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  • »helmutandres« ist männlich

Beiträge: 411

Registrierungsdatum: 8. Januar 2005

391

Dienstag, 12. Dezember 2006, 12:19

Und noch 'ne Meinung

Vorausgeschickt sei, daß ich im vergangenen Jahr die Bruckner-III-Fassung von Marthé in St. Florian ziemlich unbefangen gehört habe. Eigentlich wie ein 'normales' Konzert. Das Engagement war beeindruckend, über den künstlerischen Wert des Unternehmens konnte sich damals vielleicht noch streiten lassen. Inzwischen hat Marthé seinen Weg konsequent fortgesetzt, was eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihm fast nicht mehr möglich macht.

Ein Kritiker hat in der Rezension einer Bruckner-Einspielung mal den Begriff von einem 'hysterischen Über-Bruckner' geprägt. In diese Richtung scheinen mir Aufführungspraxis und Deutung der Werke Bruckners bei Marthé zu gehen. Die Krux ist, daß viele seiner Äußerungen über das 'bloß' Kompositorische bei Bruckner hinausgehen und in einem anderen Kontext als 'richtig' erscheinen mögen. Aber kann es ein Richtiges im Falschen geben, wie schon Adorno verneinend festgestellt hat?

Und was wäre dann das 'Falsche' an Marthés Bruckner-Projekt? Nun, seine Botschaft ist nicht die Musik Bruckners, sondern seine Wegweisung, wie die Musik Bruckners sei. In diesem Verständnis ist es ein Leichtes, außermusikalische Bezüge zu schaffen und auf diese Weise eine 'Gemeinde-Bildung' zu betreiben, die von dem üblichen Konzert-Schema (= Freiheit des Hörens) abweicht. 'Klangdom' zum Beispiel steht exemplarisch für die Verbreitung einer Weihestimmung, die dem Zeitgeist-Bedürfnis nach Spiritualität entgegenzukommen scheint. Dies wäre mein erster Haupteinwand: Bruckner-Reloaded trägt für mich inzwischen eindeutige Züge einer Marketing-Story, bei der sich Marthé in leider unzweideutiger Absicht Bruckners einfach bemächtigt. Und manche seiner verbalen Aussagen über Bruckners Vermögen und Zustand vor seinem Tod sind schlicht Insultationen.

Der zweite Haupteinwand richtet sich auf seine Mißachtung der inzwischen offenkundig weit fortgeschrittenen Bruckner-Exegese, nicht zuletzt, was den Finalsatz der Neunten angeht. Die Art und Weise, wie er auch sprachlich verächtlich macht, was seinem Verständnis von Bruckner vorgeblich nicht genügt, ist allerdings bezeichnend und bedarf keines näheren Kommentars. Aber auch das ist wahrscheinlich Plan eines ausgefeilten Bruckner-Marketings.

Bliebe also tatsächlich übrig zu hoffen, daß Marthés Bruckner-Verschnitt die Lust auf Bruckner-Unreloaded umso mehr anfacht.

Gruß

Theophilus

Administrator

  • »Theophilus« ist männlich

Beiträge: 10 824

Registrierungsdatum: 1. Dezember 2004

392

Dienstag, 12. Dezember 2006, 12:33

RE: Und noch 'ne Meinung

Zitat

Ein Kritiker hat in der Rezension einer Bruckner-Einspielung mal den Begriff von einem 'hysterischen Über-Bruckner' geprägt. In diese Richtung scheinen mir Aufführungspraxis und Deutung der Werke Bruckners bei Marthé zu gehen.

Deine Einschätzung ist bemerkenswert. "Hysterisch" ist wohl das letzte Vokabel, das ich im Zusammenhang mit dieser Interpretation verwendet hätte....

:hello:

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

  • »helmutandres« ist männlich

Beiträge: 411

Registrierungsdatum: 8. Januar 2005

393

Dienstag, 12. Dezember 2006, 12:34

Kunst und Wirklichkeit

Zitat

Original von Blackadder
Ich sollte wahrscheinlich Hamlet oder Faust, die Mona Lisa oder auch die Missa Solemnis wissenschaftlich eher erklären können (Konjunktiv!) als dass mir die Missa Solemnis irgendwas über Quantenmechanik oder tatsächlich den Sinn des Lebens erklärt.


Die Auffassung teile ich nicht. Kunst (und Religion) sind nichts anderes als das 'Missing Link' zur Erklärung der Wirklichkeit.

Gruß

  • »helmutandres« ist männlich

Beiträge: 411

Registrierungsdatum: 8. Januar 2005

394

Dienstag, 12. Dezember 2006, 12:39

RE: Und noch 'ne Meinung

Zitat

Original von Theophilus

Zitat

Ein Kritiker hat in der Rezension einer Bruckner-Einspielung mal den Begriff von einem 'hysterischen Über-Bruckner' geprägt. In diese Richtung scheinen mir Aufführungspraxis und Deutung der Werke Bruckners bei Marthé zu gehen.

Deine Einschätzung ist bemerkenswert. "Hysterisch" ist wohl das letzte Vokabel, das ich im Zusammenhang mit dieser Interpretation verwendet hätte....

Meinst du das auf die Tempi bezogen? Auch die Überdehnung kann hysterischer Natur sein...

:hello:

Blackadder

Prägender Forenuser

  • »Blackadder« ist männlich
  • »Blackadder« wurde gesperrt

Beiträge: 1 285

Registrierungsdatum: 24. März 2006

395

Dienstag, 12. Dezember 2006, 12:40

Zitat

Original von helmutandres
Die Auffassung teile ich nicht. Kunst (und Religion) sind nichts anderes als das 'Missing Link' zur Erklärung der Wirklichkeit.


Diese Auffasung teile ich nicht. Als verdammungswürdiger, gottloser und amoralischer Rationalist sehe ich kein "missing link", außer dem Unvermögen unseres 3-D-Gehirns mehr zu sehen, als da ist, auch wenn wir uns das gerne wünschen.... :D
[COLOR=darkred]Dieses Schreiben wurde maschinell erstellt und ist ohne Unterschrift gültig[/COLOR]

Theophilus

Administrator

  • »Theophilus« ist männlich

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Registrierungsdatum: 1. Dezember 2004

396

Dienstag, 12. Dezember 2006, 13:02

RE: Und noch 'ne Meinung

Zitat

Meinst du das auf die Tempi bezogen? Auch die Überdehnung kann hysterischer Natur sein...

Ja schon. Aber auch wenn der Begriff "Hysterie" sehr vage ist, versteht man doch im allgemeinen darunter eine krankhafte Reaktion auf äußere Umstände. Und zwar eine starke und überzogene, denn im anderen Fall würde man eher von Depression sprechen (oder im Wechselspiel von manisch-depressiv). Und die höre ich nun wirklich nicht in dieser Interpretation (wobei ich mich einmal auf die drei "bekannten" Sätze beziehe), die, wenn man sie länger auf sich einwirken lässt (und zwar ohne ständige Vergleiche), eine bemerkenswerte Ruhe ausstrahlt, eine Art konzentriertes Versammeltsein.

:hello:

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

Blackadder

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Registrierungsdatum: 24. März 2006

397

Dienstag, 12. Dezember 2006, 13:04

Aber zurück zum Thema, weil mich da eine Frage beschäftigt. Alfreds Mediationsbemühungen zum Trotze (oder zur Ergänzung - er hält sich sehr zurück, irgendwie, n´est-ce pas? :D )... Wenn Ben Kredit verspielt hat, weil er die Fassung verlor -eine Meinung, die ich nicht vertrete-, dann habe ich den Eindruck, dass Herr Marthe die niemals hatte. Kunst- bzw. Religionsfreiheit heißt ja nicht, dass Kunst und Religion gleichermaßen wahr sind, weil die Ausübung freigestellt ist. Das meint ja Religions- und Kunstfreiheit und nichts anderes: Dass man an die Götter (Jehova oder Bruckner) glauben darf, die man haben will. Wenn aber Ben versucht, auf wissenschaftlichem Wege vorzugehen und dabei auf das Instrumentarium der Wissenschaft zurückgreift, so ist das nicht nur vernünftig, sondern der einzig machbare Weg, damit der Name Bruckner noch eine Bedeutung im Zusammenhang mit dem Werk erhält. Herr Marthe begeht leider nicht nur logische Zirkelschlüsse, sondern er empfängt Botschaften auf einem Weg, die nicht dadurch Realität werden, weil man auf Religionsfreiheit beharrt. Ich habe schon andernorts mein Befremden vermittelt und den Vergleich zwischen Evolutionstheorie und Intelligent Design zitiert. Nur, weil es möglicherweise Zweifel an der ET gibt bedeutet es noch lange nicht, dass ID in irgendeiner Weise an Wahrheit gewinnt. Was die Anhänger aber der ID so darstellen. Desweiteren sind "Offenbarungen", bzw. supranaturale Erklärungen in der Kunstwelt weit verbreitet (was verständlich ist, wenn man von "Musen", "Inspirationen" etc. spricht), einhergehend mit Diffamierungen der Wissenschaft. Dass Herr Marthe Skakespeares Ausspruch zitiert find ich etwas schade, dass macht jede Rhöner Eingeweidebeschauerin. Da darfs dann doch etwas mehr Mühe sein... Ich bin etwas enttäuscht, dass dieser Umstand alleine mir so viel ausmacht, aber da bin ich wohl kein "Künstler" um das nachzuvollziehen... :(
[COLOR=darkred]Dieses Schreiben wurde maschinell erstellt und ist ohne Unterschrift gültig[/COLOR]

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 18 864

Registrierungsdatum: 9. August 2004

398

Dienstag, 12. Dezember 2006, 14:16


Die Administration ist zu der Auffassung gekommen, daß einerseits alles Notwendige gesagt und geschrieben wurde, was dieses Thema beleuchtet.

Es ist für BEIDE Kontrahenten schwierig ohne Gesichtsverlust auszusteigen und daher wird die Diskussion immer heisser und unsachlicher, oder sagen wir besser: emotioneller.

In solchen Fällen wo alles unlösbar scheint siehr die Barockoper ein Ereignis vor, das sich DEO EX MACHINA nennt. Ein Gott oder eine andere Heilsgestalt erscheint auf der Bühne und erklärt alle Verwirrungen für beendet.

Genau in dieser Eigenschaft stehe ich nun hier :hello:

Ich schließe hiemit diesen Thread, der einer der längsten, emotionellsten , interessantesten und am öftesteten aufgerufenen dieses Forums war.

Der Parallelthread über die Musik bleibt aber erhalten.

Die Moderation wird dort jedoch achten, daß die Vorgaben eingehalten werden u- jeder Versuch DIESEN Thread dort fortzusetzen wird dort KOMMENTARLOS durch die Moderation gelöscht.

JEDER persönlich Angriff auf eine der handelnden Personen, explizit oder implizit wird entfernt, sorry.

Es ist dies keine Schuldzuweisung an irgendwen - lediglich eine pragmatische Entscheidung.

mit freundlichen Grüßen von der Administration
aus Wien
Alfred Schmidt


WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix