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Richard

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Registrierungsdatum: 2. November 2004

1

Sonntag, 11. Dezember 2005, 21:49

Emil Grigorjewitsch Gilels

Hallo Taminos,

einer der ganz großem Pianisten des letzten Jahrhunderts wurde hier im Forum noch nicht mit einem eigenen Thread gewürdigt.

Gilels war zweifelslos einer der ganz großen des letzten Jahrhunderts, vielleicht ein wenig im Schatten von S. Richter, den er selber sehr verehrte.

Gilels wurde 19.10.1916 in der Stadt Udessa in der heutigen Ukraine gebohren und began das Klavierspiel mit 6 Jahren. Mit 13 folgte das erste öffentliche Konzert.

Nach dem Abschluß am Konservatorium in Odessa wechselte er zu Heinrich Neuhaus an das Konservatorium in Moskau.

Vor ABM gewann er den Ysaÿe-Muskiwettbewerb!

S. Prokofiev widmete Gilels seine 8. Sonate.

Fantastisch sind seine Beethoven Aufnahmen:



Hier trifft seine grandiose Technik in Verbindung mit Feingefühl und wunderschönen Anschlag ein ideales "Ausdrucksfeld".

Bezaubernd die Aufnahme von Mozartwerken mit seiner Tochter;



Als Einstieg absolut zu empfehlen die beiden Brilliant Boxen:

S. Rachmaninov:
Music must first and foremost be loved, it must come from the heart and it must be directed to the heart.’

Caesar73

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2

Sonntag, 11. Dezember 2005, 21:59

Eine der stärksten Deutungen der h-moll Sonate:



Dabei ist Gilels eben nicht nur der Titan mit der Löwenpranke, sensiblel, feinsinning- poetisch:




Herzliche Grüße,

Christian
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  • »Johannes Roehl« ist männlich

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Registrierungsdatum: 12. August 2005

3

Sonntag, 11. Dezember 2005, 23:03

Ich kenne hauptsächlich die Beethovenaufnahmen sowohl die DG-Studio-Box (die er aufgrund seines recht plötzlichen Todes 1985 nicht mehr beenden konnte, es fehlen 5 Sonaten: op.2,1, op. 14,1 op. 54, op. 78 und op.111) als auch die bei Brilliant erscheinene Live-Aufnahmen. Die Konzerte dort sind mit klanglich etwas zu mies, die live-Sonaten (klanglich o.k.) gefallen mir jedoch meistens besser als die Studioaufnahmen. Zu diesen habe ich ein etwas gespaltenes Verhältnis: sie sind zweifellos sehr differenziert, klar und kraftvoll gespielt, auf ihre Art großartig. Viele, besonders der frühen Werke sind mir jedoch zu langsam, zu "kontrolliert" und teils etwas humorlos dargeboten, auch die oft gerühmten Waldstein und besonders Appassionata (hier ist die live viel besser) entsprechen nicht meinem Geschmack. Einige der Höhepunkte der Studiobox (die live habe ich nicht so präsent) sind m.E.

op. 2, 2 und 3
op. 10,3 (op. 10,1 ist dagegen absurd langsam und unstürmisch, besonders der Kopfsatz)
op. 26
die Eroica-Variationen
op.81a
op.109 & 110

Zu recht ein weiterer Klassiker ist:


(Brahms op. 25)

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
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(Bob Dylan)

Pius

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4

Montag, 12. Dezember 2005, 20:27

Hallo!

Mir persönlich liegt Gilels mehr als Richter. Gilels Beethoven wurde ja schon zu Recht gelobt. Diese Aufnahme höre ich auch sehr gerne (besonders das Konzert Nr. 1):


Stimmt es, daß er bereits totkrank war, als er Beethoven, op. 109&110 eingespielt hat?

Wie auch immer, ein großartiger Künstler!

Viele Grüße,
Pius.

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 506

Registrierungsdatum: 12. August 2005

5

Montag, 12. Dezember 2005, 21:51

Zitat

Original von Pius
Stimmt es, daß er bereits totkrank war, als er Beethoven, op. 109&110 eingespielt hat?


Laut meinem Beiheft zu der Beethoven-Box kam sein Tod ziemlich plötzlich und unerwartet (14.10. 1985), keine Details. Wenn er schon todkrank wußte es offenbar niemand.

viele Grüeß

JR
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Moritz

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  • »Moritz« ist männlich

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6

Montag, 12. Dezember 2005, 23:09

Auch für mich ohne Zweifel einer der grössten Pianisten überhaupt. eine sehr treffende Charakterisierung seines Spiels ist diese:
"Ein Meister der schlichten Selbstverständlichkeit. Da gibt es nichts Gewolltes, gar Manieriertes. Alles wirkt entspannt und unverkrampft, und doch besitzt das Spiel von Gilels einen unvergleichlichen Reichtum an klanglichen Schattierungen, Anschlagsnuancen, emotionalen Einblicken" (BR 4).

Hinzu kommt eine Kraft und Dynamik, die Ihresgleichen sucht. Sehr anrührend ist dieses Zitat aus Artur Rubinsteins Autobiographie:

'Der Direktor stellte mir gleich zu Anfang seinen Vorzugsschüler vor, einen kleinen rothaarigen Knaben, der mir scheu die Hand gab und stracks ans Klavier ging. Schona nach den ersten Takten der >Appassionata< spürte ich, dies war ein begnadetes Talent. Ich forderte den Jungen auf, mehr zu spielen, und er spielte die damals noch wenig bekannten >Jeux d'eau< von Ravel wie ein vollendeter Meister. Ich küßte ihn auf die Wangen und fragte nach seinem Namen: Emil Gilels. Ich notierte ihn mir, weil ich unbedingt Harry Neuhaus von Gilels erzählen wollte, kam in bester Laune ins Hotel und schwärmte Nela (Anm. Rubinsteins Ehefrau) von diesem Jungen vor.
Am Bahnsteig gab es eine bewegende Szene. Der kleine Gilels erschien; in der bitteren Kälte trug er nur einen dünnen Mantel. Er überreichte Nela drei Rosen, die er starr umklammert hielt. Er opferte damit vermutlich ein Mittagessen. Durch die Löcher in seinen Handschuhen lugten zwei Finger hervor.
Harry war dann von meinem Bericht so beeindruckt, daß er Gilels nach Moskau kommen ließ und ihn als Stipendiaten ins Moskauer Konservatorium aufnahm....'

Grüsse, M.
"Das beste, an dein Übel nicht zu denken, ist Beschäftigung."
Ludwig van Beethoven

AcomA

Profi

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7

Dienstag, 13. Dezember 2005, 09:23

hallo,

soweit ich richtig informiert bin, litt emil gilels in seinen letzten jahren an einer ausgeprägten koronaren herzerkrankung. folgerichtig verstarb er akut an einem herzinfarkt. ich habe einen live-mitschnitt aus italien aus 1984 mit scarlatti, schumann (symph. etüden) und debussy (pour le piano). insbesondere bei den etüden bemerkt man eine physische beeinträchtigung. entweder hatte er angina pectoris-anfälle oder sogar schon eine herzinsuffizienz, die ihn kurzatmig machte.

gruß, siamak
Siamak

ThomasBernhard

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Beiträge: 4 310

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8

Dienstag, 13. Dezember 2005, 23:10

Zitat

Original von AcomA
hallo,

soweit ich richtig informiert bin, litt emil gilels in seinen letzten jahren an einer ausgeprägten koronaren herzerkrankung. folgerichtig verstarb er akut an einem herzinfarkt. ich habe einen live-mitschnitt aus italien aus 1984 mit scarlatti, schumann (symph. etüden) und debussy (pour le piano). insbesondere bei den etüden bemerkt man eine physische beeinträchtigung. entweder hatte er angina pectoris-anfälle oder sogar schon eine herzinsuffizienz, die ihn kurzatmig machte.

gruß, siamak


Zur physischen Beeinträchtigung gesellte sich, jedenfalls in einem überlieferten Fall, eine "psychische Beeinträchtigung". Joachim Kaiser :rolleyes: machte den späten Gilels einmal in einer Zeitungskritik kräftig runter und schrieb, daß er schwer nachlasse - diese Kritik war Kaiser dann aber nachträglich unendlich peinlich, weil Gilels Frau im sterben lag und Gilels verständlicherweise keinen guten abend hatte...
Frauen und Kinder zuerst

good night and good luck

thomasbernhards-1[ätttttt]yahoo[punkt]de

Caesar73

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9

Dienstag, 31. Januar 2006, 14:04

Liebe Forianer,

in der neuen Nummer einer Gazette namens "Klavier-Nachrichten" war ein Beitrag von Valeri Affanassiev über Emil Gilels zu lesen. Affanassiev versuchte dabei dem Geheimnis von Gilels Ton auf den Grund zu gehen. Sehr poetisch- und sehr lesenswert.

Herzliche Grüße,

Christian
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tom

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Beiträge: 687

Registrierungsdatum: 17. November 2005

10

Dienstag, 31. Januar 2006, 14:38

Hallo,

ja dann erzähl mal :)

Gruß

tom

Caesar73

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Beiträge: 4 372

Registrierungsdatum: 22. März 2005

11

Dienstag, 31. Januar 2006, 15:11

Zitat

Original von tom
Hallo,

ja dann erzähl mal :)

Gruß

tom


Lieber Tom,

dann werde ich es mal versuchen, übernehme aber keine Garantie für den Erfolg, Nacherzählungen haben so ihre Tücken- ich wähle stattdeswegen einige Zitate aus, als Appetitanreger gewissermaßen:

"[...] Einmal fragte ich Emil Grigorievich, wie man Triller spiele. Er sagte man solle sie langsam spielen: Selbst in Trillern sollte man die Stille hören können. [...]"

"Stille" ist der Schlüsselbegriff in Affanassievs Text. Affanassiev stellt vielfältige Bezüge zwischen Gilels Art zu spielen und der Bedeutung die der "Stille" dabei zukommt:

"[...] Wie niemand anderes wusste Emil Grigorevich Stille zu gestalten und zu handhaben [...]"

zu der stupenden Virtuosität von Gilels schreibt Affanassiev:

"[..] Einige behaupten, dass Gilels vor allem ein Virtuose war. Er war ein Virtuose in der höchsten und nobelsten Bedeutung dieses Wortes, anders mit allem Respekt - in jedem Aspekt, den es gibt - als die zeitgenössischen Pianisten, die nur schnell spielen und keine Ahnung davon haben wie das Instrument klingen sollte und wie man das Pedal benutzt. [...]"

Besonders berührt hat mich der Schluss des Textes, Affanassiev gibt hier eine Anekdote über Gilels wieder, die ihm sein Schwiegersohn überlieferte. Diesen wies Gilels mehrfach im Jahr an

"[...] Blumen auf die Grabsteine der auf dem Novodevichye-Friedhof in Moskau begrabenen Komponisten zu legen. Ich kenne Menschen, die in eine Stadt kommen, die sie niemals zuvor besucht haben, die erst einmal auf den nächst gelegenen Friedhof eilen: Sie sind Grabstein-Sammler. Aber diejenigen, die Friedhöfe hören können, ihre Stille und Musik, sind unter diesen die seltenen. [...]"


Soweit Affanassiev.

Herzliche Grüße,:hello::hello:

Christian
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heldenbariton

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Beiträge: 795

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12

Samstag, 6. Mai 2006, 17:28

Ich habe ihn 1976 unter Eugen Jochum mit Mozarts KV 595 gehört.
Man kann es nicht beschreiben, es war eine Sternstunde.

Gruss Guido
Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten
GB

Antracis

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Beiträge: 1 471

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13

Donnerstag, 25. Mai 2006, 11:57

Ich gestehe gerne, dass mich Gilels im großen und Ganzen immer mehr fasziniert hat, als Richter. Damit ist auch schon das Dilemma des ständigen Vergleichs der beiden größten Neuhaus-Schüler dargestellt, der einem in der einschlägigen Literatur ständig aufgedrängt wird und angesichts des Überpianisten Richter schneidet dabei Gilels meist schlechter ab. Mit seinem freiwilligem Zurücktreten hinter Richter gab er den entsprechenden "Fachleuten" ja sogar ein Zitat an die Hand, das jene als ultimative Bestätigung immer wieder zücken können.

Die "gesunde" Virtuosität, von der sein Lehrer sprach, fasziniert mich. Sie wirkt auf mich nie manieriert, immer ist es fein austariert zwischen entfesselt und allzu zahm. Eine Seltenheit bei Künstlern mit solchen pianistischen Fähigkeiten. Darüber hinaus dann der grandiose Ton. Sicher würde ich trotz aller Überzeugung im Blindtest hoffnungslos versagen, aber dennoch empfand ich den Ton von Gilels immer als charakteristischer, als den anderer großartiger Künstler.

Die Vielseitigkeit, die uns sowohl fantastische list´sche h-moll-Sonaten, wie auch gleichzeitig großartige Aufnahmen der Beethovensonaten, Mozartwerk und den großen virtuosen Klavierkonzerten beschert hat, tut ihr übriges.

Gruß
Sascha

a.b.

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14

Montag, 8. Oktober 2007, 11:43

Gilels Beethoven bei der DGG

Wer kann mir sagen, ob die Neuausgabe der (Fast-)Gesamtaufnahme der Beethovenschen Klaviersonaten von Emil Gilels bei der DGG neu überarbeitet worden sind? Oder handelt es sich dabei um denselben Transfer wie bei der alten 9-CD-Box?

Danke!

neu:

alt:
Gruß ab

---
Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
J. Locke

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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15

Montag, 8. Oktober 2007, 12:23

RE: Gilels Beethoven bei der DGG

Zitat

Original von a.b.
Wer kann mir sagen, ob die Neuausgabe der (Fast-)Gesamtaufnahme der Beethovenschen Klaviersonaten von Emil Gilels bei der DGG neu überarbeitet worden sind? Oder handelt es sich dabei um denselben Transfer wie bei der alten 9-CD-Box?

neu:

alt:


Ich kann es zwar nicht mit Sicherheit sagen, vermute aber sehr stark, dass da nichts mehr gemacht wurde. Die ältere Box war angeblich gegenüber den Einzel-CDs remastered worden.
Die Aufnahmen haben einige der Charakteristika früher Digitalaufnahmen (bis auf die Handvoll analoger) und klingen etwas aggressiv. Aber zum einen nicht soo schlecht, zum anderen glaube ich kaum, dass man da wirklich was verbessern kann, ohne zu verschlimmbessern.

Es fehlen op.2,1; op.14,1; op. 54, 78 und 111. Dafür gibts die Eroica-Variationen und 2 der "Kurfürstensonaten"

:hello:

JR
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a.b.

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16

Montag, 8. Oktober 2007, 13:33

RE: Gilels Beethoven bei der DGG

Zitat

Original von Johannes Roehl
zum anderen glaube ich kaum, dass man da wirklich was verbessern kann, ohne zu verschlimmbessern.


In der Regel ist das so! (Es gibt zwar inzwischen vorzügliche Algorithmen, die tatsächlich selbst aus den Charakteristika des frühen DDD-Zeitalters noch Wärme, Fülle und Räumlichkeit zaubern können, ohne die Dynamik zu reduzieren, wie es sonst jegliche Musikalität kastrierend üblich geworden ist; aber diese Programme sind unverschämt teuer und kommen daher bloß selten zum Einsatz). Bei der DGG bin ich von der Serie der Original-Masters-Boxen ein gebranntes Kind. Einzelne Scheiben kann man sich da kaum länger als wenige Minuten anhören, so abgetötet wurde die Musikalität...
:boese2:

Genau deshalb frage ich auch nach. Denn noch gibt es beide Boxen am Markt!
Gruß ab

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J. Locke

  • »pt_concours« ist männlich

Beiträge: 438

Registrierungsdatum: 11. März 2008

17

Montag, 24. März 2008, 21:23

Zitat

Original von Johannes Roehl

Laut meinem Beiheft zu der Beethoven-Box kam sein Tod ziemlich plötzlich und unerwartet (14.10. 1985), keine Details. Wenn er schon todkrank wußte es offenbar niemand.

viele Grüeß

JR


Dazu erzählt S.Richter:
"... Die Umstände seines Todes waren jedoch schrecklich. Vor einer Tournee war er zu einer Kontrolluntersuchung ins Krankenhaus gegangen. Man gab ihm eine Spritze, und drei Minuten später war er tot. Das war in der Kreml-Klinik. Man sagt, dass die Ärtze dort nach politischen Profil ausgesucht werden. So kam es , dass sie aus Unfähigkeit sich in der Spritze geirrt und ihn getötet haben."

:angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry: :angry:
Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
Keine Gefahr der Langeweile, im Gegensatz zu dem, was viele glauben, sondern vielmehr Seelenfrieden.
Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)

18

Montag, 24. März 2008, 21:38

Zitat

Original von pt_concours

Zitat

Original von Johannes Roehl

Laut meinem Beiheft zu der Beethoven-Box kam sein Tod ziemlich plötzlich und unerwartet (14.10. 1985), keine Details. Wenn er schon todkrank wußte es offenbar niemand.

viele Grüeß

JR


Dazu erzählt S.Richter:
"... Die Umstände seines Todes waren jedoch schrecklich. Vor einer Tournee war er zu einer Kontrolluntersuchung ins Krankenhaus gegangen. Man gab ihm eine Spritze, und drei Minuten später war er tot. Das war in der Kreml-Klinik. Man sagt, dass die Ärtze dort nach politischen Profil ausgesucht werden. So kam es , dass sie aus Unfähigkeit sich in der Spritze geirrt und ihn getötet haben."

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8o Das war mir total unbekannt. Wo kann man das nachlesen?

georgius1988

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  • »georgius1988« ist männlich

Beiträge: 1 011

Registrierungsdatum: 25. April 2006

19

Montag, 24. März 2008, 21:49

Gilels kenne ich nur von der abgebildeten Beethovenbox und den Klavierkonzerten mit Jochum. Während ich seinen Brahms hoch schätze, habe ich bei Beethoven ein eher gespaltenes Verhältnis. Während mir viele der späten Sonaten und die Eroicavariationen sehr lieb sind, sind mir die meisten frühen Sonaten zu verhalten gespielt. Es fehlt mir einfach der Zug, die Vorwärtsbewegung, die ich in den Aufnahmen von Gulda so schätze.

LG
Georg
Früher rasierte man sich wenn man Beethoven hören wollte. Heute hört man Beethoven wenn man sich rasiert. (Peter Bamm)

20

Montag, 11. April 2011, 21:28

Ich gestehe gerne, dass mich Gilels im großen und Ganzen immer mehr fasziniert hat, als Richter. Damit ist auch schon das Dilemma des ständigen Vergleichs der beiden größten Neuhaus-Schüler dargestellt, der einem in der einschlägigen Literatur ständig aufgedrängt wird und angesichts des Überpianisten Richter schneidet dabei Gilels meist schlechter ab. Mit seinem freiwilligem Zurücktreten hinter Richter gab er den entsprechenden "Fachleuten" ja sogar ein Zitat an die Hand, das jene als ultimative Bestätigung immer wieder zücken können.

Dass es unter Musikliebhabern Vergleiche zwischen Gilels und Richter gibt, liegt in der Natur der Sache: beide waren fast gleich alt (Jahrgang 1915 bzw. 1916), beide waren Ukrainer, beide verbrachten Kindheit und Jugend in derselben Stadt (Odessa), beide gingen zum Studium nach Moskau und saßen dort auch noch in derselben Meisterklasse (bei Heinrich Neuhaus). Beide entwickelten sich zu absoluten Wunderpianisten. Beide durften ab 1955 (Gilels) bzw. 1960 (Richter) in den Westen, insbesondere in die Vereinigten Staaten reisen und beide feierten dort ebenfalls (wie zuvor in Osteuropa) riesige Erfolge. Also ist die Frage "Findest Du Richter oder Gilels besser?" bzw. "Was findest Du von Richter und was von Gilels besser?" völlig legitim. Sie haben aber beide Platz nebeneinander, zumal sie sich repertoiremäßig oftmals auch gar nicht allzu sehr in die Quere kamen. Zum Beispiel spielte von den vier Rachmaninow-Klavierkonzerten Richter ausschließlich die Nr. 1 und 2 und Gilels ausschließlich die Nr. 3 und 4. Von den Französischen Suiten von Bach spielte Richter nur die Nr. 2, 4 und 6, während Gilels nur die Nr. 5 spielte. Richter "überließ" Gilels die Beethoven-Klavierkonzerte Nr. 2, 4 und 5 (die er zeit seines Lebens nicht anrührte), während sich Gilels wiederum nicht für das "Wohltemperierte Klavier", die Englischen Suiten oder die Klavierkonzerte von Bach interessierte und diese Werke Richters "Revier" werden ließ. Richter liebte Haydns Klaviersonaten (meiner Erinnerung nach führte er 17 dieser Sonaten auf), während Gilels nur eine einzige (Nr. 20 c-moll) spielte. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Schuberts Klaviersonaten (ein echter Repertoireschwerpunkt bei Richter, wohingegen Gilels nur die beiden Sonaten DV 784 und DV 850) spielte. Demgegenüber rührte Richter nun wiederum - ganz im Gegensatz zu Gilels - das Klavierkonzert Nr. 1 von Brahms oder das Klavierkonzert Nr. 2 von Tschaikowsky nicht an. Solche Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen.

Ich bin zwar durch und durch Richter-Fan. Das schließt es aber keineswegs aus, dass ich auch ein großer Gilels-Fan bin.

William B.A.

Erleuchteter

  • »William B.A.« ist männlich

Beiträge: 17 621

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

21

Montag, 11. April 2011, 23:37

Emil Grigorjewitsch Gilels

Dem ist nichts hinzuzufügen, außer dass es mir genau so geht, lieber Swjatoslaw.

Liebe Grüße

Willi :rolleyes:
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Christian B.

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Beiträge: 775

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22

Mittwoch, 26. Oktober 2011, 22:09

Liebe Forianer,

kennt jemand diese Gilels-Live-Aufnahme von Beethovens Appassionata?



Es gibt ja die 51er Einspielung aus Florenz:



sowie eine von 1961 aus Moskau, die in der Brilliant-Box enthalten ist:



Und natürlich die DG-Einspielung.
Oben genannten Archipel-Aufnahme, auf der auch das Brahms 2. Konzert mit Reiner enthalten ist, kann ich jedoch nicht zuordnen. Kann mir hier jemand helfen, der die Aufnahmedaten hat?

Viele Grüße,
Christian

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 506

Registrierungsdatum: 12. August 2005

23

Mittwoch, 26. Oktober 2011, 22:17

Archipel ist doch eher so ein Freibeuter, oder?
Das Brahms-Konzert muss doch wohl die normale RCA-Studioaufnahme (Chicago 1958, daher nicht mehr geschützt, wenn von alter LP überspielt) sein. Oder gibt es das live in der gleichen Besetzung? Ich habe keine Ahnung, wieviele Appassionata-Aufnahmen (evtl. live) aus den 1950ern oder 60ern mit Gilels kursieren. Glaube eher nicht, dass es eine ist, die nicht schon mal auf CD vorlag.
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(Bob Dylan)

farinelli

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  • »farinelli« ist männlich

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24

Mittwoch, 26. Oktober 2011, 22:33

Falls ichs hier nicht übersehen habe - Gilels´ zuerst auf dem Pre-Melodya-Label ("Torch") erschienene Einspielung des 1. KvK von Chopin e-Moll, live aus Moskau (nicht zu verwechseln mit der CBS-Studio-Einspielung) ist betörend. War als Ariola ("Duplo-sound") epidemisch auf Vinyl, ist aber tatsächlich eine Sternstunde. Ich glaube, 1962.

:hello:
Zerging in Dunst das heilge römsche Reich

- uns bliebe gleich die heilge deutsche Kunst!

s.bummer

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25

Mittwoch, 26. Oktober 2011, 22:52

Was bisher übersehen wurde!

Emil und sein Schwager Leonid haben ne Superaufnahme von Beethovens Kreutzersonate abgeliefert.
Das muss - sollte man gehört haben.

Gruß S.
Johannes Richter: Neue Ideen setzen sich nur durch, weil die Anhänger der alten aussterben

a.b.

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Beiträge: 881

Registrierungsdatum: 19. August 2006

26

Mittwoch, 26. Oktober 2011, 23:24

Zitat

Original von Pius
Stimmt es, daß er bereits totkrank war, als er Beethoven, op. 109&110 eingespielt hat?


Laut meinem Beiheft zu der Beethoven-Box kam sein Tod ziemlich plötzlich und unerwartet (14.10. 1985), keine Details. Wenn er schon todkrank wußte es offenbar niemand.

viele Grüeß

JR

Sviatoslav Richter mutmaßt, was aus dem Text oben nicht hervorgeht, dass er ein Opfer des KGB gewesen sei, so diesem Buch zu entnehmen: Sviatoslav Richter: Notebooks and Conversations von Bruno Monsaingeon
Gruß ab

---
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J. Locke

s.bummer

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27

Donnerstag, 27. Oktober 2011, 17:51

Ich meine, dass Richter hier irrt.

Gilels war herzkrank und hatte mindestens einen Herzinfarkt hinter sich.
Außerdem hat er jahrelang geraucht und ziemlich viel "gepichelt."
Es kann gut sein, dass ein inkompetenter Arzt nichts von den Begleitumständen der Gesundheit wußte.
Aber der KGB? Was hätte der für ein Motiv gehabt, eine Cashcow der UDSSR aus dem Weg zu räumen?
Gruß S.
Johannes Richter: Neue Ideen setzen sich nur durch, weil die Anhänger der alten aussterben

Dr. Holger Kaletha

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28

Freitag, 22. Februar 2013, 08:46

In Richters Biographie steht, daß Gilels wegen eines tragischen Kunstfehlers der Ärzte des Kreml-Krankenhauses starb. Vom KGB ist da nichts zu lesen. Bei einer Routine-Untersuchung hätten sie ihm die falsche Spritze gegeben. Die Geschichte muß wohl in der damaligen Sowjetunion kursiert sein, sonst würde Richter das nicht aufschreiben. Er hatte ja keinen persönlichen Kontakt zu Gilels wegen des komplizierten Verhältnisses von Gilels zu Heinrich Neuhaus. (Ich müßte das nochmals nachlesen.)

Eigentlich wollte ich die günstige Box "Emil Gilels plays Russian Music" mit ihren Schätzen empfehlen, aber die ist offenbar schon wieder vergriffen! :S

Beste Grüße
Holger

Dr. Holger Kaletha

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Freitag, 22. Februar 2013, 10:55

Gilels Tod und seine Ursache (Svjatoslav Richter)

"Die Umstände seines Todes waren jedoch schrecklich. Vor einer Tournee war er zu einer Kontrolluntersuchung ins Krankenhaus gegangen. Man gab ihm eine Spritze, und drei Minuten später war er tot. Das war in der Kreml-Klinik. Man sagt, dass die Ärzte dort nach ihrem politischen Profil ausgesucht werden. So kam es, dass sie aus Unfähigkeit sich in der Spritze geirrt und ihn getötet haben." (Svjatoslav Richter. Mein Leben, meine Musik. Bruno Mosaingeon, Düsseldorf 1998, S. 65.)

Bei Richter gibt es also keine Verschwörungstheorie, er macht unfähige Ärzte verantwortlich in einem korrupten Regime.

Beste Grüße
Holger

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Freitag, 22. Februar 2013, 11:00

Emil Gilels Foundation

Seit 2012 gibt es die Emil-Gilels Foundation. Über ihre Aktivitäten kann man sich auf ihrer Web-Seite informieren. Es gibt dort u.a. eine ausführliche Biographie und sehr viele private Photos und Dokumente. Das lohnt sich anzuschauen! Über die genauen Umstände seines Todes erfährt man dort aber nichts.

http://www.emilgilelsfoundation.de/

Beste Grüße
Holger