicht. Bei seiner Einspielung der dritten Chopinsonate wirkte alles zu glatt, zu "schön" und ich empfand die Tempi sehr sehr gedehnt. Da stimmten für mein Empfinden die Temporelationen zwischen den einzelnen Sätzen nicht.

Herzliche Grüße,

Christian
Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

Michael

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93

Sonntag, 15. Juli 2007, 20:09

Zitat

Original von Caesar73
Lieber Michael,
einige Zeilen , zu dem Konzertausschnitt:.................
Christian


Tja lieber Christian, mir kamen auch Zweifel, vor allem bei Liszt, in dieser „Don Juan Reminiszenz“. Es klingt vielleicht nicht fair, aber einige Patzer waren dabei, was wohl durch das überhöhte Tempo mit zu erklären ist. Ansonsten fiel mir auf, dass Lang Lang den Puls sehr hoch hält, was ja an sich nicht verboten ist, er dies dazu benützt um Fortis und extrem rasche Läufe zu vollführen. Neben der starken Oberkörperbewegung aus der russischen Schule, eine seiner Besonderheiten.
Ich würde hier nicht so weit gehen und meinen, dass er ein Produkt der Computeranwendung ist, durch die man sozusagen alle Methoden der bisher besten Pianisten theoretisch kopieren könnte, Show inbegriffen.

Lieben Gruß

Michael :hello:

Michael

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94

Sonntag, 15. Juli 2007, 20:21

Zitat

Original von Caesar73
Lieber Michael.....................

ich empfand die Tempi sehr sehr gedehnt. Da stimmten für mein Empfinden die Temporelationen zwischen den einzelnen Sätzen nicht.
Herzliche Grüße,
Christian


Diesen Eindruck hatte ich auch lieber Christian, manchmal wird er völlig unerwartet langsam, und zwar später als man erwartet, und dies wenn der Ausdruck (das Gefühl oder Herz oder die Eindringlichkeit) erhöht werden soll.

:hello:

95

Sonntag, 15. Juli 2007, 22:00

Liszts Don-Giovanni-Bearbeitung spielte er ja auch heute Abend auf Arte. Bei diesem Mitschnitt aus der Carnegie Hall hatte ich den Eindruck, dass die technische Leistung wirklich außerordentlich war, und dass dieses Klavierspiel immerhin neugierig auf eine Lang Langsche Aufführung der Lisztschen h-moll Sonate macht. Allerdings würde ich mir nach dem Eindruck dieses Konzertmitschnittes Lang Lang nicht gerade als Dirigent einer Mozart-Oper, egal welcher, wünschen.
Liebe Grüße!

Ralf

Franz Laier

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96

Dienstag, 17. Juli 2007, 20:49

Heute wurde in der Kulturzeit Lang Langs Karriere sehr kritisch betrachtet. Ein erstes Anzeichen, dass Lang Langs Stern im Begriff ist zu sinken?

Die Kritiker im Beitrag haben viele der Vorbehalte, die auch hier im Forum genannt wurden, auch vorgebracht. Wie es scheint, sind immer weniger Kritiker bereit über Mängel von Lang Lang hinweg zu sehen. Ein gewisses Unbehagen gegenüber der Marktingmaschinerie konnte der Zuseher auch feststellen.

Es scheint so zu sein, dass sich Lang Lang bis dato offenbar nicht als ernsthafter Musiker gesehen wird. Ein Kritiker beklagte, dass Lang Lang ein guter Begleiter/Berater in Sachen Musik abgeht. Ich erinnere mich an eine Gespräch im Radio, wo eine Sängerin den Rat einer älteren Sängerin im Hinblick auf das Repertoire und die stimmliche Entwicklung annahm. Quintessenz des Rates war, die schwierigen und gewichtigen Rollen nicht zum frühest möglichen sondern zum richtigen Zeitpunkt zu singen. Im Hinblick auf das Marketing ein fataler Fehler. Denn dann kann man nicht mehr schreiben:"Die jünste XYZ". In der heutigen Zeit fehlt, so scheint es, die Zeit zur Entwicklung eines Künstlers. Lang Lang wurde zu früh die allgemeine Meisterschaft von der Werbung zuerkannt. Das steht im Widerspruch zur Wahrnehmung jener, die sich intensiver mit Musik beschäfftigen und deren Urteil ist ja das gewichtigere.

Wie wird die Karriere weitergehen? Wird er abstürzen, von der Kritik vergessen werden oder wird er nach einer Krise zu einem neuen Spiel am Klavier finden?
Gibt es dazu Einschätzungen von Forianern, die sich mit dem Musikbetrieb näher beschäfftigen und schon Erfahrung in dem Bereich haben?
Sagt nicht:"Ich habe die Wahrheit gefunden", sondern:"Ich habe eine Wahrheit gefunden." (Khalil Gibran; Der Prophet, dtv, 2002)

Barezzi

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97

Dienstag, 17. Juli 2007, 21:12

Sein Auftritt bei den diesjährigen Sommerkonzerten war allerdings in kürzester Zeit ausverkauft - fast so wie AS Mutter vor einigen Jahren - es scheint also denen egal zu sein; vielleicht wird er auch so ein Phänomen, das populär ist, auch wenn die Kritiker durchaus recht "kritisch" sind :D (so ein Sympathicus fürs Nebenklassikhörer-Volk)

:beatnik:
Stefan
Viva la libertà!

Franz Laier

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98

Dienstag, 17. Juli 2007, 21:26

Meine Intention war, ob sich Lang Lang auch beim kritischen klassik Publikum und bei der Kritik durchsetzen kann. Es ist ja doch ein Unterschied zwischen wirtschaftlichem Erfolg, den Lang Lang ev. noch lang haben kann, und dem nicht erhalten von Anerkennung von maßgeblichen Personen.

Der wirtschaftliche Erfolg kann verwehrte Anerkennung nicht immer wettmachen.
Sagt nicht:"Ich habe die Wahrheit gefunden", sondern:"Ich habe eine Wahrheit gefunden." (Khalil Gibran; Der Prophet, dtv, 2002)

Barezzi

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99

Dienstag, 17. Juli 2007, 21:47

Lang Lang bester Pianist von Welt (und wenn´s in der Zukunft ist) - da war ich immer schon skeptisch...
Glaube also nicht, dass er sich DA durchsetzen kann und Kultstatus erreicht; vielmehr wird er eine wohlhabende Netrebko am Klavier sein (denke ich) :pfeif:

:hello:
Stefan
Viva la libertà!

Wulf

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100

Dienstag, 17. Juli 2007, 23:29

Ich habe die Aufnahme der Beethoven-Klavierkonzerte 1 & 4 mit Lang Lang nochj nicht gehört, aber ich kenne KEINE Kritik, die auchnur ein gutes Haar an dieser Aufnahme gelassen hätte - Pop-Blasen, Beliebigkeit etc. - alles Wörter, die bei der Umschreibung seines Spiels in den Kritiken auftauchten.
In der Berliner Tageszeitung "Der Tagesspiegel" gabs sogar ein Rezept für Lang Lang: aufhören zu spielen, lange nachdenken (über die Musik), wiederkommen und nochmal probieren. So hart das klingen mag, es stelct mehr als ein Funken Wahrheit in diesem Rat.

Gerade hierzulande so geschätztes Repertoire wie die Beethoven Klavierkonzerte, Chopin-Solowerke etc. - wenn Lang Lang so weiter macht wird er sich beim "kritischen" Publikum wohl kaum etablieren - meiner Ansicht nach , hat er das bisher auch gar nicht und wenn sein Mozart ähnlich sein soll wie sein Beethoven, dann bleibt er vielleicht die Technik-Marionette einer aufgedunsenen Pop-Blase, die man geschickt in den Klassik-Sektor platziert hat - nicht, um Leute zur Klassik zu bringen, sondern um mit einem Tastenentertainer viel Kohle zu scheffeln - was ja durchaus menschlich ist - jedoch keine Bereicherung für die Klassikwelt darstellt - sie wird IMO durch Figuren wie Lang Lang nicht aus ihrem Elfenbeinturm herausgeholt, sondern noch mehr hineingedrängt. Denn je mehr Klassik als clowneskes Event verkauft wird, desto mehr wird diese von vielen nur noch so akzeptiert. Jeglicher anderweitiger Zugang wird erschwert. Das klingt ein bisschen wie das Wettern gegen Religion als Event, aber ich denke so ist nun mal.
Aber ich schweife ein wenig ab....

:hello:
Wulf
Carreras, I'll never stop saying Carreraaaas!
(Leonard Bernstein)

Robert Stuhr

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101

Mittwoch, 18. Juli 2007, 09:24

Bei aller Kritik an LL sollte man - so meine ich - doch die Kirche im Dorf lassen.

Fakt ist erstens, daß er noch sehr jung ist. Gemessen an Karrieren wie denen von Brendel, Arrau, Horowitz, Kempff und anderen, stehen ihm noch Jahrzehnte bevor. LL jetzt schon abzukanzeln und in die Ecke zu stellen, halte ich für verfrüht.


Fakt ist zweitens, daß nach wohl überwiegender Meinung der Kritik und des Fachpublikums eine große Diskrepanz zwischen technischem Können und geistiger Durchdringung der Musik besteht. Inwieweit er das aber mit seinen jungen Jahren schon kann, inwieweit er das überhaupt beabsichtigt, ist wieder eine andere Frage. Liest man Interviews mit ihm, habe ich den Eindruck, als wolle er gar nicht in eine Richtung a la Brendel.


Fakt ist drittens, daß das dem Publikum (und seiner Plattenfirma) herzlich egal zu sein scheint. Ihnen genügen Image, Virtuosität, Exaltiertheit und Exotik. Wenn er sich in der Rolle eines Liberace der Klassik gefällt, kann er damit noch sehr lange Kasse machen, wie Riö, Lotti und Konsorten zeigen.
Ermutigung nach 200 Jahren (auf dem heimweg von einem orgelkonzert)
Zu füßen gottes, wenn
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Michael

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102

Mittwoch, 18. Juli 2007, 09:48

Zitat

Original von Robert Stuhr
............... wie Riö, Lotti und Konsorten zeigen.


NIchts gegen Rieu, Lotti und Konsorten, nur: kann man die überhaupt mit Lang Lang vergleichen?

LG Micha:hello:

Caesar73

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103

Mittwoch, 18. Juli 2007, 09:54

Zitat

Original von Robert Stuhr
Bei aller Kritik an LL sollte man - so meine ich - doch die Kirche im Dorf lassen.



Die neue Beethoven-CD habe ich noch nicht gehört- neben den Verrissen in FF, FAZ etc habe ich aber auch eine positive Rezension gelesen- in den Piano-News.

Das erst "Hosiannah" und dann "Kreuziget ihn" gerufen wird, ist ja nicht gerade neu. Einfach eine Seite des Star-Kults. Ihn jetzt nach seinen ersten Aufnahmen in Bausch und Bogen zu verdammen scheint mir auch übertrieben. Mir geht es einfach so, dass Lang Lang bei mir beim Hören keine Saite zum Klingen bringt. Die bisher vorliegenden Produktionen sind - mit Ausnahme von Lang Langs Hommage an seine Heimat- alle Mainstream. Und das er sich damit dem Vergleich mit den Größen der Gegenwart und Vergangenheit aussetzt liegt auf der Hand. Marc Andre Hamelin ist den umgekehrten Weg gegangen: Bekannt geworden ist Hamelin mit "exotischen" Aufnahmen, erst in den letzten Jahren ändert sich die Tendenz. Warten wir doch einfach mal ab, wie sich Lang Lang entwickelt.

Herzliche Grüße,:hello: :hello:

Christian
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Syrinx

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104

Mittwoch, 18. Juli 2007, 09:57

Hallo Robert,

Zitat

Fakt ist erstens, daß er noch sehr jung ist. Gemessen an Karrieren wie denen von Brendel, Arrau, Horowitz, Kempff und anderen, stehen ihm noch Jahrzehnte bevor. LL jetzt schon abzukanzeln und in die Ecke zu stellen, halte ich für verfrüht.



LAng Lang ist 25- das ist jung, aber ob es für einen Weltklassepianisten noch sehr jung ist, möchte ich bezweifeln.
Hör Dir mal die Aufnahmen von 1965 mit Martha Argerich an, da war sie 24 und diese Aufnahmen gehören immer noch zum Besten, was das Medium Cd zu bieten hat.

Zitat

Fakt ist zweitens, daß nach wohl überwiegender Meinung der Kritik und des Fachpublikums eine große Diskrepanz zwischen technischem Können und geistiger Durchdringung der Musik besteht. Inwieweit er das aber mit seinen jungen Jahren schon kann, inwieweit er das überhaupt beabsichtigt, ist wieder eine andere Frage. Liest man Interviews mit ihm, habe ich den Eindruck, als wolle er gar nicht in eine Richtung a la Brendel.


Wie soll man denn das verstehen ? Also Lang Lang will gar nicht musikalisch aufregend spielen, ein ernsthafter Künstler sein ? Na dann...

Zitat

Fakt ist drittens, daß das dem Publikum (und seiner Plattenfirma) herzlich egal zu sein scheint. Ihnen genügen Image, Virtuosität, Exaltiertheit und Exotik. Wenn er sich in der Rolle eines Liberace der Klassik gefällt, kann er damit noch sehr lange Kasse machen, wie Riö, Lotti und Konsorten zeigen.


Ja dass es dem Massenpublikum egal sein mag und der Plattenfirma, so lange die KAsse stimmt auch ist ohne Zweifel so. Trotzdem glaube ich mal nicht, dass er der neue Liberace werden will.

So wie LAng Lang verkauft wird ist er eine Art Mogelpackung und darf auch entsprechend kritisiert werden. Erstaunlich finde ich nur, dass die kritischen Stimmen der Presse erst jetzt kommen, wo er eine gewisse Fallhöhe erreicht hat.

Gruss :hello:

Syrinx
Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen, Wenn es nicht aus der Seele dringt Und mit urkräftigem Behagen Die Herzen aller Hörer zwingt.
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sagitt

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105

Mittwoch, 18. Juli 2007, 09:58

Fatale Neigungen

Sagitt meint:

Erfolgreiche-bashing wird hier gerne praktiziert. Lang-Lang ist populär, aber ist er deswegen "schlecht" ?
Vielleicht sollte jeder, der sich hier äussert, bei solchen Urteilen ein wenig mehr Vorsicht walten lassen ?
Ein guter Test wäre sicher, nicht zu wissen, dass Lang-Lang spielt und dann ein Urteil abzugeben.
Ich habe mich nicht sehr viel mit Lang-Lang beschäftigt, würde ihm aber konzedieren, dass er einen Weg als Künstler sucht. Und dass ist keinesfalls nur Zirkus. Klar, er kann sehr schnell und virtuos spielen und macht die passenden Gesten dazu. Aber wenn ich ihn zum Beispiel mit seinem Vater höre, wie sie gemeinsam musizieren , sehe ich ein ganz ernsthaften Künstler.
Wenn ich ihn sehe, wie er mit Eschenbach die Beethoven-Konzerte probt, sehe ich einen ernsthaften Künstler, dem es nicht um Show geht, sondern um eine Emotoinalität, wie er sie unverstellt als Mitt-Zwanziger haben kann.
Und wenn er dann die Träumerei als Zugabe spielt, ist das auch nicht gerade Zirkus- dann würde man was anderes spielen, was Lang-Lang natürlich könnte.

Caesar73

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106

Mittwoch, 18. Juli 2007, 10:07

Zitat

Original von Syrinx

So wie LAng Lang verkauft wird ist er eine Art Mogelpackung und darf auch entsprechend kritisiert werden. Erstaunlich finde ich nur, dass die kritischen Stimmen der Presse erst jetzt kommen, wo er eine gewisse Fallhöhe erreicht hat.



Kritisiert werden darf er freilich- aber das man ihm Entwicklungspotential zugestehen muss, ist eben so zutreffend. Und was die Reaktionen der Presse angeht: Erst wenn er eine gewisse Fallhöhe erreicht hat, macht eine Verriss auch richtig Spaß. Einen jungen, unbekannten Künstler zu teeren und zu federn ist auch nicht halb so spannend. Ihn automatisch in eine Schublade mit André Rieu und Co. würde ich ihn auch nicht stecken. Es bleibt einfach abzuwarten, ob er auf mittlere und lange Sicht der Erwartungshaltung entsprechen kann. Vom Hocker gehauen hat mich noch keine seiner Aufnahmen- aber vielleicht ist einfach die Erwartungshaltung zu hoch: Man erwartet - unbewusst oder nicht- automatisch das Exeptionelle, das Außerordentliche von ihm.

Herzliche Grüße,:hello: :hello:

Christian
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Syrinx

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107

Mittwoch, 18. Juli 2007, 10:13

RE: Fatale Neigungen

Zitat

Und wenn er dann die Träumerei als Zugabe spielt, ist das auch nicht gerade Zirkus- dann würde man was anderes spielen, was Lang-Lang natürlich könnte.


Sorry, aber da muss ich wiedersprechen. So wie Lang Lang die Träumerei spielt ist es Zirkus, eine Art Mimikzirkus oder Emotionszirkus. Etwas aussergewöhnliches spüre ich da nicht. Und das würde ich bei einem Weltklassepianisten einfach erwarten.

Gruss :hello:

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Syrinx

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108

Mittwoch, 18. Juli 2007, 10:25

Hallo Caesar,

Zitat

aber vielleicht ist einfach die Erwartungshaltung zu hoch: Man erwartet - unbewusst oder nicht- automatisch das Exeptionelle, das Außerordentliche von ihm.


Wieso ist das zu viel erwartet ? Wir erwarten doch aussergwöhnliches von Gilels, Argerich, Horowitz, Richter und auch Volodos um mal einen aktuellen jungen Namen zu nennen und bei diesen Leuten enttäuschen mich auch frühe Aufnahmen nicht.

Natürlich ist es hauptsächlich das Marketing, was zu kritisieren ist. Schlussendlich ist dieses nicht unschuldig, wenn LAng LAng sich sich nicht entwickeln kann. Oder warum sollte man sich Gedanken machen, wenn man von allen Seiten hört. man sei der neue Jahrhundertpianist ?

Gruss :hello:

Syrinx
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109

Mittwoch, 18. Juli 2007, 10:37

Diesen Satz habe ich bei Wikipedia gefunden:

Zitat

So streben in China nicht zuletzt wegen seines Erfolges viele Klavierschüler (Schätzungen gehen von 20 Millionen aus) ihrem Idol nach.


Da kommt was auf uns zu :untertauch: :untertauch:

Gruss :hello:

Syrinx
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Caesar73

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110

Mittwoch, 18. Juli 2007, 10:55

Zitat

Original von Syrinx

Wieso ist das zu viel erwartet ? Wir erwarten doch aussergwöhnliches von Gilels, Argerich, Horowitz, Richter und auch Volodos um mal einen aktuellen jungen Namen zu nennen und bei diesen Leuten enttäuschen mich auch frühe Aufnahmen nicht.



Das ist auf jedem Fall zutreffend. Bei einem Vergleich mit den Größen der Vergangenheit wäre ich aber vorsichtig: Denn die Marketingstrategien, der Markt für klassische Musik hat sich seit den Zeiten von Richter, Rubinstein und Co beträchtlich verändert: Die Verbreitung der Aufnahmen erfolgte anders etc. etc.

Bleiben wir deshalb mal beim Beispiel Volodos: Volodos wurde zu Beginn als der neue Supervirtuose a´la Horowitz vermarktet. Es hat eine Weile gedauert, bis es Volodos gelungen ist, dieses Image zu korrigieren. Ich würde meinen so richtig gelungen ist ihm das erst mit seiner Schubert Platte. Entgültig vollzogen hat er diesen Schritt mit seiner letzten Aufnahme: Dem Liszt-Recital. Davor war er für mehrere Jahre auf dem Platten-Markt abstinent. Volodos hat - und das ist mir aufgefallen- zu Beginn seiner Karriere weniger Platten produziert als Lang Lang. Lang Lang ist ja noch nicht so lange im Geschäft und hat schon eine ganze Reihe CD´s produziert. Die Frage ist doch: Inwieweit kann man es sich als "junger" Künstler leisten, die Spielregeln des Geschäfts zu ignorieren? Sich erst einmal eine Basis erarbeiten um dann endlich das Repertoire spielen zu können, was mir liegt? Welches Mitspracherecht hat ein Künstler wie Lang Lang bei der Frage: Was nehmen wir als nächstes auf?

Herzliche Grüße,:hello: :hello:

Christian
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Rosenkavalier

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111

Mittwoch, 18. Juli 2007, 12:13

Zitat

Original von Caesar73
Die Frage ist doch: Inwieweit kann man es sich als "junger" Künstler leisten, die Spielregeln des Geschäfts zu ignorieren? Sich erst einmal eine Basis erarbeiten um dann endlich das Repertoire spielen zu können, was mir liegt? Welches Mitspracherecht hat ein Künstler wie Lang Lang bei der Frage: Was nehmen wir als nächstes auf?

Herzliche Grüße,:hello: :hello:

Christian


Da liegt vermutlich der Hase begraben...Das Klassikgeschäft ist schnelllebiger geworden. Jung und gut zu vermarkten, das ist heute die Devise. Und nach ein/zwei/drei Jahren wird der nächste "Star" aufgebaut. Ich bringe jetzt mal bewusst die provokante Behauptung, dass der größte Teil der Zuhörer, der zu Lang-Lang auf der Waldbühne gegangen ist, sich nicht ernsthaft mit Klaviermusik auseinander setzt. Die sehen einen Namen, der ihnen vielfach in der Werbung über den Weg gelaufen ist, sehen einen Eventcharakter und - wenn's ganz schlimm kommt - schließen aufgrund der Eintrittspreise auf die Qualität des Ganzen.

Ich schicke noch eine andere provokante These hinterher (abgeleitet aus der Erfahrung mit Sängern): Die Asiaten produzieren überwiegend "Tonautomaten", die sich nicht über lange und unmögliche Probenzeiten beschweren, immer höflich sind und nie widersprechen. Was kann einem Produzenten denn besseres passieren. Dass diese "Tonautomaten" reichlich sterile Musik abliefern, merkt das gängige "Eventpublikum" eh nicht.

Zitat

Original von Wulf
.......... - jedoch keine Bereicherung für die Klassikwelt darstellt - sie wird IMO durch Figuren wie Lang Lang nicht aus ihrem Elfenbeinturm herausgeholt, sondern noch mehr hineingedrängt. Denn je mehr Klassik als clowneskes Event verkauft wird, desto mehr wird diese von vielen nur noch so akzeptiert. Jeglicher anderweitiger Zugang wird erschwert.


Sorry, dass ich nur auszugsweise zitiere, aber der Satz war mir dann doch zu lang :P
Ich denke nicht, dass Leute wie Lang Lang der Klassik "schaden" (die Aussage entnehme ich Deinen Worten). Er bedient einfach ein anderes Klientel. Ein Klientel, das (ich provoziere weiter) überwiegend nicht an der Auseinandersetzung mit der Musik interessiert ist.

Gruß
Rosenkavalier
Ich glaube, dass es in jedem Sänger einen einzigen, reinen und kleinen Ton gibt, welcher der wahre Ton der Stimme ist, und was immer man tut und wie man seine Stimme auf diesem Ton aufbaut, man muss zu ihm zurück kehren können, sonst ist es aus.
Agnes Baltsa

Robert Stuhr

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112

Mittwoch, 18. Juli 2007, 13:04

Zitat

Original von Rosenkavalier
Ich schicke noch eine andere provokante These hinterher (abgeleitet aus der Erfahrung mit Sängern): Die Asiaten produzieren überwiegend "Tonautomaten", die sich nicht über lange und unmögliche Probenzeiten beschweren, immer höflich sind und nie widersprechen.


Das nenne ich - bewußt hart in der Wortwahl - nicht provokante These, sondern rassistischen Unsinn (und zwar nicht nur, weil ich mit einer Chinesin verheiratet bin). :kotz:

Es gibt nicht "den Asiaten"! Oder willst du Iraker, Inder, Tibeter, Japaner, Chinesen usw. alle über einen Kamm scheren? Das ist genauso Unsinn wie "alle Europäer" oder "alle Neger". :no:

Höflichkeit hat noch niemandem geschadet und mit musikalischem Talent ebensowenig zu tun wie die Akzeptanz von Probezeiten oder Widerspruch gegenüber einem Lehrer. Vielleicht gäbe es ja ein paar mehr erstklassige Pianisten aus D, wenn Klavierschüler höflicher wären, mehr auf Respektspersonen hören und ungewöhnliche Probenzeiten akzeptieren würden... :D

Einem Pianisten aus China zB fällt es naturgemäß schwer, europäische klassische Musik geistig zu durchdringen, weil er einen ganz anderen kulturellen Hintergrund besitzt. Deutsche,Franzosen usw. können das viel besser. Umgekehrt gilt das für die klassische chinesische Musik auch. Da nimmt es nicht wunder, daß die technische Perfektion im Vordergrund steht.

Ich möchte gar nicht abstreiten, daß die Zahl von Weltklassepianisten aus diesem geographischen Raum aus diesem Grund - bezogen auf europäische Klassik - immer gering bleiben wird (Uchida, Fou T'song zB). Aber das auf die von Dir genannten Kriterien zurückzuführen oder darafu, daß es "Asiaten" sind... :boese2:
Ermutigung nach 200 Jahren (auf dem heimweg von einem orgelkonzert)
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Caesar73

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113

Mittwoch, 18. Juli 2007, 13:20

Zitat

Original von Robert Stuhr

Einem Pianisten aus China zB fällt es naturgemäß schwer, europäische klassische Musik geistig zu durchdringen, weil er einen ganz anderen kulturellen Hintergrund besitzt. Deutsche,Franzosen usw. können das viel besser. Umgekehrt gilt das für die klassische chinesische Musik auch. Da nimmt es nicht wunder, daß die technische Perfektion im Vordergrund steht.

Ich möchte gar nicht abstreiten, daß die Zahl von Weltklassepianisten aus diesem geographischen Raum aus diesem Grund - bezogen auf europäische Klassik - immer gering bleiben wird (Uchida, Fou T'song zB). Aber das auf die von Dir genannten Kriterien zurückzuführen oder darafu, daß es "Asiaten" sind...


Womit wir wieder beim Thema wären :D


Ist Lang Lang ein "Weltklassepianist" beziehungsweise kann er ein solcher werden?


Der Erfolg von Mitsuko Uchida liegt aber sicher auch darin begründet, dass sie im wesentlichen im "Westen", sprich Wien ausgebildet ist. Den Zwiespalt aber zwischen den kulturellen Traditionen ihrer Heimat und denen ihrer Wahlheimat Europa, zwischen Orient und Okzident hat sie wohl aber immer deutlich empfunden- aber das gehört in den Uchida-Thread- wo wir diese Frage schon einmal diskutiert haben, wenn ich mich meine kleinen grauen Zellen nicht tgänzlich täuschen.

Um wieder den Bogen zu schlagen: Lang Lang ist ja vorwiegend - oder vollständig - in China ausgebildet worden. Aus dieser Perspektive betrachtet dürfte es ihm schwerer gefallen sein - als Mitsuko Uchida - die "europäische klassische Musik geistig zu durchdringen"

(Du verzeihst mir das Zitat, oder :D ?)

Herzliche Grüße,:hello: :hello:

Christian
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Rosenkavalier

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114

Mittwoch, 18. Juli 2007, 13:36

Zitat

Original von Robert Stuhr

Zitat

Original von Rosenkavalier
Ich schicke noch eine andere provokante These hinterher (abgeleitet aus der Erfahrung mit Sängern): Die Asiaten produzieren überwiegend "Tonautomaten", die sich nicht über lange und unmögliche Probenzeiten beschweren, immer höflich sind und nie widersprechen.


Das nenne ich - bewußt hart in der Wortwahl - nicht provokante These, sondern rassistischen Unsinn (und zwar nicht nur, weil ich mit einer Chinesin verheiratet bin). :kotz:

Es gibt nicht "den Asiaten"! Oder willst du Iraker, Inder, Tibeter, Japaner, Chinesen usw. alle über einen Kamm scheren? Das ist genauso Unsinn wie "alle Europäer" oder "alle Neger". :no:


Ok - ich präzisiere: Südostasiaten mit Schwerpunkt China, Korea, Japan.

Zitat

Original von Robert Stuhr
Höflichkeit hat noch niemandem geschadet und mit musikalischem Talent ebensowenig zu tun wie die Akzeptanz von Probezeiten oder Widerspruch gegenüber einem Lehrer. Vielleicht gäbe es ja ein paar mehr erstklassige Pianisten aus D, wenn Klavierschüler höflicher wären, mehr auf Respektspersonen hören und ungewöhnliche Probenzeiten akzeptieren würden... :D


Mein Hinweis darauf ist im Zusammenhang mit dem nachfolgenden Satz zu sehen: "Was kann einem Produzenten denn besseres passieren." Ich sage ja nicht, dass dies schlechte Eigenschaften sind. Aber wenn man schnell Geld machen will (und das unterstelle ich den Produzenten einfach mal), dann kann ich niemanden gebrauchen, der rumzickt und vielleicht noch eigene Ideen entwickelt, oder?

Zitat

Original von Robert StuhrEinem Pianisten aus China zB fällt es naturgemäß schwer, europäische klassische Musik geistig zu durchdringen, weil er einen ganz anderen kulturellen Hintergrund besitzt. Deutsche,Franzosen usw. können das viel besser. Umgekehrt gilt das für die klassische chinesische Musik auch. Da nimmt es nicht wunder, daß die technische Perfektion im Vordergrund steht.


Völlig d'accord. Nur technische Perfektion ist aber genau das, was ich als "Tonautomat" bezeichne.

Gruß
Rosenkavalier
Ich glaube, dass es in jedem Sänger einen einzigen, reinen und kleinen Ton gibt, welcher der wahre Ton der Stimme ist, und was immer man tut und wie man seine Stimme auf diesem Ton aufbaut, man muss zu ihm zurück kehren können, sonst ist es aus.
Agnes Baltsa

Franz Laier

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115

Mittwoch, 18. Juli 2007, 13:38

Hallo Robert!

Was Du als rassistischen Unsinn bezeichnest, hat einen kulturellen Hintergrund.
Im asiatischen Kulturkreis wird die Kopie, die als solche erkennbar ist, nicht als schlecht erachtet. Jener der seinen Meister am Besten kopiert oder übertrifft, bekommt Anerkennung. Die Schüler-Meister-Beziehung ist in diesem Kulturkreis nicht unwichtig.

In Europa sind die die Genies, die sich sozusagen selbst schaffen, jene, denen Anerkennung gezolllt wird. In Europa ist es wichtig, dass der Musiker seine eigene Sicht auf ein Werk zum Ausdruck bringt, wenn es notwendig ist auch gegen den Widerstand seiner Lehrer. Das Problem das Musiker aus dem asiatischen Raum haben, ist, dass diese abseits brillianter Technik den Werken wenig neue Lesarten hinzufügen, weil sie zu sehr an ihrem Lehrer/Meister hängen. Auch ein Horrowitz-Schüler wird in der Versenkung verschwinden, wenn er nicht eigenes heruvorzubringen im Stande ist.

Der kuturelle Hintergrund ist bei Musikern aus dem asiatischen Raum ein Handicap. Wie Du selbst schon geschrieben hast, gibt es wenige Aufnahmen mit Künstlern aus dem asiatischen Raum, die allgemein anerkannt sind.
Es ist sicher, dass es nicht "den Asiaten" gibt. Doch gibt es eine Grundstruktur in jenen Kulturen, die man als asiatisch bezeichnen könnte. Eine Eigenschaft jener Kultur ist der Fleiß, die Höflichkeit - und die Bedeutung des Meisters.

Wenn ein chinesischer Pianist weltweit Anerkennung erreichen will, so muss er wohl oder übel die europäische Lesart der Stücke lernen und auch umzusetzen lernen. Ansonsten wird der Erfolg endenwollend sein(nicht unbedingt in kommerzieller Hinsicht). Er kann auch eine chinesisch Sicht auf ein Werk bieten, doch muss diese Stimmig sein und eine Neue sicht auf das Werk ermöglichen.

Die Feststellung, dass aus dem asiatischen Raum viele technisch gute Musiker kommen, ist allgemein bekannt. Leider ist das für den europäischen Konzert- oder Operngeher zu wenig.

lg,
Franz
Sagt nicht:"Ich habe die Wahrheit gefunden", sondern:"Ich habe eine Wahrheit gefunden." (Khalil Gibran; Der Prophet, dtv, 2002)

Mozi

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116

Mittwoch, 18. Juli 2007, 13:39

ich weiß nicht ob es unbedingt darauf ankommt,
wo man ausgebildet wurde, ich mein das wissen,
dass man ihm mitgeteilt hat, kommt sicher aus russland oder
europa, ich finde von diesem standpunkt aus, kann man
nicht sagen wer ein gute und wer ein schlechter pianist ist.

Ich war übrigens vor kurzem auf einem open air von lang lang,
ich weiß nicht ob es dass open air war oder lang lang,
aber irgendwie war ich enttäuscht,
übrigens das erste klavierkonzert von L.v Beethoven war meiner meinung nach,
nicht wirklich gut interpretiert, das klavierkonzer von tschaikovsky fand ich
auch nicht besonders gut, seltsamerweise hab ich genau das
gleiche klavierkonzert (auch gespielt von lang lang unter leitung von barenboim),
auf cd, und diese interpretation war viel viel besser, als die, die ich live gehört habe.
Lob bekommt man geschenkt, Neid muss man sich verdienen!

Mozi

Caesar73

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117

Mittwoch, 18. Juli 2007, 13:49

Zitat

Original von Mozi
ich weiß nicht ob es unbedingt darauf ankommt,
wo man ausgebildet wurde, ich mein das wissen,
dass man ihm mitgeteilt hat, kommt sicher aus russland oder
europa, ich finde von diesem standpunkt aus, kann man
nicht sagen wer ein gute und wer ein schlechter pianist ist.



Der kulturelle Hintergrund spielt mit Sicherheit eine Rolle- ob die Inhalte die im Unterricht vermittelt wurden, der europäischen Musiktradiiton entstammen oder nicht. Das seine Wurzeln auch für Lang Lang wichtig sind kann man unter anderem an seiner "Red-Dragon-CD" erkennen. Und die Problematik sich eine fremde Musiktradition anzueignen ist definitv vorhanden. Das ist zunächst keine Aussage darüber, ob jemand das Prädikat "Weltklassepianist" verdient oder nicht.

Aber zurück zur Frage:


Ist Lang Lang ein "Weltklassepianist" beziehungsweise kann er ein solcher werden?

Herzliche Grüße,:hello: :hello:

Christian
Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

Michael

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118

Mittwoch, 18. Juli 2007, 13:58

Hier eine Feststellung besonderer Art zu LL:
<<Christoph Eschenbach wiederum konnte in der gerade rekonstruierten Salle Pleyel in Paris seine erste Aufnahme mit Lang Lang realisieren, den er früher als andere entdeckt, gefördert und dessen Karriere er von Anfang an stets mit großer Aufmerksamkeit verfolgt hat. Und so kann er heute mit Fug und Recht sagen: „Je mehr ich ihn höre, desto mehr wächst in mir die Überzeugung, dass er ein geborener Beethoven-Interpret ist." >>:
gefunden in: http://www.klassikakzente.de/artist_bio_lang_lang_12374.jsp
Wo gleich oben ein Video mit den beiden zu sehen ist.
Ich frage mich nun, ob Eschenbach (geboren 1940), sich irrt oder wer nun irrt, lasse ich mal dahingestellt. Wie schon zuvor gesagt, vermag ich LL nicht einzuordnen, und enthalte mich daher jeglicher Bewertung.

LG Micha :hello:

sagitt

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119

Mittwoch, 18. Juli 2007, 14:42

Das genau !

Sagitt meint:

Darum bat ich ja. Um mehr Vorsicht beim Ab-Urteilen. Christoph Eschenbach ist selbst formidabler Pianist gewesen, als Haskil-Preisträger 1965, mit einer grossartigen Mozart-Platte.
Er hat früher auch viel als Pianist gespielt,zB eine Tournee mit Barto, wo sich die beiden im Dirigat und Klavierspielen bei den Brahms-Konzerten abgewechselt haben.
Wenn ein solcher Musiker sein Renommé als Musiker einsetzt, tut er das sicher nicht für einen, der nur " Schaum" schlägt,nur Event-Kultur produziert, von einigen hier in die seltsame Reihe mit Rieu oder Lotti gestellt wird.
Eschenbach ist zu alt dafür, etwas anderes als ein fundiertes künstlerisches Urteil abzugeben.
Welchen Musik-Niveau-Hintergrund haben die Kritiker denn, die diese Vergleiche hier anstellen ? Von einem hohen Ross kann man tief fallen.

Mehr Vorsicht stände uns gut an.

Wulf

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120

Mittwoch, 18. Juli 2007, 14:50

Zitat

Original von Robert Stuhr
als wolle er gar nicht in eine Richtung a la Brendel.


DAS kann ich ihm zumindest nicht verübeln :hahahaha:


:hello:
Wulf
Carreras, I'll never stop saying Carreraaaas!
(Leonard Bernstein)