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klingsor

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1

Montag, 22. Januar 2007, 16:33

Eigenes

nachdem ich aus dem forum einen erfreulichen zuspruch für mein buchprojekt erhalten habe, über den ich mich SEHR gefreut habe, möchte ich nun in loser folge einige gedichte von mir einstellen. über kritik und reaktionen würde ich mich freuen.

aus rechtlicher sicht möchte ich der guten ordnung halber darauf hinweisen, daß die copyrights der hier veröffentlichten werke bei mir liegen und jegliche verwendung und nutzung der jeweiligen texte - ob in gänze oder auch nur in auszügen - außerhalb dieses forums verboten ist und nur nach meiner ausdrücklichen schriftlichen erlaubnis im einzelfall gestattet werden kann.

so, nach dieser leider notwendigen 'rechtssache' hoffentlich viel spaß und anregung.

:hello:
--- alles ein traum? ---

klingsor

klingsor

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2

Montag, 22. Januar 2007, 16:35

I

Anrufung

Ich rufe Dich zu mir,
greife in die Tollkirschnacht

Ich rufe Dich, Totes, herunter,
in den Sommer hinein

Deine Asche brech ich zum Zweig,
und mein Auge,
das klafft das Irisgrün

Nur Schattenliebe bleibt,
zu dürres Lied:

'Ich bin der abgekappte Rachen und Du
der Ratten
Zungennest'




(c) 2007 Jörg Borse
--- alles ein traum? ---

klingsor

Edwin Baumgartner

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3

Montag, 22. Januar 2007, 19:24

RE: I

Hallo Klingsor,
ich hätte da eine Frage: Magst Du Huchel...?

Aber nun zu Deinem Gedicht: Ich finde es sehr eindrucksvoll, vor allem, weil Du den Mut hast, kühne Metaphern zu verwenden - daszeichnet den echten Dichter aus.

Darf ich dennoch bekritteln (aber das dreht sich nur um mein Gefühl)?

Das "dürre Lied" ist eine etwas abgegriffene Metapher und fällt im Zusammenhang etwas auf, da ist das Sprachniveau nicht ganz gewahrt. Eine Spur unglücklich bin ich mit der "Tollkirschennacht", weil sie unvermittelt dasteht und auch nicht weitergeführt wird.
Probe aufs Exempel gemacht: Ich ersetze die "Tollkirschennacht" durch "Stechapfelnacht" - und es geht (zumindest mir) kein gedanklicher Konnex verloren.

Nachdem dieses gesagt ist: Ich würde Dein Gedicht jederzeit (und auch unverändert) drucken.

Also: Hut ab!

:hello:
...

klingsor

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4

Dienstag, 23. Januar 2007, 13:34

RE: I

hallo, edwin,

ganz herzlichen dank für deine kritik! die positiven worte freuen mich sehr und bestärken, die 'negativen' geben wichtige anstöße. genau so etwas braucht man, um 'weiterzukommen' bzw. um sich mit seinen eigenen werken auch 'aus fremder warte' auseinanderzusetzen. gerne demnächst wieder ... ;)

interessant, daß du den finger auf die 'wunde' gelegt hast, die ich selbst empfinde. die stelle mit dem 'dürren lied' ist noch meine kleine schmerzensstelle, die ich auch noch nicht als hundertprozentig abgeschlossen empfinde. vielleicht ändere ich 'dürr' zu 'schal' , mal sehen. allerdings ist mir die metapher 'dürres lied' nicht bzw. wenn überhaupt, höchst selten geläufig - du siehst sie eher als 'gemeinplatz' - ?

bei der tollkirschnacht (nicht: tollkirsch_en_nacht), also 3-, nicht 4-silber, sehe ich das allerdings - auch wegen des inhalts - anders. tollkirschen sind ja, wie der name schon sagt, auch als rauschmittel bekannt. damit wollte ich am anfang AUCH die möglichkeit setzen, das gedicht - es heißt ja auch anrufung - als 'im rausch' zu singen oder 'im rausch-zustand-seiend' verstehen zu können. das ambivalente: 'rausch - wirklichkeit' sollte gewahrt bzw. dargestellt sein. die kirsche ist natürlich auch als symbol für 'verbotene' früchte, das sexuelle, die liebe zu sehen. sie ist die frucht, deren (wahrscheinliches) schicksal es generell ist, 'gegessen' zu werden, also (ab)zusterben (was ja auch ein thema des gedichtes ist).

urspr. war auch mal der titel 'frühling' angedacht, als weitgehende reminiszenz an das sacre du printemps. für mich ist musik sowieso der antrieb für die gedichte (ca. 800 fertige, zu überarbeitende, fragmente etc. gibt es). das soll auch im fluß der worte, bzw. dem rhythmus der verse zum ausdruck kommen.

soviel zu einem (kleinen) interpretationsansatz.

ps: wie kommst du auf den alten peter? siehst du evtl. ähnlichkeiten? ich kenne von huchel (leider) noch nicht allzuviel und das was ich kenne, gehört - mit ausnahme des wunderbaren 'ahornbaumes' (noch) nicht zu meinen ganz 'großen'. das sind eher eichendorff, hölderlin, lasker-schüler, benn, george, rilke, bachmann etc.

:hello:
--- alles ein traum? ---

klingsor

Padre

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5

Dienstag, 23. Januar 2007, 15:14

RE: Eigenes

Klingsor
ich kann zu deinem Gedicht ,inhaltlich so wie es Edwin in vorzüglicher Weise getan hat nicht viel sagen. Ich suche noch nach meinem Versmaß. Obwohl man ja heute unregelmäßige Rhythmen verwenden darf.
Vielleicht solten wir tauschen. Dein Buch gegen mein Mozartbuch.Viele Grüße
Padre

Barezzi

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6

Dienstag, 23. Januar 2007, 22:13

RE: I

Hallo Jörg,

aus Mangel an germanistischer Fachkenntnis kann ich hier nur einfach meine Eindrücke widergeben: Mir gefällt mein erstes "klingsor"-Gedicht sehr gut :yes:
[um ehrlich zu sein bin ich aber immer noch dabei, mir weiter den Inhalt tiefgründig zu erschließen :untertauch: - aber wegen so etwas fragt man ja den Künstler nicht... :D ]

:hello:
Stefan
Viva la libertà!

klingsor

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7

Mittwoch, 24. Januar 2007, 01:45

RE: I

hallo, stefan,
vielen dank! das freut mich.
ps: fragen darf man ...ob dann allerdings die antwort befriedigend ist oder noch mehr fragen aufwirft .... 8o :D

:hello:
--- alles ein traum? ---

klingsor

Edwin Baumgartner

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8

Mittwoch, 24. Januar 2007, 12:27

Hallo Klingsor,
jetzt verstehe ich die "Tollkirschnacht" besser. Mir ist die Tollkirsche primär als in der Natur vorkommendes Gift präsent, daher meine Analogie zum Stechapfel.
Ob man das Rauschmittel damit assoziiert? Jedenfalls ist damit (mir) alles klar.

Das "dürre Lied" ist ein anderer Fall.
Du verwendest eine extrem gespannte Sprache auf sehr hohem Niveau. "Dürr" ist im Zusammenhang ein relativ alltägliches Wort. Wäre das Sprachniveau insgesamt niedriger, fiele das "dürre Lied" als Metapher nicht so stark ab.
Andererseits: Vielleicht ist es sogar gut,, weil sich die Ärmlichkeit des "dürren Liedes" eben auch in einem Verlust des Sprachniveaus ausdrückt, das unmittelbar darauf wieder zurückgewonnen wird. Durchaus reizvoler, je länger ich darüber nachdenke. Obwohl meine Präferenz noch immer dem "schalen Lied" gilt.

Die Idee mit Huchel kam mir, weil Ihr beide eine extrem plastische Sprache mit großem Wortschatz habt - und, weil Eure Metaphern bei aller Kühnheit logisch sind. Auch der Sprachklang ist etwas ähnlich. "Ich rufe Dich, Totes, herunter" könnte bei Huchel stehen. Was nichts daran ändert, daß allein dieser Vers Dein Gedicht zu einem wirklichen Kunstwerk macht.

:hello:
...

Padre

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9

Mittwoch, 24. Januar 2007, 15:11

RE: Eigenes

Atropa belladonna: Tollkirsche:sehr giftig,ganz verstehe ich die Methapter nicht.
Padre

klingsor

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10

Mittwoch, 24. Januar 2007, 18:00

RE: Eigenes

hallo, hier nochmal was zur tollkirsche aus dem internet-lexikon:

"Die wissenschaftliche Benennung der Tollkirsche erfolgte nach der griechischen Göttin Atropos, die den Lebensfaden durchschneidet... Durch die Einnahme von Tollkirschen können Halluzinationen ausgelöst werden, entsprechend waren im Mittelalter Tollkirschen Bestandteil der Hexensalben.

mir waren neben der beziehung zu atropos, dem bereits erwähnten tödlichen gift vor allem der im namen der frucht bestehende bestandteill 'toll' bei der auswahl wichtig im sinne von 'tollsein', 'berauscht', 'verrückt' sein plus natürlich der assoziation 'kirsche' wie oben beschrieben.

@edwin, herzlichen dank für die so gute aufnahme und das kompliment!
das freut mich sehr!
ps: das mit dem 'dürr' und dem inhaltlich bedingten 'sprachabfall' siehst du richtig, es sollte das 'fast nicht mehr existierende', das 'zu wenige' und 'inhaltleere' sprachlich zum ausdruck kommen.
'schales' oder 'schüttres' lied, was auch denkbar wäre, haben noch nicht so ganz die assoziation bei mir. mal sehen ... ?( es muß reifen ... :yes:

:hello:
--- alles ein traum? ---

klingsor

musicophil

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11

Mittwoch, 24. Januar 2007, 18:13

Liber Jörg,

Da siehst Du die Fremdspracheschranke. Denn obwohl ich natürlich das Wort "toll" kenne, hatte ich nie jene Assoziation gemacht.
Zeige uns mehr, bitte. Ich lerne davon.

LG, Paul
Wirklich schöne Musik rührt

klingsor

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12

Mittwoch, 24. Januar 2007, 19:54

Zitat

Original von musicophil
Liber Jörg


gerne lieber paul, aber das ich schon zum buch erhoben werde... läßt mich erröten :O :D

:hello:
--- alles ein traum? ---

klingsor

musicophil

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13

Mittwoch, 24. Januar 2007, 20:08

:O

Dann wäre besser Ex Libris Jörg :D

LG, Paul
Wirklich schöne Musik rührt

klingsor

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14

Mittwoch, 24. Januar 2007, 20:13

auch nicht schlecht :D

:hello:
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klingsor

Edwin Baumgartner

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15

Mittwoch, 24. Januar 2007, 20:54

RE: Eigenes

Hallo Padre,
ich bin, wie Du oben siehst, auch auf der Leitung gestanden. Dabei gibt die deutsche Sprache ja die Lösung vor: Tollkirsche = die Beere, die zu Tollheit (=Wahnsinn, Raserei, Ekstase) führt.
Nachher bis Du relativ sicher tot.
Womit Klingsors Metapher wirklich eine zweite Ebene aufreißt - umso mehr: :jubel:

:hello:
...

Violoncellchen

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16

Mittwoch, 24. Januar 2007, 21:08

RE: Eigenes

Das ist ja interessant! Ich kenne die Tollkirsche in einem anderen Zusammenhang:
Sie wurde früher von Frauen verwendet, da das Gift in die Augen geträufelt zu einer Weitung der Pupillen führt. Damit sollten sie für die Männer attraktiver wirken (daher der Beiname "Belladonna").

Meine Assoziation zur "Tollkirschnacht" geht daher eher in die Richtung "Sinnlichkeit, Verführung".

Liebe Grüße vom Violoncellchen!
What proves the hero truly great is never to despair.
(Thomas Arne -" The Masque of Alfred")

klingsor

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17

Mittwoch, 24. Januar 2007, 22:42

II

Gott

Verweste Blumen aus dem Mund,
Farbe schlachten,
ausgetiefter Flor

Jetzt stimmt die Nacht,
singt Tod Dich süßlich an

Die Augenrose fällt:
Dort wartet Er -
fast wahr
und aufgebracht


(c) 2007 Jörg Borse
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klingsor

Padre

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18

Donnerstag, 25. Januar 2007, 10:20

RE: Eigenes

Ich finde das was Klingsor macht mutig und ausgesprochen gut.Bei mir hätte gleich der Groschen fallen müssen, habe ich doch selbst eine Kurzgeschichte, über einen mysteriösen Mordfall geschrieben, wobei Aconitin, Rizin, gefleckter Schierling, Bilsenkraut ( siehe Hamlet ":Da ich ich im Garten schlief, beschlich dein Oheim meine sichre Stunde. Mit Saft verfluchten Bilsenkrauts im Fläschchen, und träufelt in den Eingang meines Ohres, das schwärende Getränk.) und blauer Eisenhut, ein wichtige Rolle spielen.
Padre

Caesar73

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19

Donnerstag, 25. Januar 2007, 17:04

Lieber Jörg,

da kann man nur tief den Hut ziehen (Was ich hiermit tue :jubel: )
Deine Metaphern gefallen mir besonders gut, insbesondere die Tollkirsche.

Herzliche Grüße,:hello: :hello:

Christian
Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

klingsor

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20

Donnerstag, 25. Januar 2007, 23:13

danke, lieber christian, das freut mich :yes:
damit könnten wir deine schüler doch wochenlang quälen, oder? :D

und dir, padre, natürlich ebenfalls ein dankeschön :yes:

:hello:
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klingsor

Padre

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21

Freitag, 26. Januar 2007, 09:26

RE: Eigenes

Hallo Klingsor
bist du ein bisschen von Novalis angehaucht? Alles ein bisschen traurig, aber ohne weiteres gut.
Padre

klingsor

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22

Freitag, 26. Januar 2007, 23:52

RE: Eigenes

danke schön, padre,

ich liebe novalis sehr, sehe die beiden gedichte aber - wenn schon - eher von trakl und heym 'inspiriert - und 'traurige' gedichte gibt es ja nun zu 'legion' ;( ;)

:hello:
--- alles ein traum? ---

klingsor

Padre

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23

Samstag, 27. Januar 2007, 00:51

RE: Eigenes

Hallo lieber Freund,
meinen nachdenklichen Gedichten oder besser gesagt Reimen, lag damals bei mir eine depressive Phase zugrunde. Heute würde ich sie so nicht mehr schreiben.
Viele Grüße
Padre

musicophil

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24

Samstag, 27. Januar 2007, 10:42

Lieber Padre,

Oft ist die Jahreszeit stimmungsbedingend.

LG, Paul
Wirklich schöne Musik rührt

Padre

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25

Samstag, 27. Januar 2007, 11:22

RE: Eigenes

Natürlich Paul,
die graue Jahrenszeit, macht oft auch graue Gedanken.Die Sternzeichen -darüber haben wir auch schon mal diskutiert, haben wohl keinen Einfluss. Ich glaube jedenfalls nicht daran.Aber ist interessant der Frage nachzugehen, ob "Wintergeborene",gegenüber "Sommergeborene" eine andere Ausdrucksweise, anderen Stil haben. Ich will sagen, gibt es Indikatoren, die subjektiv den Eindruck vermitteln, dass ein Literat oder sonstiger Kulturschaffender, mit seinem Text darauf schließen lässt, dass er im Winter geboren ist.
In unserem Verhalten gibt bereits Indikatoren die darauf hindeuten. Bei den Frauen ,- von Ausnahmen abgesehen, -kann man feststellen, dass Sommergeborene, gerne , grelle , kräftige Sommerfarben wie blau, rot und gelb bevorzugen. Wogegen in im Wintergeborenen gerne dezente Farben, erdfarbig , grau und ocker bevorzugen.
Dieses Verhalten wirkt sich auf die Kleidung aus. Die Frauen schminken sich auch entsprechend. Es ist wie angeboren und wird bewusst garnicht wahrgenommen.
Es kann deshalb sein und ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass die bunten Farben, wie eine Lautmalerei in Texte eingehen. Wir können wohl von einem im Sommer geborenen Dichter, frohe , farbreiche Texte erwarten.
Natürlich gibt es keinen Automatismus, darauf möchte ich gleich hinweisen. Dennoch ist es eine Überlegung wert.
Padre

  • »Walter.T« ist männlich

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26

Sonntag, 28. Januar 2007, 11:26

RE: Eigenes

Lieber Jörg,

vielen Dank für die beiden Gedichte, die für mich wie ein frühes Geschenk in diesem Jahr an das Forum sind. Besonders das erste Gedicht ist bisweilen verworren und sehr sperrig, also gerade die richtige Nahrung für eine Phantasie, die sonst überschwemmt von der Bilderflut aus den Medien oberflächlich und leer zu werden droht.

Eine düstere Farbe folgt der anderen, von dunklen Tollkirschen in Winternächten, Totes, Asche, daraus ein Zweig, Schatten, Dürres bis zu Rachen und Ratten. Der Geruch von Verwesung ist fast hautnah. Nur in der Mitte ein Lichtpunkt, das Irisgrün, wenn auch klaffend, also erschreckt, starr und kaum der Empfindung fähig. Das gibt dem Gedicht seine ungeheure Geschlossenheit und doch eine einzige Stelle, wo sich etwas Neues entwickeln könnte.

„Der abgekappte Rachen“: Das kann eine Vorsichtsmaßnahme, eine Strafe sein, um andere vor einem Rachen zu schützen, der zuvor viel verschlungen und zerstört hat. Das kann auch eine innere Sperre, eine Art versteinerter Kloß im Hals sein, der nach vielen Enttäuschungen nichts weiteres mehr schlucken möchte. Mir gefällt diese Doppeldeutigkeit.

Sie wird nochmals gesteigert durch „der Ratten / Zungennest“. Das kann ein Nest unterhalb der Zunge im Maul einer Ratte sein, entstanden und zurückgeblieben durch den Müll und die Krankheitserreger, die von einer Ratte gefressen werden. Das kann aber auch im Mund von „Dir“ unterhalb der Zunge ein Nest von etwas wie Ratten sein, entstanden durch den stetig aufgenommenen Kulturmüll und abgelagert aus dem Speichelfluss nach bösen Worten und mit bewusst falschem Zungenschlag verstellter und täuschender Stimmäußerungen. Je intensiver solche Bilder werden, desto ungemütlicher und unwohler werden sie. Also doch zurück in die Bilder von Frühling, Blüte, Entspannung an karibischen Stränden, wie sie zum Beispiel die Werbung für Süßigkeiten aus dem Hause Ferrero Ersatzglück anbietend verspricht?

Der Rhythmus des Gedichts ist hart gefügt, unverkennbar nach dem Vorbild von Hölderlin und weiter zurückgreifend Sappho oder Pindar. Wenn ich mir eine Vertonung dafür vorstelle, könnte das ein Streichquartett sein, mit langaushaltenden Tönen der Violinen und gelegentlichen Einwürfen des Cellos, auf das so kantig wie möglich dies Gedicht in einer Art Sprechgesang vorgetragen wird.

"Gott": Du bist konsequent allen Versuchungen aus dem Weg gegangen, auch nur ansatzweise ein Bild von Gott zu zeichnen. (Bei Göttinnen und Göttern wäre das genau umgekehrt. Die können nicht persönlich genug gedichtet werden, dem Leser in seiner verletzten Persönlichkeit Kraft gebend.)

Auch hier in der Mitte eine hoffnungsvolle Zeile „jetzt die stimmt die Nacht“. Da kommt sogar der Tod in Schwingung und „singt ... Dich süßlich an“. Das ganze Gedicht ist viel weicher gehalten als die „Anrufung“. Gott ist nicht zu sehen, aber seine Wirkung ist auf diese Weise zu spüren und Geborgenheit lässt sich empfangen.

„Fast wahr / und aufgebracht“: Das verstehe ich so, dass nicht Gott un-wahr ist und unfähig, seine Gefühle zu beherrschen, sondern dass angesichts seiner Wirkung dem Menschen bewusst wird, dass das dem Menschen zugängliche Verständnis von Wahrheit und Ethik relativiert werden muss.

Viele Grüße,

Walter

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27

Sonntag, 28. Januar 2007, 22:23

III

Liebe

Traumgeschichtet,
Brandschatz, Aschenauge -
Winterworte,
Eiswind, Taubentränen -
Blätterloses Haupt,
Todkuß und
mein ausgelaufner Mund



(c) 2007 Jörg Borse
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klingsor

Padre

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28

Montag, 29. Januar 2007, 09:47

RE: Eigenes

Es ist ist schön , wenn sich heute noch jemand mit der Liebe befasst. Ich traue mich mal und schreibe hier auch was Eigenes.

Ohne Titel

Männer in weißen Overalls,
Mundschutz und Gummihandschuhe tragend,
gebeugten Blickes, vorsichtig suchend,
mit kleinen, langsamen Schritten, behutsam gehend.

In den Händen, Pinsel, Pinzetten und Kameras,
mit bleichem Gesicht und schmalen Lippen,
jetzt knieend, Laub und Reisig zur Seite schiebend,
vor Schrecken starr, blutverklebtes Haar.

zum Zopf geflochten, Augen gebrochen,
nicht mehr sehend, nicht mehr spürend, nicht mehr regend,

tot

Tatort gefunden,
Kind hier geschunden
Schmerzende Wunden.

Padre

Padre

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29

Mittwoch, 31. Januar 2007, 17:34

RE: Eigenes

Hallo Jörg habe bei dein Eigenes, etwas von mein Eigenes eingestellt. Hast du es schon gelesen?
Padre

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30

Donnerstag, 1. Februar 2007, 23:25

RE: Eigenes

hallo, padre,

habe es eben erst gelesen. ist natürlich etwas ganz anderes als meine gedichte. 'kriminalistisches' gibt es so bei mir nicht ;)
...warum hat es denn keinen titel?

:hello:
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klingsor

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