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GalloNero

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1

Donnerstag, 25. Mai 2006, 11:24

Kann man Bach eigentlich nicht mögen?

Hallo Musikfreunde!

Heute morgen lag ich im Bett, Kopfhörer auf den Ohren und genoss Bach. Und als ich da so lag, da geriet ich ins schwärmen. Diese Musik. So perfekt, so rein, so absolut….

Ich kann jeden verstehen, dem Mozart zu verspielt, Beethoven zu grimmig, Schubert zu melancholisch, die Sträuße zu kitschig, Liszt zu exzentrisch, Mahler zu theatralisch, Schostakowitsch zu trostlos ist. Doch wenn ich den Klängen des Johan Sebastian Bachs lausche, dann ist da nur die Musik. Kann man das wirklich nicht mögen bzw. wirklich ablehnen? Klar kann Bach als Hintergrundsgedudel auch mal nerven. Aber wenn ihr Euch wirklich Zeit für seine Musik nehmt und konzentriert hinhört, hört Ihr da nicht auch etwas Ursprüngliches – etwas Unantastbares?

Liebe Grüße
Euer GalloNero
... da wurde mir wieder weit ums Herz ... (G. Mahler)

SMOB

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2

Donnerstag, 25. Mai 2006, 14:22

Hallo,

Ich als langjähriger "Bachjünger" kann manchmal nicht verstehen, dass andere
Menschen die obige Frage für sich mit "ja" beantworten.

Aber wir leben ja zum Glück in einer freien Demokratie, in der jeder genauso gut
die anderen Klassikgrößen oder auch Abba und Modern Talking hören und höher
als Bach einschätzen darf.

Aber ich denke auch, dass 90 % der Bachablehner nach einer "wohltemperierten"
einwöchigen Bachkur sich von Saulus zu Paulus wandeln würden.

:hello:
"Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten" Gustav Mahler

GalloNero

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3

Donnerstag, 25. Mai 2006, 14:46

Hallo SMOB,

freut mich, dass Du genauso fühlst wie ich. Und das mit der Bachkur möchte ich sogar glauben. Worum es mir hier aber vor allem geht, ist die Frage, ob es überhaupt sehr viele Freunde der klassischen Musik gibt, die solch eine Bachkur notwendig haben. Ich hoffe, dass ich hier richtig verstanden werde. Ich möchte weder Bachhasser auf das Parkett rufen die den Ehrenwerten mal anständig durch den Kakau ziehen, noch geht es mir um das Theme "Ich finde Bach gut, was findet ihr gut?". Ich möcht auch nicht wissen, was Bach so einzigartig mach - dafür haben wir einen eigenen Thread. Mir geht es darum, ob das Schaffen von Johan Sebastian so grundlegend und so absolut ist, dass sich die Anzahl derjenigen, die Ihn ablehnen auf ein Minimum reduziert oder ob sich ein Herr Bach genauso den unterschiedlichen Geschmäckern zu beugen hat, wie jeder andere Komponist auch.

Liebe Grüße
GalloNero
... da wurde mir wieder weit ums Herz ... (G. Mahler)

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4

Donnerstag, 25. Mai 2006, 14:51

Erfahrungsgemäß gibt es für jeden großen Komponisten Leute, die ihn nicht besonders mögen und ebenso sind es die "Jünger", die das zwar bei allen anderen, aber gerade bei diesem Komponisten überhaupt nicht verstehen können. ;)
(ich wage sogar die Vermutung, dass gerade Bachs Musik von vielen Klassikhörern eher geachtet als geliebt wird...)
Ich selbst fand z.B., obwohl ich die Brandenburgischen Konzerte und die großen Chorwerke schon recht früh kennenlernte und auch schätzte, Bachs Klaviermusik noch nach fast 10 Jahren Klassikhörens ziemlich langweilig (und eine Woche "wohltemperierte Diät" hätte das auch nicht geändert, eher die Indifferenz in Abneigung gewandelt). Ich finde die Violinsolostücke oder das Musikalische Opfer immer noch harte Brocken, wesentlich unzugänglicher etwa als Beethovens ominöse späte Quartette und kann gut verstehen, dass Hörer, denen die Faszination solch extremer Musik abgeht, hier wenig Freude haben.
Inzwischen kann ich schwer verstehen wie das für mich als gar nicht so unerfahrenen Hörer "alles gleich" klingen konnte, aber ich war wohl so auf hauptsächlich Wiener Klassik und Brahms zentriert, dass mir die Stücke gleichförmig (endlose Ketten von 16telnoten ohne Melodie), kontrastarm erschienen. Daher kann ich zumindest ein bißchen verstehen, das man Bach nicht mögen kann. Ebenso gibt es viele Hörer, die Chorwerke und Vokalmusik nicht sehr schätzen, sogar Opernfans finden oft nicht viel an geistlicher Vokalmusik.
Als Fazit finde jedenfalls ich es nachvollziehbarer, Bach nicht zu mögen, als z.B. Mozart, Haydn, Beethoven, Schubert, Mendelssohn.

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

SMOB

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5

Donnerstag, 25. Mai 2006, 22:45

Keine Kommunikation ist auch eine Kommunikation. Die User haben indirekt
wohl ein klares Urteil gesprochen: Bach interessiert sie nicht.

Zitat

Erfahrungsgemäß gibt es für jeden großen Komponisten Leute, die ihn nicht besonders mögen und ebenso sind es die "Jünger", die das zwar bei allen anderen, aber gerade bei diesem Komponisten überhaupt nicht verstehen können. Augenzwinkern


Eben, viele können einfach nicht verstehen, warum der andere eine komplett verschiedene
Richtung der Klassik präferiert. Darum schreibt man dann eben auch u.a. Beiträge:
Weil man denkt, dass die anderen eben doch ähnliches fühlen und wahrnehmen
würden wie man selbst. Geht mir zumindest so.

Manchmal hat es ja auch Erfolg. Zum Beispiel hat Merlot1967 Koroliovs Bach entdeckt
(vielleicht hat er ihn aber auf anderem Wege gefunden.)

Aber dieses streben nach "Bekehrung" ist doch legitim, schließlich ist niemand 100%
empathisch orientiert und traut meist sich selber eine korrekte Meinung zu.

Zitat

Ich selbst fand z.B., obwohl ich die Brandenburgischen Konzerte und die großen Chorwerke schon recht früh kennenlernte und auch schätzte, Bachs Klaviermusik noch nach fast 10 Jahren Klassikhörens ziemlich langweilig (und eine Woche "wohltemperierte Diät" hätte das auch nicht geändert, eher die Indifferenz in Abneigung gewandelt).


Wenigstens weißt du das sicher. Ich habe mich nicht für Bach interessiert, kann
aber nicht ausschließen, dass ich mal ein Stück von ihm gehört habe. Ich weiß
also nicht, ob es vielleicht doch an der Musik von Bach lag, dass ich mich nicht
für ihn begeistert habe, oder ob ich einfach keinen Kontakt mit seiner Musik hatte.
Bei der zweiten Möglichkeit hätte ein "Bachkur" vielleicht gewirkt, sicher kann ich
mir aber nicht sein.

Zitat

Ich finde die Violinsolostücke oder das Musikalische Opfer immer noch harte Brocken, wesentlich unzugänglicher etwa als Beethovens ominöse späte Quartette und kann gut verstehen, dass Hörer, denen die Faszination solch extremer Musik abgeht, hier wenig Freude haben.


Komisch, gerade diese Stücke würde ich anwenden in der Bachkur :D. Wer sich
ein wenig mit der Ciaconne beschäftigt, muss doch einen Zugang zu Bach finden.
Es muss doch nicht immer die dritte Orchestersuite sein. Als "extrem" würde ich
sie nicht bezeichnen; dieser Begriff klingt so negativ. Eher als kurzfristig fordernd
und langfristig sehr ergibig. Nach dreimaligem Hören konnte ich der Ciaconne
gar nichts abgewinnen. War total überfordert und konnte den Zusammenhalt
zwischen den Noten nicht ausmachen. Dann klingt Bach wie eine Fremdsprache.
Dieser Vergleich ist wohl gar nicht so schlecht: Schließlich muss man erst ein
paar Monate in einem Land leben, um die Sprache in Ansätzen zu verstehen.
Aber dann führt dieser Prozess immer weiter. Als Ausländer wird man erst
spät seinen Akzent los und fühlt sich wie ein Einheimischer.

Solange hat dieser Prozess aber nicht bei mir gedauert. Denn komischerweise
klingt Bach nach dieser "Stufe" so, als ob es nichts selbstverständlicheres geben
könne.

Zitat

Inzwischen kann ich schwer verstehen wie das für mich als gar nicht so unerfahrenen Hörer "alles gleich" klingen konnte, aber ich war wohl so auf hauptsächlich Wiener Klassik und Brahms zentriert, dass mir die Stücke gleichförmig (endlose Ketten von 16telnoten ohne Melodie), kontrastarm erschienen. Daher kann ich zumindest ein bißchen verstehen, das man Bach nicht mögen kann.


Da ist was Wahres dran. Es ist halt eine Sache der Schwerpunktlegung. Manchmal
kommt mir die Wiener Klassik eben auch eintönig und gleichförmig vor, obwohl
ulli und Alfred ständig versuchen, auf die Feinheiten aufmerksam zu machen, die
Zweifelsohne bestehen, aber nicht jedem bei anderweitigen Hörgestaltung klarwerden.
Aber Bach ist eben viel mehr. Rhythmik ist zwar von sehr geringer Bedeutung,
aber harmonisch hat ihm noch keiner das Wasser gereicht. Die Kunst der Fuge
und die Goldbergvariationen zeigen dies beeindruckend.

Meines Erachtens schließen sich diese Stilarten aber überhaupt nicht aus. Die Wiener
Klassik basiert zu einem bestimmten Grad ja auch auf dem Barock. Mozart hat
zum Beispiel in seiner späteren Zeit sich viel mit Bachscher Kontrapunktik beschäftigt.
Es ist aber schwierig, den Wechsel reibungslos hinzubekommen.

Zitat

Ebenso gibt es viele Hörer, die Chorwerke und Vokalmusik nicht sehr schätzen, sogar Opernfans finden oft nicht viel an geistlicher Vokalmusik.


Viele Bachfans sie ich kenne kommen auch nicht gut klar mit der geistlichen
Vokalmusik. Es wiederholt sich vieles und rein qualitativ kommt sie einfach
nicht an den verbleibenden Teil seines Werkes heran. Man kann doch noch nicht
einmal von Bach verlangen, dass er wöchentlich neben seinen sonstigen Tätigkeiten
sich selbst neu erfindet und sich ständig übertrifft. Das ist zumindest meine
Meinung.

Zitat

Hallo SMOB,

freut mich, dass Du genauso fühlst wie ich. Und das mit der Bachkur möchte ich sogar glauben. Worum es mir hier aber vor allem geht, ist die Frage, ob es überhaupt sehr viele Freunde der klassischen Musik gibt, die solch eine Bachkur notwendig haben. Ich hoffe, dass ich hier richtig verstanden werde. Ich möchte weder Bachhasser auf das Parkett rufen die den Ehrenwerten mal anständig durch den Kakau ziehen, noch geht es mir um das Theme "Ich finde Bach gut, was findet ihr gut?". Ich möcht auch nicht wissen, was Bach so einzigartig mach - dafür haben wir einen eigenen Thread. Mir geht es darum, ob das Schaffen von Johan Sebastian so grundlegend und so absolut ist, dass sich die Anzahl derjenigen, die Ihn ablehnen auf ein Minimum reduziert oder ob sich ein Herr Bach genauso den unterschiedlichen Geschmäckern zu beugen hat, wie jeder andere Komponist auch.

Liebe Grüße
GalloNero


Das Problem ist doch ganz einfach, dass nicht alle Menschen sich besonders gut mit
Bach auskennen. Ich bin nur zufällig auf seine Spuren gekommen und die wenigsten
lesen doch in Foren wie diesen oder bekommen einen großartigen Musikunterricht
in der Schule.
Dass heißt, das die Musik von Bach noch so toll sein kann. Sie dringt zu vielen einfach
nicht vor. Und wenn sie es tut, dann oft in schlechter Ausführung. Mein Musiklehrer
hat uns mal was vorgespielt. Das war zum Davonlaufen. Und wenn das mit Bach
passiert, dann heißt das schon was.

Die Frage könnte also nur geklärt werden, wenn Bach zu allen vorgedrungen ist.

Aber sicher gibt es Menschen, die Bach kennen und trotzdem ablehnen. Deren
Musikgeschmack möchte ich nicht in Abrede stellen. Anscheinend mögen sie
ihn halt nicht. Warum sollten sie etwas vortäuschen? Und hereinkucken kann man
in sie ja nicht. Also akzeptiert man es, legt sich auf die Terrasse, guckt in den Himmel ,
hört Koroliovs Bach und lächelt.
"Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten" Gustav Mahler

musicophil

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6

Donnerstag, 25. Mai 2006, 22:53

Zitat

Original von SMOB
Keine Kommunikation ist auch eine Kommunikation. Die User haben indirekt
wohl ein klares Urteil gesprochen: Bach interessiert sie nicht.


Wie kann man sich so äussern, wenn man bedenkt was für einen Tag es ist.

Einmal schreib ich auch dazu, aber dieses Thema ist viel zu schwer um ohne Umschweif etwas zu behaupten.
Jedenfalls weiß ich, daß ich mit dem KdF sehr viele Probleme haben. Ich mag sie nicht. Dagegen gibt es so vieles von ihm, daß ich nur nicht schätze, sondern richtig liebhabe.
Teilweise kann ich JR also folgen.

LG, Paul
Wirklich schöne Musik rührt

Ulli

Erleuchteter

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Registrierungsdatum: 16. Januar 2005

7

Donnerstag, 25. Mai 2006, 22:56

Zitat

Original von SMOB
Keine Kommunikation ist auch eine Kommunikation. Die User haben indirekt
wohl ein klares Urteil gesprochen: Bach interessiert sie nicht.


Salut,

da täuschst Du Dich sicherlich gewaltig. Wenn Du den Thread "Was höre ich gerade jetzt" anschauen würdest, stelltest Du fest, wie sehr präsent Bach vor allen anderen ist. Und das eingentlich jederzeit. Ich würde es eher als 'sprachlos' bezeichnen.

Was übrigens Deinen Kommentar zu Bach/Mozart/Kontrapunktik betrifft, so darfst Du nicht davon ausgehen, dass Mozart Bach komplett kopieren wollte. Er schätze ihn mehr als überaus und sprach oder schrieb sogar [Zitat aus der Erinnerg]: Endlich mal wieder Musik! Mozart integrierte den Bachstil in seine Kompositionen, was ich persönlich als extrem reizvoll empfinde. Mehr, als die 'Kleine Nachtmusik' jedenfalls.

Zudem kann ich mir nicht vorstellen, dass es irgendeinen Klassikliebhaber gibt, der Bachs Musik vollständig ablehnt.

Cordialement
Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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Registrierungsdatum: 12. August 2005

8

Donnerstag, 25. Mai 2006, 23:11

Zitat

Original von SMOB

Zitat

Ich selbst fand z.B., obwohl ich die Brandenburgischen Konzerte und die großen Chorwerke schon recht früh kennenlernte und auch schätzte, Bachs Klaviermusik noch nach fast 10 Jahren Klassikhörens ziemlich langweilig (und eine Woche "wohltemperierte Diät" hätte das auch nicht geändert, eher die Indifferenz in Abneigung gewandelt).


Wenigstens weißt du das sicher. Ich habe mich nicht für Bach interessiert,


Ich habe die Kur natürlich nicht probiert; aber ich hatte die Goldberg-Var. auf CD, sie ließen mich relativ kalt, habe mir mehrfach das WTK und die Partiten ausgeliehen, fand es zwar nicht schlecht, aber tendenziell eben ncht so spannend. Irgendwann hat dann steter Tropfen den Stein gehöhlt. Außer den Goldbergvar. brachen die franz. Suiten und die Partiten den Bann.
Hoffentlich ist deutlich geworden, dass ich niemals Bachs Musik nicht mochte, Teile davon schätze ich, sobald ich sie kennenlernte, andere ließen mich damals kalt; es kostete einfach etwas Zeit, Gewöhnung und auch Mühe, sie nicht nur "intellektuell" zu achten. Daher glaube ich ein bißchen nachvollziehen zu können, wie es vielen geht. (Dagegen habe ich Mühe nachzuvollziehen, warum ich in threads über Beethovens Quartette mit Uwe Zwiegespräche führen muß... :wacky: ) Inzwischen liebe ich seine Klaviermusik sehr, habe fast alles mit Gould, S. Richters und Guldas WtK, diverse einzeln Aufnahmen, auch auf dem Cembalo

Zitat


Zitat

Ich finde die Violinsolostücke oder das Musikalische Opfer immer noch harte Brocken, wesentlich unzugänglicher etwa als Beethovens ominöse späte Quartette und kann gut verstehen, dass Hörer, denen die Faszination solch extremer Musik abgeht, hier wenig Freude haben.


Komisch, gerade diese Stücke würde ich anwenden in der Bachkur :D. Wer sich
ein wenig mit der Ciaconne beschäftigt, muss doch einen Zugang zu Bach finden.
Es muss doch nicht immer die dritte Orchestersuite sein. Als "extrem" würde ich
sie nicht bezeichnen; dieser Begriff klingt so negativ. Eher als kurzfristig fordernd
und langfristig sehr ergiebig.


Fugen für Geige solo sind extrem, in jeglicher Hinsicht (und der Begriff ist von mir gar nicht negativ gemeint gewesen, eher im Gegenteil ;))
Es ist doch wohl so, dass viele Hörer schon den Klang eiens Streichquartetts als scharf und tendenziell wenig attraktiv empfinden. Eine Solo-Geige, die abwechselnd Ketten von schnellen Noten und häufig dissonante Doppelgriffe/Akkorde darstellt schmeichelt den Ohren einfach nicht. ebensowenig wie ein dutzend Fugen, alle in d-moll in getragenem Tempo
über ein Thema... Das soll natürlich nichts gegen diese Stücke sein. Mich wundert eher, dass sie bei Hörern so beliebt sind wie sie sind.

Zitat


Meines Erachtens schließen sich diese Stilarten aber überhaupt nicht aus. Die Wiener
Klassik basiert zu einem bestimmten Grad ja auch auf dem Barock. Mozart hat
zum Beispiel in seiner späteren Zeit sich viel mit Bachscher Kontrapunktik beschäftigt.
Es ist aber schwierig, den Wechsel reibungslos hinzubekommen.


Wenn man einmal Erfahrung mit diversen Stilen hat, ist es m.E. kein Problem mehr, wenn man sich als Anfänger eben hauptsächlich mit einer Epoche beschäftigt eher.

Zitat


Zitat

Ebenso gibt es viele Hörer, die Chorwerke und Vokalmusik nicht sehr schätzen, sogar Opernfans finden oft nicht viel an geistlicher Vokalmusik.


Viele Bachfans sie ich kenne kommen auch nicht gut klar mit der geistlichen
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nicht an den verbleibenden Teil seines Werkes heran. Man kann doch noch nicht
einmal von Bach verlangen, dass er wöchentlich neben seinen sonstigen Tätigkeiten
sich selbst neu erfindet und sich ständig übertrifft. Das ist zumindest meine
Meinung.


Mir scheint Du unterschätzt den Meister selbst noch. Die Kantaten sind auch keine Musik, die ich häufig höre, ich kenne und habe auch lange nicht alle, aber es sind großartige Stücke dabei.

viele Grüße

JR
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Ulli

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9

Donnerstag, 25. Mai 2006, 23:19

Zitat

Original von Johannes Roehl
Fugen für Geige solo sind extrem, in jeglicher Hinsicht (und der Begriff ist von mir gar nicht negativ gemeint gewesen, eher im Gegenteil ;) )


Salut,

Fugen für Violine solo sind in meinen Augen nur Pseudo-Fugen - Kritik an Bach! :D

Erklärungshalber Threadverweis ---> hier !!!

Eine Fuge für Blockflöte solo von Bach fänd ich interessanter... :stumm:

Trotzdem mag ich sie - ich höre sie ja jeden Tag unfreiwillig [wobei das nicht ganz stimmt - wir hätten jede Menge Messer im Haushalt]....

:hello:

Ulli
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Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

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Registrierungsdatum: 9. August 2004

10

Donnerstag, 25. Mai 2006, 23:39

Zitat

Keine Kommunikation ist auch eine Kommunikation. Die User haben indirekt
wohl ein klares Urteil gesprochen: Bach interessiert sie nicht.


Oh nein, das sehe ich aber anders.

Natürlich ist es leichter User für einen Thread:

"Ist "Pimmperl" ein würdiger Name für Mozarts Hund ?"

zu gewinnen, als für einen über Bach. Zudem war heute ien Feiertag.

Natürlich unterliegt Auch die kollektive Leibe zu Bach Schwankungen - in meiner Jugend, auch schon ein paar Wochen her, galt Bach bei vielen als "spröde" Und somit kann man ihn auch "nicht mögen" - allerdings IMO nur eine gewisse Zeit.
Indes schon im Bachjahr 2000 war die allgemeine Begeisterung wieder auf ein Maximum angestiegen.
Ich selbst habe Baach erst in HIP Fassungen lieben und schätzen gelernt - mag ihn aber heute in jeder Form...

mfg

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

SMOB

Profi

  • »SMOB« ist männlich

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Registrierungsdatum: 5. Januar 2005

11

Donnerstag, 25. Mai 2006, 23:52

Zitat



Zitat:
Original von SMOB
Keine Kommunikation ist auch eine Kommunikation. Die User haben indirekt
wohl ein klares Urteil gesprochen: Bach interessiert sie nicht.


Wie kann man sich so äussern, wenn man bedenkt was für einen Tag es ist.


Stimmt. Ich hatte ganz vergessen, dass die richtigen Bachsupporters noch auf der
Piste sind und Bier trinken. :P. Vielleicht kommt morgen ja mehr.


Zitat

Mir scheint Du unterschätzt den Meister selbst noch. Die Kantaten sind auch keine Musik, die ich häufig höre, ich kenne und habe auch lange nicht alle, aber es sind großartige Stücke dabei.


Es gibt sicher viele Perlen unter den Kantaten, aber auch meiner Meinung nach viele eben nicht so interessante Stück.


Mensch Ulli, über Bach macht man keine Witze (Harald Schmidt) 8o.

viele Grüße
"Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten" Gustav Mahler

12

Freitag, 26. Mai 2006, 00:14

Ich habe in meiner Jugend Bach überhaupt nicht gemocht, seine Musik fand ich mathematisch konstruiert, emotionslos und daher grottenlangweilig. Ich kam mit mienen ersten wichtigen Hörerfahrungen von Beethoven und der romantischen Oper (Wagner hat mich schon mit vierzehn berauscht), und die musikalische Sprache der Barockzeit war mir weitgehend fremd.
Einen vernünftigen Zugang zur Barockmusik habe ich erst bekommen, als die Oboe mein eigenes Instrument wurde (die Bach-Inventionen, die ich zuvor auf dem Klavier üben mußte, habe ich tief verabscheut).

Inzwischen zählen viele Werke Bachs (auch diverse Kantaten) für mich zu den Höhepunkten der abendländischen Musikkultur. Aber aufgrund meiner eigenen Erfahrungen kann ich gut nachvollziehen, wenn jemand enorme Schwierigkeiten mit Bachs Kompositionen hat.


Viele Grüße

Bernd

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Bernd Schulz« (26. Mai 2006, 00:26)


Ulli

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13

Freitag, 26. Mai 2006, 00:39

Zitat

Original von Alfred_Schmidt
in meiner Jugend, auch schon ein paar Wochen her


1.500 ?(
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Daniel

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14

Freitag, 26. Mai 2006, 00:59

Hallo zusammen,

Also Johann Sebastian Bach ist meines Erachtens heutzutage genauso beliebt wie es alle weiteren bekannten Komponisten sind. Seine Musik ist in allen Fällen keine Musik nur für "Eingeweihte" mehr. Und ich schätze sie außerordentlich!

Ich will kurz eingehen auf die Kontrapunktik in Mozarts Werken und auch weitere Komponisten, die sich intensiv z.B. mit Johann Sebastian Bach auseinandergesetzt haben, wie Felix Mendelssohn und Max Reger (da lassen sich noch so viele weitere nennen).

Meines Erachtens liegt der Akzent nicht darauf, daß sie sich mit Johann Sebastian Bach's Werken allein beschäftigt haben, sondern mit dem Kontrapunkt an sich! Es geht hierbei mehr um die essentielle Wichtigkeit, die der Kontrapunkt und Polyphonie im Allgemein durch alle (!) Epochen hinweg gespielt haben. Das Spannende ist ja, wie sie sich gewandelt und auch weiterentwickelt haben.

Klar, daß Johann Sebastian Bach sicher einen Gipfelpunkt darstellt, und sie so auch zwangsläufig und beeindruckt viele seiner Werke studiert haben.
Aber ich sage "ein" Gipfelpunkt, ich mag Superlative in diesem Zusammenhang nicht, da es meines Erachtens in der Form nicht gibt, ich würde quasi andere Komponisten degradieren, denn es gibt viele Gipfelpunkte. Und meines Erachtens sind Fugen von Felix Mendelssohn oder Dmitri Shostakovich genauso qualitativ hochrangig wie Johann Sebastian Bach seine. Man kann sie nie gegeneinander abwägen, da der Kontext ein völlig unterschiedlicher ist.

Damit will ich aber nur die Einzigartigkeit von Johann Sebastian Bach und sein großartiges Werk betonen.

Viele Grüße,
Daniel :hello:

Ulli

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15

Freitag, 26. Mai 2006, 01:25

Salt, nichmehrgrüner Daniel,

Zitat

Original von Daniel

Ich will kurz eingehen auf die Kontrapunktik in Mozarts Werken


?( ...und... ?(

Nächtliche Grüße
Ulli [immernochmitviersternen]
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
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Reinhard

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16

Freitag, 26. Mai 2006, 08:33

Zitat

Original von Johannes Roehl
(ich wage sogar die Vermutung, dass gerade Bachs Musik von vielen Klassikhörern eher geachtet als geliebt wird...)


Ich denke mal, diese Vermutung ist richtig. Mir selbst geht es ein bißchen so. Es gibt einige Werke, die liebe ich seit meiner Jugend, dazu zähle ich die h-moll-Messe, das Weihnachtsoratorium, die Brandenburgischen Konzerte, die Sonaten für Flöte und Cembalo,...
Auf der anderen Seite gibt es Werke, an die traue ich mich einfach nicht richtig ran.
Obwohl Bach in meiner CD-Sammlung eigentlich überproportional vertreten ist, wandern die CDs vergleichsweise seltener in den Player, wobei ich mir selber nicht erklären kann, warum das so ist.
Trotz alldem achte ich Bach als einen der größten Komponisten der Geschichte.
Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
(Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

Ulli

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Registrierungsdatum: 16. Januar 2005

17

Freitag, 26. Mai 2006, 09:26

Zitat

Original von Reinhard
Obwohl Bach in meiner CD-Sammlung eigentlich überproportional vertreten ist, wandern die CDs vergleichsweise seltener in den Player, wobei ich mir selber nicht erklären kann, warum das so ist.


Salut,

kann es daran liegen, dass Bach eine Zeit lang - wenn nicht gar noch immer - den Status eines weisen Obergelehrten hat und man diesem mit dem - anerzogenen - Respekt und entsprechender Zurückhaltung begegnet? Den Status gönne ich ihm ja gerne, doch unter den Umständen solcher Entfremdungsvorgänge sollte man das lieber schnell vergessen.

:hello:

Ulli
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Rocco

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Registrierungsdatum: 25. Oktober 2004

18

Freitag, 26. Mai 2006, 09:33

RE: Kann man Bach eigentlich nicht mögen?

Hallo Gallo,

für einer meiner Vorredner bereits schrieb, so denke ich auch, dass Bachs Kompositionen mehr geachtet, wenn nicht sogar respektiert werden, als geliebt.

Andererseits habe ich auch schon Sprüche hören müssen wie: "Bach? Der hat doch ständig bei sich selbst geklaut!"

So gehen halt die Geschmäcker auseinander.
Beste Grüße aus Bonn
Matthias

Ich tu', was meine Pflicht gebeut, doch hass' ich alle Grausamkeit (ROCCO)

uhlmann

Schüler

  • »uhlmann« ist männlich

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Registrierungsdatum: 14. Dezember 2005

19

Freitag, 26. Mai 2006, 09:44

RE: Kann man Bach eigentlich nicht mögen?

hallo,

mir geht es ähnlich wie manch anderen, die in diesem theread geschrieben haben: ich hab viel bach zu hause (einmal sogar das gesamtwerk), nur hören tue ich ihn selten (sehr selten eigentlich).

ich habe oft versucht, bach zu mögen, mir manchmal bewußt bach verabreicht, wenn ich grade in stimmung für "ältere" musik war. aber irgendwie schaff ich es nicht. bach ist für mich wie ein lehrer, der in der theorie weiß, wie es geht, aber in der praxis das wissen nicht kreativ einsetzen kann. auch nach hundertmaligem hören und/oder sehen kann ich mich mit seiner musik nicht recht anfreunden. gewiss: gut gemacht ist sie schon, aber den rechten draht zu ihr habe ich zumindest bis heute noch nicht gefunden.

für mich sind telemann, bach's buam (v.a. c.p.e.), oder purcell (obwohl das ein komischer vergleich ist) einfach spritziger, einfallsreicher und kreativer als j.s.

in anbetracht der bedeutung von bach für die musikwelt hoffe ich aber immer noch, dass ich irgendwann den zugang zu seiner musik finden werde.

greetings, uhlmann

Daniel

Profi

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Beiträge: 302

Registrierungsdatum: 27. November 2005

20

Freitag, 26. Mai 2006, 10:41

Zitat

Original von Ulli
Salt, nichmehrgrüner Daniel,

Zitat

Original von Daniel

Ich will kurz eingehen auf die Kontrapunktik in Mozarts Werken


?( ...und... ?(

Nächtliche Grüße
Ulli [immernochmitviersternen]


Hallo Ulli,

Damit wollte ich jetzt nicht auf Mozart und die Verwendung des Kontrapunkt eingehen, als viel mehr darauf hínweisen, daß Mozart & Co. sich generell mit Kontrapunkt beschäftigt haben, und nicht nur mit Herrn Bach's Werken.

Grüße von dem schon lange nicht mehr "grünen" Daniel

Anna-Beate

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Registrierungsdatum: 31. Januar 2006

21

Freitag, 26. Mai 2006, 16:36

Ich mag Bach und die ganze Barockmusik zur Zeit noch nicht. Ich habe da hin und wieder mal etwas gehört, aber es hat mich einfach nicht angesprochen, fand es etwas langweilig. Und widme mich als Anfängerin erst einmal dem, was mir gefällt. Um es später noch einmal zu probieren.

Ausnahmen sind nur die Kaffe-Kantate und noch eine Kantate von Bach, die mir nicht einfällt - die sind aber nicht charakteristich für sein Schaffen.
Und auch Einzelnes aus dem Weihnachtsoratorium - wenn die Aufführung in einer schönen Kirche hinzukommt.
Matthäus- und Johannespassion dagegen gefallen mir nicht; das liegt aber auch an dem religiösen Inhalt.
Anna-Beate

Melot1967

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22

Freitag, 26. Mai 2006, 17:28

Durch Glenn Gould bin ich zu Bach gekommen. Da kannte ich noch nicht viel "klassische" Musik und hörte vorwiegend Pop. In meiner Clique war es "in", die Goldbergvariationen mit Gould gehört zu haben - so bin ich neugierig geworden.

Erst in den letzten Jahren höre ich wieder regelmäßig Bach, und ich muss gestehen, dass ich an seiner Musik für Tasteninstrumente hängengeblieben bin. Für recht viel mehr hat es noch nicht gereicht (außer mal die Cembalo-Konzerte, oder mal die Suiten für Solo-Cello :jubel: ). Dafür habe ich derzeit einen regelrechten Bach-Cembalo-, -Orgel- und -Klavier-Fimmel. WTK, Goldberg-Variationen, Inventionen und Sinfonien, Kunst der Fuge, Englische und Französische Suiten, etc etc. Eben erst Koroliov "entdeckt", höre ich jetzt "Die Kunst der Fuge" mit Moroney am Cembalo und bin ganz aus dem Häuschen, weil ich gerade finde, dass es die beste Cembalo-Aufnahme davon ist, die ich bisher kenne.

Ich kann sicher sagen, dass ich die Musik von Bach liebe, nicht nur schätze. Ich vermute auch mal, dass sich die Liebe noch steigern wird, wenn ich allmählich mehr und andere Werke kennenlerne, von denen die Bach-Freunde immer so schwärmen. Die Musik von Bach berührt mich - was ich von anderen Barock- oder Frühklassik-Komponisten nicht sagen kann. Es ist auch etwas Erhabenes in der Musik, jedenfalls empfinde ich es als Laie so. Natürlich empfinde ich das auch bei manchen Werken anderer Komponisten, aber im Falle von Bach empfinde ich das auch (oder bis jetzt vor allem) bei Werken, in denen es außer den Noten, die einer strengen Form(el) folgen, gar nichts Anderes gibt. Keine anderen Vorgaben, keine zugrunde liegende Geschichte, kein ausdrucksvolles Zutun des Musizierenden ...

Die extreme Ausprägung des oben Gemeinten ist für mich bisher "Die Kunst der Fuge". Ich liebe diese Musik und finde sie erhaben, meditativ und anregend-berauschend. Mich würde interessieren, ob sie auch dem ungeübten Ohr so gut gefällt - ich glaube nicht.
Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

musicophil

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23

Freitag, 26. Mai 2006, 17:36

Zitat

Original von Melot1967
Die extreme Ausprägung des oben Gemeinten ist für mich bisher "Die Kunst der Fuge". Ich liebe diese Musik und finde sie erhaben, meditativ und anregend-berauschend. Mich würde interessieren, ob sie auch dem ungeübten Ohr so gut gefällt - ich glaube nicht.

Ich bezweifle ob ich "ein ungeübtes Ohr" habe. Trotzdem schrieb ich bereits

Zitat

Jedenfalls weiß ich, daß ich mit dem KdF sehr viele Probleme haben. Ich mag sie nicht. Dagegen gibt es so vieles von ihm, daß ich nur nicht schätze, sondern richtig liebhabe.
Wirklich schöne Musik rührt

Melot1967

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24

Freitag, 26. Mai 2006, 17:49

RE: Kann man Bach eigentlich nicht mögen?

Zitat

Original von uhlmann

für mich sind telemann, bach's buam (v.a. c.p.e.), oder purcell (obwohl das ein komischer vergleich ist) einfach spritziger, einfallsreicher und kreativer als j.s.



Das kann ich verstehen. Mir geht es mit den Klaviersonaten von D. Scarlatti so, dass ich sie spritziger und einfallsreicher finde als Bachs Clavierstücke, aber die Scarlatti-Sonaten finde ich allesamt schön oder amüsant, während mich die Bach-Stücke wirklich bewegen, anrühren.

Damit will ich aber nicht gesagt haben, dass mir das eine jetzt besser gefällt als das andere, denn das hieße in meinem Fall, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Ich kann aber verstehen, dass die Musik von J. S. Bach jemand "nicht viel gibt", andere Musik dafür umso mehr, warum denn nicht.
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Masetto

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25

Sonntag, 28. Mai 2006, 18:21

Ich kenne bislang nur die beiden Passionen, einige Kantaten, die Kunst der Fuge, die Goldberg-Variationen, die Brandenburgischen Konzarte sowie die große H-Moll von Bach. Trotzdem höre ich diese Werke sehr oft. Ich kann anhand meiner Erfahrung nicht nachvollziehen, wie man Bach langweilig finden kann. Spröde, manchmal kühl vielleicht, aber trotz dessen immer überlegen. Ich kenne keine Musik wie die von Bach. Bach ist für mich gleichsam Geheimnis wie Offenbarung. Die Tonabstände faszinieren mich und bannen mich. Bach ist manchmal wirklich fast Jazz!

@SMOB ich würde Dich bitten, mal eine kleine Bach-Kur aufzuschreiben, damit ich mich nochmehr an dieser Musik freuen kann und weiss, was ich am besten als nächstes nehme
29.08.1958 - 25.06.2009
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SMOB

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26

Dienstag, 30. Mai 2006, 13:23

Gerne komme ich deiner Bitte nach Masetto.

Hier kommt meine höchst subjektive Bachkur. Da ich im Moment wenig Zeit habe,
gibt es noch keine nähere Anwendungsbeschreibung. Zu Risiken
und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. :D

http://www.tamino-klassikforum.at/thread.php?threadid=3404
"Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten" Gustav Mahler

Myschkin

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27

Freitag, 2. Juni 2006, 02:51

Zitat

Original von Anna-Beate
Ich mag Bach und die ganze Barockmusik zur Zeit noch nicht. Ich habe da hin und wieder mal etwas gehört, aber es hat mich einfach nicht angesprochen, fand es etwas langweilig. Und widme mich als Anfängerin erst einmal dem, was mir gefällt. Um es später noch einmal zu probieren.


Mir geht es genauso. Mittlerweile habe ich schon öfter "noch einmal probiert", weil mein Einstieg in die klassische Musik nun auch schon einige Jahre zurückliegt. Trotzdem: Ich mag Bach nicht. Ich finde seine Musik nicht unangenehm, hässlich oder abstossend, aber ich habe nie das Bedürfnis, sie zu hören.
Da das Musik-Hören nur ein Hobby ist (wenn auch das schönste), habe ich gar nicht den Ehrgeiz, alles zu mögen. Ich habe eigentlich nicht mal den Ehrgeiz, zu analysieren, warum ich nicht alles mag und schäme mich auch dann nicht für mein Banausentum, wenn es um die ganz großen Komponisten geht, die sonst jeder mag außer mir (und Anna-Beate).
Sehr gut verstehen kann ich hingegen, dass ein Bach-Freund nicht verstehen kann, dass wir Bach nicht mögen. Es ist mit jeder Musik so. Wenn ich meine Lieblingswerke von Lieblingskomponisten höre, denke ich auch manchmal: Wie kann das einem nicht gefallen? Und doch gibt es Tausende, denen es nicht gefällt und Millionen, die es nicht mal kennen und von diesen Millionen würden es vielleicht außerdem wiederum die wenigsten mögen, wenn man sie damit zwangsberieseln würde...

BigBerlinBear

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28

Freitag, 2. Juni 2006, 06:46

Ich mag Bach dann nicht, wenn ich dazu gezwungen werde, seine Werke auf Instrumenten zu hören, für die sie NICHT geschrieben und noch weniger gedacht wurden und wenn das Ganze dazu dienen soll, seine Musik irgend einem blöden Zeitgeist anzupassen, mit dem einzigen Effekt, das selbst der dümmste MTV-Hörer ein kleines "AHA-Erlebnis" in seinem überdröhnen Hirn verspürt, wird mir vollends übel. Andere Komponisten haben da einfach mehr Glück, denn ich lese ganz selten von Bestrebungen, z.b. Beethoven auf dem Clavicord oder Ligeti auf Krummhörnern zu spielen.
Mit Bach ist es wohl eher so: um seiner Musik wirklich näher zu kommen, bedarf es einer gewissen Reife des musikalischen Verstehens. Den Grundstock dafür hat man oder man hat ihn nicht. "Erlernbar" ist hier kaum etwas.
Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

Myschkin

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29

Freitag, 2. Juni 2006, 10:24

Zitat


Mit Bach ist es wohl eher so: um seiner Musik wirklich näher zu kommen, bedarf es einer gewissen Reife des musikalischen Verstehens. Den Grundstock dafür hat man oder man hat ihn nicht. "Erlernbar" ist hier kaum etwas.


Aber ist alles, was man musikalisch versteht, auch automatisch dazu angetan, einem zu gefallen?
Musik ist doch mehr als ein rein intellektuelles Vergnügen. Es ist durchaus möglich, der Musik folgen zu können und sogar erstaunt über die Genialität zu sein, aber keinen emotionalen Zugang zu finden. Dann mag man solche Musik einfach nicht so gerne (hören).

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30

Freitag, 2. Juni 2006, 10:31

Zitat

Original von Myschkin

Zitat


Mit Bach ist es wohl eher so: um seiner Musik wirklich näher zu kommen, bedarf es einer gewissen Reife des musikalischen Verstehens. Den Grundstock dafür hat man oder man hat ihn nicht. "Erlernbar" ist hier kaum etwas.


Aber ist alles, was man musikalisch versteht, auch automatisch dazu angetan, einem zu gefallen?
Musik ist doch mehr als ein rein intellektuelles Vergnügen. Es ist durchaus möglich, der Musik folgen zu können und sogar erstaunt über die Genialität zu sein, aber keinen emotionalen Zugang zu finden. Dann mag man solche Musik einfach nicht so gerne (hören).


Notwendige bzw. hinreichende Bedingungen. BBBs Voraussetzung ist von ihm vermutlich bloß notwendig gemeint, sie ist keinesfalls hinreichend, d.h. wenn die Reife fehlt, gefällt Bach nicht, aber Vorliegen der Reife reicht nicht hin, damit Bach gefällt.
(man kann gewiss auch streiten, ob sie notwendig ist)

JR (deformation professionelle...)
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)