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Alfred_Schmidt

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1

Montag, 2. Oktober 2006, 20:09

Legendäre Tontechniker und Produzenten der Klassikbranche

Liebe Forianer,

Wenn wir hierr über Tonaufnahmen sprechen, bzw schreiben, dann fallen viele Namen von Interpreten.
Selten, nur allzu selten werden jedoch Produzenten und - imo noch wichtiger - Tontechniker erwähnt.
Dabei war es speziell in der Anfangszeit von HIFI und Stereo sehr wichtig WER da die Hand an den Reglern hatte und welches Studio zur Verfügung stand.

Ich ge so weit zu behaupten, daß der Tontechniker von einst (gemeint sind hier speziell die 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts) fast ebenso großen Anteil am Gelingen einer Produktion hatte, wie die aktiv Ausführenden. Manche Toningenieure haben den Aufnahmen, die sie machten ihren unverwechselbaren Stempel aufgedrückt - das konnte beglückend - aber auch frustrierend sein.

Ich kenne einige wenige Namen im Klassikbereich, deren Tonaufnahmen bis heute unerreicht sind - zumindest nach meinem Dafürhalten.

Mich würde interessieren, ob auch ihr solche "Stars" der Tontechnik kennt, bzw ob es solche noch heute gibt. Ich habe rein subjektiv den Eindruck, daß bei leicht gehobenem Allgemeinlevel (negative Aussreißer sind selten geworden) die Individualität der "Götter am Reglerpult" nachgelassen hat. Sie sind beliebig ersetzbar. (??)

mfg

aus Wien

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Liebestraum

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2

Montag, 2. Oktober 2006, 20:13

Hallo Forianer,

für wichtige Produzenten halte ich Walter Legge (EMI) und Richard Mohr (RCA)


Herzliche Grüße
von LT :hello:
Arm bin ich auf die Welt gekommen,
alle meine Mitgift ist Haupt und Hand.
---
Beharrlichkeit führt zum Ziel!
---
Das wahre Genie wird bei Bewunderung des Fremden nicht dessen Nachahmer,
sondern erhält dadurch nur den schönen Anstoß, neue Bahnen zu finden.
---
... wenn ich keine Oper unter den Fäusten habe ist mir nicht wohl!
---
Soli deo gloria
(CMvW -- Carl Maria von Weber)

JuergenB

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3

Montag, 2. Oktober 2006, 20:25

Guten Abend,

Ich hätte zu dem Thema eine Frage: Weiss jemand, wer für die m.E. ausserordentlich gute Qualität de Philips Klavieraufnahmen, insbesondere derer Alfred Brendels, verantwortlich ist ?

Beste Grüsse,

Jürgen

Alfred_Schmidt

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Registrierungsdatum: 9. August 2004

4

Montag, 2. Oktober 2006, 20:55

Ich hab grade nachgeschaut.

Unterschiedliche Locations, unterschiedliche Toningenieure quer durch die Serien.
Der spezielle Philips Klang, klar - hell und schlank - er kommt Klavier generell entgegen - dürfte auf das verwendete Tonaufnahme-Equipment zurückzuführen sein.

mfg
aus Wien
Alfred

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Khampan

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5

Dienstag, 3. Oktober 2006, 00:18

Begriffsverwirrung

Hallo,

für den Klang zuständig ist normalerweise hauptsächlich der "Toningenieur" ("sound engineer" oder "balance engineer"). Die Begriffe Produzent, Tonmeister, Aufnahmeleiter, Toningenieur, Tontechniker sind leider nicht eindeutig definiert, teils werden sie von den einzelnen Labels sehr unterschiedlich benutzt. Vor allem im deutschen Sprachbereich herrscht eine ziemliche Begriffsverwirrung, u.a. weil es hier die unklare (und unübersetzbare) Bezeichnung "Tonmeister" gibt, die sowohl Aufnahmeleiter als auch Toningenieur als auch eine Personalunion von beidem bedeuten kann.
Im Zweifelsfall sind die englischen Bezeichnungen aussagekräftiger.

Als "Tontechniker" wird im allgemeinen der reine Techniker bezeichnet, der für den reibungslosen Ablauf, aber nicht für den Klang einer Aufnahme verantwortlich ist.

Dies nur damit ihr in den Booklets nicht nach den falschen Leuten sucht...


zu Philips:
Das Equipment würde ich eher nicht für einen typischen Klang verantwortlich machen, auch wenn die großen Labels regelmäßig in das Innenleben der Geräte "von der Stange" eingegriffen haben, um einen noch besseren Klang herauszukitzeln.
Für Brendel verantwortlich war jahrzehntelang der Philips-Startonmeister Volker Straus. Sofern er nur als "Producer" aufgeführt ist, darf man davon ausgehen, daß ebenso die Klangeinstellung auf sein Konto geht, auch wenn ein "sound engineer" mit von der Partie war. Straus wurde irgendwann nach 1990 pensioniert.

Gruß, Khampan

JuergenB

Anfänger

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Registrierungsdatum: 30. September 2006

6

Sonntag, 22. Oktober 2006, 23:41

Hallo,

ich bin eigentlich nicht besonders audiophil veranlagt, aber es gibt doch noch den einen oder anderen Namen, der mir einfällt:

- Georges Kisselhoff, der viel für Calliope gearbeitet hat (und immer noch arbeitet ?)

- René Gambini, Gründer und Tonmeister des Labels Lyrinx, das ganz ausgezeichnete Klavieraufnahmen macht.

- Die Herren Dabringhaus und Grimm machen, nach den CDs von MDG, die ich besitze (z.B. die Liszt-Aufnahme von Bavouzet) einen guten Job.

Naja, "Legenden" sind das wohl keine, aber Leute die für kleinere Labels mit viel Liebe und Sachverstand bei der Sache sind.

Beste Grüsse,

Jürgen

musicophil

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7

Sonntag, 22. Oktober 2006, 23:47

Zitat

Original von Alfred_Schmidt
Ich hab grade nachgeschaut.

Der spezielle Philips Klang, klar - hell und schlank - er kommt Klavier generell entgegen - dürfte auf das verwendete Tonaufnahme-Equipment zurückzuführen sein.

Lieber Alfred,

Ich habe bereits einmal hier im Forum geschrieben, kann es aber leider nicht zurückfinden, daß jene Philips Klang kam, weil Philips damals ein besonder guten Tontechniker hatte. Die Name habe ich vergessen, aber ist in meinem Beitrag zu finden. Der mann (und sein Team) war einmalig.

LG, Paul
Wirklich schöne Musik rührt

Khampan

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8

Montag, 23. Oktober 2006, 11:44

Hallo Paul,

über die Suchfunktion kommt man auf deinen früheren Beitrag. Da tauchen folgende Namen auf:
Jaap van Ginniken / Wilhelm Hellweg / Volker Strauss / Onno Scholtze

Jaap van Ginniken kenne ich nicht. Hellweg (selbst Pianist) war der Gegenspieler von Straus (in Holland schrieb er sich ohne -ss) und etwas mehr fürs "grobe". Scholtze entwickelte eine eigene, mehr "abgerundete" Klangphilosophie, und kam überhaupt etwas später dazu, oder?

Gab es vielleicht Ginniken + Straus als Team?
Als Holländer kannst du ja mal unverbindlich beim Philips-Nachfolger Pentatone Classics anrufen. Die alten Kollegen dürften an keine Schweigepflicht mehr gebunden sein...
(Interessant, wenn man auf die Hompage von Pentatone geht, wird einem gleich das DSD-Remaster einer alten Straus-Aufnahme präsentiert, Schumann mit Inbal, darunter der Hinweis: Producer: Volker Straus †)

Gruß, Khampan

heinz.gelking

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9

Montag, 23. Oktober 2006, 13:15

Das Mercury-Team...

ist unter Plattensammlern wegen der hervorragend klingenden Mercury-LPs (u.a. mit Kubelik, Dorat, Starker,...) ziemlich bekannt. Es bestand aus Robert ("Bob") Fine und Wilma Cozart Fine. Hier nähere Infos:

http://www.soundfountain.com/amb/mercury.html

Von der EMI dürften Suvi R. Grubb und Christopher Parker recht bekannt sein. Bei der DECCA natürlich Culshaw als Produzent.

Freundliche Grüße

Heinz

musicophil

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10

Montag, 23. Oktober 2006, 13:21

Hallo Khampan,

Es waren meist Jaap van Ginniken und Straus. Sie waren ein Unikum.
Was ihn so unterscheidete, war offenbar ihr Gehör oder ihr Vorstellungsvermögen.
Jedenfalls erkannte man sofort ein Werk, wo sie Toningenieure waren, zusammen sowie vereinzelt.

LG, Paul
Wirklich schöne Musik rührt

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Registrierungsdatum: 3. September 2006

11

Montag, 23. Oktober 2006, 15:00

Zitat

Original von JuergenB
- Die Herren Dabringhaus und Grimm machen, nach den CDs von MDG, die ich besitze (z.B. die Liszt-Aufnahme von Bavouzet) einen guten Job.


Auf Dabringhaus und Grimm bin ich - warum auch immer - erst vor kurzem gestoßen durch die bereits in einem anderen Thread erwähnte Gesamtaufnahme von Regers Orgelwerk durch Rosalinde Haas.
Ich weiß gar nicht, ob man hier so öffentlich sagen sollte, aber bis dahin dachte ich ja, dass DG ein (audiophiler) Ableger der Deutschen Grammophon ist.
Die Aufnahme von Regers Orgelwerk fand ich zum größten Teil ziemlich gut, habe mir daraufhin noch die CD mit Brahms' Op. 116-119, gespielt von Elisabeth Leonskaja, gekauft und war über diese Aufnahme sehr positiv überrascht. Als ich sah, dass eine Aufnahme von Tschaikowskys Jahreszeiten ebenfalls dort erschienen ist, habe ich letzte Woche gleich zugegriffen und der gute Eindruck hat sich nur verstärkt. Vor allem die beiden Klavieraufnahmen bestechen durch einen sehr klaren, aber nicht aufdringlichen Klang.

Mit durchschnittlich fast 20 Euro sind die CD's zwar in einem höheren Preissegment, aber solange die Aufnahme sich hören lassen kann, zahle ich den Preis gerne.

Viele Grüße,
Benjamin

Alfred_Schmidt

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12

Montag, 23. Oktober 2006, 15:27

Zitat

Ich weiß gar nicht, ob man hier so öffentlich sagen sollte, aber bis dahin dachte ich ja, dass DG ein (audiophiler) Ableger der Deutschen Grammophon ist.


Das kommt von den vielen Kürzeln, bzw von deren falscher Auslegung

DG = Deutsche Grammophon
DGG = Deutsche Grammophon Gesellschaft (obsolet , ich verwende es noch gelegentlich, weil es eindeutiger ist , und eleganter)
MDG = Musikproduktion Dabringhaus und Grimm

mfg
aus Wien

Alfred

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Michael Schlechtriem

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13

Dienstag, 24. Oktober 2006, 13:28

Einer der legendärsten Tonmeister ist der mittlerweile verstorbene, zeitlebens für DECCA tätige Kenneth Wilkinson gewesen.
Er ist maßgeblich an der Entwicklung des DECCA-Sounds beteiligt gewesen und alle seine Aufnahmen gehören zum feinsten, was es gibt.

Gruß,
Michael
"I should never have switched from Scotch to Martinis.“
Humphrey Bogarts letzte Worte.

georgius1988

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14

Samstag, 6. Januar 2007, 17:44

Ein Tonmeister, den ich für sehr begabt halte ist Michael Brammann. Er ist z.B. für die Aufnahmen von N. Harnoncourt verantwortlich, die ich allesamt für tontechnisch exzellent halte (interpretatorisch eigentlich auch... :D).

Gustostückerl sind IMO N.H.s Schubert, Beethoven und Brahms, die alle durch die Technik nocheinmal einen Pluspunkt bei mir haben.
Früher rasierte man sich wenn man Beethoven hören wollte. Heute hört man Beethoven wenn man sich rasiert. (Peter Bamm)

musicophil

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Registrierungsdatum: 19. Februar 2006

15

Samstag, 6. Januar 2007, 18:15

Zitat

Original von Michael Schlechtriem
Einer der legendärsten Tonmeister ist der mittlerweile verstorbene, zeitlebens für DECCA tätige Kenneth Wilkinson gewesen.
Er ist maßgeblich an der Entwicklung des DECCA-Sounds beteiligt gewesen und alle seine Aufnahmen gehören zum feinsten, was es gibt.

Lieber Michael,

Ich kann Deine Aussage völlig bestätigen. Und auch die Taminos, die jene berühmte Ferrieraufnahme der Bach/Händelarien (8-10 Oktober 1952) haben.

LG, Paul
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Khampan

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Registrierungsdatum: 28. Juli 2006

16

Samstag, 6. Januar 2007, 18:39

Zitat

Original von georgius1988
Ein Tonmeister, den ich für sehr begabt halte ist Michael Brammann. Er ist z.B. für die Aufnahmen von N. Harnoncourt verantwortlich, die ich allesamt für tontechnisch exzellent halte (interpretatorisch eigentlich auch... :D).

Gustostückerl sind IMO N.H.s Schubert, Beethoven und Brahms, die alle durch die Technik nocheinmal einen Pluspunkt bei mir haben.


Dvorak 9. nicht zu vergessen.
Ich finde die Brahms Sinfonien allerdings tontechnisch nur normal gut, nicht überragend. Etwas flach (stark gestützt), nichtsdestotrotz viele Huster aus dem Publikum (die sich, wie wir wissen, eigentlich beseitigen ließen). Dvorak ist wohl dank Concertgebouw sehr viel besser, da kann womöglich Herr Brammann gar nix für :untertauch:

Gruß, Khampan

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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Registrierungsdatum: 12. August 2005

17

Samstag, 6. Januar 2007, 21:41

Und wer ist verwantwortlich für die eisig harschen, digital klirrenden Mozartsinfonien Harnoncourts aus dem Concertgebouw? :rolleyes:
Fantastisch (und m.E besser als das meiste bei Teldec, was ich kenne, vielleicht mit Ausnahme der Dvorak sinfonischen Dichtungen) klingen die RCA/harmonia mundi-Aufnahmen NHs, frühe Mozartsinfonien, Haydn, Bartok.

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

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