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orsini

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Donnerstag, 16. November 2017, 23:39

Bernhard Crusell – Ein finnischer Klarinettist und Komponist der Frühromantik

Leben
Berndt (Bernhard) Henrik Crusell wurde am 15. Oktober 1775 in Nystad (heute Uusikaupunki, Finnland) geboren und starb am 28. Juli 1838 in Stockholm. Er war ein hervorragender Klarinettensolist, Komponist (und Arrangeur) und auch Übersetzer zahlreicher Opern ins Schwedische. Obwohl Crusell den Hauptteil seines Lebens in Schweden verbrachte (ab 1791), bezeichnete er sich selbst sein Leben lang als Finne. Auch seine Reisetagebücher schrieb er zeitlebens auf finnisch.

Sein Vater war ein armer Buchbinder, dem die Mittel fehlten, seinem Sohn eine angemessene Schulbildung angedeihen zu lassen. Als Crusell 8 Jahre alt war, zog die Familie zuerst nach Hämeenlinna und kurz darauf nach Nurmijärvi (nördlich von Helsinki). Hier hatte er im Hause des Hauptmann Armfelt ersten Unterricht zusammen mit den Kindern des Hausherrn und erlernte die Grundbegriffe des Klarinettenspiels beim Klarinettisten Westerberg vom Nyland-Regiment. 1788 brachte ein Freund der Familie den jungen Crusell nach Sveaborg (Suomenlinna), eine Inselfestung direkt vor der Küste von Helsinki. Major Wallenstjerna war besonders beeindruckt von Crusells Klarinettenspiel und warb ihn als freiwilliges Mitglied der Militärkapelle von Sveaborg und nahm Crusell in sein Haus auf. Crusell erhielt hier umfassende Bildung, vor allem auch in Sprachen und Musik. 1791 wurde Wallenstjerna nach Stockholm versetzt; Crusell folgte ihm dorthin.

Zwischen 1791 und 1799 studierte Crusell in Stockholm Musiktheorie und Komposition bei Matheus Daniel Böritz und Abbé Vogler, dem Leiter der Königlichen Hofkapelle. 1793 wurde Crusell Mitglied der Kungliga Hovkapellet (der Königlichen Hofkapelle) und blieb dies bis 1833. Ab 1795 trat Crusell in den spieltechnisch forderndsten Klarinettenkonzerten seiner Zeit auf (u.a. 1797 von Michel Yost). 1798 reiste er für mehrere Monate nach Berlin, um Unterricht bei dem legendären Klarinettenpionier Franz Tausch zu nehmen. Im Rahmen dieser Reise konzertierte er in Berlin und Hamburg – dies sollten gleichzeitig seine letzten Auftritte auf dem Kontinent sein. 1801 wurde er auf Vorschlag von Paul Struck und Akademiepräsident Axel Gabriel Silfverstolpe Mitglied der Königlich-Schwedischen Akademie für Musik (Kungliga Musikaliska Akademien).

1803 verbrachte Crusell auf Einladung sechs Monate in Paris, um Kompositionsunterricht bei Henri Montan Berton und François Gossec zu nehmen. Er machte hier die Bekanntschaft mit Luigi Cherubini, Étienne-Nicolas Méhul, Pierre Baillot und Daniel François Esprit Auber. 1811 reiste Crusell nach Leipzig, um sich einen Verleger für seine Kompositionen zu suchen - das Bureau de musique von Ambrosius Kühnel veröffentlichte Crusells Klarinettenkonzert Es-Dur op. 1 und sein Klarinettenquartett Es-Dur op. 2. Auch nach der Übernahme durch C.F. Peters 1814 wurden weitere Werke Crusells in Leipzig publiziert.

Ab 1817 rief Crusell zusammen mit anderen Musikern der Hofkapelle eine Subskriptionsreihe mit Kammermusikabenden ins Leben. Im Jahre 1818 wurde Crusell Musikdirektor der beiden Leibgrenadierregimenter in Linköping, eine Position, die er bis 1836 inne behielt. Er stiftete aus den Erlösen seiner Konzerte einen Fonds zur Unterstützung von Musikern und deren Familien. Im Frühjahr 1822 wurde Crusell von Schwindelanfällen und schweren nervösen Störungen gequält, die es ihm für ein paar Jahre unmöglich machen sollten, seinen Verpflichtungen im Orchester nachzukommen. Im Juni 1822 brach er deshalb zu einer Kurreise nach Karlsbad auf. Als er im Oktober desselben Jahres nach Stockholm zurückkehrte, fühlte er sich besser, aber keineswegs auskuriert. Auf dieser Kurreise traf er in Berlin u.a. mit dem jungen Felix Mendelssohn-Bartholdy und dessen Schwester Fanny zusammen, in Dresden mit Giacomo Meyerbeer und Carl Maria von Weber. Im gleichen Jahr wurde Crusell auch als Nachfolger für den Posten des Hofkapellmeisters gehandelt, letztlich aber abgelehnt, da er „zu liebenswürdig“ war.

1822 veröffentliche Crusell drei Bände mit Sololiedern auf Texte des schwedischen Dichters Esaias Tegnér und anderer. 1826 folgte ein weiterer Band Frithiofs saga mit zehn Liedern wiederum auf Texte von Tegnér. Seine Oper Lilla slavinnan (Die kleine Sklavin) wurde 1824 in Stockholm uraufgeführt und erlebte 34 Wiederholungen in den folgenden Jahren. Für die Eröffnung des Göta-Kanals am 26. September 1832 komponierte Crusell eine Chorkantate auf Worte von Magnus Martin af Pontin. In den 1820er und 1830er Jahren begann Crusell, der auch ein sehr talentierter Übersetzer war, mit der Übertragung von Opernlibretti ins Schwedische (u.a. Le nozze di Figaro, Il barbiere di Siviglia, Fra Diavolo, Fidelio). Die meisterhafte Übertragung des Figaro brachte ihm die Wahl in den „Götiska förbundet“ ein, den wichtigsten literarischen Verein in Schweden. Im Jahre 1837 erhielt er den großen Preis der Schwedischen Akademie (die Goldmedaille) und er wurde in den Vasa-Orden für Verdienste um Staat und Gesellschaft aufgenommen.

Crusells letzter Auftritt als Solist in Stockholm war wahrscheinlich am 18. November 1831 im Rahmen eines Konzertes im Königlichen Schloß in Stockholm. Crusell verließ die Hovkapellet zum 1. Januar 1834. Trotzdem trat er noch einmal im November 1834 im Riddarhuset auf, um bei einer Aufführung von Beethovens Septett op. 20 mitzuwirken. Bernhard Crusell starb in Stockholm am 28 Juli 1838. Bei der Beerdigung führten die Hofkapelle und Mitglieder des Chores der Oper Teile von Mozarts Requiem zu seinem Gedächtnis auf. Crusell wurde auf dem Solna Friedhof begraben; ein Freimaurersymbol markiert sein Grab.

Wirkung
Anfang des 19. Jh. zählte Crusell zu den herausragendsten Klarinettenvirtuosen Europas (von vielen Zeitgenossen wurde Crusells Tonbildung als wunderschön und meisterhaft bezeichnet) und er galt der Allgemeinen Musikalischen Zeitung 1827 als „der beliebteste schwedische Componist“. Nach seinem Tode verblaßte die Erinnerung an seine Konzerte und seine Kammermusik allmählich. Ein neuer musikalischer Stil – geprägt von den Komponisten Adolf Fredrik Lindblad und vor allem Franz Berwald – brach sich Bahn und beherrschte die Podien. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jh. kam es national (in Schweden und Finnland) und international zu einer Renaissance der Musik Crusells. Seine sehr virtuosen Kompositionen – meist mit oder für Klarinette – werden heute weithin geschätzt. Die Kompositionen sind einem klassizistisch-frühromantischen Klangideal verpflichtet, voller origineller thematischer Einfälle und rücken Crusells Stil in die Nähe Webers und Spohrs.

Werke
Crusell hinterließ 62 verschiedene Werke: Orchesterwerke, Kammermusik, die Oper Den lilla Slafvinnan, ferner Schauspielmusiken, Kantaten und Lieder für Solostimme und Chor sowie Militärmusik:
Op. 1 Klarinettenkonzert Es-Dur, 1811
Op. 2 Klarinettenquartett Nr. 1 Es-Dur, 1811
Op. 3 Concertante für Klarinette, Horn, Fagott und Orchester, 1816 (Pot Pourri pour clarinette, cor et basson par Bernhard Crusell)
Op. 4 Klarinettenquartett Nr. 2 c-Moll, 1817
Op. 5 Klarinettenkonzert f-Moll, 1817
Op. 6 Drei Klarinettenduos, 1821
Op. 7 Klarinettenquartett Nr. 3 D-Dur, 1823
Op. 8 Flötenquartett D-Dur (Arrangement von Op.7), 1823
Op. 9 Divertimento für Oboe und Streicher C-Dur, 1823
Op. 11 Klarinettenkonzert B-Dur, 1829
Op. 12 Introduction et Air suédois varié , 1830
Concertino für Fagott und Orchester B-Dur, 1829
"Die kleine Sklavin" ("Den lilla slavinnan"), Romantisches Schauspiel in drey Akten, 1824
zahlreiche Lieder und Chorsätze
Man soll nicht lügen. Es sei denn, daß man mit der Wahrheit noch schlechter führe.
Curt Goetz

orsini

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2

Donnerstag, 16. November 2017, 23:59

Die Klarinettenquartette

Bernhard Crusell komponierte insgesamt 3 Klarinettenquartette:

Quatuor [N:o 1, Es-Dur] pour Clarinette, Violon, Alto et Violoncelle op. 2
1. Poco Adagio — Allegro Es-Dur
2. Romanze: Cantabile As-Dur
3. Menuetto: Allegro — Trio — Menuetto D.C.
4. Rondo: Allegro vivace Es-Dur
Das erste Quartett ist ganz im Stil des 18. Jh. gehalten, mit starken Mozartschen Einflüssen. Crusell behandelt die Klarinette eher als Soloinstrument denn als Teil eines Quartetts. Von besonderer, getragener Schönheit ist das Cantabile des 2. Satzes, während das abschließende Rondo mitreißende Lebensfreude verströmt. Es wird berichtet, dass Michail Glinka (1804–57) beschloss, Komponist zu werden, als er um 1814 eine Aufführung dieses Quartettes erlebte.

Quatuor [N:o 2, c-moll] pour Clarinette, Violon, Alto et Violoncelle op. 4
1. Allegro molto
2. Menuetto — Trio — Menuetto D.C.
3. Pastorale: un poco Allegretto
3. Rondo: Allegro
Das Quartett ist gewidmet: Monsieur Henséric Brandel Conseiller de Legation etc.etc.
Das zweite Quartett ist schlichter ausgeführt als die beiden anderen Konzerte. Die technischen Ansprüche an die Musiker sind gering. Besonders hervorzuheben die innige Pastorale des 3. Satzes im wiegenden 6/8-Takt.

Quatuor [N:o 3, D-Dur] pour la Clarinette, Violon, Viola et Violoncelle opus 7
1. Allegro non tanto
2. Un poco Largo
3. Menuetto: Allegro - Trio - Menuetto da capo
4. Finale: Allegro
Das Quartett ist gewidmet: dedié A Monsieur le Comte Gustave de Loewenhielm, Premier Gentilhomme de la Chambre des S.M. le Roi de Suède et de Norvège, Lieutenant-Général de Ses Armées, Commandeur et Chevalier, Grand Croix de l'Ordre de l'Epée etc etc

Das dritte ist das positivste, am weitesten fortgeschrittene der drei Quartette. Die Ecksätze haben ein extravagantes, militärisch anmutendes Gepräge (dem Widmungsträger geschuldet?), der kunstvolle langsame Satz mit seiner anrührend schönen Coda bietet dazu einen reizvollen Kontrast. Die Nähe zu Webers 1816 erschienenem Klarinettenquintett ist deutlich zu hören. (Das D-Dur-Quartett op. 7 wurde auch als Flötenquartett mit identischem Streicherpart als opus 8 veröffentlicht.)

Dame Thea King legte zusammen mit Mitgliedern des Allegri String Quartett im Jahre 1981 eine wunderschön gespielte, fesselnde Aufnahme aller drei Quartette vor. Kings Ton ist im positiven Sinne üppig und hervorragend von den Technikern eingefangen.












Leider habe ich von Thea Kings Aufnahme kein Youtube-Beispiel gefunden, daher hier der 1. Satz aus op. 2, gespielt von einem jungen und schön aufspielendem, bei youtube aber leider namenlosen Quartett...
Man soll nicht lügen. Es sei denn, daß man mit der Wahrheit noch schlechter führe.
Curt Goetz

orsini

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3

Montag, 20. November 2017, 22:48

Die Klarinettenkonzerte

Bernhard Crusell komponierte zwischen ca. 1807 und ca. 1828 insgesamt 3 Klarinettenkonzerte, die zu den schönsten dieser Gattung gehören:
Concerto pour la clarinette Es-Dur op. 1 (erschien ca. 1811/12 im Druck)
Grand concerto pour la clarinette f-moll op. 5 (UA 18. März 1815)
Concerto pour la clarinette B-dur op. 11 (1828/29 im Druck erschienen)
Die Opuszahlen geben nur die Reihenfolge der Leipziger Veröffentlichung wieder, die Reihenfolge der Entstehung ist wohl eine andere. Crusells Autographen sind nicht erhalten, auch zeitgenössische Zeitungen oder andere Quellen, lassen keine genaueren Rückschlüsse auf die Entstehungsreihenfolge zu. Man vermutet, dass das B-Dur-Konzert das früheste ist. Es waren diese Konzerte, die den damaligen Ruhm Crusells als Komponist begründeten und sie sind auch heute wieder Teil des großen Klarinettenrepertoires.

Das Concerto pour la clarinette Es-Dur op. 1 mit den Satzbezeichnungen
1. Allegro
2. Adagio
3. Rondo: Allegretto
entstand spätestens ca. 1812 und ist gewidmet „á mons. le comte Gustave de Trolle-Bonde“. Ein marschartiges Thema charakterisiert den lebhaften, reizvollen ersten Satz, der zweite, sehr langsame Adagiosatz erinnert an eine Arie von z.B. Boieldieu. Das spritzige Rondo des dritten Satzes mit seinen hüpfenden Rhythmen weist Parallelen zu u.a. dem Violinkonzert von Rodolphe Kreutzer auf. Der virtuose Solopart steht im Mittelpunkt der beiden Ecksätze und ist eher mit Weber als mit Mozart verwandt.

Das Concerto pour la clarinette B-dur op. 11 mit den Sätzen
1. Allegro risoluto
2. Andante moderato
3. Alla pollacca
entstand vielleicht 1807 und hat als Widmungsträger „son altesse royale le prince Oscar prince royale de Suède et de Norvège“. Crusell war dem Kronprinzen Oskar (1799-1859) bei mehreren Gelegenheiten in Linköping begegenet, wo der den Sommer über drei Monate als Dirigent von zwei Kapellen der Königlichen Leibwache verbrachte. Formal fällt das Werk, das an das französische Intrumentalkonzert zu Beginn des 19. Jh. erinnert, bereits ein wenig aus der Zeit. Die Zeit des Concertinos, des Variationswerks hatte bereits begonnen. Geradlinig effektvoll in der Thematik der Außensätze, ist das Andante klassisch schön und der längste langsame Satz in Crusells drei Konzerten; besonders wirkungsvoll setzt Crusell hier das Chalumeau-Register (das dumpfe, tiefe Register) der Klarinette ein. Der dritte Satz „alla polacca“ ist nach damaliger Manier äußerst spielfreudig geschrieben und erlaubt dem Solisten, überlegene Bravour zu zeigen.

Das Grand concerto pour la clarinette f-moll op. 5 umfaßt die Sätze
1. Allegro
2. Andante pastorale
3. Rondo: Allegretto
Dieses Konzert wurde im März 1815 uraufgeführt. 1817 widmete Crusell das Werk dem russischen Zaren Alexander I. Die Anlage der Sätze folgt klassischen Vorbildern, zahlreich und reif sind die thematischen Einfälle Crusells und verraten eine gewisse Orientierung an Beethoven. Erstmalig für die damalige Zeit, verwendete Crusell Echo-Effekte im Andante pastorale. Ein zeitgenössischer Kritiker schrieb, dieser Satz sei „ein sanftes, wahrhaft singbares, und, recht vorgetragen, so einnehmendes Stück, dass die Zuhörer bedauern werden, es so bald zu Ende gehen zu hören.“ Das abschließende Rondo: Allegretto ist wiederum temperamentvoll und erlaubt die umfassende Zurschaustellung der technischen Fähigkeiten des Solisten.

Als Hörbeispiel das Konzert B-Dur op. 11. Emma Johnson, Klarinette, English Chamber Orchestra unter Gerard Schwarz


Zwei sehr schöne Aufnahmen:
Solist ist Martin Fröst, begleitet wird er vom Gothenburg Symphony Orchestra und er Leitung von Okko Kamu. Die Aufnahme entstand im Januar 2008. Sehr transparenter Orchesterklang, in den die Klarinette organisch eingebunden ist.













Thea King spielt auf dieser Aufnahme aus dem Jahren 1981/1982 in Begleitung des London Symphony Orchestra unter Alun Francis, der auch einige der Kadenzen beisteuerte. Warme Atmosphäre mit der Klarinette leicht im Vordergrund, insgesamt ein eher kammermusikalischer, intimer Klang.
Man soll nicht lügen. Es sei denn, daß man mit der Wahrheit noch schlechter führe.
Curt Goetz

Alfred_Schmidt

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4

Dienstag, 21. November 2017, 00:01

Ein verdienstvoller Thread ! Ich bin begeistert !
Meine Sammlung in Sachen Crusell ist - aus mir nicht bekannten Gründen - eher winzig. (2 CDs)
Ich besitze die Einspielung der Klarinettenkonzerte Nr 1-3 mit dem Uppsala Chamber Orchestra unter Gérard Korsten und Per Billman als Solisten (Naxos)
Per Billman (*1961 Tingsryd, Schweden) Per Billman is erster clarinettist des Royal Opera House in Stockholm. So kann man es nachlesen, aber die Einträger sind schon relativ alr....
Das Orchester ist etwas "bulliger" im Klang als von einem Kammerorchester erwartet, der Klarinettenklang indes frappierend natürlich und einschmeichelnd.
Aber natürlich lockt mich auch die Aufnahme mit Thea King. Eventuell wandert sie nächstes Jahr auf meine Bestelliste....

mit freundlichen Grüßen
aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

orsini

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5

Donnerstag, 23. November 2017, 23:41

Weitere Orchesterwerke mit Blasinstrumenten

Zur Gruppe der Klarinettenwerke zählt auch das folgende, spätestens 1804 komponierte und in Stockholm uraufgeführte Werk, mit dem Bernhard Crusell als Komponist debütierte: Introduction et Air Suèdois varié op. 12 pour clarinette et orchestre
1. Introduction: Allegro con brio B-Dur
2. Tema: Andante con moto B-Dur
Var. 1: Risoluto B-Dur
Var. 2: B-Dur
Var. 3: B-Dur
Var. 4: Un poco più lento B-Dur
Var. 5: Più mosso B-Dur
Es basiert auf einem im Jahre 1795 publizierten und damals sehr populären Trinklied des schwedischen Musikverlegers und Komponisten Olof Ahlström (1756-1835) namens ‘Goda gosse glaset töm’ (Supvisa). Das Stück (anfänglich auch unter dem Namen Adagio und Variationen) war lange Zeit in Crusells Repertoire, wurde vermutlich zwischen 1814 und dem Beginn der 1820er Jahre überarbeitet und wurde endgültig 1829 als Introduction et Air Suèdois varié op. 12 veröffentlicht. In diesem Zusammenhang ersetzte Crusell den ursprünglichen Adagio-Beginn mit einer Allegro-con-brio-Introduktion.

Variation 5. Più mosso (attacca) - Andante – Allegretto
Klarinette: Hakan Rosengren. Okko Kamu dirigiert das Schwedische Radio-Sinfonie-Orchester, 1993

Im Jahre 1829 entstand das Concertino für Fagott und Orchester B-Dur
(Allegro brillante B-Dur - Poco adagio g.moll - Allegro (Tempo 1) B-Dur - Allegro moderato F-Dur (Variazione 1-2) - Polacca B-Dur)
das Crusell seinem Schwiegersohn Franz Preumayr widmete. Die Uraufführung fand am 24. September 1829 in der Stockholmer Ladugårdsland Kirche statt, Solist war Franz Preumayr. Anlaß für die Komposition war eine bevorstehende Konzertreise Preumayrs nach Frankreich, Deutschland und England, die seinen Ruf als vielleicht hervorragendster Fagottist Europas begründete. Preumayr war sehr zufrieden mit dem Stück und notierte: „Eines wünschte ich mir, dass alle von Anfang bis zum Ende zugehört hätten, und das ist Papas Concertino. Das wird mein cheval de bataille, mein Schlachtroß.“
Eine Melodie von Boieldieu ist der Ausgangspunkt für zwei Fagottvariationen; die das Werk beschließende Polacca gibt dem Solisten Gelegenheit, seine ganzes Können zu demonstrieren.

Klaus Thunemann, Fagott, begleitet von der Academy of St. Martin in the Fields unter Sir Neville Marriner

Die knapp halbstündige Concertante pour Clarinette, Cor et Basson B-Dur op. 3 mit den Sätzen
1. Allegro B-Dur
2. Andante sostenuto Es-Dur
3. Allegro ma non tanto, B-Dur, Andantino di Cherubini, Più vivo, Più stretto, Tempo 1
entstand im Jahre 1808 und erlebte am 2. April desselben Jahres ihre Uraufführung mit den Solisten Bernhard Crusell, Klarinette, Johann Michael Hirschfeld, Horn, und Johan Conrad Preymayr, Fagott. Widmungsträger ist Monsieur le Baron Gustave d'Akerhjelm Colonel et Chevalier de l'ordre de l'Épée. Akerhjelm war ein kulturell engagierter Offizier der schwedischen Armee: 1818 wurde er Leiter der Hofkapelle und der Königlichen Theater. Dieses „Tripelkonzert“ erschien bei C.F. Peters im Jahre 1816 erstmalig im Druck und wurde im Stockholm des 19. Jh. am häufigsten von Crusells Werken aufgeführt. Das Werk steht dem zeitgenössischen französischen Instrumentalstil nahe. Crusell verwendet im letzten Satz eine Passage aus Cherubinis Oper Les deux journées, um daraus virtuose Variationen zu entwickeln.

Kjell-Inge Stevensson, Klarinette; Ivar Olsén Bassoon, Horn; Knut Sönstevold, Fagott; Okko Kamu dirigiert das Schwedische Radio-Sinfonie-Orchester

Die Werkel liegen auch auf verschiedenen CDs in sehr guten Interpretationen vor:

Vorteil der BIS-CD ist, dass sie alle drei vorgestellten Werke enthält - der Klang wie von BIS gewohnt: brilliant und sehr transparent.
Die anderen beiden CDs enthalten jeweils nur die Concertante, allerdings empfinde ich das Klangbild hier als etwas wärmer, intimer (die Sterling CD von 2007, die cpo-Box von 1977).
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Curt Goetz

orsini

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6

Donnerstag, 23. November 2017, 23:48

Lieber Alfred, vielen Dank für Deinen Zuspruch.
Die Aufnahmen mit Thea King kann ich wirklich wärmstens empfehlen. Es sind meine Lieblingsaufnahmen. Vielleicht etwas ernsthafter als Fröst oder andere, aber gerade dadurch sehr berührend.

Auch wenn es etwas klischeehaft klingt: Ich finde es bemerkenswert, wie Crusells Musik geradezu durchströmt ist von Sonne, Licht, Wärme und einer inneren Heiterkeit - und das, obwohl der Komponist aus einem nordischen Land kommt, mit monatelangen Wintern, widrigem Klima und langanhaltender Dunkelheit...
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Curt Goetz

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7

Montag, 27. November 2017, 22:52

Weitere Werke mit verschiedenen Blasinstrumenten

Drei Klarinettenduos op. 6
Die drei Klarinettenduos von Bernhard Crusell erschienen erstmalig 1821 im Druck. Die der Komposition innewohnende ‘difficulté progressive’ (ein zunehmender Schwierigkeitsgrad) ist heute, wenn auf modernen Instrumenten gespielt wird, kaum noch nachvollziehbar. Wird jedoch auf Instrumenten aus der Entstehungszeit gespielt, ist nur das erste Duett in F-Dur (der Grundtonart der damaligen Klarinetten) einfach zu spielen. Das zweite, in d-moll geschriebene, und das dritte, in C-Dur geschriebene, Duo stellen für damalige Instrumente eine echte spieltechnische Herausforderung dar.
Frédéric Berr (1794 - 1838), Professor für Klarinette am Pariser Konservatorium in den 1830er Jahren, nannte Crusells Duos Meisterwerke und Modelle des Genres.

CD-Aufnahmen zu diesen Werken, konnte ich keine ausfindig machen. Einen ersten akustischen Eindruck von diesen Duos kann man sich jedoch mittels der folgenden youtube clips verschaffen:

Nr. 1 F-Dur (es spielen Carlos Casanova und Wolfgang Meyer)


Nr. 2 d-moll mit den Sätzen
I. Allegro agitato ma non troppo ab 00:00
II. Siciliano ab 04:29
III. Rondo alla Svedese ab 06:12 (es spielen Håkan Rosengren und Mats Löfving)


Nr. 3 C-Dur (es spielen Carlos Casanova und Wolfgang Meyer)
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Curt Goetz

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8

Dienstag, 12. Dezember 2017, 21:22

Flötenquartett D-Dur op. 8
Beim 1823 entstandenen Quatuor pour la Flûte, Violon, Viola et Violoncelle handelt es sich um ein Arrangement des als op. 7 bekannten dritten Klarinettenquartetts. Gewidmet wurde diese Bearbeitung wiederum Monsieur le Comte Gustave de Loewenhielm, Premier Gentilhomme de la Chambre des S.M. le Roi de Suède et de Norvège, Lieutenant-Général de Ses Armées, Commandeur et Chevalier, Grand Croix de l'Ordre de l'Epée etc etc...
Das Flötenquartett besteht aus den folgenden Sätzen:
1. Allegro non tanto D-Dur
2. Un poco Largo A-Dur
3. Menuetto: Allegro - Trio - Menuetto da capo D-Dur
4. Finale: Allegro D-Dur
Einen youtube-Schnipsel des Flötenquartetts habe ich leider nicht gefunden, aber es gibt eine CD mit diesem Werk, wo man zumindest kurz einen Eindruck bekommen kann.


Divertimento für Oboe und Streicher op. 9
Das Divertimento op. 9 in C-Dur für Oboe und Streicher entstand ca. 1822/1823. Crusell schrieb es vermutlich für seinen Kollegen bei der Hofkapelle, den Oboisten C. Braun. Das Werk weist von der Grundstimmung her gewisse Ähnlichkeit mit Mozarts Quartett für Oboe und Streicher KV 370 auf. Die Sätze des Werks tragen die folgenden Bezeichnungen:
1. Allegro, attacca C-Dur
2. Andante poco Adagio, attacca c-moll
3. Allegro, attacca C-Dur
4. Allegro vivace

Hören kann man dieses kurze, aber klangschöne Werk hier in einer Interpretation von Nancy Ambrose King, Oboe; Andrew Jennings, Tim Steeves, Violine; Yizhak Schotten, Viola; Horacio Espinoza, Violoncello. Aufgenommen am 10. April 2014.


Es existiert auch eine Version für Oboe und Klavier: hier spielen Christopher Koppitz, Oboe und Masako Eguchi, Klavier. Allerdings „bohrt“ sich in dieser Version der Oboenton etwas sehr in mein Ohr… eingebettet in den Streicherklang empfinde ich den Oboenklang als sehr viel angenehmer.


Concerto für Horn und Orchester F-Dur
Dieses Konzert wurde 1813 in Stockholm das erste Mal aufgeführt. Die Originalkomposition scheint verloren, deshalb ist auch die Instrumentation nicht eindeutig.
Überlebt hat lediglich der erste Satz Allegro F-Dur in einer Bearbeitung, die Frans Preymayr 1840 für Horn und Blechbläser erstellte. In dieser Version werden die folgenden Instrumente genannt: zwei Klappenhörner (Royal Kent Bugles = in Bauform und Stimmung einer Trompete vergleichbar), drei Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen und ein Bassinstrument.
Zu hören in dieser Aufnahme ist die Royal Swedish Army Band (Livgardets Dragonmusikkår) unter der jungen belgischen Dirigentin Katleen Weverbergh (inklusive einiger „schiefer“ Töne)...


Auch von dieser Komposition gibt es eine Bearbeitung für Horn und Klavier.
Man soll nicht lügen. Es sei denn, daß man mit der Wahrheit noch schlechter führe.
Curt Goetz

Maurice

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9

Dienstag, 12. Dezember 2017, 22:21

Bernhard Crusell komponierte insgesamt 3 Klarinettenquartette:

Es gibt seit einigen Monaten von dem Label Glossa eine weitere Aufnahme mit dem Klarinettenquartetten:

Erich Hoeprich (Klarinette)
hat sich mit dem
Londoner Haydn Quartett
zusammengetan …

Die drei veröffentlichten Klarinettenquartette gehören zu den schönsten Kammermusikwerken der Frühromantik für dieses Instrument. Auf dieser Neueinspielung der drei Preziosen sind Eric Hoeprich (Soloklarinettist des Orchestra of the Eighteenth Century) und die Mitglieder des renommierten London Haydn Quartet auf hervorragenden historischen Instrumenten zu hören, die einen warmen, mischungsfreundlichen Klang erzeugen, der sich durch Transparenz und Detailreichtum auszeichnet und somit ideal für diese Musik ist.
Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

orsini

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10

Dienstag, 12. Dezember 2017, 23:37

Oper

Den lilla slavinnan (Pieni Orjatar)
Die komisch-romantische Oper in drei Akten Den lilla slavinnan (Die kleine Sklavin) ist Crusells einziger Beitrag als Opernkomponist. Das Werk wurde am 18. Februar 1824 in Stockholm uraufgeführt und erlebte in den folgenden 14 Jahren 34 Reprisen. Das Libretto wurde von dem Franzosen René Charles Guilbert de Pixérécourt verfasst; es beruht auf dem Märchen von Ali Baba und den vierzig Räubern aus den Erzählungen aus 1001 Nacht. Die Übersetzung ins Schwedische besorgten Ulrik Emanuel Mannerhjerta (1775–1849) and Gustaf Lagerbjelke. Es ist zugleich die erste Oper, die von einem finnischen Komponisten geschrieben wurde.

Crusells Kurreise nach Karlsbad im Jahre 1822 hatte keine endgültige und länger anhaltende Besserung seines Gesundheitszustandes zur Folge. In seiner Autobiographie schrieb er, dass sich sein Zustand jedoch durch die strenge Diät schrittweise verbesserte, so dass er 1824 wieder seinen Dienst in der Hofkapelle aufnehmen konnte. Aber auch ein anderer Umstand trug zu dieser vorteilhaften Veränderung bei: Crusell wurde von der Königlichen Oper beauftragt, die Musik zu einem Theaterstück zu schreiben. Mit steigendem Interesse an dem Stück, nahm auch seine Energie zu. Nach beendeter Arbeit fühlte er sich spürbar besser und fand bestätigt, wie vorteilhaft eine interessante Beschäftigung für Personen mit „schwachen“ Nerven ist.

Crusell verwendet in seinem Werk Vaudeville-Elemente, Räuberchöre und andere unterhaltende Elemente; auf eine Ouvertüre folgen insgesamt 16 unterschiedlichste Nummern: Ballette, Pantomimen, Arie, Duette, Romanzen. Eine weitergehende Inhaltsangabe habe ich in deutschen Opernführern nicht finden können.
Musikalischer Höhepunkt ist die Arie Nr. 12 der Zetulbé (der namensgebenden kleinen Sklavin) mit obligater Klarinette: Von des Ganges wunderschönem Strande. Auf eine empfindsame langsame Einleitung folgt ein virtuoser Allegro-Teil, in dem Stimme und Klarinette abwechselnd in kleinen und dann wieder überschwenglichen Koloraturen und Verzierungen miteinander wetteifern.

https://www.youtube.com/watch?v=AkZWJJFgLds
Interpreten sind Isolde Siebert, Sopran; Dieter Klöcker, Klarinette; Sinfonieorchester des Südwestfunks, Dirigent ist Klaus Donath.

In jüngerer Zeit wurde die Oper in den 1960er und 1990 im finnischen Rundfunk unter dem Namen Pikku orjatar gespielt. 1996 brachte das Stadttheater Turku die Oper unter dem Namen Pieni orjatar in finnisch auf die Bühne; die Aufführung war zugleich die Grundlage für eine CD-Aufnahme in schwedischer Sprache (CD-Classica CL 144, ISSN 1236-0325, 1997. Zetulbe: Riikka Hakola, Ali: Tero Hannula, Sadi: Tom Nyman, Massur: Marko Putkonen, Nurmahal: Hans Lydman, Hassan: Petri Lindroos, Morgiana: Pia-Gunn Anckar, One voice from the vault: Dan Karlström, Åbo operakör, Åbo stadsorkester, cond: Ulf Söderblom)

Eine konzertante Version ohne gesprochene Dialoge dieser Oper findet sich hier:

https://www.youtube.com/watch?v=XlL0ULoQf0U

Overtüre 0:00
1. Act 07:01
2. Act 23:06
3. Act 34:51 (die oben angeführte Arie Nr. 12 der Zetulbé beginnt bei ca. 40:00)

Die Aufnahme entstand 1991/1992; es singen und spielen:
Kaisa Hannula, Sopran /Zetulbe
Marjatta Airas, Mezzosopran /Morgiana
Risto Saarman, Tenor /Sadi
Raimo Laukka, Bariton /Nurmahal
Heikki Kilpeläinen, Bariton /Hassan
Antti Suhonen, Bass /Ali
Polyteknikkojen Kuoro (Männerchor)
Akademiska Damkören Lyran (Frauenchor)
Kullervo Kojo, Klarinette
Osmo Vänskä dirigiert das Finnische Radio-Sinfonie-Orchester
Man soll nicht lügen. Es sei denn, daß man mit der Wahrheit noch schlechter führe.
Curt Goetz