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Alfred_Schmidt

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1

Montag, 15. Mai 2006, 16:10

Dirigenten als Komponisten

Liebe Forianer,

Immer wieder gab es dirigierende Komponisten - nicht immer zur Freude des Publikums - noch schlimmer - so finde jedenfalls ich - sind jedoch (von Ausnahmefällen mal abgesehen) komponierende Dirigenten... (?)

Ich könnte jetzt die einzelnen Namen fallen lassen, die mir zu diesem Theam einfallen - aber das überlassich heute mal Euch - und freu mich auch über Eure Einschätzung zu diversen Werken.

Freundliche Grüße aus Wien

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

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2

Montag, 15. Mai 2006, 16:24

Meines Wissens hat auch Lorin Maazel den Fehler begangen, zu komponieren ...

Die Frage ist aber doch stets, ob jemand nun ein komponierender Dirigent ist oder umgekehrt. Wer bestimmt das? Sollte man nicht die jeweilige Selbstsicht berücksichtigen? Und: Gibt es dann nicht nur dirigierende Komponisten?

musicophil

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3

Montag, 15. Mai 2006, 17:58

RE: Dirigenten als Komponisten

Hallo Alfred,

Ich vermute, daß Du meinst "von Beruf her sind es Dirigenten", denn sonst könnte man eine Unmenge nennen.
Denke mal an Haydn am Pult, Mozart, Beethoven über wen eine schöne Geschichte besteht von seinem Dirigat, oder später Mahler zB, um nur einige zu erwähnen.

LG, Paul
Wirklich schöne Musik rührt

rolo betman

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4

Montag, 15. Mai 2006, 18:33

Wilhelm Furtwängler

Ich stöberte vor ein paar Monaten in der Plattenabteilung vom Kaufhof an der Frankfurter Zeil, da fiel mir folgende CD in die Hände :



Oha, dachte ich mir, welche Überraschung, ich dachte der hat nur dirigiert. Inzwischen weiß ich es besser und nenne alle 3 Sinfonien von ihm mein Eigen. Im Booklet steht unter anderem, er habe sich selbst als dirigierenden Komponist gesehen, ganz im Gegensatz zum Rest der Welt. Tja, so kann man sich irren.

Seine Sinfonien sind ziemlich ausladende Werke, so zwischen 60 und 90 Minuten lang, ernst von vorne bis hinten, und sie haben mir recht gut gefallen, auch wenn nicht sehr viel hängengeblieben ist.

Es würde mich interessieren, wie andere über Furtwänglers Werke denken.
'Junge, ich habe es doch nur gut gemeint'
aus der Biographie des r.b. 'Mütter und andere Naturkatastrophen'

Ulli

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5

Montag, 15. Mai 2006, 18:34

RE: Dirigenten als Komponisten

Salut,

Gustav Mahlers Publikum [ich glaube in Prag?] meinte, dass es Mahler sehr gerne mag, wenn er dirigiert - nicht aber seine eigenen Werke.

Zudem möchte ich an den Dirigenten und Komponisten Leonard Bernstein erinnern.

Liebe Grüße
Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

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6

Montag, 15. Mai 2006, 18:38

Es gibt bereits einen solchen thread:

Boulez, Bernstein & Co...

Einer der interessantesten Fälle ist Markevitch, der tatsächlich ein im Paris der späten 20er als Strawinsky seiner Generation gefeierter Wunderjüngling war, dann aber nach oder während dem Krieg das Komponieren völlig aufgegeben hat.
Vgl. Edwins Beiträge im verlinkten thread!

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
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(Bob Dylan)

Masetto

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7

Montag, 15. Mai 2006, 20:42

Fällt mir spontan nur Gustav Mahler ein. Ich kann zwar nicht beurteilen, wie Herr Mahler im dirigieren war, aber er hat ein paar große Werke hinterlassen.
29.08.1958 - 25.06.2009
gone too soon

BigBerlinBear

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8

Montag, 15. Mai 2006, 20:46

Ulli:

Zitat

Gustav Mahlers Publikum [ich glaube in Prag?] meinte, dass es Mahler sehr gerne mag, wenn er dirigiert - nicht aber seine eigenen Werke.

Meine Klavierlehrerin, gebürtige Pragerin, Zemlinslky-Schülerin, lebte von 1888 bis 1976. Von Mahler sprach sie nie anders als vom Hernn Kmeister Mahler, der
ja auch komponiert haben soll. Sie habe aber nie etwas davon selbst gehört.
Sie konnte anschaulich schildern, wei Mahler sch beim Dirigieren bewegte, wie er die "Knie bis an die Magengrube" anzog um sich beim nächsten Höhepunkt des Orchesters wie ein Sommergewitter zu entladen...
Über ihren Lehrer Zemlinsky sagte sie, daß dieser an "keinem Rock vorbei gehen konnte, ohne nicht wenigstens den Versuch gemacht zu haben, unter denselben zu sehen". Eigene oder "moderne" Werke setzte Zemlinsky demzufolge beim Unterricht nicht ein, sondern es gab "Mozart rauf und runter" !Beide, Zemlinsky wie Mahler, kennen wir heute ausschliesslich als Komponisten. Von Mahler existiert keine Aufzeichnung seiner Dirigier-Arbeit, von Zemlinsky jedoch gibt es großartige Mozart-Einspielungen.
Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

Edwin Baumgartner

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9

Montag, 15. Mai 2006, 21:19

Alfreds Threaderöffnung ist von subtiler Bosheit ( :jubel: ) - er meint nämlich jene Dirigenten, die sozusagen nebenberuflich das von sich gaben, was man "Kapellmeistermusik" nennt. Der Kurzstueckmeister hat zurecht Maazel als Fabrikanten solcher Luftblasen genannt, ich würde Previn aufzählen, weiters Klemperer und Szell - und auch den von mir sehr geschätzten Jewgenij Swetlanow (als Komponist eher nicht so begeisternd, obwohl das Klavierkonzert große Qualitäten und die Symphonie immerhin einige Qualitäten hat).
Furtwängler gehört für mich, der ich eher kein Fan seiner dirigentischen Betätigung bin, doch eher zu den dirigierenden Komponisten (was sich anders überliefert hat, von ihm selbst aber auch so gesehen wurde). Auch Bernstein stufe ich als dirigierenden Komponisten ein, wer Werke wie "Mass", "Songfest", "Kaddish" und "A Quiet Place" schreibt, gehört sogar zu den Größten, die die konservativere Richtung der neueren US-Musik hervorgebracht hat.
...

Ulli

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10

Montag, 15. Mai 2006, 21:29

Salut BBB,

Sorry, es betraf die UA von Mahlers [damals noch 5sätziger] erster Sinfonie D-Dur in Budapest. Auch den Artikel des Neuen Pester Journals habe ich gefunden:

Wir werden ihn immer wieder mit Vergnügen am Dirigentenpult erblicken, wenn er nicht seine eigenen Kompositionen dirigiert.

Hier in BP dirigerte Mahler u.a. auch Wagners Rheingold und die Walküre. Zudem erinnere ich mich, dass er Mozart sehr schätzte [der Name dieses Komponisten soll sein letztes Wort gewesen sein] und häufig dirigierte - insbesondere Opern.

Es ist wirklich schade, dass es hier keine [TV-]Aufnahmen von Mahlers Dirigat geben konnte... hätte er nur 15 bis 20 Jahre länger gelebt... was ja durchaus zu schaffen gewesen wäre.

Am Rande: Was ist mit Péter Eötvös? Ist ER nicht die lebende Ausnahme, die in beiden Fächern herausragend und erfolgreich ist?

Cordialement
Ulli
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musicophil

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11

Montag, 15. Mai 2006, 21:56

Zitat

Original von Ulli
Am Rande: Was ist mit Péter Eötvös? Ist ER nicht die lebende Ausnahme, die in beiden Fächern herausragend und erfolgreich ist?

Da hast Du recht. Ich hatte das Glück einen Dirigentenkurs im Fernsehen anzuschauen.
Das Niederländische Fernsehen gibt jährlich(?) für "musicians all over the world" einen Dirigentenkurs. Eötvös zeigt wie man sehr moderne Musik behandeln muß. Die Name des anderen Dirigent habe ich vergessen. Der ist aber auch einen Großgewicht.

LG, Paul
Wirklich schöne Musik rührt

BigBerlinBear

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12

Montag, 15. Mai 2006, 22:22

Was ist mit Pierre Boulez ? Ist er als Komponist "bedeutender" denn als Dirigent ?
Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

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13

Montag, 15. Mai 2006, 22:57

Zitat

Original von BigBerlinBear
Was ist mit Pierre Boulez ? Ist er als Komponist "bedeutender" denn als Dirigent ?

(bis 1970 als Komponist, danach als Dirigent?)
Er ist zumindest in beiden Funktionen doch etwas berühmter als Eötvös, oder?

viele Grüße

JR
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Ulli

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14

Montag, 15. Mai 2006, 23:03

Zitat

Original von BigBerlinBear
Was ist mit Pierre Boulez ? Ist er als Komponist "bedeutender" denn als Dirigent ?

Salut,

jedenfalls ist er mir als Komponist namentlich bekannter, denn als Dirigent.

LG
Ulli
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Wulf

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15

Dienstag, 16. Mai 2006, 00:00

Ich möchte an dieser Stelle an Felix Weingartner (1863 - 1942) erinnern. Zu Lebzeiten war er ein hoch angesehener Dirgent, dessen elegante und deutliche Schlagtechnik wohl noch Generationen nach ihm beeinflusste.
Unter seiner Führung (1927 - 1935) wurde Basel zu einer musikalischen Kulturmetropole.
Er leitete dort die Allgemeine Musikgesellschaft, übernahm die Direktion von Konservatorium und Musikschule als auch eine Anzahl an Gastdirigaten am Stadttheater Basel.
Zwei Jahrzehnte zuvor (1908 ) hatte Weingartner für drei Jahre das Direktoriat der Wiener Hofoper von Gustav Mahler übernommen, leitete von 1908 bis 1927 die Wiener Philharmonischen Konzerte, um dann wie bereits erwähnt nach Basel zu gehen.
Nach 1935 kehrte er für zwei Jahre nach Wien zurück um dort als Direktor der Wiener Staatsoper zu wirken.

Weingartners kompositorisches OEuvre dagegen ist heute wie damals weniger beachtet als seine Dirigententätigkeit, obwohl es sogar Kritiker gab, die den Komponisten Weingartner dem Dirigenten vorzogen. Zumindest was den symphonischen Teil betrifft, kann man dank cpo sich heute sein eigenes Urteil bilden.
Weingartner war kein Revolutionär. Seine Symphonien sind kraftvolle, erfindungsreiche Werke spätromantischen Zuschnitts und können in ihrem Ausdrucksgehalt durchaus überzeugen.
Somit schuf Weingartner zwar keine Werke, die Musikgeschichte schrieben, in der Verbindung als Dirigent und Komponist ist vielleicht gerade er es, dem man neben Mahler und Bernstein noch Tribut zollen sollte.

Weniger begeistern, aber mit Sicherheit Previn und Maazel überlegen, kann mich Esa-Pekka Salonen. Das, was ich bisher von ihm hören konnte, klang nicht uninteressant, zu Begeisterungstürmen mochte es mich aber nicht hinreißen.

Vielleicht etwas außerhalb Alfreds Intention: Jean-Baptiste Lully kann durchaus als stilbildender Dirigent angesehen werden und natürlich als Komponist grandioser Musik. (Sorry Lullist, daß ich Dir da zuvor gekommen bin :))

LG
Wulf.
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Wulf

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16

Dienstag, 16. Mai 2006, 00:04

Oh, wie konnte ich Boulez vergessen.
Er steht IMO in Verknüpfung beider Eigenschaften mit Sicherheit neben Mahler und Bernstein, vielleicht sogar noch vor Bernstein.

Eötvös finde ich als Komponisten eher entbehrlich. Als Dirgent kann ich kein Urteil geben.
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teleton

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17

Dienstag, 16. Mai 2006, 08:26

:] Von den großen Dirigenten die komponiert haben gefällt mit Leonard Bernstein von allen am Besten.
Er ist für mich ein genauso Großer Dirigent, wie Komponist.

Andere Dirigenten, die komponieren, fallen da IMO voll durch:
;( Furtwänglers Sinfonien finde ich tödlich langweilig.
?( Boulez gefällt mir als Komponist überhaupt nicht - das ist mehr Mathematik als musikalische Seele.
:D Maazel ist wie gesagt Kapellmeistermusik.
:( Klemperers sinfonische Ausflüge haben etwas von Bruckner übernommen, reißt mich aber nicht vom Hocker (aber noch besser als die vorgenannten).

Für Andre Previn, den ich als Dirigent nicht so besonders schätze, gibt es zu seinem Violinkonzert für Anne Sophie einen Beitrag im Violinkonzerte - Thread. Diese DG-CD hatte ich über EBAY superpreiswert erstanden. Dieses Werk gefällt mit gut und ist ASM voll auf den Leib geschrieben und hat interessante Momente und nicht dieses unsägliche modern sein wollen anderer heutiger Komponisten - es ist verständlich und schön anzuhören.
Vielleicht ist Previn als Komponist interessanter, als als Dirigent !
Die Bernstein-Serenade, die auf der DG-CD mit ASM und Previn als Dirigent als Filler zu seinem Violinkonzert drauf ist, ist wiederum lahm interpretiert und hat lange nicht die hohe Qualität Bernsteins eigener Aufnahme mit G.Kremer auf DG.
Gruß aus Bonn, Wolfgang

BigBerlinBear

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18

Dienstag, 16. Mai 2006, 10:08

Hallo Wolfgang, wir hatten diese leidige Diskussion vor einiger Zeit schon einmal, aber deine Einlassungen zu Boulez und und Previn kann und mag ich nicht unkommentiert lassen:

Boulez: Natürlich ist nicht jeder bedeutende Komponist "everybodys darling".
Ich z.b. schätze Rachmaninows Werke nicht besonders , zum einen, weil die meisten von ihnen für Klavier komponiert wurden, einem Instrument, zu dem ich seit meiner Kindheit eine wahre "Hassliebe" verbinde, zum anderen, weil seine (Rachmaninows) Auffassung von "romantischer Harmonik" doch erheblich hinter der seiner Zeitgenossen zurückbleibt: Kurz und gut: trotzdem käme ich nie auf die Idee, diese Kompositionen deshalb als minderwertig abzuqualifizieren, denn alles, was da geschieht, geschieht auf hohem und höchstem Niveau. Das hab ich gefälligst zu akzeptieren, auch wenn mir das ganze "irgendwie nicht passt" ! Die Musik von Boulez stellt eine wesentliche (und nicht nur für mich) unverzichtbare Bereicherung der doch weitgehend vom 19. Jahrhundert geprägten Klangvorstellungen dar; seine Verarbeitung der seriellen und dodekaphonen Mittel sind immer originell und weit davon entfernt, reines "Rechenwerk" zu sein.

Der von dir hier als "Positiv-Beispiel" zitierte Andre Previn, den ich weder als Dirigenten, geschweige als Komponinsten schätze, hat in seinem "Violinkonzert Anne-Sophie", (böse Zungen sprechen, gemessen am Altersunterschied zwischen Previn (Jahrgang 1929 ) und seiner Frau A.S. Mutter (Jahrgang 1963 ) gerne von "Der Tod und das Mädchen", einen eklektizischtischen und weitgehend unispirierten Stil-Mix hingelegt, das Ganze mit der Harmonik von anno püppi verknüpft und mit gähnend langweiligem, weil vordergründigem Passagenwerk für die Zauberfinger seiner Frau versehn und entstanden ist ein Werk, auf das jeder Musikhörer, der sich selber auch nur ein bisschen ernst nimmt, gerne verzichten kann.

Furtwänglers Sinfonien sind nach "allen Regeln der Kunst" gearbeitet; das sieht in der Partitur toll aus: als klingendes Ergebnis jedoch überzeugte mich keine.

Von Klemperer kenne ich einen "Konzertwalzer" der es verdiente, öfter gespielt zu werden.
Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

Edwin Baumgartner

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19

Dienstag, 16. Mai 2006, 10:35

Widerspruch auch meinerseits. Man kann die genannten unmöglich alle in einen Topf werfen. Da gibt es doch erhebliche Unterschiede.
Previn hat als Jazzarrangeur und Filmmusikkomponist ein paar nicht so ganz üble Sachen gemacht, und seine Oper "A Streetcar Named Desire" steht, ohne viel Eigenes zu bieten, in der Menotti-Tradition (süffige Melodie plus ein paar eingeschrägte tonale Harmonien). Kompositorisch ist Previn mit Bernstein verwandt, aber ein direkter Vergleich zeigt, wie jämmerlich Previns Werke gegen die Bernsteins sind.
Boulez wird von der breiten musikinteressierten Öffentlichkeit vor allem als Dirigent wahrgenommen. Seine hauptsächliche Bedeutung für die Musikgeschichte ist aber seine kompositorische Tätigkeit. Boulez hat im "Marteau sans maitre" das einzige Werk der Seriellen Musik geschrieben, das Chancen hat zu überleben. Mittlerweile hat sich Boulez von der Seriellen Musik weg entwickelt. Seine Musik ist farbintensiv und von exquisiter Klanglichkeit, Werke wie "Rituel", "Repons" und "Sur incises" sind keineswegs mehr klingende Mathematik (die schon "pli selon pli" im Grunde nicht mehr ist), sondern auch rein emotional wahrnehmbare Werke, die man sowohl mit Hirn als auch mit Genuß hören kann.
Furtwänglers Symphonien wollen zuviel, sie ufern in der Länge aus. Dennoch halte ich die 2. und die 3. für beachtliche Werke, die im Rahmen der deutschen Nachromantik keine ganz so schlechte Figur machen. Wenn man Furtwänglers Werke mit der Notenschreiberei eines Previn oder, noch schlimmer, eines Maazel vergleicht, merkt man, schneidet Furtwängler immer noch verdammt gut ab.

Übrigens hat auch Dimitri Mitropulos komponiert: Ich habe eine Oper von ihm, die wie modernisierter Debussy klingt - nicht übel, ohne ein Meisterwerk zu sein.

Frage an die Taministen: Rafael Kubelik hat bekanntlich ebenfalls komponiert, und zwar in einem angeblich ziemlich avancierten Stil. Hat einer von Euch jemals ein Werk von ihm gehört?
...

teleton

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20

Dienstag, 16. Mai 2006, 10:36

Hallo BBB,

laß doch die bösen Zungen über ASM und Previn reden was sie wollen:
Es ist doch für einen Mann sehr reizvoll ein 34Jahre jüngere Frau zu haben. Die Beiden haben sich als Musiker kennengelernt und so ist eine Verbindung entstanden - voll OK !

Das das Violinkonzert Anne Sophie nicht nach den neusten Kompositionsregeln entworfen wurde, macht es für mich sympathisch - gerade das macht das Werk doch hörbar, hörbarer als so manches was mir ein Boulez vorsetzt.
Das Ergebnis zählt und das finde ich hier im Falle Previin-Violinkonzert ganz gut (nicht sehr gut) und tatsächlich nicht so wichtig, dass es sich lohnt hierzu noch weitere Worte zu schreiben.

:motz: Als Musikhörer nehme ich mich sehr ernst - bitte keine persönlichen Angriffe, denn wir sind hier nicht in dem hier sogenannten "Fremdforum" wo dies leider üblich war.
Gruß aus Bonn, Wolfgang

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21

Dienstag, 16. Mai 2006, 10:39

Ich frage nochmals: Gibt es EINEN "komponierenden Dirigenten", der sich als solchen gesehen hat (und nicht als "dirigierenden Komponisten")?

Hat z.B. Maazel sich dazu geäußert? Auch wenn ich nichts von seiner Musik halte: Ist nicht womöglich auch er ein dirigierender Komponist?

Wulf

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22

Dienstag, 16. Mai 2006, 10:47

Kurzstückmeister, Du machst es einem aber auch nicht gerade leicht.
Aber Du hast recht. Alle, die mir bekannt sind, würden sich in erster Linie als Komponisten bezeichnen und erst in zweiter Linie als Dirigent. :(


@all: Kennt jemand die Symphonien Weingartners und möchte sich dazu äußern? Ich finde sie durchaus gelungene Werke und würde sie den Symphonien Furtwänglers eindeutig vorziehen. Meine Meinung.
Mahler soll die symphonische Dichtung "King Lear" sehr gelobt haben.
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Edwin Baumgartner

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23

Dienstag, 16. Mai 2006, 10:55

Zitat

Gibt es EINEN "komponierenden Dirigenten", der sich als solchen gesehen hat (und nicht als "dirigierenden Komponisten")?

Selbst wenn ein Dirigent zu solcher Selbsterkenntnis fähig ist, wird er sie kaum der Öffentlichkeit mitteilen und damit seine Werke schlecht machen.

Und laßt's dem Previn die Mutter! So kommt er auf andere Gedanken und komponiert weniger. :stumm:
...

BigBerlinBear

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24

Dienstag, 16. Mai 2006, 11:03

Hallo Wulf, ich habe die zwei ersten CDs mit Einspielungen der Weingartnerschen Sinfonien (CPO) gehört und denke, daß das "schöne Werke" aus der 2ten Reihe sind. Dieses verstärkte sich bei wiederholtem Hören, weil dann unwillkürlich Vergleiche zu komponierenden Zeitgenossen, (das waren in Weingartners Fall z. b. Mahler, Strauss, Sibelius) auflaufen, mit denen er dann wohl nicht mithalten kann.
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BigBerlinBear

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25

Dienstag, 16. Mai 2006, 11:10

Zitat von »Edwin«

Und laßt's dem Previn die Mutter! So kommt er auf andere Gedanken und komponiert weniger

Ich beneide ihn ja auch nicht darum, Edwin. Es sei ihm von Herzen gegönnt ! :beatnik:

Deine Frage nach Kubelik als Komponist:
In grauer Vorzeit hörte ich einmal ein Konzert, Sonate, Rhapsodie (bitte nagel mich hier nicht fest) von Rafael Kubelik für Geige und Orchester, ganz offensichtlich für seinen Vater Jan Kubelik komponiert. Das klang nicht sonderlich modern, etwa im Stile der nach-dvorarkschen tschechischen Schulen, (Fibich, Suk) und keinesfalls so exponiert wie Janacek.
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Herbert Henn

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26

Dienstag, 16. Mai 2006, 13:00

Dirigenten als Komponisten

Hallo,

meiner Meinung nach gibt es nur zwei, die auf beiden Gebieten großes vollbracht haben: Mahler und Strauss !!

Herbert.
Tutto nel mondo è burla.

BigBerlinBear

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27

Dienstag, 16. Mai 2006, 13:19

Strauss sehe ich nicht unbedingt immer als Idealfall für kompetentes Dirigieren, speziell der eigenen Werke, an. Ähnliches liesse sich auch über Strawinski sagen. Die "klingenden Zeugnisse" aus der Opernära Mahler wurden nicht überliefert, sein Herangehen an eigene Kompositionen via Klavier (Welte-Mignon) darf zumindest Zweifel aufkommen lassen, ob er mit fremden Werken bewusster und vor allem kompetenter umging, als in diesen Aufzeichnungen mit den eigenen. Daß er jedoch etwas "Ausserordentliches" hatte, kann nicht bezweifelt werden, denn das bezeugen auch die Aussagen seiner Gegner.
Nachprüfbar und nacherlebbar bleibt das nur bei und für Leonard Bernstein.
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28

Dienstag, 16. Mai 2006, 13:32

Zitat

Nachprüfbar und nacherlebbar bleibt das nur bei und für Leonard Bernstein.

Und wieso nicht bei Boulez und Eötvös?

Norbert

Moderator

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29

Dienstag, 16. Mai 2006, 13:36

Zitat von »Kurzstueckmeister«

Ich frage nochmals: Gibt es EINEN "komponierenden Dirigenten", der sich als solchen gesehen hat (und nicht als "dirigierenden Komponisten")?

Hat z.B. Maazel sich dazu geäußert? Auch wenn ich nichts von seiner Musik halte: Ist nicht womöglich auch er ein dirigierender Komponist?

Hallo Kurzstueckmeister,

ja, den gibt es. Ich zitiere: "Ich bin hauptsächlich ein Dirigent, der auch komponiert. Natürlich würde ich mich freuen, wenn man sich an mich als Dirigenten und Komponisten erinnerte. Aber ohne arrogant sein zu wollen, würde ich mich freuen, wenn man mich als guten Komponisten in Erinnerung behielte."

Diese Worte stammen von Otto Klemperer und dienten - nach ein oder zwei Tagen Bedenkzeit - als Antwort auf die Frage, ob er sich als Dirigent, der zufällig auch komponiere oder als Komponist, der ungerechter Weise vernachlässigt werde, sehe.
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Herbert Henn

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Registrierungsdatum: 24. März 2006

30

Dienstag, 16. Mai 2006, 13:46

Dirigenten als Komponisten

Hallo,

1. In dem Buch"Der vollkommene Dirigent von Alois Melichar, wird R.Strauss als" Vorbild für alle Dirigenten" dargestellt.
2. Wenn L.Bernstein in die Kategorie "Dirigenten als Komponisten" fällt, dann muß man Ennio Morricone natürlich auch einbeziehen.

Herbert.
Tutto nel mondo è burla.