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Daniel

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Registrierungsdatum: 27. November 2005

1

Montag, 26. Dezember 2005, 14:36

Weibliche und männliche Interpretationen

Hallo zusammen,

Vielleicht gibt es ja das Thema schon, hab ich aber bisher - auch durch Suchfunktion - nicht gefunden, deshalb eröffne ich es mal:

Gibt es einen Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Interpretationen? Wenn ja, welchen?

Viele Grüße,
Daniel :hello:

Ulli

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2

Montag, 26. Dezember 2005, 17:17

RE: Weibliche und männliche Interpretationen

Salut Daniel,

hier gab es mal etwas ähnliches bezogen auf das Lied im Allgemeinen:

Männerlieder - Frauenlieder

LG
Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

Austria

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3

Montag, 26. Dezember 2005, 17:31

@Ulli

meint Daniel nicht Interpretationen auf einem Instrument? also ein Klavierkonzert oder Violine z.B.

LG
Austria
die Schlaue....... - weil er nämlich ein Klavier als Avatar hat ;-)
Wir lieben Menschen, die frisch heraus sagen, was sie denken - vorausgesetzt, sie denken dasselbe wie wir (Mark Twain)

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4

Montag, 26. Dezember 2005, 17:51

schönes Thema

Haööo Daniel,
die Fragestellung finde ich ziemlich interessant.

Ich las mal in einem Klaviermusikführer (ich glaube von Klaus Wolters) etwas über die Mozart-KS. Eine der Sonaten wurde AUSDRÜCKLICH nur männlichen Spielern empfohlen (!), eine andere -sozusagen als Wiedergutmachung- hielt Wolters dafür als besonders "Frauen-kompatibel"...
Wenn also jemand davon ausgeht, dass es Stücke gibt, die man aufgrund seiner Geschlechtszugehörigkeit lieber nicht spielen sollte, unterstellt man ja zwangsläufig einen weiblichen und einen männlichen Stil...

Ich halte das natürlich für Kokolores - in erster Linie gibt es nicht mennliche oder weibliche, sondern ganz einfach menschliche Interpretationen.

Schöne Grüße!
Daniel

Daniel

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5

Montag, 26. Dezember 2005, 18:08

Hallo,

Ja, ich bin jetzt vorallem vom Instrumentalen ausgegangen, um das klar zu stellen. Lieder sind ein eigenes Thema, wobei natürlich vielfach die "Rollenverteilung" klar ist. Eine weibliche Rolle in einer Oper sollte dementsprechend auch eine Frau spielen etc. (Frage: Gibt es auch das Gegenstück zu "Hosenrollen", wie z.B. "Rockrollen"? Hm...Nungut... :D)

Also um einen kleinen Anstoß hierzu zu geben, möchte ich zwei Interpretinnen nennen: Clara Haskil und Ginette Neveu. Ich bin der Auffassung, daß man sehr wohl unterscheiden kann zwischen weiblichen und männlichen Interpreten. Es gibt eine Art "weibliche Sensibilität" (siehe bei Clara Haskil), die ein Mann nie erreichen wird. Das spannungsgeladene und intensive Spiel der Ginette Neveu wiederum scheint mir in der Form kaum von einem Mann wiedergebbar zu sein.

Man darf aber nicht in Klischees ausarten oder bestimmte Adjektive Frauen und Männern zuordnen, weil es fließende Übergänge sind und dieso so nur fehl am Platze wär.

Ein kleines bisschen mag das auch mit der unterschiedlichen Anatomie zusammenhängen.

Aber natürlich können Frauen genauso kraftsprühend sein, wie Argerich oder auch Du Pré zeigen, und doch: es gibt für mich etwas typisch "weibliches" und männliches" beim Spiel, und ich finde das gut.

Man kann dieses "Anders-Sein" wahrscheinlich nur erahnen und empfinden.

Interessant dazu wären auch Vergleiche von Intepretinnen und Interpreten nach dem Gehör: Spielt jetzt eine Frau oder ein Mann? Wäre spannend, hier eine Statistik über richtiges Einordnen zu erstellen.

Damit viele Grüße,
Daniel :hello:

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Daniel« (26. Dezember 2005, 18:09)


Ulli

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6

Montag, 26. Dezember 2005, 18:41

Zitat

Original von Austria
@Ulli

meint Daniel nicht Interpretationen auf einem Instrument? also ein Klavierkonzert oder Violine z.B.

LG
Austria
die Schlaue....... - weil er nämlich ein Klavier als Avatar hat ;-)


Cara calida,

ich schrieb ja, dass wir etwas "ähnliches bezogen auf das Lied im Allgemeinen" hatten.


Zitat


(Frage: Gibt es auch das Gegenstück zu "Hosenrollen", wie z.B. "Rockrollen"? Hm...Nungut... )


Im Prinzip ja: Die Kastraten.

Ich habe mich noch nicht mit "typisch weiblichem" oder "typisch männlichem" Instrumentalspiel beschäftigt - für mich war immer die Devise: gut oder nicht gut.

Gegenfrage: Wie sieht es bei "anders gepolten" Interpreten/Interpretinnen aus?

:hello:

LG
Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

Albus

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7

Dienstag, 27. Dezember 2005, 10:53

Tag,

dem Orchester (NDR-Sinfonieorchester) machte Frau Neveu dermaßen Eindruck, dass Orchestermitgleider urteilten "Die spielt wie ein Mann!" Ich fand's auch immer enorm. - Das Weibliche in Interpretationen hört man doch schon heraus; Ingrid Haebler, Alicia de Larrocha, Frau Pires, auch Frau Argerich, Dame Myra Hess, ..., man hört's: die Interpretationen sind doch zu ordentlich, zu geistig-seelisch.

Bei Beethoven zum Beispiel, in den massiven Klaviersonaten, muss der Eros wühlen, gezähmt, aber vegetativ-animalisch. Die Solistinnen scheuen vor der einbegriffenen (in der Musik eingeschlossenen) Fleischlichkeit zurück. Daher kann keine 'Weiblichkeit' eine richtige Appassionata.

MfG
Albus

Philhellene

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8

Dienstag, 27. Dezember 2005, 11:04

Zitat

Original von Daniel
(Frage: Gibt es auch das Gegenstück zu "Hosenrollen", wie z.B. "Rockrollen"? Hm...Nungut... :D)

Ja, das gibt es, und es heißt auch tatsächlich "Rockrolle" - z. B. die Ammen in frühen Opern, die oft von Bässen gesungen werden!

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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Registrierungsdatum: 12. August 2005

9

Dienstag, 27. Dezember 2005, 11:43

Zitat

Original von Ulli

Zitat


(Frage: Gibt es auch das Gegenstück zu "Hosenrollen", wie z.B. "Rockrollen"? Hm...Nungut... )


Im Prinzip ja: Die Kastraten.


Aber nur imp Prinzip. Stellten die Kastraten nicht fast immer männliche Rollen dar (mir ist auf Anhieb kein Gegenbeispiel bekannt). Die Hexe bei Hänsel& Gretel ist meist ein Tenor, ebenso gibt es eine Einspielung (Pinnock) von Dido & Aeneas mit einer männlichen Hexe (finde ich deswegen ziemlich schrottig).

Zitat


Gegenfrage: Wie sieht es bei "anders gepolten" Interpreten/Interpretinnen aus?


Britten und Pears sind die einzigen mir hier bekannten Interpreten (man behauptete ja von praktisch jedem Countertenor, er sei schwul, ich weiß nciht, auf welche es wirklich zutrifft). Würde aber nicht sagen, dass man das hören kann (ich mag Pears timbre einfach nicht, aber das hat nichts damit zu tun), wüßte auch nicht, wie es klingen sollte, dass man es hört...

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

Theophilus

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10

Dienstag, 27. Dezember 2005, 12:31

Hallo,

ich habe das Thema ein paar Tage auf mich in Bezug auf Instrumentalspiel wirken lassen, ohne jedoch eine eindeutige Antwort zu bekommen. Sowie ich ein Beispiel "pro" habe, fällt mir ein passendes "contra" ein. Wenn wir uns darauf reduzieren, über Instrumente zu sprechen, die von Frauen problemlos gespielt werden können (Solokontrabassistinnen sind eher selten), scheint mir grundsätzlich eher kein Unterschied zwischen den Geschlechtern zu bestehen. Selbst die Tatsache, dass Männer im Durchschnitt kräftiger gebaut sind, und daher bei entsprechender Literatur einen körperlichen Vorteil haben, scheint kaum signifikant zu sein.

Albus gab Beispiele für Pianistinnen, wo man das Weibliche am Spiel heraushören könne. Möglich, aber ich glaube nicht, dass irgendjemand, dem man erstmals eine Lipatti-Platte als Einspielung einer Frau vorführt, dagegen protestieren würde und meinen würde, dass klinge wie von einem Mann gespielt (und die Beispiele ließen sich fortführen).

Ich habe einmal meine damals fünf Versionen der Wanderer-Phantasie hintereinander durchgespielt. Elisabeth Leonskaja, Ingeborg Baldaszti, 2 x Alfred Brendel und Wilhelm Kempff. Dieses Experiment wäre als Blindtest prächtig geeignet für Leute mit der Männlichkeitstheorie! Jemand, der die Aufnahmen nicht kennt und erraten soll, welche Aufnahmen von den Damen stammen, wird da gehörig aufs Glatteis geführt. Meine obige Reihung ist abnehmend in Bezug auf "männlich kraftvolles Spiel", beide Damen packen deutlich kräftiger zu als Brendel und Kempff!

Ich habe die junge Elisabeth Leonskaja kurz nach ihrer Übersiedlung nach Österreich in einem Konzert erlebt. Der Stephaniensaal im Grazer Kongress war bis auf den letzten Platz gefüllt und man hatte sogar Podiumssitze installiert. Ich daß damals drei oder vier Meter von der Künstlerin entfernt auf dem Podium. Diese liebenswürdige, zierliche Person kann zur Tigerin werden, wenn sie sich ans Klavier setzt. Im zweiten Teil des Abends gab es die Bilder einer Ausstellung. Ein damals nagelneuer Steinway ächzte und klapperte am Podium deutlich vernehmbar unter den Hammerschlägen dieser Frau. Das Instrument konnte einem Leid tun! Ich versichere, dass an dieser Interpretation nichts, aber auch gar nichts weiblich gewirkt hat!

Bei Beethoven wird es etwas schwieriger, er scheint generell bei Damen nicht sehr beliebt zu sein. Aber man höre sich Annie Fischer an, und man wird feststellen, dass man keine Sekunde lang das Empfinden hat, einer Frau zuzuhören.

Bei Geigerinnen getraue ich mir auch kein Urteil. Viele Männer spielen mit mehr Kraft als die durchschnittliche Violonistin, aber Ginette Neuveu (und teilweise wohl auch ASM) wäre ein schönes Gegenbeispiel. Man ist seit langem gewohnt, dass Frauen in Kammermusikensembles mitspielen. Ich könnte nicht sagen, dass ich jemals herausgehört hätte, dass eine Frau mit von der Partie ist (Hollywood String Quartet, Hagen Quartett, etc.; und ich denke, dass man es auch beim neuen ABQ nicht hören wird).
Bei der Beschäftigung mit dem Weihnachtsrätsel bin ich über die für mich neue Tatsache gestolpert, dass es eine Reihe von reinen Damenquartetten gibt. Ich habe jetzt selbst eine CD mit reiner Damenbesetzung und ich höre das nicht heraus.

Es sieht also ganz danach aus, dass die weibliche Emanzipation in Bezug auf Instrumentalspiel ein Niveau erreicht hat, wo nur mehr profunde Kenner vielleicht einen Unterschied heraushören können. Gut so...

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

Ulli

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11

Dienstag, 27. Dezember 2005, 13:01

vom Prinzip

Salut,

zur Zeit Rossinis galt noch das Verbot für Frauen, in der Kirche zu singen. Da Rossini Knabenchöre nicht mochte und es keine Kastraten in ausreichender Vielzahl mehr gab, musste er seine petite messe sonelle im privaten Kreis [mit einem gemischten Chor] aufführen. Eine aufführung in der Kirche wurde ihm verwehrt. Auch eine Korrespondenz mit Pius IX. änderte daran nicht [Rossini bat gar um Aufhebung der Enzyklika].

Die Kastraten ersetzten wegen des Frauen-Verbotes [unter Pius IX.] die Rolle der Frau in der Kirche - somit nahmen sie quasi eine "Rockrolle" ein. In der Oper ist mir dies allerdings [auch] noch nicht begegnet - das finde ich sehr interessant. Der Grund dafür ist mir klar: Das Frauenverbot galt hier im weltlichen Bereich nicht, dennoch könnte ich mir durchaus vorstellen, dass ein männlicher Sopran einen jungen Mann singen könnte... warum nicht? Es ist noch nicht aller Tage Abend...

:hello:

Liebe Grüße
Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

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12

Dienstag, 27. Dezember 2005, 13:02

Oh weh, oh je!

Zitat

Zitat Albus: Bei Beethoven zum Beispiel, in den massiven Klaviersonaten, muss der Eros wühlen, gezähmt, aber vegetativ-animalisch. Die Solistinnen scheuen vor der einbegriffenen (in der Musik eingeschlossenen) Fleischlichkeit zurück. Daher kann keine 'Weiblichkeit' eine richtige Appassionata.


...da häufen sich in drei Sätzen aber wirklich die Klischees. Ich kann mich da nur Theophilus anschließen: Ich glaube auch nicht, dass sich im "Blindtest" so leicht heraushören ließe, wann ein Mann und wann eine Frau spielt. Lipatti ist imit seinem fließend-kantablen Spiel ein schönes Beispiel für einen Stil, dem man "Weiblichkeit" unterstellen könnte. Auch Kempff mit seiner koketten Verspieltheit und seinem zart-zerbrechlichem Ton ist nun wirklich kein "Tastenhengst". Auch Brendel ist ein schönes Beispiel dafür, dass ein Mann bei Beethoven-Sonaten eben nicht "vegetativ-animalisch" im "Eros wühlen" muss, um zu überzeugen. Dafür haut z.B. Tatjana Nikolajeva recht prankig in die Tasten...
In der Geschichte gab's durchaus Beispiele für für "männlich" befundene musikerinnen: Es gab beispielsweise eine Liszt-Schülerin oder -Zeitgenossin (?) namens Theresa Carreno (schreibt man sie ungefähr so?) - Ihr Umfeld war erstaunt über die ausgesprochene Maskulinität ihres Spiels - an Kraft und Ungestüm soll sie die meisten ihrer männlichen Kollegen eindeutig in den Schatten gestellt haben...

Zitat

Zitat Ulli: Gegenfrage: Wie sieht es bei "anders gepolten" Interpreten/Interpretinnen aus?


Genau dieselbe Chose: Ebenso wie diesen unterstellten "Weiblichkeits-Kult" gibt es auch Mythen um eine "schwule Sensibilität" - man findet vermutlich auch hier bekräftigende und widerlegende Beispiele.

Ich halte es für unmöglich, eine allgemeine Regel aufzustellen: in erster Linie macht man nicht mit seinem Geschlecht oder seinen sexuellen Präferenzen Musik, sondern mit dem Instrument.
Und wenn es derartige Spezifika in der interpretation geben sollte, stellt sich die Frage: woher kommen sie? Biologisch determiniert? Nach Rollenmustern sozialisiert?
Prinzipiell kann eine Frau mit zehn gesunden Fingern und muskulösen Oberarmen Beethoven ebenso animalisch entfesseln, wie ein Mann...

Schöne Grüße!
Daniel

Albus

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13

Dienstag, 27. Dezember 2005, 13:13

Tag erneut,
Tag auch Daniel,

Klischees schaffen Klarheit. Der Alfred Brendel, der Brendel ist klavieristisch ja eine Weiblichkeit, auch Kempff, auch ... Ach: Laut, prankig, das geht auch für Frauen, das ist's aber ja nicht. Man muss auf dem Podium wirklich zügellos sein können. Schwierig wird die Sache bei Elly Ney. (Die Careno war doch die Vorbildin von Claudio Arrau, oder? Vorbildin, was die körperliche Klaviertechnik angeht. Daher ... )

Daher: Überhaupt ist alles eine Suche nach dem anderen in einer Interpretation, denn es ist alles Eines: Der Mann sucht die Frau, die Frau den Mann. Daher ist's nie fertig. Wenn's passt, dann ist's Liebe = Leidenschaft = Not.

Merke: Not kommt von Noten.

MfG
Albus

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Registrierungsdatum: 19. Dezember 2005

14

Dienstag, 27. Dezember 2005, 13:18

Careno-Arrau

... eigentlich ist ja auch der nobel gebändigte Claudio Arrau eine pianistische "Weiblichkeit", wie du so treffend über Brendel sagst.
Dann hat Arrau in der Careno ja seine "Herrin" gefunden... :D
Schöne Grüße
Daniel

heinz.gelking

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Registrierungsdatum: 8. Juli 2005

15

Dienstag, 27. Dezember 2005, 18:54

Zitat

Original von Theophilus
Hallo,

(...) Wenn wir uns darauf reduzieren, über Instrumente zu sprechen, die von Frauen problemlos gespielt werden können (Solokontrabassistinnen sind eher selten), scheint mir grundsätzlich eher kein Unterschied zwischen den Geschlechtern zu bestehen. (...)


Solo-Kontrabassistinnen sind zwar in der Tat selten, aber Barbara Sanderling ist (verhältnismäßig) bekannt... Als der Kontrabass erfunden wurde, waren die Männer vermutlich im Durchschnitt eher kleiner als die Frauen heute.

Ich glaube übrigens nicht daran, dass es auf Grund der körperlichen Voraussetzungen ein "typisch" männliches oder weibliches Instrumentalspiel gibt. Die Kraft, die man auf ein Instrument ausüben kann, ist doch begrenzt (jede normal-kräftige Frau dürfte in der Lage sein, so viel Druck auf eine Geige auszuüben, dass diese zerstört wird...).

Und "mental"? Ich weiß nicht. Vielleicht ist es doch eher auf die Sozialisation zurück zu führen, dass Frauen sich bestimmte Bereiche (das Dirigieren beispielsweise) noch nicht im selben Umfang wie Männer "erobert" haben. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass wir über das Thema in dreißig Jahren kaum noch sprechen werden. Dann bleibt uns Männern wahrscheinlich nur noch härteste körperliche Arbeit (Dächer decken, Holz fällen, Stahl flechten,...) als uns allein gehörende Bastion männlicher Berufstätigkeit. Es gibt kaum Männer, die den "Einbruch der Weiblichkeit" in ihre Domäne bedauern (ich tue es jedenfalls nicht). Das einzige, vor dem man uns bitte verschone, sind Quotierungen.

Freundliche Grüße

Heinz Gelking

Daniel

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16

Dienstag, 27. Dezember 2005, 19:16

Mal wieder hallo,

Ja, bezüglich Tests und Raten, ob eine Frau oder ein Mann spielt: Ich glaube auch, daß man tatsächlich gewaltig daneben liegen kann, das es kaum ein eindeutiges Votum geben wird, aber woran liegt das? Es muß da doch einfach einen Unterschied geben, rein logisch gedacht. Ich glaube, wenn man es einem im Nachhinein sagt, wer gespielt hat, dann wird man tatsächlich etwas "Weibliches" oder "Männliches" raushören.

Grüße,
Daniel

P.S.: Mit Grüßen zu meinem Namensvetter. :yes:

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Daniel« (27. Dezember 2005, 19:19)


Ulli

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17

Dienstag, 27. Dezember 2005, 19:39

Salut,

auffallend ist in jedem Fall, dass es weitaus mehr Harfenistinnen als Harfenisten gibt. Das Instrument der Dame?

Liebe Grüße
Ulli
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18

Mittwoch, 28. Dezember 2005, 01:31

Damen und Herren

Hallo Uli,

Zitat

Zitat Ulli: auffallend ist in jedem Fall, dass es weitaus mehr Harfenistinnen als Harfenisten gibt. Das Instrument der Dame?


... du sagst es. Ich habe, soweit ich mich erinnere, bislang in überhaupt keinem Orchester einen HarfenistEN gesehen. Umgekehrt aber auch fast keine Damen an Posaune, Pauke und Trompete, und nur ganz selten mal eine, die ins Hörnchen tutet.
Fragt sich doch, warum das so ist.
Es wird ja wohl kein "Harfen-Chromosom" im Genom der Ladies geben, oder?
Da finde ich eine andere Deutung wenigstens etwas plausibler:
Relativ viele Blechbläser, die im Orchester enden, haben in der Jugend tatsächlich mal mit dörflicher Blasmusik angefangen - das bedeutet Schützenumzüge, von Haus zu Haus ziehen und einen Schnappes nach dem anderen kippen - man könnte also mit Fug' und Recht behaupten, daß die ersten Eerfahrungen mit einem Blechblasintruments gar nicht so selten an "typisch männliche" Rituale gekoppelt sind.
... Gut, klingt etwas weit hergeholt, aber ich will ja auch nur auf den Aspekt "Sozialisation" hinweisen.
Durch welche Rituale Frauen zur Harfe kommen, weiß ich allerdings nicht.

Hallo Namensvetter:

Zitat

Zitat vom anderen Daniel: Ich glaube, wenn man es einem im Nachhinein sagt, wer gespielt hat, dann wird man tatsächlich etwas "Weibliches" oder "Männliches" raushören


naja, im Nachhinein eben. Bekommt man hinterher bestätigt, was man vorher schon gahnt hat? Oder bastelt man sich aufgrund des nachträglichen Wissens einen (unzulässigen) Zusammenhang?
Der alte Platon sagte schon (egal ob wortwörtlich oder sinngemäß): "Man sieht (bzw. hört) nur, was man weiß."
Wer weiß?

Schöne Grüße
Daniel

Ulli

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19

Mittwoch, 28. Dezember 2005, 09:32

RE: Damen und Herren

Salut Daniel B.,

Der Violinist Ulf Hoelscher spielte eine Weile mit der Camerata Diana, einem reinen Damenorchester: Die Damen waren bei ihren Auftritten auch noch festlich in weiße Kleider verpackt, ihr Haupt zierte ein goldener Reif. Dort gab es - natürlich - auch hervorragende Hornistinnen. Das glänzende Gold der Horner war hier noch mal zusätzlich sehr attraktiv. ;)

In einem Bericht, neulich im TV, über einen Harfenbauer, meinte dieser, das Instrument Harfe sei wohl ein weibliches Instrument - er habe noch nie einen Kunden männlichen Geschelchts gehabt. Erstaunlich insgesamt, da diese Instrumente den Preis eines ordentlichen Flügels erreichen: neu ab 50.000 € [Handarbeit, individuelle Anfertigung]. Diese Damen müssen also ein reiches Elternhaus, einen finanziell freigiebigen Verehrer haben - oder eben so gut sein, dass sie es sich leisten können. ;)

LG
Ulli
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20

Mittwoch, 28. Dezember 2005, 10:15

Griechisches Damenorchester

Hallo Ulli,

Zitat

Zitat Ulli: Der Violinist Ulf Hoelscher spielte eine Weile mit der Camerata Diana, einem reinen Damenorchester: Die Damen waren bei ihren Auftritten auch noch festlich in weiße Kleider verpackt, ihr Haupt zierte ein goldener Reif


... das stelle ich mir ziemlich lustig vor. Deine Beschreibung der "Camerata Diana" beamt mir gar sonderbare Bilder vors innere Auge - Ich sehe ein Horde liebreizender Griechinnen im luftig-antiken Outfit (weiße Toga, Riemchensandalen und einen güldenen Lorbeer ums Haupt), die vorzugsweise vor den Trümmern der Akropolis konzertieren...

Schöne Grüße :hello:
Daniel

Ulli

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21

Mittwoch, 28. Dezember 2005, 10:50

RE: Griechisches Damenorchester

Salut Daniel,

das Bild, das Du hast ist fast richtig: Sie spielten allerdings in einem kleinen Festsaal in einem kleinen Schlößchen bei Bad Honnef [wenn ich mch richtig erinnere], das liegt bei Bonn. Und Pof. Hoelscher spielte glaube ich Mozarts B-Dur-Rondo...

:hello:

LG
Ulli
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Daniel

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22

Donnerstag, 29. Dezember 2005, 12:33

RE: Damen und Herren

Hallo,

Zitat

Original von Daniel Behrendt
Hallo Namensvetter:

Zitat

Zitat vom anderen Daniel: Ich glaube, wenn man es einem im Nachhinein sagt, wer gespielt hat, dann wird man tatsächlich etwas "Weibliches" oder "Männliches" raushören


naja, im Nachhinein eben. Bekommt man hinterher bestätigt, was man vorher schon gahnt hat? Oder bastelt man sich aufgrund des nachträglichen Wissens einen (unzulässigen) Zusammenhang?
Der alte Platon sagte schon (egal ob wortwörtlich oder sinngemäß): "Man sieht (bzw. hört) nur, was man weiß."
Wer weiß?

Schöne Grüße
Daniel

"Gebastelt" wird nicht. ;) Was ich meinte eher der Effekt, wie wenn man ein Stück hört, einem liegt der Name des Komponists auf der Zunge. "Ja, ich hab's gleich...Ich weiß es, ich weiß es..." und dann nach der Nennung des Namens. "Natürlich, wie konnte ich nur...". Man hat es tatsächlich gewußt...

Manche Erkenntnisse bleiben aber auch eben eher nur intuitiv erfahrbar, und ich glaube, daß es auch hier so ist.

Bezüglich Instrumenten. Ich glaube schon, daß es auf manchen Instrumenten eher weibliche und männliche Domänen gibt, und das zu Recht. Die Harfe ist ein Paradebeispiel. Sicher wird es den einen oder anderen Harfenisten geben, aber trotzdem entspricht sie eher dem weiblichen Naturell.

Es wird mir sicher jeder zustimmen, DAß es einen Unterschied zwischen Frauen und Männern gibt. Daß diesen verschiedenen Charakteren, Naturellen und Anlagen auch manche Instrumente tendenziell mehr oder weniger entsprechen, liegt auf der Hand.

Grüße,
Daniel

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Daniel« (29. Dezember 2005, 12:34)


Maik

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23

Donnerstag, 29. Dezember 2005, 12:56

Hallo allerseits,

ich hatte gleich zu Beginn einen Gedanken und dann wieder vergessen. Eben beim Schneeschieben hatte ich ihn wieder.

Zitat

Original von Ulli
Gegenfrage: Wie sieht es bei "anders gepolten" Interpreten/Interpretinnen aus?



Meine Lehrer meinte neulich im Unterricht, dass auch Vladimir Horowitz anders gepolt war.
Ich konnte ihm das gar nicht recht glauben.
Stimmt das denn oder hat er mir nen Bären aufgebunden???


Zitat

Original von Johannes
Britten und Pears sind die einzigen mir hier bekannten Interpreten (man behauptete ja von praktisch jedem Countertenor, er sei schwul, ich weiß nciht, auf welche es wirklich zutrifft). Würde aber nicht sagen, dass man das hören kann (ich mag Pears timbre einfach nicht, aber das hat nichts damit zu tun), wüßte auch nicht, wie es klingen sollte, dass man es hört...


Mir kam der Gedanke, dass es vielleicht sanfter klingen könnte.
Wobei sicher keine Verallgemeinerung vollzogen werden kann, denn es ist spezifisch von jedem einzelnen Charkater anhängig. Selbst anders gepolte werden wieder einen anderen Anschlag haben.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man dies bei einem Einzelnen hört...


Gruß, Maik
Wie ein Rubin auf einem Goldring leuchtet, so ziert die Musik das Festmahl.

Sirach 32, 7

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Registrierungsdatum: 19. Dezember 2005

24

Donnerstag, 29. Dezember 2005, 13:06

schwuler Horowitz?

Hallo Maik,

Ja, es gibt meines Erachtes Aussagen darüber, dass Horowitz schwul war. In irgendeiner Biografie las ich, dass er als ganz junger Mann (noch in Rußland) in der Szene verkehrte.
Seine Ehe zum gouvernatenhaft-asexuellen Frollein Toscanini bestätigt derartige Mutmaßungen für mein Empfinden auch eher, als dass sie sie wiederlegt...

Aber auch hier stehe ich auf dem Standpunkt: Seine Interpretationen waren bestimmt nicht deshalb so "sensibel", exzentrisch" oder weiß der Kuckuck was, weil der Mann schwul war (bzw. gewesen sein könnte).

Wie dem auch sein: Kunst bleibt Kunst, alles andere bleibt alles andere...

Beste Grüße!
Daniel