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Ulli

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31

Sonntag, 26. März 2006, 10:48

RE: Warum werden Kleinmeister wiederentdeckt?

Zitat

Original von Ulli
Ich frage mich aber, ob ich bzw. wir diese Entdeckungstouren unternehmen, um wirklich Neues kennen zu lernen oder um lediglich eine "Bestätigung" von Mozarts Einzigartigkeit zu erhalten. Bei mir war eigentlich Letztgenanntes der ausschlaggebende Punkt - ich wurde belehrt...


Salut,

ich muss das ein wenig revidieren: Angefangen hat es damit, auf auf einer LP die Ouvertüre zu Olympia von J. M. Kraus enthalten war, die mich sehr faszinierte. Wer war dieser Kraus - das fragte ich vor rund 20 Jahren [oh je, jetzt fängts an, dass ich in diesen Dimensionen denken muss...]. Damals fand ich außer einem kurzen Artikel im damals aktuellen MGG nicht viel. Die Geburtsdaten waren mit jenen von Mozart fast identisch - also ein zweiter Mozart! Ein zweiter Mozart? Gab es einen ebenbürtigen Komponisten? Das wollte ich zunächst herausfinden - es war nicht möglich, es gab kaum etwas auf dem Markt. Mittlerweile ist es möglich - es ist ein zweiter Mozart - aber ein anderer.

Hinzu kam, wie der Lullist es bereits schrieb, das zunehmende Interesse an der Zeit, was wurde eigentlich neben Mozart [falls überhaupt, wie sich herausstellte...] gespielt? Wie ist Mozarts Werk in der damaligen Zeit einzuordnen und "zu bewerten"? Was war vorher, wie hat sich das entwickelt? Das Bild wird immer transparenter und hat doch noch erhebliche Lücken, die ich mit Neugier und Freude bei der Sache schließen möchte.

Ich mag das Wort 'Kleinmeister' auch überhaupt nicht - es ist mir so 'rausgerutscht... :O

Cordialement
Ulli
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salisburgensis

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32

Montag, 27. März 2006, 16:01

RE: Warum werden Kleinmeister wiederentdeckt?

Zitat

Original von Ulli
Warum werden Kleinmeister wiederentdeckt?



Ich für meinen Teil beschäftige mich mit Werken von sog. Kleinmeistern, weil:

Gäbe es nur Musik von Bach und Händel auf CD, würde mir das wohl bald langweilig werden. Diese beiden haben mit ihrer Musik längst nicht alles gesagt, was mit Musik gesagt werden kann/muß.

Ich will selbst herausfinden, was dran ist in der Unterscheidung Meisterwerk - nicht Meisterwerk. IMO kann sich ein solches Urteil nur der erlauben, der auch die Werke kennt, von denen sich ein als Meisterwerk klassifiziertes Stück (angeblich) abhebt. Meine Erfahrung ist, dass es meist zeitnah entstandene Werke gleicher Qualität gibt. Oftmals hat es mit Begleitumständen oder Legendenbildung zu tun, dass ein Stück als Meistwerk bezeichnet wird, ein vergleichbares aber nicht. Oft scheint es auch einfach Zufall zu sein. Die Bewertungen, die ich dabei für mich finde, decken sich manchmal mit der allgemeinen Einschätzung (zB. ist Bach auch für mich einer der Größten), manchmal aber auch nicht (zB. hat für mich Telemann eine vergleichbare Größe wie Bach).


Meine bisherige Erfahrung zeigt mir, dass es sich wirklich lohnt. Es gibt Unmengen an großartigen Stücken zu entdecken.

--------------------------------------------------------

Man kann diese Frage aber auch aus Sicht der Ausführenden versuchen zu beantwortet, also warum werden längst vergessene Stücke überhaupt wieder ausgegraben und auf die Spielpläne gesetzt.

Ein Aspekt ist das liebe Geld. Im Bereich der alten Musik ist es momentan so, dass man viel leichter einen Sponsor findet, wenn man eine Wiedererstaufführung plant. Oftmals werden solche Stück nur in diesem einen Konzert gegeben und verschwinden dann wieder. Die Attraktivität des Stückes scheint nur in der "Jungfäulichkeit" zu liegen, danach verliert es offenbar seinen Reiz. Zweifellos ist das bei einigen Werken berechtigt, es gibt tatsächlich Sachen, die zurecht vergessen wurden.

Die Ausführenden haben wesenttlich weniger Gegenwind zu erwarten, weil es oft keine Vergleichsaufnahmen gibt. Nichts ist schlimmer, als lesen zu müssen, dass XY das schon vor 20 Jahren so gemacht hat und somit gar keine Notwendigkeit bestanden hätte, das neu aufzunehmen und zu produzieren. Was ist, wenn der Dirigent es eben genauso empfindet, wie XY vor 20 Jahren? Darf er´s nicht spielen oder produzieren, nur weil er die gleiche Lesart des Stücks hat wie XY 20 Jahre davor?

Was mag es sonst noch sein? Entdeckergeist? Interesse an historischen Perioden, an Entwicklungen in der Musik? Es gibt sicher noch mehr Beweggründe...

:hello:
Thomas
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33

Montag, 27. März 2006, 16:59

Ich würde auch immer noch unterscheiden wollen zwischen seinerzeit unbestrittenen Größen wie Purcell oder Telemann, nicht zu reden von Monteverdi oder Lully einerseits und andererseits Komponisten, die obwohl sie einzelne oder eine ganze Menge ordentlicher Werke geschaffen haben und seinerzeit durchaus berühmt waren, ziemlich klar in die "zweite Reihe" gehören. Es hängt viel mit der historischen Distanz zusammen. Aus dem 19. Jhd. ist vielleicht mancher, der im Grunde als "Kleinmeister" aufgefaßt werden müßte, noch fest im Repertoire (ohne mich jetzt auf eine Diskussion im Einzelnen einlassen zu wollen, fallen mir hier etwa Paganini, Glasunow, evtl. sogar Grieg ein) während aus dem 17./18. Jdh. nur die herausragendsten Gipfel vertraut sind und man aus noch früherern Zeiten wohl die Namen der historisch zentralen Komponisten kennt, aber deren Werke meistens nicht.
Dass Lassus oder Tallis indes von anderer Statur als Salieri oder Hummel sind (nämlich die Komponisten, die in dieser Zeit im Range etwa Mozart oder Beethoven entsprechen) scheint mir ohne Frage zu sein.
Wie schon gesagt ist, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen bis Ende des 18. Jhds. "Vergessen" der Normalfall. Für die unmittelbare Nachfolgergeneration schirmen oft einige wenige Komponisten, die als exemplarisch verstanden werden, den Rest ab. Die Wiener Klassiker fanden alles, was sie am Barockstil interessierte, in wenigen beispielhaften Werken von Bach und Händel. Da spielt vielleicht ein wenig Zufall hinein, dass es nicht stattdessen Rameau und Corelli waren. Andererseits hatten diese beiden ja ihrerseits schon diverse andere Strömungen (ital., franz., "norddeutscher" Stil) aufgesaugt und fusioniert. Systematische "Lehrbücher" zur Kunst der Polyphonie vom Range von Bachs WTK oder Kunst der Fuge dürfte es wenige andere gegeben haben, und die Energie und Dramatik der Händelschen Oratorien war ebenfalls etwas, woran Mozart, Haydn, Beethoven anknüpfen konnten, während Formen wie das Concerto grosso u.ä. ziemlich obsolet geworden waren. Ähnlich für die Generation nach Beethoven; Beethoven macht für sie Mozart u. Haydn weitgehend "überflüssig", nicht zu reden vom Rest. In einer Zeit ohne Tonaufzeichnung überlebt praktisch nur, was für die jüngeren Komponisten irgendwie interessant ist...

viele Grüße

JR
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Ulli

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34

Sonntag, 21. Mai 2006, 14:05

Warum wurden Komponisten vergessen?

Durch meine derzeitige Kammermusikphase wird mir langsam einiges klar:

Während ich mich bei den Sinfonien und Konzerten von Mozarts Zeitgenossen durch die teils monströse Orchestrierung blenden liess, so ist dies in der Kammermusik - sehr peinlich! - nicht möglich: sie ist zu intim, um ein gewisses "Unvermögen" z.B. mit Trompeten und Pauken zu vertuschen!

Besonders ist mir dies bei Boccherini und Rasetti heute aufgefallen! Das ist Unterhaltungsmusik, wenn auch sehr gute, kein Zweifel. Aber mit fehlt hier definitiv die Tiefgründigkeit - die auch nicht näher definierbar oder gar beschreibbar ist. Hier sind Joseph Haydn und Wolfgang Mozart in ihrer Zeit einfach die grössten. Bochherinis Quintette op. 11 fand ich sehr wenig inspirierend, so beiläufig...

Als Ausnahme möchte ich dennoch Joseph Martin Kraus in allen Bereichen der Tonkunst und Antonio Rosetti zumindest in seinen späten Sinfonien, die kein Blendwerk sind, behalten. Gleichzeitig natürlich: Martín y Soler im Genre Oper!

Cordialement
Ulli
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35

Dienstag, 30. Mai 2006, 12:18

Das mit der fehlenden "Tiefgründigkeit" kann ich so nicht akzeptieren - nämlich wenn die "Tiefgründigkeit" ein Qualitätsmerkmal sein soll. Kraus mag ja sehr ernsthaft und weihe-umwittert tun. Die Abfolge mäßig gestalteter Ideen in mäßig überzeugender Großform kommt aber an Boccherinis von den Komponisten der Wiener Klassik unabhängig entwickelten Stil, der nun mal nicht "tiefgründigen" Ausdruck vermittelt, bei weitem nicht heran.

BigBerlinBear

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36

Dienstag, 30. Mai 2006, 12:56

KSM:

Zitat

Kraus mag ja sehr ernsthaft und weihe-umwittert tun.


So, tut er das ? Zumindest in seiner "Trauer-Sinfonie" fiel mir dergleichen nicht auf. Möglicherweise hängt das aber auch damit zusammen, daß Komponisten wie der "unfertige" Monn bei mir mehr zum Schwingen bringen als eben Boccherini, den ich bis dato nur als Vermittler einer, zugegeben, "gepflegten"
Langeweile kennenlernen durfte. Etwas von diesem "unfertigen" weil etwas unglücklich "zwischen den Zeiten" stehende hat auch Kraus und velleicht ist es ja genau das, was mir Eindruck macht. Vorgetäuschte Tiefgründigkeit jedoch ist ebenso peinlich wie jene aufgesetzte, moccatässchenklirrende Heiterkeit, die aus einer Spieluhr zu kommen scheint, auf der eine debil grinsende Porzellan-Barbie
ihre Endlos-Schleifen dreht...
Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

Ulli

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37

Dienstag, 30. Mai 2006, 14:31

Salut Kurzstückmeister,

Kraus tut eigentlich gar nichts mehr. ;)

Kraus Musik ist sehr schlank, da gebe ich Dir schon Recht. Aber er ist ein absoluter Meister der Momente... und Kraus mit Boccherini zu vergleichen... also bitte!

Kraus Musik hat sehr viele "unausgeführte" Gedanken - aber das reicht ja: Allein die Ahnung dessen, was hätte sein können, ist besonders reizvoll, für mich jedenfalls bei weitem reizvoller als Boccherini-Lärm. Und dass er es konnte, hat er nur allzu oft bewiesen!

Ich glaube nicht, dass Kraus irgendetwas vortäuscht - dazu hatte er zu wenig Zeit.

:hello:

Ulli
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38

Dienstag, 30. Mai 2006, 14:48

Danke für die Kraus-Anmerkungen, vielleicht finde ich (wieder) einen besseren Zugang zu ihm. Dennoch verbreitet Boccherini das Gegenteil von Lärm und ist von einer Schlichtheit und ausgewogenen Vollkommenheit, die ihm für mich eine Position unter den wichtigsten neben/hinter Haydn/Mozart/Beethoven garantiert, was ja durchaus nicht nur von mir so gesehen wird. Freilich ist das wirklich das Gegenteil von "Ahnung dessen, was hätte sein können" - umso interessanter für mich die Gegenüberstellung. Auch im 18. Jh. können sehr unterschiedliche Positionen nebeneinander bestehen und müssen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Ulli

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39

Dienstag, 30. Mai 2006, 15:03

Zitat

Original von Kurzstueckmeister
Dennoch verbreitet Boccherini das Gegenteil von Lärm


Naja, das war ja sooo auch nicht gemeint... [nur etwas gemein :evil: ]

Boccherini ist mir einfach zu Cello-lastig, besonders bei seinen Cello-Konzerten :D Nein, im Ernst: Das Cello und die Flöte - das ist nichts für mich, wenn sie vollsolistisch eingesetzt sind. Daher komponierte ich ja auch einst ein Doppelkonzert für Flöte und Cello [in G-Dur]. Da habe ich meine ganzen Hasstiraden mit reinkomponiert - versteckt in süsslichen Melodien, versteht sich. Die Flötistin brach die Proben mit einer solistischen Flötenweitwurfeinlage ab... das Konzert wurde dann mit Violine und Cello uraufgeführt [wobei das Cello natürlich sehr oft über der Violine zu tun hatte...]

Zurück zum Thema:

Im abstrakten "Vergleich" Boccherini/Kraus ist Kraus einfach der Geräuschlosere von beiden... wobei er natürlich auch "voll aufdrehen" konnte [Festkantate, Sinfonia per la chiesa, cis-moll-Sinfonie nach der lgs. Einleitung].

Kraus komponierte auch mengenmässig weitaus weniger als z.B. Mozart oder Boccherini: Aber das macht seine Werke auch etwas 'kostbarer' - als ob er's gewusst hätte...

Vom "Unterhaltungswert" her zieht Kraus eindeutig den Kürzeren.

Liebe Grüße an den kurzen
Ulli
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Wulf

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Mittwoch, 31. Mai 2006, 00:12

ad Boccherini: Wie heißt es doch so schön? "Wollte Gott zu den Menschen vermöge der Musik sprechen, so wählte er Haydn. Wolle er selbst Musik hören, so wählte er Boccherini ." Und wer mag Gott schon als Langeweiler bezeichnen, hm?


:hello:
Wulf.
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41

Mittwoch, 31. Mai 2006, 00:16

Salut,

Du wirfst da was durcheinander:

Wenn Engel für Gott spielen, so spielen sie Bach, füreinander spielen sie Mozart...

;)

Ulli
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Wulf

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Mittwoch, 31. Mai 2006, 00:18

Hallo Ulli,

ich werf da durchaus nichts durcheinander. Das von mir genannte Zitat stammt aus einer Violinschule aus dem Jahre 1798.
Der mit den Engeln ist aber auch ganz nett. ;)

LG
Wulf.
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Ulli

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Mittwoch, 31. Mai 2006, 00:28

Zitat

Wollte Gott zu den Menschen vermöge der Musik sprechen, so wählte er Haydn. Wolle er selbst Musik hören, so wählte er Boccherini


Salut,

ich hab ja garnix gegen den Spruch - möge ER ihn auf ewig durchführen.

:hello:

Ulli
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Wulf

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Mittwoch, 31. Mai 2006, 00:32

Ist auch besser so... :beatnik:

In dem Sinne: Erholsame Nacht und vielleicht bis in ein paar Tagen in Berlin. Warst doch auf mit von der Partie, oder?

LG
Wulf.
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Mittwoch, 31. Mai 2006, 06:33

Zitat

ad Boccherini: Wie heißt es doch so schön? "Wollte Gott zu den Menschen vermöge der Musik sprechen, so wählte er Haydn. Wolle er selbst Musik hören, so wählte er Boccherini ." Und wer mag Gott schon als Langeweiler bezeichnen, hm?


Demzufolge bin ich weder Mensch noch Gott ! Dem Himmel sei Dank !!! :hello:
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46

Mittwoch, 31. Mai 2006, 07:51

Zitat

Original von Wulf
ad Boccherini: Wie heißt es doch so schön? "Wollte Gott zu den Menschen vermöge der Musik sprechen, so wählte er Haydn. Wolle er selbst Musik hören, so wählte er Boccherini ." Und wer mag Gott schon als Langeweiler bezeichnen, hm?


Naja. Er hat beliebig viel Zeit, da kann man schon andere Präferenzen setzen. Ich glaube aber doch, dass sein Geschmack zumindest so gut ist, dass die Werke mit Mitwirkung einer Gitarre vermieden werden...

viele Grüße

JR
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47

Mittwoch, 31. Mai 2006, 08:16

JR:

Zitat

Ich glaube aber doch, dass sein Geschmack zumindest so gut ist, dass die Werke mit Mitwirkung einer Gitarre vermieden werden...




:D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D
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Mittwoch, 31. Mai 2006, 10:25

Außerdem frage ich mich allmählich, ob Boccherini jemals vergessen wurde (siehe Thread-Titel), oder ob er nicht immer zum Stammrepertoire der bedeutenden UND beliebten Komponisten gehörte?

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Mittwoch, 31. Mai 2006, 10:37

Zitat

Original von Kurzstueckmeister
Außerdem frage ich mich allmählich, ob Boccherini jemals vergessen wurde (siehe Thread-Titel), oder ob er nicht immer zum Stammrepertoire der bedeutenden UND beliebten Komponisten gehörte?


Welches Stück von Boccherini außer dem "Ladykillers"-Menuett ist einem Hörer, der nicht bewußt und aktiv weniger bekannte Komponisten des 18. Jhds. aufsucht, bekannt? Ich vermute mal gar keins.
Zum Stammrepertoire wie Mozart, Haydn oder auch Gluck? Eher nicht.

viele Grüße

JR
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Mittwoch, 31. Mai 2006, 11:11

Ich habe mich auch nicht sonderlich intensiv mit dem Luigi auseinandergesetzt. Muß mal im Plattenschrank meines Vaters nachschauen, der Boccherini sehr schätzt. Alles was dort steht, habe ich in meiner Jugend auch kennenlernen müssen. Und es gab so einiges, das mir sehr gut gefallen konnte. Ich glaube mich an ein "Notturno di Madrid" - so oder so ähnlich - zu erinnern: ein beeindruckendes Werk, bei dem man aufgrund der Fülle des kLangs glauben könnte, ein ganzes Streichorchester spiele. Und dabei sind es nur einige wenige Instrumente.

Indes glaube ich auch nicht, daß Boccherini wirklich vergessen wurde. Sein Name war jedem, der sich etwas mehr mit klassischer Musik auseinandersetzte, bekannt. Zumindest nicht so vergessen wie J M Kraus über die Jahrhunderte.

:hello:
Wulf

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Mittwoch, 31. Mai 2006, 11:15

Zitat

Original von Wulf

In dem Sinne: Erholsame Nacht und vielleicht bis in ein paar Tagen in Berlin. Warst doch auf mit von der Partie, oder?

LG
Wulf.


Salut,

leider nein. Wir haben hierzulande wichtige Festivitäten [800-Jahr-Feier], bei denen wir aktiv sind.

Zudem das Franco-Allemannische Brückenfest [fête du pont] unseres zweigeteilten Ortes [daher doch berlin-verbunden]. Vielleicht hat ja jemand der Daheimgebliebenen Lust zum Flammkuchenessen. Pfingstmontag ist wieder das berühmte Feuerwerk in Wissembourg, auf das wir uns bereits tierisch freuen. Nach erfolgtem Sonnenuntergang wird das gesamte Licht des Stadtkerns ausgeknipst, dann die alte Abtei [der obsi kennt sie mittlerweile] laserilluminiert - und los geht's...

Viel Spaß Euch in Berlin

:hello:

Grüßle von der Quatschtante
Ulli
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Mittwoch, 31. Mai 2006, 11:21

Wenn es schon Boccherini sein muss, dann dieses hier:

Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

Ulli

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53

Freitag, 9. Juni 2006, 18:49

Neuerscheinung auf dem Buchmarkt:




WOLFGANG ANTESBERGER
Vergessen Sie Mozart.

Erfolgskomponisten der Mozartzeit

384 SS., 69 Abb., gebunden.
Piper München 2005
ISBN 3-492-04782-3
22,90 Sesterzen

buch.de preist an:


2006 ist Mozart-Jahr. Musikliebhaber werden vor allem an ihn denken. Doch Mozart und seine Zeit kann nur begreifen, wer die vielen anderen Komponisten dieser Epoche kennt. Sie schrieben sehr gute Musik, waren berühmt und anerkannt. Zu Unrecht sind sie heute vergessen. Deshalb erzählt Wolfgang Antesberger von zehn Zeitgenossen Mozarts, die selbst große Meister waren. Johann Adolf Hasse, Johann Christian Bach, Joseph Martin Kraus, Adalbert Gyrowetz, Joseph Leopold Eybler und andere müssen sich vor Mozart nicht verstecken, waren zum Teil damals als Komponisten erfolgreicher als er. Aus ihren Schicksalen und Geschichten, aus ihren Erlebnissen auf den Reisen durch ganz Europa entsteht ein anderes, ein markanteres Bild der Mozart-Zeit. Dadurch ändert sich auch unser Blick auf Mozart selbst, dessen 250. Geburtstag am 27. Januar 2006 gefeiert wird.


Ich befürchte aber, dass wir hier im Forum bereits wesentlich mehr Infos zusammengetragen haben... der Gyroswitz fehlt noch... !

Und: Ob das Buch eine Antwort auf die Fragestellung dieses Threads hat???

:hello:

Ulli
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54

Samstag, 17. Juni 2006, 16:59

Salut,

nachdem nun offenbar einige Kleinmeister dem Vergessen mehr oder minder zu entrinnen scheinen, muß ein neuer Begriff für die übrig gebliebenen her:

Zitat

Zitat aus "Badische Neueste Nachrichten" 17./18.06.2006

[...] Und dass Bruno Kliegl seine Glasharmonika liebevoll hegt und pflegt, machte er während des Riesenprogramms, das auch einige Kleinstmeister wie Naumann, Schulz, Hasse, Reichardt und Zumsteg umfasste, namentlich mit Mozarts berühmtem Andante KV 608 und Glucks "Reigen seliger Geister" klar. [...]


Jedenfalls was J. A. Hasse betrifft, so hat Ulrich Hartmann, der Autor dieses Artikels, irgendwie nicht aufgepasst... und sicherlich sind auch J. G. Naumann und J. A. P. Schulz [Kopmonist des bekannten Liedes "Der Mond ist aufgegangen" nach M. Claudius] nicht unter die Kollegen zu stellen.

Fazit: Vergessen wir den Artikel einfach!

Cordialement
Ulli
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Montag, 19. Juni 2006, 10:31

Äh, wo ist jetzt das Problem?

O. Mist, ich hab den Superlativ übersehen. Gibts nicht ein grelleres rot?

Ulli

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56

Montag, 19. Juni 2006, 10:58

Kleinstmeister

So?
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Wulf

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Montag, 19. Juni 2006, 11:16

V.a. Zumsteeg als Kleinstmeister zu betrachten ist einfach nur peinlichst.

Na ja, hoffen wir für die Zeitung, daß es nur eben der hiesige Schüler-Praktikant war, der für den erkrankten Feuilleton-Redakteur eine kurze Rezension krikkeln durfte.

Liebe "Badische Neueste Nachrichten"

Kleine Vorschlag für die richtige Reihenfolge zum Verfassen von Artikeln:

1. Gehirn aus dem Standby-Modus in den Aktiv-Modus schalten, falls möglich
2. Informieren, lesen (Bücher und so...)
3. Nachdenken
4. vorsichtig formulieren - immer wieder denken - Worte behutsam wählen

Danke!
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Montag, 19. Juni 2006, 11:51

Zitat

Original von Wulf

1. Gehirn aus dem Standby-Modus in den Aktiv-Modus schalten, falls möglich
2. Informieren, lesen (Bücher und so...)
3. Nachdenken
4. vorsichtig formulieren - immer wieder denken - Worte behutsam wählen

Danke!



und 5. Bei Tamino zur Kontrolle einreichen. :D
Da freute sich der Hase:
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59

Montag, 19. Juni 2006, 11:59

Zitat

Original von salisburgensis
und 5. Bei Tamino zur Kontrolle einreichen. :D


Das würde zumindest nicht schaden....
Oh je, der ärmste. :D
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Dienstag, 20. Juni 2006, 15:45

Zitat

Kleinstmeister wie Naumann, Schulz, Hasse, Reichardt und Zumsteg


Also wer sowas verbockt, gehört wirklich geteert und gefedert:
Schulz, ich nehme an J.A.Peter ist ein "liebenswürdiges Talent" (ich hasse derartige Begriffe !), Reichardt und Zumsteeg haben beachtliches zur Entwicklung des Klavierliedes beigetragen, Naumann ist ein Komponist, der eben aus dem Schatten seiner Dresdner Vorgänger hervorzutreten beginnt und last not least Hasse ist eines DER Zentralgestirne der Barockoper und laut Rene Jacobs vom Erfindungsreichtum einem Händel und Vivaldi ebenbürtig.
Sein "singendes Allegro"hat die Musik eines ganzen Zeitalters nachhaltig geprägt, mehr als 80 Prozent der Kirchenmusik Mozarts entstand im "Fahrwasser" Hasses, der, glaube ich, hier noch keinen eigenen thread hat.
Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)