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Cosima

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Beiträge: 1 110

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61

Sonntag, 4. Dezember 2005, 23:01

Zitat

Original von Johannes Roehl
Keine von denen scheint mir jedoch die Intensität der von Cosima genannten frühen russischen Aufnahme zu erreichen, wobei die schwer zu finden sein dürfte.


Die Melodyia-Aufnahmen waren wohl eine Zeitlang mal richtig schwer zu finden, so dass ich sie mir nach und nach über ebay und aus dem Ausland zusammen suchte. Als sie dann endlich so weit komplett hatte, wie es mir vorschwebte, tauchten plötzlich einige davon – u.a. auch die oben genannte - bei jpc auf! Und dort sind sie auch immer noch ganz normal zu bestellen.

Hallo katlow,

die Sonaten wurden 1959 in Moskau eingespielt, es sind Studioaufnahmen. Die Klangqualität ist gut (ADD, mono).

Ich zitiere mich mal selber aus dem „Appassionata-Thread“:

Zitat

Original von Frank Georg Bechyna
Sviatoslav Richter sagte einmal in den US nachdem er die sog. Appassionata gespielt hatte und gefragt wurde , warum er kein weiteres Werk spiele :
"Was kann man nach diesem Werk denn noch spielen !" .
Ich denke dies sagt alles .


Hallo Frank,

ja, Richter hatte so eine schöne, zurückhaltende und berührende Art, sich niemals als Person vor die Musik, das Werk an sich zu stellen, stets „nur“ als (wenngleich virtuoser und erlesener!) Vermittler zu fungieren. Das nimmt mich u.a. so sehr für ihn ein.

Soweit ich weiß gibt es mehrere Versionen von Richter: Erstens jene bei seinem Debüt in New York 1960, mit der er selber nicht zufrieden war, da er unter großem psychischen Druck stand. Später entstand dann aus diesem Grund noch eine Studio-Aufnahme in New York (November des gleichen Jahres?). Drittens existiert eben die Aufnahme gespielt in Moskau 1959, der Richter selber den Vorzug gab. Ich kenne nur eben diese letztgenannte, auf dieser CD....

(Hierauf befindet sich zudem die „Pathétique“, die ich auch schlichtweg umwerfend finde.)

Dann existieren aber noch: Prag 1959 und Amsterdam 1992.


LG, Cosima

katlow

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62

Sonntag, 4. Dezember 2005, 23:28

Merci vielmals -

habe sie nach kurzer Suche auch bei WOM/jpc gefunden (falls sich noch jemand für diese CD interessieren sollte: aus unerfindlichen Gründen sind ein Teil dieser Melodiya-Richter-Edition unter "Melodiya" abgespeichert, ein anderer Teil, darunter die hier genannte CD, unter dem Kürzel "Mel").

Ist bereits in meine Wunschliste eingegangen (mit dem gedanklichen Vermerk: wer weiß, wie lange die CD hier noch verfügbar sein wird)!

Also nochmals herzlichen Dank für deine Informationen

Gruß

katlow

petemonova

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63

Donnerstag, 9. November 2006, 16:54

Noch gar nicht erwähnt wurde, wahrscheinlich weil sich noch niemand damit befasst hat, die Gesamtaufnahme der Sonaten mit Jenö Jando.

Sie entstanden Ende der 80er Jahre und ich habe mir ein Großteil der Sonaten in den letzten Tagen angehört.
Jando bietet hierbei nichts Atemberaubendes oder unfassbar Neues.
Sein Spiel ist schlicht, technisch sicher, eigentlich völlig ausreichend. Und zwar für den, der sich noch nicht großartig mit Beethoven-Sonaten befasst hat. Für jemanden, der sie quasi noch kennenlernen will. Für den könnte Jandos Interpretationen durchaus etwas bringen, zumal sie ziemlich günstig sind.

Die Reihe umfasst 10 CDs, die alle bei Naxos erschienen sind.
Zu den bekannten 32 Sonaten wurden auch die 3 Kurfürstensonaten WoO 47, die beiden Sonatinen Anh. 5 und das Sonatenfragment WoO 51 eingespielt.



Erkennungszeichen sind immer die Blumen auf dem Cover. ;)


Gruß, Peter.
Musik zu hören ist zweifellos eine der extravagantesten Arten, sein Geld auszugeben.
- Mauricio Kagel

Opus28

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64

Donnerstag, 14. Dezember 2006, 18:09

Neues Terstament der Klaviermusik

Ich suche z.Zt. nach Gesamteinspielungen von Beethovens 32 Klaviersonaten und könnte etwas Beratung gebrauchen:
Vorhanden als Komplettzyklen sind Gulda und Schnabel

Ich wäre für einige Tipps sehr dankbar.

LG
Tobias
:hello:

Robert Stuhr

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65

Donnerstag, 14. Dezember 2006, 18:23

RE: Neues Terstament der Klaviermusik

Zitat

Original von Opus28
Ich suche z.Zt. nach Gesamteinspielungen von Beethovens 32 Klaviersonaten und könnte etwas Beratung gebrauchen:
Vorhanden als Komplettzyklen sind Gulda und Schnabel

Ich wäre für einige Tipps sehr dankbar.

LG
Tobias
:hello:


Was kannst Du denn finanziell anlegen?
Ermutigung nach 200 Jahren (auf dem heimweg von einem orgelkonzert)
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Theophilus

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66

Donnerstag, 14. Dezember 2006, 18:27

RE: Neues Terstament der Klaviermusik

Zitat

Original von Opus28
Ich suche z.Zt. nach Gesamteinspielungen von Beethovens 32 Klaviersonaten und könnte etwas Beratung gebrauchen:
Vorhanden als Komplettzyklen sind Gulda und Schnabel

Ich wäre für einige Tipps sehr dankbar.

LG
Tobias
:hello:

Dir ist aber schon klar, dass es von dieser Ausgangslage nur mehr abwärts gehen kann?! ;)

Da würde ich eher herumhorchen und nach exemplarischen Einzel-CDs Ausschau halten (oder nach empfehlenswerten Teileinspielungen).


:hello:

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

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67

Donnerstag, 14. Dezember 2006, 19:27

RE: Neues Terstament der Klaviermusik

Zitat

Original von Opus28
Ich suche z.Zt. nach Gesamteinspielungen von Beethovens 32 Klaviersonaten und könnte etwas Beratung gebrauchen:
Vorhanden als Komplettzyklen sind Gulda und Schnabel


Obwohl nicht ganz komplett, würde ich evtl. Gilels DG-Aufnahmen (mal wieder neu herausgekommen) ins Auge fassen. Wenn Schnabel E. KLeiber oder Scherchen korrespondiert, dann Gilels Klemperer: massiv, streng, kraftvoll, manchmal jedoch etwas bleiern.
Nur einzelne Sonaten, aber empfehlenswert sind die Brilliant-Boxen mit Gilels und Richter (sowie weitere einzelne dieser beiden von Melodiya u.ä.).
Ich halte mich bei kompletten Zyklen inzwischen auch eher zurück.

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
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Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

Opus28

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Registrierungsdatum: 26. Juni 2006

68

Donnerstag, 14. Dezember 2006, 20:21

RE: Neues Terstament der Klaviermusik

Das Finanzielle wäre mir da eher zweitrangig - als passionierter Sammler gebe ich einmal eine CD in meinem Besitz diese nur dann ab wenn ich sie doppelt habe :yes:

Ich bin eben im moment verwirrt weil Branchengrößen wir Hewitt, Schiff usw. alle einen Gesamtzyklus planen. Der mir völlig unbekannte Paul Lewis von Grammophone, BBC Music Magazin und Classic FM Magazine wird in die Höhe gejubelt.

Klar sind auch kongeniale Einzelaufnahmen herzlich willkomnmen wobei ich davon dann allerdings schon einiges besitze.

Insgesamt fällt mir das schon schwer aus dem reichhaltigen Überangebot die Perlen rauszusuchen.
Die Richter, Gilels Brilliant Boxen besitze ich übrigens schon ;)

:hello:

teleton

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70

Freitag, 15. Dezember 2006, 08:27

RE: Neues Testament der Klaviermusik

Hallo Opus28,

von mir kommt jetzt ein wenig fachmänischer aber subjektiver Hinweis.

Ich habe auch die Gulda-GA und einige Einzelaufnahmen mit Gilels (DG), sowie die GA mit Ashkenazy (Decca).

:] Die Ashkenazy-GA finde ich persönlich sehr gut, spannend interpretiert mit wesentlich härterem Anschlag als die anderen Aufnahmen, nirgenwo lasch mit viel Gefühl und Emphase.

;)Natürlich ist es im Endeffekt richtiger aus Einzelaufnahmen zu wählen, statt GA. Aber der Kauf einer GA ist unproblematischer, man hat zunächst alle und kann dann in Ruhe für sich selber entscheiden, was gut ist.
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Caesar73

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71

Freitag, 15. Dezember 2006, 09:53

RE: Neues Terstament der Klaviermusik

Zitat

Original von Opus28


Ich bin eben im moment verwirrt weil Branchengrößen wir Hewitt, Schiff usw. alle einen Gesamtzyklus planen. Der mir völlig unbekannte Paul Lewis von Grammophone, BBC Music Magazin und Classic FM Magazine wird in die Höhe gejubelt.



Lieber Opus28,

Paul Lewis kenne ich noch nicht, aber die bisher erschienenen Folgen von Hewitt, Schiff und Oppitz bewegen sich alle auf sehr hohem Niveau. Welchen der drei Künstler man jetzt vorzieht, ist Geschmackssache. Zumal die jeweilige Herangehensweise unterschiedlich ist: Oppitz und Schiff gehen mehr oder minder chronologisch vor, während Hewitt auf der ersten CD ihres Beethovenzyklus Sonaten von op. 7 - op. 57 eingespielt hat. Im Idealfall legt man sich alle drei zu ;).... ach ja und irgendwann wird Pollini seinen Zyklus bei der DG auch abgeschlossen haben :D

Um jetzt aber endlich Deine Frage zu beantworten (:D ):

Prinzipiell würde ich auch dazu raten einzelne Aufnahmen zu kaufen,da Du ja schon über zwei der einschlägigen GA´s verfügst.

Von den neueren Projekten gefällt mir Hewitt im Augenblick am besten, aber zu ihrer Einspielung habe ich hier etwas geschrieben:


Herzliche Grüße,:hello::hello:

Christian
Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

Robert Stuhr

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72

Freitag, 15. Dezember 2006, 09:54

RE: Neues Terstament der Klaviermusik

Zitat

Original von Opus28
Das Finanzielle wäre mir da eher zweitrangig - als passionierter Sammler gebe ich einmal eine CD in meinem Besitz diese nur dann ab wenn ich sie doppelt habe :yes:


My two cents (als Auswahl):

Ältere Aufnahmen:
1. Kempf (mono, auf DG, 50er)
2. Nat (mono, auf EMI-F, 50er)
3. Backhaus (auf Decca, mono und stereo, 50er)

Begründung: Neben dem Zyklus von Schnabel sind diese 3 kpl Einspielungen gleichwertig. Alle drei sind berühmte Beethoven-Interpreten. Nat ist ein wenig unterbewertet, weil er lange Jahre nur als Lehrer gearbeitet hat und deshalb sein Plattennachlaß und Konzerttätigkeit icht so umfangreich sind.


Klassiker:
1. Arrau (auf Philips, 60er)
2. Der Stereo-Kempf aus den 60ern auf DG
3. Frank (60er auf Music & Arts)

Es gibt noch mehr GA aus dieser Gruppe, aber die kenne ich noch nicht. Frank ist franz. Klavierschule und wäre mein Geheimtip.


Moderne Aufnahmen:
1.Kovacevich (EMI)
2.Lucchesini (GA live, auf Stradivarius)

Ich bevorzuge Lucchesini, dessen Einspielung nicht nur ausgezeichnet aufgenommen worden ist, sondern dessen an Schiff erinnernde Spielweise auch meinen Klangevorstellungen am nächsten kommt.

Von den laufenden GA-Projekten plane ich die Anschaffung von Schiff, Angela Hewitt ist auch sehr interessant.

Bzgl. der Einzeleinspielungen verweise ich auf die von Alfred genannten Threads. Gilels und Richter hast Du schon, Pollini und Pires solltest Du auch nicht vergessen.

An älteren Aufnahmen wäre auf Rubinstein, Horowitz, sowie Sofronitzkij (!) und Solomon(!) hinzuweisen.

Aus der Schellackzeit sollte man mal diese gehört haben:
Frederic Lamond (20er, Liszt-Schüler), Edouard Risler (10er, auf Sympsium, franz. Klavierschule. er hatte aber auch eine deutsche Ausbildung bei verschiedenen Lisztschülern), Cortot, Paderewski, Harold Bauer.
Hier sind einige für unsere heutigen Ohren skurile Einspielungen dabei, interessant sind sie aber alle.
Ermutigung nach 200 Jahren (auf dem heimweg von einem orgelkonzert)
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Barezzi

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73

Samstag, 16. Dezember 2006, 17:51

RE: Neues Terstament der Klaviermusik

Also ich habe auch den Gulda, Schnabel, beide Kempff und (eine der drei) Brendel-GA.
Mein Favorit ist immer noch der Mono-Kempff - mein erster Zyklus, der bis heute noch Prägung hat. Den würde ich nieee hergeben :D
Das war eine meiner ersten Klassikkäufe überhaupt :pfeif: Das Mono stört IMO überhaupt nicht, ebenso wie die bescheidene Klangqualität der entdeckten Gulda-Mozart-Bänder. Bei Klavier verhält es sich da eben anders als bei Orchesterwerken/Opern, wo selbst gute Mono-Aufnahmen (Kempff ist eine) stark eingeschränktes Hörerlebnis bieten...
Ups, merke grad, ich mache Werbung :D Nö, auch bei Arrau kann man nichts falsch machen, leider habe ich da noch nichts komplett, mir aber bei Kaisers Corner, Classica etc. eine sehr positive Meinung bilden können...

:hello:
Stefan
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74

Samstag, 16. Dezember 2006, 18:16

RE: Neues Terstament der Klaviermusik

Zitat

Original von Barezzi
Also ich habe auch den Gulda, Schnabel, beide Kempff und (eine der drei) Brendel-GA.
Mein Favorit ist immer noch der Mono-Kempff - mein erster Zyklus, der bis heute noch Prägung hat. Den würde ich nieee hergeben :D
Das war eine meiner ersten Klassikkäufe überhaupt :pfeif: Das Mono stört IMO überhaupt nicht, ebenso wie die bescheidene Klangqualität der entdeckten Gulda-Mozart-Bänder. Bei Klavier verhält es sich da eben anders als bei Orchesterwerken/Opern, wo selbst gute Mono-Aufnahmen (Kempff ist eine) stark eingeschränktes Hörerlebnis bieten...
Ups, merke grad, ich mache Werbung :D Nö, auch bei Arrau kann man nichts falsch machen, leider habe ich da noch nichts komplett, mir aber bei Kaisers Corner, Classica etc. eine sehr positive Meinung bilden können...


Ich möchte einen Mod bitten, diese Beiträge zu Beethovens 32 in einen passenderen thread verschieben!*

Den Mono-Kempff werde ich mal vormerken (schlechte Erfahrungen mit einigen seiner Stereo-Aufnahmen, zu lasch und leichtgewichtig, lassen mich hier zögern, aber ich meine, inzwischen gäbe es eine Einzel-CD aus der Mono-Reihe). Es scheint weitgehend Konsens zu herrschen, dass die Mono-Einspielung vorzuziehen ist.
Auch Arrau gibt es leider nur komplett; ich habe Erinnerungen an eine Waldsteinsonate zum Mitschreiben, nicht mein Fall :rolleyes:, selbst besitzen tue ich die Hammerklavier und op.101, die sind durchaus beachtlich. Mir scheint Arrau aber ein völlig humorloser Geselle zu sein; ich glaube nicht, das mir die frühen Sonaten in solch bleiern-monumentaler Darstellung gefallen würden.
Falls Geld und Mühe der Beschaffung keine Rolle spielen: es gibt einen Zyklus mit Annie Fischer bei Hungaroton. Der wird in gewissen Kreisen sehr gelobt. Ich kenne diese Aufnahmen zwar nicht, aber eine Handvoll älterer bei EMI. Die sind sehr hörenswert (leider nur mäßiger Klang, obwohl z.T. Stereo) kompromißlos und grimmig (niemand würde glauben, dass hier eine Dame spielt)

Insgesamt stören mich allerdings auch fehlende Wdh. bei historischen (und oft gar nicht mal historischen Aufnahmen). op.106,i ohne Wdh. (wie Kempff stereo) ist für mich massiv entwertet.

Gould habe ich ganz vergessen zu erwähnen. Hier sind zwar einige Provokationen dabei (besonders die Appasionata) und natürlich fehlen alle möglichen Wdh. Aber einige, besonders op.10 und op.31 sind hochinteressante, natürlich total eigenwillige Interpretationen. Für seinen besten Beethoven halte ich aber die 3 Variationen und die ersten beiden Klavierkonzerte.

viele Grüße

JR


*verschoben wie gewünscht. Gruß, Thomas
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Zwielicht

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75

Sonntag, 17. Dezember 2006, 14:19

RE: Neues Terstament der Klaviermusik

Zitat

Original von Johannes Roehl
Auch Arrau gibt es leider nur komplett; ich habe Erinnerungen an eine Waldsteinsonate zum Mitschreiben, nicht mein Fall :rolleyes:, selbst besitzen tue ich die Hammerklavier und op.101, die sind durchaus beachtlich. Mir scheint Arrau aber ein völlig humorloser Geselle zu sein; ich glaube nicht, das mir die frühen Sonaten in solch bleiern-monumentaler Darstellung gefallen würden.


Ich bin mit der Arrau-Gesamtaufnahme aufgewachsen, das war schon manchmal ein hartes Brot :D. Als ich später z. B. op. 31/1 und 31/3 in anderen Einspielungen kennengelernt habe, war ich verwundert, wie interessant diese Sonaten sein konnten - Arrau kann in der Tat mit solchen witzig-doppelbödigen Stücken überhaupt nichts anfangen. Pianistisch souverän, aber nie brillant, immer ernst, selbst in op. 10/2 vernehmbar schnaufend mit der Musik ringend, als handele es sich um die Hammerklaviersonate.

Positive Kehrseite der Medaille: Arraus ungeheurer Respekt vor den Stücken zeitigt auch die Tugend der Gewissenhaftigkeit bei der Beachtung von Wiederholungszeichen. Und einige der "gewichtigen" Sonaten gelingen ihm hervorragend, op. 106 ist wohl an erster Stelle zu nennen - eine der besten Einspielungen, die ich kenne: mit risikobereitem Tempo und zugleich arrau-typisch wuchtig im ersten und vierten Satz, ziemlich langsam und sehr expressiv im Adagio sostenuto. Nur das Scherzo haben mindestens 10-15 andere Pianisten pointierter gespielt.

Viele Grüße

Bernd
Was heut gehet müde unter, hebt sich morgen neugeboren.

sagitt

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76

Montag, 18. Dezember 2006, 09:13

RE: Neues Terstament der Klaviermusik

Sagitt meint:

Gut, dass es so preiswert war. Die Gulda-Aufnahme von 1967. Ich hatte sie seit Jahrzehnten auf Vinyl und weiss nun nachträglich, warum ich diese Aufnahme so selten gehört habe. Es ist mir einfach zu leicht hingespielt. Ich verstehe die Revolte gegen die Lordsiegelbewahrer wie Backhaus, gegen den Beethoven der Nazis ( dafür kann er nichts und ausgerechnet Beethoven). Aber im Abstand von fast vierzig Jahren mag ich einen so leichtgewichtigen Beethoven gar nicht, erster Satz der Appassionata in 7 Minuten, da ziehe ich doch Gould mit 15 vor oder einen Gelber mit 9 Minuten. So leicht genommen, gerät Beethoven in die Nähe von Mendelsohn und da gehört er nicht hin.
Aber alle unter 20 Euro- da ist man grosszügig !

Thomas Pape

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77

Montag, 18. Dezember 2006, 10:11

Hallo Sagitt,

mit Lordsiegelbewahrer ist Backhaus recht trefflich umschrieben. Bei dem Nazi-Pianisten melde ich arge Zweifel an. Backhaus hat schon in den 1930er Jahren in Lugano gewohnt, seine Plattenaufnahmen wurden in der Regel in England gemacht und Regiemlobhudeleien waren seine Sache wahrlich nicht. Eher der zweiten Lordsiegelbewahrerin des Beethovenschen Werkes, Elly Ney. Von der gibt es aber keine GA der Beethovenschen Klaviersonaten. Ihre in späten Jahren für Colloseum aufgenommene Mondscheinsonate zählt für mich zu den schönsten Einspielungen dieses Werkes, dicht gefolgt von der sehr eigenwilligen Lesart des französischen Pianisten Samson Francois. Backhaus geht sehr nüchtern und sachlich zu Werke, der Neysche Pathos (die den Namen Hammerklavier offensichtlich von Hämmern ableitet, ähnlich wie bei der Sonate mit dem Trauermarsch) ist ihm völlig fremd. Bis ins hohe Alter verfügte Backhaus über eine ungebrochene Fingerfertigkeit, die erhältlichen Aufnahmen stammen alle aus seinen späten Lebensjahren.

Ebenfalls in Rubrik "Altersweisheit" ordne ich die GA von Aldo Ciccolioni ein. Seit kurzem erst habe ich sie und kann mich einfach nicht satt hören. Ciccolini spielt mit verhaltenen Tempi und wundervollem Anschlag. Hierzulande wird Ciccolini ja gerne auf Liszt und Satie reduziert, und damit wird man diesem großartigen Musiker überhaupt nicht gerecht. Seine bei Cascavelle erschienene GA bezeichne ich als einen absoluten Kauftip.

Noch einen angekündigte Wiederveröffentlichung: Malcolm Binns hat vor Jahren für L'oiseau lyre die Beethoven-Sonaten eingespielt, und zwar auf Original-Instrumenten. Paul Badura-Skoda hat das ja auch für Astre versucht (ich weiß gar nicht, wie weit er damit gekommen ist). Einzelne der PBS-Aufnhamen habe ich noch, würde da aber Binns den Vorrang geben. Gewöhnungsbedürftig ist eine solche Einspielung für heutige Ohren allemal.

Einzelempfehlungen wären für op 31, 1-3 die Platte von Glenn Gould und für op. 110 die bereits angesprochene Brigitte Engerer. Samson Francois hat Beethovens klassische drei auf Platte hinterlassen (Pathetique-Mondschein-Apassionata), eine Platte, die einen durchaus mit diesen Gassenhauern versöhnt, wenn man ihrer überdrüssig geworden sein sollte. Im Momenst spült EMI seine diskographie Hinterlassenschaft auf den Markt; das lässt hoffen, daß die Beethoven-Platte demnächst der jüngeren Generation als glitzernder Silberling zur verfügung stehen wird.

Liebe Grüße vom Thomas :hello:
Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

Christian B.

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78

Montag, 18. Dezember 2006, 10:59

RE: Neues Terstament der Klaviermusik

Zitat

Original von Opus28
Ich bin eben im moment verwirrt weil Branchengrößen wir Hewitt, Schiff usw. alle einen Gesamtzyklus planen. Der mir völlig unbekannte Paul Lewis von Grammophone, BBC Music Magazin und Classic FM Magazine wird in die Höhe gejubelt.


Paul Lewis wählt in seiner Gesamtaufnahme auffallend langsame Tempi, der Klang seines Flügels ist herrlich sonor, seine Herangehensweise ist insgesamt eher lyrisch - im Unterschied zu Kempff überwiegen die dunklen Farben, auch scheint mir Lewis tempomäßig weniger Freiheiten zu nehmen als Kempff. Ich höre die Aufnahmen sehr gerne, aber man muss zugestehen, dass dieser Ansatz kaum allen Sonaten gerecht wird: besonders bei op. 101 und op. 106 vermisst man eine gewisse Durchschlagskraft (Alla Marcia op 101) und radikalere Tempi (Fuge op 106). Die Waldsteinsonate und op. 31 wiederum funktionieren auf diese Weise besser, aber ich bin mir sicher, dass auch hier die langsamen Tempi nicht jedermans Sache sind und dem alla breve von op.53 widersprechen. Lewis nähert sich hier beinahe Arrau an. Aber der leuchtende, dunkle Klavierton ist so schön, dass man süchtig danach werden kann!

Viele Grüße,
Christian

Robert Stuhr

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Montag, 18. Dezember 2006, 11:05

Meines Wissens hat auch Melvyn Tan auf Beethovens Broadwood Fortepiano eine (nicht kpl.) Aufnahme für die EMI eingespielt. Kennt die jemand näher?

Ciccolinis GA ist auf jeden Fall eine sehr guter Tip. Danke!

Ist Badura-Skodas GA für Gramola identisch mit der Astree-Aufnahme?
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Theophilus

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80

Montag, 18. Dezember 2006, 12:20

Zitat

..., und zwar auf Original-Instrumenten. Paul Badura-Skoda hat das ja auch für Astre versucht (ich weiß gar nicht, wie weit er damit gekommen ist). Einzelne der PBS-Aufnhamen habe ich noch, würde da aber Binns den Vorrang geben.

Von PBS gibt es aber bei Gramola eine GA aus 1969 auf einem Bösendorfer. Diese Aufnahme ist aber in unserem Kreis leider offenbar noch unbekannt...

Ciao

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Khampan

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81

Montag, 18. Dezember 2006, 16:06

Zitat

Original von Robert Stuhr
Meines Wissens hat auch Melvyn Tan auf Beethovens Broadwood Fortepiano eine (nicht kpl.) Aufnahme für die EMI eingespielt. Kennt die jemand näher?

ich hab eine, weiß nicht mehr was da drauf ist (glaube es war Waldsteinsonate etc.), ich fand sie so entsetzlich fad, daß ich sie in der hinterste Ecke in die Nimmerwiederhören-Kiste geschmissen hab. Ebay gabs damals noch nicht...
Vielleicht kann ich mich nach 10 Jahren überwinden, doch nochmal reinzuhören.

Gruß, Khampan

Theophilus

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Registrierungsdatum: 1. Dezember 2004

82

Montag, 18. Dezember 2006, 17:39

Zitat

Original von Robert Stuhr
...
Ist Badura-Skodas GA für Gramola identisch mit der Astree-Aufnahme?

Kann eigentlich nicht sein. Erstens ist Astrée ein relativ junges Label, und zweitens soll dort ja auf einem alten Instrument gespielt worden sein...

:hello:

Ciao

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Robert Stuhr

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83

Montag, 18. Dezember 2006, 18:09

Zitat

Original von Theophilus

Zitat

Original von Robert Stuhr
...
Ist Badura-Skodas GA für Gramola identisch mit der Astree-Aufnahme?

Kann eigentlich nicht sein. Erstens ist Astrée ein relativ junges Label, und zweitens soll dort ja auf einem alten Instrument gespielt worden sein...

:hello:


Hätte eine lizensierte Aufnahme sein können. Aber Du hast recht, ein Bösendorfer ist nicht eben HIP =)
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Thomas Pape

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84

Dienstag, 19. Dezember 2006, 00:50

Ich habe jetzt einmal zu meinen beiden PBS-CD's gegriffen. Wenn eine GA daraus entstanden ist, so hat sie sich über einen langen Zeitraum hingezogen. op. 53, 78 und 90 wurden 1980 aufgenommen, op. 13, 27 und 57 1988/1999. Weitere CD's habe ich mir seinerzeit nicht zugelegt (Übervater Backhaus war halt übermächtig und Ciccolini hatte den ersten Anlauf bei Nuova Era unternommen). Mit einer Gramola Ausgabe aus 1969 dürften die allerdings nichts zu tun haben. Bei den Astree-Aufnahmen wird auf Flügeln der zeit gespielt. Man sollte nicht vergessen, daß PBS selbst historische Flügel sammelt. Auf seinen Platten spielt er die auch.

Liebe Grüße vom Thomas :hello:
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Karsten

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85

Dienstag, 26. Dezember 2006, 17:09

RE: Ludwig van Beethoven - Die Klaviersonaten

Hallo!

Bisher wurden fast ausschließlich (Gesamt-)Aufnahmen auf modernen Flügeln angegeben und besprochen. Nun hat die "historisch(e) (informierte) Aufführungspraxis" vor Beethoven nicht halt gemacht und es gibt bereits mehrere Aufnahmen auf historischen Hammerflügeln. Mich würde mal intressieren, wie man hier zu diesen Aufnahmen steht, was zu empfehlen ist und was nicht.

Gruß
Karsten

Hayate

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86

Sonntag, 31. Dezember 2006, 15:53

Nach all den Informationen die ich durch diesen Thread und den Amazon Kritiken bisher erhalten habe und nach reifer Überlegung habe ich mich entschlossen die Gesamtbox von Ashkenazy zu kaufen.
Preislich (72,90€) mehr als annehmbar und von der Klangqualität, was ich bisher gehört habe, ziemlich gut.
Mir ist natürlich bewusst, dass ich mit dieser Gesamtausgabe keine absolute Spitzeninterpretation in Händen halten werde (obwohl das eigentlich Geschmackssache ist), jedoch hat mich das was ich an Kostproben bei amazon bisher gehört habe absolut zufriedengestellt und ich kann mir in ferner Zukunft dann immer noch die beinahe doppelt so teure Brendel oder Kempff Box zulegen wenn mir danach ist.

Ach ja, Gulda finde ich grauenhaft, er spielt als gäbe es kein Morgen, nein Danke!
Gottseidank war die Gulda CD nur ausgeborgt, das hätte ich sonst nicht verkraftet ^^
Wollte ich nur anmerken.

mit Grüßen
Christoph

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87

Sonntag, 31. Dezember 2006, 19:40

Zitat

Original von Hayate
Nach all den Informationen die ich durch diesen Thread und den Amazon Kritiken bisher erhalten habe und nach reifer Überlegung habe ich mich entschlossen die Gesamtbox von Ashkenazy zu kaufen.
Preislich (72,90€) mehr als annehmbar und von der Klangqualität, was ich bisher gehört habe, ziemlich gut.
Mir ist natürlich bewusst, dass ich mit dieser Gesamtausgabe keine absolute Spitzeninterpretation in Händen halten werde (obwohl das eigentlich Geschmackssache ist), jedoch hat mich das was ich an Kostproben bei amazon bisher gehört habe absolut zufriedengestellt und ich kann mir in ferner Zukunft dann immer noch die beinahe doppelt so teure Brendel oder Kempff Box zulegen wenn mir danach ist.

Ach ja, Gulda finde ich grauenhaft, er spielt als gäbe es kein Morgen, nein Danke!


Zu spielen als gäbe es kein Morgen, ist die angemessene Haltung bei Beethoven, das ist nämlich so komponiert :D
Man hat Gulda eher vorgeworfen zu "cool" zu sein.
Kempff mono gibt es beim Forusmpartner für < EUR 70, auch Brendel für knapp 100, aber da würde ich lieber warten, bis einer der früheren Brendelzyklen günstig wiederveröffentlicht wird. Gulda ist so preiswert, den kannst Du nochmal in Erwägung ziehen, wenn die Ashkenazy zu langweilig geworden ist :D

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

Hayate

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88

Montag, 1. Januar 2007, 12:48

Zitat

Original von Johannes Roehl

Zitat

Original von Hayate
Nach all den Informationen die ich durch diesen Thread und den Amazon Kritiken bisher erhalten habe und nach reifer Überlegung habe ich mich entschlossen die Gesamtbox von Ashkenazy zu kaufen.
Preislich (72,90€) mehr als annehmbar und von der Klangqualität, was ich bisher gehört habe, ziemlich gut.
Mir ist natürlich bewusst, dass ich mit dieser Gesamtausgabe keine absolute Spitzeninterpretation in Händen halten werde (obwohl das eigentlich Geschmackssache ist), jedoch hat mich das was ich an Kostproben bei amazon bisher gehört habe absolut zufriedengestellt und ich kann mir in ferner Zukunft dann immer noch die beinahe doppelt so teure Brendel oder Kempff Box zulegen wenn mir danach ist.

Ach ja, Gulda finde ich grauenhaft, er spielt als gäbe es kein Morgen, nein Danke!


Zu spielen als gäbe es kein Morgen, ist die angemessene Haltung bei Beethoven, das ist nämlich so komponiert :D
Man hat Gulda eher vorgeworfen zu "cool" zu sein.
Kempff mono gibt es beim Forusmpartner für < EUR 70, auch Brendel für knapp 100, aber da würde ich lieber warten, bis einer der früheren Brendelzyklen günstig wiederveröffentlicht wird. Gulda ist so preiswert, den kannst Du nochmal in Erwägung ziehen, wenn die Ashkenazy zu langweilig geworden ist :D

viele Grüße

JR


Mono muss nicht sein, Brendel ist mir noch zu teuer und ich wiederhole mich, Guldas hektisches Spiel kann ich nicht leiden, da kann er noch so preiswert sein, wenn ichs nicht hören will.
Aber glaubst du wirklich, dass Beethoven so ein rasendes Spiel beabsichtigt hatte?
Ich bin zwar kein Experte, aber ich glaube, dass es auf den damaligen Klavieren garnicht möglich gewesen ist so schnell zu spielen wie Gulda es uns heute präsentiert, also vom technischen her. (zumindest habe ich das so, oder so ähnlich einmal wo gelesen)
Ich bleibe bei Ashkenazy.

mit Grüßen
Christoph

Khampan

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89

Montag, 1. Januar 2007, 15:31

Zitat

Original von Hayate
Ich bin zwar kein Experte, aber ich glaube, dass es auf den damaligen Klavieren garnicht möglich gewesen ist so schnell zu spielen wie Gulda es uns heute präsentiert, also vom technischen her. (zumindest habe ich das so, oder so ähnlich einmal wo gelesen)

nanu, das schreibt einer, dessen Nick übersetzt "schnelle Hand" bedeutet...?
Net gleich allen Ammenmärchen glauben! Die Große Fuge war auch ein Jahrhundert unspielbar. Bis sich jemand über das Verdikt einfach hinweggesetzt hat.

Die zeitgenössischen Klaviere hatten einen geringeren Tastenhub und einen geringeren Kraftverbrauch, das läd zum schnellen Spiel geradezu ein.
Nur mit der Repetiergeschwindigkeit hatten die Klavierbauer noch kleine Probleme, da hat sich aber gerade zu der Zeit viel getan, für die Beethovensonaten auch nicht so entscheidend.

Ich will damit nicht sagen, daß Beethoven nur so schnell wie bei Gulda gespielt werden soll, aber falsch ist daran sicherlich nichts, im Gegenteil. Sicher ist, daß Beethoven gern an die Grenzen des technisch Machbaren (mechanisch wie spieltechnisch) gegangen ist. "als gäge es kein Morgen" trifft die Sache schon in gewisser Weise.

Trotzdem, deine Freude an der klanglich überragenden Ashkenazy-Aufnahme sei dir unbenommen.

Gruß, Khampan

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90

Dienstag, 2. Januar 2007, 00:17

Zitat

Original von Khampan

Zitat

Original von Hayate
Ich bin zwar kein Experte, aber ich glaube, dass es auf den damaligen Klavieren garnicht möglich gewesen ist so schnell zu spielen wie Gulda es uns heute präsentiert, also vom technischen her. (zumindest habe ich das so, oder so ähnlich einmal wo gelesen)

nanu, das schreibt einer, dessen Nick übersetzt "schnelle Hand" bedeutet...?
Net gleich allen Ammenmärchen glauben! Die Große Fuge war auch ein Jahrhundert unspielbar. Bis sich jemand über das Verdikt einfach hinweggesetzt hat.

Die zeitgenössischen Klaviere hatten einen geringeren Tastenhub und einen geringeren Kraftverbrauch, das läd zum schnellen Spiel geradezu ein.
Nur mit der Repetiergeschwindigkeit hatten die Klavierbauer noch kleine Probleme, da hat sich aber gerade zu der Zeit viel getan, für die Beethovensonaten auch nicht so entscheidend.


Und sie hatten einen schneller verklingenden Ton. Die langsamen Sätzen wären in den heute oft übrlichen Tempi auf seinerzeitigen Klavieren in ein Folge von isolierten Klangereignissen zerfallen...

Zitat


Ich will damit nicht sagen, daß Beethoven nur so schnell wie bei Gulda gespielt werden soll, aber falsch ist daran sicherlich nichts, im Gegenteil. Sicher ist, daß Beethoven gern an die Grenzen des technisch Machbaren (mechanisch wie spieltechnisch) gegangen ist. "als gäge es kein Morgen" trifft die Sache schon in gewisser Weise.


Gulda hält sich relativ genau (er spielt einige schnelle Sätze etwas schneller) and die von Czerny überlieferten Metronomziffern für die Beethovensonaten.
Mal nur aus Interesse, Hayate, welche Sonate/Satz hast Du gehört, die dir zu schnell war?
Ich kann gut verstehen, dass man einige langsame Sätze gerne etwa getragener hören möchte (für mich haben jedoch Stücke, die ich vorher etwas langweilig fand, bei ihm große Kohärenz), bei den schnellen ist er mir eigentlich nirgends zu schnell (man mag, es glauben oder nicht, es gibt etliche Allegro/Presto-Sätze wo andere noch schneller sind, z.B. Schnabel und Gould in op.10) . Ein wenig zu schnell gegenüber dem "korrekten" Tempo ist er z.B. im Finale von op.2,2 oder auch im Kopfsatz der Sturmsonate, es funktioniert aber m.E. durchaus. Im Rondo der Waldstein ist sein Tempo gut für die Hauptmelodie, aber m.E. etwas zu schnell für die Figurationen und der Kontrast zum Prestissimo ist zu gering, den Kopfsatz der Waldstein finde ich aber genau richtig.
Und man sollte nicht meine, Gulda hudele herunter; das Mitverfolgen der Noten zeigt, dass er dynamische u.a. Anweisung genauer befolgt als viele andere.

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
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