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Ulli

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1

Donnerstag, 8. Dezember 2005, 15:36

Mozart, Wolfgang Amadé: Die Streichquartette

Das Streichquartett hat sich im 18. Jahrhundert schnell als das Optimum kammermusikalischer Formation etabliert. Joseph Haydn und Luigi Boccherini sind an der „Entstehungsgeschichte“ und Entwicklung des Streichquartetts zur Kunstform nicht ganz unschuldig.

Die Formation Streichquartett zieht sich nahezu wie ein roter Faden durch Mozarts musikalisches Œuvre: Sein erstes Quartett für 2 Violinen, Viola und Violoncello komponierte Mozart 14jährig abends in einem Wirtshaus in Lodi. Die ursprüngliche dreisätzige Gestalt des Werkes [Adagio-Allegro-Menuetto] wurde später [1774] durch das Rondeau ergänzt. Bemerkenswert ist die künstlerische Pause zwischen 1773 und 1782, knapp 10 Jahre also, in dem Mozart diesem Genre offenbar nichts hinzufügen wollte.

Die frühen Streichquartette gliedern sich wie folgt:

Quartett G-Dur KV 80 [73f], es folgen die drei Quartett-Divertimenti, auch „Salzburger Sinfonien“ genannt D-Dur KV 136 [125a], B-Dur KV 137 [125b] und F-Dur KV 138 [125c]. Die Zuordnung dieser Trilogie zu Streichquartetten oder Divertimenti wurde in diesem Thread bereits diskutiert:

Mozart's "Salzburger Sinfonien"

Offenbar fast ebenso unschlüssig war Mozart zunächst bei der Komposition der beiden Quartette D-Dur KV 155 [134a] und G-Dur KV 156 [134b]. In erstgenanntem notiert Mozart zunächst noch „Viole“ [also Plural], ändert dies dann aber bestimmend in „Viola“ ab und nummeriert die beiden Werke mit „Quartetto I.“ und „Quartetto II.“, womit eine eindeutige Intention von Mozart, so sie auch nachträglich ist, erkennbar ist.

Diese „Serie“ erweitert Mozart 1773 um das bekannte Quartett C-Dur KV 157 als „Quartetto III°“ und das Quartett F-Dur KV 158, „Quartetto IV“. Es ist nicht ganz sicher, wo und wann Mozart diese Streichquartette komponierte, aber Leopold Mozart berichtet in einem seiner liebevollen und ausführlichen Berichte nach Hause am 28. Oktober 1772 aus Bozen, dass der Herr Sohn für die lange Weile ein Quatro komponiere [KV 155 bzw. 134a]. Die übrigen drei Quartette sollen angeblich in Mailand, jedenfalls auf der Reise, entstanden sein. Anfang Januar 1773 entsteht zwischendurch die Motette „Exsultate, Jubilate“ in Mailand für den Castraten Rauzzini. Aber danach geht es gleich weiter mit dem „Quartetto V“ in B-Dur KV 159 sowie dem „Quartetto VI“ in Es-Dur KV 160 [159a], dessen letzter Satz [Presto] mehr sinfonisch als kammermusikalisch, in jedem Falle aber italienisch klingt.

Nach ein paar Messen, Sinfonien, Divertimenti und Serenaden folgt im Wiener Sommer 1773 eine weitere Serie von sechs Streichquartetten: Zunächst das Quartett F-Dur KV 168, gefolgt vom Quartett A-Dur KV 169 und C-Dur KV 170. Der Spätsommer bringt dann die Quartette Es-Dur KV 171 - dessen Andante bezeichnender Weise nicht nur dem Mittelsatz der Sinfonia Conertante KV 264 sondern auch dem Mittelsatz des Jeune-homme-Konzertes KV 271 vorgreift – ein Quartett in B-Dur KV 172, sowie zum Abschluß der Reihe ein Quartett in d-moll KV 173. Mozart endigt diese Serie mit einer grandiosen vierstimmigen d-moll-Fuge.

Und nun legt Mozart die oben erwähnte große Pause ein: In den Jahren 1773 [Ende] bis 1782 entstehen zunächst noch das Streichquintett B-Dur KV 174, sein erstes Klavierkonzert D-Dur KV 175, die beliebte A-Dur-Sinfonie KV 201 [186a], die Litaniae Lauretanae KV 195 [186d], die Concertone für 2 Soloviolinen C-Dur KV 190 [186E], das Fagottkonzert KV 191 [186e], Messen, Serenaden, Klaviersonaten, die Sonate für Violoncello und Fagott B-Dur KV 292 [196c], La finta Giardiniera, Il Ré Pastore, alle fünf Violinkonzerte, weitere Klavierkonzerte, darunter das Konzert für zwei [KV 365/316a] drei [KV 242 ] Klaviere, Divertimenti für Bläser, die Haffner- und Posthornserenade, das „Nannerl-Septett“ KV 251, erste Klaviertrios, Arien, Tänze, Märsche, die Flötenquartette und -konzerte, das Jeunehomme-Konzert KV 271, Violinsonaten, das Konzert für Flöte und Harfe KV 299 [297c], die „Pariser“ Sinfonie KV 297 [300a], die „Krönungsmesse“ KV 317, die Concertante für Violine und Viola KV 364 [320d], das Singspiel Zaïde KV 344 [336b], Lieder, Idomeneo KV 366, das Oboenquartett F-Dur KV 370 [368b], Die Entführung aus dem Serail KV 384 die Bläser-Serenaden KV 375 und KV 388 [384a], die „Haffner“-Sinfonie, Studien zu Hornkonzerten, das Hornquintett Es-Dur KV 407 [386c] und erst jetzt, nach all der Flut von Werken vollendet Mozart am 31.12.1782 das erste Streichquartett, welches er später Joseph Haydn widmen wird:

Streichquartett G-Dur KV 387. Diese mühevolle Arbeit von sechs Streichquartetten fordert Mozart sehr, es besteht kein Vergleich zu den frühen kindlichen Werken, an die sich nun vollendeter Mozart reiht. Erster Höhepunkt dieser sechs Joseph Haydn gewidmeten Streichquartette ist das Quartett d-moll KV 421 [417b], komponiert Mitte Juni 1783 in Wien. Vorher oder nachher bemüht sich Mozart, an einem Quartett in e-moll [KV 417d], das leider nach 54 Takten des ersten Satzes liegen bleibt. Einen Monat später ist schon das dritte Quartett in Es-Dur KV 428 [421b], eines der weniger bekannten, fertig gestellt. Der Kopfsatz erinnert ganz wenig an die Motivik im Kopfsatz von KV 171, ebenfalls Es-Dur. Besonders himmlisch ist hier der zweite Satz, ein Andante con moto in As-Dur.

Eines der ersten Werke, das Mozart in sein neu angelegtes „Verzeichnüß aller meiner Werke“, begonnen im Februar 1784, einträgt ist das unter dem Namen „Jagd-Quartett“ bekannte Streichquartett B-Dur KV 458. In der Tat lässt der erste Satz an eine Jagd mit Hunden und Hörnern denken. Nun geht es aber Schlag auf schlag: Das A-Dur-Quartett KV 464 wird am 10. Januar 1785 vollendet und das wohl neben dem Jagd-Quartett berühmteste „Dissonanzen-Quartett“ C-Dur KV 465 bereits vier Tage später. Besonders wertvoll ist das Finale des Quartettes in A-Dur, das durch Chromatik und Lieblichkeit besticht.

Gleich am 14. Februar werden die drei „neuen“ Quartette KV 458, 464 und 465 im privaten Kreise Mozarts unter Zugegensein seines Vaters gespielt. Joseph Haydn ist begeistert:

Ich sage Ihnen vor Gott, als ein Ehrlicher Mann, Ihr Sohn ist der größte Componist, den ich von Person und dem Namen nach kenne; er hat Geschmack und überdies die größte Compo¬sitionswissenschaft.

Leopold Mozart überliefert uns diese Aussage dankenswerter Weise in einem Bericht über den Quartettabend an seine Tochter. Mozart selbst muss sich so über Haydns Kompliment gefreut haben, dass er nicht weniger die Trommel wirbelt und seine insgesamt sechs neuen Quartette mit folgendem – im Original in Italienisch verfasstem - Text als Widmung versieht und diese Werke bei Artaria & Co. drucken lässt:

An meinen teuren Freund Haydn.

Ein Vater, der sich entschlossen hat, seine Söhne in die große, weite Welt hinauszuschicken, hielt es für seine Pflicht, sie dem Schutz und der Leitung eines zu dieser Zeit sehr gefeierten Mannes anzuvertrauen, der zudem noch sein bester Freund war.

In der gleichen Weise sende ich Ihnen meine sechs Söhne, vielgefeierter und sehr teurer Freund. Sie sind wirklich die Frucht langen, harten Studiums; aber die Hoffnung, die viele meiner Freunde mir gaben, dass diese Mühe in irgendeiner Weise belohnt werden wird, ermutigt mich und legt mir den Gedanken nahe, dass diese Kinder sich eines Tages als eine Quelle des Trostes für mich erweisen werden.

Während Ihres letzten Aufenthalts in dieser Hauptstadt drückten Sie, mein sehr teurer Freund, selbst Ihr Wohlgefallen an diesen Kompositionen aus. Ihre gute Meinung ermutigt mich, Sie Ihnen darzubieten und leitet mich in der Hoffnung, dass Sie sie Ihrer Gunst nicht ganz unwürdig erachten werden. Nehmen Sie sie also freundlich auf und seien Sie ihnen ein Vater, Führer und Freund! Von diesem Augenblick an trete ich alle meine Rechte daran an Sie ab. Ich bitte Sie aber, mit jenen Fehlern, die dem parteiischen Blick des Vaters entgangen sein mögen, Geduld zu haben und, ihnen zum Trotz, Ihre großzügige Freundschaft mit jenem fortzusetzen, der Sie so hoch schätzt. In der Zwischenzeit bin ich von ganzem Herzen, teuerster Freund, Ihr aufrichtigster Freund

W.A. Mozart. / Wien, den 1. September 1785


Ganz einsam steht das Quartett D-Dur KV 499, komponiert in Wien im August 1786 da. Eine alte Legende will wissen, dass das Werk, gleich dem Requiem, ein Auftragswerk für den Grafen Walsegg auf Stuppach war. Dem widerspricht aber, dass Mozart das Werk bereits im September 1786 hat veröffentlichen lassen. Der erste Satz dieses Quartetts liegt mir auch wieder einmal besonders am Herzen.

1789 reist Mozart nach Preußen. Er weiß, dass der Preußische König ein recht guter Cellist ist und denkt während der Arbeite an den daher so genannten „Preußischen Quartetten“ an eine lukrative Entlohnung für seine geplanten Werke. Das erste der sechs geplanten Werke ist das Streichquartett D-Dur KV 575, in dem bereits das Violoncello solistisch hervortritt, besonders rührend zu Beginn des vierten Satzes. Im Mai 1790 vollendet Mozart das zweite Preußische Quartett, diesmal B-Dur [KV 589] und als absolut krönenden Abschluß des Genre Streichquartett aus dem Hause Mozart vollendet er im Juni 1790 das letzte Streichquartett F-Dur KV 590. Ein faszinierendes Werk, das sicherlich mehr noch als das Dissonanzen-Quartett für Aufregung gesorgt haben mag: Meint Mozart das Menuett wirklich ernst? Es ist ein Menuett zum Verrücktwerden, ich kann mich nicht an Mozarts Herumreiten auf dissonierenden Tönen satthören. Dem steht die Durchführung des vierten Satzes um nichts nach: Ein Mozartliebhaber [nicht aber Kenner!] würde niemals glauben können, dass diese „moderne“ Musik von Wolfgang Amadé Mozart stammt…

Meine uneingeschränkte Empfehlung für die späten Quartette:



QUATUOR FESTETICS

KV 499, 575, 589 und 590

István Kertész, Violine [école milanaise, 18. JH]
Erika Petöfi, Violine [Matthias Thier, Vienne 1770]
Péter Ligeti, Viola [Matthias Albanus, Bolzano 1651]
Reszö Pertorini, Violoncello [anonyme francaise, 17. JH]


Es ist, als würden Joseph Haydn, Dittersdorf, Mozart und der König von Preußen spielen...

[@Cara Caro: naja, jetzt ging's doch etwas schneller, als ich dachte]

Vor diesen Werken tief den Hut ziehend
und mit freundlicher Empfehlung

:hello:

Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
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Carola

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Donnerstag, 8. Dezember 2005, 17:42

Meine Güte, das ging jetzt aber schnell. Morgens gewünscht, abends Wunsch erfüllt! Vielen Dank!

Den Streichquartetten als Gattung habe ich bisher immer eher reserviert gegenüber gestanden. Ohne jemals genauer hingehört zu haben, hatte ich pauschal den Eindruck "langweilig", schon wegen des homogenen Klangs (kein Klavier dabei). Aber dank der Mozart Quartette bekomme ich nun offenbar endlich den berühmten "Zugang" zu dieser Art des Musizierens. Überhaupt wird mir die Kammermusik immer wichtiger. Ich darf gar nicht dran denken, was ich alles noch nicht kenne. Aber jetzt erst mal die Mozart Streichquartette - schön eins nach dem anderen.

Carola :hello:
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CRC

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3

Donnerstag, 8. Dezember 2005, 18:02

Hallo Carola!

Ulli hat ja oben KV 499 besonders erwähnt. Ich kann das sehr gut verstehen. Es war neben dem Dissonanzenquartett das erste Streichquartett von Mozart, das ich kennengelernt habe.

Ich weiß noch genau, dass mein "Zugang" zu diesem Werk einen wahrhaftigen "Kristallisationspunkt" hatte, an den sich das weitere Verständnis dieser herrlichen Musik angelagert hat:
Ich meine dieses eingängige, abwärts springende, punktierte Motiv am Ende der Exposition.
Man muss es nur einmal hören, und schon geht eine Tür auf in eine wunderschöne Welt. :jubel: :jubel:
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Donnerstag, 8. Dezember 2005, 18:15

Ohne die Preussischen und schon gar nicht KV 499 (nach dem Verleger auch "Hoffmeister" genannt) damit herabsetzen zu wollen, halte ich die 6 Haydn gewidmeten Quartette für den besten Einstieg. Die frühen Werke sind m.E. eher für den Mozart-Spezialisten interessant, in jedem Fall kann der Anfänger sie erstmal zurückstellen. (Sehr viel wichtiger wären zuerst die Quintette, zu denen gibts ja schon einen thread, sowie natürlich zahllose Werke anderer Komponisten, dafür gibt es Radagasts Rätsel)
Der vielleicht immer noch beste Deal für die 10 berühmten (6 "Haydn" + KV 499 + 3 "Preussische" sind die Aufnahmen des ABQ aus den 70ern. Ich möchte aber auf jeden Fall auf eine m.E herausragend expressive und kontrastreiche Einspielung der "Haydn-Quartette" hinweisen, nämlich die des Hagen-Quartetts, zumal sie zur Zeit bei 2001 zu deutlich reduziertem Preis zu haben ist:



diesselben ABQ-Aufnahmen gibt es auch auf zwei "elatus"-Doppel-CDs verteilt; die etwas neueren EMI-Eispielungen desselben Ensembles kenne ich nicht.

viele Grüße

JR
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Ulli

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Donnerstag, 8. Dezember 2005, 18:26

Salut CRC,

Du meinst demnach die Stelle, in der Mozart die Tonika- und Dominantfunktion einfach vertauscht und das Cello die zuvor von der Violine gehabte Figur [punktierte 8tel + 16tel] gespiegelt imitiert - das sind solche Momente im Leben, in denen ich nicht mehr weiß, wie ich heiße...

Bien cordialement
Ulli
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CRC

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6

Donnerstag, 8. Dezember 2005, 18:52

Gegen dich bin ich als dilettierender Laie natürlich hoffnungslos im Nachteil, was die Beschreibung solcher Stellen betrifft.
Ich könnte jetzt die Noten scannen, passend zuschneiden, auf irgendeinem Server parken und dann hier reinstellen.....

In der Tat meine ich eben jene Stelle.
(Beginnt 16 Takte vor dem Wiederholungsstrich)

Schade eigentlich, dass es so schwierig ist, in einem Forum über klassische Musik geschriebene Noten abzubilden!
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Ulli

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7

Donnerstag, 8. Dezember 2005, 19:08

Salut,

es ist diese Stelle [sie beginnt mit dem dritten sichtbaren Takt im Ausschnitt]:



...frisch Verliebtsein ist ein Dreck dagegen...

:hello:

Ulli
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CRC

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8

Donnerstag, 8. Dezember 2005, 19:09

:yes: :jubel:
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Ulli

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9

Donnerstag, 8. Dezember 2005, 19:16

...und eben diese Stelle kann in meinen Ohren bis jetzt niemand besser spielen als das Quatuor festetics...

:beatnik:

Ulli
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Theophilus

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10

Donnerstag, 8. Dezember 2005, 19:34

Dumm ist nur, dass man es nicht mehr kaufen kann...

Ciao

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Carola

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11

Donnerstag, 8. Dezember 2005, 19:51

Habt ihr eigentlich auch manchmal das Gefühl, dass wir hier alle miteinander ein ganz klein wenig durchgeknallt sind? Über eine bestimmte Stelle in einem Streichquartett regelrecht in Verzückung zu geraten IST verrückt, oder? Ich nehme mich da gar nicht aus. Aber ein bisschen seltsam ist es schon ... Nun ja, es gibt sicher schlimmeres. Wenigstens sind wir harmlos. :D

Carola 8)
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Theophilus

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12

Donnerstag, 8. Dezember 2005, 19:52

Was heißt da ein ganz klein wenig ? :)

(Aber wieviele Menschen geraten ihr ganzes Leben lang nie in Verzückung...)

Ciao

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Ulli

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13

Donnerstag, 8. Dezember 2005, 20:35

Zitat

Original von Theophilus
Dumm ist nur, dass man es nicht mehr kaufen kann...


dann schau mal hier, vielleicht findest Du, was Du suchst.

:hello:

Der verzückt-verrückte
Ulli
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14

Donnerstag, 8. Dezember 2005, 20:36

Zitat

Original von Carola
Habt ihr eigentlich auch manchmal das Gefühl, dass wir hier alle miteinander ein ganz klein wenig durchgeknallt sind? Über eine bestimmte Stelle in einem Streichquartett regelrecht in Verzückung zu geraten IST verrückt, oder? Ich nehme mich da gar nicht aus. Aber ein bisschen seltsam ist es schon ... Nun ja, es gibt sicher schlimmeres. Wenigstens sind wir harmlos. :D

Carola 8)


Och, das ist noch harmlos... ich könnte etliche Stellen auflisten, wo nur eine einzige Note mich in den verzückten Wahnsinn treibt...

:wacky:

Ulli
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Theophilus

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15

Donnerstag, 8. Dezember 2005, 20:59

Danke!

:hello:

Ciao

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CRC

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16

Donnerstag, 8. Dezember 2005, 21:10

Ja, ja, Freigang haben wir immer nur eine halbe Stunde - und die auch nur im Innenhof.
Und abends kommen dann diese vielen Männer in den weißen Kitteln und binden uns alle wieder ans Bett....
Und dann diese Träume......
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Ulli

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17

Donnerstag, 8. Dezember 2005, 21:18

KV 499

Salut,

der Beiname "Hoffmeister"-Quartett war mir neu. Aber in der Tat stammt die Erstausgabe dieses Streichquartettes in D-Dur aus Wien, F. A. Hoffmeister:

Quatuor a deux Violons, alto, et Violoncelle Composé par Mr. W. A. Mozart [Verzeichnis Nr. 76] und erschien etwa im September 1786.

Der Titel scheint sich aber nicht wirklich durchgesetzt zu haben.

So, nun muß ich meine Zwangsjacke anziehen und ins Bett.

;(

Ulli
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18

Freitag, 9. Dezember 2005, 09:09

KV 499 I

Für die ganz Narrischen:

Salut,

Das Kopfthema des ersten Satzes von KV 499 ist bedeutsam – es ist eines der wenigen unsangbaren Themata in Mozarts Œuvre, der Sextsprung von d“ nach fis’ ist sehr ungewöhnlich für die menschliche Stimme und macht mir – als unausgebildeter Sänger, versteht sich – schwer zu schaffen; selbst das Nachpfeifen hat so seine Tücken. Und dann kommt eine Stelle in Takt 24: h-moll – das ist eigentlich schon Schubert, eine der „großen“ Sinfonien! Und Takt 28 ist wieder so eine unbeschreibliche Stelle, die auch Mozart gefallen habem muss, denn er verwendet das Thema wieder in dem Trio a sei pezzi, erster Satz, Takt 27 – darauf freut man sich bereits kindlich, wenn das abwärts gehende Dreiklangthema in Es-Dur zu Beginn von KV 563 erklingt. Mit den Sexten des Kopfthemas täuscht Mozart bereits in der Exposition eine Durchführung vor und landet mit dieser Spielerei, wen wundert’s? – in F-Dur, der „durifizierten“ Moll-Mediante. Die zum Aufatmen animierende Lösung folgt nach E-Dur mit zauberhaften Figuren und dann – ja dann kommt sie endlich: die Stelle, welche das Verliebtsein in den Schatten stellt [Takte 83ff.]. Und plötzlich ist die Exposition zu Ende – zu Ende? Nein – mit dem frei schwebenden Stakkato geht’s gleich munter und provokant weiter in der echten Durchführung. Oder ist es doch nur eine Überleitung in die Wirklichkeit? Das Sextenthema kommt nun wieder in F-Dur, zunächst im Cello, dann in der Bratsche, arbeitet sich vor in die zweite Violine und findet seinen höchsten Ton in der ersten Geige, f ’’’ – wobei dieses f ’’’ nur sehr unscheinbar als Auftakt vorbeihuscht. Der blanke Hohn zeigt sich nach Ankunft im A-Dur [Dominante] – nun haben wir also den Höhepunkt der Durchführung erreicht – mit dem banalen Stakkato-Thema: und jetzt? Mozarts Zynismus ist gravierend – schreibt er doch über das umgekehrte Kopfthema nunmehr „calando“ [singend!] – und weiß doch so genau, dass es nicht möglich ist, wozu vor Hohn lachend zunächst die Bratsche und dann das Cello solistisch in höchsten Tönen herumreiten. Natürlich muss das f ’’’ noch durch ein g’’’ übertroffen werden! Und da ist es wieder – eigentlich habe ich die Hoffnung bereits aufgegeben: Das Sextenthema, unscheinbar, unsangbar… Der „Schubert“ mit dem Leitton im Bass [dis - Violoncello, Takt 166] diesmal in e-moll, nur um daraufhin gleich das entzückende „sei Pezzi“ Thema auf D7 einzustimmen. Ganz vorsichtig kratzt Mozart nun noch einmal an den höchsten Tönen der Durchführung, doch diese ist schon lange vorbei [T. 209]. Ganz wunderbar bereitet er uns nun wiegend, steigernd vor - ich würde es völlig unfachmännisch als einen coitus interuptus bezeichnen [Takte 215-223], ja so ist es! Was bleibt nun anderes übrig, als streichelnd nun wieder das Thema, das jedes Verliebsein… "Es hebt sich die schwellende Brust" - wie schön er trösten kann. Die Coda beginnt in h-moll – Mozart hat uns noch nicht alles gesagt – pikant wandert das Stakkatothema immer um einen Halbton nach unten, als würde er nach der Grundtonart suchen. Letztlich gelingt es ihm – natürlich! – ganz oben im Himmel anzukommen [T. 253/254] und nochmals nach einem Schwalbenflug [T. 257ff.] dort selig zu innezuhalten [T.265/266] – wo auch sonst?


:angel:
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Freitag, 9. Dezember 2005, 09:22

Zitat

Original von Theophilus
Danke!

:hello:


ARCANA ist einer der unscheinbaren Sterne am Label-Firmament. Doch wer weiß schon, ob es nicht auf den gelegentlich ängstlich aufblitenden Sternen weitaus schöner ist, als im Innern einer kochenden Sonne...?

=)

Du wirst berichten, wie Dein Eindruck ist?

LG
Ulli
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Freitag, 9. Dezember 2005, 09:24

RE: KV 499

Zitat

Original von Ulli
der Beiname "Hoffmeister"-Quartett war mir neu. Aber in der Tat stammt die Erstausgabe dieses Streichquartettes in D-Dur aus Wien, F. A. Hoffmeister:

Quatuor a deux Violons, alto, et Violoncelle Composé par Mr. W. A. Mozart [Verzeichnis Nr. 76] und erschien etwa im September 1786.

Der Titel scheint sich aber nicht wirklich durchgesetzt zu haben.


Ich finde ihn auch nicht sehr aussagekräftig, aber offenbar ist er verbreitet genug, um in der von mir weiter oben genannten Box des ABQ groß auf dem Cover zu prangen, gleichberechtigt mit "Haydn" und "Preussische"...

viele Grüße

JR
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21

Freitag, 9. Dezember 2005, 09:30

RE: KV 499

Salut,

eben das wunderte mich und barg die Hoffnung auf ein mir unbekanntes Mozart-Streichquartett. War wohl nix...

:hello:

Liebe Grüße
Ulli
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Samstag, 10. Dezember 2005, 00:18

Salut

Zitat

Original von Ulli

Zitat

Original von Theophilus
Danke!

:hello:


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LG
Ulli


Natürlich, wenn es auch wahrscheinlich noch etwas dauern wird. Ich brauche Anlauf, um 45,-- für zwei CDs auszugeben. Vielleicht finde ich dort noch das eine oder andere Schnäppchen um den Schmerz etwas zu verteilen (nennt man das dann Kollateralschaden?).

:hello:

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

Ulli

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23

Samstag, 10. Dezember 2005, 07:58

Salut,

ja ich weiß, die Serie ist furchtbar teuer - so ein Flug ins Weltall ist eben nicht ganz alltäglich. Ich hatte das Glück, dass mir meine Frau die CD aus "unserem" Musikalienhandel als Restposten günstig mitbrachte. Erst wollte ich sie gar nicht hören - "Schon wieder Mozart-Quartette..." - aber dann legte ich sie ein - und war seelig...

Vielleicht einfach mal im "Klassikladen um die Ecke" schauen? Manchen Sternbildern wird ja das Glück nachgesagt, aber einen Krieg der Sterne braucht man deswegen nicht entfachen...

:hello:

Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

Ulli

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24

Sonntag, 11. Dezember 2005, 21:23

Salut,

hier ist mal die Widmung an Joseph Haydn aus dem Erstdruck:



:hello:
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

Carola

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25

Samstag, 17. Dezember 2005, 19:15

KV 499 "Hoffmeister"

Ja, dieser 1. Satz von KV 499 ist wirklich großartig - und dabei so dicht, dass er meine analytischen Fähigkeiten bei weitem übersteigt, zumal ich die Noten nicht habe. Welche konkrete Stelle am Ende der Exposition es ist, die euch so in Verzückung geraten lässt, ist mir daher bisher nicht klar.

@ CRC: Du hast doch auch die Aufnahme vom Alban Berg Quartett - eine genaue Angabe der Zeit wäre vielleicht hilfreich.

Aber wie auch immer, diese Musik ist wundervoll. Ich werde aber Alfreds Rat folgen und mir die insgesamt 7 CDs der Box gut dosiert und in gewissem zeitlichen Abstand anhören. Dabei werde ich mich die nächsten Tage auf KV 499 und vielleicht noch das Dissonanzen-Quartett beschränken.

Eines ist jedenfalls klar, die Streichquartette erweitern meinen Eindruck von der Musik Mozarts noch einmal sehr. Das der auch SO klingen kann, hätte ich früher nicht für möglich gehalten.

Es grüßt euch Carola :hello:
Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen. (Astrid Lindgren)

Ulli

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26

Samstag, 17. Dezember 2005, 20:19

RE: KV 499 "Hoffmeister"

Zitat

Original von Carola
Ja, dieser 1. Satz von KV 499 ist wirklich großartig - und dabei so dicht, dass er meine analytischen Fähigkeiten bei weitem übersteigt, zumal ich die Noten nicht habe. Welche konkrete Stelle am Ende der Exposition es ist, die euch so in Verzückung geraten lässt, ist mir daher bisher nicht klar.



Salut,

die Noten sind ja hier!

:hello:

Liebe Grüße
Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
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Pius

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Samstag, 14. Januar 2006, 15:16

Ein kleiner Vergleich

Hallo!

Ich habe Mozarts Streichquartett B-dur KV 458 (1784) vergleichend, einmal mit dem Alban-Berg-Quartett (Teldec), einmal mit dem Quartetto Italiano (Philips), gehört.

Die Satzlängen:
ABQ: 8'28 - 4'41 - 7'56 - 6'22
QI: 8'50 - 4'27 - 7'48 - 6'31

1. Satz (Allegro vivace assai): Beim ABQ waren meiner Eindrücke eher neutral (KV 458 ist nicht mein liebstes Mozart-Quartett), direkt danach beim QI empfand ich deren Spiel als recht unschön, aufdringlich, affektiert. Das ist für mich kein Mozart, so zer-interpretiert. Zudem wurde der Tempobezeichnung des Satzes keine Beachtung geschenkt.
2. Satz (Menuett: Moderato): Sehr verschieden: QI aggressiv, schneidend, unausgewogen; dagegen ABQ langsam, gemütlich, ausgewogen, "wienerisch".
3. Satz (Adagio, Es-dur): Beim QI gestörte Ruhe, beim ABQ ungestörte Ruhe. Sicher der interessanteste Satz des Quartetts.
4. Satz (Allegro assai): Hier finde ich das QI besser - flott, extrovertiert. Das ABQ ist zwar schneller, aber man hat den umgekehrten Eindruck, sie spielen ohne "Finalstimmung", introvertierter, wie einen 1. Satz.

Insgesamt sagt mir das ABQ viel mehr zu. Mit der QI-Aufnahme, mit der ich das Werk kennengelernt hatte, werde ich mich wohl nicht mehr anfreunden können.
Den Beinamen "Jagdquartett" verstehe ich nicht, und ich ignoriere ihn.

Viele Grüße,
Pius.

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28

Samstag, 14. Januar 2006, 16:44

RE: Ein kleiner Vergleich

Zitat

Original von Pius
Ich habe Mozarts Streichquartett B-dur KV 458 (1784) vergleichend, einmal mit dem Alban-Berg-Quartett (Teldec), einmal mit dem Quartetto Italiano (Philips), gehört.

3. Satz (Adagio, Es-dur): Beim QI gestörte Ruhe, beim ABQ ungestörte Ruhe. Sicher der interessanteste Satz des Quartetts.


IMO einer der großartigsten langsamen Mozart-Sätze, dabei unglaublich ökonomisch, wie aus unscheinbaren Figuren ergreifendste melodische Musik entsteht.

:jubel:

Zitat


Den Beinamen "Jagdquartett" verstehe ich nicht, und ich ignoriere ihn.


Er bezieht sich auf das Hauptthema des Kopfsatzes, weil es typischen Hornsignalen ähnelt. Das Werk ist eines meiner Favoriten, allein wegen des langsamen Satzes, aber auch der grandiosen Energie der Ecksätze.

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

Ulli

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29

Sonntag, 15. Januar 2006, 01:32

RE: Ein kleiner Vergleich

Zitat

Original von Pius
"Jagdquartett" verstehe ich nicht, und ich ignoriere ihn.



Salut,

der Beiname bezieht sich auf den ersten Satz: 6/8 = "La chasse"-Rhythmus sowie die "imitierten" Hörner...

:hello:

Cordialement
Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
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Pius

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30

Freitag, 20. Januar 2006, 22:13

Zu KV 575

Hallo!

Ich habe Mozarts Streichquartett D-dur KV 575 (1789) vergleichend, einmal mit dem Alban-Berg-Quartett (Teldec), einmal mit dem Talich Quartet (Calliope), gehört.

So schlimm finde ich die Aufnahme des Talich Quartetts gar nicht mehr, man kann sich daran gewöhnen (zumal die Quartetto Italiano-Aufnahme von KV 458 mir kürzlich das Fürchten gelehrt hat). Der erste Satz wirkt dennoch etwas "unrund" - "unmozartisch". Die Phrasierungen sind manchmal etwas spitz, die Klangqualität schlechter als bei ABQ (das fällt bei mir aber nicht ins Gewicht). Ganz wunderbar hingegen, was dieses tschechische Ensemble auch in den anderen Aufnahmen, die ich von ihnen habe, offenbart: Klangfarben!

Was soll ich zum ABQ sagen? Die können's halt...

Der zweite Satz klingt bei beiden schön, und beim weiteren Hören hatte sich mein Ohr schon auf die jeweilige Quartettformation eingestellt. ABQ bleibt die erste Wahl, aber zu dem günstigen Preis kann man auch zu den Talichs greifen.

Zum Werk:

Es ist viersätzig: allegretto - andante (A-dur) - menuetto: allegretto - allegretto.

Auffällig sind die drei Allegretti, und viel langsamer ist der zweite Satz auch nicht. So einheitliche Tempi ist man von Mozart sonst nicht gewohnt.

Noch ein paar Sonderwünsche an Ulli:
Kannst Du etwas zur besonderen Behandlung des Cellos in diesem Werk schreiben (z.B. im Trio des Menuetts)? Das Werk sollte ja dem König Friedrich Wilhelm II., einem cellospielenden Preußenkönig, gewidmet werden.
Wenn Du mal Zeit hast, wäre es sehr nett, wenn Du interessante formale/kompositorische Details des Schlußsatzes erläutern könntest.

Mozart hatte anscheinend bei der Niederschrift des Quartetts ungewohnt viel Mühe.

Viele Grüße,
Pius.