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moderato

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1

Donnerstag, 18. Oktober 2018, 04:14

Kritiker im Journalismus der Vergangenheit und Gegenwart

Im Tamino-Forum wird viel kritisiert, wie es sich für ein Forum, den Platz zum Austausch von Meinungen, ziemt.

Gibt es einen Thread zu professionellen Kritikern im Journalismus, die über klassische Musik und Werke auf der Bühne schreiben? Eine Würdigung ihrer Arbeit scheint mir angebracht. Da gibt es durchaus herausragende Persönlichkeiten, deren Leistung und Verdienste gewürdigt werden müssen.
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Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
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moderato

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2

Donnerstag, 18. Oktober 2018, 04:28

Wer die "Stimme der Kritik" nicht kennt, in diesem Hörbeispiel ist der legendäre Theaterkritiker Friedrich Luft (1911-1990) zu vornehmen, der das Berliner Kulturleben in seiner wöchentlichen Sendung besprach.



Rüdiger Schapers, ein Nachfolger dieses Radiomannes des RIAS in Berlin, hat im Tagesspiegel eine Würdigung zum 25. Todestag verfasst.

"https://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/bayerisches-viertel/25-todestag-von-friedrich-luft-freiheitsglocke-live-und-im-radio/12040134.html"
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moderato

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3

Donnerstag, 18. Oktober 2018, 04:58

Wechseln wir nach Österreich. Karl Löbl (1930-2014) war für den ORF als Kulturchef und Kritiker tätig. Die Sendung "Lieben Sie Klassik?" war mir als Teenager ein Begriff und ich hörte seiner Stimme in der Badewanne sonntags zu.
Wer konnte es sich erlauben während der Schulapplaus im Hintergrund ertönte, eine Kritik der Premiere in die Kamera zu sprechen? Sein Markenzeichen war der Silberblick.

Er war ein Interviewer mit Humor. In diesem Gespräch mit Eberhard Wächter, dem Staatsoperndirektor in Wien, wird das deutlich.



Mehr zu seinem Urteil und Person erfährt man in dieser Sendung. (Ab 19:55)



Einem Kritiker steht es gut, sich und den Kulturbetrieb nicht allzu ernst zu nehmen. In diesem Sketch zur karajanischen Hofreitschule mit Otto Schenk als Stallbursche ist Karl Löbl in der Rolle als Reporter.



Das letzte Interview des von seiner Krebserkrankung gezeichneten Karl Löbl, ist ein berührendes Zeugnis.



Zum Tode des bedeutenden Mitarbeiters veröffentlichte der ORF eine Würdigung.

"https://wien.orf.at/news/stories/2627963/"
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Alfred_Schmidt

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4

Donnerstag, 18. Oktober 2018, 14:38

Lieber moderato
Als ich letzte Nacht Deinen Beitrag über Friedrich Luft las, da hatte ich sofort vor einen Beitrag über Karl Löbl zu schreiben und ich hatte auch den Beitrag für die Verlinkung schon ausgewählt, nämlich das "Hoppala" mit Eberhard Waechter.
(Für die, dies nicht wissen: "Hoppala" war eine ORF-Sendung wo geschnittene, mißglückte Szenen mit hohem Humorfaktor, gesammelt, und dann doch in dieser Sendung verwertet wurden- Da gab es zahlreiche Sternstunden drunter)
Nun hast Du, lieber Moderato den Beitrag indes so perfekt und ausführlich festaltet, daß ich froh bin, daß ich gestern meinen geplanten Beitrag auf heute verschieben wollte, da deiner viel ausführlicher ist als es mein geplanter war.
Persönlich habe ich eine bestimmte Affinität zu Karl Löbl, die auf seine wöchentliche Radiosendung "Lieben sie Klassik" (1968-1996)zurückzuführen ist.
Immer Sonntag nachmittags 16 Uhr, "Karl Löbl präsentiert Platten von gestern , heute, morgen"
Diese Sendung war ein Fistermin und ich richtete meinen sonntäglichen Zeitplan auf ihn ein. Als Kritiker damals (angeblich) gefürchtet, empfand ich ihn im Rahmen dieser Sendung als freundlich und angenehm und - im positiven Sinne - neutral. Ich erinnere mich an keine Spitzen Bemerkungen gegenüber Sängern etc. Löbl spielte immer wieder Klangbeispiel ein, die dann in andere, kontrastierende, überblendet wurden. Meine Auswahl an (damals) Schallplatten ging teilweise auf die Prägung durch Karl Löbl zurück.

mfg aus Wien
Alfred

MIT ARBEIT VERSAUT MAN SICH DIE GANZE FREIZEIT

Alfred_Schmidt

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5

Samstag, 20. Oktober 2018, 02:01

Für mich persönlich ist der Wiener Musikkritiker Dr. Wilhelm Sinkovicz DER würdige Nachfolger von Karl Löbl - Ich hoffe, er ist mit dieser Einschätzung einverstanden. Es ist natürlich eine andere Zeit, die Werte haben sich verschoben, etc, aber er wirkt auf mich sehr ausgewogen, was nicht heisst, daß ich immer einer Meinung mit ihm sein muß.

Photo verlinkt von der PRESSE


Hier Auszüge aus dem WIKIPEDIA Beitrag über seine Person;

Zitat

Wilhelm Sinkovicz (* 1960 in Wien) ist ein österreichischer Musikwissenschaftler und Journalist, Musikkritiker im Feuilleton der Wiener Tageszeitung Die Presse.
Sinkovicz studierte Musikwissenschaft an der Universität Wien und Komposition am Konservatorium der Stadt Wien bei Rüdiger Seitz. Er wurde mit einer Dissertation über Paul Hindemiths Rainer Maria Rilke-Vertonungen Das Marienleben promoviert.
Seit 1984 ist Sinkovicz Musikkritiker bei der Tageszeitung Die Presse. Von 1989 bis 1992 war er dort außerdem Leiter der Kultur-Redaktion......


Von den zahlreichen Veröffentlichungen habe ich einige herausgesucht, teilweise allein, teilweise in Zusammenarbeit mit Herwig Knaus. (*1929)
ebenfalls Musikwissenschaftler und Publizist-


https://www.amazon.de/Mehr-als-zw%C3%B6l…g/dp/3552048901
https://www.amazon.de/Alban-Berg-Zeitums…s/dp/3701731098

mfg aus Wien
Alfred

MIT ARBEIT VERSAUT MAN SICH DIE GANZE FREIZEIT

hart

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6

Dienstag, 30. Oktober 2018, 16:00

Ich erinnere mich an keine Spitzen Bemerkungen gegenüber Sängern etc.

also ich erinnere mich da schon ... - zwar nicht explizit auf diese Sendung bezogen, aber sonst durchaus. Du schreibst: »Als Kritiker damals (angeblich) gefürchtet«, immerhin gab es da mal einen Prozess um die Sopranistin Gertrude Grob-Prandl. Die Sängerin hatte 1956, einige Wochen nach der Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper, die Isolde gesungen. Sie war Löbl schon mehrmals unangenehm aufgefallen und er hatte geschrieben, dass eine Isolde keine »Kredenz auf Radln« sein sollte. Später konnte oder mochte sich Löbl (angeblich) weder an die Verhandlung noch an das Urteil erinnern ...
»Kredenz« war in Wien - wem sag´ ich das - die Bezeichnung für Geschirrschränke in der Küche.

Auch den Herrn Kammersänger und Heldentenor Hans Beirer traf es einmal als Löbl über eine Otello-Aufführung an der Wiener Staatsoper schrieb: »Hans Beirer bewegt sich wie ein Dinosaurier entlang der Rampe, sollte aber den Otello spielen.« Beirer klagte, aber Löbl konnte beweisen, dass Kammersänger Beirer in einigen Interviews gesagt hatte: »Man hält mich ja für den letzten Dinosaurier der Opernbühne«.

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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7

Dienstag, 30. Oktober 2018, 18:19

Gottlob Frick schätzte Löbl sehr und gabe viel auf sein Urteil. Aus diesem Grunde freute ihn auch die auf eine Idee von Löbl und Prawy zurückgehende Aufnahme, in der Heinz (Honzo) Holecek Frick und zahlreiche andere große Sänger dieser Zeit unnahmlich stimmlich imitierte.

Herzlichst

Operus
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

Rheingold1876

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8

Dienstag, 30. Oktober 2018, 19:01



Karl Löbl hat auch als Mitautor des Hermes-Handlexikons "Opern auf Schallplatten" Spuren hinterlassen. Es ist 1983 zweibändig in erster Auflage erschienen und reflektiert den Stand der Dinge bis zu diesem Jahr. Gern und oft habe ich darauf zurückgegriffen, weil es seinerzeit nach meiner Beobachtung nichts vergleichbares gegeben hat. Es werden kurze Hintergründe zu den einzelnen Aufnahmen, die Besetzungen, die Labels bzw. die Quellen genannt. Es gibt reichlich Fotos. Auch Produktionen aus den damaligen osteuropäischen Ländern werden einbezogen. Wo hätte man sonst erfahren können, was es wo gegeben hat? Das Internet wie wir es kennen gab es noch nicht. Ich schaue heute noch in dieses Lexikon. Allerdings mit kritischem Blick. Eine Stärke des Werkes ist nämlich zugleich eine Schwäche. Löbl und sein Ko-Autor geben kommentierende Bewertungen ab, die nicht immer gerecht und haltbar gewesen sind und oft durch die Zweit als überholt gelten dürfen.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Alfred_Schmidt

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Registrierungsdatum: 9. August 2004

9

Dienstag, 30. Oktober 2018, 21:38

Dr Franz Endler (1937-2002)

Zitat

zwar nicht explizit auf diese Sendung bezogen, aber sonst durchaus.

Ja - Ich bezog mich auf die Sendung. Daß Löbl als Kritiker unangenehm sein Konnte (wie übrigens die meisten seiner und vor seiner Zeit) ist bekannt, Das war ja gerade das Auffällige und Bewundernswerte, daß das in seiner Sendung nie durchkam.

Die Nachwelt flich dem Mimen keine Kränze - und dem Kritiker noch viel weniger:
Wer erinnert sich heute nich an Dr. Franz Endler ? Auf dem Höhepunkt seiner Karriere eine Ikone der Wiener Kulturkritik.
Wen meine Erinnerung nicht trügt war er eine Karajan Skeptiker der zum Bewunderer ungepolt wurde. Die deutsche Wikopedia hat ihn nicht vergessen, international dürfte er weniger bekannt gewesen sein, obwohl er einige Bücher über Wien verfasst hat, denn es gibt keine einzige Biographie im WIKI in einer anderen Sprache.
Was ich allerdings nicht wusste, habe ich in WIKIPEDIA vor einigen Minuten bei der Recherche erfahren:

Zitat


Endler profilierte sich als Kritiker des Regietheaters und Hauptgegner von Gerard Mortier (1943-2014) während dessen Salzburger Funktionsperiode.


mfg aus Wien
Alfred

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