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Stimmenliebhaber

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61

Sonntag, 20. März 2016, 23:08

Die Uraufführung von "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" fand am 9. März 1930 in Leipzig statt. Da war weder an die Gründung noch an den Untergang der DDR zu denken. Wohl aber drohte die Uraufführung in Tumulten unterzugehen, die von der NSDAP organisiert und veranlasst worden waren. Von jener Partei also, die 1933 an die Macht kam. Das Ende der Geschichte kennen wir. Es hätte nichts geschadet, etwas auf Brecht gehört zu haben.

Man kann ja Brecht abscheulich finden. Dafür gäbe es auch Gründe. Das bewahrt einem aber offenbar nicht davor, totalen Unsinn zu verbreiten wie in Beitrag 58 geschehen.

Rheingold
Wie wahr! Aber das ist ja das "Tolle" an diesen Diskussionen, dass jeder immer und immer wieder den gleichen Blödsinn schreibt, ob's nun zum Thema passt oder nicht...
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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Dr. Holger Kaletha

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62

Sonntag, 20. März 2016, 23:15

Die Uraufführung von "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" fand am 9. März 1930 in Leipzig statt. Da war weder an die Gründung noch an den Untergang der DDR zu denken. Wohl aber drohte die Uraufführung in Tumulten unterzugehen, die von der NSDAP organisiert und veranlasst worden waren. Von jener Partei also, die 1933 an die Macht kam. Das Ende der Geschichte kennen wir. Es hätte nichts geschadet, etwas auf Brecht gehört zu haben.
Finde ich auch! Die Premierenkarte habe ich inzwischen ebenfalls. :) Eine Besprechung dieses operngeschichtlich singulären Stückes wie der Münsteraner Inszenierung nach meiner Vorstellung - sachlich und völlig unideologisch - anknüpfend an meine erste Opern-Besprechung dieser Art ("Hoffmanns Erzählungen"), wird folgen. Das nur als Ankündigung. :hello:

Schöne Grüße
Holger

Rheingold1876

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63

Sonntag, 20. März 2016, 23:22

Ich freue mich drauf, lieber Holger.

Gruß Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Sixtus

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64

Montag, 21. März 2016, 11:00

Lieber Holger,
du forderst mich auf, den "selbsternannten Künstler" zu präzisieren. Doch dein Versuch, mir dabei auf die Sprünge zu helfen, zeigt mir einmal mehr, dass eine Verständigung schwierig wird. Was du zur Legitimation des Künstlers anführst, ist ja grade das, was zu dem derzeitigen Zustand geführt hat:

Die Theaterhochschulen ziehen seit geraumer Zeit Generationen von Dramaturgen, Regisseuren und Bühnenbildnern heran, denen politische Bekenntnisse und "gesellschaftliche Relevanz" wichtiger sind als künstlerisches Verantwortungsbewusstsein. Ihre Absolventen haben dementsprechend wenig Respekt vor den (meist längst toten) Autoren und agieren nach der Devise "Was kümmert mich Shakespeare / Mozart / Wagner, wenn ich doch meinen Auftrag als Multiplikator des gesellschaftlichen Fortschritts im Auge habe!" Und der Fortschritt steht natürlich immer links.

Will sagen: Der Nachwuchs der Theaterschaffenden ist seit geraumer Zeit schon von der Ausbildung her durch eine aggressive Herrschaftssprache so programmiert, dass die Einwände von Andersdenkenden von vornherein als irrelevant, verstaubt, vorgestrig oder reaktionär abgestempelt werden können. Muss man das noch mit Beispielen und Namen belegen? Es ist doch längst die Regel geworden. Jedes Buh-Konzert bei Premieren macht es evident.

Sie sitzen längst als anerkannte Fachleute auf den Intendantensesseln, auf Regiestühlen und in Besetzungsbüros. Sie sind Teil des Inventars der Theater und haben es nicht nötig, sich zu legitimieren. Das System der Ausbildung hat ihnen diese Arbeit längst abgenommen. Aber was sie betreiben, ist (nicht immer, aber immer öfter und dreister) nicht Theater, sondern Agitation. Und sie haben durch ihre Position die Macht, zu bestimmen, was Kunst ist. Sie haben sich zwar nicht direkt selbst ernannt (das ginge ja noch, dann wären es Einzelfälle); sie sind, oft ohne sich dessen bewusst zu sein, Produkte eines langen Marschs durch die Institutionen über Generationen hinweg - mit dem Ziel, die Gesellschaft zu verändern.

Dieser lange Marsch kam nicht von ungefähr. Seine Wurzeln reichen tief ins 20.Jahrhundert. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. Die erzähle ich gern auch, aber nicht alles auf einmal. Für heute erst mal

beste Grüße von Sixtus

Hüb'

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65

Montag, 21. März 2016, 11:26

Vor Jahren ist Blüm noch einmal in der "Anstalt" (bei Priol) aufgetreten und wurde zu Recht begeistert gefeiert.
Es tut mir leid, dass es jetzt doch ein wenig politisch wird, aber ich möchte meine Ikone Blüm nicht zu Unrecht demoliert sehen.

Das ist gerade 2 Jahre her und war bereits nach dem Ausscheiden von Priol bzw. der Übernahme der Sendung durch von Wagner und Uthoff.

Viele Grüße
Frank

Stimmenliebhaber

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66

Montag, 21. März 2016, 12:24

durch eine aggressive Herrschaftssprache
Geht es vielleicht auch eine Nummer kleiner?

Was mir, wen ich so etwas lese, wieder sehr bewusst wird: bei aller meines Erachtens berechtigten Kritik an den Auswüchsen des Regietheaters: in eure Ecke möchte ich mich dann doch nicht begeben!
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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Melante

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67

Montag, 21. März 2016, 12:48

...und zur Relativierung der eigenen Haltung empfehle ich, zwischendurch immer mal wieder den Beitrag Christians ( hasiewicz )
zu lesen. Die Politisierung des Themas ist unangemessen, damit die Wortwahl.

Hier stimme ich "Stimmenliebhaber" absolut zu: Formulierungen, die "sprachliche Hygiene" vermissen lassen und den Verlust von Selbstkontrolle sollten in einem Forum um Klassische Musik nicht zu lesen sein.
Schwelt immer noch ein Frust um "Tamino"? Wenn ja, dann bitte andernorts austragen, an die richtige Adresse bringen.
"Jeder kann wütend werden, das ist einfach. Aber wütend auf den Richtigen zu sein, im richtigen Maß, zur richtigen Zeit, zum richtigen Zweck und auf die richtige Art, das ist schwer."

Ich glaube nicht, dass ein Forum wie dieses die richtige Zeit, das richtige Maß und den richtigen Zweck zur Verfügung stellen sollte.
Was am Urheber eines jeden Beitrags selbst liegt, sich zu disziplinieren.
Was einherginge damit, zu schreiben, wie man etwas empfindet, es wahrnimmt, anstatt aus seiner eigenen Beobachtung gleich etwas Absolutes zu formulieren.

Wohin es führt, Kunst zu instrumentalisieren, wissen wir alle noch, egal welche Schulbildung wir genossen haben.
Ideologie und Kunst- beide sollten und dürfen nicht vermengt werden. Niemals wieder.

Äh, ja: linke Grüße,
Mike
"Man kann die Menschen zur Vernunft bringen, indem man sie dazu verleitet, daß sie selbst denken." Voltaire

Dr. Holger Kaletha

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68

Montag, 21. März 2016, 13:33

Die Theaterhochschulen ziehen seit geraumer Zeit Generationen von Dramaturgen, Regisseuren und Bühnenbildnern heran, denen politische Bekenntnisse und "gesellschaftliche Relevanz" wichtiger sind als künstlerisches Verantwortungsbewusstsein.
Das ist erst einmal pure Behauptung! Wieviel Theaterhochschulen in Deutschland gibt es? Und welche empirische Studie belegt das? Oder ist auch das nur eine "gefühlte" Wahrheit?

Der Nachwuchs der Theaterschaffenden ist seit geraumer Zeit schon von der Ausbildung her durch eine aggressive Herrschaftssprache so programmiert, dass die Einwände von Andersdenkenden von vornherein als irrelevant, verstaubt, vorgestrig oder reaktionär abgestempelt werden können.
Welcher Nachwuchs von wem? Welche Anderdenken - und anders wozu und zu wem?

Schöne Grüße
Holger

Dr. Holger Kaletha

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69

Montag, 21. März 2016, 16:06

Nachtrag
Will sagen: Der Nachwuchs der Theaterschaffenden ist seit geraumer Zeit schon von der Ausbildung her durch eine aggressive Herrschaftssprache so programmiert, dass die Einwände von Andersdenkenden von vornherein als irrelevant, verstaubt, vorgestrig oder reaktionär abgestempelt werden können. Muss man das noch mit Beispielen und Namen belegen? Es ist doch längst die Regel geworden.
Muß man, denn sonst bleibt so etwas pure Demagogie.

Und so sieht die "aggressive Herrschaftssprache" dann faktisch aus:




Das Regiekonzept Max Reinhardts (1873-1943) war bestimmt von der Sichtweise, ‚Theater’ als eine suggestive Anstalt zu verstehen. Es bestand aus vier Elementen, mit denen Reinhardt laufend in seinen Inszenierungen experimentiert hat: ‚Schauspielkunst’, ‚Text’, ‚Raum’ und ‚Zuschauer’. Eines der Hauptverdienste Reinhardts bei der Gestaltung des modernen Regietheaters war die von den Spielformen der commedia dell’arte inspirierte Betonung des Körpers als eigentliches Darstellungsmittel. Stumme, vom Bewegungsrhythmus dominierte Figurencharakterisierungen synchronisierte er häufig mit sprachbetonten Spielformen. Den von ihm hochbewerteten Klangaspekt der Sprache setzte er oft durch ein sorgfältig aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel von Sprachklang und Sprachrhythmus ein, um die vom Text vorgegebene theatralische Wirkung der Sprache zu steigern. Charakteristisch für die Regieführung Reinhardts war auch der Versuch, die Suggestivkraft der transorchestralen Einheit durch den Einsatz der Massenregie im Rahmen des Monumentaltheaters weiter zu erhöhen. Im direkten Vergleich zu den Konzepten innovativer Regiekollegen wie Richard Wagner, Edward Gordon Craig, Adolphe Appia und Wsewolod Meyerhold lassen sich jeweils grundlegende Gemeinsamkeiten finden. Die - mit Ausnahme Richard Wagners -von Max Reinhardt allerdings in vergleichsweise weit größerem Umfang realisierte Umsetzung des Regiekonzeptes in die Bühnenpraxis mag ihren Grund sowohl in den persönlichen Qualitäten Reinhardts als auch in dessen erfolgreich angewandtem System der Suggestion gehabt haben. (Verlagstext) Inhalt: I Einleitung 3 II. Die Regiekonzepte Wagners und der Begründer des modernen Regietheaters 3 II.1 Entstehung der Regie als künstlerische Tätigkeit 17 II.2 Das Konzept des musikalischen Gesamtkunstwerkes 25 II.3 Edward Gordon Craig 36 II.4 Wsewolod Meyerholds Beitrag zum modernen Regietheater 69 II.5 Das Regietheater Max Reinhardts 115 III. Die Regiekonzepte Wagners und der Begründer des modernen Regietheaters 115 III.1 Reinhardt - Wagner121 III.2 Reinhardt - Appia 125 III.3 Reinhardt - Craig 128 III.4 Reinhardt - Meyerhold 136 IV. Zusammenfassung 140Literaturverzeichnis
Jedes Buh-Konzert bei Premieren macht es evident.
Dann war Strawinskys Sacre und Nijinskys Inszenierung auch "aggressive Herrschaftssprache".

Schöne Grüße
Holger

Sixtus

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70

Montag, 21. März 2016, 18:56

Ein seltsam´ Abenteuer ist heute mir passiert!

Aufgefordert, den Begriff "selbsternannte Künstler" zu präzisieren, musste ich etwas weiter ausholen - und benützte dabei wohl auch Worte, die auf dem Index der politicall correctness stehen. Ich wurde ermahnt, "Sprachhygiene" walten zu lassen. Das kann ich nur als Eingriff einer Zensur einordnen.

Ich habe beschrieben, was mir seit Jahrzehnten im Theaterbetrieb zunehmend befremdlich erscheint: dass inzwischen viele Theater von politischen Ideologen geleitet werden, denen die "gesellschaftliche Relevanz" ihrer Spielpläne wichtiger zu sein scheint als gute Aufführungen. Und ausgerechnet mir wirft man vor, ich leiste einer Ideologisierung der Kunst Vorschub. Ich fühle mich in eine rechte Ecke gestellt, die mir völlig fremd, ja zuwider ist. Aber wer weit genug links steht, für den ist alles andere rechts.

Das Einzige, was ich mir vorwerfen kann, ist, dass ich diese Erläuterung überhaupt gegeben habe - hatte ich doch schon öfter Gelegenheit, die Sinnlosigkeit einer Überbrückung völlig fremder Sprachen (innerhalb der eigenen Muttersprache!) zu erkennen.
Ich wäre sehr erleichtert, wenn die Teilnehmer, die ihr pseudowissenschaftliches Fach-Chinesisch nicht missen wollen und anderen Nachhilfe in Argumentation geben zu müssen glauben, mich künftig damit verschonen könnten - ich werde sie auch in Ruhe lassen.
Kunst fordert Urteilsvermögen, nicht Argumente, Belege, Zahlen und Statistik.

Für alle Wohlwollenden beste Grüße von

Sixtus

Stimmenliebhaber

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71

Montag, 21. März 2016, 19:01

Ach, ich habe deinen Unsinn, den du hier immer und immer wieder vom Stapel lässt, dermaßen satt, dass ich dich zukünftig damit verschone, deine Beiträge zu lesen und darauf zu reagieren. Du kommst auf meine Ignorier-Liste!
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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hasiewicz

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72

Montag, 21. März 2016, 19:11

Die Uraufführung von "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" fand am 9. März 1930 in Leipzig statt. Da war weder an die Gründung noch an den Untergang der DDR zu denken. Wohl aber drohte die Uraufführung in Tumulten unterzugehen, die von der NSDAP organisiert und veranlasst worden waren. Von jener Partei also, die 1933 an die Macht kam. Das Ende der Geschichte kennen wir. Es hätte nichts geschadet, etwas auf Brecht gehört zu haben.

Man kann ja Brecht abscheulich finden. Dafür gäbe es auch Gründe.

Rheingold


Eben. Wie Dieter E. Zimmer zu Sigmund Freuds Lehre in seinem Buch "Tiefenschwindel" schreibt, beweist die Tatsache, dass ein Dichter oder Denker von den Nazis verfolgt wurde, nicht automatisch deren Qualität.

Bertarido

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73

Montag, 21. März 2016, 19:23

Ach, ich habe deinen Unsinn, den du hier immer und immer wieder vom Stapel lässt, dermaßen satt, dass ich dich zukünftig damit verschone, deine Beiträge zu lesen und darauf zu reagieren. Du kommst auf meine Ignorier-Liste!

Mich stört weniger der Unsinn (was es ja nicht immer ist) als die Unwilligkeit, sich mit abweichenden Positionen und deren Argumenten auseinanderzusetzen.

Lieber Sixtus, mir scheint, Du bist in dieses Forum gekommen, um Dir Deine vom Katheder des Experten in allen Opernfragen herab verkündeten Meinungen von einer für die tiefen Einsichten dankbaren Gemeinde immer wieder aufs neue bestätigen zu lassen. Wenn es auch mit der Brechstange nicht gelingt, Zustimmung zu erzielen, werden die Widersprechenden als Heckenschützen, Ideologen, Pseudo-Wissenschaftler etc. beschimpft, Du ziehst Dich aus dem Thema zurück und wendest Dich dem nächsten zu, wo das Spiel von neuem beginnt. Ich bin mal gespannt, wie lange es dauert, bis Du die Lust daran verlierst. Bei vielen Mitgliedern dieses Forums, die Dir anfangs mit Wohlwollen und Freude über einen neuen Gesprächspartner zum Thema Oper begegnet sind, scheint mir das bereits jetzt der Fall zu sein.

Dr. Holger Kaletha

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74

Montag, 21. März 2016, 19:40

Kunst fordert Urteilsvermögen, nicht Argumente, Belege, Zahlen und Statistik.
Urteilsvermögen braucht aber eine Grundlage, die über rein subjektive Mutmaßungen und Spekulationen hinausgeht. Sonst führt dies nur zur Zementierung lieb gewordener Vorurteile. Dass alle "Zigeuner" Diebe sind, erscheint denen, die einmal beklaut worden sind, vielleicht evident. Die kühle Statistik sagt dann aber, dass z.B. in einer Stadt von 2000 Sinti-Roma-Familien lediglich 8 in der Kriminalstatistik auffallen, aber nichtsdestotrotz das Bild der Gesamtheit in der Öffentlichkeit beherrschen. Entsprechend ist der medial erzeugte Eindruck, dass es im sogenannten RT-Theater um nichts als nur um nackte Haut und Klamauk geht, rein suggestiv. Für die doch sehr verschiedenen Theaterkonzepte, um die es da eigentlich geht, interessiert man sich aber nicht im geringsten, d.h. man hält das Akzidentelle und Partikulare für das Wesentliche und Ganze, was von mangelhaftem Urteilsvermögen zeugt. Ebenso, dass man z.B. Bieito und Konwitschny in einen Topf RT-Theater wirft, deren Vorstellungen von Theater kaum etwas gemeinsam haben, denen dann aber die Dürftigkeit zum eigentlich Gemeinsamen gemacht wird, dass sie anders sind als das Theater, das man gern hat. Urteilsvermögen, wo ist es nur!

Schöne Grüße
Holger

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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75

Montag, 21. März 2016, 20:01

Auch wenn mir die Pflege der traditionellen Ansätze zugegebenermassen derzeit für eine echte Vielfalt zu kurz kommt, führt der Weg zu einem Ausgleich für mich nicht über Verbote, sondern demokratietypisch über das Organisieren von Mehrheiten.


Liebe Tamino-Freunde,
ohne es zu wollen habe ich diese Diskussion augelöst, indem ich im Thread "Sänger äußern sich zum Regietheater" einen Brief von Frau Kammersängerin Prof. Marie-Louise Gilles an mich auszugsweise veröffentlichte, weil er mir für unsere Diskussionen interessant erschien und dabei habe ich auch über die Bürgerinitiative in Hannover berichtet. Zum einen versucht Frau Gilles als eine der Hauptinitiatoren des Aufrufs in Hannover genau das, was Christian Hasiewicz als demokratietypisch fordert, sie versucht Mehrheiten für ihre und die Meinung ihrer Freunde zu finden und zu organisieren. Vielleicht ist die Sprache kämpferisch und aggressiv. Dieser Sprachstil wird in den Entgegnungen jedoch recht ähnlich apodiktisch angewandt. Da ich Frau Prof. Gilles persönlich kenne glaube ich nicht, dass sie in igendeiner Form mit rechten Gedanken oder gar Umtrieben in Verbindung gebracht werden kann. Gemeinsam mit zahlreichen anderen bedeutenden Opernschaffenden kämpft sie dafür, dass Oper in dem Sinn, wie diese Künstler und auch breite Schichten der Opernfreunde sie verstehen, lieben und zum Teil Jahrzehnte lang auch ausgeübt haben, erhalten bleibt oder als Alternative zum Regietheater wenigstens angeboten wird. Hätte ich den Brief weiter zitiert wäre deutlich geworden, dass Frau Gilles, den Erhalt kultureller Werte für die Integration von Menschen, die zu uns kommen, für äußerst wichtig erachtet. Es ist mir ein Bedürfnis, dies aus der Sicht einer persönlichen Bekanntschaft aufzuzeigen und wenigstens einigermaßen zurecht zu rücken.
Sicherlich wäre es für eine zielführende, sachliche Diskussion weit dienlicher, wenn wir die Begriffe links oder rechts nicht häufig verwenden und Persönlichkeiten, die wir letzlich nur schwerlich beurteilen können, mit diesen klischeehaften Etiketten versehen.
Herzlichst
Operus
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

Stimmenliebhaber

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76

Montag, 21. März 2016, 20:12

Mich stört weniger der Unsinn (was es ja nicht immer ist)
Nicht immer, aber immer öfter....

Und wer hier in Opernauseinandersetzungen mit "aggressiver Herrschaftssprache" argumentiert, der ... :stumm:

Ansonsten möchte ich es nicht versäumen, "Operus" für seinen letzten Beitrag zu danken! :yes:
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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Gerhard Wischniewski

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77

Montag, 21. März 2016, 21:27

Zitat

Zitat von Sixtus: Ich wurde ermahnt, "Sprachhygiene" walten zu lassen. Das kann ich nur als Eingriff einer Zensur einordnen.
Lieber Sixtus,

mach dir nichts daraus. Wenn die Argumente fehlen, wird die Wortwahl angegriffen. Und dann gibt es noch Oberlehrer, die alles korrigieren wollen. Absurditäten gibt es auch hier genug. Ich wurde schon mehrfach wegen bestimmter Ausdrücke angegriffen. Daran habe ich mich längst gewöhnt und werde sie dennoch weiterhin gebrauchen. Das, was man heute unter "political correctness" verstehen will, ist ohnehin der größte Unsinn. Es gab einmal hier einen Betrag, der sogar das Wort "Sammelplatz", das Alfred im Titel des unten genannten Themas verwendete, als politisch unkorrekt anprangern wollte. Lies dazu einmal unter "Sammelplatz für absurde und lächerliche Inszenierungsideen" den Beitrag 223 auf der Seite 8. Ich habe mich damals kringelig gelacht. Vielleicht erkennt du dann du, welche Umtriebe (wahrscheinlich wieder so ein unzulässiges Wort) hier manchmal zugange sind. Also nicht ärgern, nur wundern und belächeln.

Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

zweiterbass

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78

Dienstag, 22. März 2016, 00:44

Für mich ist Brecht mit seinen moralinsauren Indoktrinationsversuchen höchsten durch die Musik von Weil erträglich! Nun glücklicherweise müssen wir uns hier nicht mehr über die (auch glücklicherweise) ebenfalls untergegangene DDR unterhalten! Auch die Linksparteien kriegen (ebenfalls glücklich Weise), sowohl in Deutschland, wie auch in der Schweiz nicht mehr als 30%! Aber wir reden ja hier nie über Politik!

Nachstehend eine Antwort
Die Uraufführung von "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" fand am 9. März 1930 in Leipzig statt. Da war weder an die Gründung noch an den Untergang der DDR zu denken. Wohl aber drohte die Uraufführung in Tumulten unterzugehen, die von der NSDAP organisiert und veranlasst worden waren. Von jener Partei also, die 1933 an die Macht kam. Das Ende der Geschichte kennen wir. Es hätte nichts geschadet, etwas auf Brecht gehört zu haben.
Man kann ja Brecht abscheulich finden. Dafür gäbe es auch Gründe. Das bewahrt einem aber offenbar nicht davor, totalen Unsinn zu verbreiten wie in Beitrag 58 geschehen.


Besonders 2 Fragen stellen sich (nur?) für mich:
1. Was mögen die Hinter-, Beweggründe für m.johos Beitrag sein (den auch ich als "totalen Unsinn" ansehe)?
2. Welcher Art sind die weiteren (?) Reaktion im Forum auf m.johos Beitrag?

zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

Dieter Stockert

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79

Dienstag, 22. März 2016, 07:30

Für die doch sehr verschiedenen Theaterkonzepte, um die es da eigentlich geht, interessiert man sich aber nicht im geringsten, d.h. man hält das Akzidentelle und Partikulare für das Wesentliche und Ganze, was von mangelhaftem Urteilsvermögen zeugt. Ebenso, dass man z.B. Bieito und Konwitschny in einen Topf RT-Theater wirft, deren Vorstellungen von Theater kaum etwas gemeinsam haben, denen dann aber die Dürftigkeit zum eigentlich Gemeinsamen gemacht wird, dass sie anders sind als das Theater, das man gern hat.
Du solltest die RT-Gegner nicht durch solche Differenzierungen verwirren, dann wird es für sie ja noch schwieriger, sachlich zu argumentieren.
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

Gerhard Wischniewski

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80

Dienstag, 22. März 2016, 09:54

Nachtrag zu 77

Lieber Sixtus,

wie du aus den letzen Beiträgen ersiehst, ist bestimmten Leuten, die sich höher stehend wähnen (auch solchen, deren oft verworrene Beiträge kaum ernst zu nehmen sind) das Wort "Unsinn" für Beiträge renommierter und ehrenwerter Mitglieder (wie Professor MJoho) durchaus erlaubt. Klare Worte aber, wie du sie gegen Sachen (Erscheinungen) aber nicht gegen Mitglieder gebraucht hast, werden von ebensolchen "höherwertigen" Leuten als politisch inkorrekt zerrissen. Würdest du dich bestimmten Mitgliedern gegenüber aber in ähnlicher Weise wie diese äußern und mit möglichst vielen Fachausdrücken um dich werfen (es ist ja viel leichter, damit um sich zu werfen, für alle verständlich schreiben kostet zuviel geistige Anstrengung), läufst du hier Gefahr, dass jemand sich gemobbt fühlt und die Moderatoren anruft. Ich habe in diesen Jahren, die ich hier dabei bin, manchen Unsinn gelesen und bin selbst mit meinen klaren Aussagen angegriffen worden. Aber das berührt mich nicht mehr, über diese Angriffe bin ich hinaus. Ich denke nur: " Was stört es den Baum, wenn ihn ein Hund anpinkelt" (Habe ich jetzt wieder mit "angepinkelt" etwas politisch Inkorrektes gesagt? Wenn ja, kann ich mich damit verteidigen, dass auf der Bühne heute auch gepinkelt werden darf).

Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

m.joho

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81

Dienstag, 22. März 2016, 10:48

Offensichtlich bedarf mein "Unsinn" einer Erklärung:

Man soll doch bitte nicht so tun, als wäre es ein Zufall, dass der Thread-Gründer, der sich so vehement gegen die Hannover-Initiative gewendet hat, als nächsten Opernbericht die Vorstellung von "Mahagonny" angekündet hat. Immer noch vertreten nämlich hier etliche die verquaste "Dramentheorie" des Kommunistenfreundes Brecht und stellen deren Gegner in die rechte Ecke. Ebenso glaube ich an keinen Zufall, dass viele der Stückezerstörer, von Konwitschny bis Homoki aus der in der ehemaligen DDR entstandenen Berghaus-Schule hervorgegangen sind und nach wie vor den "belehrenden", bzw. gesellschaftsverändernden Gedanken ins Zentrum ihrer Inszenierungen stellen. M.E. fusst das Übel des RT-Theaters massgeblich auf der linken Ideologie Brechts und ich habe, da sich die ablehnenden Stimmen immer mehr lautstark äussern (siehe Hannover-Initiative), die massgebliche Hoffnung, dass es bald ebenso der Vergangenheit angehören wird, wie das Unrechtsregime der DDR.

Stimmenliebhaber

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82

Dienstag, 22. März 2016, 11:00

Homoki


Ach, der auch? Ich dachte, der war immer Bürger der BRD...

Und für Hans Neuenfels ist dann vermutlich auch die DDR verantwortlich.... :no:




M.E. fusst das Übel des RT-Theaters massgeblich auf der linken Ideologie Brechts

Meines Erachtens haben Brecht und andere die Stück ernst genommen und befragt - mit heutiger Willkür und beliebiger Auffüllbarkeit von Stücken mit Fremdinhalten, wie man es inzwischen leider so oft erleben muss, hatte das nichts, aber auch gar nichts zu tun! Vor allem hat Brecht seine eigenen Stücke geschaffen, da gilt nun wirklich das schrankenlose Recht zur künstlerischen Freiheit. Bei der Aufführung von Werken anderer gibt es hingegen eine Verantwortung, welches dieses Recht sehr wohl einschränkt.


Nun hast du also zum zigsten Male die Forenregel gebrochen und zum zigsten Male deine rechte Agitation gegen Brecht und alles, was links ist, wiederholt. Denn ich das nochmal lesen muss, muss ich wahrscheinlich kotzen, und das möchte ich nicht, deshalb: Willkommen als Nr. 5 auf meiner Ignorierliste! (Die ist in der Tat sehr hilfreich, da nervenschonend...)
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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Dr. Holger Kaletha

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83

Dienstag, 22. März 2016, 11:18

Offensichtlich bedarf mein "Unsinn" einer Erklärung:

Man soll doch bitte nicht so tun, als wäre es ein Zufall, dass der Thread-Gründer, der sich so vehement gegen die Hannover-Initiative gewendet hat, als nächsten Opernbericht die Vorstellung von "Mahagonny" angekündet hat. Immer noch vertreten nämlich hier etliche die verquaste "Dramentheorie" des Kommunistenfreundes Brecht und stellen deren Gegner in die rechte Ecke. Ebenso glaube ich an keinen Zufall, dass viele der Stückezerstörer, von Konwitschny bis Homoki aus der in der ehemaligen DDR entstandenen Berghaus-Schule hervorgegangen sind und nach wie vor den "belehrenden", bzw. gesellschaftsverändernden Gedanken ins Zentrum ihrer Inszenierungen stellen. M.E. fusst das Übel des RT-Theaters massgeblich auf der linken Ideologie Brechts und ich habe, da sich die ablehnenden Stimmen immer mehr lautstark äussern (siehe Hannover-Initiative), die massgebliche Hoffnung, dass es bald ebenso der Vergangenheit angehören wird, wie das Unrechtsregime der DDR.
Au weia! Die Aufführung von "Mahagonny" findet hier im erzkatholischen Münster statt. Und Intendant Ulrich Peters wies ausdrücklich auf die Flut von Bibelzitaten im Libretto hin und prüfte die Bibelfestigkeit der Zuhörer. Sein Witz bei der Matinee: Ein Wettbewerb zum Auffinden solcher Bibelstellen. Der Gewinner bekommt dann den Preis, die Aufführung zweimal besuchen zu müssen. Übrigens war auch Wagner "linker Ideologe", der sich stolz zusammen mit dem Anarchisten Bakunin photographieren ließ. Aber vielleicht gehört ja auch der "Ring" als gesellschaftsveränderndes Konstrukt bald der Vergangenheit an.

hasiewicz

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84

Dienstag, 22. März 2016, 11:30

Goethe bringt es wie so häufig auf den Punkt:

"Im Auslegen seid frisch und munter!
Legt ihr's nicht aus, so legt was unter!"

Und:

"Getretner Quark / wird breit, nicht stark."

Dass der "Ring" eine linke Gesellschaftsvision ist, ist zwar eine derzeit populäre Deutung, stellt aber auch nur eine mögliche Interpretation dar. Als ob es sich beim "Ring" um einen vertonten Leitartikel handeln würde. Er ist, wie jedes große Kunstwerk, schillernd und letztendlich unausdeutbar.

Beste Grüße

Christian

Dr. Holger Kaletha

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85

Dienstag, 22. März 2016, 11:33

Er ist, wie jedes große Kunstwerk, schillernd und letztendlich unausdeutbar.
.... was wie für Wagner auch für Brecht/Weill gilt! ;)

Sixtus

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86

Dienstag, 22. März 2016, 13:01

Lieber Gerhard!
(Was ich jetzt sage, ist vornehmlich für dich bestimmt (und selbstverständlich für einige andere, die wie du den Menschenverstand höher schätzen als irgend eine ideologische Linie, die nicht angekratzt werden darf.)

Für mich waren die letzten beiden Forum-Tage ein Bündel extremer Erfahrungen: Just nachdem Glockenton mir ein eindrucksvolles Zeichen dafür gegeben hat, dass er mich verstanden hat, schüttete ein Inquisitor Pech und Schwefel über mich aus. Und in beiden Fällen war der Grund, dass ich einige Dinge beim Namen genannt hatte.
Mich muss niemand darüber belehren, welche Ideologien sich grade im Theaterbetrieb breit gemacht haben. Die einzelnen "Täter" mögen, oberflächlich betrachtet, noch so Verschiedenes auf die Bühnen gebracht haben. Wer Augen und Ohren hat, sieht die gemeinsame Grundfarbe, das Ziel: die Entmachtung von Autor und Werk zugunsten der Regie.

Da hilft auch die Beschwörung hehrer Namen nicht: Den ersten großen Schritt in diese Richtung hat Max Reinhardt getan. Aber das war noch mehr die Eitelkeit des L´art-pour-l´art-Künstlers, die sich auf Kosten der Klassiker austobte. Den zweiten, schlimmeren Schritt vollzog Bert Brecht mit seiner Vereinnahmung der Kunst als Waffe im Klassenkampf. Die Verfremdung im Epischen Theater diente nur einem Ziel: die Massen zu belehren und zu mobilisieren. Ironie der Geschichte: Massen gehen nicht ins Theater! Und das Publikum der Dreigroschenoper (vorwiegend Großbürger) nahm das Stück als Jux - und verhalf ihm damit zum Welterfolg! Peinlich...

Immerhin verlangte Brecht seinen Stil nur bei seinen eigenen Schulmeistereien. Noch größeren Schaden richteten seine Adepten an, die diesen Stil auf alles anwendeten - ob es passte oder nicht - und alles ihrem "Konzept" unterordneten - bis heute. Seitdem ist Theater ein Ort der Beliebigkeit geworden - und mit ihm auch die Oper. Die hat nämlich für Regisseure den unbezahlbaren Vorzug, dass sie über Sprachgrenzen hinweg weltweit gespielt wird. Das ist eine ideale Plattform für Karrieristen. Und ein Großteil der Presse spielt dazu willfährig die Hofberichterstatter. Muss ich da noch Namen nennen?

Im Gegensatz zu den meisten von euch betrete ich kaum noch ein Theater - außer wenn ich Premieren rezensiere, damit andere gegebenenfalls gewart werden. Ich habe mich ansonsten gut am Rundfunkgerät eingerichtet, da brauche ich die Augen nicht zu verschließen. (Jetzt ist es wieder an der Zeit für Sittenwächter.)

Herzlich grüßt dich und deine Freunde

Sixtus

rodolfo39

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87

Dienstag, 22. März 2016, 13:26

Eine Kritik sollte doch immer objektiv sein, damit der Leser sich seine eigenen Gedanken machen kann, ob er in die Aufführung geht oder nicht. Und ich muss von keinem Kritiker gewarnt werden, ob ich ich in eine Aufführung geh oder nicht, das entscheide ich immer noch ganz alleine.
Mahagonny hab ich als Kind in der Duisburger Philharmonie, wahrscheinlich zum Glück konzertant , gesehen. Unser Musiklehrer hatte uns damals sehr gut auf das Stück vorbereitet.

Dr. Holger Kaletha

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88

Dienstag, 22. März 2016, 13:49

Klarstellung

Der Thread ist mittlerweile ein eindrucksvoller Beleg für die Selbstwidersprüche der RT-Gegner und ihre Demokratie-Unfähigkeit

1. Man hält RT-Theater für politisiert und "klassenkämperifsch" und inszeniert selbst hier einen Klassenkampf gegen eine ganz bestimmte Kunst und Ästhetik (wie Brecht). Selbst Klassiker wie Max Reinhardt werden unter diesem ideologischen Blickwinkel vereinnahmt. (Nur zur Erinnerung: Ein Marcel Reich-Ranicki dachte in dieser Frage ganz anders.)

2. Man hält RT-Theater vor, die Massen zu mobilisieren und aufzuputschen gegen das Bestehende und bedient sich selber genau dieses populistischen Mittels.

3. Man will Verhältnisse demokratisch verändern mit einer undemokratischen Einstellung. Wer wie auf dieser Hannoveraner Webseite Künstler als "Zersetzer", "Verhöhner", "Wertezerstörer" usw. brandmarkt (ich nenne das "Rhetorik der Verunglimpfung") bekundet damit das Gegenteil von Toleranz gegenüber Andersdenkenden, sondern radikale Intoleranz. Dann geht es politisch schlicht um rücksichtlose Durchsetzung von Interessen ("RT-Regisseure müssen weg") - alles andere wirkt heuchlerisch.

4. Man verläßt den Konsens von Demokraten, das Gebot gegenseitiger Verständigung, wenn man ungeniert die Sprache von NS-Propaganda spricht gegen entartete Kunst und den legitimen Protest dagegen auch noch ignoriert, statt dessen verniedlicht und verharmlost als lächerliche political correctness. Auf diese Weise legitimiert man einen solchen Diskurs der "Säuberung" von Kultur von vermeidlich Werte zersetzender Kunst als legitimes Mittel. Damit stellt man sich aber selbst ins rechte Abseits.

Stimmenliebhaber

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89

Dienstag, 22. März 2016, 13:51

Die Uraufführung von "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" fand am 9. März 1930 in Leipzig statt. Da war weder an die Gründung noch an den Untergang der DDR zu denken. Wohl aber drohte die Uraufführung in Tumulten unterzugehen, die von der NSDAP organisiert und veranlasst worden waren. Von jener Partei also, die 1933 an die Macht kam. Das Ende der Geschichte kennen wir. Es hätte nichts geschadet, etwas auf Brecht gehört zu haben.

Man kann ja Brecht abscheulich finden. Dafür gäbe es auch Gründe.

Rheingold


Eben. Wie Dieter E. Zimmer zu Sigmund Freuds Lehre in seinem Buch "Tiefenschwindel" schreibt, beweist die Tatsache, dass ein Dichter oder Denker von den Nazis verfolgt wurde, nicht automatisch deren Qualität.
Das nenne ich mal verkürztes Zitieren...

Mahagonny hab ich als Kind in der Duisburger Philharmonie, wahrscheinlich zum Glück konzertant
Warum zum Glück? Kaum eine andere Oper verlangt so sehr nach szenischer Aktion wie "Mahagonny", die ja neben allem Inhaltlichen auch einen Revuecharakter hat.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

Bertarido

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90

Dienstag, 22. März 2016, 14:00

Ich finde es gerade sehr lustig hier, so richtig schön entlarvend. Ganz großes Theater! :D

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