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Theophilus

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Beiträge: 10 822

Registrierungsdatum: 1. Dezember 2004

31

Samstag, 31. Dezember 2016, 05:45

Alfred der Große beschließt unsere lange Reise durch die Welt der Musik (nein, nicht unser Forenprinzipal - der andere Alfred! ;) ):


31. Alfred müsste man heißen...


Auch das längste Rätsel muss einmal zu einem Ende kommen und mit einem kleinen, feinen Rätsel am letzten Tag des Jahres wünsche ich allen ausdauernd dabei gebliebenen


Prosit 2017

Theophilus

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Beiträge: 10 822

Registrierungsdatum: 1. Dezember 2004

32

Mittwoch, 8. März 2017, 03:06

Jedes Rätsel ist unvollständig ohne die dazugehörige Lösung. Hier nun die Lösungen zum Tamino-Weihnachtsrätsel 2016:




1. Schwungvoller Beginn...


Robert Schumann
Sinfonie Nr. 1 B-dur op. 38 "Frühlingssinfonie"

Wiener Philharmoniker
Leonard Bernstein


Ich habe das Weihnachtsrätsel nicht ganz stilgerecht mit dem Beginn der "Frühlingssymphonie" gestartet, aber ich konnte keine Quelle finden, die vorschreibt, dass man dieses Werk nur drei Monate im Jahr hören dürfe. Daher habe ich es gewagt...

Ich bin kein Kenner der Schumann-Diskographie, aber ich kann mir kaum ein mehr begeisterndes Plädoyer für diese Musik vorstellen als diese Mitschnitte aus dem Musikverein - ganz großartig! Musikfreunde, die auch gerne zuschauen, sind allerdings mit den Videos noch besser bedient!


2. Ach wie so schön...


Vincenzo Bellini
Norma

Montserrat Caballé und Shirley Verrett

Stelle aus dem Duett Mira o Norma... im zweiten Akt dieser Oper.

Gibt es noch etwas schöneres an Musik? Ich habe diese Platte schon im letzten Rätsel verwendet - eine Duett-Scheibe für die einsame Insel. Teleton würde in diesem Zusammenhang lakonisch "Hammerscheibe" meinen...


3. 88 = 52 + 36


Franz Liszt
Sonate für Klavier in h-Moll

Ingeborg Baldaszti auf einem Fazioli F308


Die Stelle findet sich gegen Ende der Sonate. Interessanterweise hat sich die wohl bekannteste Klaviersonate der Romantik als kleine Herausforderung erwiesen. Ich meinte eigentlich, das erkennt jeder mit dem ersten Takt...

Die Platte ist inzwischen schwer zu bekommen und wohl auch schon weitgehend vergessen. Schade eigentlich, denn sie ist nicht nur musikalisch sehr gelungen sondern klanglich ein echter Überflieger. Der Fazioli F308 ist bei entsprechender Handhabung die reinste Naturgewalt. Was Ingrid Baldaszti aus ihm herausholte und was die exzellente Tontechnik eingefangen hat bietet höchsten Hörgenuss.


4. Uno, due, tre, quattro...




Antonin Dvorak
Streichquartett Op. 96, "Amerikanisches"

Stamitz Quartett


Die Stelle ist aus dem ersten Satz.
Op. 96 ist Dvoraks populärstes Quartett, eines der bekanntesten überhaupt. aber es lohnt sich wirklich, alle Dvorak-Quartette kennen zu lernen. Bei den frühen gibt es auch echte Überraschungen. Man könnte sich fast vorstellen, so ähnlich hätten Quartette von Richard Wagner klingen können (das längste dauert über eine Stunde!!!). Das Stamitz-Quartett ist übrigens nicht die schlechteste Adresse für diesen Werkkosmos...


5. Einer gegen viele...




Johannes Brahms
Violinkonzert Op. 77

Jascha Heifetz, Violine
Chicago Symphony Orchestra
Fritz Reiner


Die gesuchte Stelle findet sich im zweiten Satz.

Diese Aufnahme ist natürlich nicht meine einzige vom Brahms-Konzert, aber aus irgendwelchen Gründen greife ich zumeist auf sie zurück...


6. Das Ganze ist recht lang...




Gustav Mahler
Symphonie Nr. 5

Wiener Philharmoniker
Leonard Bernstein


Die gesuchte Stelle findet sich gegen Ende des fünften und letzten Satzes. Bei Mahler ist die Auswahl jetzt schon recht groß, aber Bernstein ist hier nie verkehrt...


7. Koloratur...


Gioacchino Rossini
La Cenerentola

Ewa Podles

Schlussszene der Cenerentola

Aus einer fulminanten Arien-Platte der großen Ewa Podles. Höchst empfehlenswert!
Die Cenerentola ist natürlich keine Rolle, die Ewa Podles auf der Bühne verkörpert hat, aber die große Schlussszene einmal von einer atypischen Stimme zu vernehmen hat großen Reiz.


8. Nicht traurig sondern melancholisch...


Frédéric Chopin
Sonate Nr.2 op.35 in b-Moll

Grigory Sokolov


Die Stelle entstammt dem Mittelteil des 2. Satzes dieser Sonate, die besonders durch ihren 3. Satz - dem berühmten Trauermarsch - bekannt ist. Fleißige Sokolov-Hörer haben ihn vielleicht sogar an seiner Artikulation erkannt. Die Aufnahme findet sich auch in einer 10-CD-Box, die leichter und auch preiswerter zu bekommen ist.



9. Nicht ganz original...





Franz Schubert (1797-1828)
Arpeggione-Sonate D.821

Jean-Guihen Queyras, Alexandre Tharaud


Wir werden hier im 1. Satz fündig. Diese Sonate ist sicher eines der meisteingespielten Werke Schuberts - indes, es wurde für ein Instrument geschrieben, das sicherlich schon längst vergessen wäre, wenn eben nicht Schubert so ein populäres Stück dafür komponiert hätte. Es gibt meines Wissens kein bespielbares originales Instrument, man ist daher auf Nachbauten dieser seltsamen Kreuzung aus Gitarre und Cello angewiesen. Da die Virtuosen dieses Instruments einen sehr kleinen Kreis bilden, haben sich in erster Linie die Cellisten dieses Werks angenommen.

Die gezeigte Aufnahme ist ganz wunderbar gelungen. "Aufgewachsen" bin mit der zweiten angeführten - Rostropowitsch / Britten. Vollmundig und kraftvoll das Cello und exemplarisch einfühlsam das Klavier ist diese Aufnahme ebenfalls ein Juwel und nicht nur ein Fall für unverbesserliche Nostalgiker.


10. Jung und Alt...




Edvard Grieg
Konzert für Klavier und Orchester op. 16

Krystian Zimerman
Berliner Philharmoniker
Herbert von Karajan


Der Ausschnitt entstammt dem Finale. Herbert von Karajan hat in seinen späten Jahren eine Reihe von Aufnahmen mit sehr jungen Künstlern als Solisten gemacht. Das Grieg-Konzert gilt heute noch als besonders gelungenes Beispiel dieser Ära...


11. Nach der Apokalypse das Erwachen im Paradies...




Dimitri Schostakowitsch (1906-1975)
Symphonie Nr. 5

Wiener Philharmoniker
Mariss Jansons


Wir hören im Beispiel den sensationellen Stimmungswechsel gegen Ende des ersten Satzes. Mir fällt kaum vergleichbares bei einer anderen Symphonie ein. Dieses Beispiel erwies sich nebenbei bemerkt als die härteste Nuss des ganzen Rätsels!
Der Zyklus von Mariss Jansons gilt als einer der besten neueren, allerdings meinen Kritiker dieser Fünften, dass die Wiener zu schön und zu wenig russisch spielen. Wird wohl so sein...


12. Sehr exotisch...




Georges Bizet
Die Perlenfischer

Janez Lotric und Igor Morozow


Duett Au fond du temple saint

Wie schon im Rätsel angedeutet, handelt es sich um eine weniger bekannte Oper mit einigen ganz berühmten Gesangsstücken. Wir hören hier einen Ausschnitt eines der bekanntesten Männer-Duette überhaupt. Dennoch machte es nicht geringe Probleme und ich fragte mich, warum eigentlich? Vielleicht liegt es daran, dass noch vor wenigen Jahrzehnten mehr Arien-Platten gehört wurden als heute. Es war damals selbstverständlich, dieses Duett zu kennen, heute ist es offenbar nicht mehr so...


13. Nicht nur in Weiß-Schwarz...


Modest Mussorgsky
Bilder einer Ausstellung (Klavierfassung)

Byron Janis


Die Hütte der Baba Yaga

Na, das war doch ganz einfach, oder? Interessant ist, dass diese Aufnahme jahrzehntelang in den Archiven verstaubte, nie als LP veröffentlicht wurde und erst als CD das Licht der Welt erblickte.


14. Auf eins, zwei, drei...


Johannes Brahms
Klaviertrio Nr. 1, Op.8


Trio des 2. Satzes.

Hier handelt es sich um eines der bekanntesten Klaviertrios überhaupt, üppiger hat Brahms wohl nie in Wohlklängen gebadet. Meine launige Bemerkung beim Rätsel bezog sich natürlich auf Menahem Pressler, der Seele des Beaux Arts Trio, das er 1955 gründete und mit dem er mehr als fünf Jahrzehnte lang fleißig musizierte. Er ist mit über 90 Jahren immer noch solistisch tätig und der Zeitraum seiner Aufnahmetätigkeit erstreckt sich nach dem, was ich eruieren konnte, von 1957 bis 2016! Das soll ihm einmal einer nachmachen...


15. Weder Post noch Jagd...




Wolfgang Amadeus Mozart
Hornkonzert Nr. 3, KV447

Dennis Brain
Philharmonia Orchestra
Herbert von Karajan

Die Stelle ist aus dem dritten Satz.
Die Mozart-Hornkonzerte mit Dennis Brain sind ein Schallplatten-Dauerbrenner und schon echte Klassiker. In fast unzähligen Ausgabe immer zu haben sind sie wohl nach wie vor die berühmtesten Interpretationen dieser Werke.


16. Nicht der Satz mit der Reminiszenz...







Anton Bruckner
Symphonie Nr. 7

Royal Scottish National Orchestra
Georg Tintner


Die Stelle ist aus dem 3. Satz (Scherzo). Wie im Rätsel angedeutet, war es nicht der zweite. Als Bruckner an diesem arbeitete, erhielt er die Nachricht vom Tode Richard Wagners und hat daraufhin die Coda im Angedenken an den verehrten Meister gestaltet.


Für jene Musikfreunde, die sich vielleicht über die Wahl der Aufnahme wundern - sie ist ganz vorzüglich!

Als Naxos in den späten Neunzigern den Bruckner-Zyklus mit Georg Tintner veröffentlichte, war es eine zweifache Überraschung: erstmals gab es einen klanglich hochwertigen und einigermaßen erschwinglichen Zyklus und er war musikalisch hervorragend gelungen! Wenige Naxos-Aufnahmen hatten zuvor ein vergleichbares Renommee erzielt. Irgendwie lustig ist die Tatsache, dass der einst preisgünstigste Zyklus im Laufe der Jahre bedingt durch billige Wiederveröffentlichungen der Majors schließlich eine der teuersten Möglichkeiten wurde, alle Bruckner-Symphonien zu erstehen. Naxos hat dem endlich Rechnung getragen und eine Neuausgabe veröffentlicht, die in einer sparsameren Verpackung wieder preislich attraktiv ist.

Musikalisch ist Georg Tintner nach wie vor höchst attraktiv. Es ist wohl kein Zufall, dass er neben meinem bevorzugten Bruckner von Volkmar Andreae - dessen bodenständige Lesart die oberösterreichischen musikalischen Wurzeln Bruckners deutlicher zum Klingen bringen als andere mir bekannten Interpretationen - auf völlig gegensätzliche Weise die liebste Art ist, Bruckner zu hören. Dermaßen natürlich, entspannt und fließend ist diese Musik selten zu vernehmen. Volkmar Andreae ist bei Music & Arts nicht leicht zu bekommen und recht kostspielig - obwohl jeden Penny wert - daher für Preisbewusste meine höchste Empfehlung für den Naxos-Zyklus.


17. Schicksal kann ungerecht sein...




Giuseppe Verdi
Don Carlo

Placido Domingo, Montserrat Caballe, Shirley Verrett, Ruggero Raimondi, Sherill Milnes
Orchestra of the Royal Opera House Covent Garden
Carlo Maria Giulini


Zu hören ist ein Teil der großen Arie der Eboli - zumeist aus dem 3. Akt, da ja italienisch gesungen wird. Erst neuerdings soll auch Don Carlo in fünf Akten zu sehen sein. Die gezeigte Giulini-Einspielung ist zumindest eine der Referenzen dieser Oper.


18. Von wem ist keine Frage...?!?




Ludwig van Beethoven
Sonate Nr. 18, Op. 31/3

Friedrich Gulda (1967)


Wir hören den Beginn der Sonate - also ganz einfach, wenn es auch keines der ganz bekannten Beethoven Schlachtrösser darstellt. Zumindest mit etwas Geduld war dieses Rätsel in jedem Fall zu knacken. Die verwendete Aufnahme hat für mich eine besondere Bedeutung. Guldas Einspielung der Sonate Nr. 18 gehört zu meinem eher kleinen Kreis von absolut vollendeten Interpretationen. Seine gesamten Beethoven-Einspielungen liegen auf sehr hohem Niveau, aber naturgemäß gibt es doch leichte Schwankungen. Hier jedoch stimmt für mich einfach alles - besser geht's nicht...


19. Mit einem picksüßen Hölzl...




Wolfgang Amadeus Mozart
Klarinettenquintett KV 581

Quatuor Mosaiques
Wolfgang Meyer, Bassettklarinette


Die Stelle stammt aus dem 4. Satz. Dieses traumhaft schöne Werk gewinnt meines Erachtens durch das alte Instrumentarium des Quatuor Mosaiques noch zusätzlich. Mozart at his best - und damit einer der Gipfelpunkte der Kammermusik. Die Aufnahme erschien ursprünglich bei Astrée Auvidis, die aktuell greifbaren Ausgaben liefert Naive (ist aber wohl der gleiche Stall).


20. Ein eher seltenes Soloinstrument...




Joaquin Rodrigo
Concierto de Aranjuez

Angel Romero
San Antonio Symphony Orchestra
Victor Alessandro


Die Stelle ist aus dem 1. Satz.

Erwartungsgemäß machte der Rodrigo keine großen Probleme - ich habe ja auch ganz brav sein bekanntestes Werk genommen. Ergänzend kann ich nur noch erwähnen, dass die legendäre Mercury-Scheibe immer noch erste Sahne und ein großartiger Musikgenuss ist.


21. Soll gelegentlich um die Weihnachtszeit herum zu hören sein...


Johann Sebastian Bach
Weihnachtsoratorium

The Amsterdam Baroque Orchestra and Choir
Ton Koopman


Eingangschor zu Teil 5

Wie zu erwarten war, bereitete dieses Beispiel keinerlei Schwierigkeiten.


22. Es muss nicht immer Carreras sein...






Ariel Ramirez
Navidad Nuestra

Mercedes Sosa


Nr.1 "La anunciación" (Mariä Verkündigung)

Dieses Rätsel entpuppte sich auch als eines der schwierigeren, obwohl es über meinen Hinweis auf jeden Fall eruierbar war. Als 1988 Carreras die Kombination Misa Criolla / Navidad Nuestra veröffentlichte, war das ein Coup mit Langzeitwirkung. Nicht nur dass sie eine musikalische Referenz bildete, wurde die Platte auch sehr schnell in audiophilen Kreisen populär. Noch heute wird sie bei Lautsprecher-Tests hinzugezogen, um die Natürlichkeit der Wiedergabe einer männlichen Gesangsstimme zu beurteilen.
Um dem Dauerbrenner zu entgehen, habe ich die Aufnahme von Mercedes Sosa verwendet. Sie schaffte eine sehr eigenständige und eindringliche Interpretation - eine höchst empfehlenswerte Alternative bzw. Ergänzung zu Carreras.
Es muss noch hinzugefügt werden, dass man prinzipiell die Möglichkeit hat, zu den Wurzeln zurückzukehren. Die Ersteinspielung der beiden Hauptwerke von Ariel Ramirez fand unter Beteiligung des Komponisten statt. Leider ist die CD-Replica der Original-LP zur Zeit in unseren Breiten nicht zu haben, es gibt nur eine Wiederveröffentlichung einer späteren LP, wo Philips für Europa die Misa Criolla mit der Misa Flamenca kombiniert hat, was für unser Rätsel leider bedeutungslos ist...


23. Ein Versuch, die werten Rater aufs Glatteis zu führen...




Peter I. Tschaikowskij
Der Nussknacker

Kirov Orchester
Valery Gergiew


Zu hören ist die vorletzte Nummer des 1. Aktes, ganz prosaisch zumeist "Im Tannenwald" benannt. Tatsächlich ist es ein Pas de deux von Clara (Mascha) und ihrem in einen Prinzen verwandelten Ex-Knackie - pardon, Ex-Nussknacker und damit ein sentimentaler Höhepunkt des ganzen Balletts (dass es dabei nicht ums Zählen von Tannenzapfen geht, kann man der Musik anhören - wie ich meine ;) ). Und was hat Der Nussknacker mit Weihnachten zu tun? Nun die Handlung, die zum größten Teil eine Traumerzählung darstellt, spielt an einem Heiligen Abend und in der darauf folgenden Nacht...


24. Vielleicht keines der bekanntesten, aber sicherlich eines der schönsten...

Max Reger
Mariä Wiegenlied op.76, Nr. 52

Genia Kühmeier



Überraschung!

Als ich dieses Lied kennenlernte und auf der LP nach dem Namen des Komponisten suchte, war ich nicht wenig erstaunt. Max Reger ist der Schöpfer des für mich schönsten Weihnachtsliedes! Seither ist viel Zeit vergangen und obwohl dieses Lied nicht der große Renner ist, haben es viele namhafte Sängerinnen auf ihren Weihnachtsplatten eingespielt. Eine entsprechende Suche wird schnell fündig werden. Mein Beispiel stammt aus dem Konzert Christmas in Vienna - 2008, der entsprechende Ausschnitt ist hier zu sehen. In ihrer Schlichtheit und Innigkeit ist die wunderbare Genia Kühmeier für mich die ideale Interpretin schlechthin...

Noch ein Wort zu Genia Kühmeier: beim Stöbern auf YouTube stolperte ich über ein Video in lausiger Bildqualität mit einem Ausschnitt aus einem Konzert in Grafenegg, wo sie die wohl schönste Version vom Lied an den Mond aus Dvoraks Rusalka sang, die ich je gehört habe. Man könnte ins Grübeln kommen angesichts der Tatsache, dass diese fabelhafte Sängerin kein internationaler Star ist. Mein nächster Wunsch an den Weihnachtsmann wäre, sie in Mahlers Vierter hören zu können. Ich kann mir zur Zeit keine idealere Interpretin dafür vorstellen.

Nun wieder Rückblende: ich lernte dieses Lied auf der Proprius-LP Cantate Domino kennen. Als diese LP 1976 herauskam, sorgte sie in den Hi-Fi-Zirkeln sehr schnell für Furore. In einer Kirche aufgenommen schaffte sie es wie keine andere damals bekannte Scheibe, tiefe Orgeltöne höchst attraktiv ins Wohnzimmer zu pumpen. Sie war eine Zeit lang DER Renner unter den Audiophilen. Proprius war in den späten Analogzeiten neben Opus 3 das bekannteste schwedische audiophile Label. Man hat auch sehr großen Anstrengungen unternommen, um den Flair der legendären LP möglichst authentisch auf das CD-Format zu übertragen. Cantate Domino ist heute noch nach dem ewigen Dauerbrenner Jazz at the Pawnshop die bekannteste Proprius-Scheibe.

Übrigens noch ein Treppenwitz der Schallplattengeschichte: wer glaubt, dass Proprius seinen Klassiker mit Einsatz aller damals zur Verfügung stehenden technischen Mittel produzierte, wird bei etwas Hintergrundforschen mit einer weiteren Überraschung konfrontiert: die ganze Platte wurde unter Einsatz einer einzigen ReVox A77 aufgenommen! Auch so kann eine audiophile Legende entstehen!


25. Ein phänomenales Orchester...




Richard Strauss
Don Juan

Pittsburgh Symphony Orchestra
Manfred Honeck


Der obligate Richard Strauss: bekannter Komponist, bekanntes Werk - auch Gelegenheits-Strauss-Hörer werden nicht allzu lange zu suchen gehabt haben. Das einzig interessante hier ist die Einspielung. Wir sind heute in der glücklichen Lage, praktisch jede Art von Musik technisch nahezu vollendet realisiert zu bekommen. Der Qualitätsstandard der besten Orchester ist so hoch, dass dieser Punkt für den "Normalhörer" überhaupt kein Thema mehr ist. Im Gegenteil, heute erscheinen Aufnahmen von Orchestern, die vor 50 Jahren keine Chance gehabt hätten, für eine Schallplattenaufnahme engagiert zu werden - und sie machen in der Regel ihre Sache vorzüglich!
Man konzentriert sich also zumeist nur mehr auf die Interpretationsfrage. Aber gelegentlich passiert dann doch noch das Außergewöhnliche: als ich diese Platte einmal zufällig gehört habe, saß ich ganz fasziniert da und dachte bei mir - um Gottes Willen, die spielen ja geradezu unglaublich gut! Sie - das sind die Musiker des Pittsburgh Symphony Orchestra und ihr Chefdirigent Manfred Honeck. Manfred Honeck - Ex-Bratschist der Wiener Philharmoniker, der sich zu einer Dirigentenkarriere durchgerungen hat und eines der vielen Geschwister des Philharmoniker-Konzertmeisters Rainer Honeck ist - hat aus den Pittsburghern eine echte Supertruppe geformt. Ich kann unseren Musikfreunden nur wärmstens empfehlen, nach Platten dieses Gespanns Ausschau zu halten!


26. Da fehlt doch was...






Richard Wagner
Die Meistersinger von Nürnberg

Schwarzkopf, Edelmann, Hopf, Kunz, ...
Orchester der Bayreuther Festspiele
Herbert von Karajan


Ausschnitt aus dem Quintett im dritten Akt.

Quintett? Aber da singt doch nur eine! Nun ja, (hinter-)listig wie bin habe ich nach der Solo-Einleitung der Eva ausgeblendet, so dass die werten Rater um den vollen Genuss dieses musikalischen Kleinods kamen. Es soll ihnen ja nicht zu einfach gemacht werden...
Wie im Rätsel angedeutet, ist das ein historisch wichtiger Mitschnitt aus Bayreuth, für Meistersinger-Fans ein Muß, aber sicher kein Erstkauf. Für den Einstieg in die Meistersinger würde ich die Kubelik-Aufnahme empfehlen. Diese Rundfunk-Produktion kommt dem Ideal sehr nahe, leider hat auch der Herausgeber ziemlich "ideale" Preisvorstellungen (die ursprüngliche Ausgabe von CALIG gibt es nicht mehr)...


27. Das könnte Urlaubserinnerungen auslösen...




Enrique Granados
Spanische Tänze

Alicia de Larrocha


"Andaluza" (Nr.5 aus 12 Danzas espanolas)

Dieses Rätsel hat einiges Kopfzerbrechen bereitet. Habe ich mich doch erdreistet, ein wenig vom geläufigen Kanon abzuweichen. Dabei empfinde ich das Musikbeispiel als deutlich "spanische" Musik - und wenn man so weit ist, sollte man auch fündig werden, so unbekannt sind die Spanischen Tänze auch wieder nicht....


28. Der einsamste Job der Welt...






Johann Sebastian Bach
Cellosuite Nr. 5

Janos Starker


Die Stelle stammt aus dem 5. Tanz Gavotte.

Mein Kommentar beim Rätsel bezieht sich natürlich nicht nur auf die 5. Suite sondern auf die Gesamtheit aller sechs Suiten. Für mich ein herausragendes Werk und eines meiner Monumente der Musikgeschichte.

Beim erneuten Durchhören der legendären Mercury-Aufnahme von Janos Starker erneuerte sich meine Meinung, dass sie nach wie vor einen vollwertigen "Erstkauf" für dieses Werk darstellt. Sie lässt auch klanglich nichts zu wünschen übrig. Für Vielhörer gibt es aber eine große Zahl teilweise sehr unterschiedlicher Interpretationen - quasi für jeden Geschmack etwas. Aber um eine Aufnahme kommt man hier nicht herum: die erste Einspielung überhaupt von Pablo Casals ist immer noch das Urmeter für Bachs Cello-Monument. Die hier gezeigte Veröffentlichung von Ward Marstons Transfer für Naxos war bei ihrem Erscheinen der EMI-Ausgabe klanglich klar überlegen. Es gibt aber eine Neuveröffentlichung jüngeren Datums (noch von EMI), über deren klangliche Qualitäten ich aber nichts weiß. Die Aufnahme ist aber trotz ihres Alters gut hörbar und in ihrer Art nach wie vor einzigartig. Bei den klanglich hochwertigen Aufnahmen kommt wohl Heinrich Schiff dem Geiste Casals am nächsten.

Einige Alternativeinspielungen sind auch wegen der Instrumente interessant. Als Beispiel führe ich eine relativ neue (und schon seine dritte!) Aufnahme von Pieter Wispelwey an. Hier ist sein Instrument auf sage und schreibe 395Hz gestimmt! Das ist ein Ganzton tiefer als unser heutiger Kammerton und gibt den Suiten in Verbindung mit seiner Interpretation einen ganz eigenen Charakter - hörenswert!


29. Vorsicht Glatteis!


Béla Bartók
Konzert für Orchester

Radio-Symphonie-Orchester Berlin
Ferenc Fricsay


Mein fehlgeschlagener Versuch, die Rater nachhaltig zu irritieren. An dieser Stelle ist ein Konzert angesagt, aber es wurde kein Solistenkonzert sondern das Konzert für Orchester von Bela Bartok. Ich hatte es ähnlich schwierig eingeschätzt wie den Schostakowitsch - aber dem war nicht so. Von diesem Werk gibt es viele empfehlenswerte Aufnahmen, aber der Fricsay-Oldie hat immer noch einen guten Ruf...


30. Es muss kein 100-Mann-Orchester sein...




Franz Schubert
Fantasie in C-dur D.934

Adele Anthony, Violine
Jonathan Feldman, Piano


Wir hören im Beispiel den unglaublichen Übergang zum Finale. Erstaunlicherweise war dieses meiner Einschätzung nach nicht ganz so bekannte Werk kein ernsthafter Prüfstein für unser Rateteam. Die sehr schöne Aufnahme präsentiert Adele Anthony, die von Downunder kommend (genauer: aus Tasmanien) die Musikpodien eroberte. Sie ist mit dem Geiger Gil Shaham verheiratet und da es schon dreifachen Nachwuchs gibt, ist wohl für eine weitere Musikergeneration gesorgt...


31. Alfred müsste man heißen...




Franz Schubert
Impromptu in As-dur, D.945 #2

Alfred Brendel (1988)


Mit Sicherheit eine der besseren Schubert-Klavier-Platten auf dem Markt. Der Komponist ist wohl klar identifizierbar und vermutlich hatten die Rater weniger Probleme, die Stelle zu identifizieren, als ich um mich für sie zu entscheiden...