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Alfred_Schmidt

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1

Mittwoch, 10. Oktober 2018, 22:48

Über vergessene und boykottierte Komponisten - und Ihre "Wiederentdeckung"

Wie angedroht – ähh versprochen starte ich jetzt einen Thtead, der sich mit dem Umgang mit „vergessenen“ oder absichtlich boykottierten Komponisten befasst. Es geht also nicht um einzelne Komponisten, sondern um den Umgang mit der ganzen Gruppe, die in dieses Schema passt.
Bringt ein verdienstvolles Label, wie cpo, Naxos, Hyperion, Chandos, Toccata, Brilliant – oder wie sie sonst noch heissen mögen - eine Aufnahem mit einem von der Zeit verschütteten Komponisten heraus, dann ist die Reaktion gut prognoszipierbar: Es gibt nämlich in der Regel keine. Oder doch ? Na ja zunächst wird die „Ausgrabung“ von einigen wenigen gefeiert – nach einer Weile ist Funkstille. Artike über solche Komponisten werden nicht beachtet – und zwar nicht nur von Mitgliedern, wie die Statistik eindeutig sagt. Sondern auch von Mitlesern.
Nach einigen Monaten bis Jahren kann man dann die CD des „ausgegrabenen“ Komponisten, dann um n Appel und n Ei haben. Der Rest der Auflage wird eingestampft.

mfg aus Wien
Alfred

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Alfred_Schmidt

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2

Montag, 15. Oktober 2018, 09:05

Allein das Desinteresse an diesem Thread dokumentiert das Desinteresse an "unbekannten" Komponisten überhaupt. Man will "Meisterwerke" hören, keine Konfektionsware. Dennoch werde ich mich in den nächsten Monaten in verstärktem Maße diesen Komponisten und ihren Werken widmen (solange sich nich Idealisten unter den Labelbetreibern finden, die sowas aufnehmen und veröffentlichen. Das Eröffnen "uninteressanter " Threads hat natürlich auch sein Gutes; Das Forum reagiert nicht drauf (und die Mitleser ebenfallss nicht) und man hat ein friedliches Forum ohne jeglichen Streit. Ein Kaffehauskränzchen mit völliger Harmonie......

mfg aus Wien
Alfred

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William B.A.

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3

Dienstag, 16. Oktober 2018, 00:41

ich für meinen Teil kann zumindest an dem Thema ein Desinteresse an dieser Gruppe von Komponisten nicht bestätigen, habe ich doch im Zuge meiner Erinnerungen an verstorbenen Musiker zuletzt diese beiden auf meine Einkaufsliste gestzt:

Carl Amand Mangold (1813 - 1889)
205. Geburtstag am 8. Oktober

und
Ignacy Feliks Dobrzynski (1807 - 1867)
151. Todestag am 9. Oktober

Allerdings zeigen die Lebensdaten schon dieser beiden Komponisten, dass sie aus einer Zeit stammen, der Romantik, aus der noch viele andere stammen, die ich in meinem Thread schon kennen gelernt habe und die vielleicht ein ähnliches Schicksal erlitten haben.
Wenn ich diese beiden CD*s erhalten habe, lieber Alfred, verspreche ich dir, etwas darüber zu schreiben.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Rheingold1876

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4

Dienstag, 16. Oktober 2018, 08:35

Allein das Desinteresse an diesem Thread dokumentiert das Desinteresse an "unbekannten" Komponisten überhaupt. Man will "Meisterwerke" hören, keine Konfektionsware.


Das Thema ist ja nicht neu. Für mich kann ich sagen, dass mich die Außenseiter immer viel mehr interessiert haben. Ich könnte etliche Taminos nennen, die nach meiner Beobachtung offenbar ähnlich empfinden. An Manpower gebricht es bestimmt nicht. Es ist nur ziemlich aufwändig, darüber zu schreiben. Mal eben was aus Wikipedia kopieren ist oft nicht möglich, weil es keine oder nur sehr schlichte Einträge gibt. Die Informationen liegen nicht so im Netz herum. Im Laufe der Zeit habe ich auch einige entsprechende Beiträge verfasst, die allerdings auch kein Echo fanden. Muss es aber immer gleich dieses Echo sein? Mir genügt oft der eigene Spaß an der Sache. Dafür muss man aber auch die Zeit und die Motivation haben. Und wer soll sich bei der momentanen Frequenz des Forums, die frustrierend ist, für "unbekannte" Komponisten erwärmen und stark machen? Deshalb habe ich eine begonnene Arbeit über Georg Vollerthun, an den Willi mit schöner Regelmäßigkeit zumindest namentlich erinnert, beiseite gelegt. Warten wir auf bessere Zeiten.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Caruso41

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5

Dienstag, 16. Oktober 2018, 09:14

Es geht also nicht um einzelne Komponisten, sondern um den Umgang mit der ganzen Gruppe, die in dieses Schema passt.


Also wenn es um eine Gruppe gehen soll, dann müssten unbedingt die Wiederentdeckungen von Opern-Komponisten genannt werden, die John Dew in Bielefeld gewagt hat.
Er hat Meyerbeer und Halevy wieder auf die Bühne gebracht, Musgrave und Antheil, Grétry, Stephan und Hindemith, sowie etliche Komponisten, die in der Weimarer Republik erfolgreich waren, dann aber von den Nationalsozialisten verfemt, vertrieben oder umgebracht wurden. Besonders zu erwähnen ist sein Einsatz für Schreker, Korngold, Krenek, Goldschmidt, Ullmann, von denen er teilweise sogar verschiedene Werke wieder zur Diskussion gestellt hat. Damit hat er sicher entscheidenden Anteil daran, dass auch andere Bühnen gewagt haben, sie auf den Spielplan zu setzen.
Die Arbeit Dews ist damals überregional auf viel Aufmerksamkeit gestoßen. Die Aufführungen fanden vor ausverkauftem Haus statt. Auf dem Parkplatz konnte man jede Menge PKWs aus Frankfurt und Köln, Hamburg, Berlin und Amsterdam sehen.


Caruso41
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Alfred_Schmidt

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6

Dienstag, 16. Oktober 2018, 11:19

Meyerbeer und Halevy sind sicher eine Bereicherung für die Bühne - so auch die Inszenierung passt.
Andernfalls bleibt uns halt nur die CD - auch gut

Bei den Werken, die "im Nationalsozialismus als verfemt" galten bin ich eher skeptisch, daß sie sich mittelfristig "wiederbeleben" lassen, spezell nicht in unserer Zeit. Einfach weil es IMO vorrangig keine politischen Gründe waren, die diese Musik ins Abseits drängte.
Beweisen kann ich das natürlich nicht, aber immerhin gibt es Indizien.

Zum einen, weil die Musik von Schreker, Korngold, Krenek, Goldschmidt, Ullmann (es fehlen einige Namen) auch nach dem Krieg nicht wirklich wieder Fuß fassen konnte - zum anderen weil sie ja WELTWEIT eher gemieden wird.
Musik lediglich als "Wiedergutmachung" aufzuführen bzw aufzunehmen ist IMO ein geldverschlingendes und wenig erfolgversprechendes Unterfangen - aber wenn jemand das finanziert - seis drum.

Hindemith ist hier ein Spezialfall:
Hoch angesehen, als "bedeutenster deutscher Komponist" seiner Zeit gefeiert , durch Briefmarke und diverse "Jubiläumsboxen" geehrt - frage ich mich - wer im Forum überhaupt CDs von seinen Werken hat - und wenn ja - vieviele er davon gehört hat - und erneut genauer hinterfragen - was davon gefallen hat.

Aber es soll hier keine Abrechnung mit der Musik des 20. Jahrhunderts stattfinden - ich werde - so dieser Thread am Laufen bleibt- dann auch "vergessene Komponisten der vergangenen Jahrhunderte" thematisieren und versuchen die Gründe für ihr "vergessensein" zumindest teiweise oder in Ansätzen zu ergründen.

"Vergessenwerden" in der Geschichte oder Musikgeschichte, Kunstgeschichte etc ist ja immer ein temporärer reversiblier Prozess (letzteres allerding mit Einschränkungen, je nachdem wie viel Material inzwischen dauerhaft vernichtet wurde.- dazu später mehr)

mfg aus Wien
Alfred

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dr.pingel

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7

Dienstag, 16. Oktober 2018, 20:30

Ich möchte hier mal eine kleine Liste platzieren, die berühmte unbekannte Komponisten nennt (ich nenne sie nicht als Konkurrenz zu den Unbekannten der Klassik, Romantik und Moderne, da hat jeder sein Recht):
Appenzeller
Binchois
Brumel
Caccini, Vater und Tochter
Cavalli
Cavalieri
Ciconia
Dufay
Perotinus
Luython
Barbara Strozzi
Victoria
Guerrero
Morales
Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

MSchenk

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8

Dienstag, 16. Oktober 2018, 21:11

Bei den Werken, die "im Nationalsozialismus als verfemt" galten bin ich eher skeptisch, daß sie sich mittelfristig "wiederbeleben" lassen, spezell nicht in unserer Zeit. Einfach weil es IMO vorrangig keine politischen Gründe waren, die diese Musik ins Abseits drängte. Beweisen kann ich das natürlich nicht, aber immerhin gibt es Indizien. Zum einen, weil die Musik von Schreker, Korngold, Krenek, Goldschmidt, Ullmann (es fehlen einige Namen) auch nach dem Krieg nicht wirklich wieder Fuß fassen konnte - zum anderen weil sie ja WELTWEIT eher gemieden wird. Musik lediglich als "Wiedergutmachung" aufzuführen bzw aufzunehmen ist IMO ein geldverschlingendes und wenig erfolgversprechendes Unterfangen - aber wenn jemand das finanziert - seis drum.
Das liest sich so, als handele es sich hier eher um Musik minderer Qualität. - Ich glaube kaum, dass sich dieses Urteil halten läßt. Natürlich wurden die genannten und viele andere Komponisten zumindest in Deutschland aus politischen oder besser aus rein rassistisch motivierten Gründen nicht gespielt bzw. verboten. Dass die Werke nach dem Krieg keinen Fuß mehr fassen konnten, hatten wiederum sicher auch musik-politische Gründe; die Werke galten als zu konventionell. Und dagegen, dass eine Wiederbelebung nicht möglich sei, sprechen mindestens in den prominenten Fällen Korngold, Schreker und Zemlinsky die seit ihrer Wiederentdeckung (etwa in den 1980ern und 1990ern, was auch schon über 30 Jahre her ist!) stetigen Programmierungen an großen und auch vielen kleinen Häusern vor allem im deutschsprachigen Raum, aber durchaus auch international. - Es wäre also schön, lieber Alfred, wenn Du deine Thesen anhand von Daten und Fakten und nicht rein gefühlt und anekdotisch begründen könntest ...
mfG Michael

Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

Joseph II.

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9

Dienstag, 16. Oktober 2018, 21:20

Der französische Spät(est)romantiker Florent Schmitt, bis in die 1940er Jahre mit der meistgespielte zeitgenössische Komponist in Frankreich, wird vermutlich auch deswegen heute so wenig gespielt, weil er ein bekennender Antisemit und Nazi-Kollaborateur unter dem Vichy-Regime war. So ganz hat er sich davon nicht mehr erholen können. Seine Musik wurde bereits in den 50ern, also noch zu seinen Lebzeiten, nur mehr selten aufgeführt, was schade ist, weil sie unbestreitbare Qualitäten besitzt.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Caruso41

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10

Mittwoch, 17. Oktober 2018, 10:08

Lieber Alfred!

Bei den Werken, die "im Nationalsozialismus als verfemt" galten bin ich eher skeptisch, daß sie sich mittelfristig "wiederbeleben" lassen, spezell nicht in unserer Zeit.

Es wäre also schön, lieber Alfred, wenn Du deine Thesen anhand von Daten und Fakten und nicht rein gefühlt und anekdotisch begründen könntest ...

Ja, da scheint eine ganze Menge schlichtweg an Dir vorbei gegangen sein in den letzten Jahren als Komponisten wie Zemlinsky, Schreker und Korngold wieder in die Spielpläne zurück kamen. MSchenk hat ja darauf aufmerksam gemacht, dass seit den 80er Jahren eine sehr auffällige und andauernde Renaissance dieser Komponisten stattfand.

Ich weiß, dass Du gewöhnlich Deine Sicht der Dinge durch Fakten nicht in Frage stellen lässt.
Trotzdem habe ich mal für die jüngsten Monate recherchiert.

Zwischen Januar 2017 und Juni 2019 gab es, beziehungsweise wird es geben von

  • Schreker 61 Aufführungen von 10 Produktionen in 9 Städten

  • Zemlinsky 49 Aufführungen von 9 Produktionen in 9 Städten

  • Korngold 103 Aufführungen von 23 Produktionen in 19 Städten

  • Goldschmidt 3 Aufführungen bei den Bregenzer Festspielen von Beatrice Cenci

  • Krenek 51 Aufführungen von 10 Produktionen in 6 Städten

  • Ullmann 47 Aufführungen von 10 Produktionen in 9 Städten


Wie gesagt, das sind alles Komponisten, für deren Wiederentdeckung sich John Dew in Bielefeld als einer der ersten eingesetzt hat. Das war in den 80er Jahren, als er Saison für Saison hartnäckig diese "vergessenen und boykottierten Komponisten" (sie Du das nennst) auf die Bühne gebracht hat und damit beweisen konnte, dass sie Qualität haben und uns heute noch was zu sagen haben!

Beste Grüße

Caruso41
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Fiesco

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11

Mittwoch, 17. Oktober 2018, 10:46

Wer mehr über diese Bielefelder Zeit wissen möchte, dem kann man dieses Bild und Lesebuch wärmstens empfehlen.....

klick

.....leider zum erschwinglichen Preis nur noch gebraucht, dafür aber ganz preiswert!

LG Fiesco
Il divino Claudio
"Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

Caruso41

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12

Mittwoch, 17. Oktober 2018, 11:11

Danke, lieber Fiesco, für den sehr nützlichen Hinweis!
In dem Band ist die gesamte Zeit dokumentiert, in der John Dew Oberspielleiter in Bielefeld war.

Ich habe damals alle Produtionen erlebt, etliche mehrmals. (Nach Bielefeld sind es von meinem Wohnort knapp 60 Minuten mit dem Auto!). Ich besitze auch noch alle Programmhefte, in denen bei unbekannteren Opern meist das Libretto abgedruckt war und viele Bilder die Inszenierung von Dew/Pilz dokumentierten.

Beste Grüße
Caruso41
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timmiju

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13

Mittwoch, 17. Oktober 2018, 12:14

Hindemith ist hier ein Spezialfall:
Hoch angesehen, als "bedeutenster deutscher Komponist" seiner Zeit gefeiert , durch Briefmarke und diverse "Jubiläumsboxen" geehrt - frage ich mich - wer im Forum überhaupt CDs von seinen Werken hat - und wenn ja - vieviele er davon gehört hat - und erneut genauer hinterfragen - was davon gefallen hat.
Hindemith ist eigentlich nicht vergessen. Ich habe diese beiden CDs, die mir auch genügen.

Die Weber-Metamorphosen höre ich gerne, seitdem ich sie das erste Mal in den sechziger Jahren in einem Konzert mit Celibidache und der Staatskapelle Berlin erleben konnte, da haben sie mich begeistert. Auch die Sinfonie "Mathis der Maler" hört sich gut an und verschreckt keine(n= Konzerthörer(in). Was andere hier genannte Komponisten betrifft, so meine ich auch, dass es viele schwer haben, was aber auch an der nicht immer eingängigen Tonsprache liegt und nicht an der Herkunft. Ich war einmal bei Schrekers "Der ferne Klang" in der Oper, das hat mich gar nicht überzeugt. Korngolds Violinkonzert ist inzwischen ein Repertoirewerk geworden. Von Zemllinsky wird ab und zu die Lyrische Sinfonie gespielt, mir gefällt dagegen die B-Dur-Sinfonie viel besser. Goldschmidt, Ullmann und Krenek sind musikalisch sicher keine Publikumsrenner.
:hello:
Wenn schon nicht HIP, dann wenigstens TOP

dr.pingel

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14

Mittwoch, 17. Oktober 2018, 12:28

Ich bin immer wieder ein erstaunt, dass von Hindemith meist nur die Sinfonie "Mathis, der Maler" genannt wird, dabei ist die ganze Oper voller Wucht und Intensität. Das liegt vor bei der Kubelik-Aufnahme vor allem am Dirigenten (und natürlich auch an den Sängern, wobei auch die Nebenrollen vorzüglich besetzt sind).
Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

William B.A.

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15

Mittwoch, 17. Oktober 2018, 12:56

Aus gegebenem Anlass möchte ich auf zwei Komponisten hinweisen, die fast gleichaltrig waren, beiden aus dem gleichen Land stammten, beide am gleichen Tag am gleichen Ort auf grausame Weise ums Leben kamen:

Pavel Haas (* 21. 6. 1899 - + 17. 10. 1944) und Hans Krasa (* 30. 11. 1899 - + 17. 10. 1944), wurden beide, nach jahrelanger Inhaftierung im KZ Theresienstadt, am 16. 10. 1944, zusammen mit Viktor Ullmann (1. 1. 1898 . + 18. 10. 1944), an den ich morgen erinnere, nach Auschwitz-Birkenau überführt, wo sie am 17. 10. bzw. 18. 10. 1944 vergast wurden.
Ich erwähne das hier, weil sie m. E. auch unbedingt in diesen Thread gehören, und zum Teil (Viktor Ullmann) hier schon (durch Caruso41) genannt wurden, und weil mich ihr Schicksal ebenso berührt wie das anderer Musiker, die in der Vergangenheit oder auch in der Gegenwart entweder tödlichen Krankheiten oder auch Unglücken in viel zu jungen Jahren zum Opfer fielen, oder weil sie sich infolge Depressionen in viel zu jungen Jahren das Leben genommen haben.
Aus diesem Grunde vermerke ich es auch in meinen Erinnerungen, wenn sie in zu jungem Alter verstorben sind oder ums Leben kamen.
Da heute der 74. Todestag von Pavel Haas und Hans Krasa ist, sezte ich hier den Link zum Erinnerungsthread: Erinnerungen an verstorbene und Geburtstags-Glückwünsche an lebende Musiker
Im nächsten Jahr werden wir am 17. bzw. 18. 10. in besonderer Weise an sie denken.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Alfred_Schmidt

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16

Mittwoch, 17. Oktober 2018, 13:00

Lieber Caruso
Dein milde rügender Unterton gefällt mir nicht. (Das nur nebenbei)

Zitat

Das liest sich so, als handele es sich hier eher um Musik minderer Qualität.

Das ist schwer zu beweisen -. Wie definiert man "Qualität" in Bezug auf klassische Musik ?

In einer Zeit, wo in Lebensmittelketten allmählich Mehlwürmer Einzug halten (nicht als Schädling, sondern als angebliche Delikatesse)
halte ich mich mit absoluten Bewertungen doch ein wenig zurück.

Zitat

Natürlich wurden die genannten und viele andere Komponisten zumindest in Deutschland aus politischen oder besser aus rein rassistisch motivierten Gründen nicht gespielt bzw. verboten.


Ich hatte hier immer den Eindruck, daß hier zwei Interessengruppen eine Symbiose eingegangen sind
A) die damals herrschende politische Macht aus rassistischen Gründen
B) die Mehrheit des konservativen Klassikpublikums, welches diese Musik nicht mochte.
(Liesse sich auch bei Malerei und Bildender Kunst unverändert sagen)

Nicht alles wurde verboten:
Propagandaminister Dr. Goebbels erfuhr, daß Johann Strauß nicht rein arisch war.
In einer Eintragung im Tagebuch bezeichnete er den "Entdecker" als "Schlauberger" und entschied, daß diese Tatsache keinesfalls an die Öffentlichkeit geraten dürfe. Ich habe jetzt (schnell) recherchiert. In der Tat wurde der Fall "Johann Strauß" zur geheimen Reichssache erklärt, und sogar sein Lebenslauf gefälscht, sowie Eintragungen im Geburtsregister verändert.

Bei Johann Strauß wäre ein Aufschrei des Publikums unvermeidlich gewesen, bei Krenek etc nicht.

Zitat

Dass die Werke nach dem Krieg keinen Fuß mehr fassen konnten, hatten wiederum sicher auch musik-politische Gründe; die Werke galten als zu konventionell
.

Dann dürfte ich Brahms auch nicht aufführen.
Mendelssohn Bartholdy war nicht nur schnell wieder auf den Spielplänen . die Leute mochten seine Musik !!!

Zitat

Und dagegen, dass eine Wiederbelebung nicht möglich sei, sprechen mindestens in den prominenten Fällen Korngold, Schreker und Zemlinsky die seit ihrer Wiederentdeckung (etwa in den 1980ern und 1990ern, was auch schon über 30 Jahre her ist!) stetigen Programmierungen an großen und auch vielen kleinen Häusern vor allem im deutschsprachigen Raum, aber durchaus auch international. - Es wäre also schön, lieber Alfred, wenn Du deine Thesen anhand von Daten und Fakten und nicht rein gefühlt und anekdotisch begründen könntest ...


Es gibt Dinge, die man eben nicht an Hand von Daten und Fakten beweisen kann . und das weisst Du auch.
Aufführungen können durchaus auch politisch motivoert sein und in letzter Hinsicht ist es auch nicht unbedeutendend WER
Stücke auf die Spielpläne setzt und WARUM. Und daß Stücke von - wie "Joseph II" schreibt - bekennenden Antisemiten über Jahre hinweg boykottiert werden (der von mir gestern näher ins Auge gefasste Komponist Klenau) ist bezeichnend. Und man fragt sich, wer das entscheidet.
Der Mehrheit des Publikums ist das nämlich egal. Sonst müsste man Martin Luther, Kaiserin Maria Theresia von Österreich, Friedrich den Großen,Kant, Herder etc etc. aus den Geschichtsbüchern verbannen.

ES gibt gewisse Netwerke, die sich besonders für "verfemte" Musik einsetzen. Inwieweit hier Förderungen mit im Spiel sind wäre für manche interessant - für mich indes nicht.

Und - wenn sich jemand findet, der einst verbotenes Repertoire wieder in die Konzertsäle bring - und diese Säle zu füllen imstande ist - dann werde ich der letzte sein, der dies kritisiert.

Allerdings gibt es für mich persönlich interessantere Komponisten, die wiederentdeckt werden sollten.

mfg aus Wien
Alfred

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Caruso41

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17

Mittwoch, 17. Oktober 2018, 13:49

Lieber Caruso
Dein milde rügender Unterton gefällt mir nicht.

Teuerster Alfred!

Wer sich so hartnäckig weigert, Fakten zur Kenntnis zu nehmen, muss - zumindest - mit einer Rüge rechnen! Wenn sie dann milde ausfällt, kann er sich eigentlich freuen! Dir hat deine zitierte Bemerkung wieder den einen Ausweg geöffnet, Dich nicht wirklich mit dem Faktum auseinanderzusetzen, dass etliche der von den Nationalsozialisten verfemten, vertriebenen und umgebrachten Komponisten wieder gespielt werden und dass diese Aufführungen erfolgreich sind.

Caruso41
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Alfred_Schmidt

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18

Samstag, 27. Oktober 2018, 13:36

Ich komme zurück zum Thema.
Wobei ich mich persönlich auf Komponisten de 18. und 19. Jahrhunderts beschränken will und da vorzugswiese aus ANGENEHME Musik.
Und hier gibt es eine ganze Menge.
Allerdings finden diese Ausgrabungen und die anschliessenden Veröffentlichungen unter falschen Voraussetzungen statt.
Einerseits wird den Leuten suggeriert da wären Werke, die jenen der "ganz großen" ebenbürtig seien, was in den meisten Fällen nicht der Fall ist, und sollte das (bei Einzelwerken kommt das vor) dennoch der Fall sein, dann wird gerne auf "ganz nett - aber eben doch nicht ganz an der Spitze" hinzugefügt. Das ist insofern schädlich, weil es meit kritiklos nachgeplappert wird - von all jenen, die den Unterschied sowieso nicht hören können, aber durch Wiederholung solch eines Statements wollen sie sich der Schar der "Kenner" anschliessen

Glücklicherweise gibt es immer wieder Plattenlabel in Interpreten die sich diesem Nischenrepertoire widmen - und es gibt auch gewisse Liebhaber. Was man aber sehr gut sehen kann, ist, wie wenige Seitenaufrufe Threads über solche Komponisten bekommen.
"Was der Bauer net kennt, des frisst er net."
Damit muß man leben - ubnd damit kann ich leben.
Ich sehe aber die Threads dieser Thematik als einzigartige Chance für die "Aussenstehenden" die Werke und ihre Komponisten nahe gebracht zu bekommen.

Wichtig ist indes, daß "gefällige" Werke angeboten werden, allzu akademisches (vorzugsweise spätes 19. Jahrhundert) und solche der "Kakophonie"
(ich hab extra recherchiert ob es sich hierbei um einen "salonfähigen" Ausdruck handelt - und grünes Licht bekommen) verderben die Glaubwürdigkeit von Empfehlungen des Nischenrepertoires - und das wäre schade.

mfg aus Wien
Alfred



mfg aus Wien
Alfred

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