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bubba

Fortgeschrittener

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1

Donnerstag, 29. Dezember 2005, 02:39

Marc-Andre Hamelin - Reinkarnation Godowskys

Erstaunt habe ich festgestellt, daß es zu diesem großartigen Pianisten noch keinen Thread gibt.
Irgendwie aber ist es sehr typisch für Hamelin, denn er ist ja nicht über alle Maßen bekannt, da er sich vor allem mit unbekannter Literatur einen Namen unter Kennern gemacht hat.


Hier ein kleiner Abriss seiner Biographie:

1961 geb. in Montréal/Kanada
Studium an der Vincent d'Indy School of Music in Montréal und an der Temple University in Philadelphia/USA (u.a. bei Yvonne Hubert, Harvey Wedeen, Russell Sherman)
1985 Sieger bei der Carnegie Hall American Music Competition; gilt mit seinem Repertoire in Fachkreisen als absoluter Klavierexzentriker. Weltweite Konzerttätigkeit; mehrfach ausgezeichnet mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik (1992, 1994, 1996, 1998)
1996 Juno Award (Kanada) und Cannes Classical Award für seine Einspielung mit Werken von Alkan; Debüt in der Münchner Residenz
1997 Debüt beim Klavierfestival Ruhr
1998 Einladung zu den Berliner Philharmonikern

Für mich ist er ein Phänomen:
Er ist der wohl technisch versierteste Pianist, den ich je gehört und dank einiger Vidoes auch gesehen habe. Die Standard-Version von "La Campanella" aus den Paganini-Etüden von Liszt spielt er derartig gelangweilt (es ist für ihn technisch völlig uninteressant), daß man bei diesem doch recht schwierigem Stück den Eindruck bekommt, es sei kinderleicht. Auch die Godowsky-Etüden (nach Chopin) klingen bei ihm nicht angestrengt. Diese hatte Horowitz selbst einst als "unspielbar, dazu braucht man sechs Hände" eingestuft. Hamelin hat sie komplett eingespielt und spielt sie auch munter in Live-Konzerten, fehlerfrei.
Was er technisch draufhat zeigen seine Transkriptionen oder seine eigenen Etüden.
Eine Kostprobe ist kostenlos, legal und frei als Video unter der yahoo-Videosuche zu finden! Dort spielt er die 2.ungarische Rhapsodie von Liszt mit seiner Kadenz.
Soviel zur Technik.

Musikalisch hat er auch einges drauf. Zuerst halte ich ihm zu Gute, dass er eben viele vergessene Stücke "ausgräbt". Er hat für die Musik damit schon einiges getan. Desweiteren sind aber seine Interpretationen immer sehr "warm". Das ist zum Beispiel bei Albeniz "Iberia" sehr passend.
Ich werde mir aber noch einige CDs zulegen, die ich mit anderen Interpretationen vergleichen kann (und das sollte nicht unbedingt Liszt sein), um mir ein vollständigeres Bild von ihm zu machen. Bei Reger hat er schon im Vergleich sehr gut abgeschnitten.
Achja: Die Technik wird bei ihm im Gegensatz zu Volodos nicht zum Selbstzweck (der übrigens an 50% der Hamelin-Standardliteratur scheitern würde^^). Sein natürlich-kräftiges forte ist nicht brutal und ins pianissimo sphärisch abgleiten kann er sowieso.
Was ich mir dagegen NICHT mit ihm vorstellen kann: Ein wirklich schauerliches "Le Gibet" oder ein echt verlorener Schubert.

So, bin schon gespannt auf eure Meinungen!

Viele Grüße
Das Frühstück ist ihm viel zuviel Zeremonie. Die ganze Lächerlichkeit kommt zum Ausdruck, wenn ich den Löffel in die Hand nehme. Die ganze Sinnlosigkeit. Das Zuckerstück ist ja ein Anschlag gegen mich. Das Brot. Die Milch. Eine Katastrophe. So fängt der Tag mit hinterhältiger Süßigkeit an.

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2

Donnerstag, 29. Dezember 2005, 09:16

hallo bubba,

auch ich bin ein großer Fan von Hamelin - er spielt ein "perverses" Repertoire mit perverser Mühelosigkeit! Für Puristen ist der Mann sicher nichts, aber wer Gefallen an den Fingerfertigkeiten von Charles-Valentin Alkan findet (ein offenbar ziemlich unausstehlicher Chopin-Rivale, der von einem Bücherregal erschlagen wurde...), oder wen die Godowsky-Metamorphosen der Chopin-Etuden ansprechen (da kann sich Hamelin weitgehend die üblichen Tempi der Chopischen Originale leisten, obwohl die Godowsky-Studien mit unvorstellbaren Zusatzschikanen gespickt sind...), wird mit Hamelin mehr als nur glücklich werden - dem wird regelrecht das Klavier(respektive die Stereoanlage) um die Ohren fliegen...
Meine derzeitige Lieblingsscheibe von Marc-André H. ist aber seine verjazzte Kapustin-Einspielung: Das sind durchaus konventionelle Formen (Sonate, Etüde, Präludium, Suite), die Kapustin mit dem Idiom des Jazz füllt. Diese ungemein frischen, sehr mitreißenden Stücke klingen z.T. wie improvisiert - dabei ist jedes Detail ausnotiert.
Hamelins Scheibe mit Werken von Nikolai Kapustin macht absolut süchtig - Klavierfans die sie noch nicht haben: UNBEDINGT ANSCHAFFEN, Es lohnt sich garantiert...(War meine Klavierscheibe des Jahres 2004)
Kennengelernt habe ich Kapustin durch seine spritzige "Toccatina" die Hamelin als letzte Nummer auf die "Kaleidoscope"-Platte gepackt hat. Dort findet man übrigens auch, wenn ichs noch richtig im Ohr habe, eine von Hamelin mit Extraschwierigkeiten aufgerüschte Version von Liszts "La Campanella"...

Ich gebe Bubba in sofern recht, als dass Hamelin rein Pianistisch wirklich eine absolute Ausnahmeerscheinung ist. Ob er gleichfalls ein Ausnahmemusiker ist, vermag ich dagegen nicht zu beurteilen. Es fällt auf, dass Hamelin dem "gängigen" Repertoire (das am Markt nun wahrlich überreich vertreten ist) weitgehend aus dem Weg geht. Dem (eventuell bestehenden) Einwand, dass es es daran liegen könnte, dass ihn Beethovens "Hammerklavier"-Sonate, Bachs Wohltemperiertes Klavier, Mozart-Konzerte oder Schubert-Impromptus technisch zu reizlos erscheinen, kann diese Beschränkung auf das Nischenrepertoire ja wohl nicht geschuldet sein. Wenn doch, spräche das zwar nicht gegen Hamelins Fingerfertigkeit, sehr wohl aber gegen seinen musikalischen Horizont. Und, die Erfahrung lehrt: Es gibt niemanden, der ALLES besser kann, als die anderen...

:hello: Daniel :hello:

Caesar73

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3

Donnerstag, 29. Dezember 2005, 11:44

Zitat

Original von Daniel Behrendt

Ich gebe Bubba in sofern recht, als dass Hamelin rein Pianistisch wirklich eine absolute Ausnahmeerscheinung ist. Ob er gleichfalls ein Ausnahmemusiker ist, vermag ich dagegen nicht zu beurteilen. Es fällt auf, dass Hamelin dem "gängigen" Repertoire (das am Markt nun wahrlich überreich vertreten ist) weitgehend aus dem Weg geht.


Schon an anderer Stelle in diesem Forum (müsste aber suchen wo) wurde der Verdacht geäußert, dass Hamelin sich hauptsächlich auf Orchideenrepertoire beschränkt, weil er musikalisch den großen "Alten" unterlegen sei. Und in der Tat: Hamelin hat sich (soweit ich das überschaue) kaum mit dem klassisch-romantischen Kernrepertoire auseinandergesetzt, mit Ausnahme der "Symphonischen Etüden" und "Iberia".

Daraus allerdings den obigen Schluss zu ziehen, er tue dies aus Scheu oder Furcht vor der Auseinandersetzung mit den "etablierten" Interpreten kann ich mir nicht denken.
Vielleicht steckt da schlicht das Kalkül dahinter:"Ausgrabungen" verkaufen sich besser als die Mondscheinsonate zum 125. Mal? Und bisher fährt Hamelin ja mit dieser Strategie (sollte es denn eine sein) recht gut- wenn man die Kritiken seiner bisherigen Platten Revue passieren läßt.

Jedenfalls bin ich auf Hamelins "Mondscheinsonate" sehr gespannt! (Auch wenn noch einige Jährchen ins Land gehen dürften :D

Herzliche Grüße,:hello:

Christian
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sagitt

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4

Donnerstag, 29. Dezember 2005, 11:57

Hamelin

Sagitt meint:

Ökonomisch ist die 120te Aufnahme der Mondscheinsonate sicher ein besseres Geschäft als Alkan und all die anderen " Exoten".

Ich hörte voriges Jahr Hamelin live mit op. 111. Natürlich kann er das Repertoire spielen. Gerade die lyrischen Teile der Arietta hat er großartig gestaltet.

Auch seine eigenen Kompositionen sind eher lyrisch. Keinesfalls im supervirtuosen Repertoire, das er in der Tat völlig ohne je Show bewältigt, als sei es die sonata facile

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5

Donnerstag, 29. Dezember 2005, 12:03

Er tut was er kann - und das sehr gut!

...ja, ich glaube auch, dass eine gute Portion Kalkül dahinter steckt. Obwohl: Eigentlich müsste ein topseller wie Hamelin doch eine "white Card2 bei Hyperion haben... Ich kann mir nicht vorstellen, dass man ihm eine Beethoven-Platte ausreden würde. Hamelin scheint sein Repertoire gefunden zu haben und allem Anschein nach ist er darin ja auch bestens aufgehoben. Beethoven dürfen gerne die anderen Herrschaften übernehmen.
A propos Iberia: Ich habe mir die Hamelin-Aufnahme vor einer Woche bestellt, darf aber wohl noch 2-3 Wochen drauf warten...
Wer hat sie schon gehört?
Ich wage schon jetzt die Prognose, dass Hamelin saugut ist, aber nicht an Larrocha heranreicht... :D

beste grüße!
Daniel

Caesar73

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6

Donnerstag, 29. Dezember 2005, 12:24

RE: Er tut was er kann - und das sehr gut!

Zitat

Original von Daniel Behrendt

A propos Iberia: Ich habe mir die Hamelin-Aufnahme vor einer Woche bestellt, darf aber wohl noch 2-3 Wochen drauf warten...
Wer hat sie schon gehört?
Ich wage schon jetzt die Prognose, dass Hamelin saugut ist, aber nicht an Larrocha heranreicht... :D


Lieber Daniel,

Hamelin ist in der Tat sehr gut- allerdings fehlt mir eine Vergleichsmöglichkeit. Gekauft habe ich mir die CD aus reiner Neugierde- eben weil sich Hamelin hier einmal auf bereits bekannte Pfade begeben hatte. Technisch ist die Aufnahme (wie bei Hamelin zu erwarten) makellos, brilliant und auch die Aufnahmetechnik ist vorzüglich. Im Ganzen wieder eine ausgesprochen gelungene Produktion von Hyperion (Gott sei Dank gibt es dieses Label .....:D )

Eine der besten Aufnahmen von Hamelin ist Alkans große Klaviersonate. Im Vergleich mit ihm wirkt Ronald Smith (?) blässlich:




In einer Rezension war damals zu lesen: "[...] eine Kultplatte für Spezialisten [...]"
Herzliche Grüße,:hello:

Christian
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FreakOfNature

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7

Donnerstag, 29. Dezember 2005, 12:41

RE: Er tut was er kann - und das sehr gut!

Zitat

Original von Daniel Behrendt
...ja, ich glaube auch, dass eine gute Portion Kalkül dahinter steckt. Obwohl: Eigentlich müsste ein topseller wie Hamelin doch eine "white Card2 bei Hyperion haben... Ich kann mir nicht vorstellen, dass man ihm eine Beethoven-Platte ausreden würde. Hamelin scheint sein Repertoire gefunden zu haben und allem Anschein nach ist er darin ja auch bestens aufgehoben. Beethoven dürfen gerne die anderen Herrschaften übernehmen.
A propos Iberia: Ich habe mir die Hamelin-Aufnahme vor einer Woche bestellt, darf aber wohl noch 2-3 Wochen drauf warten...
Wer hat sie schon gehört?
Ich wage schon jetzt die Prognose, dass Hamelin saugut ist, aber nicht an Larrocha heranreicht... :D

beste grüße!
Daniel


Moin! *gähn*

Mit Deiner Einschätzung zu Hamelin's Iberia hast Du vollkommen recht - er spielt diese Stücke hervorragend (er hat übrigens auch noch ein paar kleinere Stücke von Albeniz, die mir zum Teil bisher unbekannt waren, auf der zweiten CD mit verewigt). Doch ganz kann er Frau De Larrocha nicht erreichen - was vielleicht einfach nur am fehlenden spanischen Blut liegt. Aber auf jeden Fall eine überaus hörenswerte Scheibe.

Noch empfehlen würde ich auf jeden Fall die CD mit Rzewski's "The People United Will Never Be Defeated". Ein großartiges Variationswerk (eine gute Stunde lang) inklusive optionalem Pfeifen des Pianisten. :D

Hamelin habe ich übrigens als bisher Einzigen im Lieblingspianisten-Thread verewigt - vor allem dank seiner Repertoireauswahl, die bisher selten bis nie gehörte Stücke dem Publikum zugänglich macht und die er mit einer Mühelosigkeit darbietet, die schon atemberaubend ist. Ich freue mich jedenfalls immer wieder, wenn eine neue Hamelin-Scheibe angekündigt wird (vielleicht mit Ausnahme seiner Ausrutscher ins 'Standardrepertoire' wie bei seiner letzten Schumann-CD (mittlerweile habe ich genug von Schumann, da brauche ich nicht noch eine weitere CD)).

LG, FoN

PS: Gerade im CD-Player: Hamelin spielt Kapustin 8o

bubba

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8

Donnerstag, 29. Dezember 2005, 12:47

Also "Iberia" kann ich nur wärmstens empfehlen!
Gleichauf mit diesen zwei CDs steht bei mir seine Reger-CD.

Ich denke auch, daß Hamelin noch ein paar bekanntere Werke aufnehmen wird, Hyperion hat immerhin bis jetzt über zwanzig CDs mit ihm auf den Markt gebracht... er ist ein richtiges Arbeitstier.

Nun werde ich mir auch noch "Kaleidoscope" und "The Composer-Pianist" zulegen, was haltet ihr von diesen Kuriositäten?

Viele Grüße
Das Frühstück ist ihm viel zuviel Zeremonie. Die ganze Lächerlichkeit kommt zum Ausdruck, wenn ich den Löffel in die Hand nehme. Die ganze Sinnlosigkeit. Das Zuckerstück ist ja ein Anschlag gegen mich. Das Brot. Die Milch. Eine Katastrophe. So fängt der Tag mit hinterhältiger Süßigkeit an.

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9

Donnerstag, 29. Dezember 2005, 12:58

Hallo Bubba,
stimmt: die Reger-CD igehört mit zum "best of Hamelin" - allerdings sind die Bach- und die Telemann-Variationen weit davon entfernt, meine Lieblingsstücke zu sein. Aber dafür kann Herr Hamelin ja nun wirklich nix.

Das "Kaleidoscope" ist ein delikates Scheibchen mit allerhand putzigen Trouvaillen - mich brachte es ja, wie bereits erwähnt, zu Nikolai Kapustin - von dem Hamelin eine Komplett-CD gemacht hat - für mich (wie ebenfalls schon erwähnt) die tollste Hamelin-Platte - man kann es gar nicht oft genug sagen...

"The Composer-Pianist" kenne ich noch nicht - von wann ist das Album?

hallo "Natur-Freak",

ja, Alicia hat im spanischen Fach nicht ihresgleichen!

Schöne Grüße

FreakOfNature

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10

Donnerstag, 29. Dezember 2005, 13:02

"The Composer-Pianist" habe ich leider noch nicht (was ich schleunigst ändern sollte), aber Kaleidoscope kann ich vorbehaltlos empfehlen. Enthalten sind etwa 20 kürzere Werke von recht unbekannten Komponisten - Woods, Behr, Hofmann, Godowsky, Blumenfeld, Gimpel, Massenet, Moszkowsky, Poulenc, Michalowsky, Louriet, Blanchet, Casella, Valier, Glazunov, Kapustin plus zwei Etüden aus Hamelin's Feder. Macht mir bei dem einen oder anderen Komponisten eindeutig Appetit auf mehr (ich hoffe mal, daß MAH hier noch einiges von den genannten Komponisten auf CD veröffentlichen wird).



Kennt eigentlich jemand seine Aufnahmen von Werken von Grainger und Catoire???

Caesar73

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11

Donnerstag, 29. Dezember 2005, 13:21

Alicia versus Marc-Andre

Zitat

Original von Daniel Behrendt

ja, Alicia hat im spanischen Fach nicht ihresgleichen!



Liebe Hamelin-Jünger,

anbei noch eine Egänzung, in der FAZ war zum Vergleich De Larrocha - Hamelin in Sachen Iberia Folgendes zu lesen (ich zitiere aus dem Artikel):


"[...] Mit vier Aufnahmen hat sich die spanische Pianistin Alicia de Larrocha bisher am eindringlichsten und am nachhaltigsten für die farbenprächtigen, virtuosen und poetischen, bisweilen düster-melancholischen Impressionen eingesetzt. Hamelin bietet mit seiner Einspielung dieses "Meisterwerks der spanischen Musik" (Olivier Messiaen) einen Gegenentwurf und bestätigt einmal mehr seinen Rang als virtuoser Klangmagier. In einem Interview bekannte er, daß er als Kanadier keinerlei Qualifikation besitze, Musik zu spielen, welche die Atmosphäre des ihm unbekannten südlichen Spaniens evoziere. Ein Topos der affektierten Bescheidenheit? De Larrocha mag vielleicht mehr Gespür für die agogischen Finessen der Tanz-Rhythmen haben, doch erweist sich der kühlere Hamelin im Vergleich als der geschmeidigere, vor allem als der dynamisch flexiblere, farbiger spielende Pianist.[...]"

Herzliche Grüße,:hello:

Christian
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12

Donnerstag, 29. Dezember 2005, 15:34

Well, well...

Hallo Christian,
... wir werden sehen (bzw. hören)! Ich kann mir ja in zwei, drei Wochen einen vergleichenden Eindruck machen.
Das Alicia es gleich auf 4 Aufnahmen bringt, ist mir neu. Ich wusste von dreien und habe zwei davon im Schränkchen...

beste Grüße! :hello:
Daniel

Hui

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13

Freitag, 30. Dezember 2005, 12:11

Ich möchte zur Debatte "Warum spielt Hamelin größtenteils 'Orchideenrepertoire'?" auf ein Interview hinweisen, in dem er selbst darauf Antwort gibt. Ob er es nichtsdestotrotz aus Kalkül heraus tut, sei dahingestellt, man sollte ihn zumindest dazu anhören. Was mich betrifft, halte ich seine Aussagen durchaus für überzeugend.


http://www.klassik-heute.de/texte/hameli…andre_207.shtml
"Noten haben einen zumindest ebenso bestimmten Sinn wie Wörter, wiewohl sie durch diese nicht zu übersetzen sind." (Felix Mendelssohn-Bartholdy)

Caesar73

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14

Freitag, 30. Dezember 2005, 14:00

Zu meinen Lieblingsaufnahmen Hamelins gehört seine Interpretation der Sonaten Skriabins. Neben seinen Ausflügen in Sachen Schumann und Albeniz hat sich Hamelin hier zum einzigen Mal auf das Gebiet des Kernrepertoires begeben. Und die Konkurrenz gegen die er hier bestehen muss ist ja nicht gerade klein: Igor Shukov hat herausragende Interpretationen der Werke Skriabins vorgelegt- und Hamelin weiß sich hier durchaus zu behaupten. Besonders zustatten kommt ihm hier sein außerordentlicher Klangsinn und seine Virtuosität:




Herzliche Grüße:hello: :hello:

Christian
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Robert Stuhr

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15

Freitag, 30. Dezember 2005, 17:30

Ich habe mal etwas gesucht, was er noch so eingespielt hat. Wirklich interessantes Repertoire (neben hier genannten u.a. Werken):

Szymanowski, kpl. Mazurkas
Villa-Lobos, Klavierwerke
William Bolcom und Stefan Wolpe, Klavierwerke
Strauß, Enoch Arden (!)
Roslavets, Klavierwerke
Georgy Catoire, Klavierwerke
Busoni, Klavierkonzert
mehrere Godowsky CDs
Grainger, Klavierwerke
Leo Ornstein (!)
Jay Reise, Klavierwerke
Medtner, Klaviersonaten

Sein Schaffen ist schon beeindruckend!
Ermutigung nach 200 Jahren (auf dem heimweg von einem orgelkonzert)
Zu füßen gottes, wenn
gott füße hat,
zu füßen gottes sitzt
bach,
nicht
der magistrat von leipzig
(Reiner Kunze, Auf eigene Hoffnung, Gedichte)

Hui

Schüler

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16

Freitag, 30. Dezember 2005, 17:56

Zitat

Eine Kostprobe ist kostenlos, legal und frei als Video unter der yahoo-Videosuche zu finden! Dort spielt er die 2.ungarische Rhapsodie von Liszt mit seiner Kadenz.
Soviel zur Technik.


Beeindruckende Aufnahme, in der Tat, allein: Was tropft Herrn Hamelin an der Stelle 6:07 denn da aus der Nase? :D
"Noten haben einen zumindest ebenso bestimmten Sinn wie Wörter, wiewohl sie durch diese nicht zu übersetzen sind." (Felix Mendelssohn-Bartholdy)

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17

Freitag, 30. Dezember 2005, 18:20

...Yes! Die Skrjabin-Sonaten mit Hamelin sind wirklich spitze! Shukov, den ich vor ein paar Jahren mal live hatte, lässt in seiner klangfarbenreichen, atosphärisch sehr dichten Lesart vielleicht etwas mehr von der "mystizistischen" Dimension dieser Musik erahnen, aber Hamelin bietet mit seinem motorischen Elan eine ganz anders geartete, aber vollauf ebenbürtige alternative.

Die Szymanowski-Mazurken haben mich allerdings (freilich auf höchstem Niveau) ein wenig enttäuscht. Hier ist mir Hamelin rhythmisch zu fest, agogisch zu geradlinig. Es gibt 8oder gab) eine auch klanglich vortreffliche Einspielung des völlig unbekannten Polen Pavel Kamasa bei Koch - dieser Nobody trifft den Gestus dieser Stücke für mein Empfinden weit besser als der wesentlich berühmtere Hamelin - Wer Szymanowski mag und die Kamasa-Aufnahme auftreiben kann, wird sich eine Freude machen!

Was mich sehr reizen würde, ist die Villa-Lobos-Platte: Neben den hübsch virtuosen und sehr kessen "Püppchen"-Stücken (A prolé do bébé - schreibt man's so?) müsste auch ein Stück namens "Rudepoema" (eigentlich mit einigen Akzenten über den Buchstaben...), das V.-L. einst für Rubinstein schrieb, eingespielt sein. Seinerzeit hat Nelson Freire eine hübsche Platte bei Teldec gemacht, die ich sehr liebe - Auch da flog einem in Hamelin-würdiger Manier der Flügel um die Ohren...

Schöne Grüße!
Daniel

FreakOfNature

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18

Freitag, 30. Dezember 2005, 19:06

Seine Villa-Lobos-CD hab' ich - aber leider kam ich erst ein Mal dazu, sie mir anzuhören. Aber es klang doch sehr vielversprechend...

bubba

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19

Freitag, 30. Dezember 2005, 19:09

Was haltet ihr von seinen EIGENEN Kompositionen?
"Prelude et Fugue" zum Beispiel oder "Etude d'apres la danza Tarantella de Rossini"
Ich finde die garnicht schlecht.

Viele Grüße
Das Frühstück ist ihm viel zuviel Zeremonie. Die ganze Lächerlichkeit kommt zum Ausdruck, wenn ich den Löffel in die Hand nehme. Die ganze Sinnlosigkeit. Das Zuckerstück ist ja ein Anschlag gegen mich. Das Brot. Die Milch. Eine Katastrophe. So fängt der Tag mit hinterhältiger Süßigkeit an.

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20

Freitag, 30. Dezember 2005, 19:12

... Wo hat er sie gemacht?
Ich kenne nur die wenigen selbstgebastlten Stückchen auf dem "Kaleidoscope"...

Schöne Grüße :hello:
Daniel

FreakOfNature

Anfänger

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Registrierungsdatum: 16. Februar 2005

21

Freitag, 30. Dezember 2005, 19:16

Zitat

Original von bubba
Was haltet ihr von seinen EIGENEN Kompositionen?
"Prelude et Fugue" zum Beispiel oder "Etude d'apres la danza Tarantella de Rossini"
Ich finde die garnicht schlecht.

Viele Grüße


Hmm, also die erstgenannte kenne ich nicht (ist die vielleicht auf 'The Composer-Pianists' drauf?). Die genannte Etüde finde ich aber sehr hübsch verspielt. Vielleicht kommen wir ja irgendwann einmal in den Genuß, eine ganze CD mit seinen eigenen Kompositionen hören zu können...

Daskalos

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22

Freitag, 30. Dezember 2005, 23:29

Also ich habe mir gerade mal seine La campanella Version in Noten angesehen:
Aber - sorry wenns dilettantisch klingt - ein absolut langweilig Zusammenhangloses Stück!
Zu 80% ein unverständliches Rumgestampfe :(

Allerdings die Etüde No1 (Hummelflug) is interessant.

bubba

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23

Samstag, 31. Dezember 2005, 00:03

1.Ja, Prelude and Fugue ist von "the Composer-Pianist"

2.Ich finde seine la Campanella-Version musikalisch auch nicht schlechter als das Original, er ist ganz im Sinne Liszt geblieben.
Viele Grüße
Das Frühstück ist ihm viel zuviel Zeremonie. Die ganze Lächerlichkeit kommt zum Ausdruck, wenn ich den Löffel in die Hand nehme. Die ganze Sinnlosigkeit. Das Zuckerstück ist ja ein Anschlag gegen mich. Das Brot. Die Milch. Eine Katastrophe. So fängt der Tag mit hinterhältiger Süßigkeit an.

Moritz

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24

Samstag, 31. Dezember 2005, 02:21

Hi,

ich finde dieses Video ja doch auch erstaunlich...

Noch eine Frage, wie bewertet Ihr denn die Aufnahme der Shostakovich-Klavierkonzerte?



Ich kenne von Hamelin vergleichsweise wenig, zuletzt hatte ich mir von einem Freund die Godowski/Chopin-Etuden Cd ausgeliehen und war wirklich sehr beeindruckt....

Liebe Grüsse, Moritz
"Das beste, an dein Übel nicht zu denken, ist Beschäftigung."
Ludwig van Beethoven

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Registrierungsdatum: 19. Dezember 2005

25

Samstag, 31. Dezember 2005, 09:35

Hallo Hui,

Zitat

Zitat Hui: Ich möchte zur Debatte "Warum spielt Hamelin größtenteils 'Orchideenrepertoire'?" auf ein Interview hinweisen, in dem er selbst darauf Antwort gibt. Ob er es nichtsdestotrotz aus Kalkül heraus tut, sei dahingestellt, man sollte ihn zumindest dazu anhören. Was mich betrifft, halte ich seine Aussagen durchaus für überzeugend.


... habe deinen Rat beherzigt und das Interview gelesen. Es ist in der Tat recht aufschlussreich. Hamelin kommt sehr sympathisch rüber und vertritt seine Leidenschaft für Ausgrabungen glaubwürdig und engagiert. Das Argument, dass es ihn nicht reizt, noch eine "Waldstein-Sonate" einzuspielen, ist ja auch gut nachzuvollziehen. Stattdessen wolle er Stücke aufnehmen, die noch direkt vom Zuhörer beurteilt würden. Und das ist bei den "Zugpferden" des Repertoires fast nicht mehr möglich, da wir die hinlänglich bekannten Stücke mit zu viel "Sekundärliteratur" im Hinterkopf hören, also voreingenommen sind.
So hat es Hamelin natürlich nicht ausgedrückt - aber sicher gemeint...

Ich kann Huis Empfehlung, den Text zu lesen, nur nochmals bekräftigen.

Schöne Grüße :hello:
daniel

nubar

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26

Montag, 2. Januar 2006, 17:32

Hallihallo,

zu Hamelin kam ich 2002 durch den Kauf seiner Grainger-Platte. Der Pianist sagte mir nichts, aber ich wollte den Komponisten kennen lernen, weil seine mir schon bekannten Stücke durch ihre Ungezwungenheit und Freude gefielen. Ich war auch dieses Mal sofort begeistert. Pianistisch war ich besonders von dem letzten Titel der CD angetan, In Dahomey. Einfach nur fantastisch! Nach langer Zeit legte ich die CD letztes Jahr wieder einmal in den Player und war enttäuscht.


Alles ordentlich gespielt, aber die Interpretationen fand ich unterkühlt.
Vor zwei Jahren legte ich mir dann die Godowsky-Bearbeitungen zu. Die virtuose Bewätigung dieser Werke bestaunte ich ehrfürchtig, aber die sonstige interpretatorische Bewältigung fand ich nicht gelungen, einfach viel zu unterkühlt für Chopin.

Wiederum Ende des vergangenen Jahres konnte ich dann in die Platte mit den Schostakowitsch-Konzerten hineinhören. Leider kannte ich auch die Einspielungen des Kompionisten aus den 50ern in Mono. Klanglich ist die Hamelin-CD sehr gut, kommt aber inhaltlich nicht an die alte Aufnahme heran, wobei auch der Dirigent einige Mitschuld hat. Je öfter ich dann die Platte hörte, desto besser gefiel Sie mir, aber sie erreichte trotzdem nicht die alte Aufnahme.

So bin ich dem Pianisten Hamelin gegenüber kritisch eingestellt. Dennoch überlege ich, ob ich mir vielleicht seine Scriabin-Einspielung anschaffe, besonders aufgrund der späten Sonaten. Wenn ich die Rezensionen unter Urwald . com lese, scheint diese Einspielung einige interessante neue Aspekte zu enthalten.

Mit freundlichem Gruß
nubar

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27

Montag, 2. Januar 2006, 19:54

Ist Godowsky/Chopin dasselbe wie Chopin?

Hallo nubar,

ich finde es gut, dass du nicht in den überall angestimmten Kanon der Hamelin-Hätschelei einfällst...
Ich kann mit ihm offenbar weit mehr anfangen als du, aber dieser an Hysterie grenzenden Lobhudelei, die Hamelin zum technisch versiertesten Pianisten überhaupt und zu einem Genie des Nischenrepertoires hochstilisiert, möchte ich mich keineswegs anschließen.
Tedchnisch bewegt sich Hamelin sicher oberhalb jeder Kritik. Aber eine gewisse Kühle, ein Hang zur Stromlinienförmigkeit haftet seinen Interpretationen schon an, wie ich finde.

Zitat

Zitat nubar: Vor zwei Jahren legte ich mir dann die Godowsky-Bearbeitungen zu. Die virtuose Bewätigung dieser Werke bestaunte ich ehrfürchtig, aber die sonstige interpretatorische Bewältigung fand ich nicht gelungen, einfach viel zu unterkühlt für Chopin.


.. das sind ja eigentlich auch keine Chopin-Etüden meh - Es sind Etüden über Chopin, in denen das "Ausgangsmaterial" eindeutig durch das Girlandenwerk Godowskys dominiert wird. Eigentlich sehr bizarre und ein wenig dekadente Stücke. Pervers in dem, was sie dem Pianisten abverlangen - das macht Hamelin schon sehr hübsch! ECHTEN Chopin würde ich mir vermutlich aber auch lieber von anderen Pianisten anhören...

Schöne Grüße :hello:
Daniel

AcomA

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28

Montag, 2. Januar 2006, 23:26

hallo,

ich kenne nahezu alle seine platten und habe ihn 2x live erlebt. seine mit 'abstand' beste platte (4 cds) ist seine gesamteinspielung der medtner-sonaten (IMO) ! sensationell.

eine sehr starke platte ist darueberhinaus eine fruehere platte seines amerikanischen labels mit: 2. sonate rachmaninovs, rudepoema von villa-lobos, 2. sonate chopins und strauss-schulz-evlers 'an der schoenen blauen donau'. hier zeigt er, dass er auch das 'bekannte repertoire beherrscht.

gruss, siamak immer noch aus teheran
Siamak

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Beiträge: 326

Registrierungsdatum: 19. Dezember 2005

29

Dienstag, 3. Januar 2006, 00:05

Hallo Siamak,

Zitat

Zitat Siamak: eine sehr starke platte ist darueberhinaus eine fruehere platte seines amerikanischen labels mit: 2. sonate rachmaninovs, rudepoema von villa-lobos, 2. sonate chopins und strauss-schulz-evlers 'an der schoenen blauen donau'. hier zeigt er, dass er auch das 'bekannte repertoire beherrscht.


... naja, ob ausgerechnet diese Auswahl "das bekannte Repertoire" angemessen repräsentiert, wage ich ja doch zu bezweifeln... ;)

Hast du übrigens das in diesem Thread empfohlene (sehr lesenswerte) Interview schon gelesen? Darin begründet Hamelin sehr schlüssig, warum ihn "das bekannte Repertoire" nicht übermäßig reizt.

Schöne Grüße nach Teheran! :hello:
Daniel

bubba

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30

Dienstag, 3. Januar 2006, 13:36

Also technisch ist er unfehlbar, das bezweifelt bis jetzt auch kaum einer.
Und der Vorteil des Nischenrepertoires ist natürlich auch, sich nicht mit allzuvielen messen zu müssen. Ein wirkliches Problem an Hamelins Interpretationen ist, daß sie immer diesen süffigen Klang haben, genau dies wird in folgener Rondo-Rezension recht gut beschrieben:

"
Es fällt schwer, Marc-André Hamelin nicht zu mögen. Sein Spiel klingt immer souverän und herrlich sonor. Und selbst nach monströsen Stücken wie Medtners „Nachtwind-Sonate“ (siehe Rezension) oder Regers „Bach-Variationen“ (siehe Rezension) glaubt man ihm hinterher, dass es gar nicht so schwierig war. So bezwingend klar, so sahnig angerichtet bekommen wir Schwierigstes, dass man nicht mehr fragt, auf wessen Kosten hier der Triumph über die Materie so verlockend zelebriert wird.
Doch hier, bei drei berühmten Werken Schumanns, müsste mancher in seinem Hörsessel aufschrecken, sich die Augen reiben und endlich begreifen, wie das geht. Ich gebe zu, es gefiel auch mir am Anfang. Ich hatte flüchtig zwei ergreifende Schlüsselstellen im ersten Satz der C-Dur-Fantasie gehört, den Epilog zur Balladenton-Durchführung und das Beethoven-Zitat am Ende, wo Schumann seine „Ferne Geliebte“ grüßt. Das tönt Hamelin in der Tat sehr sensibel und schnörkellos ab. Er kann es ja. Es gibt ja herrliches Klavierspiel zu entdecken.
Doch Hamelin zerstört sich alle Poesie und Balance durch seine Neigung zum pastos hingepinselten Breitwand-Sound. Der gibt er überall nach. Ein Akzent auf einer Oktave im Bass bedeutet für Hamelin, mit durchgetretenem Pedal eine röhrende Fortissimo-Granate abzuwerfen. Die überaus voluminösen, aber auch verfetteten Bässe sind in dieser Aufnahme hässlich übersteuert. In welchem Maße ist der Likörtorten-Klang Hamelins eigentlich ein Produkt der Hyperion-Aufnahmetechnik?
Es ist, und ich weiß, jetzt schreien die Hamelin-Verehrer auf, etwas Vulgäres in diesem Spiel. Ein Hauch von Jahrmarktsspektakel, von dunstigem Trubel. Hatte man noch bei der bezaubernden Scherzando-Episode im zweiten Satz hoffnungsvoll durchatmend zugestimmt, ist die Hauptsatz-Reprise dann von fast parodistischer Grobheit: „Das gefällt, nehmen sie Anteil meinedamnunherrn – hier ist die Action.“ Und die kuriosen, vieldiskutierten Tempoanweisungen der g-Moll-Sonate: „So rasch wie möglich – schneller – noch schneller“ werden nicht befragt, sondern gleichsam am Gashebel eines Fahrgeschäftes umgesetzt. Was bei Martha Argerich einen fiebrig-hysterischen Zug gewinnt, ist bei Hamelin allenfalls von pianistischem Interesse. Und die Argerich ist einfach besser.
Das Thema der „Sinfonischen Etüden“ verheißt noch nuancenreiches, warm timbriertes Spiel. Aber schon in der ersten Variation ärgert das gutturale Kollern der Basslinie – bin ich ein Notentext-Sklave, wenn ich einwende, dass sich das dynamische Spektrum hier vom pp zum p bewegt? Aber das ist noch harmlos neben den folgenden Anfällen.
In geradezu genialer Weise werden poetisch-komplizierte Wunder hier mundgerecht gemacht. Diese CD ist idealer Schumann-Einstieg für die Pokémon-Generation. Eine Nominierung für die Vierteljahresliste der Deutschen Schallplattenkritik scheint unvermeidlich.

"

Teilweise etwas zu bösartig, aber verständlich.


Viele Grüße
Das Frühstück ist ihm viel zuviel Zeremonie. Die ganze Lächerlichkeit kommt zum Ausdruck, wenn ich den Löffel in die Hand nehme. Die ganze Sinnlosigkeit. Das Zuckerstück ist ja ein Anschlag gegen mich. Das Brot. Die Milch. Eine Katastrophe. So fängt der Tag mit hinterhältiger Süßigkeit an.