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Masetto

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Beiträge: 1 783

Registrierungsdatum: 29. April 2006

1

Freitag, 5. Januar 2007, 20:34

begleitende Literatur zu den Kantaten

Falls Ihr begleitende Literatur zum Kantatenwerk Bachs empfehlen könnt, schreibt das doch bitte hier rein.

Bücher, die die Kantate näher betrachten, womöglich sogar Näheres über ihre Bestimmung und Entstehung zu berichten wissen, sollen hier von Interesse sein.
29.08.1958 - 25.06.2009
gone too soon

alfons

Schüler

Beiträge: 129

Registrierungsdatum: 27. August 2006

2

Freitag, 5. Januar 2007, 22:34

Hallo und guten Abend, Masetto,

das eindeutig wichtigste Werk über Bachkantaten ist nach meiner Ansicht

Alfred Dürr: Johann Sebastian Bach - Die Kantaten

Das gibt es als 1038 Seiten (!) starkes Taschenbuch beim Bärenreiter-Verlag in der zurzeit 9. Auflage: alle Texte, Unmengen an Fakten, Notenbeispiele. Gibt den Stand der Forschung von 1995 wieder. Am "Dürr" führt, wenn man sich mit Bachkantaten näher befasst, kein Weg vorbei. Mit 29,50 Euro ist das Buch vergleichsweise billig.

Für mich am Zweitwichtigsten ist die Bach-Biographie

Christian Wolff: Johann Sebastian Bach

erschienen 2000 bei Fischer. Die aktuelle Neuauflage als Taschenbuch, vermehrt um 18 Seiten neuer Forschungsergebnisse, kam im Oktober 2005 heraus und kostet gerade einmal 14,90 Euro - ein Schnäppchen.

Diese beiden Bücher sind aus meiner Sicht sozusagen die Pflicht. Es folgt die Kür. Im Kür-Bereich steht für mich oben ein schon etwas betagtes Taschenbuch

Johann Sebastian Bach - Leben und Werk in Dokumenten

Hans-Joachim Schulze - der Name bürgt für Qualität - hat 1975 die wichtigsten schriftlichen Dokumente zu Bachs Leben zusammen gestellt. Es ist eine Auswahl aus den vom Bach-Archiv Leipzig herausgegegebenen dreibändigen (inzwischen vierbändigen) Bach-Dokumenten. Natürlich kann man sich auch gleich die kaufen... kosten aber pro Band 25 Euro. Das bei dtv-Dokumente heraugekommene Taschenbuch kostete damals (1985) 9,80 D-Mark. Heute antiquarisch im Internet ab 3 Euro. Allein anhand dieses dünnen Bändchens kann man belegen, wie in manchen Biographien gemogelt wird - es ist erschreckend.

Nett und informativ zu lesen ist

Hans-Joachim Schulze: Die Bachkantaten

eine Einführung zu sämtlichen Kantaten, schön nach dem Kirchenjahr sortiert, wie auch der Dürr. Absolut verlässlich - Schulze gehört zu den Top-Leuten der Bachforschung - aber nicht mit dem wissenschaftlichen Ansatz des Dürr. Mehr informative Plauderei eben. Auch keine Notenbeispiele. Und mit 44 Euro nicht billig.Ist im Frühjahr 2006 bei der Evangelischen Verlagsanstalt erschienen.

Ob

Christoph Wolff/Ton Koopman: "Die Welt der Bachkantaten"

wirklich gut und wichtig ist, kann ich noch nicht sagen, ich habe es erst seit vorgestern. Es ist eine Sammlung von Fachaufsätzen zur Bach- und Kantatenforschung (Originalausgabe ist von 1998 ), leider schluderig gedruckt, mit Setzfehlern, und nicht billig: Originalausgabe 86,40 Euro, Taschenbuch-Sonderausgabe um 50 Euro. Den Bach-Librettisten Georg Christian Lehms, über den ich gerade geschrieben habe, habe ich natürlich sofort begierig nachgeschlagen, fand aber weniger, als ich selber bereits herausgefunden hatte.

Heftig empfehlen kann ich

Maarten t'Hart: Bach und ich

Der holländische Schriftsteller, dessen Roman "Das Wüten der Welt" sich ebenfalls mit Johann Sebastian Bach befasst, nähert sich den Thema Bach und bach-Kantaten zwar belletristisch, ist dabei aber auf der Höhe der Bachforschung und bringt sehr interessante neue Aspekte in die Diskussion. Und außerdem gibt es bei dem Taschenbuch (Serie Piper) für gerade mal 9,80 Euro sogar noch eine CD mit den nach Harts Ansicht schönsten Stücken von Bach dazu - was will man mehr?

Absulut abraten möchte ich von der alten Ausgabe der rororo-bild-monographien

Luc André Marcel: J. S. Bach

- faktenarm und voller falscher Mutmaßungen. Es ist antiquarisch noch massenhaft in Umlauf. Der Verlag hat es 1993 bereits durch

Martin Geck: Johann Sebastian Bach (rororo-Monographie)

ersetzt - das ist sehr gut!

Ebenfalls abraten möchte ich von der Bach-Biographie

Christoph Rueger: Wie im Himmel so auf Erden

Obwohl erst 2000 bei Heyne als Taschenbuch erschienen, wärmt der Autor Uralt-Klischees über Bach auf. Das Buch ist das anschauliche Beispiel, wie allzu große Verehrung blind macht für die Realität.

Schöne Grüße

Alfons

musicophil

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Beiträge: 7 091

Registrierungsdatum: 19. Februar 2006

3

Freitag, 5. Januar 2007, 22:47

Zitat

Original von alfons
Heftig empfehlen kann ich

Maarten t'Hart: Bach und ich

Der holländische Schriftsteller, dessen Roman "Das Wüten der Welt" sich ebenfalls mit Johann Sebastian Bach befasst, nähert sich den Thema Bach und bach-Kantaten zwar belletristisch, ist dabei aber auf der Höhe der Bachforschung und bringt sehr interessante neue Aspekte in die Diskussion. Und außerdem gibt es bei dem Taschenbuch (Serie Piper) für gerade mal 9,80 Euro sogar noch eine CD mit den nach Harts Ansicht schönsten Stücken von Bach dazu - was will man mehr?

Verda.. :stumm: Da kaufe ich jenes Buch in die Originalsprache, und da gibts gar keine CD. Was ist das fürn Betrügerei.
:motz: :motz:

Ergänzend möchte ich noch sagen: auch manchmal sehr humoristisch.

LG, Paul
Wirklich schöne Musik rührt

  • »Reiner_Klang« ist männlich

Beiträge: 166

Registrierungsdatum: 18. Dezember 2006

4

Freitag, 5. Januar 2007, 23:57

Zu der schon sehr reichhaltigen Liste von Literaturvorschlägen, die alfons zusammengestellt hat, möchte ich gerne drei Werke ergänzen, die ich beim Thema Bach oft verwende:

Thematisch-systematisches Verzeichnis der Werke Johann-Sebastian-Bachs (BWV)
--> leider unverschämt teuer, aber eine grundlegende Anschaffung fürs (Musik-)Leben!

Zwei Werke, die nach meinem Kenntnisstand nur noch antiquarisch zu erhalten sind:

Werner Neumann: Handbuch der Kantaten Johann Sebastian Bachs
VEB Breitkopf & Härtel Leipzig 1977

--> durch etwas andersartigen Aufbau (kurze Angaben zu Tonarten, Tonumfängen der Stücke, Besetzung, liturgische Zuordnung und kurze beschreibende Angaben) gute Ergänzung zum Dürr.

Christine Fröde: Taschenbuch Bach-Texte (Kantaten, Motetten, Messen, Passionen, Oratorien BWV 1-249)
VEB Deutscher Verlag für Musik Leizpig 1989
--> wegen des Formates äußerst nützlicher Begleiter beim Hören zu Hause und unterwegs

Liebe Grüße :)

m-mueller

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  • »m-mueller« ist männlich

Beiträge: 3 614

Registrierungsdatum: 9. Januar 2007

5

Mittwoch, 28. Februar 2007, 23:12

In der bereits an mehreren Stellen besprochenen Brilliant-Gesamtausgabe der Bachschen Werke ist auch eine CD enthalten, auf der jedes Werk (auf Englisch) eingeordnet und kommentiert wird. Zu sämtlichen textbehafteten Stücken sind die Originaltexte (auf Deutsch) abgedruckt. Insgesamt mehrere hundert Seiten pdf-Dateien. Und ganz umsonst.

wolfgadamo

Anfänger

  • »wolfgadamo« ist männlich

Beiträge: 84

Registrierungsdatum: 13. November 2006

6

Donnerstag, 1. März 2007, 11:23

Liebe Bach-Exegeten

Zu den Literaturempfehlungen möchte ich hinzufügen:

Bach-Textlexikon.
Haselböck, Lucia
Ein Wörterbuch der religiösen Sprachbilder im Vokalwerk von Johann Sebastian Bach. 225 S. m. zahlr. Illustr. 21 cm 0,344 Kg
2004 Bärenreiter

Die Popularität der Musik Bachs ist ungebrochen. Aber die Texte? Was soll der heutige Hörer denken, wenn vom "süßen Hephata" die Rede ist, das das "verstockte Herz" erweicht, von den "Sodomsäpfeln", die im "Lustrevier" zu brechen sind, oder von der Feststellung, dass Christi "blutgefärbter Rücken in allen Stücken dem Himmel gleiche geht"? Auch wenn sich der heutige Sprachgebrauch von der blumigen barocken Diktion entfernt hat, ist das Verständnis von Wort und Ton entscheidend für eine angemessene Interpretation. In über 300 Stichworten erschließt Lucia Haselböck heute unbekannte Begriffe, metaphorische Formulierungen und theologische Zusammenhänge. Da diese zum Allgemeingut der Zeit Bachs gehörten, ist das Textlexikon ebenso für andere geistliche Texte des ausgehenden 17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gültig. Eine Einleitung skizziert die Traditionslinien zwischen mittelalterlicher Mystik und barocker Frömmigkeit. Zeitgenössische emblematische Kupferstiche machen das bildhafte Denken anschaulich.

Gruß

Adamo
Magnificat anima mea

reklov29

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Registrierungsdatum: 5. Oktober 2004

7

Sonntag, 4. März 2007, 14:02

begleitende Literatur zu den Kantaten

Hallo,

als eine gute Ergänzungsliteratur bei amazon zu erwerben:



Die Welt der Bach-Kantaten: 3 Bände. (Broschiert)

von Christoph Wolff / Ton Koopmann

Preis 49,95 EUR.


Grüsse
Volker
Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
Zitat: J.E.G.

reklov29

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  • »reklov29« ist männlich

Beiträge: 1 202

Registrierungsdatum: 5. Oktober 2004

8

Sonntag, 4. März 2007, 14:12

Hallo Paul,
Zitat:
Verda.. Da kaufe ich jenes Buch in die Originalsprache, und da gibts gar keine CD. Was ist das fürn Betrügerei.

-------------------

Habe mir das Buch von Maarten ' t Hart, "Bach und ich" gekauft als Ergänzungsliteratur für 10 € aber mit enthaltener CD.




Das Buch gibt es auch bei amazon für 10 € mit CD kostenlos angeliefert!

Grüsse

Volker
Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
Zitat: J.E.G.

Carola

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Registrierungsdatum: 25. Oktober 2005

9

Sonntag, 16. September 2007, 11:36

Für einige der Choralkantaten kann man auch dieses sehr aufwendig und schön gestaltete Kirchenlieder-Buch Geistliches Wunderhorn gut gebrauchen:



Und zwar für

- Gelobet seist du, Jesu Christ, BWV 91

- Aus tiefster Not schrei ich zu dir, BWV 38

- Wie schön leuchtet der Morgenstern, BWV 1

- Wachet auf, ruft uns die Stimme, BWV 140

- Wer nur den lieben Gott lässt walten, BWV 93

- Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, BWV 137

Die diesen Kantaten zugrunde liegenden gleichnamigen Kirchenlieder werden hier ausführlich vorgestellt. Interessant ist es auch, die im Kantatentext nicht wörtlich übernommenen, sondern frei nachgedichteten Strophen mit dem Originaltext des Kirchenliedes zu vergleichen.

Mit Gruß von Carola
Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen. (Astrid Lindgren)

Carola

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Registrierungsdatum: 25. Oktober 2005

10

Sonntag, 23. September 2007, 15:32

Wer es in theologisch-biblischer Hinsicht ganz genau wissen will, sollte zu diesem umfassenden, bisher zweibändigen Kommentar von Martin Petzoldt greifen:




Der Autor ist Theologieprofessor in Leipzig und beschäftigt sich seit längerem mit den theologischen Aspekten von Bachs geistlichem Vokalwerk. Für die Vermittlung der theologischen Hintergründe der Kantatentexte und auch der zugrundelegenden Evangeliumstexte zieht Petzoldt hierbei die sog. Olearius-Bibel heran, ein Kommentar, der sich auch in Bachs Besitz befand und im 18. Jahrhundert unter theologisch Gebildeten weit verbreitet war. In dieser Olearius-Bibel wird die damals übliche Methode der sich selbst auslegenden Schrift angewandt. Konkret bedeutet dies, dass zur Erklärung einer bestimmten Bibelstelle nicht auf außerbilbische Literatur, ihre Entstehungsgeschichte etc. hingewiesen wurde sondern ausschließlich auf andere Bibelstellen, in denen dieses Wort, dieser Begirff ebenfalls auftaucht. Akribisch wird denn auch bei Petzoldt Zeile für Zeile des Kantatentextes auf ihre biblischen Fundstellen abgeklopft. Dabei wird, wie im Dürr-Handbuch auch, jede Kantate einem bestimmten Sonntag im Kirchenjahr und damit auch einem bestimmten, an diesem Sonntag in Gottesdienst behandelten Bibeltext (Perikope) zugeordnet.

Man könnte also von einer dreistufigen Kommentierung durch Petzoldt sprechen, in der zunächst der jeweilige Bibeltext, dann seine Auslegung durch den Kantatentext und danach erst Bachs musikalische Auslegung des Kantatentextes durch Vertonung behandelt wird. Der Schwerpunkt wird hierbei eindeutig auf die theologischen Fragen gelegt, auch wenn im Titel von einer "theologisch-musikwisenschaftlichen Kommentierung" gesprochen wird. Petzoldt wurde zwar musikwissenschaftlich beraten, verweist für meinen Geschmack aber doch allzu oft lediglich auf das Dürr-Handbuch, sobald es um die Musik geht.

Auch wenn ich mich schon so manches Mal von der Detailfülle ein wenig erschlagen fühlte - die oft schwer verdaulichen Kantatentexte sind mir durch diesen Kommentar ein gutes Stück näher gekommen - was nicht heißt, dass ich mit ihnen theologisch einverstanden bin. Aber das wäre in Anbetracht der fast 300 Jahre, die mich von dieser Art der Theologie trennen, wohl auch eher erstaunlich.

Mit Gruß von Carola
Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen. (Astrid Lindgren)

MarcCologne

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11

Sonntag, 23. September 2007, 17:59

Hallo Carola,

danke für den Hinweis - ich bin auf diese Veröffentlichung auch schon aufmerksam geworden, allerdings von einer weitergehenden Beschäftigung mit ihr durch den auch von Dir angebrachten Hinweis abgeschreckt worden, dass der musikalische Bezug in den Textauslegungen leider weitgehend unter den Tisch fällt...
Dabei heißt das Buch doch sogar explizit "Bach-Kommentar"?

Komisch, dass der Autor sich dann fast ausschließlich mit den von Bach vertonten Texten befasst, nicht aber mit der diese doch oft erhellenden, kommentierenden Umsetzung Bachs in musikalische Sprache.

Da ich beides ungern trennen möchte, weil mir vor allem die kongeniale Verbindung dieser alten Texte mit Bachs Musik wichtig ist, habe ich bislang gezögert, mich näher mit diesen Büchern abzugeben.

Ich bin also noch etwas unentschlossen...
"Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
(Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

Carola

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12

Sonntag, 23. September 2007, 19:28

Hallo Marc,

in musikalischer Hinsicht habe ich in der Tat bisher noch nicht viel gefunden, was ich nicht auch so oder ähnlich im Dürr-Handbuch hätte nachlesen können. Vielleicht ist es auch etwas viel verlangt, von einem Theologen in dieser Hinsicht das gleiche Niveau zu erwarten wie im Bereich der Textauslegung. Nur hätte ich es ehrlicher gefunden, dann auch nur von einem "theologischen" Kommentar und nicht von einer "theologisch-musikwissenschaftlichen" Kommentierung im Titel zu sprechen. Ich muss allerdings einschränkend sagen, dass ich den Kommentar bisher nur für etwa 10 Kantaten herangezogen habe, vielleicht kommt ja bei den anderen Kantaten noch mehr zur Musik.

Petzoldt selbst sieht das Defizit in der Bach-Kantatenforschung wohl eher auf der Text- und theologischen Seite und diese Lücke möchte er schließen. Wirklich bahnbrechend scheint mir bei ihm vor allem die Einarbeitung dieser bereits erwähnten Olearius-Bibel zu sein. Er geht davon aus, dass sowohl die Kantatendichter als auch Bach selbst auf Grundlage dieses Buches geschrieben bzw. komponiert haben.

Was die Musik angeht, so scheint mir Petzoldts Hinweis richtig, dass von der "musikalischen Ecke" manchmal zu wenig berücksichtigt wird, dass Bach mit seiner Komposition letztlich eine "musikalische Predigt" verfassen wollte - so jedenfalls Petzoldts Ansatz.

Aber um so viel Geld auszugeben, sollte man schon in erster Linie und in hohem Maße an den theologischen Aspekten der Kantaten interessiert sein.
Offenbar gehöre ich zu diesen Leuten - ich wundere mich selber...

Mit Gruß von Carola
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Carola

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13

Sonntag, 2. Dezember 2007, 15:55

Die Partituren

Was ist eigentlich mit diesem Schatz in 19 Bänden, hat den jemand oder überlegt die Anschaffung?



Eine Studienausgabe sämtlicher Kantaten, Choräle und Motetten für 599 € (bis zum 31.12, danach 699 €).

So sehr es mich lockt, bei dem Betrag komme ich doch ins Grübeln. Zumal ich bisher noch nicht mal alle Kantaten auf CD habe. Und, im Gegensatz zu manch musikalisch Hochbegabten hier im Forum, es bei mir nicht ausreicht, auf die Noten zu sehen, um das ganze Werk dann auch zu hören.

Mit Gruß von Carola
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Carola

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14

Samstag, 8. März 2008, 23:44

Zitat

Original von wolfgadamo
Liebe Bach-Exegeten

Zu den Literaturempfehlungen möchte ich hinzufügen:

Bach-Textlexikon.
Haselböck, Lucia
Ein Wörterbuch der religiösen Sprachbilder im Vokalwerk von Johann Sebastian Bach. 225 S. m. zahlr. Illustr. 21 cm 0,344 Kg
2004 Bärenreiter

Die Popularität der Musik Bachs ist ungebrochen. Aber die Texte? Was soll der heutige Hörer denken, wenn vom "süßen Hephata" die Rede ist, das das "verstockte Herz" erweicht, von den "Sodomsäpfeln", die im "Lustrevier" zu brechen sind, oder von der Feststellung, dass Christi "blutgefärbter Rücken in allen Stücken dem Himmel gleiche geht"? Auch wenn sich der heutige Sprachgebrauch von der blumigen barocken Diktion entfernt hat, ist das Verständnis von Wort und Ton entscheidend für eine angemessene Interpretation. In über 300 Stichworten erschließt Lucia Haselböck heute unbekannte Begriffe, metaphorische Formulierungen und theologische Zusammenhänge. Da diese zum Allgemeingut der Zeit Bachs gehörten, ist das Textlexikon ebenso für andere geistliche Texte des ausgehenden 17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gültig. Eine Einleitung skizziert die Traditionslinien zwischen mittelalterlicher Mystik und barocker Frömmigkeit. Zeitgenössische emblematische Kupferstiche machen das bildhafte Denken anschaulich.

Gruß

Adamo


Das Buch sieht übrigens so aus



und ist wirklich gut, wenn man einen Zugang zu den Texten sucht. Wenn nur das Schriftbild etwas größer wäre...

Neben einer recht guten Einführung in die geistliche Lyrik des Barock findet man zu jeder Kantate eine Reihe Stichwörter, die erklärt werden. Heute habe ich zum Beispiel für "Himmelskönig sei willkommen", BWV 182, sämtliche unter dieser Kantate aufgeführten Stichwörter (es sind 22) nachgelesen. Das fängt mit der "Bahn" an, geht mit der Rose weiter und hört mit dem "ziehen" auf. Die jeweiligen Wörter werden nicht nur kurz erklärt, sondern ausführlich in ihren theologischen und historischen Zusammenhang eingeordnet. Man kann natürlich auch unabhängig von einer bestimmten Kantate einfach in den 300 Stichwörtern blättern und dort auch nachlesen, in welchen Kantaten das jeweilige Stichwort überall auftaucht. Nach und nach bekommt man so ein Gespür für diese doch sehr fremden barocken Metaphern und Inhalte.

Schade nur, dass die Autorin den theologischen Kommentar von Martin Petzoldt nicht mehr berücksichtigen konnte, da der erst nach Fertigstellung des Wörterbuches erschien. Trotzdem, für mich ist dieses Lexikon schon jetzt unverzichtbar.

Mit Gruß von Carola
Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen. (Astrid Lindgren)

Sinfonie

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15

Mittwoch, 20. Mai 2009, 08:56

Hallo,

kennt jemand folgende Literatur zu den Bach-Kantaten:

W. Gillies Whittaker: The Cantatas of Johann Sebastian Bach. Sacred & Secular. Volume I , II. New York 1981?

Ist diese Literatur zu empfehlen? Wer kann dazu etwas sagen?

Vielen Dank und viele Grüße

Sinfonie

:hello:

Sinfonie

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16

Donnerstag, 21. Mai 2009, 15:30

Hallo,
auf das folgende Werk wird im Petzold oft verwiesen:

Konrad Küster (Hrsg.): Bach-Handbuch, 1999



Hat jemand Erfahrungen mit diesem Handbuch? Ist es zu empfehlen?

Viele Grüße

Sinfonie

:hello:

musicophil

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17

Donnerstag, 21. Mai 2009, 17:06

Zitat

Original von Sinfonie
Hallo,
auf das folgende Werk wird im Petzold oft verwiesen:

Konrad Küster (Hrsg.): Bach-Handbuch, 1999



Hat jemand Erfahrungen mit diesem Handbuch? Ist es zu empfehlen?

Frag es mal Glockenton. Der weiß vermutlich Bescheid.
Zwar ist er nicht so oft im Forum, aber wenn er da ist, wird er ohne Zweifel antworten auf eine PN.
Oder BigBerlinBear. Auch der könnte Bescheid geben.

LG, Paul
Wirklich schöne Musik rührt