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Alfred_Schmidt

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Beiträge: 18 970

Registrierungsdatum: 9. August 2004

1

Samstag, 19. März 2016, 23:29

Sind wir Klassiksammler suggestibel?

Heute hat unser Mitglied "kalli" verkündet, daß er durch meine Beschreibung zweier Aufnahmen von Schuberts Streichquartett D94, so neugierig gemacht worden sei, dass er BEIDE gekauft hat. So was freut einen einerseits natürlich, aber andrerseits fühlt man auch eine gewisse Verantwortung. Was - wenn ihm die Aufnahmen gar nicht gefallen?
Da ist mir plötzlich ein Phänomen eingefallen (eigentlich sind es zwei), welches ich vor Jahren erstmals erlebt habe, und welches sich seither oftmals wiederholt hat:
Ich besitze eine CD, die mir gar nicht gefällt. Plötzlich schreiben ein oder zwei User im Forum, dass sie ebenfalls diese CD besäßen. Und dann folgt eine lange Liste aller Vorzüge dieser Aufnahme.
Ich krame das ungeliebte Stück aus dem Plattenschrank und höre die Aufnahme erneut, und zwar achte ich auf die beanstandeten Details aber auch auf die Einzelheiten, die unser Mitglied so begeistert hatten. Meist, aber nicht immer höre ich dann Einzelheiten des Stücks oder der Interpretation, die ich zuvor "überhört" hatte, und beurteilte das Gehörte dann meist positiv. Als Erklärung mag hier dienen, dass ich mich vieleicht mit der Aufnahme näher befasst habe als beim Ersthören,
oder aber man ist doch suggestibel ??

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Dieter Stockert

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Beiträge: 962

Registrierungsdatum: 27. September 2014

2

Sonntag, 20. März 2016, 08:38

»Es begegnete und geschieht mir noch, daß ein Werk bildender Kunst mir bei’m ersten Anblick mißfällt, weil ich ihm nicht gewachsen bin; ahnd’ ich aber ein Verdienst daran, so such’ ich ihm beizukommen, und dann fehlt es nicht an den erfreulichsten Entdeckungen: an den Dingen werd’ ich neue Eigenschaften und an mir neue Fähigkeiten gewahr.« (Goethe)
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

Caruso41

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Beiträge: 4 168

Registrierungsdatum: 19. November 2010

3

Sonntag, 20. März 2016, 09:38

Lieber Alfred, das muss man nicht suggestibel nennen. Es geht doch eher um Lernprozesse im Austausch mit anderen.

Dazu haben wir doch früher schon diskutiert. Ich zumindest erinnere mich, dass ich wiederholt dafür gestritten habe.
Zum Beispiel in dem Thread in dem es um vergleichendes Hören ging!

Musikkritik - Vergleichendes Hören - und ähnliche Unarten

Ich erlaube mir, einen Satz davon hier zu zitieren

Zitat

.....Dabei habe ich immer wieder versucht, deutlich zu machen, was es für das eigene Hören, Verstehen und Urteilen bedeutet, eigene Hörerfahrungen zu überprüfen und zu schärfen - und zwar


•durch den Vergleich der einen Interpretation mit anderen Interpretationen der gleichen Arie (oder eben auch Sonate, Sinfonie...)

•durch den Austausch mit anderen Musikfreunden, die vielleicht die Interpretation ganz anders gehört haben und anders beurteilen.

Beides ist mir wichtig......


Beste Grüße

Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Alfred_Schmidt

Administrator

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Beiträge: 18 970

Registrierungsdatum: 9. August 2004

4

Donnerstag, 17. November 2016, 23:07

Ich glaube schon, dass man einer gewissen Beeinflussung unterliegt. Das sieht man schon bei der Covergestaltung. In der Vergangenheit sah man oft den Dirigenten in eleganter Aufmachung, der elegant dämonisch den Taktstock schwingt, auf den Covers diverser Plattenfirmen. Heute wird der Interpret gern in Jeans und T-Shirt photographiert frei nach dem Motto: seht her, ich bin Einer von Euch. Ich gehe davon aus, daß diese Posen mehr sind, als solche, sondern dass hier stets das Lebensgefühl des Künstlers eine gewisse Rolle spielt, die sich dann aber auch in der Interpretation niederschlägt. Man bekommt "Jugend" oder "moderne Sachlichkeit", vierliert aber den Nimbus des "Unerreichbaren" und des "Pseudogöttlichen".

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Hüb'

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Beiträge: 1 502

Registrierungsdatum: 9. Juli 2007

5

Freitag, 18. November 2016, 09:56

Ich glaube schon, dass man einer gewissen Beeinflussung unterliegt.

Ja, unbedingt. Warum solltet das bei Klassikhörern/-sammlern oder Tamino-Mitgliedern auch anders sein, als beim eher unwesentlichen Menschheitsrest?
Wir alle sind beeinflußbar und werden laufend beeinflußt, durch alle möglichen Einwirkungen.

Bei mir z. B. ist seltsamerweise in den letzten Tagen der Wunsch gereift (worden :angel: ), doch mal wieder die Tschaikowsky-Sinfonien zu hören... :)

Viele Grüße
Frank

dr.pingel

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  • »dr.pingel« ist männlich

Beiträge: 4 192

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

6

Freitag, 18. November 2016, 12:15

Ich finde an der Beeinflussung nichts Negatives. Bevor ich hier eintrat, hatte sich mein Musikgeschmack schon sehr genau entwickelt, hin zu Janacek, der Renaissance und der Polyphonie und weg von Klassik und italienischer Oper. Aber in ganz vielen Fragen habe ich sehr viel gelernt, und zwar häufig durch einzelne Personen. Ich will mal Caruso nennen, der "meine" Musik auch kennt und dem ich dann, wenn er mir fremde Sachen vorschlägt, auch vertraue. Für bertarido gilt das auch.
Ich bin in der theoretischen Seite der Musik, aber auch in den Biographien und Schriften der Musiker ziemlich unbewandert, weil diese Lektüre mir die Zeit raubt, die ich zum Musikhören brauche. Daher bin ich froh, dass wir hier einige Theoretiker haben, die diese Lücke füllen, z.B. Helmut Hofmann (Mahler!) und Holger, der einfach eine Menge Fachliteratur kennt, die ich nicht selbst zu lesen brauche (die RT-threads lassen wir außen vor, die haben sich ja auch sehr beruhigt).
Hinzufügen möchte ich noch die Literaturtipps und die Bilder-Threads. Was dieses Forum von anderen Blogs unterscheidet, ist auch der sorgfältige Umgang mit der Sprache.
(Weisheit der Brahmanen)
Die Tage sehen wir, die teuren, gerne schwinden,/um etwas Teureres herangereift zu finden:/ ein seltenes Gewächs, das wir im Garten treiben,/ ein Kind, das wir erziehn, ein Büchlein, das wir schreiben.
(Friedrich Rückert)