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sagitt

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301

Sonntag, 23. April 2017, 14:57

Nur zum Vergleich: Dinu Lipatti (1917-1950) verstarb mit nur 33 Jahren an Leukämie und gilt allgemein als einer der bedeutendsten Pianisten aller Zeiten. Lang Lang ist nun schon 35 und hat keine einzige Aufnahme gemacht bisher, die den Vergleich mit Lipatti auch nur annähern standhält.

das allerdings gilt für mindestens 98% der PianistInnen ebenso.

Ich gebe bei allem bashing zu bedenken, das Eschenbach ihn besonders schätzt (und der war einmal ein hoffnungsvoller Pianist,1965). Wenn man die Augen zumacht und das Eröffnungskonzert SH Festival mit dem Es-Dur Konzert von Beethoven hört und seine Vorurteile vergisst, kann man davon sehr angetan sein.

La Roche

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  • »La Roche« ist männlich

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302

Sonntag, 23. April 2017, 16:59

Ich kenne keinen anderen Pianisten von Weltklasse, der so eine lange Reifezeit nötig gehabt hätte.

Wenigstens hoffe ich, daß wir in einem Punkte übereinstimmen. Technisch ist Lang Lang sicher perfekt, ihm gelingen selbst die schwierigsten Passagen atemberaubend.

Gestatte mir deshalb bitte den Hinweis, daß man auch Maurizio Pollini technische Brillianz bescheinigte, aber seine Interpretationen als zu glatt und spannungslos kritisierte. Das war, als Pollini Anfang 30 war. Reicht das, oder soll ich noch weiter Wikipedia absuchen?

Im Übrigen stimme ich Sagitt zu, ohne dessen fachliche Kompetenz zu besitzen. Wenn man jemanden nicht mag, kann er noch so gut sein. Lang Lang hat durch seine Kaspereien viel Sympathie verscherzt und geschäftstüchtig alle seine Möglichkeiten ausgereizt. Dazu gehört in erster Linie sein Klavierspiel. Aber ihn deshalb verdammen? Nein und nochmals Nein!

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


Dr. Holger Kaletha

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303

Sonntag, 23. April 2017, 17:54

das allerdings gilt für mindestens 98% der PianistInnen ebenso.
Das war auch nicht der Punkt. Da ich ja nun eine ziemlich umfangreiche Klaviersammlung besitze - gerade auch historische Aufnahmen, welche die "Entwicklung" von Interpreten dokumentieren, kann ich nur eins sagen: Wenn es um gewisse musikalische Grundkompetenzen geht, dann muss man sagen: Wer die mit 18 oder 20 Jahren schon nicht besitzt, der wird sie auch mit 40 oder 50 nicht besitzen. Das zeigt sich immer wieder. Zu Beginn habe ich Lang Lang durchaus mit Interesse verfolgt. Der "Bruch" war für mich das Wiener Konzert. Da zeigte sich leider, dass es bei ihm keine Weiterentwicklung in manchen wesentlichen Dingen gibt. Mein "Vorurteil" bis dahin, dass Chinesen sehr lernfähig sind, musste ich leider in Bezug auf Lang Lang korrigieren. Wenn er selbst - was ich ihm durchaus hoch anrechne - in Barenboims Meisterklasse geht als "Berühmtheit", und der ihm sein Unverständnis bei Beethoven öffentlich demonstriert, dann aber wieder und wieder dieselben Fehler macht, dann muss man leider sagen: Barenboims Unterricht war vergebliche Liebesmüh.


Ich gebe bei allem bashing zu bedenken, das Eschenbach ihn besonders schätzt (und der war einmal ein hoffnungsvoller Pianist,1965). Wenn man die Augen zumacht und das Eröffnungskonzert SH Festival mit dem Es-Dur Konzert von Beethoven hört und seine Vorurteile vergisst, kann man davon sehr angetan sein.
Eschenbach war sein Mentor - und das Es-Dur-Konzert ist auch wahrlich nicht schlecht. Die CD habe ich - und schrieb damals, als sie erschien, (6.6.2007) folgende Kritik:



Wenn man mit der Deutschen Bundesbahn fährt, sieht man auf überdinmensionierten Plakaten Lang Langs neue Platte, er mit verklärtem, in die Höhe gerichteten Blick und darauf die Werbung: der erfolgreichste klassische Pianist! Offensichtlich hat die DGG so große Stückzahlen produziert, daß sie so etwas nötig hat: Lang Lang als klassischer Popstar!

Erfolg hin oder her -- bei den Klassikern Mozart und Beethoven trennt sich die Spreu vom Weizen! Und bei Lang Lang gibt es Licht und Schatten!

Zuerst das Licht: Das 1. Klavierkonzert. Er spielt den Beethoven von 1795 im Geiste der Empfindsamkeit des 18. Jahrhunderts. Man muß sagen: Musikalität hat er! Es wird sehr einfühlsam musiziert, sehr sorgfältig ausphrasiert mit viel Sinn fürs Konzertieren (die Spielbälle werden zwischen Pianist und Orchester hin und her geworfen) auch Dank des sehr aufmerksamen Christoph Eschenbach am Dirigentenpult. Die Aufnahme kann sich wirklich hören lassen, ist sehr überlegt durchgestaltet, nichts wirkt irgendwie unmotiviert. Ein in sich schlüssiges Konzept! Interpretatorisch allerdings eher rückwärts gewendet: Beethoven als verspäteter Mozart! Da hat Benedetti Michelangeli letztlich gezeigt, daß auch der Beethoven von 1795 > erwachsen< ist -- ganz zu schweigen von dem olympischen pianistischen Niveau, an das natürlich auch ein Lang Lang nicht annähernd heranreicht. Aber nichts desto Trotz: Lang Lang gibt sich hier keine Blöße. Bei diesem Konzert haben schon ganz andere Beethoven-Titanen wie z.B. Friedrich Gulda deutliche Schwächen gezeigt! Das ist auf jeden Fall eine schöne Aufnahme!

Nun der Schatten: Das 4. Klavierkonzert ist nun mal der >erwachsene< Beethoven! Und da scheitert Lang Lang auf ganzer Linie. Bezeichnend die beiden Kadenzen. Die sind geradezu >kopflos< gespielt, ohne jeden Sinn für die formalen, thematischen Zusammenhänge. Das ist kein Beethoven-Spiel, sondern Spiel mit Beethoven -- nicht aus Souveränität, sondern musikalischer Ratlosigkeit. Lang Lang trifft weder die metaphysische Aura des Konzerts, diesen spezifisch mystischen Ton (der Geist des Pietismus!), der aber immer >klar< bleiben muß und nie in bloße Klangseuselei ausarten darf -- Sensualismus ist hier völlig fehl am Platze! Noch hat er Sinn für die großen Zusammenhänge, den formalen Aufbau des Ganzen, in das sich alles Einzelne einzuordnen hat. Er bemüht sich zwar im langsamen Satz empfindsam zu gestalten, aber es bleibt bei der oberflächlichen Klangzisiliererei: keinerlei Getragenheit und keine Versenkung in das absolute Schöne. Mit einem Wort: blaß -- zudem wirkt das ansonsten vorzügliche Orchester hier ziemlich hölzern. Auch die pianistischen Grenzen von Lang Lang werden in diesem Konzert deutlich -- ein hohl und saftlos klingendes Forte!

Es ist zu befürchten, daß die 1,5 Millionen (!) Studierenden für Klavier in China sich >ihren< Lang Lang, der in diesem 4. Konzert alles andere als ein >leuchtender Pfad< (die chinesische Bedeutung seines Namens!) ist, zum Vorbild nehmen werden, anstatt hier etwa Rubinstein, Gilels oder Pollini zu studieren!



Gestatte mir deshalb bitte den Hinweis, daß man auch Maurizio Pollini technische Brillianz bescheinigte, aber seine Interpretationen als zu glatt und spannungslos kritisierte. Das war, als Pollini Anfang 30 war. Reicht das, oder soll ich noch weiter Wikipedia absuchen?
Oh weh! Pollini ist einer der ganz "Großen" - wer das bestreitet, dem bescheinige ich, dass er schlicht keine Ahnung in Sachen Klavier und Interpretation hat. Wie Arrau, Michelangeli, Richter usw. hat er eine ganze Reihe zeitlos gültiger Aufnahmen mit Ausnahmestatus gemacht. Phänomenal z.B. die Chopin-Etüden, die er mit 18 Jahren aufnahm. Lang Lang hat zwar auch nicht nur Schlechtes produziert, aber keine einzige Aufnahme hat einen solchen Referenzstatus. Was er z.B. als "Interpretation" der Etüden op. 25 abgeliefert hat, kann man schlicht vergessen. Da gibt es einfach kein interpretatorisches Konzept. Wenn man sich über die gewisse Glätte bei Pollini mokiert, die es in der Tat manchmal bei ihm gibt, dann ist das Jammern auf allerhöchstem Niveau. Die Kirche sollte man hier wirklich im Dorf lassen.


Im Übrigen stimme ich Sagitt zu, ohne dessen fachliche Kompetenz zu besitzen. Wenn man jemanden nicht mag, kann er noch so gut sein. Lang Lang hat durch seine Kaspereien viel Sympathie verscherzt und geschäftstüchtig alle seine Möglichkeiten ausgereizt. Dazu gehört in erster Linie sein Klavierspiel. Aber ihn deshalb verdammen? Nein und nochmals Nein!
Ich habe immer geschrieben, dass ich Lang Lang nicht für "berechnend" halte. Geschäftstüchtig - und sogar sehr(!) - war Horowitz auch. So etwas ihm vorzuhalten, halte ich für unsinnig. In grundsätzlicher Hinsicht ist er wohl eher naiv - vielleicht ist ihm unterbewusst der Ruhm zu Kopf gestiegen und es fehlt ihm eine gewisse Selbstdistanz. Aber nicht jeder ist ein Svjatoslav Richter, der selbstkritisch bis zur Selbstzerfleischung war. Es verdammt ihn auch niemand glaube ich. Nur ärgerlich finde ich die fast schon groteske Diskrepanz zwischen dem Hype, der um ihn veranstaltet wird ("größter lebender Pianist"), und seiner tatsächlichen Leistung. Ich würde mich ja freuen, wenn er endlich mal eine Aufnahme zustande brächte, mit der man voll zufrieden sein könnte - und zwar mit wirklich gewichtigem Repertoire. Da gibt es aber leider bisher nur - Fehlanzeige.

Einen schönen Sonntag
Holger

William B.A.

Erleuchteter

  • »William B.A.« ist männlich

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304

Sonntag, 23. April 2017, 18:46

Zitat

La Roche: Gestatte mir deshalb bitte den Hinweis, daß man auch Maurizio Pollini technische Brillianz bescheinigte, aber seine Interpretationen als zu glatt und spannungslos kritisierte. Das war, als Pollini Anfang 30 war. Reicht das, oder soll ich noch weiter Wikipedia absuchen?


Lieber La Roche,

du verglichst Lang Lang mit Pollini und hobst die Einlassungen der Kritik hervor, dass Pollinis Aufnahmen unter anderem zu glatt und spannungslos seien. Meinst du, Lang Lang könnte heute mit einem Sänger dieser Kategorie:

so eine Aufnahme machen mit den Mätzchen, die er sich trotz (oder wegen) seiner stupenden Technik erlaubt? Damals war Pollini 36.
Oder hier:

Da war er 36.
Vielleicht hast du diese Aufnahmen ja sogar in deinem Bestand. Hör mal rein.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

William B.A.

Erleuchteter

  • »William B.A.« ist männlich

Beiträge: 17 062

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

305

Sonntag, 23. April 2017, 18:50

Lieber Holger,

ich werde nachher deinen Beitrag lesen, ich sitze zur Zeit an dem Gespann Beethoven/Ciccolini und op. 106.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

âme

Profi

  • »âme« ist männlich

Beiträge: 401

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306

Sonntag, 23. April 2017, 19:39

Hallo Glockenton,

wie es scheint, scheinen wir in vielen Punkten ähnlich zu denken. Das würde jetzt aber schon an dem Threadtitel vorbeigehen um darauf näher einzugehen. Nur so viel, ich habe Harnoncourt auch immer sehr dafür geschätzt, dass er sich sehr ausführlich mit dem Autograph, der Urfassung bzw. Urtext auseinandergesetzt, und auch sonstige Anmerkungen über die Musik in seinen Briefen berücksichtigt und sehr ernst genommen hat. Was mich aber gestört hat, dass er der Auffassung war Mozarts Musik könne nur aufwühlen, indem man die Möglichkeiten der Interpretation bis aufs Äußerste ausreizt also eine möglichst große dynamische Spannweite herausholt, welche nur noch vollkommen maniriert anmutet und vor allem eine Agogik, die vor lauter Überstrapazierung schon völlig an natürlichem Fluss verliert. Er wollte es wahrscheinlich nicht denn er war ja überzeugt davon dass es so gehört, aber so hat er letztendlich dieser Musik so stark seinen Stempel aufgedrückt, dass sie quasi fast schon zu einer entfremdeden "Cover-Version" Harnoncourts verkamen wenn man es mal mit modernen Begriffen umschreiben tut. Ich würde sogar so weit gehen, wer glaubt diese Musik hätte so viel an Interpretationszusatz notwendig dass man nur so an ihr Gefallen finden kann, der hat Mozarts Musik nicht verstanden. Nicht destotrotz gibt es ein paar Einspielungen Harnoncourts die durchaus gut anhörbar sind und mir auch gefallen, da er hier etwas gemäßigter mit seinem Dirigat umgegangen ist. Wie schon angesprochen ist er zuletzt immer radikaler geworden. Die letzte Einspielung der drei letzten Sinfonien Mozarts mit dem Concentus Musicus sind leider sehr enttäuschend.
Ich muss gestehen Tate habe ich noch nicht gehört, wenn ich mir für einen Dirigenten entscheiden müßte würde ich Mackerras wählen, ein gemäßigter HIP welcher Mozart nicht mit der Interpretationskeule niederschlägt, sondern die Musik für sich alleine sprechen läßt ohne aber wieder zu glattgebügelt, langweilig das ganze runterzuspielen.


Es scheint beim Mozart besonders schwer zu sein, ihn so zu spielen, dass er völlig natürlich und "ungewollt" klingt, aber dennoch keine langweilige Musik zum nebenbei-Hören oder zum Einschlafen wird.
Deswegen gibt es ja auch den unter Pianisten viel zitierten Spruch (ich weiss nicht von wem er stammt, Busoni vielleicht?) "Für Laien zu einfach, für Profis zu schwer". Weil die Musik an sich so transparent ist und man sich nicht hinter einer Virtuosität verstecken oder etwas damit kaschieren kann. Es ist auch oft gerade hier ein schmaler Grat zwischen zu viel und zu wenig. Übrigens ... guter Geschmack mit Uchida ... ich höre sie auch sehr gerne!

Was das Lang Lang Thema anbelangt (um hier nicht total offtopic zu schreiben), so ist es wohl zweifelsfrei dass er nicht zu den heute besten lebenden Pianisten gehört. Die Kritik an ihm halte ich stellenweise dennoch etwas überzogen (man könnte das Gefühl bekommen ein mittelmäßiger Laie will sich hier nur in der Öffentlichkeit profilieren :D ) aber trotzdem auch zum Teil verständlich, da er ja in den Medien besser vermarktet wird als er tatsächlich ist und dann solche Kritiken ein Gegengewicht dazu bilden wollen (ähnlich wie es ja auch schon bei Netrebko der Fall war). Er ist vielleicht nicht in allen Interpretationen so schlecht wie er teils hingestellt wird (soll heissen ein mindestens anhörbares Niveau), aber nicht destotrotz kann man auch hier immer wieder problemlos bessere Alternativen finden. Es gibt übrigens auf Youtube einen Meisterkurs unter Barenboim bei dem Lang Lang eine Beethoven Sonate spielt, bei der Barenboim aber eigentlich gar nicht so viel auszusetzen hat (hie und da natürlich schon aber es hält sich im Rahmen, naja vielleicht wird jetzt Barenboim auch die Kompetenz abgesprochen, oder das er schon resigniert hat :D :untertauch: ...nur Spass, bevor hier böse Antworten kommen ;) )

gruß
„Eine Erkenntnis von heute kann die Tochter eines Irrtums von gestern sein.” (Marie von Ebner-Eschenbach)

Joseph II.

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307

Sonntag, 23. April 2017, 19:45

Ohne mich hier groß einmischen zu wollen: Lang Lang ist einer der führenden lebenden Pianisten, mit dem über jeden Zweifel erhabene und anerkannte Musikerpersönlichkeiten wie Daniel Barenboim, Christoph Eschenbach, Zubin Mehta, Valery Gergiev, Sir Simon Rattle und sogar Nikolaus Harnoncourt zusammengearbeitet haben. Die Wiener Philharmoniker spielen nicht mit einem "Wald-und-Wiesen-Pianisten". Kommerz hin oder her: Es ist schon was dran an Lang Lang. Ein hochgepuschter Dilettant hält sich nicht über ein Jahrzehnt an der Weltspitze. Glaubt hier jemand ernsthaft, ausgerechnet der alte Harnoncourt hätte am Ende seines langen Lebens mit einem Clown (genauso wird er in diesem Thread ja teilweise hingestellt) zusammengewirkt und sein künstlerisches Erbe beschädigt? Das hatte dieser Mann nun wirklich nicht nötig.

Lang Lang ist natürlich ein Kind seiner Zeit. Das kann man ihm aber doch nicht ernsthaft übel nehmen. Soll er denn auftreten wie Arthur Rubinstein oder Wilhelm Kempff? So schön die ganzen Vergleiche mit vergangenen Größen auch sind: Heute wird das eben nicht mehr so interpretiert. Das ist doch in der Symphonik und in der Oper auch nicht anders. Muss man nicht mögen, aber braucht man nicht gleich zu verdammen.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

WoKa

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308

Sonntag, 23. April 2017, 21:15

Hallo!

Kann es sein, dass Ihr über seine Technik redet aber eigentlich seine Haltung meint (s. frühere Beiträge zu diesem Thread)?

Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

Alfred_Schmidt

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309

Sonntag, 23. April 2017, 23:58

Zitat

Glaubt hier jemand ernsthaft, ausgerechnet der alte Harnoncourt hätte am Ende seines langen Lebens mit einem Clown (genauso wird er in diesem Thread ja teilweise hingestellt) zusammengewirkt....

Ich glaube, das hätte er durchaus. Nicht des Clownes wegen, sondern wegen der Medienpräsenz. Man kann beobachten, daß alternde Interpreten sich gerne mit einigen jungen, die das Potential zum "Ruhm" haben umgeben, Sie versuchen auf diese Weise im Gedächtnis der Nachwelt erhalten zu bleiben.

Zu Lang Lang: Es ist nun mal so, daß er polarisiert, einerseits ist er dadurch relativ weit nach oben gekommen, andrerseits ist das zugleich die Limitierung. Uneingeschränkte Bewunderung wird er nicht bekommen, das wird ihm vermutlich aber auch egal sein,...

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Dr. Holger Kaletha

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310

Montag, 24. April 2017, 06:35

Die Kritik an ihm halte ich stellenweise dennoch etwas überzogen (man könnte das Gefühl bekommen ein mittelmäßiger Laie will sich hier nur in der Öffentlichkeit profilieren :D ) aber trotzdem auch zum Teil verständlich, da er ja in den Medien besser vermarktet wird als er tatsächlich ist und dann solche Kritiken ein Gegengewicht dazu bilden wollen (ähnlich wie es ja auch schon bei Netrebko der Fall war).
Ich finde, dass Lang Lang vergleichsweise sehr fair behandelt wird. Immer wieder ist zu lesen, dass bei ihm die Balance von Detailverliebtheit und Blick auf das große Ganze (noch) nicht stimme. Das ist doch sehr sachlich und es stimmt einfach. Da haben andere ganz andere Dinge einstecken müssen. Nach einem Cyprien-Katsaris-Konzert, das ich hörte, schrieb ein Kritiker, Katsaris zeige sich als postmoderner Spinner und habe sich nun endgültig als seriöser Musiker verabschiedet. Ein Ivo Pogorelich, der stark polarisierte, hat ganz sicher weitaus heftigere Verrisse bekommen.


Er ist vielleicht nicht in allen Interpretationen so schlecht wie er teils hingestellt wird (soll heissen ein mindestens anhörbares Niveau), aber nicht destotrotz kann man auch hier immer wieder problemlos bessere Alternativen finden.
Anhörbar sind z.B. das 1. Beethoven-Konzert oder die Platte mit den Rachmaninow-Konzerten. Wo hat er da schlechte Kritiken bekommen?


Es gibt übrigens auf Youtube einen Meisterkurs unter Barenboim bei dem Lang Lang eine Beethoven Sonate spielt, bei der Barenboim aber eigentlich gar nicht so viel auszusetzen hat
In diesem Meisterkurs spielt Lang Lang die "Appassionata" vor, und da hat Barenboim ihn wie einen Konservatoriumsschüler vorgeführt. "Ganz nett - aber ich höre da keinen Zusammenhang"! Die Kritik war drastisch und fundamental - und Barenboim demonstriert ihm das am Flügel klein klein.


Lang Lang ist einer der führenden lebenden Pianisten, mit dem über jeden Zweifel erhabene und anerkannte Musikerpersönlichkeiten wie Daniel Barenboim, Christoph Eschenbach, Zubin Mehta, Valery Gergiev, Sir Simon Rattle und sogar Nikolaus Harnoncourt zusammengearbeitet haben.
Da empfehle ich, die Autobiographie von Lazar Berman zu lesen, das Kapitel, was er als väterliche Warnung für seine Schüler geschrieben hat über die Scheinheiligkeit des Musikbetriebs. Berman durfte einfach plötzlich nicht mehr ausreisen aus der Sowjetunion. Einst umworben von allen großen Orchestern und berühmten Dirigenten, wurde er nach seiner Rückkehr ignoriert. Zubin Mehta hat noch nicht mal die Briefe beantwortet, die Berman ihm schickte. Einer Berühmtheit wie Andrei Gawrilow ist Ähnliches widerfahren. Einst wurde er wie die Beatles von der EMI in London mit dem Rolls Royce vom Flughafen abgeholt. Dann aber wurde Gawrilow zum Aussteiger. Nach seiner Rückkehr konzertiert er nun mit Orchestern aus der 2. und 3. Reihe wie den Bielefelder Symphonikern. Wenn Lang Lang auf eine ähnliche Idee käme wie Gawrilow, würde es ihm kaum anders ergehen.


Soll er denn auftreten wie Arthur Rubinstein oder Wilhelm Kempff? So schön die ganzen Vergleiche mit vergangenen Größen auch sind: Heute wird das eben nicht mehr so interpretiert.
Das ist die aktuelle Veröffentlichung von Arcadi Volodos:



Im Klappentext ist zu lesen, dass Volodos´ Vorbilder in Sachen Brahms Wilhelm Kempff und Emil Gilels sind. Gerade viele der jungen Chinesen geben als Vorbild z.B. Artur Rubinstein an (etwa Yundi Lee). Wie kommst Du also zu dieser abenteuerlichen Annahme? Warum hältst Du Lang Lang für repräsentativ und nicht Perahia, Blechacz (beide aktuell mit Bach) oder Hamelin (aktuell mit Rachmaninow)? Könnte es sein, dass Du Klaviermusik nur eher am Rande rezipierst und über das, was in der Klavierszene heute los ist, tatsächlich so gut wie gar nicht informiert bist?

Schöne Grüße
Holger

Dieter Stockert

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311

Montag, 24. April 2017, 09:31

Es gibt übrigens auf Youtube einen Meisterkurs unter Barenboim bei dem Lang Lang eine Beethoven Sonate spielt, bei der Barenboim aber eigentlich gar nicht so viel auszusetzen hat

Ich habe mir jetzt mal die ersten zwanzig Minuten angehört und -gesehen. Ich kann nicht Klavier spielen, ich kann nicht Noten lesen, ich bin Laie und kann nur meinen Eindruck schildern. Aber mir kommt es so vor, als seien es nicht (tausend) Kleinigkeiten, die Barenboim auszusetzen hat, sondern Essenzielles, und dass Barenboim nur eben nicht sagt »das war schlecht«, sondern möglichst höflich bleibt und versucht, Lang Lang nicht bloßzustellen. Aber inhaltlich ist das doch vernichtend. Kann Lang Lang es nicht oder kapiert er es nicht? Wenn Barenboim etwas vorspielt, hört sich die gleiche Stelle danach von Lang Lang manchmal an wie von einem Roboter gespielt.
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

La Roche

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312

Montag, 24. April 2017, 10:27

Oh weh! Pollini ist einer der ganz "Großen" - wer das bestreitet, dem bescheinige ich, dass er schlicht keine Ahnung in Sachen Klavier und Interpretation hat.
du verglichst Lang Lang mit Pollini und hobst die Einlassungen der Kritik hervor, dass Pollinis Aufnahmen unter anderem zu glatt und spannungslos seien.

Entschuldigt bitte, aber wo habe ich verneint, daß Pollini einer der ganz Großen ist, vielleicht sogar der Größte? Bei Chopin ist er das sogar ganz bestimmt! Aber das habe ich nicht bestritten!

Ich hatte mir erlaubt, darauf hinzuweisen, daß Pollini im Alter von etwa 30 Jahren ein Problem in der Interpretation hatte. Also in dem Alter, in dem Lang Lang vor 5 Jahren auch war. An keiner Stelle habe ich behauptet, daß Pollini nicht zur absoluten Weltspitze gehört. Pollini hat sein Tief überwunden, er ist auch bei mir ganz, ganz weit vorn.

Aber auch Lang Lang hat sein Kaspertief überwunden, er entwickelt sich genau wie Pollini in Richtung absolute Spitze. Die Pubertät war bei ihm länger anhaltend, die technischen Fertigkeiten zur Spitze hat er zweifelsfrei. Das ist meine Meinung, und nichts anderes habe ich gesagt. Tut mir leid, wenn ihr meinen Beitrag 302 nicht richtig gelesen habt.

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


William B.A.

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313

Montag, 24. April 2017, 14:02

Zitat

Josep II:„Lang Lang ist einer der führenden lebenden Pianisten, mit dem über jeden Zweifel erhabene und anerkannte Musikerpersönlichkeiten wie Daniel Barenboim, Christoph Eschenbach, Zubin Mehta, Valery Gergiev, Sir Simon Rattle und sogar Nikolaus Harnoncourt zusammengearbeitet haben.“

Zitat

Soll er denn auftreten wie Arthur Rubinstein oder Wilhelm Kempff? So schön die ganzen Vergleiche mit vergangenen Größen auch sind: Heute wird das eben nicht mehr so interpretiert.“

Nach meiner Ansicht gehört Lang Lang keineswegs zu den führenden lebenden Pianisten, auch wenn o. a. Dirigenten mit ihm „zusammengearbeitet“ haben. Über die Zusammenarbeit mit Daniel Barenboim hat Holger ja schon berichtet. Ich habe darüber eine Sendung auf Classica gesehen und das genau so erlebt. Auch über die Zusammenarbeit mit Nikolaus Harnoncourt habe ich einen Film gesehen. Was da am Ende bei den Mozartkonzerten herauskam, und was davon in dem Film gezeigt wurde, war wirklich gut. D. h., er muss sich in diesem mehrtägigen Probenprozess wirklich auf Harnoncourt eingelassen haben und das, was dieser ihm gesagt hat, 1 : 1 umgesetzt haben. Seine Manierismen, soweit ich mich erinnern kann, muss er wohl sehr zurückgehalten haben.

Zu den führenden Pianistinnen und Pianisten zähle ich Grigory Sokolov**, Maurizio Pollini**, Maria Joao Pires*, Mitsuko Uchida**, Elisabeth Leonskaja**, Murray Perahia*, Wladimir Ashkenazy, Martha Argerich, Andras Schiff**, Radu Lupu*, Krystian Zimerman, Rudolf Buchbinder**, Gerhard Oppitz*, Stephen Kovacevic*, Arcadi Volodos**, Bruno Leonardo Gelber**, Ivo Pogorelich, Pjotr Anderszewski* und Jewgeni Kissin (wobei ich mit Sicherheit einige vergessen hab)e.

Zum Zitat II zähle ich folgende Pianistinnen und Pianisten, die sich in ihrem Auftreten Pianisten wie Arthur Rubinstein oder Wilhelm Kempff oder auch Swjatoslaw Richter zu ihrem künstlerischen Vorbild nehmen und genauso ernsthaft das Werk in den Fokus ihres Tuns nehmen wie ihre Vorbilder und nicht sich selbst in den Vordergrund stellen. Werktreue ist auch ihr oberstes Credo, wobei ihnen natürlich Virtuosität auch nicht fremd ist:
Till Fellner (45)**, Yuja Wang (30)**, Alexej Gorlatch (28), Paul Lewis (44)*, Martin Stadtfeld (36)**, Igor Levit (30)*, Boris Giltburg (33)*, Kit Armstrong (25)*, Olga Scheps (31) und Khatia Buniatishvili (30). Auch hier habe ich sicherlich wieder einige vergessen.

Die Pianist/Innen mit ** habe ich mehrfach live im Konzert erlebt, die mit * wenigstens einmal.

Von denen der jüngeren Generation wird sicherlich ein bedeutender Teil später in der oberen Gruppe auftauchen, wenn er in Zukunft alles richtig macht.

Dass Lang Lang (noch) nicht in der unteren Gruppe bei mir auftaucht, hat sicherlich hauptsächlich damit zu tun, dass er bisher nicht alles richtig gemacht hat. Bezeichnend ist eine Rezension zu folgender Blu Ray:



Zitat

Die Blu-Ray dokumentiert die Aufnahmesitzung im Wiener Musikverein für die Einspielung zweier Mozart-Konzerte mit dem leider inzwischen verstorbenen Dirigent Nikolaus Harnoncourt und Lang Lang. Dabei erfährt man viel über Mozart und seine Musik und auch darüber, dass Mozart für Lang Lang lange Zeit ein eher Unbekannter war. Perfekte Umsetzung - auch mit Humor gewürzt. Schade nur, dass es bei Ausschnitten bleibt, perfekt wäre die Blu-Ray, wenn die beiden Konzerte darauf auch zu hören und zu sehen wären. Doch Sony möchte natürlich auch noch eine CD verkaufen. Herausragende Tonqualität!

Ich behaupte, dass für die Pianist/Innen der zweiten Gruppe Mozart schon lange Zeit ein Bekannter war. Wenn Lang Lang sich endlich konsequent dem Werk zuwendet (jung genug wäre er m. E. ja noch) und sich vom Spiegel abwendet, in dem er sich lange genug wohlgefällig betrachtet hat, könnte das m. E. klappen. Mancher bezweifelt das jedoch schon, auch hier im Forum

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Agon

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314

Montag, 24. April 2017, 15:12

Also, der Tatsache, daß Lang Lang mit Harnoncourt für eine CD-Produktion zusammengearbeitet hat, würde ich keine große Bedeutung beimessen. Harnoncourt ist zwar immer seriös und ernsthaft gewesen, er war aber immer auch ein absolutes (Selbst)vermarktungsgenie und hat seinen "Rhetorikstil" ja praktisch wie eine Marke etabliert. Und zusammen mit Lang Lang trafen nun eben zwei Marken aufeinander, und von diesem "Joint-Venture" hat sich Sony offensichtlich einen gewissen globalen Umsatz versprochen.
Ich persönlich halte von Lang Lang gar nichts und würde nicht einen Cent für Ihn ausgeben.
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. (Theodor W. Adorno)

Dr. Holger Kaletha

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  • »Dr. Holger Kaletha« ist männlich

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315

Montag, 24. April 2017, 17:19

Ich hatte mir erlaubt, darauf hinzuweisen, daß Pollini im Alter von etwa 30 Jahren ein Problem in der Interpretation hatte. Also in dem Alter, in dem Lang Lang vor 5 Jahren auch war. An keiner Stelle habe ich behauptet, daß Pollini nicht zur absoluten Weltspitze gehört. Pollini hat sein Tief überwunden, er ist auch bei mir ganz, ganz weit vorn.
Woher hast Du nur diese seltsame Information? :D Mit 30 hat Pollini zwei seiner bedeutendsten Aufnahmen gemacht bei der DGG: Die Chopin-Etüden und Schumann Fantasie op. 17 und Sonate op. 11. Von Krise also keine Spur. Da hat wohl jemand etwas durcheinander gebracht. Nach dem Gewinn des Chopin-Wettbewerbs - also mit 18 Jahren - fühlte Pollini sich nicht künstlerisch reif und schrieb als "Hilferuf" einen Brief an Arturo Benedetti Michelangeli. Daraufhin hat er eine "Auszeit" genommen für mehrere Jahre und bei ABM studiert, bevor er wieder auf der Bildfläche erschien.


Aber auch Lang Lang hat sein Kaspertief überwunden, er entwickelt sich genau wie Pollini in Richtung absolute Spitze. Die Pubertät war bei ihm länger anhaltend, die technischen Fertigkeiten zur Spitze hat er zweifelsfrei. Das ist meine Meinung, und nichts anderes habe ich gesagt. Tut mir leid, wenn ihr meinen Beitrag 302 nicht richtig gelesen habt.
Da sehe ich nun gar keine Parallelen zu Pollini. Im Gegenteil. Das "Kaspertief" hat sich bei Lang Lang immer mehr festgesetzt - die Balladen von Chopin sind ja seine letzte Aufnahme. Und auch was bei Youtube von ihm zu sehen und zu hören ist, überzeugt leider nicht, etwa ein grauenvoll kitschiges Liszt-Konzert. Bei Lang Lang muss man leider konstatieren, dass immer dann, wenn er sich an die "großen" klasisschen Werke wagt, das gehörig schief gegangen ist. Ganz anders Yuja Wang: Eine großartige "Hammerklaviersonate", ihre Kreisleriana ist ebenso beeindruckend, dann gibt es hoch intelligent interpretierte "Symphonische Etüden" und auch mit den kolossalen Pagagini-Variationen von Brahms vermag sie zu überzeugen. Was hat Lang Lang dem entgegenzusetzen? Ich sehe da einfach nichts.

Schöne Grüße
Holger

âme

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316

Dienstag, 25. April 2017, 01:14

Ich finde, dass Lang Lang vergleichsweise sehr fair behandelt wird. Immer wieder ist zu lesen, dass bei ihm die Balance von Detailverliebtheit und Blick auf das große Ganze (noch) nicht stimme. Das ist doch sehr sachlich und es stimmt einfach. Da haben andere ganz andere Dinge einstecken müssen. Nach einem Cyprien-Katsaris-Konzert, das ich hörte, schrieb ein Kritiker, Katsaris zeige sich als postmoderner Spinner und habe sich nun endgültig als seriöser Musiker verabschiedet. Ein Ivo Pogorelich, der stark polarisierte, hat ganz sicher weitaus heftigere Verrisse bekommen.
Ehrlich gesagt lese ich kaum Kritiken von Fachmagazinen, ich könnte jetzt nicht mal sagen wie negativ oder positiv er dort wegkommt (nur so viel dass er in manchen Fernsehshows schon als weltbester Pianist angepriesen wurde). Ich bezog mich mehr auf dieses Forum, wobei ich es sehr gut finde, dass du jetzt auch Beispiele genannt hast bei der sein Spiel durchaus anhörbar ist. Man muss das nämlich alles auch relativieren, ich habe ja selbst geschrieben dass ich ihn nicht zum Kreis der besten Klavierspieler zähle, aber bei manchen Beiträgen könnte man das Gefühl bekommen Lang Lang ist nur ein einziges Klavier-Fake, dessen Niveau irgendwo im durchschnittlichen Amateurbereich anzusiedeln ist...wurde nicht so explizit geschrieben, ich weiß, aber es kommt manchmal indirekt so rüber. Dabei will ich mich hier auch weder pro noch contra Lang Lang ins Zeug hauen (ehrlich gesagt stehe ich ihm eher gleichgültig gegenüber), ich weiß selbst nicht genau wie ich hier reingeraten bin :D Ich mag es nur generell im Leben etwas differenzierter über gewisse Themenbereiche zu urteilen und das kam mir bei manchen Kritiken bislang zu kurz, deswegen schrieb ich auch dass ich das Gefühl habe als wolle man hier ein Gegenpol zum ungerechtfertigten Hype schaffen. Wir sind uns sicher einig, dass da noch vor allem vom Ausdruck her viel Potential nach oben ist aber es ist nicht alles grottenschlecht sonst hat man schon vor lauter "Phobie" die Objektivität verloren. Aber klar, in ein Lang Lang Konzert wollte ich auch nicht mein Eintrittsgeld investieren, aber nicht weil ich es vollkommen unerträglich empfinden würde sondern weil es einige bessere Alternativen (für teils günstigere Preise) gibt.


Zitat von »Dr. Holger Kaletha«

Es gibt übrigens auf Youtube einen Meisterkurs unter Barenboim bei dem Lang Lang eine Beethoven Sonate spielt, bei der Barenboim aber eigentlich gar nicht so viel auszusetzen hat
In diesem Meisterkurs spielt Lang Lang die "Appassionata" vor, und da hat Barenboim ihn wie einen Konservatoriumsschüler vorgeführt. "Ganz nett - aber ich höre da keinen Zusammenhang"! Die Kritik war drastisch und fundamental - und Barenboim demonstriert ihm das am Flügel klein klein.
Ich muss gestehen, ich weiss jetzt nicht mehr wortwörtlich was er gesagt, es ist schon eine Zeit lang her wo ich das gesehen habe und ich habe jetzt auch keine Zeit mir das Ganze noch mal anzuschauen. Aber ich würde da jetzt auch nicht zuviel in diese Kritik hineininterpretieren, da Meisterkurse ja auch dazu da sind die jungen Talente auf noch vorhandene Fehler hinzuweisen, sonst wäre ja das Ganze unnötig. Ich habe da schon Sachen gesehen, da wurden viel drastischere Worte (auch von Barenboim) gewählt. Das Ganze soll ja auch auf der Ebene Lehrer/Schüler ablaufen und ich denke Lang Lang ist da selber kritisch genug um zu wissen, dass er von solchen langerfahrenen Interpreten noch viel lernen kann. Ich hab jetzt nur noch mal kurz nachgeschaut wann das war... es war anscheinend vor 12 Jahren, also da war Lang Lang noch ungefähr in seinen frühen 20ern und von daher würde ich es nicht mal schlimm finden, wenn der erfahrene Interpret ihn wie einen Konservatoriumsschüler behandelt. Soweit ich mich erinnern kann findet er manche Stellen auch schon ziemlich gut, was ja dann natürlich gerne von den Lang Lang Phobikern verschwiegen wird ;) :untertauch: , aber egal ich möchte mich da jetzt eigentlich auch nicht in die Ecke des Lang Lang Befürworters drängen lassen weil das bin ich nicht und außerdem kann ich meist selbst nicht allzu viel mit seinem Spiel anfangen. Ich schreibe ehrlich gesagt lieber für andere Themen hier im Forum :)

gruß
„Eine Erkenntnis von heute kann die Tochter eines Irrtums von gestern sein.” (Marie von Ebner-Eschenbach)

Dr. Holger Kaletha

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317

Dienstag, 25. April 2017, 07:01

aber bei manchen Beiträgen könnte man das Gefühl bekommen Lang Lang ist nur ein einziges Klavier-Fake, dessen Niveau irgendwo im durchschnittlichen Amateurbereich anzusiedeln ist...
Nein, das ist natürlich nicht so. Pianistisch ist Lang Lang schon Extraklasse. Interpretatorisch ist die G-moll-Ballade eine Katastrophe bei ihm, aber rein klaviertechnisch die bekannt heikle Coda schon atemberaubend gespielt. Nur wird sie dadurch musikalisch zum Fake - das ist wirklich Tom und Jerry. Genau das passiert einem "Übervirtuosen" der Vergangenheit wie George Cziffra etwa (der klaviertechnisch dann aber doch noch eine Nummer größer ist als ein Lang Lang) eben niemals. Selbst im Spektakulärsten bleibt Cziffra immer hoch musikalisch. Und Dilettantismus gibt es auch bei Profimusikern, selbst sehr berühmten. Mein Lehrer, der selber Konzertpianist ist, sagt in solchen Fällen immer gerne: "Da geht einer mit der Wünschelrute durch die Partitur!" :D Bei Ivo Pogorelich ist es im Alter sogar so extrem, das man schon meint, er wäre - fast schon tragisch - psychisch krank, leide an Schizofrenie. Aber Pogorelich ist selbstverständlich ein absoluter Ausnahmepianist. Das Pogorelich-Niveau - auch pianistisch - hat ein Lang Lang letztlich auch nicht.


. Ich habe da schon Sachen gesehen, da wurden viel drastischere Worte (auch von Barenboim) gewählt. Das Ganze soll ja auch auf der Ebene Lehrer/Schüler ablaufen und ich denke Lang Lang ist da selber kritisch genug um zu wissen, dass er von solchen langerfahrenen Interpreten noch viel lernen kann. Ich hab jetzt nur noch mal kurz nachgeschaut wann das war... es war anscheinend vor 12 Jahren, also da war Lang Lang noch ungefähr in seinen frühen 20ern und von daher würde ich es nicht mal schlimm finden, wenn der erfahrene Interpret ihn wie einen Konservatoriumsschüler behandelt.
Die Tatsache finde ich ja auch an sich sehr positiv. Barenboim demonstriert ihm z.B. bei der "Appassionata" die harmonischen Entwicklungen. Barenboim: "Bei Dir gibt es ein Loch, das kann der Hörer so nicht mehr nachvollziehen!" Nur was passiert: Nachher, im Wiener Konzert, spielt Lang Lang eben diese Appassionata und op. 2 Nr. 3 und macht exakt dieselben Fehler, die ihm Barenboim zuvor hat mit viel Mühe austreiben wollen. Da kann man dann nicht mehr anders als sagen: Hier gibt es eine Grenze intellektuell und als Musiker, die Lang Lang offenbar nicht überschreiten kann.

Und zum Interpretationsstil: Lang Lang neigt zur Bildhaftigkeit, dazu, jeden musikalischen Moment als "Sensation" zu präsentieren. Diese Art, Musik im Vortrag durch gewisse Übertreibung zu verlebendigen, nennt man den "rhetorischen" Interpretationsstil. Ganz sachlich kann man sich nun einen berühmten Vertreter dieser Vortragsart herausnehmen und mit Lang Lang vergleichen. Das ist etwa Samson Francois. Francois übertreibt auch, aber anders als bei Lang Lang geht eben nicht der musikalische Zusammenhang dabei verloren. Samson Francois ist und bleibt deshalb ein sehr bedeutender Chopin-Interpret - seine Mazurken z.B. sind zwar sehr anders als etwa Rubinsten, aber einfach toll. :hello:

Schöne Grüße
Holger

Glockenton

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318

Dienstag, 25. April 2017, 11:34

Lang Lang neigt zur Bildhaftigkeit, dazu, jeden musikalischen Moment als "Sensation" zu präsentieren.
Sehr treffend formuliert, lieber Holger! Isoliert betrachtet hat er sogar bei den einzelnen Stellen jeweils auf eine Weise recht, aber in größeren Zusammenhängen dann wieder sehr unrecht. Es ist, als wenn ein Kind durch einen fantastisch angelegten Garten geht, und seine Eltern auf jede einzelne Blüte aufmerksam macht, den Garten aber in seiner ganzen Größe und Gesamtheit nicht erkennt und anschließend auf einer manuell durchaus sehr gekonnten Zeichnung trotzdem nicht wiedergeben könnte.
Den Sinn für die Wirkung musikalischer Effekte und dergleichen hat er schon, d.h. er ist schon musikalisch reich beschenkt, aber er hat in diesem Meer an Eindrücken, Ereignissen und Gefühlen einfach nicht den Überblick.
Er hat einfach versäumt, seinen Geschmack zu entwickeln.


Diese Art, Musik im Vortrag durch gewisse Übertreibung zu verlebendigen, nennt man den "rhetorischen" Interpretationsstil.
....wobei ich hier zwischen der durch Mattheson beschriebenen und von Harnoncourt wieder aufgegriffenen barocken Klangrede und dem Heischen nach akustischen Sensationen im Lang Lang-Stil schon einen fundamentalen Unterschied definieren möchte. Lang Lang geht und ging es wohl kaum um die Erkenntnisse eines Mattheson (das Buch ist nicht gerade leicht zu lesen und ob es das auf Chinesisch gibt, bezweifle ich freimütig).

Während ich schreibe, läuft bei mir über Spotify übrigens diese Lang Lang / Harnoncourt-Aufnahme. Müsste ich mir eine CD mit ihm kaufen, dann wäre es definitiv diese, allerdings nur wegen des Klavierkonzerts. Es ist orchesterseitig schon richtig gut, sehr viele wunderbare Zwischentöne, woran man sieht, dass Klangrede nicht automatisch "forcieren" heißt. Hier wurde einfach wunderbar Musik gemacht. Der Pianist stört nicht, spielt sehr anständig (!) und wirkt eher wie eines der vielen Orchesterinstrumente. Vielleicht soll es ja auch so sein...
Allerdings dieses Treffen von Interpretationsgiganten auf Augenhöhe, das ist es eben gerade nicht. Vor allem wenn man die Gulda/Harnoncourt-Aufnahmen kennt, dann spürt man das. Aber es ist wirklich schön und gefällt mir auch. So gut wie in dieser Zusammenarbeit habe ich ihn noch nicht gehört. Man kann dieses Klavierkonzert mit Genuß hören und einfach nur Mozart erleben.
Hätte Lang Lang nur etwas auf dem Niveau wie hier "unter Harnoncourt" abgeliefert, dann hätten wir diesen Diskussion hier nicht.

Vor zwei Tagen spielten sie im Klassik-Radio ( !) auf NRK diese Musik hier:



Ich weiß nicht, ob es jemand von Euch schafft, sich das bis zum Ende anzuhören. Nur wegen dieses Threads habe ich es dann beim Fahren getan, d.h. ich habe für Tamino richtig gelitten... ;)

Man könnte es unter der Überschrift "Vollendet eitle Geschmacklosigkeit" zusammenfassen. Lang Lang muss ein paar klassisch inspirierte virtuose Licks loslassen um seine Marke abzugeben. Insgesamt ist es eine misslungene Popmusik (es gibt auch guten contemporay Pop, aber die Pianisten/Keyboarder aus dieser Ecke würden darüber nur die Nase rümpfen) und ein Etikettenschwindel im Hinblick auf die Klassik, mit der es eben nichts zu tun hat.
Harmonisch und motivisch ist es auf jene Motive und Wendungen reduziert, die man in jedem Telenor/Telekom und sonstwie-Werbespot des Jahres 2017 so hört. Ganze Horden von mäßig begabten klavierhämmernden Mädels dudeln das mit verkrampften Brutalanschlag auf Schulklavieren unserer westlichen Welt. Auch Lang Lang wird hier im Forte hart und erzeugt einen häßlichen Ton.
Dass er überhaupt eine derart dämliche Musik macht und vermarktet, diskreditiert ihn für mich jedenfalls sehr. Es hat nichts mit gutem Klavierspiel im Genre Pop oder Rock zu tun.
Gutes Pop&Rock-Piano wie es etwa ein Greg Philinganes, ein David Paich oder in Deutschland auch ein Dieter Falk vorführt, kann er nicht.
Weder stilistisch noch harmonisch hat er davon einen blassen Schimmer.
Er macht eine virtuose Beeindrucker-Action, anstatt im mittleren Bereich der Klaviatur mit guten Patterns und effektiven Voicings einen tragenden Groove spielen zu können. Ich weiß eigentlich nicht, ob ich diese Pop-Versuche (verklassikter Pop) oder seine Klassik-Verpoppungen schlimmer finden soll. Er scheitert in beiden Genres grandios und versauert einem sowohl die Klassik als auch den Pop.
Dass es derselbe Pianist sein soll, der durchaus schön und anständig mit Harnoncourt und den Wiener Philharmonikern eine gute Aufnahme gemacht hat, kann man sich kaum vorstellen, wenn man das gehört hat.

Dass es jedoch derselbe Pianist ist, der eine Tom&Jerry-Version von Alla Turca im TV zum Besten gibt, dass würde ich per sofort glauben, wenn ich es nicht wüsste.

Gruß
Glockenton

timmiju

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319

Dienstag, 25. April 2017, 12:14

Folgende Mail der Berliner Staatsoper erreichte mich vor wenigen Tagen:
Der russische Pianist Denis Kozhukhin hat sich dankenswerterweise bereit erklärt, beim VIII. Abonnementkonzert der Staatskapelle Berlin am 5. und 6. Juni für Lang Lang als Solist bei Sergej Rachmaninows 1. Klavierkonzert einzuspringen. Bedauerlicherweise kann Lang Lang aus gesundheitlichen Gründen bis Ende Juni keine Konzerttermine wahrnehmen: »Lang Lang bedauert, mitteilen zu müssen, dass er sich auf Grund einer Entzündung seines linken Arms gezwungen sieht, alle Konzerte bis Ende Juni abzusagen. Auf Anraten seiner Ärzte wird er in dieser Zeit seinen Arm weitestgehend schonen, um vollkommen genesen zu können«, so das offizielle Statement seiner Agentur. Das Konzertprogramm unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim bleibt unverändert: Neben Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 1 fis-Moll op. 1, Debussys »Trois Nocturnes« und Ravels »Boléro« wird es eine Uraufführung mit Harrison Birtwistles »Deep Time« geben.
Schade, denn ich wäre hingegangen, trotz der vielen Häme, die es hier über ihn gibt. Ich teile im großen und ganzen die kritischen Äußerungen. Technisch ist er Weltklasse, musikalisch fehlt ihm dazu viel. Er hat einen leichten perlenden Anschlag, den kann er nicht ablegen, auch da wo es nötig wäre. Er ist kein Talent mehr, sondern schon etabliert. Ändern wird er sich wenig oder nicht. Aber ich hätte ihn gerne einmal live erlebt, vielleicht um das in natura bestätigt zu bekommen.
:hello:
Wenn schon nicht HIP, dann wenigstens TOP

Stimmenliebhaber

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320

Dienstag, 25. April 2017, 12:42

Technisch ist er Weltklasse, musikalisch fehlt ihm dazu viel.

Mag sein! Ich finde es trotzdem hoch erstaunlich, dass sich ein bestimmter User (nein, ich meine nicht dich, aber ich habe in den letzten Tagen durch Zitation ja wieder das eine oder andere gelesen...), der in Regiefragen immer auf der Seite der Regisseure steht und jede noch so schräge Inszenierung als künstlerische Freiheit des Regisseurs verteidigt, seit Jahren auf diesen Pianisten eingeschossen hat und seine künstlerischen Interpretationen als wertlos anprangert. Bei Pianisten scheint im Gegensatz zu Regisseuren die völlige künstlerische Freiheit des interpreten nicht zu gelten, da scheint es höhere Maßstäbe zu geben, die es so in Regiefragen aber offenbar nicht gibt...
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

Bertarido

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321

Dienstag, 25. April 2017, 13:29

Ich finde es trotzdem hoch erstaunlich, dass sich ein bestimmter User (nein, ich meine nicht dich, aber ich habe in den letzten Tagen durch Zitation ja wieder das eine oder andere gelesen...), der in Regiefragen immer auf der Seite der Regisseure steht und jede noch so schräge Inszenierung als künstlerische Freiheit des Regisseurs verteidigt, seit Jahren auf diesen Pianisten eingeschossen hat und seine künstlerischen Interpretationen als wertlos anprangert. Bei Pianisten scheint im Gegensatz zu Regisseuren die völlige künstlerische Freiheit des interpreten nicht zu gelten, da scheint es höhere Maßstäbe zu geben, die es so in Regiefragen aber offenbar nicht gibt...

Was für ein Unsinn! Auch wenn ich hier nicht gemeint bin, sondern Holger: Die künstlerische Freiheit zu verteidigen heißt doch nicht, jeden Bewertungsmaßstab aufzugeben. Man kann die Legitimität von auch extremen Interpretationen - ob im Klavierspiel oder im Theater - grundsätzlich verteidigen und im Einzelfall dann sehr wohl bewerten, ob es eine gute oder schlechte Interpretation ist.

La Roche

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322

Dienstag, 25. April 2017, 13:34

Woher hast Du nur diese seltsame Information?

Wikipedia.

La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


Dr. Holger Kaletha

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323

Dienstag, 25. April 2017, 19:27

Es ist, als wenn ein Kind durch einen fantastisch angelegten Garten geht, und seine Eltern auf jede einzelne Blüte aufmerksam macht, den Garten aber in seiner ganzen Größe und Gesamtheit nicht erkennt und anschließend auf einer manuell durchaus sehr gekonnten Zeichnung trotzdem nicht wiedergeben könnte.
Den Sinn für die Wirkung musikalischer Effekte und dergleichen hat er schon, d.h. er ist schon musikalisch reich beschenkt, aber er hat in diesem Meer an Eindrücken, Ereignissen und Gefühlen einfach nicht den Überblick.
Er hat einfach versäumt, seinen Geschmack zu entwickeln.
Besser kann man das nicht ausdrücken, lieber Glockenton! :thumbsup:


Ich finde es trotzdem hoch erstaunlich, dass sich ein bestimmter User (nein, ich meine nicht dich, aber ich habe in den letzten Tagen durch Zitation ja wieder das eine oder andere gelesen...), der in Regiefragen immer auf der Seite der Regisseure steht und jede noch so schräge Inszenierung als künstlerische Freiheit des Regisseurs verteidigt, seit Jahren auf diesen Pianisten eingeschossen hat und seine künstlerischen Interpretationen als wertlos anprangert.
Das schreibt jemand, bei dem ich auf der Ignorierliste stehe, der also keinen einzigen meiner Beiträge liest! Er scheint also einen Draht zum lieben Gott zu haben, der ihm einflüstert, was ich so schreibe. Nein - ich muss mich korrigieren - es ist eher Mephisto. Denn das ist der Geist, der alles verneint bzw. verdreht... :D

Wer meine Beiträge liest, der weiß, dass ich grundsätzlich nur Inszenierungen beurteile, die ich auch gesehen/gehört habe. Wer allerdings glaubt, die "Institution" Regietheater in Bausch und Bogen verdammen zu dürfen, der muss sich gefallen lassen, dass er darauf aufgemerksam gemacht wird, dass auch sie ihre ästhetische Berechtigung hat. Darüber hinaus (ich zitiere es zum x-ten Mal) gilt das Wort von Marcel Reich-Ranicki: Es gibt gutes und schlechtes Regietheater. Nur können und wollen sich das RT-Hasser einfach nicht merken. Die kennen nur Schwarz-Weiß - Huldigung oder Verdammnis. Das ist aber nichts als eitle Foren-Komödie.

Ich glaube, meine Beiträge über Lang Lang sind sehr überschaubar. Über Pollini habe ich in dem Zeitraum wohl drei- oder viermal soviel geschrieben (darunter auch etliche kritische Beiträge übrigens). Das nur zum Stichwort "eingeschossen". Und wer sowieso keine Klaviermusik hört wie Stimmenliebhaber (oder fast keine), der sollte auch nicht als Apologet auftreten eines Repertoires, das ihn sowieso nicht interessiert. Über den "Wert" von Interpretationen rede ich überhaupt nicht. Ich beurteile Stärken und Schwächen, ob eine interpretatorische Leistung gelungen oder mißlungen ist in Teilaspekten oder im Ganzen. Auch eine mißlungene Interpretation kann durchaus ihren "Wert" haben (bei Glenn Gould z.B.). Das Thema ist also weitaus komplexer, als in dieser einfältigen Foren-Schwätzer-Art "verunstaltet" zu werden (das war jetzt Ironie) :D .


Bei Pianisten scheint im Gegensatz zu Regisseuren die völlige künstlerische Freiheit des interpreten nicht zu gelten, da scheint es höhere Maßstäbe zu geben, die es so in Regiefragen aber offenbar nicht gibt...
Die implizite Unterstellung ist, dass "Librettotreue" der einzig gültige höhere Maßstab ist...


Wikipedia
Da steht aber nix von einer Pollini-Krise mit 30. :D

Schöne Grüße
Holger

Dr. Holger Kaletha

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324

Mittwoch, 26. April 2017, 06:56

Beitrag von 2007 - 10 Jahre alt. Da braucht man nur die Entsprechungen von Glockenton und meine daneben zu setzen, dann ist der Sinn ungefähr derselbe (es gibt noch unzählige andere Kritiken mit nahezu identisch Gesagtem) :D
Habe beim Stöbern (Vorbereiten macht grad keinen Spaß mehr :angel: ) einen lange Lang Lang Altikel aus del Zeit gefunden :D

"Ach, die Gefühle!
Der chinesische Wunderpianist Lang Lang hat eine neue CD vorgelegt und tourt durch Deutschland. Verzweifelt versucht er, nicht nur brillant, sondern auch geistreich zu spielen. Von Claus Spahn

Die Lieblingsanekdote des Pianisten Lang Lang geht so: Als er zwei Jahre alt war, habe er im chinesischen Fernsehen die Zeichentrickfiguren Tom & Jerry gesehen, die auf dem Klavier die Ungarische Rhapsodie Nr. 2 von Franz Liszt spielten. Dies sei der erste Kontakt mit westlicher klassischer Musik gewesen, an den er sich erinnern könne – eine Art musikalisches Urerlebnis. In seinem neuen Soloprogramm (mit dem er seit dem letzten Wochenende auf Tournee ist) spielt Lang Lang nun die Liszt-Rhapsodie selbst. Er gibt sie als Rausschmeißer vor den Zugaben, und man hat in seiner Version die Zeichentrickfiguren genau vor Augen: wie die Maus Jerry im rasanten Schlussteil als Strich hin und her flitzt und skurril auf der Klaviatur tanzt, wie Kater Tom plötzlich Knoten in den Fingern hat und die Tasten sich selbstständig machen. Einmal schaut Lang Lang mit schreckensgeweiteten Kater-Tom-Augen auf seine Hände, als fürchte er, was seine übermütigen Jerry-Finger wohl als Nächstes anstellen. Das ist die beste Pointe des Abends, weil der Klavierstar zwar die Virtuosennummer abliefert, die jeder von ihm erwartet, sie aber gleichzeitig ins Selbstparodistische kippen lässt.
Lang Lang setzt seine technische Brillanz nicht respektheischend ein, sondern er präsentiert sie als Witz, als schräge Laune, als etwas, das, auf die Spitze getrieben, zum Lachen reizt. Es scheint, als beginne das ehemalige chinesische Klavierwunderkind, das inzwischen 23 Jahre alt ist, seinen Virtuosenstolz zu ironisieren. Lang Lang gibt zwar noch die Rolle des allseits bewunderten Fingerartisten – und reißt damit die Zuhörer beim Tourneeauftakt in Hannover selbstverständlich von den Sitzen –, aber sie genügt ihm nicht mehr. Er will beweisen, dass er auch ein geistreicher Musiker ist.
Deshalb hat er ins Zentrum seines neuen Programms (und seiner neuen CD) die Kinderszenen von Robert Schumann gerückt. Sie sind für die Hände leicht, aber gehören gedanklich zum Anspruchsvollsten, das man sich vornehmen kann. Schumann hat sie bewusst gegen den Konzertsaal als Zirkuskuppel komponiert – verschwiegene, traumschöne, hoch empfindliche Miniaturen. »Du wirst dich daran erfreuen«, schreibt er in einem Brief an Clara Wieck, »musst dich aber als Virtuosin vergessen.« Die Kinderszenen handeln von imaginierter Kindlichkeit. Stücktitel wie Von fremden Ländern und Meeren oder Am Kamin sind nicht anekdotisch gemeint, sondern stehen für Ideen aus der romantischen Welt des nicht mehr Sagbaren. Sie sind »Rückspiegelungen eines Älteren für Ältere« (Schumann). Und für den Interpreten gilt Alfred Brendels Diktum: Wer sich an die Kinderszenen wagt, muss ein erwachsener Künstler sein.
An diesem Anspruch scheitert Lang Lang kläglich. Er führt die Stücke als Spielzeug vor, reitet den Ritter vom Steckenpferd im Konzert wie ein aggressives Kleinkind zugrunde, staunt schmachtend die berühmte Träumerei an und lässt den Haschemann als blechernes Geschwindigkeitsmonster abschnurren. Lang Lang stürzt sich in die Verausgabung der Gefühle, wo Konzentration und lyrischer Feinsinn geboten sind. Er sucht von Satz zu Satz nach effektvollen Kontrasten, wo Schumann den übergeordneten Zusammenhang im Kopf hatte und den Zyklus gleichsam als Thema mit Variationen komponierte. Die ergreifende Schlussansprache Der Dichter spricht, in der der Komponist das Poetische gleichsam zu sich selbst kommen lässt, zerfällt unter seinen Händen in geraunte Akkorde und zusammenhanglos versonnene Tonfolgen.
Ach, die Gefühle. Lang Lang versucht sie auch bei Mozart und Chopin in jeder Phrase inbrünstig hervorzukehren. Mit der unbedingten Bereitschaft, sein Herz auf den Tisch des Hauses zu legen, lässt er sich von ihnen treiben wie eine Nussschale auf hoher See. Und jede Nuance findet ihren Ausdruck in einer Pose: Wenn es ernst und pathetisch wird, geht er ins Hohlkreuz und legt das Kinn auf die Brust, die zarten Kantilenen leitet er mit einem Augenaufschlag zur Saaldecke ein.
Nur: So aufregend klingt sein Mozart gar nicht. Glatt und fast ein bisschen seifig gibt er die C-Dur-Sonate KV 330 – mit Ausnahme des ruhig und kantabel ausgespielten langsamen Satzes. Lang Langs Mozart flutscht. Und das c-moll- Klavierkonzert, das er vergangene Woche mit dem Deutschen Symphonieorchester unter Kent Nagano in der Berliner Philharmonie spielte, geriet ihm zu einer Sammlung überpointiert gedrechselter Einzelstellen, manieriert und am Geist des Stücks schwer vorbei: Wenig war da zu hören von der Seelendüsternis und den schwankenden Stimmungen, die Mozart in diesem Konzert zu erkennen gibt. Lang Lang überstrahlt alles mit seinem Sonnengemüt. Immerzu will er die Zuhörer vom Reichtum seiner Ausdrucksmöglichkeiten überzeugen. Noch die unscheinbarste Begleitfigur spielt er mit der Geste: Hört her, hier ist meine Stimme zwar gar nicht wichtig, aber ich kann sie mit viel Gefühl phrasieren. Lang Lang will nicht nur ein Virtuose der Tasten, sondern auch der Empfindungen sein. Aber er vergisst, dass musikalischer Ausdruck nicht wie ein Tom-&-Jerry-Comic funktioniert."

Claus Spahn = :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


:hello:
Stefan

Mme. Cortese

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325

Mittwoch, 26. April 2017, 08:32

Und wer sowieso keine Klaviermusik hört wie Stimmenliebhaber (oder fast keine), der sollte auch nicht als Apologet auftreten eines Repertoires, das ihn sowieso nicht interessiert.

Na ja, dafür bist ja wenigstens du der große Opernexperte! :D
Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

La Roche

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Mittwoch, 26. April 2017, 10:16

Obwohl er von der Fachkritik in technischer Hinsicht häufig als weltweit konkurrenzlos eingestuft wurde, galten seine Interpretationen in der Zeit teilweise als zu glatt und spannungslos.

Lieber Dr. Kaletha, dieser Satz steht so in Wikipedia, wobei natürlich nicht alles zu glauben ist, was da steht. Bezogen wird sich auf die Zeit Ende der 60-er Jahre. Ich glaube aber schon, daß derartige Artikel in Wikipedia nicht von Amateuren und Dilettanten geschrieben werden.

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


operus

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327

Mittwoch, 26. April 2017, 10:16

Wer meine Beiträge liest, der weiß, dass ich grundsätzlich nur Inszenierungen beurteile, die ich auch gesehen/gehört habe. Wer allerdings glaubt, die "Institution" Regietheater in Bausch und Bogen verdammen zu dürfen, der muss sich gefallen lassen, dass er darauf aufgemerksam gemacht wird, dass auch sie ihre ästhetische Berechtigung hat. Darüber hinaus (ich zitiere es zum x-ten Mal) gilt das Wort von Marcel Reich-Ranicki: Es gibt gutes und schlechtes Regietheater. Nur können und wollen sich das RT-Hasser einfach nicht merken. Die kennen nur Schwarz-Weiß - Huldigung oder Verdammnis. Das ist aber nichts als eitle Foren-Komödie.

Ich halte es für eine Selbstverständlichkeit, dass nur Urteile über eine Inszenierung abgegeben werden, die man gesehen und gehört hat. Besser als es Reich-Ranicki auf den Punkt bringt, kann man eine vernünftige Haltung zum Regietheater kaum ausdrücken. Auch ich habe bereits X-mal hier im Forum meine Meinung geäußert, dass es nicht um Regietheater versus traditioneller Stil geht. Es geht um gelungen oder nicht gelungen, um gute oder schlechte Inszenierung. Allerdings scheint es mir schwieriger zu sein, historische Stoffe überzeugend zeitgemäß in Szene zu setzen und es gibt auch moralische und ästhetische Grenzen, die meines Erachtens nicht überschritten werden dürfen.
Lang Lang ist ein typisches Kind unserer Zeit: Technisch herausragend, leider aber zu vordergründig auf Effekt und Publicity getrimmt. Hier haben auch die Medien und seine Vermarkter großen Anteil. Ob er aus dieser Spirale der persönlichen und medialen "Überhitzung" wieder herausfindet, wage ich zu bezweifeln, die Erfolgsbestätigungen und das Salär seines momentanen künstlerischen Verhaltens sind für eine Besinnung und Konzentration auf mehr Tiefgang wohl doch zu stark. Schade, denn eines dürfte klar sein, dass dieser Pianist in Technik und Virtuosität nahezu einmalige Fähigkeiten hat. Dagegen haben es Pianisten wie der ungemein selbstkritische Swjatoslaw Richter oder gar der stille Meister Gerhard Oppitz schwer, ihr pianistisches Können aufmerksamkeitsstark zu präsentieren und öffentlichkeits- und medienwirksam in Szene zu setzen. Wenn ich Gelegenheit habe, besuche ich dennoch Konzerte von Lang Lang. Wenn ich ihn sehen und live erleben kann, bin ich eigentlich immer angetan. Dagegen lassen mich seine Aufnahmen ohne die Glorifizierung des Stars und die besondere oft hochgepuschte Atmosphäre im Konzertsaal meistens kalt. Was zählt mehr, der Glamour des Stars oder das ständige Ringen um tiefe Durchdringung des Werks?

Herzlichst
Operus
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

William B.A.

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328

Mittwoch, 26. April 2017, 11:51

Du sprachst von Gerhard Oppitz, den du sicherlich schon oft im Konzert erlebt hast. Ich habe ihn zweimal im Konzert erlebt. Er macht es durch seine Art, sich ohne jegliche Manierismen der Musik zu widmen und werktreu, dabei m. E. auf höchstem Niveau zu spielen, dem Zuhörer leicht, sich ganz auf das Werk zu konzentrieren. Ich habe, wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht, bisher alle seine Aufnhamen in den Beethoventhreads besprochen, und meine Meinung war stets, dass es sehr gute, teilweise überragende Interpretationen waren. Ich freue mich jetzt schon auf seine Interpretation der Hammerklavier-Sonate, denn ich habe schon mehrere Meinungen gelesen, die sie für eine Referenz gehalten haben. Lang Lang sollte vielleicht mal solche Recitals besuchen wie die von Gerhard Oppitz, dann könnte er eine Menge über Werktreue lernen.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Accuphan

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Mittwoch, 26. April 2017, 12:15

...Lang Lang [...], mit dem über jeden Zweifel erhabene und anerkannte Musikerpersönlichkeiten wie Daniel Barenboim, Christoph Eschenbach, Zubin Mehta, Valery Gergiev, Sir Simon Rattle und sogar Nikolaus Harnoncourt zusammengearbeitet haben. Die Wiener Philharmoniker spielen nicht mit einem "Wald-und-Wiesen-Pianisten". Kommerz hin oder her: Es ist schon was dran an Lang Lang. Ein hochgepuschter Dilettant hält sich nicht über ein Jahrzehnt an der Weltspitze. Glaubt hier jemand ernsthaft, ausgerechnet der alte Harnoncourt hätte am Ende seines langen Lebens mit einem Clown (genauso wird er in diesem Thread ja teilweise hingestellt) zusammengewirkt und sein künstlerisches Erbe beschädigt? Das hatte dieser Mann nun wirklich nicht nötig.

Einerseits denke ich manchmal das gleiche, andererseits kann ich mir Mechanismen und Mächte im Hintergrund vorstellen, Einfluss der Plattenfirmen, Produzenten, Managements (Künstler, Konzerthäuser etc.) u.a., die möglicherweise für Konstellationen sorgen, die nicht mehr (nur) die künstlerischen Vorstellungen der Dirigenten berücksichtigen, sondern die Besetzungen nach Macht, Markt und Marke entscheiden. Es gibt immer wieder Konzerte, auch Aufnahmen, bei denen ich mich frage, warum um alles in der Welt dieser Dirigent mit diesem Sänger, dieser Sängerin, diesem Musiker/ Instrumentalisten etc. zusammenarbeitet. Bernstein und CARRERAS?!?! Bitte, nie im Leben hat der den selbst für die West Side Story engagiert, das kann nicht sein. Wie oft sieht man Solisten, die schlicht schlecht singen - und wundert sich, warum solche Leute gewisse Engagements bekommen. Das KANN einfach nicht an künstlerischen Niveau liegen...
So zumindest kann ich mir versuchen vorzustellen, was sich "hinter den Kulissen" abspielen mag. :rolleyes: :hello:
"mit Bravour"

Stimmenliebhaber

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330

Mittwoch, 26. April 2017, 13:48

Lang Lang sollte vielleicht mal solche Recitals besuchen wie die von Gerhard Oppitz, dann könnte er eine Menge über Werktreue lernen.

"Werktreue"? Dieser in der Opernregiewelt mittlerweile so verpöhnte Begriff? :D
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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