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  • »Holger Sambale« ist männlich

Beiträge: 527

Registrierungsdatum: 4. September 2006

31

Freitag, 22. Juni 2007, 08:58

Hallo,

ein paar Bemerkungen: bei der von Khampan erwähnten Ullmann-Sinfonie handelt es sich um die Zweite Sinfonie. Bemerkenswerterweise verbindet Ullmann in der die Variationen über ein hebräisches Thema beendenden Fuge das jüdische Thema mit dem B-A-C-H-Motiv, einem protestantischen Choral und dem bekannten Hussitenlied - was vom Booklet als Vision einer besseren Welt interpretiert wird, was mir nicht völlig abwegig erscheint. Man sollte erwähnen, dass Ullmann diese Sinfonien selbst nicht vollständig realisieren konnte - es handelt sich bei den beiden Sinfonien um Orchesterversionen der Klaviersonaten Nr.5 und 7, die im KZ entstanden sind. Ullmann plante offenbar, die Sonaten zu Sinfonien umzuarbeiten und versah sie mit Instrumentationshinweisen. Bernhard Wulff hat diese umgesetzt. Das gleiche gilt übrigens für "Don Quixote tanzt Fandango", ebenfalls im KZ komponiert und nur als Particell überliefert. Khampan bezieht sich oben auf diese CD:



Der jüdische Einfluss in Bruchs und Mendelssohns Violinkonzerten ist mir dagegen bislang verborgen geblieben. Wie Michael schon erwähnt hat, schlägt sich der Einfluss jüdischer Musik vielmehr im (sehr schönen) Kol Nidrei nieder. Aber im Violinkonzert?

Mit Ernest Bloch müsste ich mich mal intensiver beschäftigen, ich kenne ein paar Werke von ihm, aber längst nicht genug dafür, dass ein echter Überblick gewährleistet ist. Die Israel-Sinfonie z.B. kenne ich nicht. Aber ich meine gelesen zu haben, dass Bloch die Idee einer jüdischen Musik besonders in jener (mittleren) Schaffenperiode, in der diese Sinfonie und auch Schelomo entstanden, forciert hat. In der Posaunensinfonie, einem Werk aus den 1950ern, erscheint mir der jüdische Einfluss jedenfalls längst nicht so dominant wie in Schelomo. Michaels Hinweis auf "Voice in the Wilderness" schließe ich mich unbedingt an, ein herrliches Werk, das leider (was die öffentliche Wahrnehmung betrifft) von Schelomo in den Schatten gedrängt wird (allerdings ist Schelomo schon zu Recht relativ beliebt!). Das knapp halbstündige Werk ist als Sinfonische Dichtung für Violoncello und Orchester bezeichnet, es besteht aus sechs kürzeren Abschnitten, in denen unterschiedlichste Stimmungslagen präsentiert werden - das Spektrum reicht von Bitterkeit und Trotz bis hin zu Freude und dem ätherisch verhauchenden, friedlichen Schluss. Voice in the Wilderness entstand im Jahre 1936 in der Schweiz, was die Wahl des Sujets und des illustrativen Titels erläutern mag.

Zum Thema Jüdischer Einfluss in Orchesterwerken fällt mir noch Mieczyslaw Weinberg ein - ein polnischer Jude, der 1939 in die Sowjetunion emigrierte und dort bis zu seinem Tode 1996 blieb. Er war ein guter Bekannter Schostakowitschs. In seinen Werken findet man immer wieder jüdische Anklänge. Ein besonders offensichtliches Beispiel ist seine Sinfonietta Nr.1 d-moll op.41, komponiert 1948 - ein wirkungsvolles, gut gemachtes Werk voller Bezüge zur jüdischen Musik. Bei Chandos veröffentlicht:



Die Angabe von jpc, auf dieser CD seien die Sinfonien Nr.1 und 5 enthalten, ist Unfug, es handelt sich um die Sinfonietta Nr.1 und die Sinfonie Nr.5.

Suks Asrael-Sinfonie finde ich übrigens sehr erschütternd, auch wenn sie in der Tat nichts mit diesem Thema zu tun hat.

Viele Grüße
Holger

Edwin Baumgartner

Prägender Forenuser

  • »Edwin Baumgartner« ist männlich

Beiträge: 5 599

Registrierungsdatum: 17. Dezember 2005

32

Freitag, 22. Juni 2007, 10:22

Zitat

Original von Michael Schlechtriem

Zitat

Allerdings finde ich die späten Werke Blochs etwas plakativ.

Hallo Edwin,
dazu gehört, so denke ich, das "Concerto Symphonique" für Klavier und Orchester.
Das ist beileibe keine schlechte Musik, aber für meinen Geschmack ein wenig :D zu bombastisch.

Allerdings gibt es noch früheren Bloch, der m.e. bemerkenswert ist:
Dazu gehört unbedingt die "Israel" Sinfonie von 1916.
Ich bezweifle leider sehr, daß diese für mich sehr überzeugende Sinfonie im Moment auf CD erhältlich ist.
Schade. :(

Aber auch sein zweites Werk für Cello und Orchester "Voice in the Wilderness" von 1936 braucht sich hinter "Schelomo" nicht unbedingt zu verstecken.
Dann gibt es noch "Baal Schem" für Violine und Klavier (später auch Orchester) sowie "Avodath Hakodesch" für Bariton, Chor und Orchester.

Bei Blochs späten Werken nach dem zweiten Weltkrieg gibt es allerdings auch eine neoklassizistische Tendenz, wie in seinen Concerti Grossi.
Hallo Flotan,

Zitat

... und natürlich das grandiose "Schelomo" von Bloch für Cello und (Riesen)orchester. Unbedingt empfehlenswert

ganz klar!
Wer macht mal einen schönen Ernest Bloch Thread auf?
Verdient hat dieser Komponist diesen sicherlich!

LG,
Michael


Hallo Michael,
Ja, das "Concerto Symphonique" klang mir im Ohr, als ich den Satz schrieb.
Die "Israel"-Symphonie halte ich für ein Meisterwerk, in sie scheint doch viel Herzblut hineingeflossen zu sein - und doch ist die Struktur überschaubar. Herrlich! (Im Unterschied zur "America"-Symphonie, die für mich wieder arg plakativ ist.) Und das "Avodat" ist ohnedies über jeden Zweifel erhaben.

:hello:
...