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m.joho

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1

Samstag, 12. Mai 2018, 16:32

Ermonela Jaho

Bewusst stelle ich in diesem Beitrag kein Foto, sondern ein Video ein, deshalb, weil man diese packende Sängerin nicht auf ihre Stimme reduzieren darf, sondern sie ebenfalls agieren lassen sollte, um den Eindruck zu vervollkommnen.
Ermonela Jaho wurde am 18.07.1974 in Tirana (Albanien) geboren, wo sie im zarten Alter von sechs Jahren ihren ersten Gesangsunterricht bekam. Weitere Studien führten sie schliesslich an die Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom. Ihr Début fand mit 17 Jahren (!) als Violetta in Tirana statt und mit der Traviata gastierte sie auch mit grossem Erfolg an den führenden Opernhäusern in Europa und Amerika. Eine weitere Starrolle von ihr ist die ergreifende Butterfly, die sie auch in Freilichttaufführungen in Frankreich sang, dann die Antonia, Desdemona, Massenets und Puccinis Manon, Liu, usw. usw..
Leider gibt es nur eine offizielle CD-Aufnahme mit ihr in Leoncavallos unbekannter Oper Zaza, die auf Opera rara erschienen ist. Dieser Umstand lässt sich aber glücklicherweise dadurch verschmerzen, dass neben zwei offiziellen DVD's (Traviata aus Verona, Suor Angelica aus Covent Garden), eine Fülle von Dokumenten (einiges davon auf Youtube) den Ausnahmerang dieser Sängerin bezeugen.
Gerade für die Frauengestalten Puccinis ist der helle, kopfige Klang ihres Soprans für mich das überzeugendste, was ich seit Victoria de los Angeles gehört habe. Dazu kommt eine Darstellung, die im Dienst der jeweiligen Partie bis zur Selbstaufgabe und manchmal auch etwas auf Kosten der Stimmbeherrschung geht. Wer ihre Suor Angelica vor allem aus München kennt, wird mir damit wohl Recht geben.
Ich hoffe, dass sie den eingeschlagenen Weg weitergeht und sich nicht im dramatischeren Verdi-Fach versucht.

Caruso41

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2

Samstag, 12. Mai 2018, 17:39

Bravo, lieber m.joh0!

Und ganz herzlichen Dank für die Eröffnung eines eigenen Threads, in dem Informationen über Ermonela Jaho gesammelt werden können, und der den Diskussionen über diese vorzügliche Sopranistin einen würdigen Ort gibt.

Da ich mich jetzt auf den Weg in die Oper machen muss, kann ich leider nicht gleich - wie versprochen - etwas über sie beisteuern. Aber in den nächsten Tagen komme ich sicher dazu!

Liebe Grüße

Caruso41
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Caruso41

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3

Sonntag, 13. Mai 2018, 19:38

Lieber m.joho!

Live habe ich, wie schon gesagt, Ermonela Jaho zweimal gehört:

Zunächst als Mathilde im „Guillaume Tell“ (Brüssel). Da begeisterte sie mich mit ihrem wunderbar fließenden, goldsamtenen Sopran, der so sehr bewegend klang, dass ich ihr sogar die technisch nicht perfekten Koloraturen nachsehen konnte.

Was sie aber wirklich ist und kann, habe ich dann bei einer konzertanten Aufführung von Leoncavallos „Zaza“ in London erlebt.
Die Geschichte der Oper ist ja eher unterkomplex aber die Figur der Zaza bietet viele Gestaltungsmöglichkeiten und sie hat die vollkommen ausgeschöpft.
Am Anfang verfügte sie über den leichten koketten und fröhlichen Ton der Revuetänzerin. Sie durchlebte dann den ganzen Reichtum der erwachenden Liebe und das leidenschaftliche Verlangen, wobei sie stets die Lyrik und die hellen Seiten der Glückseligkeit zum Klingen brachte. Wenn sie mit den Neurosen ihrer alkoholkranken Mutter fertig werden muss, findet sie Töne existenzieller Verzweiflung. Aber total erschütternd ist es vor allem, wie sie die langsame schrittweise Zerstörung ihrer Liebe durchleidet. Wie sie mit jedem Gesichtsausdruck, jeder Geste und vor allem auch mit jeder Färbung ihres Tones ihr Schicksal nacherlebbar macht, das geht wahrlich zu Herzen und wühlt tief auf! Da wagt man kaum mehr zu atmen! Etwas von dieser unglaublichen Identifikation und Intensität ist auch auf die CD zu hören, die nach der Aufführung wohl im Studio gemacht wurde!

M.joho hat schon gesagt, dass die Darstellung bei Ermonela Jaho ganz im Dienst der jeweiligen Partie bis zur Selbstaufgabe und manchmal auch etwas auf Kosten der Stimmbeherrschung geht. Ja, das ist wohl so! Ich habe das aber nicht als Mangel oder Defizit empfunden sondern als Stärke und Reichtum. Selbst Mängel in der Intonation oder brechende Töne in Melodiebögen werden Gestaltungsmittel! Insofern ist es schwer, die Stimme an sich zu beschreiben. Es ist auf jeden Fall eine Stimme, die eine ungewöhnliche Klangpracht entfalten kann. Und jede Farbe hat bei ihr Wert und Sinn! Allerdings muss man anmerken, dass die Stimme eher klein dimensioniert ist. Damit haben ja einige Opernfreunde im Forum ihre Probleme. Aber sind denn große Stimmen per se effektiv? Auch wenn sie mal ein großes Haus nicht ganz füllt, auch wenn sie sich mal gegenüber dem Orchester nicht durchsetzen kann, Ermonela Jaho versteht sich auf eine Kunst der Menschengestaltung, die das Publikum erreicht und zutiefst berührt! Ist das nicht wichtiger als eine große Stimme?

Das Publikum in New York hat ihre Butterfly enthusiastisch gefeiert, obwohl sie sich gelegentlich stimmlich - Berichten zufolge - nicht durchsetzen konnte. Ihre Stärke ist wohl, dass sie auch gar nicht so tut, als könne sie sich gegen das aufdrehende Puccini-Orchester behaupten! Das verdient meiner Meinung nach höchste Anerkennung!

Liebe Grüße

Caruso41
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Caruso41

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4

Montag, 14. Mai 2018, 09:18

Ich wollte noch die erwähnte Aufnahme von Leoncavallos "Zaza" einstellen.
Leider ist sie sehr teuer aber sie ist jeden Cent wert.

Barnaby Rayfield schreibt in Fanfare Magazine:

Zitat

.....Released finally in May, this is a terrific set of a score that pulls the heart strings mercilessly and with great panache. I do hope this is the start of more Leoncavallo from Opera Rara: They bring a polish that companies like Bongiovanni can’t deliver in their sporadic surveys of forgotten verismo pieces; and in the case of such works as Malbruk or Der Roland von Berlin, Opera Rara would be making a recording premiere. Leoncavallo has been in Puccini’s shadow for too long now; more, please.

-

Caruso41
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Fiesco

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5

Montag, 14. Mai 2018, 11:00

Und hier der Link....

....für Alfreds Kasse!
LG Fiesco
Il divino Claudio
"Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

Caruso41

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6

Sonntag, 20. Mai 2018, 09:18

....
Ich hoffe, dass sie den eingeschlagenen Weg weitergeht und sich nicht im dramatischeren Verdi-Fach versucht.


Lieber M.Joho!

Zunächst geht der Weg erst mal in eine ganz unerwartete Richtung: Im Herbst dieses Jahres wird Ermonela Jaho die Valentine in Meyerbeers Les Huguenots an der Opéra Bastille in Paris singen. In einer Neueinstudierung!

Ich war darüber deshalb überrascht, da das ja eigentlich eine Partie für einen Falcon-Sopran ist. Obwohl sie etliche Töne über dem hohen "C" zu singen hat, liegt die Tessitura insgesamt tief. Ob sie damit zurecht kommt, bin ich doch sehr gespannt.
Die angekündigte Besetzung:

Marguerite de Valois: Diana Damrau
Raoul de Nangis: Bryan Hymel
Valentine: Ermonela Jaho
Urbain: Karine Deshayes
Marcel: Nicolas Testé
Le Comte de Saint-Bris: Paul Gay
Le Comte de Nevers: Florian Sempey

Es dirigiert Michele Mariotti

Beste Grüße

Caruso41
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m.joho

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7

Montag, 16. Juli 2018, 14:32

Hier ein neueres Video von Ermonela Jaho als Suor Angelica aus München unter Petrenko, das beweist, was für ein Solitaire diese Künstlerin ist.
Wer davon ungerührt bleibt, den kann ich nur bedauern.

Caruso41

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8

Donnerstag, 19. Juli 2018, 18:29

Lieber m.joho!

Hab Dank für die Einstellung dieses Videos.
Das ist ja eine ungemein expressive Interpretation der Schlussszene, die stark fesselt!
Gerade weil Ermonela Jaho oft die Linien und Bögen bis zu Zerreißen überspannt, wird die Grenze zwischen Verzückung und Hysterie verwischt und das Stück vor jeder Verkitschung bewahrt! Wirklich eindrucksvoll!

Bei Gelegenheit will ich mir mal die gesamte Aufführung anhören! Mich würde interessieren, wie Petrenko das Werk als Ganzes in den Griffe nimmt.

Beste Grüße

Caruso41
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m.joho

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9

Sonntag, 21. Oktober 2018, 18:53

Soeben ist eine phantastische neue Blu-ray der Madame Butterfly aus London 2017 erschienen : Jaho, Puente, Hendricks unter Pappano (traditionell inszeniert!). Hier ein Eindruck der letzten Szene:

chrissy

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Registrierungsdatum: 20. Oktober 2010

10

Sonntag, 21. Oktober 2018, 19:25

Soeben ist eine phantastische neue Blu-ray der Madame Butterfly aus London erscheinen: Jaho, Puente, Hendricks unter Pappano (traditionell inszeniert!). Hier ein Eindruck der letzten Szene:

Danke, lieber Marcel, für das Reinstellen dieses Links.
Für mich ab Min. 2.45, eine der musikalisch /dramatisch, schönsten und ergreifendsten Szenen dieser Oper.
Herzliche Grüße
CHRISSY
Jegliches hat seine Zeit...

rodolfo39

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11

Sonntag, 21. Oktober 2018, 19:27

Die Butterfly ist schon bestellt.