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Dr. Holger Kaletha

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61

Donnerstag, 11. Januar 2018, 21:59

Ich vermisse das Atmen, den Raum, das Leuchten der Töne. Und das ist gerade bei der B-Dur Sonate für mich ganz wesentlich.
Das werde ich mir noch anhören, lieber Christian. :D Es gibt Sachen in der Tat, da passt die Ashkenazy-Ästhetik einfach nicht, z.B. bei der 8. Prokofieff-Sonate. Auch seine Mozart-Konzerte finde ich teilweise schon sehr spröde - aber darin auch gerade wieder sehr "eigen" und ungewöhnlich. Er ist eben ein Epiker und eher kein Lyriker. Allerdings haben gerade die älteren CD-Überspielungen einiges versaut. Die sind z.B. schauerlich blechern im Vergleich mit dem warmen Klang der LP (Scriabin-Sonaten). Auch den Liszt bei Youtube kann man kaum hören, da wird die Quad-Elektrostaten-Abmischung tatsächlich gläsern. Mit einer guten Anlage abgespielt ist das etwas Anderes.

Liebe Grüße
Holger

Dr. Holger Kaletha

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62

Freitag, 12. Januar 2018, 17:42

Ashkenazy

Das ist aber wirklich grandios - und "typischer" Ashkenazy, wie es typischer nicht mehr geht. Er erzählt eine Geschichte auf dem Klavier mit einem wunderbar warmen und runden Ton und einer Traurigkeit, die jedoch nichts Auratisches hat, sondern total diesseitig ist. Sozusagen Schubert vom enthusiastischen Romantiker zum Humanisten des Rein-Menschlichen konvertiert. Wie immer beeindruckend bei Ashkenazy - und das hat er Affanasjew voraus - dass er bei der Erzählung nie den Sinn für das große Ganze verliert. Er spielt das wie er eine Symphonie dirigiert - diese Sonate bekommt unter seinen Händen wahrlich symphonische Dimensionen. Das ist wirklich der interpretatorische Gegenentwurf zu Berman. Ich finde das beeindruckend - auch wenn es keine Schubert-Melodie-Romantik zum Dahinschmelzen ist. :)

Einzig und allein die Decca-Aufnahmetechnik entspricht nicht ganz den sonst üblichen hohen Standards. Der Bass klingt wirklich topfig. Leider!

P.S. Bei der "Wandererfantasie" gefällt er mir dagegen gar nicht. Das wird - ohne jegliche Ästhetisierung - dann doch sehr rustikal.

Schöne Grüße
Holger

moderato

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63

Freitag, 12. Januar 2018, 19:26

Lieber WilliamB.A.
Diese Ashkenazy-Aufnahme habe ich im Regal stehen und werde sie mir nach langer Zeit wieder anhören.

Lieber Dr. Holger Kaletha

Und deinen Vorschlag der älteren DECCA Aufnahme mit den Schubert-Sonaten werde ich erwerben. Werde mich mal umsehen, ob es sie noch irgendwo angeboten wird.

LG moderato
.
Um ein guter Zuhörer zu sein, muss man eine musikalische Kultur erwerben...man muss vertraut sein mit der Geschichte und Entwicklung der Musik, man muss zuhören...Um die Musik zu empfangen, muss man seine Ohren öffnen und auf die Musik warten, man muss glauben, dass man sie braucht...Zuhören ist anstrengend, und blosses Hören ist keine Leistung. Auch eine Ente kann hören.
Igor Strawinsky

.

Dr. Holger Kaletha

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64

Freitag, 12. Januar 2018, 20:05

Und deinen Vorschlag der älteren DECCA Aufnahme mit den Schubert-Sonaten werde ich erwerben. Werde mich mal umsehen, ob es sie noch irgendwo angeboten wird.
Lieber Moderato,

als Einzel-CD ist sie relativ teuer für 22 Euro. Da lohnt es sich, für 110-120 Euro diese komplette Box (56 CDs!) zu kaufen, wo sie drin enthalten ist. :)



Schöne Grüße
Holger

William B.A.

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65

Freitag, 12. Januar 2018, 21:16

Hier ist die Box noch fast um 12 € günstiger:



Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Dr. Holger Kaletha

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66

Samstag, 13. Januar 2018, 08:39

Mein Gott- welch eine Offenbarung vom ersten Ton an, Ein derartig beklemmend schöner Klang voll Wärme und Intimität, dass mir der Atem stocken wollte. Und dann der kristallklare tiefe Triller mit einer kaum merkbaren dynamischen Bewegung auf der Mitte der Phrase- grandios!
So ging es mir auch, lieber Willi! Sonst spare ich mir auch schon mal die Expositionswiederholung, wenn ich nicht viel Zeit zum Hören habe, aber bei Ashkenazy habe ich alles komplett durchgehört. Das war einfach zu fesselnd! :)
Hier ist die Box noch fast um 12 € günstiger:
jpc hatte die Box eine Zeit lang auch zu dem Preis im Angebot - da habe ich zugeschlagen. :) Das lohnt ich wirklich - nicht nur wegen vieler Aufnahmen, die sonst nicht oder nur sehr schwer zu bekommen sind sondern auch wegen der technisch hervorragenden Überspielung. Die Sciabin-Sonaten klingen hier wirklich so schön, wie sie mal auf der LP geklungen haben. Dagegen kann man die ältere CD-Überspielung - blechern und unausgewogen - wirklich in die Tonne schmeißen! :D

Herzlich grüßend
Holger

William B.A.

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67

Samstag, 13. Januar 2018, 13:27

Das nächste Dutzend Interpretationen, lieber Holger, wird dem Interpretenbuchstaben "B" vorbehalten sein, lieber Holger, und da habe ich doch die eine oder andere mir vorher ungekannte Aufnahme entdeckt. :D

Liebe Grüße

Willi :)
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William B.A.

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68

Montag, 15. Januar 2018, 18:05


Franz Schubert, Klaviersonate Nr. 21 B-dur D.960
Paul Badura-Skoda, Klavier

Instrument: Fortepiano Conrad Graf, Grand, c. 1826
AD: 11/12/2011
Spielzeiten: 19:36-8:26-4:16-8:33 --- 40:51 min.;

Zu Beginn dieser Besprechung möchte ich Paul Badura-Skoda aus dem Booklet dieser Doppel-CD zitieren, da er dezidiert auf die Wiederholung der Exposition eingegangen ist:

Zitat

Paul Badura-Skoda: Die Frage, ob man den 1. Teil eines Schubertschen Sonatensatzes soll, ist umstritten, gerade in dieser Sonate. Mein Freund Alfred Brendel ist strikt dagegen. Er schreibt:

Zitat

Alfred Brendel: In Schuberts B-dur-Sonate, die so oft als Beispiel herangezogen wird, verzichte ich auf diese Überleitung [zur Wiederholung] mit besonderem Vergnügen: so ohne jede logische oder atmosphärische Beziehung steht dieser zuckende Ausbruch da, als hätte er sich aus einem fremden Stück in die großartige Harmonie dieses Satzes verirrt (Nachdenken über Musik, 1977 S. 93)

Badura-Skoda sagt dann:

Zitat

Ich selbst bin anderer Meinung: In diesen unheimlichen neun Takten (ab T. 117) sehe ich einen Geniezug, gerade deshalb, weil sie "aus dem Rahmen" fallen wie der plötzliche Einbruch einer anderen Welt, der die vorherrschende Heiterkeit der Exposition brüsk unterbricht. Nur dieses einzige Mal , einen Takt vor der Wiederholung, erscheint das entfernte leise "Donnergrollen" vom 8. Takt des Themas ganz "nahe", im drohenden Fortissimo". Dadurch gewinnt der Wiedereintritt des Hauptthemas eine andere Bedeutung als am Beginn, er vermittelt weniger das Bild einer sanften Abendstimmung als erlösendes Aufwachen nach einem Albtraum".

(P.S.: in meinen bisherigen 73 Aufnahmen sind 56 mit Wiederholung der Exposition und 17 ohne, also fast 80 % der Aufnahmen mit Wiederholung.)

Paul Badura-Skoda, der bei Entstehen dieser Aufnahme gerade 84 geworden ist, gehört zu den rascheren Pianisten, zumindest im Kopfsatz und im Andante. Der Graf-Flügel klingt heller und direkter als der Flügel, den Ashkenazy gespielt hat, und besonders im tiefen Bass-Triller hat er nicht die runde, samtene Tiefe, was mir bei Ashkenazy besser gefiel. Zudem ist er im Kopfsatz eine Minute schneller als Ashkenazy, bleibt aber durchaus noch im zeitlichen Rahmen, wie ich finde.
Möglicherweise ist es der wesentlich neueren Aufnahmetechnik geschuldet, dass der dynamische Pegel auch wesentlich höher ist als bei Ashkenazy. Pianissimo ist das nicht.
Im dritten Teil des Themas (Takt 20 bis 35) hält er das äußere Tempo exakt bei und steigert auch in den letzten beiden Takten auf der Basis der höheren Grundlautstärke entsprechend, so dass wir am Ende von Takt 35 eher bei einem Fortissimo sind, aber das ist so durchaus in Ordnung.
Allerdings könnte er in den Taktübergängen 40/41 und 42/43 die dynamischen Akzente präziser spielen, die so angesichts der hohen Grundlautstärke, wie ich finde, nicht deutlich genug herauskommen. Das war bei Ashkenazy wesentlich präziser. Ähnlich behält es sich mit der Steigerung in Takt 46/47 zum Fortissimo hin (nach voraufgegangenem Decrescendo). Auch da ist der dynamische Verlauf zu unkonturiert. Vor allem ragt hier das Fortissimo, wie ich finde, nicht deutlich heraus.
Auch im zweiten Thema (Takt 49 bis 69) in fis-moll scheinen mir die dynamischen Bewegungen auf der Basis einer nach wie vor zu hohen Grundlautstärke zu wenig ausgeprägt, d. h. die Entwicklung der allein in diesen 30 Takten fünf Crescendi und vier Decrescendi hätte ich mir deutlicher gewünscht.
Im dritten Thema ab Takt 80 setzt sich dieser Trend fort. Auch hier hätte as dynamische Spiel kontrastreicher sein können. In der Schlussgruppe spielt er allerdings ein prachtvolles Crescendo mit einem veritablen Fortissimo in Takt 105. Danach sind allerdings die Decrescendi in Takt 114, 116 und 118, als Kontraste zu den Mezzoforti in Takt 117a, 119a, und 121a wiederum zu kontrastarm, wie ich finde, und der Abschlusstriller ffz in Takt 124a/125a klingt auf diesem Flügel gelinde gesagt nicht schön, sondern hässlich. Die anschließende Pausenfermate am Ende von Takt 125a empfinde ich als zu kurz.
Für die Darbietung der Wiederholung gelten m. E. die gleichen Anmerkungen zum dynamischen Verlauf wie zur ursprünglichen Exposition, d. h., sie ist mir nicht zu dynamikarm, sondern zu kontrastarm.
Das erste Mal empfinde ich ein zutreffendes Pianissimo in Takt 117b, auf dem Ritardando. In der Durchführung (ab Takt 118 b138 empfinde ich dies Kontrastarmut auf hohem dynamischen Level immer noch, erst nach dem Forte in Takt 140 geht er deutlicher zurück und spielt dann nach der Rückkehr zum B-dur von einem niedrigeren dynamischen Level aus eine etwa ab Takt 163 großartige dynamische Steigerung bis hin zum Fortissimo in Takt 172/173, die ihren Namen auch wirklich verdient. Auch das Dramatische kommt in diesen teilweise dissonanten klopfenden Achtelakkorden in der Begleitung besonders eindrucksvoll zum Tragen. Mit Wiedereintritt des Basstrillers, Takt 186 und Wiederkehr des Themas ab Takt 188 mit Auftakt spielt er in der Tat ein sehr ansprechendes Pianissimo, allerdings erreicht er keinesfalls am Ende der Durchführung nach dem Decrescendo-Achtelabwärtsgang in den beiden letzten Trillern das notierte ppp.
Auch die Reprise setzt m. E. nicht "pp" ein, sondern bestenfalls "mp". Auch ein Unterschied zwischen dem pp In Takt 216 mit Auftakt und dem ppp in Takt 223 mit Auftakt ist nur zu erahnen. Im weiteren Verlauf werden die dynamischen Kontraste wieder deutlicher. Das hätte ich gerne durchgängiger gehört. Warum das hier so selten zu hören ist, entzieht sich meiner Kenntnis. (Was Paul Badura-Skoda dagegen in seinem Recital am 25. 11. 2017, 7 Wochen nach seinem 90. Geburtstag als "Einspringer" für den erkrankten Bruno Leonardo Gelber in Burgsteinfurt geboten hat, war im Vergleich zu dieser Aufnahme von einem anderen Stern.
Und wenn man dann die letzten 13 codartigen Takte hört, fragt man sich, warum das nicht immer so berührend geklungen hat.

Im Andante sostenuto ist Badura-Skoda signifikant schneller als Ashkenazy, aber durchaus noch im Rahmen, und vor allem beginnt er hier dynamische deutlich zurückhaltender und zeichnet hier auch die dynamischen Bewegungen sorgfältiger nach, arbeitet die Kontraste deutlicher heraus. Er lässt dem gleichmäßig gesteigerten Crescendo (ab Takt 9) ein ebenso deutliches Decrescendo folgen. Auch in der Wiederholung (ab Takt 189 sind die dynamischen Bewegungen hier durchaus präzise wiedergegeben und entfalten erst auf diese Weise ihre stark Wirkung und dringen tief in den musikalischen Kern vor. Auch die Folge pp(Takt 30)-decr. (Takt 34-ppp (Takt 38 gelingt hier eindrucksvoll und leitet zum wundersamen Seitenthema über.
In diesem (ab Takt 43)dreht er allerdings temporal, wie ich finde, etwas stark auf, im ersten variierten Teil (ab Takt 51 mit den Sechzehntelquintolen, hier in der Begleitung in der oberen Oktave hätte er dagegen durchaus noch etwas mehr steigern können (von p -- mf), wohingegen er ab der neuerlichen Themenvariation ab Takt 59 wieder stärker nach oben geht, sodass der Kontrast zwischen diesen beiden Themenvariationen m. E. hätte größer sein müssen (mf - p). Die anschließende Rückgang nach pp (Takt 63) und anschl. Crescendo (Takt 67) gelingen wieder besser.
Die letzte Variation (ab Takt 76, mf, mit Rückgang und pp ab Takt 80) sowie abschließendem Diminuendo gestaltet er geradezu grandios und legt hier auch in Takt 90 eine ausreichende Generalpause ein.
Im reprisenförmigen Teil gestaltet er die insistierend klopfenden Sechzehntel im Bass sehr eindringlich, was durch den Klopfrhythmus der Staccato-Sechzehntel noch intensiviert wird.
Die herrliche Coda ab Takt 123 spielt auch er sehr berührend und bringt sie zu einem grandiosen Morendo.

Das Scherzo beginnt er m. E. zu laut, es sollte pp sein, ist aber mindestens mp. Das Problem hatten wir schon mal im Kopfsatz. Erst im Mittelteil des Scherzos, wo "p" notiert ist, ist er nahe an der Partitur, und etwa ab Takt 41 (pp) ist er dann in der Spur. Man muss ja auch die dynamischen Bewegungen als solche noch erkennen können, was hier dann auch gegeben ist.
Das Trio mit den synkopierenden Forzandopiani gefällt mir ausnehmend. Dann wiederholt er das Scherzi da capo und schließt dann die vier Codatakte an.
Durch die durchlaufenden klopfenden Viertel in der Begleitung verdeutlicht auch er sehr schön, dass die Fröhlichkeit und Verspieltheit nur vordergründig ist.

Im Finale, in dem er ebenso wie im Scherzo etwas langsamer unterwegs ist als Ashkenazy, spielt er dynamisch sehr aufmerksam, zeichnet jetzt die Wendungen deutlich nach, gestaltet die Crescendi ebenfalls sehr deutlich und spielt das auch rhythmisch in dem ständigen Wechsel von Staccato und Legato sehr sorgfältig.
Auch im Seitensatz ab Takt 85, dem zweiten Teil des Rondos, mit durchgängigem Legatocharakter, erfüllt er im Großen und Ganzen die dynamischen Vorgaben, wenn auch zu Beginn seine Grundlautstärke noch etwas hoch ist. Aber rhythmisch ist das doch sehr beachtlich, treten die Bewegungen deutlich hervor.
Mit hörbarer Verve stürzt er sich dann auf den ersten durchführenden, hoch dynamisch-dramatischen Teil, ab Takt 156, den er erst in Takt 184 mit einem organischen Decrescendo auslaufen lässt.
Den zweiten Abschnitt, wieder mehr legatoförmig mit den durchlaufenden Achteltriolen, von Takt 185 bis 223, lässt er ohne Unterbrechung des musikalischen Flusses folgen.
Den insgesamt vierten Teil des Rondos, der sowohl reprisenhafte als auch weiterhin durchführende Züge trägt, ab Takt 226 mit Auftakt, spielt er sehr engagiert weiter, in der ersten Hälfte hochdynamisch, in der zweiten Hälfte, wo das Geschehen durch tonleiterartige Sechzehntelfiguren im Diskant (ab Takt 292) eingebremst wird, führt er zum originalen Thema zurück (ab Takt 313 mit Auftakt.
Auch hier arbeitet er dynamisch wieder sehr sorgfältig, rhythmisch sowieso. und führt wieder zum lyrischen Seitenthema (ab Takt 360 mit Auftakt und lässt es bis Takt 427 weiter fließen, bevor sich nach den beiden Generalpausentakten die Durchführung nochmal, zwar kürzer, aber "mit der gleichen Wucht wie früher" zurück meldet, jedenfalls wiederum in der ersten Hälfte (bis Takt 457), bevor di zweit Hälfte wieder im p und überwiegenden Legato ertönt.
Ein letztes Mal setzt in Takt 490 das Thema ein, aber nur kurz und mit stets schwächer werdenden fp-Akkorden, bis Badura-Skoda die Sonate mit der furiosen Presto-Coda zu einem frappierenden Ende bringt.
Abgesehen von den großen Irritationen im Kopfsatz, schlägt sich Paul Badura-Skoda in den weiteren drei Sätzen teils bravourös, teils zumindest zufriedenstellend.

Liebe Grüße

Willi :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:
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Dr. Holger Kaletha

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69

Montag, 15. Januar 2018, 18:31

Auch die Reprise setzt m. E. nicht "pp" ein, sondern bestenfalls "mp".
Das Scherzo beginnt er m. E. zu laut, es sollte pp sein, ist aber mindestens mp.
Lieber Willi,

wenn ich das lese, werde ich an meine Rezensionen von Aufnahmen mit Hammerflügel erinnert, wo ein immer wiederkehrendes Problem war, dass sich auf diesen Instrument ein wirklich klingendes, tragfähiges pp nicht realisieren lässt. Das hören die Freunde des historischen Klavierklangs nicht gerne, aber das sind einfach die bautechnischen Schwächen des Instruments. :D

Herzlich grüßend
Holger

William B.A.

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70

Montag, 15. Januar 2018, 19:38

Der Hammerflügel, lieber Holger,

hat, wie ich bem Recital am letzten Donnerstag (ich berichtete darüber) in Köln (Kristian Bezuidenhout), nicht nur Probleme im Pianobereich, sondern fast noch mehr im f/ff-Bereich. Ich habe jetzt zum zweiten Mal eine völlig unzureichende Patheitque gehört, dazu eine völlig unzureichende Sonate Nr. 7.

Liebe Grüße

Willi :)

P. S. Ich muss jetzt singen.
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Dr. Holger Kaletha

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Dienstag, 16. Januar 2018, 06:44

Der Hammerflügel, lieber Holger,

hat, wie ich bem Recital am letzten Donnerstag (ich berichtete darüber) in Köln (Kristian Bezuidenhout), nicht nur Probleme im Pianobereich, sondern fast noch mehr im f/ff-Bereich. Ich habe jetzt zum zweiten Mal eine völlig unzureichende Patheitque gehört, dazu eine völlig unzureichende Sonate Nr. 7.
Das war auch das falsche Hammerklavier, zudem noch mit dem völlig falschen Programm, lieber Willi. Das goldrichtige ist hier :D :



(Zum Singen müsste jetzt die Loriot-Version von den Comedian Harmonists hier hin!) :D

Herzlich grüßend
Holger

Christian B.

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Dienstag, 16. Januar 2018, 18:49

Der Hammerflügel, lieber Holger,

hat, wie ich bem Recital am letzten Donnerstag (ich berichtete darüber) in Köln (Kristian Bezuidenhout), nicht nur Probleme im Pianobereich, sondern fast noch mehr im f/ff-Bereich. Ich habe jetzt zum zweiten Mal eine völlig unzureichende Patheitque gehört, dazu eine völlig unzureichende Sonate Nr. 7.

Liebe Grüße

Willi :)

P. S. Ich muss jetzt singen.
Das überracht mich doch. Die Mozartaufnahmen von Bezuidenhut sind exquisit und wunderbar frei. Dabei tue ich mich mit dem Klang des Hammerklaviers eigentlich auch eher schwer. Die Grenze war für mich Beethoven, dessen Sonaten einen größeren Klang verlangen. So ist es offenbar auch bei Bezuidenhut. Aber es gibt eine Ausnahme: die beiden Schubert-Aufnahmen von Lahusen auf dem Hammerklavier sind was ganz Besonderes. Und Lahusen spielt pp. Ich hatte ihn ja schon mal empfohlen.

Viele Grüße
Christian

Dr. Holger Kaletha

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Dienstag, 16. Januar 2018, 21:54

Aber es gibt eine Ausnahme: die beiden Schubert-Aufnahmen von Lahusen auf dem Hammerklavier sind was ganz Besonderes. Und Lahusen spielt pp. Ich hatte ihn ja schon mal empfohlen.
Lahusen ist wirklich sehr gut, das finde ich auch, lieber Christian. Ihn hatten wir mal in einem speziellen Thread besprochen. :hello:

Liebe Grüße
Holger

William B.A.

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Dienstag, 16. Januar 2018, 23:48

Zitat

Christian B.: Aber es gibt eine Ausnahme: die beiden Schubert-Aufnahmen von Lahusen auf dem Hammerklavier sind was ganz Besonderes. Und Lahusen spielt pp. Ich hatte ihn ja schon mal empfohlen.

Nikolaus Lahusen, lieber Christian, habe ich selbstverständlich auch in meiner Sammlung, und als ich im August (während der Erweiterung meiner Sammlung diese Aufnahme erhielt und durchhörte:

packte es mich vom ersten Takt an genauso wie bei Ashkenazy. Lahusen, dessen persönliches Schicksal ich ja bald nach der Aufnahme meiner Erinnerungstätigkeit erfuhr und das mich sehr betroffen machte, spielt die B-dur-Sonate auf einem Conrad Graf Flügel aus 1835. Dem Aussehen nach scheint er auch etwas voluminöser zu sein als der, auf dem Bezuidenhout spielte. Er ist aus der Collection Edwin Beunk:

Schubert habe ich einmal vor Jahren von Andras Schiff auf dem Klavierfestival Ruhr gehört. Er spielte dort auf einem Broadwood-Flügel von 1865, ich meine er habe so ausgesehen:

Schiff spielte die komplette Schubert-Schlusstrias D. 958. D. 959 und als Krönung D.960. Es war gigantisch. So hatte ich mir die Schlusstrias immer vorgestellt. Der Broadwood-Flügel war großartig, und Schiffs Interpretation gehörte mit zu dem Besten, was ich bis heute von Schubert live gehört habe, und D.960 habe ich schon von einer ganzen Reihe von Pianisten ilve gehört, von denen ich die meisten auch in meiner Sammlung habe. Brendel habe ich gar innerhalb eines Vierteljahres zweimal live mit dieser Sonate erlebt, und das lag daran, dass meine Tochter und ich in Köln wegen eine vollen Autobahn zu spät gekommen waren und nur noch nach der Pause in den Saal konnten, wo wir dann noch die B-dur-Sonate live erleben konnten. Ich habe dann noch in der Nacht nach meiner Rückkunft eine Karte für Flensburg (SHMF) bestellt, um das ganze Konzert zu hören. Das war in Brendels letztem Jahr 2008.
Aber nur zweimal habe ich die ganze Trias live in einem Konzert erlebt, beide Male auf dem Klavierfestival Ruhr, einmal von Elisabeth Leosnkaja und einmal von Andras Schiff. Was übrigens Nikoluas Lahusen zu den Vorzügen des Hammerflügels bei Schubert sagt, und was es mit dem "Moderatorpedal" auf sich hat, werde ich dann zitieren, wenn ich bei ihm angelangt bin. Als nächste Aufnahme werde ich die zweite Aufnahme von Paul Badura-Skoda vorstellen, die er vier Monate nach der auf dem Graf-Flügel gespielten mit einem Steinway (2004) augenommen hat.
Ich muss meien Beitraag noch erweitern, als ich vorhin im Thread "Konzertbesuche und ihre Bewertung" gelesen habe, fand ich einen Beitrag, den ich am 13. Mai 2011 verfasst habe, und aus dem hervorgeht, dass ich die Trias noch ein drittes Mal live gehört habe, und zwar von Mitsuko Uchida:

Konzertbesuche und Bewertung

Liebe Grüße

Willi :)
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Christian B.

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75

Gestern, 07:56

Lieber Willi,

ich habe die Sonaten-Trias nur einmal live gehört, das muss im Frühjahr 1989 gewesen sein. Ich weiß das noch so genau, weil ich am nächsten Tag eine Abiturprüfung hatte und überlegt habe, ob ich am Abend zuvor von Augsburg nach München fahren kann und ob das dann nicht zu spät wird. Aber ich habe es natürlich gemacht - es war großartig. Das Abitur hat auch nicht darunter gelitten. Ich bedauere ja, dass Brendel - der an diesem Abend gespielt hat - die Sonaten aus dieser Zeit nicht live veröffentlicht hat. Das war viel aufregender als die digitalen Studioaufnahmen, und auch viel eindringlicher und differenzierter als die Live-Aufnahmen, die er dann 15 Jahre später rausgebracht hat. Damals war er auf seinem Zenit.

Herzliche Grüße
Christian

William B.A.

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76

Gestern, 15:14

Dazu passt auch diese Aufnahme, lieber Christian, die ich jetzt erhalten habe, und die schon seit einer ganzen Zeit in Youtube zu hören und zu sehen ist:



Hier hat er die Trias im Januar 1988 in der "Great Hall fo the Middle Temple" in London aufgenommen.

Hör' selbst!

Liebe Grüße

Willi :rolleyes:
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Christian B.

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77

Gestern, 17:54

Danke für den Hinweis, Willi, aber ich bin kein großer Fan von DVD's - die Qualität der Musikspur ist selten gut genug, als dass es sich lohnen würde, sie zu überspielen und nur anzuhören. Und es ist letztlich auch eine Studioaufnahme ohne Publikum. Brendel ist damals in München - ich war auch an einem weiteren Abend anwesend - viel stärker aus sich rausgegangen, hat mehr riskiert - auch im Ausdruck - und war nicht so sehr um eine klassische, ausgwogene Haltung bemüht. Es gibt eine frühe Live-Aufnahme der Diabelli-Variationen von ihm (wiederveröffentlicht auf der Great Pianists-Reihe), auf der diese Qualität ebenfalls aufblitzt. Und die Beethoven-Konzert #1-4 live mit James Levine atmen auch diesen Geist.

Viele Grüße
Christian

William B.A.

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78

Gestern, 21:08

Paul Badura-Skoda, 4/2012, Wien

Nun die versprochene zweite Badura-Skoda-Aufnahme:


Schubert, Klaviersonate Nr. 2 B-dur D.960
Paul Badura-Skoda, Klavier
Instrument: Steinway Nr. 569686 (2004)
AD: 4/2012
Spielzeiten: 19:21-8:30-4:15-8:43 --- 40:49 min.;

Auch diese Aufnahme scheint höher ausgesteuert, oder Badura-Skoda spielt zu laut, ich würde sagen, hier liegt der Pegel im Vergleich zu Ashkenazy oder Lahusen bei einem satten p/mp, aber der erste Triller ist in einem wahrhaftigen, wie ich finde, glänzend getroffenen Pianissimo. Überhaupt ist der Klang runder und gefällt mir besser.
Im Tempo ist er etwas rascher als auf dem Graf-Flügel, hier im Kopfsatz etwa 20 Sekunden. Im 3. Thementeil ab Takt 20 spielt er die Sechzehntel in der Begleitung eigentlich schon im Pianissimo, und lässt die Musik sehr schön fließen, ohne merklich zu beschleunigen und schließt mit einer kraftvollen Steigerung in den Takten 34/35 ab.
Im 4. Thementeil ab Takt 36 spielt er auch die dynamischen Bewegungen viel deutlicher als in der Graf-Aufnahme, wohl auch wegen der niedrigeren Grundlautstärke und schließt hier mit einem deutlichen Decrescendo und anschließenden Crescendo hin zum zweiten Thema (ab Takt 49).
Auch dies Seitenthema steht in der dynamischen Feinzeichnung auf einem ganz anderen Niveau wie noch in der Graf-Aufnahme, wie ich finde. Hier erkennt man doch die Partitur sofort wieder.
Und das herrliche dritte Thema mit den Staccato-achtel-Triolen ab Takt 79 spielt er sehr eindrucksvoll und mit einer ganz anderen Leichtigkeit. Man sollte es sich eigentlich, wenn man die Klangstärke des Graf-Flügels mit der des Steinway vergleicht, genau umgekehrt vorstellen.
Auch die Schlussgruppe (Takt 99 bis 116) spielt er grandios, desgleichen die für ihn und viele andere (auch für mich) so wichtige Überleitung zur Expositions-Wiederholung.
Auch die Wiederholung der Exposition spielt er wie aus einem Guss, mit aufmerksamer Ausführung der dynamischen Bewegungen und einem organisch fließenden Rhythmus. Wunderbar sind auch wieder die pp-Takt e 115, 118a und 120a sowie das Ritardando in Takt 117b ausgeführt.
Im ersten Teil der Durchführung (Takt 118b bis 145) lässt er es ruhig und traurig fließen mit sanften dynamischen Bewegungen, die auch hier deutlich machen, welche Welten zwischen den beiden Aufnahmen liegen. Während die dynamischen Amplituden in der Graf-Aufnahme einer Hügellandschaft glichen, haben wir es hier mit Höhenkontrasten wie im Hochgebirge zu tun, und stimmungsmäßig ist auch hier trotz zweitem Thema und späterem Wechsel von cis-moll nach B-dur (ab Takt 146) keine wirkliche Entspannung zu sehen bzw. zu hören, im Gegenteil, die Bässe grummeln tief vor sich hin, und ab Takt 160 treten zunehmen dichtere, dissonante Akkorde, nach wie vor im Klopfrhythmus hinzu und münden ab Takt 163 in eine hochdramatische Steigerung mit dem Höhepunkt in Takt 171. Auch das spielt Badura-Skoda grandios, wenn wir nicht vergessen, dass er bei der Aufnahme 84 1/2 Jahre alt ist. Auch den nächsten Abschnitt mit Wiederhinzutreten des Basstrillers (ab Takt 186 bis zum Eintritt der Reprise (ab Takt 215) spielt er sehr berührend und geradlinig, und hier ist in der Tat in Takt 212 in etwa ein "ppp" erreicht.
Hier spielt er auch in der Reprise dynamisch viel stimmiger als in seiner ersten Aufnahme und schließt den ersten Teil ab Takt 264 bis Takt 266 mit einem herrlichen Decrescendo-Crescendo ab, bevor nach dem Überleitungstakt wieder das Seitenthema an uns vorüberzieht. Auch hier ist es eine Freude, den dynamischen Bewegungen zu folgen, die das Seitenthema, auch in den Diskant-Oktavierungen mit munterem, kristallinen Klang ausführt und die Badura-Skoda hier so kongenial wiedergibt.
Auch das dritte Thema, vom Legato wieder ins Staccato wechselnd, spielt er sehr anrührend, in die gleichgestimmte, schon fast überirdische Schlussgruppe einfließend. Und diese schließt dann an die ganz gewisse, wenn auch kurze, so doch überirdische Coda ein.
Es ist mir ein vollkommenes Rätsel, wie ein Pianist innerhalb von noch nicht einmal 5 Monaten zwei so qualitativ völlig unterschiedliche Sätze spielen kann. Liegt es wirklich nur am Flügel? ist der Steinway wirklich um so viel besser? dagegen spricht eigentlich die Interpretation von Nikolaus Lahusen, wie wir später noch sehen werden, und auch mein Live-Erlebnis von vor etlichen Jahren auf dem Klavierfestival Ruhr, wo Andras Schiff, wie ich schon berichtete, an einem Abend die komplette Schlusstrias auf einem Broadwood von 1865 spielte und eine Interpretation vorlegte, wie man sie sicherlich nur alle Jubeljahre einmal erleben darf.
In diese Aufnahme ist Paul Badura-Skoda im Andante geringfügig langsamer als in der Graf-Aufnahme.
Auch ist er dynamisch weitgehend an der Partitur orientiert, wenn auch die Grundlautstärke geringfügig erhöht schein gegenüber dem ätherischen Pianissimo von Vladimir Ashkenazy. Temporal ist er natürlich um Äonen von einem Valery Afanassjew entfernt, aber dies ist ja auch ein Andante, und so ist seine Tempowahl schon in Ordnung. Die kurze E-dur-Episode (Takt 14 bis 17) spielt er atemberaubend. Auch die Themenwiederholung (Takt 18 bis 42) spielt er grandios, vor allem diesmal auch die Stelle am Schluss der Themenwiederholung, Takt 37, wo das Geschehen ins ppp absinkt und er damit auch ein kaum merkliches Ritardando einhergehen lässt.
Das himmlische Seitenthema ist auf einem ebenfalls sehr hohen Niveau, dynamisch wie interpretatorisch, wie ich finde. Auch hier zeichnet er die dynamischen Bewegungen sorgfältig nach, wenngleich auf einem anderen temporalen Niveau wie Afanassjew. Dennoch behält er in allem anderen sein hohes Niveau bis zum Schluss bei und endet nach dem letzten Diminuendo in Takt 88 mit einem deutlich langen Generalpausentakt 89, bevor er Teil A wiederholt.
Auch hier gestaltet er die Staccato Sechzehntel im Bass mit der jeweils abschließenden Achtel sehr eindringlich und spielt das Crescendo ab Takt 98 sehr kraftvoll, bevor im anschließenden Decrescendo wieder die E-dur-Wendung auftaucht, was aber, wie schon in der vorigen Interpretation besprochen, nur äußerlichen Effekt hat, da die insistierenden Staccato-Sechzehntel weiter durchlaufen.
Auch die wundersame Coda spielt er hier sehr berührend, die auch ihre Unerbittlichkeit durch die Änderung der Staccato-Sechzehntel verliert, quasi eine versöhnlichere Form annimmt, wie ich finde.
Er spielt dies wunderbar zu Ende.

Im Scherzo ist er temporal dicht bei seiner ersten Aufnahme. Dynamisch ist er allerdings auch hier an der Obergrenze ist jedoch in den dynamischen Verläufen wesentlich näher an der Partitur als in der Graf-Aufnahme, im zweiten Teil des Scherzos hat er sie sozusagen erreicht.
Das Trio gefällt mir auch rhythmisch wieder ausgezeichnet, wo er den Dreier-Rhythmus durch die Forzandopiani derart verstärkt, dass das Ganze einem Teufelstanz ähnelt, also alles andere als harmlos und lebenslustig ist.
Badura-Skoda schließt dann das Scherzo da capo an und endet mit den 4 Codatakten.

Im finalen Rondo ist Paul Badura-Skoda wieder ungefähr im gleichen Tempo unterwegs wie in der Graf-Aufnahme. Auch hier hält er die partiturgetreue Beachtung der dynamischen Verläufe sehr aufmerksam durch, und auch der rasche Wechsel von Staccato- und Legato-Figuren gelingt, wie ich finde, ausgezeichnet, einschließlich der strukturierenden fp-Akkorde, in denen diesmal das dynamische Abschwellen besser zu vernehmen ist.
Den Seitensatz spielt er mit großer Ruhe und konstantem Legatofluss, auch hier wieder dynamisch wunderbar die Bewegungen nachzeichnend.
Im dritten Teil, dem ersten durchführungsartigen, dreht er zuerst wieder mächtig auf, wobei er aber nicht überbordet und lässt die Oktavierungen im hohen Diskant organisch einfließen, und anschließend zelebriert er den zweiten Abschnitt im Piano bis Pianissimo die Achteltriolen unter dem Thema munter voran fließen.
Im nächsten Thementeil, der den durchführungsartigen Charakter weiter fortträgt, zumal hier zum Wiederanstieg der dramatischen kurve auch die Achteltriolen ab Takt 257 im Bass und ab Takt 261 im Diskant merklich beitragen. Erst im letzten Abschnitt dieses vierten Rondoteils kommt das Geschehen unter den Sechzehntel-Tonleiter-Figuren langsam zur Ruhe, von Badura-Skoda ebenfalls großartig umgesetzt.
Im nun erreichten originalen Thema im reprisenförmigen Gewande lässt er wieder die erforderliche Sorgfalt in der Behandlung der Dynamik walten und spielt anschließend ab Takt 370 wieder das lyrische Seitenthema in großer Ruhe und sanften dynamischen Bewegungen , um danach nach den beiden GeneralpausenTakten 428/429 ein letztes Mal in den dramatischen Furor der Durchführung einzutauchen, angetrieben von den Sechzehntelfiguren im Bass, die in der letzten Hälfte dieses Abschnitts den Achteltriolen Platz machen, die zusammen mit den kurzen Bögen im Diskant den lyrischen Fluss wieder verstärken.
Badura Skoda bringt auch diesen -Abschnitt großartig hinter sich, steuert ein letztes Mal auf das Thema zu in einem prachtvollen Diminuendo-Ritardando, bevor nach verkürzter Form die mitreißende Presto-Coda erreicht und bravourös bewältigt ist.

Im Gegensatz zur ersten Aufnahme eine rundum großartige Interpretation, wie ich finde und, ganze zwei Sekunden kürzer als die erste!

Liebe Grüße

Willi :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).