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MSchenk

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31

Freitag, 13. Januar 2017, 08:29

Meint der wirklich, dass es außer ihm noch sehr viele Leute geben wird, die viel Geld für eine Eintrittskarte ausgeben, um sich wieder einmal so richtig provozieren und beißen zu lassen?

Ich würde gerne einen Punkt klarstellen (geht nicht gegen Dich, lieber Glockenton!), den ich schon von vielen Seiten als Kritik an dem Projekt vernommen habe: Die Kartenpreise! - Es wird z.B. bemäkelt, dass die Karten ja so exorbitant teuer (tlw. im vierstelligen Bereich) seien. Dabei wird übersehen, dass es sich ganz einfach um Schwarzmarkt-Preise handelt. Ich habe für meine Karten des NDR-Elbphilharmonieorchesters (T.Hengelbrock), der Hamburger Philharmoniker (K.Nagano) und der Hamburger Symphoniker (J.Tate) höchstens 30,- bezahlt; man muss sich halt dann um Karten kümmern, wenn sie in den offiziellen Verkauf kommen und z.B. Abo-Möglichkeiten nutzen (sowohl das NDR-Elbphilharmonieorchester, als auch die Philharmoniker bieten inzwischen auch Wahl-Abos an).
Natürlich geht es auch teurer, aber selbst in den höchsten Kategorien bleibt es auf dem Niveau, welches schon in der Laiszhalle zu zahlen gewesen ist. Natürlich sind dies durch den öffentlichen Rundfunk bzw. durch die öffentliche Hand subventionierte Preise, ist aber z.B. in der Oper und überhaupt deutschlandweit nicht anders. Gastspiele großer Solisten und Orchester kosten mehr, werden aber auch von privaten Veranstaltern und also ohne Subventionierung vermarket - auch dies deutschlandweit nicht Neues.

Insgesamt also im normalen Konzertbetrieb kaum andere Verhältnisse, als früher in der Laiszhalle! Und wer über die hohen Preise meckert und darüber, dass man ja nicht an Karten käme, der ist - mit Verlaub - einfach nur zu blöd gewesen, sich rechtzeitig zu kümmern!
mfG Michael

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Siegfried

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32

Freitag, 13. Januar 2017, 12:16

Ich werde im Rahmen einer geführten Reise im Herbst die Elbphilharmonie besuchen. Die optionale Konzertkarte kostet 25,-
Werde nächste Woche bei der CMT in Stuttgart buchen.
:hello:
Freundliche Grüße Siegfried

MSchenk

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33

Freitag, 13. Januar 2017, 12:20

Ich werde im Rahmen einer geführten Reise im Herbst die Elbphilharmonie besuchen. Die optionale Konzertkarte kostet 25,-
Werde nächste Woche bei der CMT in Stuttgart buchen.
:hello:

Lieber Siegfried, ist da schon klar, um was für ein Konzert es sich handeln wird? Denn Herbst 2017 ist ja schon die Saison 2017/18.
mfG Michael

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Siegfried

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34

Freitag, 13. Januar 2017, 12:32

Lieber Michael,

Details gibt es noch keine, außer: Es ist ein Sinfoniekonzert im großen Saal.
Freundliche Grüße Siegfried

Hüb'

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35

Donnerstag, 19. Januar 2017, 08:29

Der Bau der Elbphilharmonie wird wohl fortgesetzt: KLICK.

Viele Grüße
Frank

Dr. Holger Kaletha

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36

Donnerstag, 19. Januar 2017, 08:45

Zitat

Der Bau der Elbphilharmonie wird wohl fortgesetzt: KLICK.

... für den 1. April ist es aber noch etwas früh! :D :D :D

Hüb'

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Donnerstag, 19. Januar 2017, 08:50

Beim Postillon ist jeder Tag der 1. April... :D

MSchenk

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38

Samstag, 21. Januar 2017, 21:28

Gut anderthalb Wochen nach der glanzvollen Eröffnung und drei selbst besuchte Konzerte später ist es nun wohl an der Zeit, ein erstes Resümee zu ziehen:

Prolog. Praktische Fragen

Nach knapp 30 Jahren in der Hamburger Musikhalle, angefangen mit Günter Wand über Blomstedt, Gardiner, Eschenbach, von Dohnányi bis hin zu Thomas Hengelbrock betritt sich so ein neuer Saal nicht leicht. Groß ist die Befürchtung enttäuscht zu werden. Und es stellen sich die ganz praktischen Fragen:
  • Wo ist die Gardrobe? - Zentralgardroben auf der 11ten Ebene links und rechts, bis jetzt keine lange Warterei trotz 2100 Gästen.
  • Wo bekommt man in der Pause etwas zu trinken? - Eine große Bar auf der 13ten Ebene, weitere kleine Bars in den Ebenen 12, 15 und 16.
  • Kann man gut sitzen und sehen? - Bis jetzt von allen meinen Plätzen ein guter bis sehr guter Blick auf die Bühne. Bequeme Sitze. Das System funktioniert hier nach Buchstaben von A bis Z für die einzelnen Blöcke von unten nach oben um die Bühne herum. Über verschiedenen Treppen gelangt man auch innerhalb des Saales von jedem Block zu jedem anderen.
  • Und sonst? - Das Foyer wird durch helle Farben und viel Holz dominiert, es wirkt freundlich und einladend. Man sollte sich die Zeit nehmen, die verschiedenen Foyer-Ebenen zu erkunden und auf sich wirken zu lassen. Man meint zuerst, sich zu verlaufen, aber sobald man den Raum verstanden hat, ist es nicht mehr schwer, den Blick auf der einen Seite über die Stadt und auf der anderen Seite über den Hafen zu genießen. Auf den Ebenen 15 und 16 ist es möglich den Großen Saal zu umrunden.

Der Große Saal wirkt zunächst kleiner, als im Fernsehen bzw. auf Bildern. Das Parkett hat geradezu "Wohnzimmer"-Atmosphäre. Andererseits öffnet sich der Raum nach oben, wird dabei breiter und lichter. Über dem Ganzen schwebt der Reflektor wie ein riesiger, umgedrehter Pilz. Trotz der vielen separierten Sitzblöcke fühlt man sich nicht verloren. Die Beleuchtung ist sehr angenehm und nicht zu hell. Die Bühne ist halbrund und großzügig dimensioniert.

I. Fremdeln 13.Januar 2017

Jörg Widmann, Oratorium "ARCHE" (UA)

Marlis Petersen (Sopran)
Thomas E. Bauer (Bariton)
Iveta Apkalna (Orgel)

Hamburger Alsterspatzen, Audi Jugendchorakademie, Chor der Hamburgischen Staatsoper, Philharmonisches Staatsorchester unter der Leitung von GMD Kent Nagano

(Bereich 16/Z, Reihe 1, Platz 7)

Gleich im ersten Konzert nach den beiden Eröffnungskonzerten sitze im quasi im Olymp der Elbphilharmonie. Ich habe die Bühne von sehr hoch oben links im Blick und kann alles sehen. Auf dem Programm steht die Uraufführung des von Jörg Widmann eigens für diesen Anlaß komponierten Oratoriums "ARCHE". Erzählt wird hier (durch die beiden ganz ausgezeichnet sprechenden Kinder Jonna Plathe und Baris Özden) in fünf Teilen die Schöpfungsgeschichte, die Geschichte der Sintflut. Es wird berichtet von der Liebe, es gibt ein Dies Irae und am Ende ein Dona nobis pacem. - Das klingt ambitioniert und ist mit drei Chören, die Aufgrund der schieren Größe des Orchesters hinter der Bühne im Zuschauerbereich platziert sind, vielleicht schon überambitioniert.
In der Einführung betonte der Komponist mehrfach, dass es sich um ein Oratorium handle; vielleicht, um hier die eigene Unsicherheit zu kaschieren, denn das Ergebnis ist m.E. weniger Oratorium, sondern eher eine durchaus unterhaltsame, kurzweilige Revue. Ein Potpurri aus Bibeltexten, Texten von Claudius, Klabund, Heine, Sloterdijk, Schiller, aus Des Knaben Wunderhorn und noch einiges mehr. Ebenso mischen sich die musikalischen Stile: Das volltönend Sakrale wechselt mit dem Liedhaften, es gibt ein Couplet, einen Rap. Zitiert werden Brahms Deutsches und Mozarts Requiem ebenso, wie Beethovens Chorfantasie. - Es ist viel und vielleicht zuviel, um einen wirklich zu berühren. Trotzdem ist der Applaus und Jubel am Ende groß!
Musikalisch hat Kent Nagano den riesigen Apparat hervorragend im Griff. Marlis Petersen tritt im Zuschauerbereich auf und wandelt mit zielsicherer, traumhaft klarer Stimme durch die Zuschauerreihen bis zur Bühne, wo der schön, aber manchmal etwas zu leise singende Thomas E. Bauer auf sie wartet. Was akustisch sofort auffällt ist, dass alles leise selbst hier oben in höchsten Höhen ganz ausgezeichnet zu hören ist. Umgekehrt wird jedoch nichts zu laut, was mit diesem Stück in der Musikhalle nie funktioniert hätte. Um allerdings Details beurteilen zu können, war das Stück einfach deshalb nicht geeignet, weil es mir unbekannt war. Wenn ich etwas nicht gehört habe, habe ich es schlicht nicht gemerkt bzw. gewußt. Zur Orgel, die einige Einsätze hatte, sei gesagt, dass man sich auf mehr freuen darf: Der Klang erfüllt den Raum sehr warm und springt einen nicht aggressiv an, wie ich es manchmal in Kirchenräumen empfinde.
Am Ende bin ich zwar nicht enttäuscht, aber auch noch nicht begeistert - ja, nicht einmal überzeugt. Es ist schön zu sehen, wie sich das Publikum freute, aber letztlich war das Konzert mehr die technische Abnahme des Großen Saals und die Frage bleibt, ob bzw. wann aus meiner vorbehaltlichen Distanz Nähe wird.

II. Werden wir "Freunde"? 17.Januar 2017

L.v.Beethoven, Missa Solemnis D-Dur op.123

Camilla Nylund (Sopran)
Sarah Conolly (Mezzosopran)
Klaus Florian Vogt (Tenor)
Luca Pisaroni (Bass)

Philharmonia Chorus, Hamburger Symphoniker unter der Leitung des Chefdirigenten Sir Jeffrey Tate

(Bereich 15/O, Reihe 1, Platz 13)

Auch Hamburgs "drittes" Orchester, die Hamburger Symphoniker sind zum Eröffnungsmarathon geladen und ihr Chefdirigent, der vor kurzem zum Ritter geschlagene Sir Jeffrey Tate hat sich eines der Monolithen des klassischen Konzertrepertoires vorgenommen. Mein Platz ist nun eine Ebene tiefer, dafür hinter bzw. über dem Chor; eine vollkommen neue und ungewohnte Sicht eröffnet sich mir - gleichzeitig natürlich die Befürchtung, ob dies akustisch überhaupt funktionieren kann. Die vier Solisten sind zwar (klug) zwischen Orchester und dem mit ca. 150 Personen großzügig besetzten (von Walter Legge gegründeten) Philharmonia Chorus platziert, singen aber trotzdem naturgemäß nach vorne ...
Vom ersten Ton an steigt ein ausgezeichneter, wunderbar durchhörbarer Klang zu mir hinauf. Ich kann auch bei geschlossenen Augen fast jedes Instrument zuordnen und verorten. Auch hier wird es nie zu laut und am schönsten klingt es im piano. Das Violinsolo des Konzertmeisters Adrian Iliescus ist einfach nur schön. Es ist ausnehmend spanend zu beobachten, wie Tate durch Blicke und Bewegungen den Fluß der Musik steuert, ihm die jeweils passende Richtung gibt. Im Vergleich zu Hengelbrock im Eröffnungskonzert via Fernsehen und Nagano vier Tage vorher scheint Jeffrey Tate den Saal bis jetzt am besten verstanden zu haben.
Die Solisten sind erstaunlich gut zu hören und zu verstehen, werden nur selten durch den Chor zugedeckt. Der silbern-helle Tenor Klaus Florian Vogts klingt in diesem Raum phänomenal! Auch Luca Pisaroni singt seinen Part volltönend mit einer satten Grundierung. Allein die Damen könnten manchmal eine Schippe zulegen - oder sollte der Saal grundsätzlich freundlicher zu den tieferen, als zu den höheren Gesangsstimmen sein?
Abermals großer Applaus und viel Jubel! Bei meinem zweiten Konzert jedoch bin ich schon eher geneigt, einzustimmen ohne allerdings selbst genau zu verstehen, warum.

III. Wir werden wahrscheinlich "Freunde" 20.Januar 2017

Joseph Haydn, Die Schöpfung Hob.XXI:2

Christina Landshamer (Sopran)
Anna Lucia Richter (Sopran)
Maximilian Schmitt (Tenor)
Johannes Kammler (Bariton)
John Relyea (Bassbariton)

NDR Chor, NDR Elbphilharmonieorchester unter der Leitung des Chefdirigenten Thomas Hengelbrock

(Bereich 15/Q, Reihe 3, Platz 19)

Gestern Abend nun das erste Mal zu Gast bei einem Konzert des Residenzorchesters der Elbphilharmonie. Mit Haydns Schöpfung steht jetzt ein echtes Oratorium auf dem Programm, welches ich schon sehr lange und recht gut kenne. Ein Werk, welches nicht nur in der Einleitung seiner Zeit durchaus voraus gewesen ist. Der Platz nun wieder auf Ebene 15 rechter Hand des Orchesters, alles ist gut zu sehen. und vom ersten Ton an wird klar, was ich im zweiten Konzert mehr unbewußt gespürt, als begriffen habe: Der Klang steigt von unten auf und umfängt einen trotzdem von allen Seiten. Trotz der seitlichen Position bleibt für mich alles ausbalanciert; ich höre die Bäße unter mir genauso gut und laut, wie die Posaunen und Hörner mir gegenüber.
Wieder sind die Solisten zwischen dem Orchester und dem ganz ausgezeichneten, hier mittelgroß besetzten NDR-Chor platziert. Besonders der Sopran Christina Landshamers (Gabriel) schraubt sich immer wieder wunderbar hinauf in die Höhe um dann am Reflektor bis in den kleinsten Winkel des Saales geworfen zu werden. Man meint, es gehe kaum schöner und wohlklingender, bis im zweiten Teil Anna Lucia Richter als Eva ihre Stimme noch eine Spur brillianter und klarer führt. Der Baßbariton John Relyea (Raphael) beginnt etwas unsicher, wird aber im Laufe des Abends immer besser und beeindruckt besonders in den ganz tiefen Bereichen durch Stimmschönheit statt brummen. Auch die anderen Solisten kommen gut mit der Akustik zurecht und bleiben textverständlich. Die Stimmen der Solisten und des Chores strömen frei in den Raum, dass es ein wahres Hochgefühl ist. Dem Dirigenten und musikalischen Herrn des Hauses Thomas Hengelbrock ist die Freude über das Gelingen in jedem Augenblick anzusehen. Im Orchester sind einige mir unbekannte Gesichter, vielleicht bei der Orchesterakademie "ausgeborgt" um die Kräfte für den noch kommenden Konzertmarathon gleichmäßig zu verteilen.

IV. Erstes Resümee

Nach anfänglichem Fremdeln fängt der Große Saal der Elbphilharmonie langsam an, mir Spaß zu machen. Wie schon ausführlichst in der Presse betont, verzeiht er ungern - sowohl hustendes Publikum, als auch Spielgeräusche des Orchesters. Laut den Kritiken gereicht er einem Spitzenorchester, wie etwa dem CSO unter Muti zu allen Ehren. Die drei hamburger Orchester spielen da sicherlich eine Liga niedriger, aber auch sie besitzen noch genügend Potential, sind lernfähig und haben mit ihren jeweiligen Leitern genug musikalische Kompetenz am Pult, die Möglichkeiten der Elbphilharmonie auszuloten.
Ebenso unterliegt auch das Publikum hier einem hörenden Lernprozeß: Ein Gehör, welches über die Jahre und Jahrzehnte mit dem "klassischen Schuhkarton-Klang" der Hamburger Musikhalle sozialisiert wurde, dessen Grenzen stets irgendwo zwischen Bruckner und Mahler erreicht wurden, muß sich jetzt nicht nur klanglich, sondern auch bzgl. des eigenen Geräuschpegels (Husten, Rascheln, Quatschen) umorientieren bzw. disziplinieren.

Ich jedenfalls werde meine musikalische Entdeckungsreise kommenden Samstag mit Schönbergs Moses und Aron fortsetzen.
mfG Michael

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dr.pingel

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Samstag, 21. Januar 2017, 21:44

Lieber Michael, als Initiator dieses Themas muss ich sagen, dass es meine Erwartungen bei weitem übertroffen hat. Vor allem dein letzter Bericht ist ungewöhnlich informativ. Ich freue mich schon auf deine nächsten Berichte!
Der Mensch hat drei Wege, klug zu handeln. Erstens durch Nachdenken, das ist der edelste. Zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste. Drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste (M.Brzoska, dt. Aphoristiker)

MSchenk

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Samstag, 21. Januar 2017, 21:49

Lieber Michael, als Initiator dieses Themas muss ich sagen, dass es meine Erwartungen bei weitem übertroffen hat. Vor allem dein letzter Bericht ist ungewöhnlich informativ. Ich freue mich schon auf deine nächsten Berichte!

Lieber dr.pingel, es freut mich, wenn es Dich freut! Und es wäre noch so viel zu sagen und zu beschreiben, was sich zum Teil nur schwer in Worte fassen läßt! - Das Motto der Eröffnungskonzerte dem Parsifal entlehnt "Zum Raum wird hier die Zeit" charakterisiert den Großen Saal da m.E. sehr treffend.
mfG Michael

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musikwanderer

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Samstag, 21. Januar 2017, 23:41

Dann will ich mich - nach dem umfangreichen Bericht von Michael - dem Votum des Dottore gerne anschließen. Es war durchaus aufschlußreich und lesenswert und deshalb auch von mir: DANKE!

:hello:
.

MUSIKWANDERER

MSchenk

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Freitag, 3. Februar 2017, 22:21

Ein Konzertsaal für das 21te Jahrhundert - Schönbergs "Moses und Aron"

Arnold Schönberg, Moses und Aron (konzertant)

Moses : Franz Grundheber
Aron : John Daszak
Priester : Ralf Lukas
1te Jungfrau : Lini Gong
2te Jungfrau : Tanya Aspelmeier
3te Jungfrau : Verena Usemann
4te Jungfrau : Ina Jaks
Junger Mann : Jürgen Sacher
Jüngling : Roman Payer
Ephraimit : Ralf Lukas

Chorsolisten der Komischen Oper Berlin, Vocalconsort Berlin, NDR Elbphilharmonie Orchester unter der Leitung Ingo Metzmacher

(Bereich 15/P, Reihe 1, Platz 11)

Bevor es am kommenden Dienstag doch einmal wieder in die Hamburgische Staatsoper geht (Otello in der aktuellen Neuinszenierung Calixto Bieitos), steht noch der Bericht zu meinem vierten Besuch der Elbphilharmonie aus:

Was an diesem Abend nochmals deutlich wurde und insbesondere der durchaus umstrittenen Zusammenstellung des Eröffnungsprogramma nochmals recht gab ist die inzwischen kaum noch zu bestreitende Tatsache, dass der Große Saal der Elbphilharmonie ein Konzertsaal für die Musik des 20ten und 21ten Jahnhunderts ist! Kaum anderswo dürfte die hochkomplexe, filigran verästelte Partitur eines Werkes, wie Schönbergs unvollendete Oper Moses und Aron zu hervorragend zur Geltung kommen, wie an diesem Ort. Man hat als Zuhörer praktisch keine andere Wahl, als gebannt auf der Stuhlkante zu sitzen und dem Geschehen zu folgen. Und umso leichter fällt dies natürlich, wenn die Ausführenden derart konzentriert bei der Sache sind, wie es an diesem Abend der Fall war.
Über die Qualitäten eines Franz Grundheber zu schreiben, hieße hier im Forum wohl Eulen nach Athen zu tragen - und trotzdem sei gesagt, dass der Auftritt des inzwischen 80(!) jährigen Baritons vom ersten Ton an mit "Einziger, ewiger, allgegenwärtiger, unsichtbarer und unvorstellbarer Gott ...!" einem Naturereignis gleichkam. Zwar handelt es sich bei Moses bekanntlich um eine Sprechrolle, die Grundheber jedoch in natürlicher Art und Weise sanglich und bis zum hintersten Platz verständlich zu artikulieren vermochte. Ihm zur Seite war mit John Daszak ein nicht minder exellenter Aron gestellt, der ob seiner sängerischen Mittel fast vergessen ließ, dass es sich ja "nur" um eine konzertante Aufführung handelte. All dies wurde möglich durch das in jeder Note souveräne Dirigat Ingo Metzmachers, welches fast vergessen ließ, dass es sich um für manchen Zuhörer sicherlich äußerst schwer zugängliche Zwölftonmusik handelt. Dass Metzmacher aktuell vielleicht der wichtigste Dirigent für Musik des 20ten und 21ten Jahrhunderts ist, hatte er zwei Tage zuvor am selben Ort mit den Wiener Philharmonikern und einem Webern/Hartmann/Schostakowitsch-Programm bereits bewiesen.
Das seine Wahl für das Konzert mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester nun auf Moses und Aron fiel, dürfte zwei wesentliche Gründe haben: Zum einen war Moses und Aron eine seiner ersten Premieren als GMD an der Hamburgischen Staatsoper und insbesondere ein Grundstein seiner kongenialen Zusammenarbeit mit Peter Konwitschny und zum anderen wurde Schönbergs Oper hier in Hamburg 1954 durch das Orchester des NWDR, also dem direkten Vorläufer des NDR Elbphilharmonie Orchesters konzertant in der Laiszhalle unter Hans Rosbaud (kurzfristig für den erkrankten Schmidt-Isserstedt) uraufgeführt. Damals sangen u.a. Hans Herbert Fiedler als Moses und Helmut Krebs als Aron; die Produktion wurde aufgezeichnet und ist heute noch erhältlich:



Bzgl. der akustischen Fragestellungen sei angemerkt, dass die Solisten abermals nicht an der Rampe, sondern hinter dem Orchester platziert wurden, was für meinen Platz ebenfalls hinter dem Orchester und somit über dem Chor, der aufgrund der Größe des Orchesterapparates im Zuschauerbereich (13G) platziert wurde, ganz ausgezeichnet funktioniert hat. Interessant auch die Möglichkeiten, den Chor zu Beginn des ersten und zum Ende des zweiten Aktes nach links bzw. rechts aufzuteilen, sowie im Zwischenspiel ("Wo ist Moses? Wo ist der Führer? Wo ist er? etc.") die verschiedenen Chorsolisten auf unterschiedlichen Ebenen im Saal zu verteilen. Überhaupt sang auch der Chor der Komischen Oper Berlin zusammen mit dem Vocalconsort Berlin (der m.W. 2015 mit einer Kosky-Produktion Moses und Arons Chor des Jahres gworden ist) auf einem herausragenden Niveau.

Bleibt mir nur noch, allen Interessierten die Aufzeichnung dieser Aufführung wärmstens ans Herzu zu legen.
mfG Michael

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Siegfried

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Samstag, 4. Februar 2017, 15:41

Lieber Michael,

hab ganz herzlichen Dank für deine informativen Berichte. Da wächst die Vorfreude schon gewaltig. Doch wie gelingt es dir, bei dem großen Andrang so kurz hintereinander Karten zu ergattern?

:hello:
Freundliche Grüße Siegfried

MSchenk

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44

Samstag, 4. Februar 2017, 16:45

Doch wie gelingt es dir, bei dem großen Andrang so kurz hintereinander Karten zu ergattern?

Lieber Siegfried, das war tatsächlich nicht so schwer! Alles fängt damit an, dass ich die Saison immer im Voraus plane, was bei Familie und Beruf, sowie zur Abstimmung mit meinem Freundes- und Kulturkreis (ebenfalls mit Familie und Beruf) ohnehin unumgänglich ist. Dann bin ich bereits in der vorigen Saison auf das Kaufen von Abonnements verfallen, garnicht mit Blick auf die Elbphilharmonie, sondern einfach, weil Abonnements für mich eine erhebliche Zeit- und Geldersparnis bedeuten. So hatte ich also schonmal "einen Fuß in der Tür" bzw. auf der Rolltreppe :thumbsup: Die dann noch fehlenden Karten wurden "einfach" zum VVK-Beginn online am PC ergattert.- Ich denke aber auch, dass es in der nächsten Saison schwieriger werden könnte, da viele Leute erst jetzt nach den vielen Berichten in Funk und Fernsehen auf den Geschmack gekommen sind. Wofür ich allerdings kein Verständnis habe, sind die Leute, die jetzt rummäkeln, es gäbe ja garkeine Karten bzw. die Preise seien (auf dem Schwarzmarkt!) total überteuert ... ?(
mfG Michael

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Dr. Holger Kaletha

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45

Sonntag, 5. Februar 2017, 15:11

Bleibt mir nur noch, allen Interessierten die Aufzeichnung dieser Aufführung wärmstens ans Herzu zu legen.

Das werde ich mir aufnehmen, lieber Michael. Moses und Aron habe ich vor Urzeiten in der Düsseldorfer Rheinoper gesehen, viel später dann eine private Einführung und Vorführung gemacht mit der Solti-Aufnahme. Das Werk liegt mir wirklich am Herzen - in einem meiner Aufsätze bin ich auch darauf eingegangen (von der Wiener Schönberg-Gesellscahft übrigens ins Netz gestellt).

Einen schönen Sonntag wünscht
Holger

MSchenk

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46

Montag, 6. Februar 2017, 16:55

Und hier weitere Einblicke aus erster Dirigenten-Hand: DAS! mit Thomas Hengelbrock aus de Elbphilharmonie.
mfG Michael

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sagitt

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Montag, 6. Februar 2017, 17:02

Sagitt meint:

herrlich...mit einer ahnungslosen Bettina Tietjen!
Für Fernsehen immerhin ausgesprochen lange Musikbeispiele, und dann noch Klassik (mehr oder weniger).

Glockenton

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48

Mittwoch, 8. Februar 2017, 10:34

Ja, vor allem die beiden Sachen mit dem Cellisten gefielen mir sehr gut.
Natürlich hat Frau Tietjen keine Ahnung, aber auf jeden Fall ist sie eine richtige Frau....
Zudem war sie klug genug, nicht explizit durch bestimmte dumme Fragen oder Aussagen auf ihre Ahnungslosigkeit hinzuweisen.

Interessant fand ich auch die Aussagen zur Akustik, die sich mit meinen Ferneindrücken durch die Übertragungen decken:
Sehr transparent, sehr kammermusikalisch, sehr analytisch, Mischklang ergibt sich nicht von selbst, sondern muss hergestellt werden, eher kurzer Nachhall, wahrscheinlich wird es ganz oben etwas weniger trocken klingen.

Mal sehen, ob ich irgendwann einmal nach Deutschland/Hamburg komme, um mir das anzuhören.
Wenn man in den Programmkalender schaut, dann fällt einem vor allem das Wort "ausverkauft" auf.
Dass sie die Marienvesper im Michel aufführen, halte ich auch aus akustischen Gründen für die richtige Entscheidung. St. Michaelis ist dafür optimal.

Thielemann war ja mit seinem Orchester schon in der Elbphilharmonie. So ein Konzert hätte ich ja gerne besucht.
Wie ich gerade sehe: Konzerte mit Simon Rattle/BPO oder Blomstedt (Bruckner 8) sind auch schon längst ausverkauft....

Gruß
Glockenton

Norbert

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49

Mittwoch, 8. Februar 2017, 10:38

Lieber Glockenton,

es sind alle Konzerte in dieser Saison ausverkauft. Die einzige Möglichkeit, noch in dieser Saison an Karten zu kommen, besteht darin, beim Schleswig-Holstein Musik Festival ganz schnell zu sein, um Karten für die Konzerte in der Elbphilharmonie zu bestellen.
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

MSchenk

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Mittwoch, 8. Februar 2017, 11:19

Des Weiteren wird es eine Sommer-Bespielung geben, den Elbphilharmonie-Sommer. Auch dafür hat der VVK noch nicht begonnen.
mfG Michael

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Donnerstag, 23. Februar 2017, 21:19

Bach, Messiaen und Bruckners Mysterium

Zu berichten ist von einem weiteren Konzert in Hamburgs neuer "Perle", der Elbphilharmonie. Es war inzwischen mein achter Besuch im Großen Saal (*), und ich weiß nicht, ob es mich erschrecken oder doch mehr amüsieren sollte, wie sehr die Besuche für meinen kleinen Kulturkreis schon zur "Normalität" geworden sind ... :untertauch:

I.

J.S.Bach Fantasie und Fuge g-Moll BWV 542
O.Messiaen, Offrande et Alléluia final aus "Livre du Saint Sacrement"


Christian Schmitt, Orgel

II.

A.Bruckner, Symphonie Nr.8 c-Moll [Fassung von 1890]


Philharmonisches Staatsorchester unter der Leitung von GMD Kent Nagano

(Bereich 16/Z, Reihe 1, Platz 10)

In Anbetracht des veranschlagten Programms war abzusehen, dass es gleich zu Wochenbeginn (20.02.2017) ein langer Abend werden würde. Normalerweise füllt Anton Bruckners Symphonie Nr.8 c-Moll - egal, in welcher Fassung - bereits einen ganzen Konzertabend. Für dieses Konzert im Rahmen des Lux aeterna-Festivals jedoch gab es im ersten Teil (sozusagen als Präludium ) zwei reine Orgelwerke, welche durch den Gastorganisten Christian Schmitt hervorragend dargeboten wurden. Zwar bin ich kein Experte für Orgelmusik, aber hier hat mich der Klang der großen Konzertorgel der Hamburger Elbphilharmonie vollständig überzeugt, er scheint mir in allen Registern sehr differenziert und eher trockener. Anders, als in typischer Kirchenraumakustik mischen sich die Töne weniger und der Nachhall ist durchaus kurz, was insbesondere der Durchhörbarkeit der Bachschen Fuge aus BWV542 sehr zum Vorteil gereichte. Ich kann mir allerdings auch vorstellen, dass dieses Klangbild für andere Hörer, die eher den Klang einer Kirchenorgel bevorzugen, ein Kritikpunkt sein kann. - Allerdings glaube ich nicht, dass dies oder Schmitts Spiel der Grund für einen einzelnen Buh-Ruf nach Messiaens Offrande et Alléluia final gewesen ist. Vielmehr dürfte da jemand gemeint haben, es zeuge von großer Kennerschaft, dem Komponisten zu zeigen, was man von ihm hält ... Jeder macht sich halt auf seine Art lächerlich :no:

Eigentlich ist Kent Nagano dafür bekannt, dass er eher die Urfassung der 8ten bevorzugt und angeblich, so sagte mir eine Orchestermusikerin im Vorfeld, soll diese auch zuerst programmiert gewesen sein. Umso größer die Überraschung, als schon beim Betreten des Saales aufgrund der drei Harfen auf der Bühne klar war, dass sicher nicht die Urfassung gespielt werden würde. Was Orchester und Dirigent dann aber geboten haben, war mehr als befriedigend (so sehr, dass es im Adagio-Satz einen Rang unter unseren Plätzen zu einem medizinischen Notfall kam, der sogar Wiederbelebungsmaßnahmen notwendig machte ; die Person soll den Saal dann aber auf eigenen Füßen verlassen haben). Wie bereits im letzten Jahr mit Beethovens "Eroica" erlebt, zeichnen sich Naganos Konzertdirigate durch einen gradlinigen, unaffektierten Zugriff aus, der gänzlich ohne die manchmal etwas eigenwilligen Temporückungen oder Dynamikverschiebungen anderer Brucknerdirigenten auskommt. Man meint tatsächlich zu hören, dass Nagano oft in Hamburg gewesen ist, um Günter Wand und das damalige NDR-Sinfonieorchester bei der Probenarbeit zu Bruckner-Symphonien zu studieren.
Und auch hier konnte der Saal seine klanglichen Möglichkeiten wieder voll auspielen, d.h. es wurde, obwohl wir an diesem Abend im Bereich 16/Z in maximaler Entfernung zum Orchester saßen, nie zu leise, aber auch nie zu laut; ein Problem, welches gerade auch bei diesem Werk in der Laiszhalle, wo ich es in den vergangenen 25 Jahren sicher sechs bis achtmal gehört habe, durchaus immer wieder eine Rolle gespielt hat.

Als nächstes dann schon morgen mit Mahlers Symphonie Nr.2 c-moll "Auferstehungs-Symphonie" quasi das vergleichende Kontrastprogramm, von dem ich aufgrund der bisherigen Erfahrungen schon jetzt überzeugt bin, dass es mindestens gut klingen wird, und inzwischen werde ich schon ein bisschen neugierig, wenn denn wohl ein klein besetzter Mozart in der Elbphilharmonie klingen mag!?

(*) Noch nicht berichtet habe ich von drei tollen Konzerten im Rahmen der Aktion Konzerte für Hamburg; einer Initiative des NDR-Elbphilharmonie Orchesters zusammen und seines Chefdirigenten Thomas Hengelbrock, die durch eine Vielzahl "kleiner", einstündiger Konzerte zu sehr moderaten Preisen die Möglichkeit schaffen wollten, dass auch und vor allem Menschen, die sonst eher keine Konzertgänger sind, Hamburgs neues, zweites Wahrzeichen von innen kennenlernen können. Ich habe diese tolle Aktion natürlich genutzt, meiner Frau und unseren beiden Kindern des Saal zu präsentieren - die Reaktion war :jubel:
mfG Michael

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MSchenk

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Donnerstag, 23. Februar 2017, 21:50

@Moderation: Ich sehe gerade, dass dieser Thread in der TRITSCH-TRATSCH PLAUDERECKE und damit im interenen Bereich liegt. Wäre es vielleicht möglich, ihn öffentlich zu machen, z.B. unter GESTERN IM KONZERT? Die Mitglieder meines privaten Kulturkreises scheuen zwar noch die Anmeldung bei Tamino, würden die Berichte aber auch gerne lesen ... :untertauch:

Wunschgemäß erledigt - dieser Beitrag, da positiv erledigt, wird nach einiger Zeit gelöscht - MOD 001 Alfred
mfG Michael

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La Roche

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Freitag, 24. Februar 2017, 09:28

Hallo, Konzertfreunde,

seit der Eröffnung der Elbphilharmonie bin ich eigentlich voller Erwartung, ab und an im Fernsehen eine Live-Übertragung zu erleben und wurde bisher enttäuscht. Bruckners 8., die Auferstehung u.a. hätte ich schon erleben wollen. Habe ich nur etwas übersehen oder sind solche Übertragungen nicht vorgesehen?

Ich muß da positiv verweisen auf die Konzerte der Orchester des WDR, des HR und besonders des BR, die regelmäßig auf dem Schirm sind (und negativ auf den MDR, dessen Orchester wahrscheinlich wegen der großen sächsischen Konkurrenz gar nicht präsent ist).

Herzlichst La Roche

PS - den gesamten Thread durchzulesen nehem ich mir für die nächsten Tage vor. Optisch bin ich begeistert vom Bauwerk.
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer

MSchenk

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Freitag, 24. Februar 2017, 09:43

seit der Eröffnung der Elbphilharmonie bin ich eigentlich voller Erwartung, ab und an im Fernsehen eine Live-Übertragung zu erleben und wurde bisher enttäuscht. Bruckners 8., die Auferstehung u.a. hätte ich schon erleben wollen. Habe ich nur etwas übersehen oder sind solche Übertragungen nicht vorgesehen?

Es gab bereits einige Übertragungen vor allem im Rundfunk (NDRkultur), einige Links solltest Du auch beim Lesen der verschiedenen Beiträge wiederfinden; ansonsten schau mal hier oder hier. Mit Videoaufzeichnungen sieht es noch etwas mau aus, aber dafür ist dann elbphilharmonie worldwide die richtige Adresse. Und der Mahler wird am Sonntag wieder live Übertragen (siehe hier).
mfG Michael

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Siegfried

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Freitag, 24. Februar 2017, 18:32

Vielen Dank, lieber Michael, für deinen wiederum sehr fundierten Bericht. Meiner Vorfreude auf den musikalischen Herbst in HH wird hierdurch wieder neue Nahrung zugeführt. Wenn du mir die Bitte gewährst, dann weiter so! :jubel:
Freundliche Grüße Siegfried

MSchenk

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Sonntag, 26. Februar 2017, 20:55

Wenn du mir die Bitte gewährst, dann weiter so! :jubel:

Dein Wunsch, lieber Siegfried, sei mir Ansporn, und bevor ich zugunsten einiger Aufführungen in der Hamburgischen Staatsoper und einem Besuch im Stadttheater Lübeck (Il vaggio a Reims!) eine "längere" Elbphilharmonie-Pause einlege, will ich deshalb gerne noch von einem Konzert am vergangenen Freitag berichten:

Gustav Mahler, Sinfonie Nr. 2 c-Moll "Auferstehungssinfonie"

Annette Dasch (Sopran)
Gerhild Romberger (Mezzosopran)

WDR Rundfunkchor & NDR Chor

NDR Elbphilharmonie Orchester

Ltg.: Thomas Hengelbrock

(Bereich 15/Q, Reihe 3, Platz 24)

Vielleicht sind einige meinem Hinweis gefolgt und haben die heutige Live-Übertragung verfolgt? Falls nicht, sie wird vermutlich in wenigen Tagen zum Nachhören auf der Seite von NDRkultur oder dem NDR Elbphilharmonie Orchester bereitgestellt. - Jedenfalls würde mich Eure Meinungen und Einschätzungen sehr interessieren!

Ich war bereits im ersten Konzert am Freitag und mein Kulturkreis und ich sind anschließend sehr zufrieden nach Hause gegangen. Was ich bisher in meinen Schilderungen, soweit ich erinnere, noch nicht erwähnt habe, welch spannende Einblicke in die Orchesterarbeit die sog. Weinberg-Architektur des Großen Saales der Elbphilharmonie ermöglicht. Wie saßen schräg-rechts etwa auf zwei Uhr hinter und vielleicht fünf bis sieben Meter über dem Orchester in einer Linie mit dem Schlagwerk (2 Pauken, kleine Trommeln, Glocken etc.). Zusätzlich hatten wir rechterhand die Konzertorgel, die an diesem Abend vom mobilen Spieltisch auf der Bühne bedient wurde. Erstaunlich genug, dass es trotz des großen Orchesters und unserer ungünstig klingenden Sitzposition keine für mich wahrnehmbaren akustischen Probleme gab. Weder dominierte das Schlagwerk, noch "fegte" uns am Schluß die Orgel hinweg. Ein übriges tat Hengelbrocks zügiges, aber immer sehr differenziertes Dirigat; er verstand es, die einzelnen Orchestergruppen jeweils klar herauszuheben. Überzeugend auch die verschiedenen solistischen Leistungen z.B. in der Flöte (Wolfgang Ritter) oder im ersten Horn (Jens Plücker).
Einen so in der Laiszhalle wohl nicht darstellbaren Effekt bot das Fernorchester (Ltg. Peter Tilling), welches - außerhalb des Saales - einerseits sehr gut hörbar, aber aufgrund der Entfernung und Platzierung eben wirklich wie ein Fernorchester klang und den Raum auf wunderbare Art und Weise erweiterte. Weiters trat der Chor zum letzten Satz nicht in gewohnter Formation auf, sondern verteilte sich in einer Reihe im "1ten Rang", wobei die einzelnen Stimmgruppen jeweils etwas gemischt wurden. Dadurch entstand ein verstärkter Stereoklang, der bei gewohnter Aufstellung in mehreren Reihen hinter dem Orchester kaum realisierbar sein dürfte.
Die beiden Solisten schließlich sangen vollständig hinter dem Orchester, d.h. insbesondere hinter dem Schlagwerk, aber nur leicht erhöht - hierzu sei angemerkt, dass die bisherigen Erfahrungen schnell gezeigt haben, dass aufgrund der akustischen Gegebenheiten das Singen vor dem Orchester, wie sonst zumeist üblich, in diesem Saal tatsächlich außerordentlich problematisch ist; die Sänger sind dann insbesondere in den oberen Sitzbereichen durchaus schlecht zu hören; bei Sängern im oder hinter dem Orchester gab es in den von mir besuchten Konzerten (vgl. hier bisher eigentlich keine Schwierigkeiten.
Großartig an diesem Abend die Altistin Gerhild Romberger! Es war nach einem Konzert mit den Wiener Philharmonikern unter Ingo Metzmacher bereits ihr zweiter Auftritt in der Elbphilharmonie. Ihr Solo O Röschen rot!" sang sie mit einem überaus weichen Ansatz und großer Öffnung der Stimme nach vorne. Ebenso blieb sie auch im letzten Satz ("O Schmerz! Du Alldurchdringer!" stets gut vernehmbar. Die Stimme Annette Daschs hingegen wirkte für meine Ohren etwas eng und vor allem zu unbeweglich, was jedoch den Gesamteindruck nicht allzusehr trübte. - Nach langem Innehalten deshalb großer Applaus für alle Beteiligten!

Weiter geht es dann am 28.April 2017. Wieder Mahler, dann aber das Philharmonische Staatsorchester unter der Leitung von Kent Nagano mit der Symphonie Nr.8 Es-Dur "Symphonie der Tausend".
mfG Michael

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Rheingold1876

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Sonntag, 26. Februar 2017, 21:19

Danke, lieber Michael, für die plastischen Berichte, aus denen es regelrecht heraustönt. Wenn das so weitergeht, dann muss ich gar nicht mehr selbst hin. Mir kommt es langsam so vor, als sei ich selbst schon im Haus gesessen. Dabei habe ich "live" nur das Eröffnungskonzert am Fernseher verfolgt. So aufregend das war, es wurde mir aber auch wieder ganz scharf deutlich, wie eingeschränkt die Warnehmung am Bildschirm ist. Gelesen habe ich auch einen längeren Text eines Musikkritikers, der für sein freches Mundwerk bekannt ist - es wurde bereits darauf verwiesen. Der mäkelte heftig an der Akustik herum. Diesen Eindruck kannst Du offensichtlich nicht teilen. Gut so! Gern lese ich, dass Gerhild Romberger Eindruck auf Dich machte in Mahlers Zweiter. Zufällig habe ich dieser Tage die Einspielung von Mahlers Liedern mit ihr gehört und kann mir nun gut vorstellen, wie ihr das "Röschen" gelang. Eine, wie ich finde, sehr schwierige Situation für eine Sängerin. So aus dem Nichts heraus anfangen! Wenn es denn gelingt, kann das einfch nur betörend sein.

Gruß Rheingold
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MSchenk

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Sonntag, 26. Februar 2017, 21:51

Zufällig habe ich dieser Tage die Einspielung von Mahlers Liedern mit ihr gehört und kann mir nun gut vorstellen, wie ihr das "Röschen" gelang. Eine, wie ich finde, sehr schwierige Situation für eine Sängerin. So aus dem Nichts heraus anfangen! Wenn es denn gelingt, kann das einfch nur betörend sein.

Ja, an diesem Abend gelang es! - Inzwischen habe ich bereits eine Vorstellung davon, wie bestimmte Dinge klingen sollten - was natürlich auch die Gefahr einer Enttäuschung erhöht: Der Gesangs-Anhub im vierten Satz der 2ten kommt für die meisten Zuhörer von unten, da sich ja die Mehrzahl der Plätze aufgrund der Weinberg-Archtektur über und nicht vor dem Orchester befinden. Trotzdem ist der Ton dann schnell im ganzen Raum und umfängt einen. Dies ist nicht nur am Freitag sehr gut gelungen, sondern schon bei Bruckners 8ter, wo wir ganz oben saßen; man hat eben nicht den Eindruck, der Klang käme nur von unten, sondern man sitzt mittendrin und kann fast immer jede Instrumentengruppe, jedes Solo-Instrument (und jeden Schnitzer desselben) orten. Andererseits natürlich, und da sehe ich ein, dass die Hörpräferenzen durchaus verschieden sind, ist die Akustik in ihrer Unmittelbarkeit mit kurzem Nachhall und wenig Mischklang quasi "unromantisch", was auf die Dauer sicherlich nicht bei jedem auf Gegenliebe stoßen wird. Interessant wird sicher die nächste Saison, wenn auch wieder einige Konzerte in der Laiszhalle anstehen und man "abwechselnd" hört und direkter Vergleichen kann. Immerhin hat dieser altehrwürdiger "Schuhkarton" mein Gehör knappe dreißig Jahre sozialisiert.

Interessant fand ich übrigens einen Artikel aus dem Tagesspiegel, den ich eben erst gelesen habe: Diese Transparenz hat etwas Ungeheuerliches. Hier werden kurz und knapp verschiedene positive und kritische Aspekte, die ich ähnlich wahrgenommen habe, zusammengefasst.
mfG Michael

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La Roche

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Montag, 27. Februar 2017, 13:48

Sei es wie es sei. Ihr Hamburger habt einen wunderbaren Musentempel, der zeitlos wie das Opernhaus Sydney oder die Dresdener Semperoper das Kulturleben und die Kulisse der Stadt Hamburg bestimmen wird.

Und es lenkt sicher ab von weniger stolzen sportlichen Erfolgen wie den knappen Niederlagen der Fußballer im kulturell nun leicht unterlegenem München, dem voraussichtlich kommenden Abstieg von St. Pauli und der bereits vollzogenen Bedeutungslosigkeit des ehemaligen Handball-Champignonsleague-Vereins HSV Handball.

Aber das ist Nebensache. Kulturell und architektonisch hat Hamburg eindeutig gewonnen. Ich kenne leider nur den Hafen und die Reeperbahn (vom Musical!!). In die Herbertstraße hat meine Frau mich nicht reingelassen ohne mein Portemonnaie abzugeben, und mein Aufenthalt wurde auf 5 allerdings sehr interessante Minuten reduziert. Muß aber nicht jeder haben.

Herzlichst La Roche
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Donnerstag, 23. März 2017, 09:57

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