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Alfred_Schmidt

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  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 16 901

Registrierungsdatum: 9. August 2004

1

Donnerstag, 16. Februar 2017, 23:30

Klassik-CDs - die Preise purzeln - Ich weiß nicht was soll es bedeuten

Wie schon heute morgen angekündigt, hier ein Thread über die Preisentwicklung bei Klassik CDs
Wenn man die Preisentwicklung bei Klassik CDs die letztne Jahre verfolgt hat, dann wird einem nicht entgangen sein, daß hier ein andauernder Trend in Richtung Preissenkung zu beobachten ist - dem allgemeinen Thrend bei anderen Waren als Gegenentwicklung.
Was sollen wir daraus schliessen? Ein in Zahlen ablesbarer Niedergang der klassischen Musik? Ein Zeichen von Desinteresse der Gesellschaft daran? Oder einfach eine Folge des Überangebots duch die vielen Aufnahmen, die all die letzen 50 Jahre über gemacht wurden? Ist es einfach eine Berichtigung, Klaus Hayman befand ja schon vor 30 Jahren die Preise für Klassik-CDs für überhöht. Und der Erfolg scheint ihm recht zu geben. Trotz der niedrigen Preise für Naxos CDs ist deren Qualität im Laufe der Jahre gestiegen und es hat sich sogar ein eigener Pool von "Naxos Stars" herauskristllisiert. Ähnliches kann auch über BRILLIANT CLASSICS gesagt werden.
Über die Strategien anderer Label können wir im Laufe des Threads reden, interessant ist auch die cpo Strategie, auf die ich so es sich ergibt näher eingehen werde.

mfg aus Wien
Alfred
Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich (Wilhelm Busch - Prognose über die EU ??)

Bertarido

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  • »Bertarido« ist männlich

Beiträge: 1 735

Registrierungsdatum: 24. April 2014

2

Donnerstag, 16. Februar 2017, 23:45

Die Sache mit den sinkenden Preisen muss man doch etwas differenzierter betrachten. Wenn ich mir die aktuellen Neuerscheinungen beim Werbepartner anschaue, dann gibt es einige sehr günstige, aber auch viele im Bereich von 20 Euro. Wirklich billig sind die vielen Boxen, die von den Major-Labels auf den Markt geworfen werden.

Hüb'

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  • »Hüb'« ist männlich

Beiträge: 1 245

Registrierungsdatum: 9. Juli 2007

3

Freitag, 17. Februar 2017, 09:00

Der Effekt betrifft ja nicht bloß das Klassik-Genre. Der Berg an aufgezeichneter Musik wird immer größer, was gerade bei "Klassik" problematisch ist, denn trotz aller Unterschiedlichkeit in der Interpretation bleiben es doch immer die selben Werke, im Kernrepertoire, die immer wieder "neu" auf den Markt gebracht werden. In einem funktionierenden Markt MUSS das den Preis drücken.

Viele Grüße
Frank

Maurice

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  • »Maurice« ist männlich

Beiträge: 4 402

Registrierungsdatum: 7. Oktober 2010

4

Freitag, 17. Februar 2017, 09:13

Klaus Hayman befand ja schon vor 30 Jahren die Preise für Klassik-CDs für überhöht. Und der Erfolg scheint ihm recht zu geben …

Aber anscheinend hat auch Herr Heymann seine Meinung geändert … :pfeif:
Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 10 883

Registrierungsdatum: 12. August 2005

5

Freitag, 17. Februar 2017, 10:20

Ja, Naxos ist das einzige, was deutlich teurer geworden ist: heute EUR 9,99, vor 20 Jahren DM 9,99. Dagegen kosten Vollpreis-CDs nominal etwa dasselbe, damals 35-40 DM, heute ca. EUR 20.
Geändert haben sich m.E. hauptsächlich drei Dinge (und beide haben schon in den letzten 10 Jahren oder so begonnen):
- Vollpreis-CDs werden nach kürzerer Zeit günstiger angeboten (ggf. in temporären, aber immer wiederkehrenden Angebotsaktionen) oder günstiger wiederveröffentlicht.
- Neuaufnahmen von Werkgruppen mit 2-10 CDs, z.B. alle Beethovensinfonien werden gleich viel günstiger, etwa als Twofer (also halber Vollpreis) oder sogar nur 5-7 EUR/CD angeboten.
- sehr umfangreiche Boxen mit älteren Aufnahmen werden extrem günstig (1-2 EUR/CD) angeboten.

Wir hatten das schon zigmal. Beim letzten Punkt ist ein Grund sicher, dass nach 50 Jahren in vielen Ländern die Aufnahmen von Billiglabels legal aufgelegt werden können und da versucht man lieber, selbst nochmal Geld zu machen.
Der Katalog ist übervoll, es ist schwierig, überhaupt noch CDs zu verkaufen (wie schon jemand sagte, ist es in der Klassik noch deutlich leichter als in der Popmusik, wo Streaming dominiert).
Schließlich sind auch die Produktionskosten sicher irgendwann (das dürfte aber schon in den 1990ern gewesen sein) gegenüber der Anfangszeit, als die neue Technik hohe Preise rechtfertigen konnte, gesunken. (Wenn man sich anschaut, um wieviel billiger Konsumentenelektronik in den letzten 30 Jahren geworden ist, nehme mal naiverweise an, dass die professionellen Geräte zur Aufnahme, mixing etc. auch eher billiger geworden sind.)
Man hat in den 1980ern ja selbst erkannt, dass der Vollpreis zu hoch war, um Konsumenten zu locken, und daher in der Klassik recht schnell die Dreiteilung in "Budget", "midprice" und "Vollpreis" etabliert. Die gab es jedenfalls schon, als ich 1988 die ersten CDs gekauft habe; freilich war damals die Auswahl in den unteren Preisgruppen manchmal sehr bescheiden. (Wenn es fast alles auch bei DG Resonance gegeben hätte, hätte Naxos kaum im selben Preissegment mit Mainstream-Stücken punkten können - nur bekam man eben bei DG vielleicht 2 CDs mit Mozart-Klavierkonzerten im Billigsegment in einer älteren Einspielung, bei Naxos alle in neuen DDD-Aufnahmen.)

Aber schon Mitte der 1990er war oft kaum zu begründen, warum man Vollpreis ausgeben sollte, da es sehr viele und gute Aufnahmen in den unteren Preisklassen gab (nicht zuletzt weil der erste Schwung Digitalaufnahmen um diese Zeit in diese Preisklassen rutschte).
Ich habe Mitte der 1990er ein Jahr in den USA studiert und gemerkt, dass sich mein Konsumverhalten dort geändert hat, weil die Spanne zwischen billigen und teuren CDs i.a. viel geringer gewesen ist. Es lag ein wenig auch an einem günstigen Dollarkurs von ca. DM 1,50, aber Vollpreis $15-17 (im Angebot mitunter 13), midprice um 12 und die billigsten um $8 brachte mich dazu mehr Vollpreis-CDs zu kaufen, während in D der Unterschied zwischen >35 DM für eine Vollpreis, um die 20 DM für eine midprice und 7-12 DM (bzw. noch weniger; ich meine 2001 hätte einiges aus der Teldec-Billigreihe mitunter für DM 2,90 verscherbelt!) für eine billige CD sehr stark gegen Vollpreis sprach, wenn man als relativer Anfänger viele CDs kaufen wollte.

Bertarido

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  • »Bertarido« ist männlich

Beiträge: 1 735

Registrierungsdatum: 24. April 2014

6

Freitag, 17. Februar 2017, 10:39

Ein nicht zu vernachlässigender Punkt ist das riesige Angebot von Gebraucht-CD, das über Amazon-Marketplace angeboten wird. Man bekommt dort ehemals teure CD oft schon für 0,99 Cent oder weniger, maximal für ein paar Euro, in sehr gutem oder gar neuwertigem Zustand. Und auch Neuerscheinungen werden nach 1-2 Monaten dort oft schon deutlich unter dem Preis angeboten, zu dem sie auf den Markt kamen. Es wäre interessant zu wissen, wie groß der Marktanteil dieser Gebrauchtwaren ist. Jedenfalls besteht hier sicher ein Preisdruck auf den CD-Markt. Ich zum Beispiel kaufe CD fast ausschließlich gebraucht bei Amazon Marketplace. JPC hat höchstens noch Chancen bei Sonderangeboten und Portofrei-Aktionen, sonst sind die Preise nicht konkurrenzfähig.

rodolfo39

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  • »rodolfo39« ist männlich

Beiträge: 2 724

Registrierungsdatum: 7. Oktober 2010

7

Freitag, 17. Februar 2017, 10:49

Ein Punkt ist auch das Internet. Heute kann man sich ja fast alles herunterladen, teilweise noch vor der DVD Veröffentlichung. Und vieles wird, wie an der Bayerischen Staatsoper, sogar kostenlos übertragen. Selbst 18 Euro für ein Monatsabo der Wiener Staatsoper ist ja super preiswert. Ohne Internet musste man zwangsweise CD 's oder LP's kaufen.

Bertarido

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Beiträge: 1 735

Registrierungsdatum: 24. April 2014

8

Freitag, 17. Februar 2017, 11:00

Ein Punkt ist auch das Internet. Heute kann man sich ja fast alles herunterladen, teilweise noch vor der DVD Veröffentlicht. Und vieles wird , wie an der Bayerischen Staatsoper, sogar kostenlos übertragen. Selbst 18 Euro für ein Monatsabo der Wiener Staatsoper ist ja super preiswert.

Ja, es gibt Dutzende von Klassik-Blogs, die gerippte CD oder auch DVD zum Download anbieten. Das ist natürlich illegal (auch der Download, was manche verdrängen), aber scheinbar wird es von den Plattenfirmen nicht konsequent verfolgt. Das wundert mich immer wieder, denn die Betreiber dieser Seiten könnte man ja leicht ausfindig machen und verklagen, aber das passiert offenbar nicht. Auch hier wäre wieder interessant zu wissen, wie hoch der Anteil solcher illegaler Downloads am Gesamtmarkt ist. Ich denke, dem Klassikmarkt kommt es - noch - zu Gute, dass viele Hörer älter sind und die Möglichkeiten des Internets nicht kennen oder mangels technischer Fertigkeiten nicht nutzen können. Auch wollen viele die CD noch physisch im Regal stehen haben, was im Bereich der Pop-Musik wohl kein großes Thema mehr ist, da hat man die Musik schon lange auf dem iPod. Die Frage ist nur, ob sich das im Bereich der klassischen Musik nicht auch ändert, wenn die alten Konsumenten aussterben und neue nachwachsen (falls sie denn nachwachsen).

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 10 883

Registrierungsdatum: 12. August 2005

9

Freitag, 17. Februar 2017, 11:02

Die sehr preiswerten Gebraucht-CDs (auch bei mir etwa 70% der Käufe oder mehr) sind m.E. erst eine Sache der letzten ca. 5 Jahre. Jedenfalls habe ich meiner Erinnerung nach in den 2000er Jahre günstige Gebraucht-CDs (wenige EUR) eher auf Ebay, nicht ganz so günstige Neu-CDs aus den USA (ca. 10-11 EUR + Versand) über marketplace gekauft.
Ich glaube eher nicht, dass sie direkt für die günstigeren Neupreise verantwortlich sind. Eher sehe ich eine gemeinsame Ursache: Boxen, downloads, transfers auf die Festplatte führen zu einem Überangebot von Gebraucht-CDs, die daher viel billiger werden. (Als weitere Ursache vermute ich das Ableben (oder altersbedingte Reduzieren der Sammlung) von Sammlern, die in den 1980ern/90ern kräftig CDs gekauft haben.)

Bei den Boxen alter Aufnahmen ist der Preisverfall nicht so schwer zu erklären. Da fallen nur noch die Produktionskosten der Scheiben an. Schon im LP-Zeitalter sollten meiner Erinnerung nach die Produktionskosten einer Aufnahme nach etwa 7 Jahren eingespielt sein, nach 7-10 Jahren sind schon damals die Aufnahmen oft zu günstigeren Preisen oder in Boxen neu aufgelegt worden. 50, sogar nur 20 (wie etwa Emerson Quartet) Jahre alte Aufnahmen, sollten ihre ursprünglichen Kosten längst eingespielt haben.
Und an neueren Aufnahmen, die nach 3-4 Jahren schon günstiger werden, wird schlicht und einfach viel weniger verdient als in den 1960ern und 70ern. Warum sollte es ein ökonomissche Gesetz sein, dass einige Künstler (es waren damals schon nur sehr wenig an der Spitze) durch Platten stinkreich werden und auch die Labels entsprechend mitverdienen?

Alfred_Schmidt

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  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 16 901

Registrierungsdatum: 9. August 2004

10

Freitag, 17. Februar 2017, 12:59

Zitat

Auch wollen viele die CD noch physisch im Regal stehen haben

Geanu das ist es. Ich will das alle BESITZEN. Andere Verfahren liefern mich den Anbietern aus, wenn Download-Dienste aus welchen Gründen auch immer gewisse Interpreten aus dem Angebot nehmen. Wenn man nur mitliest, daß gewisse Leute Interpreten boykottieren, dann kann man sich vorstellen was passierte, säßen die in einem Solchen Dienst an den Hebeln der Macht.

Ich glaube nicht dass die "Besitzenwollenden " völlig aussterben werden. Genau so wenig wie Tonband und Cassetenrecorder die klassische LP verdrängen konnten und die jetzt - von der Jugend bejubelt - allmählich wiederkommt. Weit überzahlt - versteht sichs.

Die CD wird dereinst als Luxusprodukt betrachtet werden.

mfg aus Wien
Alfred
Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich (Wilhelm Busch - Prognose über die EU ??)

Dieter Stockert

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Beiträge: 840

Registrierungsdatum: 27. September 2014

11

Freitag, 17. Februar 2017, 13:49

Geanu das ist es. Ich will das alle BESITZEN. Ander Verfahren liefern mich den Anbietern aus, wenn Download-Dienste aus welchen Gründen auch immer gewisse Interpreten aus dem Angebot nehmen.

Ich glaube, Du verwechselst hier Download und Streaming. Auch ich will die Musik, die ich kaufe, besitzen (das geht mir auch mit Büchern so), und ich möchte mir keine Sorgen machen müssen, ob ich dann in zwei Jahren auch noch darauf zugreifen kann. Deshalb ist Streaming für mich völlig uninteressant und ich beschränke mich auf gekaufte Downloads (möglichst in Studio-Master-Qualität, also besser als CD), die ich dann »besitze«. CDs kaufe ich in der Regel nur noch dann, wenn die Aufnahme nicht anders verfügbar ist oder wenn beim Download kein Booklet als PDF angeboten wird.
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)