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Alfred_Schmidt

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1

Dienstag, 10. Oktober 2006, 20:59

Nikolaus Harnoncourt pro und contra

Liebe Forianer

Angeregt durch Edwin Baumgartners Vorschlag eröffne ich hiemit einen neuen Thread über Nikolaus Harnoncourt.
Er hat völlig recht, wenn er meint, daß ein "Geburtstags-Thread" (unser Parallel-Thread) Kritik implizit nicht zulässt bzw dämpft, was zu einem verzerrten Bild des Künstlers führt.
Dem Vorschlag, den Thread "das weltbeste Orchester" zu splitten und teilweise hier einzubringen bin ich allerdings nicht gefolgt - der betreffende Thread ist IMO nicht mehr kosmetisch zu retten, wenn man Patchwork ausbessert - ist es und bleibt es Patchwork - ein Fleckerlteppich- wie man in Wien sagt

Und natürlich bekomme ich den Bogen auch hier, wenn ich sage, daß mich an Harnoncourt stört, daß er (im Gegensatz zu den von mir geschätzten Dirigenten) darauf spezialisiert scheint das Hässliche, Unvollkommene in Partituren nicht nur nicht zu glätten - sondern es geradezu betont.

Aber es gibt derzeit geradezu überraschend viel Kritik an diesem Dirigenten (mich erinnert das NUR IN DIESER HINSICHT an den alternden Karajan) - bis vor einigen Monaten erschien der Maestro noch sakrosankt zu sein - heute ist er meilenweit davion entfernt.

Einem scheint er zu langsam, dem andern wieder zu schnell, plötzlich ist er "lahm und langweilig" oder "unmusikalisch"

Da stellt sich die Frage nach den Ursachen.

Ich habe da so meine Vorstellung warum das so ist. aber ich möchte hier nicht vorgreifen

Ring frei !!!


LG aus Wien

Alfred

MIT ARBEIT VERSAUT MAN SICH DIE GANZE FREIZEIT

Masetto

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2

Dienstag, 10. Oktober 2006, 21:38

Harnoncourt geht ein Werk sehr theoretisch an. Er zielt nicht auf Schönklang ab - obwohl man das so auch nicht sagen kann. Schönklang kann auch auf theoretischer Ebene sichtbar werden. Nun ist es ja nicht so, dass man nicht die Auswahl hätte. Harnoncourt hat mir mit dieser Art und Weise schon das eine oder andere Werk auf sehr spezielle Weise erschlossen. Ich finde den gar nicht so verkehrt. Allerdings habe ich mir noch immer nicht seine Bachkantaten angehört.
29.08.1958 - 25.06.2009
gone too soon

Wolfram

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3

Dienstag, 10. Oktober 2006, 21:45

Hallo zusammen,

ich halte Nikolaus Harnoncourt für einen der wichtigsten Interpreten des 20. Jahrhunderts. Ohne ihn wären wir um viele kostbare Aufnahmen ärmer - nicht nur seine eigenen.

Ich gestehe, dass ich erst mit Harnoncourt einen Weg zu Mozart gefunden habe (und dankbar bin, mittlerweile auch die herrlichen Aufnahmen mit E. Kleiber - Figaro, Guilini - Don Giovanni u. v. a. m. schätzen zu können).

In seinem diskographischem Vermächtnis gibt es sicher Referenzaufnahmen wie die Dvorak-Symphonien 7-9 oder zwei Klavierkonzerte von Mozart mit Gulda neben anderem, weniger bezwingendem wie der Matthäuspassion mit dem Concertgebouw Orchestra (seine 2. Einspielung des Werkes). Stets liefert er aber eine interessante Interpretation ab - langweilig ist es nie.

Noch wichtiger als sein eigenes Wirken als Musikforscher und Interpret ist mir jedoch die historische Aufführungspraxis (bzw. historisch informierte Aufführungspraxis usw.), deren aktuellen Kenntnisstand wir zu großen Teilen Harnoncourt verdanken. Ferner hat seine Tätigkeit, zurück zu den Quellen zu gehen, Schule gemacht, so dass wir heute von historisch informierten Interpreten, der zweiten, ja dritten Generation sprechen können. Ich nenne Gustav Leonhardt und Frans Brüggen als Mitstreiter der ersten Generation, die Kujiken-Familie, René Jacobs, Norrington, Hogwood, Christie, Pinnock, Gardiner, das Quatuor Mosaiques (alles ehem. Mitglieder des Concentus musicus Wien) (u. v. a. m) als Mitglieder einer imaginären zweiten Generation und schließlich solch interessante Interpreten wie Alessandrini oder Garrido als sich abzeichnende Vordenker einer dritten Generation.

Gäbe es ein Concerto Köln, einen Andrew Manze, einen Reinhard Goebel samt Musica Antiqua Köln, einen Thomas Hengelbrock ohne Harnoncourt? Sicher, aber würden sie so mitreißend musizieren?

Spannender als die Frage "Harnoncourt pro und contra" (hier gibt es m. E. kein echtes contra, nehmt nur Alles in Allem) finde ich die Frage, ob die Originalklangbewegung quasi in der Luft lag (und eines Harnoncourt keinesfalls bedurft hätte) oder ob hier doch das persönliche Verdienst des Mannes überwiegt, der eine gesicherte Stelle als Cellist bei den Wiener Symphonikern aufgab, um es besser zu machen als die Dirigenten, die ihm sagten, wie er zu spielen habe?
Viele Grüße, Wolfram

Alviano

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4

Dienstag, 10. Oktober 2006, 21:50

RE: Nikolaus Harnoncourt pro und contra

Also, hier bin ich auch sehr gespannt, wie sich das Thema entwickelt. Mein Verhältnis zu NH hat sich sicher im Laufe der Jahre verändert, was aber auch an der Repertoire-Ausweitung des Dirigenten liegt.

Natürlich war er für mich - das liegt an meinem Lebensalter - DER Dirigent, der mir die Klangwelt der Renaissance und des Barocks eröffnet und damit auch den Grundstein für meine Zuneigung zu dieser Musik gelegt hat.

Sein Monteverdi (in den Aufnahmen des Concentus musicus) hat mich in den Siebzigern völlig gefangengenommen - soetwas kannte ich bis dahin nicht.

Bei Bach (vor allem, bei den Passionen) war die Wirkung noch stärker: da hatte ich schon Vergleiche - und Harnoncourt machte das alles völlig anders. Nicht, das ich das sofort schön gefunden hätte - der Klang der Instrumente war gewöhnungsbedürftig, die Haltung der Sänger (also das stilistische), die Tempofrage.

Mein Interesse war geweckt - und ich entdeckte so die Originalklang-Bewegung für mich.

Das, was Alfred S. in der "Anmoderation" sagt, kann ich teilen: plötzlich hört man rauhe Klangfarben, "unschöne" Wendungen da, wo man sie vorher gar nicht wahrgenommen hat.

Drei Beispiele: für mich am auffälligsten in den "Vier jahreszeiten" oder in den Violinkonzerten von Bach, aber auch bei den "Brandenburgischen Konzerten", da kommt vieles geradezu schroff daher.

Nun, einiges aus dieser Frühzeit von NH liegt heute in Neuaufnahmen von ihm vor, bsplsw. die "Matthäus-Passion". Ich denke, auf solche Vergleiche werden wir hier zu einem späteren Zeitpunkt noch eingehen können.

Schwerer tue ich mich mit NHs Mozart oder seinem "Freischütz" - seine "Aida" kenne ich nicht.

Dies für den Anfang - Gruss
Alles was ist, endet

Liebestraum

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5

Dienstag, 10. Oktober 2006, 22:06

Hallo Forianer,

Harnoncourt gehörte für mich zu den bedeutendsten Dirigentenpersönlichkeiten der Musik bis 1830. :yes:

Seine Leistungen für die historische Aufführungspraxis sind unbestritten und von bleibendem Wert. Seine Monteverdi-, Bach-, Händel-, Mozart-, Haydn- und Beethoven-Aufnahmen haben Maßstabe gesetzt. :jubel:

Was er allerdings in letzter Zeit veröffentlicht hat z.B. Händels "Messiah" und sein Dirigat von "Le Nozze de Figaro" zu den diesjährigen Salzburger Festspielen ließ mich stark auf Distanz gehen. Wenn ich früher bedenkenlos zu Harnoncourt greifen konnte, muss ich mich jetzt beim Hineinhören oftmals enttäuschen lassen, leider auch im Bereich der Alten Musik. :no:

Seine Ausflüge in die Sinfonik nach Beethoven konnten mich nicht richtig überzeugen. Vieles wird von ihm arg durchleuchtet und aufgegliedert, so dass er aus meiner Sicht die Geschlossenheit des Werkes aus den Augen verliert. Das fiel mir besonders bei seinen Bruckner-Interpretationen auf. :yes:

Auch über seine Aufnahmen der Werke von Johann Strauß jr. möchte ich den Mantel des Schweigens hüllen. Auch wenn er den Philharmonikern seine Interpretationen sehr anschaulich nahebringt, bleibt das Ergebnis für den Hörer sehr schwach. Man höre nur die hevorragenden Einspielungen unter Fritz Reiner, Arthur Fiedler, Willi Boskowsky, Carlos Kleiber, Lorin Maazel. Da klingt das alles viel schwungvoller, da geht richtig die Post ab! :yes:

Herzliche Grüße
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Das wahre Genie wird bei Bewunderung des Fremden nicht dessen Nachahmer,
sondern erhält dadurch nur den schönen Anstoß, neue Bahnen zu finden.
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... wenn ich keine Oper unter den Fäusten habe ist mir nicht wohl!
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Ulli

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6

Dienstag, 10. Oktober 2006, 22:26

Nikolaus Harnoncourt contra

Salut,

von meiner Seite aus kommt da kein "pro" mehr, selbst wenn ich noch seinen 2005er Haydn [Orlando di Paladino] durchaus loben musste. Was dieser Mensch in letzter Zeit treibt, geht mir dermassen auf die Nerven, dass ich ihn einfach nicht mehr ernst nehmen kann.

Er selbst widerspricht sich, wenn er auf der einen Seite behauptet, es richtig machen zu wollen und im nächsten Atemzug hervorhebt, dass er Übertreibungen vornehmen muß, weil das heutige Publikum einfach nicht mehr in der Lage sei, das angeblich geniale einer Stelle x zu verstehen.

[So oder ähnlich habe ich das irgendwo gelesen oder gehört - man darf mich gerne korrigieren].

Da kann ich nur :no:

Auch seine Einspielung von Mozarts KV 522 ist der blanke Schwachsinn. Dazu schrieb ich bereits:

Zitat

Original von Ulli
[...] Ich habe kürzlich beispielsweise aus Interesse und durch Zufall SEINE Interpretation von KV 522 ausschnittweise gehört: Es war, wie war es auch anders zu erwarten: Übertrieben. Da lob ich mir doch die eher pimperliche Academy of St. Nikolaus in the... die spielen einfach, als wär nix. Das kommt [bei mir] viel besser 'rüber... und das ist - auch, ohne dass die Academy sich mit alten Instrumenten und Spielweisen abgeben würde - HIPer, als das Ergebnis von NH. Was er GUT gemacht hat: er hat das Menuet extrem langsam gespielt. Da hat er objektiv gut beobachtet, wie Laienorchester an so eine Sache 'rangehen... wo er das nur her hat? :stumm: [ich meine damit: er muß es ja nicht auf seine Öffentlichkeitsarbeit übertragen].

[...]


Mich stört dabei weniger der aggressive Tonfall in der Musik, das ist für mich ein Zeichen der Lebendigkeit. Mich stört aber, wenn man den musikalischen Text absichtlich ändert und in der Konsequenz falsch spielt bzw. spielen lässt. Und das [wie er selbst ja sagt] ausschliesslich zu dem Zwecke, es anders zu machen als andere.

Sein Salzburger 'Figaro' war mehr als nur ein Reinfall: Es war zum Kotzen! Das einzige, was er bewirkt hat ist, dass wir uns tagelang im Forum die Köpfe eingeschlagen haben. Ansonsten redet niemand mehr von dieser "Jahrhundertroduktion", ganz zu schweigen von Schwärmen [von den beiden nikophilen mal abgesehen]. Menschen, die für soetwas freiwillig auf dem Schwarzmarkt 10.000 € anbieten, müßte man vollständig aus dem Verkehr ziehen.

Und - ich muß ehrlich gestehen - ich fühle mich durch diese Produktion noch immer persönlich beleidigt, was gemeinhin der Menschheit bei mir nicht leichtfällt.

Zitat

Gäbe es ein Concerto Köln, einen Andrew Manze, einen Reinhard Goebel samt Musica Antiqua Köln, einen Thomas Hengelbrock ohne Harnoncourt? Sicher, aber würden sie so mitreißend musizieren?


Was bitte hat CK mit NH zu tun? ?(

Zitat

...so dass er aus meiner Sicht die Geschlossenheit des Werkes aus den Augen verliert.


Wenn er sie mal im Auge gehabt hätte, wäre ich bereits zufrieden gewesen.

So kann ich nun nur noch darauf warten, ein paar auf's Auge zu bekommen. Aber lieber das, als jemals nocheinmal NH zu hören oder zu sehen. Lieber höre ich dann Bartok [Soloviolinsonate]...

:hello:

Ulli
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Theophilus

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7

Dienstag, 10. Oktober 2006, 22:29

Hi

Zitat

Harnoncourt gehörte für mich zu den bedeutendsten Dirigentenpersönlichkeiten der Musik bis 1830.

Definitiv zu kurz. Er ist zumindest auch ein wichtiger Schumann-Interpret, daher müsste man wenigstens 1850 ansetzen.

:hello:

Ciao

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Liebestraum

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8

Dienstag, 10. Oktober 2006, 22:45

Hallo Theophilus,

mein Zeitraum wurde mit bedacht gewählt! Harnoncourt ist kein herausragender Schumann-Dirigent, wie er auch kein herausragender Brahms- und Bruckner-Dirigent iist, von Dvorak und Smetana ganz zu schweigen!

Herzliche Grüße
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Alviano

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9

Dienstag, 10. Oktober 2006, 22:51

Hallo,

es kristallisiert sich hier (Liebestraum/Theophilus) schon heraus, dass die Verdienste von Harnoncourt um die "Alte Musik" anscheinend von niemandem ernstlich in Frage gestellt werden - aber die Ausweitung in "jüngere" Gefielde zumindest umstritten ist.

Bei Strauß jr. finde ich die "Fledermaus" nicht so schlecht, C. Kleiber ist besser, gut, aber einen quellengenauen "Zigeunerbaron" empfand ich, trotz sängerischer Schwächen, erstmal als Bereicherung des Plattenkatalogs.
Alles was ist, endet

Theophilus

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10

Dienstag, 10. Oktober 2006, 22:52

Hi

Zitat

Harnoncourt ist kein herausragender Schumann-Dirigent,...


Da wäre ich mir nicht so sicher. NH ist zur Zeit mit Genoveva und den Szenen aus Goethes Faust weit und breit konkurrenzlos gut. Die anderen Komponisten fallen überhaupt nicht in meinen Zeitraum.

:hello:

Ciao

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Liebestraum

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11

Dienstag, 10. Oktober 2006, 23:02

Hallo Alviano,

bei dem "Zigeunerbaron" hast du recht, ich meinte eher seine unsäglichen Dirigate der Strauß-Konzerte mit seiner Interpretation von Walzern usw.

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Alfred_Schmidt

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12

Dienstag, 10. Oktober 2006, 23:02

Da ich immer predige nicht vom Thema abzuweichen kann ich es wohl nicht selbst tun.
Daher begnüge ich mich lediglich damit, zu behaupten auch ohne Nikolaus Harnoncourt hätte (habe) es eine HIP - Bewegung gegeben - sie wäre allerdings anders verlaufen.
Denn das was heute als HIP verkauft wird, ist IMO sehr oft (nicht immer !!) alte Werke dem heutigen Zeitgeschmack anzupassen - dazu mehr in einem eigenen Thread.

Dennoch war Harnoncourt als Interpret und einer der Pioniere (es gab auch andere) des "Originalklangs"

Für mich wurde er bereits unglaubwürdig, als er erklärte mit modernem Instrumentarium den Klang alter Instrumente erreichen zu wollen.

Zum einen ist das unwahrscheinlich - zum andern Spekulation.

Letzlich haben mich andere Protagonisten der HIP-Bewegung mehr überzeugen können (Pinnock uns sein "The English Concert" oder die "Akademie alter Musik Berlin" - ja sogar Il giardino armonico hat mich überzeugt - ich glaube denen zwar nicht den historischen Bezug - aber die Spielfreude.

Harnoncourt hat (fast) alles was er je dirigierte, ungenießbarer gemacht als es eigentlich war. Besonders schmerzt mich, daß er von etlichen als Mozartspezialist anerkannt wird. Kein Wunder wenn Mozarts Beliebtheit eher unterdurchschnittlich ist - bei solchen Interpreten.

Es gibt IMO etliche Möglichkeiten Mozart zu interpretieren, bei Harnoncourt klingt er IMO wie Techno (überspitzt formuliert)

Letztlich mutierte der "Spezialist für Alte Musik" zum "Universalspezialisten" -> weiss alles - kann alles - dirigiert alles.

Dennoch - seine Mozart Einspielungen werden von seiner ehemaligen Plattenfirma (Warner) alle auf den Grabbeltisch geworfen - warum wohl ?

mfg
aus Wien
Alfred

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Alviano

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13

Dienstag, 10. Oktober 2006, 23:08

Hallo Liebestraum,

ah, das kenne ich nicht, danke für die Klarstellung. Ich hab aber auch schon bei Smetana und Bruckner gezuckt - ich wusste nicht, dass NH das gemacht hat, bin mir nicht sicher, ob ich das hören möchte (den Bruckner sicher nicht...)

Gruss zurück nach B (seufz, aber da bin ich im November wieder!)
Alles was ist, endet

Liebestraum

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14

Dienstag, 10. Oktober 2006, 23:13

Hallo Alviano,

unter Harnoncourt gibt es Smetanas "Mein Vaterland", Dvoraks Sinfonien 7-9, Sinfonische Dichtungen, Slawische Tänze, Klavierkonzert...

Diese Aufnahmen muss man(n) wirklich nicht hören, geschweige dann kaufen... :no:

Herzliche Grüße
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Ulli

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15

Dienstag, 10. Oktober 2006, 23:17

Zitat

Original von Alfred_Schmidt
Es gibt IMO etlich Möglichkeitn Mozart zu interpretieren, bei Harnoncourt klint er IMO wie Techno (überspitzt formuliert)


Hm. Das würde ich so nicht sagen: Der Klang von z.B. dem Concentus Musicus gefällt mir durchaus. Es geht viel mehr um die Interpretation an sich, die ich ohnehin für Quatsch halte. Die Musik spricht zumindest in seinem angeblichen Spezialgebiet [der Mozartzeit] für sich. Ich empfinde es absolut störend und den Musikfluß hemmend, wenn plötzlich aus irgendeiner Spinnerei heraus Pausen anders "interpretiert", Tempi vermatscht und Notenwerte geändert, Fermaten gesetzt werden.

Da gehts mir genau anders herum, als dem lieben Edwin: Lieber eine schlechte - dafür richtige - Umsetzung [z.B. Jacobs (mit Abschlägen)], als eine falsche und dafür gut gespielte.

Soetwas, wie der Salzburger Figaro, ist einfach unerhört - und das sollte es auch bleiben.

Ich habe schon Dirigenten gehört, die meinten, ein Dirigent sei Harnoncourt nicht. Aber seine Kammermusik war gut. Ich habe letzteres nicht geprüft und eigentlich auch kein Interesse mehr daran.

:hello:

Ulli

P.S. Wird das hier der große :hello: -Thread? :D
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Theophilus

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16

Dienstag, 10. Oktober 2006, 23:23

Also die Slawischen Tänze sind ganz vorzüglich! Die kann man auch bedenkenlos kaufen.

:hello:

Ciao

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Liebestraum

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17

Dienstag, 10. Oktober 2006, 23:28

Hallo Theophilus,

dann höre mal die Slawischen Tänze unter Szell, Dorati, Kubelik oder Maazel... ein Unterschied wie Tag und Nacht!

Herzliche Grüße
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Theophilus

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18

Dienstag, 10. Oktober 2006, 23:56

Zitat

Original von Liebestraum
Hallo Theophilus,

dann höre mal die Slawischen Tänze unter Szell, Dorati, Kubelik oder Maazel... ein Unterschied wie Tag und Nacht!

Herzliche Grüße
von LT :hello:

Wie so oft bei Harnoncourt. Man meint die Tänze neu zu hören. Und sie sind gar wohl geraten (was nichts gegen deine genannten Aufnahmen sagt!).

:hello:

Ciao

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petemonova

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19

Mittwoch, 11. Oktober 2006, 00:08

Hallo,

ich habe in meiner Sammlung relativ viel von Harnoncourt. Ich weiß aber auch nicht genau, woran das liegt. Mir gefällt sein Interpretationsstil, auch wenn ich weiß, dass er oft sehr eigen ist.

Ziemlich gut gefallen mir:

Bach: Brandenburgische Konzerte
Haydn: Londoner Sinfonien mit dem Concertgebouw Orchestra
Beethoven: Fidelio, Sinfonien 1-9
Schubert: Sinfonien 1-9
Brahms: Violinkonzert + Doppelkonzert mit Kremer und Hagen
Dvorák: 9. Sinfonie, Slawische Tänze, Klavierkonzert mit Aimard


Gruß, Peter.
Musik zu hören ist zweifellos eine der extravagantesten Arten, sein Geld auszugeben.
- Mauricio Kagel

Liebestraum

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20

Mittwoch, 11. Oktober 2006, 00:16

Hallo Peter,

natürlich hat jeder seinen eigenen Musikgeschmack. Es wäre ja auch schlimm, wenn das nicht so wäre...

Manche Jugendaufnahme ist für einen persönlich so prägend, dass man sie gegenüber anderen vorzieht.

Stell dir mal vor, alle würden nur Karajans Aufnahmen schätzen und kaufen... :no:

Wie ich in einigen Beiträgen vorher schon geschrieben habe, auch ich habe sehr viele Harnoncourt-Aufnahmen, aber eben mit den angegebenen Grenzen...

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tuonela

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21

Mittwoch, 11. Oktober 2006, 09:00

Absolut für mich die bedeutendste Musikerpersönlichkeit der letzten Jahrzehnte.
Was immer er in die Hand nimmt, ist in jeder Note durchdacht, folgt dem Autograph und ist Musik und keine Tonreihung.
Was immer ich von ihm höre (und da sind auch Komponisten dabei, die ich sonst eigentlich nicht mag, so ist Schumann nicht mein Ding), ist spannend, musikalisch verständlich (!) und bietet einen großen Bogen.

Klar, er eckt bei einigen Schönklänglern und "Aberbachspieltmansoundnichtso"-Verfechtern noch immer an. Weil er eben nicht Brahms-Ausgaben heranzieht und diese abspult, sondern weil er an die Wurzeln geht. Das ist das, was ihn von vielen anderen Dirigenten so abhebt, die eben nachmachen, was ihnen seit Jahrzehnten - eigentlich seit der Liszt-Zeit - vorgemacht wird.

Es ist sein Verdienst, daß er die Alte Musik wirklich ins Repertoire und aus der Rolle der bloßen Zutat ("Händel zum Einspielen") geholt hat. Daß Musik so besetzt wird (ich meine primär die Stärke und Anordnung), wie der Komponist sie besetzt hat - weg von Vierfachbesetzung und Grandiosklang. Daß Bachs Passionen nicht notgedrungen zur Karzeit in der Kirche gespielt werden und endlose und viel zu viele Arien haben, sondern daß sie packende Dramen sind, in denen aufgezeigt wird, daß Massenhysterie, Beeinflussung der Massen, Aufwiegelung, Gewalt, Brutalität, Lüge immer noch genau so existieren wie vor 2.000 Jahren (und davor).

Es ist sein Verdienst, daß Mozart nicht mehr der süßelnde Rokoko-Komponist ist und Haydn sein Vasall, das ist der mit der Abschieds-Symphonie und den Jahreszeiten. Daß Telemann keine Musik "zum Essen", sondern "zwischen den Gängen" geschrieben hat und überhaupt nicht langweilig ist.

Mozarts diesjährigen "Figaro" in Salzburg halte ich für eine Glanzleistung. Nicht weil H. es dirigiert hat. Sondern weil da von der ersten bis zur letzten Note Spannung herrschte. Ich bin kein deklarierter Opernfan, und schon gar nicht sehe ich mir Opern normalerweise im TV an (ich habe kein Breitwand-TV); eigentlich wollte ich mir die Aufführung gar nicht anschauen, ein Freund hat sie mitgeschnitten. Aber dann saß ich davor, und es war wie eine Tragikomödie mit Betonung auf "Tragi-" - einfach toll. Ich bin sonst auch schon gar nicht der Freund moderner Inszenierungen, mit Arbeitsanzügen und Leitern in Barockopern usw. Aber hier paßte es, weil es alles auf die Musik konzentrierte und die Dramatik in dem nur scheinbar lustigen Stück hervorhob.

Herzlichst
tuonela
"Waaaas, noch lauter?" - "Nein, ein wenig lauter."

Ulli

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22

Mittwoch, 11. Oktober 2006, 09:10

Salut,

Zitat

Original von tuonela

Was immer er in die Hand nimmt, ist in jeder Note durchdacht, folgt dem Autograph [...]


Eben nicht. Woher hast Du diese Informationen? Du hast also den 'Figaro' mit der Partitur verfolgt? Und Du weißt, dass NH speziell für den 'Figaro' einen neuen Stimmensatz kreiert hat, der nicht dem Autograph entspricht, wohl aber im weitesten Sinne "angelehnt" ist?

Zitat

Es ist sein Verdienst, daß Mozart nicht mehr der süßelnde Rokoko-Komponist ist und Haydn sein Vasall, das ist der mit der Abschieds-Symphonie und den Jahreszeiten.


So? Waren sie das jemals?

Zitat

Mozarts diesjährigen "Figaro" in Salzburg halte ich für eine Glanzleistung.


Ohje... ;(

Zitat

Sondern weil da von der ersten bis zur letzten Note Spannung herrschte.


Der Abend war in der Tat spannend: Wird der in diesem Jahr noch fertig?

Zitat

Aber dann saß ich davor, und es war wie eine Tragikomödie mit Betonung auf "Tragi-" - einfach toll.


Genau das war ja neben den Tempi und anderen unerträglichen Fehlern [von wegen jede Note nach dem Autograph] einer der Kapitalfehler: Der Figaro ist eben keine [!] Tragödie, sondern eine opera buffa.

Harnoncourt verfälscht, und das offenbar mit ruhigem Gewissen.

:hello:

Ulli
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Registrierungsdatum: 5. Mai 2006

23

Mittwoch, 11. Oktober 2006, 09:20

Hallo Tuonela,

ich unterstreiche ausdrücklich Ullis Aussagen.

Karl Böhm würde im Grab routieren, wenn seine Interpretationen der Mozart-Sinfonien als süßelnde Deutungen dastehen würden...

Auch die ausgezeichneten Einspielungen der Mozart-Sinfonien aus den 70er Jahren mit der Academy St. Martin in the Fields unter Neville Marriner zeigen keine Spur von süßelnden Interpretationen...

Herzliche Grüße
von LT :hello:
Arm bin ich auf die Welt gekommen,
alle meine Mitgift ist Haupt und Hand.
---
Beharrlichkeit führt zum Ziel!
---
Das wahre Genie wird bei Bewunderung des Fremden nicht dessen Nachahmer,
sondern erhält dadurch nur den schönen Anstoß, neue Bahnen zu finden.
---
... wenn ich keine Oper unter den Fäusten habe ist mir nicht wohl!
---
Soli deo gloria
(CMvW -- Carl Maria von Weber)

tuonela

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24

Mittwoch, 11. Oktober 2006, 09:41

Hallo Liebestraum,

nun - Karl Böhm pflegte den Schönklang durchaus - Mozart als Dramatiker konnte er nur bis zu einem gewissen Grade umsetzen. Man sieht das sehr schön an den letzten großen Symphonien.

Und die Academy? sie war bestimmt zu ihrer Zeit "revolutionär" - aber geglättet hat sie letztlich genauso. Neulich fragte hier mal jemand nach Bachs "Kunst der Fuge": die habe ich aus eben dem Grund verkauft. Zu glatt.

Was Ulli betrifft, so war die prompte Reaktion klar.
:)

Herzlichst
tuonela
"Waaaas, noch lauter?" - "Nein, ein wenig lauter."

Ulli

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25

Mittwoch, 11. Oktober 2006, 09:53

Zitat

Original von tuonela

nun - Karl Böhm pflegte den Schönklang durchaus - Mozart als Dramatiker konnte er nur bis zu einem gewissen Grade umsetzen. Man sieht das sehr schön an den letzten großen Symphonien.


Das liegt aber durchaus mitunter auch an der Wahl der Instrumente [alte/neue]. Die Wahlmöglichkeit hatte man damals noch nicht so ausgeprägt, wie heute. Darauf kommt es mir auch überhaupt nicht an: Ich mag sowohl den Klang eines Concerto Köln, wie auch den "moderner" Orchester und wähle hier je nach meinem aktuellen Bedürfnis. Da ist nichts in die Schubladen "richtig" oder "falsch" abzulegen. Die "Glättung" liegt m. E. vielmehr darin, dass die Instrumente im Laufe der Zeit "perfekter" geworden sind, was den Klang und die Umsetzung betrifft. So klingen eben die alten Instrumente grundsätzlich etwas ruppiger, es sei denn, man beschäftigt sich mit diesen Instrumenten und holt heraus, was geht, wie z.B. Les talens Lyriques. Dieses Ensemble spielt ebenfalls auf Originalinstrumenten: Scheppern tut da aber nichts...

Zitat

Original von Alfred
Für mich wurde er bereits unglaubwürdig, als er erklärte mit modernem Instrumentarium den Klang alter Instrumente erreichen zu wollen.


Umgekehrt müßte er es machen, zumindest, wenn er Mozart spielt. Der nämlich war Perfektionist [ob er das immer um- und durchsetzen konnte, ist eine ganz andere Frage].

Zitat

Was Ulli betrifft, so war die prompte Reaktion klar.
:)


Was hat das zu bedeuten? Ich gehe davon aus, dass verschiedene Meinungen in einem Forum gefragt sind!? Zudem konnte ich Deine offenbar ungeprüften Aussagen nicht so stehen lassen...

Was dieser Stümper in jüngster Zeit mit Mozarts Musik macht, hat mit Mozart nicht im Geringsten mehr etwas zu tun - ich mag eben den Originalklang. :P

Natürlich ist es sehr lobenswert, dass sich NH neben den gedruckten Partituren mit den Autographen [sofern sie noch vorhanden sind] beschäftigt. Es gehört m. E. immer zu den Aufgaben eines Dirigenten, Quellenstudium zu betreiben. Das ist also nichts, was man besonders hervorheben muß. Und wenn man das tut, hat man etwas anderes zu verbergen. Zudem fürchte ich, dass er den falschen Augenarzt konsultiert hat.

Wenn er so oft pro Jahr Geburtstag hätte, wie er zerstört, würde ein Jahr nicht ausreichen, um ihn gebührend zu feiern!

Und falls sich nun ein gewisser, geschätzter, Glockenton persönlich angegriffen fühlt, so liegt dies keinesfalls in meinem Interesse. Und falls dies doch so 'rüberkommt: Dann ist eben Gleiches mit Gleichem abgegolten.

:hello:

Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
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Liebestraum

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26

Mittwoch, 11. Oktober 2006, 09:59

Hallo Tuonela,

jetzt bist du aber am Thema vorbei, nach deiner Meinung brachten die Orchester vor Harnoncourt nur süßelnden Mozart.

Das ist so nicht wahr!


Herzliche Grüße
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Theophilus

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27

Mittwoch, 11. Oktober 2006, 10:18

Zitat


Was dieser Stümper in jüngster Zeit mit Mozarts Musik macht, hat mit Mozart nicht im Geringsten mehr etwas zu tun - ich mag eben den Originalklang.

Natürlich ist es sehr lobenswert, dass sich NH neben den gedruckten Partituren mit den Autographen [sofern sie noch vorhanden sind] beschäftigt. Es gehört m. E. immer zu den Aufgaben eines Dirigenten, Quellenstudium zu betreiben. Das ist also nichts, was man besonders hervorheben muß. Und wenn man das tut, hat man etwas anderes zu verbergen. Zudem fürchte ich, dass er den falschen Augenarzt konsultiert hat.

Wenn er so oft pro Jahr Geburtstag hätte, wie er zerstört, würde ein Jahr nicht ausreichen, um ihn gebührend zu feiern!

Salut,

jetzt reicht es langsam. Es ist dir unbenommen, anderer Meinung zu sein als NH, es ist schon bedenklich, dass du andere Einschätzungen prinzipiell ablehnst, es ist aber völlig indiskutabel, dass du anfängst, NH zu beschimpfen. Brems dich also bitte etwas ein.

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

Ulli

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28

Mittwoch, 11. Oktober 2006, 10:29

Zitat

Original von Theophilus
jetzt reicht es langsam. Es ist dir unbenommen, anderer Meinung zu sein als NH, es ist schon bedenklich, dass du andere Einschätzungen prinzipiell ablehnst, es ist aber völlig indiskutabel, dass du anfängst, NH zu beschimpfen. Brems dich also bitte etwas ein.


Macht ER etwas anderes mit Mozarts Musik?

ER steht in der Öffentlichkeit, nicht ICH. Darin liegt der Unterschied. Solange er mir Opernabende versaut, darf ich auch über ihn herziehen - das liegt ganz in der Natur der Sache und sollte von einem Menschen mit höherem Denkvermögen, das ich NH mal vorbehaltlos unterstelle, mit eingeplant sein. Außerdem juckt es ihn ganz sicher denkbar wenig, was ich von ihm halte. Er weiß eben, im Gegensatz zu mir, wie man rücksichtslos zu Kohle kommt. D. h. wissen tue ich es auch...

:hello:

Ulli
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Theophilus

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29

Mittwoch, 11. Oktober 2006, 10:37

Zitat

Macht ER etwas anderes mit Mozarts Musik?

ER steht in der Öffentlichkeit, nicht ICH. Darin liegt der Unterschied.

Erstens sind nicht alle deiner Meinung, zweitens muss auch in diesem Forum ein Minimum an künstlerischer Freiheit gewährleistet werden, ohne dass es zu Beschimpfungen kommt und drittens gibt es zwar ein Stück Publikumsbeschimpfung aber noch keines namens Künstlerbeschimpfung, und das wollen wir auch hier nicht einführen. ;)

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

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30

Mittwoch, 11. Oktober 2006, 10:40

Zitat

Original von Theophilus

Erstens sind nicht alle deiner Meinung, zweitens muss auch in diesem Forum ein Minimum an künstlerischer Freiheit gewährleistet werden, ohne dass es zu Beschimpfungen kommt und drittens gibt es zwar ein Stück Publikumsbeschimpfung aber noch keines namens Künstlerbeschimpfung, und das wollen wir auch hier nicht einführen. ;)



Ich wüsste nicht, wo ich ihn ernsthaft beschimpft habe? Das ist vermutlich reine Interpretationssache - da bist Du vielleicht auch etwas zu wenig abgehärtet... und das obwohl Du NH's "Musiksprache" so schätzt.

Unter künstlerischer Freiheit verstehe ich etwas anderes, als Werke umzuschreiben und sie dann noch mit dem originären Titel zu versehen.

:hello:

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