Sie sind nicht angemeldet.


JPC Amazon

AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Tamino Klassikforum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Caruso41

Prägender Forenuser

  • »Caruso41« ist männlich
  • »Caruso41« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 3 916

Registrierungsdatum: 19. November 2010

1

Dienstag, 3. Januar 2017, 12:46

Sergei Jakowlewitsch LEMESHEV

Mit Erstaunen habe ich festgestellt, dass sogar Sergei Jakowlewitsch Lemeschev keinen eignen Thread im Forum hat! Ich habe jetzt nicht mehr die Zeit, sorgfältig zu recherchieren. Aber ich kann ja mal den Anfang machen. Sicher werden dann andere auch etwas beisteuern.

Sergei Jakowlewitsch Lemeschev (russisch Сергей Яковлевич Лемешев) ist am 27. Juni/10. Juli 1902 in Staroje Knjasewo, Gouvernement Twer) geboren und am 26. Juni 1977 in Moskau gestorben.
Er war der wohl bekannteste und populärste Opernsänger der Sowjetunion. Ein lyrischer Tenor mit einer unverwechelbaren hellen, fast weißen Stimme und einer sagenhaft perfekten Technik.

Von 1921 bis 1925 studierte Lemeschev am Moskauer Konservatorium und war anschließend in Swerdlowsk und Tiflis tätig.
1931 wurde er in das Ensemble des Bolschoi-Theaters aufgenommen und blieb dort bis 1965.

Er singt in vielen Gesamtaufnahmen russischer Opern, hat aber auch Gesamtaufnahmen italienischer und französischer Opern - in russischer Sprache - eingespielt.

Zudem hat er Hauptrollen in mehreren Filmen gespielt, darunter in dem Film „Musykalnaja Istorija“ einen Taxifahrer, der dank seines Gesangstalents am Bolschoi-Theater aufgenommen wird.

Es gibt bei Youtube jede Menge Aufnahmen. Man muss nur mit verschiedenen Schreibweisen des Namens danach suchen.
Um Appetit zu machen, empfehle ich vielleicht erst einmal diese.
Sie zeigen verschiedene Facetten der Stimme und der Gesangskunst.
Bevor ich dazu was schreibe, will ich erst mal noch ein paar Aufnahmen hören, um frische Höreindrücke zu sammeln.







Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Caruso41

Prägender Forenuser

  • »Caruso41« ist männlich
  • »Caruso41« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 3 916

Registrierungsdatum: 19. November 2010

2

Dienstag, 3. Januar 2017, 15:41

Von der Eleganz des Tenors bekommt man in diesem Film einen trefflichen Eindruck.
Galina Vishneweskaya hat in ihren Memoiren ja ausgiebig seine Attraktivitat gerühmt und wie verführerisch er auf Frauen wirkte.
Allerdings kann man hier auch seine narzistische Selbstverliebtheit studieren. Leider ist der Ton nicht optimal.





;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Caruso41

Prägender Forenuser

  • »Caruso41« ist männlich
  • »Caruso41« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 3 916

Registrierungsdatum: 19. November 2010

3

Mittwoch, 4. Januar 2017, 18:45

Sergeij Lemeshev hatte eine lyrische Tenorstimme mit einem attraktiven, sehr hellen Timbre. Da die Stimme einen festen Kern hatte, klang sie sehr männlich. In dramatischen Stellen konnte sie auch einen heldischen Glanz entfalten.
Trotzdem ist Lemeshev vor allem als Lyriker zu bezeichnen. Irgendwie ein Tenor in der Tradition von Dmitri Smirnov und Leonid Sobinow. Dass ihn Jens Malte Fischer mit Peter Anders vergleicht, ist höchst merkwürdig.

Er verfügte über eine musikalische Phantasie und Eloquenz, die herausragend waren. Das Schwärmerische, Verträumte, gar die Selbstvergessenheit aber auch die Melancholie und Verzweiflung konnte er ganz eindringlich zum Klingen bringen.
Er wußte auf dem Atem ganz feine Silberfäden zu spinnen, konnte weite lyrische Bögen mit wundervollen Farben tönen und morrendo verklingen lassen. Das gelang ihm auch in dramatischen Partien wie Herrmann (Pique Dame) und Vladimir (Fürst Igor), ja sogar im Lohengrin.

Leider sind seine Aufnahmen aus den 50er und 60er Jahren nicht mehr so großartig wie die aus den 30er und 40er Jahren. Man muss beispielsweise seine frühe Aufnahme des Lenski hören, in der Aufnahme mit Vishnewskaya ist er längst nicht mehr stimmlich und auch gesangstechnisch makellos.

Aber Aufnahmen hat er viele hinterlassen. Die meisten sind auch heute noch verfügbar, teilweise komplett bei Youtube abrufbar. Ich kann nicht alle hier einstellen, aber will wenigstens auf einige hinweisen.

-

-

-

-

Einzelaufnahmen gibt es viele. Ich verweise besonders auf:

-

Beste Grüße
Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Stimmenliebhaber

Prägender Forenuser

  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

Beiträge: 7 685

Registrierungsdatum: 3. Dezember 2012

4

Mittwoch, 4. Januar 2017, 19:41

Im März 1947 sang Sergej Lemeschew im Berliner Admiralspalast, dem damaligen Ausweichquartier der Deutschen Staatsoper Berlin einige Konzerte sowie auch den Lenski in einer Vorstellung von "Eugen Onegin".

http://tamino-klassikforum.at/index.php?…1046#post581046
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

Beiträge: 18 770

Registrierungsdatum: 9. August 2004

5

Mittwoch, 4. Januar 2017, 20:54

Caruso43 schrieb in Beitrag Nr 2 dieses Threads:

Zitat

Allerdings kann man hier auch seine narzistische Selbstverliebtheit studieren. Leider ist der Ton nicht optimal.

Gerade dies fand ich - abesehen von seiner Stimme - besonders beeindruckend - Welch ein schöner Mann, der sich dieses Vorzugs bwusst war und in auskostete bis zur Neige - an dem Mann ist alles Erotik. Geradezu tänzerisch schreitet er die Treppe herab, jeden Effekt wohl kalkulierend - die geradezu ideale Verkörperung des Herzogs.
Interessanterweise hat er sich sein Selbstbewusstsein voll bewahrt, auch als die Schönheit gegangen war und allenfalls eine markante Persönlichkeit übriggeblieben war. Das ist IMO sehr gut zu sehen in den Filmaufzeichnungen des Fra Diavolo von 1972. Auch wen der Schmelz der Stimme gelitten hat, die Stärke indes nicht - von der überzeugenden Darstellung des Charakters ganz zu schweigen.

Übrigens gute Beispiel dafür, daß die Sprache, in der gesungen wird, nicht sooo bedeutend ist, wie oft postuliert....

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Caruso41

Prägender Forenuser

  • »Caruso41« ist männlich
  • »Caruso41« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 3 916

Registrierungsdatum: 19. November 2010

6

Donnerstag, 5. Januar 2017, 09:30

Welch ein schöner Mann, der sich dieses Vorzugs bwusst war und in auskostete bis zur Neige - an dem Mann ist alles Erotik. Geradezu tänzerisch schreitet er die Treppe herab, jeden Effekt wohl kalkulierend - die geradezu ideale Verkörperung des Herzogs.
Lieber Alfred,

das hast Du sehr schön beobachtet und beschrieben.
Lies mal in den Memoiren von Galina Vishnewskaya, in welchen Bildern sie die Attraktivität von Lemeshev beschrieben hat.

Übrigens:
Caruso43 schrieb in Beitrag Nr 2 dieses Threads:.....
So jung bin ich leider nicht mehr. Fühle mich aber mindestens so!


Im März 1947 sang Sergej Lemeschew im Berliner Admiralspalast, dem damaligen Ausweichquartier der Deutschen Staatsoper Berlin einige Konzerte sowie auch den Lenski in einer Vorstellung von "Eugen Onegin".
Lieber Stimmenliebhaber,

das ist eine interessante Information. Da hat also die Sowjetunion also ihr Kulturschaffenden in die Hauptstädte der besiegten geschickt, um .... ja was eigentlich? Ging es um Versöhnung? Vebrüderung?
Nach Wien wurden ja auch Sänger des Bolschoi-Theaters geschickt. Wenn ich mich recht erinnere, war da unter anderem Iwan Koszlowski mit von der Partie.

Hast Du irgend welche Berichte oder Kritiken von diesem Gastspiel, das ja doch ausgesprochen extensiv war. Was hat man in den Konzerten denn gespielt?


Beste Grüße Euch beiden

Causo41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Stimmenliebhaber

Prägender Forenuser

  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

Beiträge: 7 685

Registrierungsdatum: 3. Dezember 2012

7

Donnerstag, 5. Januar 2017, 22:53

Da hat also die Sowjetunion also ihr Kulturschaffenden in die Hauptstädte der besiegten geschickt, um .... ja was eigentlich? Ging es um Vesöhnung? Vebrüderung?
Lieber Caruso41,

ich finde es ja immer ein bissl lustig, wenn bei bestimmt Nationen sofort auf die Propaganda-Funktion der Kunst bei einigen Nationen verwiesen wird, wie jetzt wieder im hastig eröffneten Parallel-Threas, aber den Berlinerinnen und Berlinern war's egal, die haben sich einfach nur drüber gefreut, wie auch über dei parallelen Auftritte von deutschen Sangesgrößen wie Erna Berger oder Tiana Lemnitz, die - o Grusel - auch alle schon in Hitler-Deutschland gesungen haben, worüber sich die Menschen auch gefreut haben. Man sollte meines Erachtens bei allen berechtigten Gedanken an die Funktion von Kunst und ihre Instrumantalisierung nie ganz aus den Augen verlieren, dass es dennoch immer noch - ernstzunehmende - Kunst ist!


Hast Du irgend welche Berichte oder Kritiken von diesem Gastspiel, das ja doch ausgesprochen extensiv war. Was hat man in den Konzerten denn gespielt?
Gespielt wurde laut dreisprachigem(!) Programmheft u.a. folgendes:

Im ersten Teil sang Irina Maslennikowa sang Arien und Lieder von Rimski-Korsakow und Lemeschew Arien und Lieder von Glinka, Balakirew und Tschaikowski (u.a. die Lenski-Arie).
Im zweiten teil sang sie dann Arien und Lieder von Massenet, Auber und Gounod, er sang Arien und Lieder von Thomas ("Mignon"), Schubert, Liszt und Gounod ("Romeo"), zum Abschluss sangen dann beide zusammen "Traviata" - das Ganze zur Klavierbegleitung!!!

Bei anderen Programmen wirkten teilweise mehr Künstler, auch Instrumentalisten mit, aber wesentlich anders war sein Repertoire da auch nicht #8eher aufs Russische beschränkt, Ippolitow-Iwanow war noch dabei).
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

Caruso41

Prägender Forenuser

  • »Caruso41« ist männlich
  • »Caruso41« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 3 916

Registrierungsdatum: 19. November 2010

8

Freitag, 6. Januar 2017, 11:17

Lieber Stimmenliebhaber!
Lieber Caruso41,
ich finde es ja immer ein bissl lustig, wenn bei bestimmt Nationen sofort auf die Propaganda-Funktion der Kunst....verwiesen wird, wie jetzt wieder im hastig eröffneten Parallel-Thread......
ich mag es auch nicht, wenn ohne verläßliche Informationen über eine so heikle historische Frage schwadroniert wird. Darum habe ich mich in dem Thread auch nicht zu Wort gemeldet. Man müsste schon ernst nehmen, das sich die Sowjetunion ja durchaus als Befreier gesehen hat und es fraglos auch war. Insofern würde ich eher annehmen, dass sie mit dem Gastspiel ihrer Sängerelite in Berlin auch eine Beitrag dazu leisten wollte, dass sich das Leben normalisiert. Und zur Normalisierung des Lebens gehört für einen Russen eben auch - und zwar zentral - die Kunst!

Wenn man den Propagandavorwurf äußert, müsste man eigentlich sagen, was man damit meint. Im Sozialismus verbindet man damit schließlich etwas anderes als wir in unserem Alltagssprachgebrauch. Aber das sollte nicht Thema des Forums sein. Sind nicht eigentlich politische Themen tabu?


Man sollte meines Erachtens bei allen berechtigten Gedanken an die Funktion von Kunst und ihre Instrumantalisierung nie ganz aus den Augen verlieren, dass es dennoch immer noch - ernstzunehmende - Kunst ist!
Da stimme ich Dir voll zu!
Für Lemeshew dürfte ja ein Auftritt jenseits der Grenzen der Sowjetunion auch was Besonderes gewesen sein.
Und die Berlinerinnen und Berliner konnten mit ihm eine Sänger kennen lernen, der noch ganz von der Tradition eines Anselmi, Bonci und de Lucia, oder besser gesagt eines Sobinoff und Smirnov geprägt war.
Sonderbarerweise hat sich davon in der Sowjetunion ja mehr bewahrt als in Deutschland und den westlichen Ländern. Man denke nur an Koszlowski, Vinogradow, Lisitsian und so weiter...
Man kann das auch in der Romanze des Raoul aus "Les Huguenots" hören, die Lemeshev anders singt als etwa Roswaenge, Wittrisch oder Lauri-Volpi. Ich habe die Aufnahme oben eingestellt. Würde mich ja interessieren, was Du als eingefleischter Meyerbeerianer dazu sagst!

Beste Grüße

Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Stimmenliebhaber

Prägender Forenuser

  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

Beiträge: 7 685

Registrierungsdatum: 3. Dezember 2012

9

Freitag, 6. Januar 2017, 15:43

Würde mich ja interessieren, was Du als eingefleischter Meyerbeerianer dazu sagst!
Lieber Caruso41,

ich habe mit als "Meyerbeerianer" bereits gestern oder vorgestern das Video angehört (eigentlich alle drei dieses Beitrags, also Lenski und Werther auch) und wollte bewusst nichts dazu schreiben, weil ich kein Wasser in deinen Wein gießen wollte!

Zu Lemeschew hatte ich ein schwieriges Verhältnis, weil ich ihn als Lenski in der Wishnewskaja-Aufnahme kennen lernte. Da gefiel mir seine Stimme gar nicht.

Nun las ich vorgestern diesen Satz von dir:

Leider sind seine Aufnahmen aus den 50er und 60er Jahren nicht mehr so großartig wie die aus den 30er und 40er Jahren. Man muss beispielsweise seine frühe Aufnahme des Lenski hören, in der Aufnahme mit Vishnewskaya ist er längst nicht mehr stimmlich und auch gesangstechnisch makellos.
Dadurch ermutigt hörte ich mir die von dir eingestellte frühere Lenski-Arie an - und war begeistert! So gut habe ich das noch nie gehört, weder live noch auf Aufnahme. Ich glaube nicht, dass das heute irgendjemand auch nur annähernd so gut singen kann.

Danach machte ich dann den Fehler, den Raoul gleich hinterherzuhören - und war enttäuscht!
Ich glaube, es liegt nicht nur an der russischen Sprache, dass seine Interpretation viel zu hart und "veristisch" ist, mit voll brustig ausgesungenen Höhen, als gälte es, Raoul zu einem zweiten Manrico zu machen! (Ich habe mir die Aufnahme gerade noch ein zweites Mal angehört).
Die wunderbaren Legatobögen und den Schmelz, den er in der eingestellten Lenski-Arie zweifellos hat, vermisste ich hier total - für mich klingt dieser Raoul auch in der Phrasierung doch sehr "eckig".
Also, Herr Flórez hat diese Romanze des Raoul de Nangis im letzte November in der Deutschen Oper Berlin WESENTLICH besser gesungen als Herr Lemeschew damals in dieser Einspielung! (Der Saal tobte nach dieser Romanze völlig zu Recht!)
Den Werther hatte ich dann gestern oder vorgestern auch noch gehört und fand ihn besser als den Raoul, aber auch noch deutlich weniger ideal als den Lenski.

Soweit zur Beantwortung deiner Frage an mich! :hello:
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

Caruso41

Prägender Forenuser

  • »Caruso41« ist männlich
  • »Caruso41« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 3 916

Registrierungsdatum: 19. November 2010

10

Samstag, 7. Januar 2017, 11:08

:hello: :hello: :hello:
Lieber Stimmenliebhaber!
.....und wollte bewusst nichts dazu schreiben, weil ich kein Wasser in deinen Wein gießen wollte!
das ist doch der Sinn eines Forums, dass unterschiedliche Höreindrücke und Urteile mitgeteilt und diskutiert werden!
Da allerdings meistens über Sänger nur noch geschrieben wird, wenn die Geburtstag haben oder gestorben sind, hat man Hemmungen, kritische Beiträge einzustellen.
In den Sängerthreads aber sind die absolut angebracht - und mir auch sehr willkommen.


Dadurch ermutigt hörte ich mir die von dir eingestellte frühere Lenski-Arie an - und war begeistert! So gut habe ich das noch nie gehört, weder live noch auf Aufnahme. Ich glaube nicht, dass das heute irgendjemand auch nur annähernd so gut singen kann.
So sehe ich das auch. Du musst unbedingt auch mal das Arioso des Lenski aus der nämlichen frühen Aufnahme hören. Wie er da die Glückseligkeit und den Überschwang des Liebenden zum Klang formt, ist phantastisch.


Danach machte ich dann den Fehler, den Raoul gleich hinterherzuhören - und war enttäuscht!
Ich glaube, es liegt nicht nur an der russischen Sprache, dass seine Interpretation viel zu hart und "veristisch" ist, mit voll brustig ausgesungenen Höhen, ..... für mich klingt dieser Raoul auch in der Phrasierung doch sehr "eckig"......
Herr Flórez hat diese Romanze des Raoul de Nangis im letzte November in der Deutschen Oper Berlin WESENTLICH besser gesungen als Herr Lemeschew damals in dieser Einspielung!
Ich habe ja Florez auch zweimal gehört und weiß, wie großartig er in der Romanze war.
Ob es Sinn macht, ihn gegen Lemeshev oder Lemeshew gegen ihn auszuspielen, weiß ich nicht. Sie sind doch sehr unterschiedlich.

Gerade den Unterschied aber fand ich spannend.
Das "Plus blanche" singt ja auch Lemeshev verzückt mit süßen silbrigen Pianotönen und geschmeidigem Legato.
Im "Belle ange, reine des amours, beauté du ciel, Je t’aimerais toujours!" aber singt er extroventierter, oder - meinetwegen auch - heldischer 'de poitrine'. Das ist aber durchaus in der französischen Tradition. Das haben Affre, Scaremberg, Gilion, Vignas, Escalais und so weiter auch so gesungen. Und die Brusttöne in der Höhe klangen hell, durchdringend und hatten ein ausgeprägtes schnelles Vibrato! Zum Beginn des 20. Jahrhunderts!!
Auch d'Arkor, der meiner Meinung nach die beste Aufnahme der Romanze eingesungen hat, singt das nicht anders - nur dass seine hohen Töne nicht mehr das schnelle Vibrato hatten. Also: Lemeshev steht hier für eine Tradition, die uns inzwischen fremd ist.
Leider übrigens klingt die Aufnahme bei Youtube wesentlich härter und nackter als auf meiner guten alten LP von Melodia. Auch in der Rococo-Anthologie ist der Klang entschieden besser.

Ich bin gespannt, wie Florez in der Aufnahme wirken wird, die wir ja in drei Wochen in der Rundfunkübertragung der Berliner Aufführung hören können. Vielleicht können wir ja den Vergleich dann weiter führen?

Mit lieben Grüßen

Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!