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Alfred_Schmidt

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1

Montag, 27. Dezember 2004, 12:24

Franz Schubert: Sinfonie Nr 8 h-moll D759 "Unvollendete"

Liebe Schubertianer,

Schuberts Sinfonie Nr 8 D 759 ist nicht die einzige, die man mit diesem Beinamen belegen könnte, Schubert hinterließ etliche unvollendete Sinfonien und Fragmente, doch das wird Thema eines anderen Threads sein.....

Wenngleich Schuberts Sinfonisches Schaffen (bis heute !!) meiner Meinung nach immer zu wenig Beachtung fand und findet und man, so meine ich wenigstens, ziemlich undankbar und oberflächlich mit dem umgeht, was Schubert uns auf diesem Gebiet hinterließ, so ist es doch gerade dieses Werk, welches alle Welt fasziniert, wahrscheinlich sogar mehr als die "große" C-Dur Sinfonie.

Die Sinfonie wird, wie die meisten Sinfonien Schuberts erst nach dessen Tod entdeckt, im konkreten Fall 1865 bei Anselm Hüttenbrenner, einem Freund Schuberts.

Falsch ist, daß Schubert, das Werk nicht vollenden konnte, weil ihn (wie früher oft behauptet wurde) "der Tod überrascht" hatte, die beiden vollendeten Sätze lagen seit Oktober 1822 fertig vor.

Es gibt Skizzen für ein Scherzo, das von Brian Newbould komplettiert wurde und auf einer Einspielung unter Sir Charles Mackerras (für Virgin) zu hören ist. Der 4. Satz, es gibt keine einzige Note davon wurde in dieser genannten Aufnahme durch Musik aus "Rosamunde" ersetzt, ein Vorgehen, das mich nicht überzeugt.

Persönlich genügen mir die 2 vorhandenen Sätze um die Sinfonie als "komplett" zu empfinden, in der Vorklassik gab es immer wieder Sinfonien mit 2 oder 3 Sätzen......

Noch eine Anmerkung am Schluß: Neuere Literatur führt diese Sinfonien als Nr 7 an, so z.B. der "Harenberg - Konzertführer"
Die meisten Aufnahmefirmen negieren dies jedoch, und auch ich bediene mich mit gutem Grund der alten Zählung

Beste Grüße aus Wien

Alfred

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petemonova

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2

Montag, 27. Dezember 2004, 13:02

Ich habe mir vor einiger Zeit wegen der 5. Sinfonie folgende CD gekauft:


The Hanover Band, Roy Goodman

Dadurch habe ich die Achte auch kennen und lieben gelernt und möchte auch ohne Vergleichsaufnahme sagen können, dass hier Goodman eine fantastische Aufnahme gelungen ist. Zumindestens höre ich sie mir immer wieder gerne an.

Gruß, Peter.
Musik zu hören ist zweifellos eine der extravagantesten Arten, sein Geld auszugeben.
- Mauricio Kagel

Uwe

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3

Montag, 27. Dezember 2004, 14:01

Hallo Alfred,

die Aufnahme mit Carlos Kleiber wird (verdientermassen) noch genug Lob und Ruhm hier erfahren, so dass ich lieber eine etwas unbekanntere Aufnahme hier vorstellen will: Benjamin Britten hat 1972 mit dem English Chamber Orchestra eine sehr schöne Einspielung vorgelegt. Ähnlich wie Szell sehr schlank, aber nicht mit dessen Schärfe, sondern viel swingender/musikalischer.

Leider hab ich nur die LP-Fassung - bisher ist mir die CD noch nicht untergekommen.

Interpretation: auch hier 7-8
Klang: LP

Grüße aus Hamburg
Uwe

MStauch

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4

Montag, 27. Dezember 2004, 18:47

Liebe Forianer,

dies ist meine Liebste, die es z.Z. sogar als Doppel-CD im BB-Angebot gibt:



Die Goodman-Aufnahme hätte ich auch gern (P.S.: gerade für 2,99 Euro bestellt!). Von der habe ich bisher nur Positives gehört, Kleiber ist ja schon angekündigt worden.

Mit freundlichen Grüssen

Matthias
Tobe Welt, und springe,
Ich steh hier und singe.

peet

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5

Dienstag, 28. Dezember 2004, 09:42

Von Goodman-Aufnahme würde ich abraten. Sie ist nicht gut - interpretatorisch, meine ich.

Empfehlen würde ich die mit Solti, Mrawinsky, Böhm, Walter, Mengelberg. Es gibt noch mehr, aber mit den kann man gut anfangen.

Gerrit_Stolte

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6

Dienstag, 28. Dezember 2004, 10:39

Zitat

Original von peet
Von Goodman-Aufnahme würde ich abraten. Sie ist nicht gut - interpretatorisch, meine ich.

Empfehlen würde ich die mit Solti, Mrawinsky, Böhm, Walter, Mengelberg. Es gibt noch mehr, aber mit den kann man gut anfangen.


Könntest Du das alles ein wenig ausführen? Was ist an Goodman auszusetzen, warum soll ich Solti oder Mengelberg (oder die anderen) nehmen?
Gruß,
Gerrit

peet

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7

Dienstag, 28. Dezember 2004, 11:22

Goodman spielt die Unvollendete wie eine frühklassische Symphonie - in je einem Tempo, ohne Abweichungen. Dazu erlaubt er sich in einigen Stellen die willkürliche Einmischung in die Gestaltung - so entsteht eine frei erfundene GP vor dem Hauptsatz zu Beginn der Ersten Satzes oder erscheinen frei erfundene diminuendi vor dem Schlusssatz auch im Ersten Satz.

Das Resultat wirkt widersprüchlich - kein Hauch von der frühen Romantik. Es muß keine dunkle tragische Note wie bei Giulini oder Furtwängler sein. Mehr Sehnsucht oder wenigstens eine Ahnung davon hätte ich trotzdem verlangt. Die von mir genannten Aufnahmen halten sich in diesem Sinne in goldener Mitte und sind trotzdem sehr unterschiedlich.

Alfred_Schmidt

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8

Mittwoch, 29. Dezember 2004, 17:32

Schubert ist in meinen Augen ein heikler Fall, die einen spielen ihn zu dramatisch und schnell, zumindest meiner Meinung nach und unterschlagen auf diese Weise den (sicher vorhandenen) "lieblichen" Schubert, nämlich den Liederkomponisten, der sich, versteckt abr doch, hörbar durch seine Sinfonien zieht. Manche verleugnen das "Romantische" an Schubert, für sie ist er ein reiner Klassiker (sicher trifft das auf die Sinfonien 1 und 2 zu ) andere fürchten, er könne zu "biedermeierlich wirken" und "korrigieren" das in ihrer Interpretation.

Ich habe mir Schuberts 8. mehrfach in verschiedenen Interpretationen angehört. Wer mein Favorit ist, brauche ich wohl nicht zu schreiben:
Karl Böhm. Natürlich ist das nicht neutral, wer ist das schon, aber er findet genau jene Tempi, die ich bei Schubert erwarte.

Ich kann das weder belegen , noch die Wahrheit für mich beanspruchen, was ich allerdings kann ist zumindest den Anfang der Sinfonie so beschreiben, daß meiner Meiung nach jeder, verstehen kann was ich meine, auch wenn er letztlich vielleicht nicht meiner Meinung sein mag.

Nach der Düsteren Einleitung, beginnt im Hintergrund ein Flirren, das sehr unterschiedlich interpretiert wird:

Norrington beispielsweise ist hier meiner Meinung nach, wie zumeist übrigens, viel zu schnell, zu nervös, er lässt die Musik nicht atmen und, was, wie ich glaube noch viel wichtiger ist, er lässt sich keinen Spielraum für Steigerungen offen.
Schnell übrigens auch Mackerras, der relativ zeitig knallig zur Sache kommt, erinnert mich immer wieder (in abgeschwächter Form) an diverse Kölner Formationen. Irgendwie habe ich immer wieder das Gefühl, daß man dort die Musik des 18. und 19. Jahrhunderts spielt, wie jene aus der Moderne.
Böhm fängt sehr langsam an, aber beileibe nicht gemächlich: Das "Flirren" (mir fällt momentan kein besseres Wort ein) ist verhalten, leise und langsam, aber immer hat man das Gefühl das Tempo nähme andauernd zu (was wahrscheinlich sogar der Fall ist) Böhm beginnt nicht nervös fiebrig, wie etwa Norrington, sondern er baut die Spannung auf, und das andauernd, stets hat man das Gefühl, eine weitere Steigerung wäre kaum mehr möglich, aber trotzdem wird sie realisiert.
Solti, über dessen Schubert ich einst nichts Gutes sagte, ist ihm vom Ansatz her ähnlich, allerdings wirkt seine Aufnahme tatsächlich belangloser, polierter, ohne daß ich erklären könnte woraus (für mich) dieser Eindruck entsteht....
Es gibt noch einige Versionen, die ich vergleichsweise gehört habe (C.Kleiber,H.v. Karajan) und auch weitere, die mir für den Fall der Fälle zur Verfügung stünden (Wand und Bernstein (NYP)) aber ich möcht auch andere zu Wort kommen lassen

Beste Grüße aus Wien

Alfred

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Antracis

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9

Freitag, 31. Dezember 2004, 14:09

Dieses "Flirren" ist aus meiner Sicht einer der genialsten sinfonischen Einfälle Schuberts. Es rückt das Werk in eine äußerst geheimnissvolle, mystische Dimension. Ähnlich, wie auch in der 9ten - wenn auch auf ganz andere Art - im ersten Satz das geniale dritte Thema in den Posaunen.

Böhm trifft das in der Tat hervorragend. Harnoncourt neulich im Konzert übrigens durchaus auch - viel weniger akademischer, als man vermutet hätte. Ich habe manchmal den Eindruck, dass bei dem "Flirren" manche Dirigenten bewußt die einzelnen Geigengruppen nicht 100% zusammenspielen lassen, um die Zweistimmigkeit zu unterstreichen bzw. das Ganze irgendwie raäumlicher wirken zu lassen.
Mackerras gefällt mir hier bei weitem nicht so gut, wie in seiner Aufnahme der neunten Sinfonie. Vielleicht verstärkt aber auch der Klang moderner Instrumente das Werk in die Richtung, die ich daran am meisten schätze.
Wie auch immer, Böhm finde ich hier großartig. Vor allem der Einsatz der Holzbläser, die bestimmte Harmonien verstärken, wenn das "Flirren" quer durch die Tonarten moduliert.

Gruß
Anti

Alfred_Schmidt

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10

Sonntag, 2. Januar 2005, 13:49

Hallo Anti,

Ich freue mich, daß Du das ähnlich beurteilst, wie ich.
Ich erinnere mich, oder glaube mich zu erinnern, daß ich mit meiner Empfehlung der 8. die ich Dir vor ewigen Zeiten gab, jener Einspielungsempfehlung der Aufnahme von Mackerras "unterlag"

Schuld war daran, daß, wenn ich mich recht erinnere, Du die Klangqualität der Böhm-Aufnahme als nicht optimal eingestuft hast. Optimal ist sie ja wirklich nicht, aber knapper Durchschnitt, wobei ich als ehemaliger Analoghörer Bandrauschen als gegeben empfinde.

Umsomehr freut es mich heute, daß ich quasi mit meiner Empfehlung "rehabilitiert" bin.

Die neue Veröffentlichung dieser Aufnahme und vor allem der Preis machen die Aufnahme, auch wenn man nicht unbedingt ein Böhm Verehrer ist, zum MUSS.
Böhm war, oder besser gesagt ist eine der wichtigsten Stimmen zum Thema Schubert.

Ungeachtet dessen freuen wir uns auf alternative Sichtweisen und auf die Empfehlung weiterer Einspielungen von anderen Dirigenten.

Beste Grüße

aus Wien

Alfred

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teleton

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11

Mittwoch, 5. Januar 2005, 11:57

Hallo Forianer,

Schuberts Sinfonie Nr.8 "Unvollendete" gehört zu den Schlüsselwerken, die mir die Klassik in meiner Kindheit quasi eröffnet haben.
:) Zu meinen liebsten Aufnahmen zählen heute beide Karajan - Einspielungen auf DG (1965) und auf EMI (1976) in der EMI-Gesamtausgabe aller Sinfonien, die Klanglich noch besser und rauschfrei ist.
Karajan findet den in meinen Augen den richtigen dramatischen Ton, der bei den Schubert Sinfonien keine Langeweile aufkommen läßt.

Gruß aus Bonn
Wolfgang
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Ulli

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12

Montag, 17. Oktober 2005, 18:39

Salut,

jetzt steht noch immer "Sinfonie Nr. 8 D" in der Thread-Überschrift...

:hello:
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

observator

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13

Montag, 17. Oktober 2005, 18:51

du weißt doch, uns' alf'ed ist konse'vativ :D
erkenntnis braucht oft lange -selbst für selbsterkenntnis ist es nie zu spät

Ulli

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14

Montag, 17. Oktober 2005, 19:31

Zitat

Original von observator
du weißt doch, uns' alf'ed ist konse'vativ :D


...immerhin hat er [oder einer seiner hilfreichen Helfer] aus 758 -> 759 gemacht!

:jubel:
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

observator

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15

Montag, 17. Oktober 2005, 19:42

eben.
das war ja die ältere nummer :D
erkenntnis braucht oft lange -selbst für selbsterkenntnis ist es nie zu spät

Ulli

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16

Montag, 17. Oktober 2005, 20:57

Salut,

das, was bei den verbissenen Schönheitsfanatikern der Klassik als "unvollendet" angesehen wird, ist meiner Meinung nach die Tatsache, dass nach dem ersten Satz in h-moll ein zweiter - letzter - in E-Dur folgt. Damit ist das Werk im engeren Sinne "offen", also nicht vollendet, es endet nicht in der Grundtonart. Dennoch ist D759 m. M. nach in sich geschlossen.

Schubert begann mit der Partitur-Niederschrift am 30. Oktober 1822, bald also 183. Geburtstag der ersten Note.

Das "Geflirre", lieber Alfred, sind übrigens einfache Sechszehntelnoten, mich hat das als Kind auch immer fasziniert, bis ich wusste, wie das geht. :D
Deutsch vermutet, dass Schubert das Werk im Zusammenhang mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft im Steuermärkischen Musikverein 1823 nach Granz geschickt hat und zu diesem Zweck die letzte Seite, auf der sich das Fragment gebliebene Scherzo h-moll befand, abgetrennt hat.

Die Uraufführung fand präzise am 17. Dezember 1865, also bald vor 140 Jahren, statt. Hüttenbrenner hatte allerdings bereits 1853 eine Bearbeitung der beiden Sätze für Klavier zu vier Händen angefertigt.

Irgendwie erinnert mich die Sinfonie in zweifacher Hinsicht an Haydn: Der erste Satz, die tiefen, dunklen Bässe, an die Einleitung der Sinfonie 103, der zweite Satz ein wenig an "die Uhr" wegen der Pizzicato-Bässe. Dennoch ist sie rein musiklaisch gesehen ein selbständiges, wunderbares Werk. Unmittelbar danach entstand ünrigens die Wanderer-Fantasie.

Ich hatte mir vor 100 Jahren eine Aufnahme mit dem Kölner RSO, Günter Wand, geleistet.

Beste Grüße
Ulli
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petemonova

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17

Montag, 17. Oktober 2005, 22:29

Zitat

Original von Ulli
Salut,

jetzt steht noch immer "Sinfonie Nr. 8 D" in der Thread-Überschrift...

:hello:


Jetzt nicht mehr. :baeh01:

Ich bevorzuge im Übrigen Harnoncourts Aufnahme mit dem Concertgebouw Orchestra.


Gruß, Peter.
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- Mauricio Kagel

Theophilus

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18

Dienstag, 18. Oktober 2005, 01:40

Salut Ulli

Zitat

Deutsch vermutet, dass Schubert das Werk im Zusammenhang mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft im Steiermärkischen Musikverein 1823 nach Graz geschickt hat und zu diesem Zweck die letzte Seite, auf der sich das Fragment gebliebene Scherzo h-moll befand, abgetrennt hat.

Das ist heute nur mehr eine Vermutung? Bei uns wurde das immer als Tatsache verbreitet...

(Zumindest die Tatsache, dass Schubert das Werk dem Steirischen Musikverein geschenkt hat - wir sind nicht die bundesweiten Steuereintreiber und der Musikverein hat seinen Sitz in Graz und nicht in Granz - wo auch immer das sein soll ;) )

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

Ulli

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19

Dienstag, 18. Oktober 2005, 07:21

Salut,

im Deutsch steht "vermutlich"..., was vermutlich soviel wie "sehr wahrscheinlich" bedeutet.

***achselzuck***

Gruß nach Granz

:angel:
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observator

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20

Dienstag, 18. Oktober 2005, 09:45

ui, da sind die grazer aber grant(z)ig geworden, wenn du sie nach granz schickst, das klingt ja schon nach granica, da fühlen sie sich ganz am (g)rand, wo graz doch die europäische kulturhauptstadt 200...-äh, siehstu, so schnell vergisst man! :P

im april 1823 wurde schubert auf antrag seines freundes jenger und wohl auch auf betreiben seines freundes anselm hüttenbrenner die ehrenmitgliedschaft des steiermärkischen musikvereins verliehen. die zustellung des diploms erfolgte über hüttenbrenner und seinen bruder josef, der in wien lebte. schuberts dank erfolgte am 20.september:

"löblicher musikverein!
für das mir gütigst übersendete ehren-mitglieds-diplom, welches ich wegen langer abwesenheit von wien erst vor einigen tagen erhielt, danke ich verbindlichst. möchte es meinem eifer für die tonkunst gelingen, dieser auszeichnung einst vollends würdig zu werden. um auch in tönen meinen lebhaften dank auszudrücken, werde ich mir die freyheit nehmen, dem löblichen vereine ehestens eine meiner sinfonien in partitur zu überreichen.
mit ausgezeichnetster hochachtung
eines löblichen vereines
dankergebenster bereitwilligster diener
franz schubert"

d759 kam auf reversem weg nach graz (sic!), über josef zu anselm. warum der das manuskript über 40 jahre für sich behalten hat, ist nicht nur mir unklar.

:hello: aus schubert-town
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Ulli

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21

Dienstag, 18. Oktober 2005, 13:38

Zitat

Original von observator
[...] werde ich mir die freyheit nehmen, dem löblichen vereine ehestens eine meiner sinfonien in partitur zu überreichen.


Salut,

woraus man eben nur vermuten kann, dass es sich um D 759 gehandelt hat...

?(

LG
Ulli
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Pius

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22

Dienstag, 18. Oktober 2005, 21:32

Hallo!

Da der thread gerade floriert und von einem Gespräch mit ThomasBernhard im Fidelio-Keller zusätzlich bewogen, habe ich einige Aufnahmen vergleichend gehört, allerdings nur den ersten Satz.

Die gehörten Aufnahmen sind:



Die Zeiten für den ersten Satz:
Karl Böhm: 11’31
Arturo Toscanini: 9’31
Carlos Kleiber: 13’49
Roy Goodman: 13’24

Ranking zum ersten Satz mit Notizen währens des Hörens (alles sehr subjektiv!):

1. Kleiber:
sehr leiser, verhaltener Beginn, langsame Steigerungen der Intensität bis es einem irgendwann vom Stuhl reißt, irgendwann fällt die Musik wieder zurück ins Nichts, die Wiederholung der Exposition kommt wie etwas Neues; das ganze ist eine präzise, psychologisch kalkulierte Deutung der Symphonie, das Orchester ist spitze und wird zur klanglichen Ekstase geführt, eine Extrem-Interpretation, faszinierend, aber nicht für alle Tage; das Tempo ist allegro moderato, genau richtig.

2. Toscanini:
fängt schneller an als Kleiber, auch insgesamt die schnellste der vier Aufnahmen; die einzelnen Stimmen sind sehr sorgfältig herausgearbeitet, sehr auffallend die Blechbläser, fast schon „kratzig“ störend; Toscanini teilweise im Geschwindigkeitsrausch, das Orchester hat stellenweise hörbare Probleme zu folgen, die Symphonie spannend, flott und „hart“ interpretiert, eine „mystische Aura“ kann so gar nicht entstehen; die Exposition wird nicht wiederholt; merkwürdig die Störgeräusche trotz Studioaufnahme; das Tempo ist allegro ohne moderato; eine Aufnahme für Toscanini-Fans und Liebhaber schneller Tempi – auch nichts für alle Tage.

3. Böhm:
deutlich langsamer als die anderen; transparentes Klangbild, starke dynamische Kontraste, es gelingt nicht, eine so enorme Spannung aufzubauen wie bei Kleiber; die Exposition wird nicht wiederholt; eine gute, aber keine hervorragende Aufnahme; etwas zu langsam, ansonsten eine schöne „Unvollendete“ zum Kennenlernen oder zum Orientieren, zum regelmäßig hören; das tempo ist moderato ohne allegro.

4. Goodman:
weicher als die anderen, die Zäsuren wirken nicht bedrohlich; es fehlt irgendwas, was bei den anderen da ist (Erhabenheit ?), eine Aufnahme, die ich als „durchschnittlich“ bezeichnen möchte; in der Durchführung dramatischer, endlich aus sich herausgehend; Klang nicht überzeugend; die Exposition wird wiederholt; das Tempo ist allegro, fast so schnell wie Toscanini, obwohl es subjektiv klar langsamer wirkt.

Viele Grüße,
Pius.

Ulli

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Dienstag, 18. Oktober 2005, 22:01

Salut,

dann scheint ja Günter Wand mit 14:43 äußerst moderat zu sein [Allegro moderato].

Wie sind im Vergleich die zweiten Sätze [Andante con moto - Wand: 12:06] ?

Grüße
Ulli
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(Vincenzo Geilomato Hundini)

Pius

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24

Dienstag, 18. Oktober 2005, 22:53

Hallo, Ulli!

Zitat


dann scheint ja Günter Wand mit 14:43 äußerst moderat zu sein [Allegro moderato].

Wie sind im Vergleich die zweiten Sätze [Andante con moto - Wand: 12:06] ?


14:43 für den ersten Satz mit Wdh. der Exposition dürfte in etwa auch das Tempo von Böhm sein (der wiederholt sie nicht), liegt noch im Bereich des Angenehmen.

Mein Vergleichshören des zweiten Satzes soll noch folgen, hier die Zeiten vorab:

Böhm: 11:29
Goodman 9:55
Kleiber 10:33
Toscanini: 11:27

Viele Grüße,
Pius.

Ulli

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25

Dienstag, 18. Oktober 2005, 22:59

Zitat

14:43 für den ersten Satz mit Wdh. der Exposition dürfte in etwa auch das Tempo von Böhm sein (der wiederholt sie nicht), liegt noch im Bereich des Angenehmen.


Salut,

daran habe ich natürlich mal wieder nicht gedacht... :O Stimmt aber und das Tempo ist für mein Empfinden sehr angenehm.

Ciao
Ulli
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26

Mittwoch, 19. Oktober 2005, 00:20

Zitat

Original von Ulli
dann scheint ja Günter Wand mit 14:43 äußerst moderat zu sein [Allegro moderato].

Wie sind im Vergleich die zweiten Sätze [Andante con moto - Wand: 12:06] ?


Wand ist nicht so langsam; wenn er die Wdh. macht, dürfte er nicht langsamer als die 11 min von Böhm u.ä. sein. C. Kleiber ist ziemlich schnell. Ich meine, ich hätte mal eine mit mehr als 15 min für den 1. Satz gehabt

Ohne reinzuhören:

Furtwängler Berlin 1952 live 12:00; 12:06
Abendroth Leipzig 1950 11:13; 11:56

Klemperer 1963 13:35; 11:31
Weil (HIP) 1991 12:12 8:43
Spering (HIP) 1997 11:41; 8:17

Mußte doch reinhören wegen der Wdh., die letzten 3 haben sie, die ersten beiden nicht. Bei Klemperer dauert die Expo gut 3 min., zur Orientierung.

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

Norbert

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27

Mittwoch, 19. Oktober 2005, 11:56

Zitat

Original von Johannes Roehl

Wand ist nicht so langsam; wenn er die Wdh. macht, dürfte er nicht langsamer als die 11 min von Böhm u.ä. sein. C. Kleiber ist ziemlich schnell. Ich meine, ich hätte mal eine mit mehr als 15 min für den 1. Satz gehabt


Das geht auch noch langsamer: Sinopoli (DGG) hat sich in 16'32'' durch den ersten Satz buchstabiert.
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

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28

Mittwoch, 19. Oktober 2005, 19:39

Ich empfehle dem Interessierten ein Reinhören in die beiden von mir oben genannten HIP-Versionen. Die sind beide wesentlich schneller als der Rest (wie angegebn knapp 12 min mit Wdh. für i und weniger als 9 für ii). Muß man nicht mögen, aber der Kopfsatz erhält so einen ziemlich anderen Charakter (eher kraftvoll als mysteriös), das andante con moto wirkt tänzerisch.

Leider ist Weils (Sony) Einspielung aus dem Katalog verschwunden, Spering (op.111/naive) gibts dagegen, sogar nicht mal teuer, einmal gekoppelt mit einem Singspiel (Dei Verschworenen?)



viele Grüße

JR
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Ulli

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29

Mittwoch, 19. Oktober 2005, 20:06

Ebenfalls mit Wiederholung [wie es sich gehört] und geheimnisvoll-mondän:



FRANZ SCHUBERT

Sinfonie Nr. 4 c-moll D 417 "Tragische"
---> Sinfonie Nr. 8 h-moll D 759 "Unvollendete" <---

KÖLNER RUNDFUNK-SINFONIE-ORCHESTER
GÜNTER WAND
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

Pius

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Registrierungsdatum: 11. Mai 2005

30

Freitag, 21. Oktober 2005, 22:12

Hallo!

Nun möchte ich noch meine Eindrücke zu den zweiten Sätzen der vier verglichenen Aufnahmen schreiben. An der Präferenzreihenfolge hat sich allerdings dadurch nichts geändert.

Carlos Kleiber/Wiener Philharmoniker:
Der zweite Satz beginnt sehr unscheinbar und relativ langsam, Kleiber steigert später das Tempo etwas, erwischt dann wieder genau das richtige Tempo für dieses andante con moto. Wie auch im ersten Satz versteht es Kleiber meisterhaft, immer intensiver zu werden und in den Steigerungen große Spannung aufzubauen.
Diese "Unvollendete"-Aufnahme ist wirklich (einsame?) spitze! Einziger "Haken": Die Aufnahme ist eher extrem und - zumindest für mich - keine "Musteraufnahme" für alle Tage.

Arturo Toscanini/NBC Symphony Orchestra:
Im zweiten Satz ungewohnt langsam, der Interpretation von Böhm (wer hätte das gedacht?) recht ähnlich, sehr detailverliebt und klangschön, eher ein andante cantabile (von den dramatischen f-Passagen abgesehen).
Diese Aufnahme hat von den vier verglichenen die schlechteste Tonqualität, ist aber trotz ihres Alters allemal hörenswert, v.a. der interessant schnelle erste Satz.

Karl Böhm/Berliner Philharmoniker:
Genau wie Toscanini eher langsamer, ebenfalls andante cantabile.
Von den verglichenen Aufnahmen am ehesten eine "Musteraufnahme", besonders zum Kennenlernen des Werks empfohlen! IMO insgesamt zu langsam, aber für andere ist es sicher das angenehmste Tempo (siehe Ulli).

Roy Goodman/The Hanover Band:
Der zweite Satz fällt ebenfalls recht flott (zu flott?) - allegretto - aus und es fehlt abermals die "Erhabenheit", der individuelle "spiritus operis".
Puristen oder HIPpies mag diese entschlackte "Unvollendete", der jeglicher Zauber genommen wurde, gefallen - für mich muß etwas "Geheimnisvolles" in dieser Musik anklingen.

Viele Grüße,
Pius.