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Alfred_Schmidt

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Registrierungsdatum: 9. August 2004

1

Sonntag, 2. Juli 2017, 17:23

Franz Schubert: Die Klaviermusik zu vier Händen

Franz Schubert hat ja nicht nur Klaviersonaten und Klavierstücke für 2 Hände geschrieben, sondern auch eine erhebliche Anzahl von Kompositionen für Klavier zu 4 Händen komponiert, die allerdings im öffentlichen Bewusstsein (der Klassikhörer) nicht richtig verankert sind. Wenngleich ich vor einigen Monaten die Aufnahmen des vielgerühmten Duos Tal & Groethuysen als "unwienerisch" und zu aggressiv bezeichnet habe, so ist es doch ein verdienstvolles Projekt, alle vierhändigen Werke auf 7 CDs zu veröffentlichen. Dazu kommt, daß die Kritik mehrheitlich anderer Meinung ist als ich und der jetzt extrem günstige Preis von 26.99 Euro. Aber das ist hier kein Basar wo CDs angeboten werden, sondern lediglich ein Hinweis für jene, die sich an diesem Thema gern beteiligen möchten, aber bislang die nicht unerhebliche Ausgabe gescheut haben, diese Edition einzeln oder als Box zu erwerben, abgesehen davon daß sie lange nicht lieferbar war. Alternativaufnahmen einzelner Stücke von anderen Interpreten habe ich bis auf eine Ausnahme keine gefunden, und diese Ausnahme kostet als Einzel-CD annähernd soviel, wie hier die gesamte Box.
Wenn sich jemand die Frage stellen sollte, warum diese Stücke noch immer weitgehend unbekannt geblieben sind, den möchte ich erinnern, daß es Ewigkeiten dauerte bis Schuberts Sinfonien und Klaviersonaten als vollwertig erkannt wurden (von einigen Kennern natürlich abgesehen).
Ich werde hier gelegentlich einzelne Stücke vorstellen, und hoffe, daß andere Mitglieder ähnliches tun werden.

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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Alfred_Schmidt

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Beiträge: 18 935

Registrierungsdatum: 9. August 2004

2

Montag, 3. Juli 2017, 12:49

Ich beginne hier mit den "Troi marches Heroique" D602. Ihr Entstehungsjahr ist nicht eindeutig feststellbar, 1818 oder 1822 werden angenommen. Eigenartig, daß gerade Schubert eine Vorliebe für Militärmärsche zu haben scheint. Der erste Marsch kommt zu Beginn IMO recht kriegerisch daher, eine Aussage die unter den gegebenen Umständen eher als Binsenweisheit anmutet. Es ist aber keine, wie weitere Märsche aus Schuberts Feder beweisen werden. Außerdem nimmt auch dieses Stück im Mittelteil sanftere Formen an. Erst gegen Ende kehrt der kriegerische Charakter wieder und erinnert und an den ernsten Hintergrund.
Ganz anders der zweite Marsch dieser Dreiergruppe. Selbstbewusst, bestimmt aber eher "freudig" und vor allem eingängig beginnt er, und von einigen leichten Eintrübungen bleibt Schubert in dieser Komposition seiner Linie treu, das Werk ist eingängig und nicht wirklich krigerisch, das "heldische" Element ist gut durchhörbar - aber es wirkt hier eher als Pose.
Beim Marsch Nr 3 muss man sich indes in der Tat fragen, was hier "heroisch" sein soll, ja es gibt einige kurze Überleitungen, die man auch als düster interpretieren kann, sie dienen indes lediglich als Markierungen, zwischen den ohrwurmverdächtigen tänzerischen Themen aus denen das Stück hauptsächlich besteht. Etwa ab der Mitte folgt ein besinnlicherer, zarterer Teil, der einen Idealen Kontrast zu den tänzerischen Themen darstellt, die gegen Ende des Werkes wiederholt werden.

mfg aus Wien
Alfred

(enthalten auf CD 1 der in Beitrag 1 abgebildeten Box -Tracks Nr 4-6)

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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Registrierungsdatum: 12. August 2005

3

Montag, 3. Juli 2017, 13:18

Die vierhändige Klaviermusik ist m.E. der am meisten unterschätzte Teil von Schuberts Schaffen. Zwar gibt es natürlich eine große Zahl von Werken, die beinahe der "Unterhaltungsmusik" zuzurechnen sind (wie die sehr unterhaltsamen Militärmärsche D 733). Aber eben auch eine Handvoll oder mehr späte Werke, die an Bedeutung kaum oder gar nicht hinter den reifen Klaviersonaten zurückstehen (und weitaus bekannter zu sein verdienten als etwa die Sinfonien 1-6 oder sogar das Forellenquintett).

Ich habe jetzt zwar keine Zeit, Werke im einzelnen vorzustellen, will aber die wichtigsten mal kurz nennen. Die meisten davon sind auch in einer Reihe Einspielungen vorhanden, so dass man andere Optionen als Tal/Groethuysen hat. Wenn man eine kompakte Alternative der wichtigsten Werke haben will, sind jedenfalls die zwei Duos mit Frantz/Eschenbach (EMI, oder als 4CD-set bei Brilliant) zu empfehlen.

Das wichtigste und bekannteste Stück ist sicher die f-moll-Fantasie D 940, die an Bedeutung den späten Sonaten oder der Wanderer- oder der Violinfantasie gleichkommt. Sie ist als eines der wichtigsten vierhändigen Stücke überhaupt anerkannt und liegt in vielen hervorragenden Aufnahmen vor (z.B. Richter/Britten, Brendel/Crochet, Gilels/Gilels, Kontarsky/Kontarsky usw.)

Als nächstes würde ich das Grand Duo C-Dur D 812 nennen, das viele als verkappte Sinfonie betrachtet haben und das von Joseph Joachim und anderen auch instrumentiert wurde. Wenn auch wohl nicht ganz auf dem Niveau der besten Spätwerke, so ist das ohne Zweifel ein gewichtiges Werk, das sich jedenfalls zu kennen lohnt.

Schließlich noch das "Lebensstürme" betitelte Allegro a-moll D 947, das vielleicht mit dem Rondeau D 951 zusammengehören sollte.





Ergänzung: Ich kenne die CD zwar nicht, aber Naxos hat eine CD mit der Fantasie, "Lebensstürme", Rondo D 951 und zwei Variationenreihen (Rico Gulda/Chr. Hinterhuber - also zumindest Österreicher, wenn's hilft...), die bei jpc gerade 1,99. Wer also nahezu risikolos in Schuberts vierhändige Musik reinhören will, kann hier zusschlagen. (Völlig risikolos wird man sicher auch auf youtube fündig.)