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Dr. Holger Kaletha

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31

Mittwoch, 8. November 2017, 18:53

Lieber Willi,

ich höre gerade Affanasjew. Exposition: toll - bis zum Ende wo der Triller kommt. Da kommt die Musik ja fast zum Stillstand. Das gefällt mir weniger. Dann wieder wunderbar, wie die Expositionswiederholung mit einer Transformation ins Elfenhaft-Leichte darauf reagiert. Anschließend finde ich allerdings, dass der "rote Faden" etwas verloren geht mit Tempowechseln, Ritardandos. Richter spielt zwar langsam, es bleibt aber doch ein langsamer Fluss. Hier "versandet" der Strom doch etwas.

Hast Du meinen WeTransfer-Link bekommen? Ich bekomme die Meldung, dass Du das noch nicht abgerufen hast! (Ich habe drei Mail-Adressen von Dir, vielleicht habe ich einfach die falsche genommen???? :hello:

Liebe Grüße
Holger

Dr. Holger Kaletha

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32

Mittwoch, 8. November 2017, 19:20

Nee, dieser Affanasjew-Schubert ist nicht meine Welt. Da fehlt die Linie, auch die Genauigkeit der Phrasierung, denn Schubert ist doch irgendwo noch Klassiker. Statt dessen viele Drücker und ein ausladendes russisches Expressivo, out of style. Wenn ich das höre, verstehe ich Goldenweiser. Also: Berman und Zimerman muss ich haben, Affanasjew nicht unbedingt. :D

Schöne Grüße
Holger

Christian B.

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33

Mittwoch, 8. November 2017, 19:49

Lieber Holger,

bezieht sich Deine Einschätzung jetzt auf den Afanassiev-youtube-Mitschnitte oder auf seine ECM-Aufnahme der Sonate?
Letztere finde ich gelungen, die Manierismen seines überlangsamen Spätstils sind hier noch nicht vorhanden, dafür packendes, intensives Klavierspiel - mit einige Freiheiten.

Viele Grüße
Christian

Dr. Holger Kaletha

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34

Mittwoch, 8. November 2017, 20:01

Lieber Christian,

da müssen wir Willi fragen, was er mir für eine Aufnahme geschickt hat. :) Am Schluss gibt es Applaus. Das ist offenbar ein Konzertmitschnitt. Den Anfang wie gesagt finde ich toll. Meine Download-Wiedergabe über die Anlage dagegen ist schrecklich - mit Brumm und dann jede Störung von der Bedienung des PC kommt rüber. Ich habe aber auch nicht Lust, immer alles zu brennen. Da muss mein Sohn mir mal eine vernünftige Soundkarte einbauen! Das ist langsam überfällig. :hello:

Liebe Grüße
Holger

William B.A.

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35

Mittwoch, 8. November 2017, 20:31

Lieber Holger, beide sind Livemitschnitte. Geschickt habe ich dir die Lockenhaus-Aufnahme. Du erkennst sie alleine schon daran, dass der Kopfsatz drei Minuten kürzer ist als 2013 in Moskau. Und da ich in der Lockenhaus-Besprechung auch Joachim Kaiser zitiert habe, stelle ich fest, dass du offenbar nicht seiner Meinung bist. Mich haben seine Begründungen jedenfalls überzeugt, und wenn du mal in deine Partitur schaust und dann mithörst, wird Einiges schlüssiger, das Afanassjew durch seine Tempomodifikationen herausgearbeitet hat. Interessant ist, dass ich, zumindest in der ersten Zeit, m. E. nach übergroße Tempomodifikationen bei Beethoven moniert habe, während du sie öfter in Schutz genommen hast. Hat da inzwischen ein Perspektivwechsel stattgefünden? Bei mir kann ich da mit einem eindeutigen "jein" antworten. :D
Auch aus meinen Zeitangaben geht übrigens eindeutig hervor, welche Aufnahme ich dir geschickt habe, und aus dem Aspekt der Internettechnik, denn ein Youtube-Video kann ich dir gar nicht schicken.

Übrigens:

auch Kocsis gibt es als Youtube-Video, kuckst du:

Liebe Grüße

Willi :)

P.S: Ich habe noch einmal nachgeschaut, lieber Holger. Du hättest mich gar nicht fragen brauchen. In Beitrag 2 habe ich die Lockenhaus-Aufnahme rezensiert, in Beitrag 3 hast du geantwortet, dass du sie nicht hast, sie dich aber reizt, und in Beitreag 4 habe ich dir geantwortet, dass ich sie dir eben geschickt habe. Ich habe dir also da schon gesagt, welche Aufnahme ich dir geschickt habe. ;)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Dr. Holger Kaletha

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36

Mittwoch, 8. November 2017, 20:39

Mich haben seine Begründungen jedenfalls überzeugt, und wenn du mal in deine Partitur schaust und dann mithörst, wird Einiges schlüssiger, das Afanssjew durch seine Tempomodifikationen herausgearbeitet hat. Interessant ist, dass ich, zumindest in der ersten Zeit, m. E. nach übergroße Tempomodifikationen bei Beethoven moniert habe, während du sie öfter in Schutz genommen hast. Hat da inzwischen ein Perspektivwechsel stattgefünden? Bei mir kann ich da mit einem eindeutigen "jein" antworten. :D
Lieber Willi,

grundsätzlich habe ich nichts gegen Tempomodifikationen. Das einheitliche Grundtempo ist ja auch erst in den 60igern und 70igern des 20. Jhd. zum Dogma erhoben worden. Ich hatte glaube ich schon mal die Anekdote erzählt, dass mein Lehrer bei seinem Studium an der Kölner Musikhochschule regelrecht "gemaßregelt" wurde, weil er sich erlaubt hatte, beim lyrischen Thema im Rondo-Finale von D 664 das Tempo rauszunehmen. Das war damals ein ungeschriebenes Gesetz, dass man nicht brechen durfte. Und dann zeigt er mir triumpfierend: Hör mal, Brendel nimmt da auch das Tempo raus! Es ist immer die Frage ob das passt. Geza Anda macht z.B. im ersten Satz von D 664 auch ständig Tempowechsel - da gefällt mir das aber auch nicht. Bei Afanassjew finde ich, dass er die Exposition wirklich wunderbar macht, dann aber in der Wiederholung und später sich irgendwie verzettelt. Das liegt natürlich auch am langsamen Tempo, das ist gefährlich. Aber vielleicht höre ich mir das in Ruhe noch einmal an. Und irgendwo finde ich diese Expressivo-Spiel in den anderen Sätzen nicht idiomatisch. Und er kompensiert mit "Expressivo" fehlende Genauigkeit der Phrasierung. Im Scherzo fehlt mir die gewisse Eleganz. :hello:

Hast Du meinen WeTransfer-Link gefunden?

Liebe Grüße
Holger

William B.A.

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37

Mittwoch, 8. November 2017, 21:57

Lieber Holger,

ich habe den Link gefunden, aber ich kann die Dateien nicht entpackcn. Sie sind komprimiert. Übrigens brauchte ich noch nie eine Datei entpacken, die die du oder Christian mir geschickt hattet.

Liebe Grüße

Willi :)
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Dr. Holger Kaletha

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38

Mittwoch, 8. November 2017, 22:38

ch habe den Link gefunden, aber ich kann die Dateien nicht entpackcn. Sie sind komprimiert. Übrigens brauchte ich noch nie eine Datei entpacken, die die du oder Christian mir geschickt hattet.
Lieber Willi,

komisch! Bei mir kommt dann automatisch das Programm zum Entpacken, wenn ich die Dateien in einen Ordner kopiere. Also verpackt waren sie von WeTransfer immer! Ich kann Dir alles nochmals schicken - ich habe die Dateien ja auf der Platte! :hello:

Liebe Grüße
Holger

William B.A.

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39

Donnerstag, 9. November 2017, 00:30

Lieber Holger,

ich weiß nicht, ob ich mich jetzt irre. Sprachen wir über Schumann, nicht über Schubert? Die 16 Schuman-Dateien sind vorschriftsmäßig entpackt. Die brauchte ich gar nicht mehr zu entpacken.

Also wenn dem so ist, ist ja alles in Ordnung. Ich glaube mich jetzt zu erinnern, dass es um die fis-moll-Sonate op. 11 ging, und dann sind noch die Fantasiestücke dabei.

Liebe Grüße

Willi :)
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Dr. Holger Kaletha

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40

Donnerstag, 9. November 2017, 06:17

ich weiß nicht, ob ich mich jetzt irre. Sprachen wir über Schumann, nicht über Schubert? Die 16 Schuman-Dateien sind vorschriftsmäßig entpackt. Die brauchte ich gar nicht mehr zu entpacken.
Lieber Willi,

richtig, es ging um die Schumann-Sonate fis-moll op. 11 - das ist die CD6 aus der Arrau-Philips-Box (die Studioaufnahme). Automatisch kommt WinAmp und entpackt das. Wenns geklappt hat, ist es ja gut! :hello:

Liebe Grüße
Holger

William B.A.

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41

Mittwoch, 15. November 2017, 16:11


Franz Schubert, Klaviersonate Nr. 21 -B-dur D.960
Geza Anda, Klavier

AD: Mai 1961, Luzern
Spielzeiten: 14:44 (ca. 20)*-10:24-4:36-6:51 --- 36:35 (ca. 42 min.)*

Geza Anda beginnt seinen Vortrag, ich kann es nicht anders ausdrücken, mit einem wunderbar bezaubernden, intimen, gleichwohl klaren Ton. Dynamisch bewegt er sich m. E. durchaus im Rahmen der Partitur, jedenfalls bis dahin. Sein Legato-Spiel ist brillant, und im dritten Teil des Hauptthemas schließt er mit einer grandiosen Steigerung ab, die in einem veritablen Forte gipfelt. Im vierten Teil des Hauptthemas, Takt 36 bis 46, beschleunigt er im inneren Tempoverhältnis merklich und trägt auch der weiteren Steigerung in temporaler und dynamischen Hinsicht im Seitenthema ab Takt 49 Rechnung, das er ebenfalls in einer großartigen Steigerung in der ganz hohe Oktaven auslaufen lässt.
Die schon im Seitenthema begonnen Verschiebung des rhythmischen Pulses vom durchgehenden Legato zum zunehmenden Nonlegato, hauptschlich in der Begleitung, treibt er bei gleichbleibend hohem Tempo weiter voran im dritten Thema mit zunehmendem Staccato und Auflösung des musikalischen Flusses durch Häufung der Pausen vornehmlich in der Begleitung, und in der Schlussgruppe ab Takt 99 führt er das Tempo sehr deutlich zurück und lässt die Exposition, wie ich leider sagen muss ohne Wiederholung auslaufen. Anderweitig wäre er wohl auch über 20 Minuten gekommen.
Allerdings war vom Ausdruck her diese Exposition hervorragend. Den Ritartando-Übergangstakt 117b hätte er allerdings für mein Empfinden etwas mehr ausdehnen können. Das habe ich, vor allem in den vielen vorbereitenden Hörsitzungen, schon intensiver gehört.
In der Durchführung differenziert er im ersten Teil (Takt 118b mit Auftakt bis 145 (cis-moll) nicht nur dynamisch, sondern auch durch Tempomodifikationen und Vorwärtsdrang sehr stark, den er beim neuerlichen Tonartwechsel (ab Takt 146 wieder in B-dur) beibehält. Die klopfenden Achtel ab Takt 150 und das verminderte Tempo tragen jedoch nur wenig zur Aufhellung der Stimmung bei. Anda macht das hier ganz hervorragend.
Aus diesem sozusagenden Anlauf heraus hebt er zu einer grandiosen Steigerung an ab Takt 162 bis zum Fortissimo in Takt 172. Im weiteren Verlauf haben sich die klopfenden Achtel zu Quint- und Sextakkorden verdichtet, was den Trauereindruck noch merklich verstärkt, auch in Andas tiefer Lesart un d auch durch die nun wieder unheilvoll dräuenden triller (ab Takt 186, in Takt 192, 198 und zum Abschluss der Durchführung in Takt 212 und 214.
Auch Geza Anda gestaltet die Pausenfermate hin zur Reprise in Takt 215 auf der Drei deutlich, wenngleich nicht so lang wie Afanassjew. E geht im achten Takt des Themas (223 mit Auftakt) noch etwas zurück bis zum Piano Pianissimo, bevor erneut der Basstriller folgt. Und erneut ist auch hier in der Reprise der überragende Klang zu bewundern, den Anda vorlegt. Im dritten Thementeil legt er im inneren Tempogefüge wieder ähnlich zu wie in der Exposition und steigert wieder grandios bis zum Takt 254.
Im cis-moll-Seitenthema legt er (ab Takt 267) auch wieder temporal zu und hebt auch wieder die dynamischen Kontraste heraus., wunderbar seine Bögen in der ganz hohe Oktave und erneut das dritte Thema mit den auf und ab strebenden Staccato-Figuren, in denen er auch die dynamischen Bewegungen sorgfältig nachzeichnet, und in der Schlussgruppe (ab Takt 318) nimmt er erneut ansatzlos das Tempo heraus. Er spielt das, wie ich finde, mit einer großen inneren Ruhe, einschließlich der kurzen, aber sehr anrührenden Coda.

Dass Andante sostenuto spielt er nicht ganz so langsam wie Afanassjew, aber deutlich langsamer als Kocsis. Auch Andas Ausdruck ist sehr traurig. Dynamisch spielt er sehr sorgfältig, bildet einen großen Kontrast zwischen dem Pianissimo und dem Forte. In den stufigen Steigerungen ( ab Takt 9 und 22 spielt er beeindruckende Crescendi, und in der Gegenbewegung geht er am Ende des Themas bis Takt 42 kontinuierlich bis zum ppp zurück- grandios!
Im Seitenthema (ab Takt 43) hebt er einen musikalisch sehr tief greifenden erschütternd schönen Gesang an, auch in der Oktavierung (ab Takt 59) und in der Themenwiederholung (ab Takt 67), die sich dynamisch doch erheblich vom Themenbeginn unterscheidet, was er auch deutlich herausstellt.
In einem berührenden Diminuendo lässt er dieses zu Herzen gehende Seitenthema auslaufen.
Dann wiederholt er nach einer veritablen Generalpause das Thema (Takt 90 bis 122 in dis-moll) in ruhigem, aber unaufhaltsamem Ductus, mit weit ausladenden dynamischen Bewegungen und schließt nach einer letzten Steigerung mit einem wunderbaren Decrescendo das reprisenförmige Thema ab und schließt den Satz mit der kurzen, aber wundersamen Coda in Cis-dur im Piano Pianissimo mit einem herausragenden ausdrucksvollsten Spiel ab.

Im Scherzo ist er etwas langsamer als Afnassjew und deutlich langsamer als Kocsis, rhythmisch weiter grandios und nur dynamisch vielleicht mit einer etwas höheren Grundlautstärke, als ich sie mir laut Partitur vorstelle.
Das Trio setzt er deutlichst vom Scherzo ab. ich würde es als krassen Kontrast bezeichnen, aber einen, der in seinem eckigen Rhythmus mit den kurzen Ritardandi sehr überzeugend, schon fast geheimnisvoll klingt.
Das lebhafte Scherzo mit der kürzesten Coda, die ich kenne, schließt er in überzeugender Manier da capo an.

Im Finale ist er im Gegensatz zu seinen beiden zum Vergleich herangezogenen Kollegen Afanassjew und Kocsis geradezu ungeheuer schnell, und ich bezweifle, dass das im Sinne des Erfinders (Schubert) ist. M. E. ist das eher ein "Allegro vivace" als ein "Allegro, ma non troppo", ein Satz, in dem ein Pianist eher seine Virtuosität unter Beweis stellen will als den Ausdruck, der hinter den Noten steht, hörbar zu machen. Das Gefühl habe ich um so stärker im lyrischen Seitensatz (ab Takt 85), der in Andas Lesart nicht entspannt lyrisch sondern eher hastig, eilig klingt.
Und so sind auch die beiden Generalpausen-Takte 55 und 56 hier sehr, sehr kurz. und interessanterweise nimmt er im 3. Teil des Rondos, dem ersten durchführungsartigen Abschnitt, zumindest in der dramatischen Hälfte, das Tempo heraus, während im zweiten, helleren Abschnitt (ab Takt 185) "die Post wieder abgeht.
So geht es auch im 4. Teil, in dem wieder das Hauptthema, hier dynamischer als im Originalgewand, wiederholt wird, weiter. Dessen hinterer Abschnitt, als die Sechzehntel-Tonleitern hinzutreten (siehe Einführungstext, ab Takt 292 bis 310), gefällt mir besser, als er ein bemerkenswertes Diminuendo-Ritardando spielt und zum neuerlichen, hier eher reprisenförmigen Thema überleitet.
Dies spielt er jedoch wieder im bereits bekannten hohen Tempo, was hier in der verkürzten Form auch wieder besonders im lyrischen Seitenthema auffällt. Ähnliches gilt wiederum für den durchführungsförmigen Teil in seinen beiden schon beschriebenen Hälften, hier Takt 430 bis 490.
Und das dritte Thema führt ja nur noch kurz, aber in altbekanntem Thema zur Coda, die nun wirklich im Presto steht. Und da ist der Unterschied zum vorher eigentlichen "Allegro ma non troppo" gar nicht mehrt so groß, wie er eigentlich sein sollte.

Das Finale erschien mir zu schnell, um hier zu einer Spitzenbewertung zu kommen.

Liebe Grüße

Willi :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:

*) virtuelles Tempo, wenn er die Exposition wiederholt hätte!
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Dr. Holger Kaletha

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42

Mittwoch, 15. November 2017, 16:22

Lieber Willi,

ist das die Studioaufnahme, die in dieser Box drin ist?



P.S. Mit Anda wurde vor Urzeiten im Radio eine Meisterklasse übertragen, wo er den Studenten die Betonung des Eröffnungsmotivs des Finales korrigierte und erklärte. Das fand ich sehr schlüssig! :)

Liebe Grüße
Holger

William B.A.

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43

Mittwoch, 15. November 2017, 16:50

Ja, in der Box ist sie auch drin. Jeremy Siepmann erklärt im Beiheft der Brilliant-Box, dass Anda zu den Wenigen gehört, die im Finale im Themen-Auftakt korrekt dass Fortepiano spielen. Das stimmt, soweit ich bisher meine zahlreichen Aufnahmen probegehört habe, aber damit ist im Falle Anda m. E. "die Kuh noch nicht vom Eis"- siehe meine Besprechung.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).