Sie sind nicht angemeldet.


JPC Amazon

AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Tamino Klassikforum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 19 095

Registrierungsdatum: 9. August 2004

1

Donnerstag, 11. Februar 2016, 21:53

Warum wurden manche Komponisten "vergessen"?

Warum wurden manche Komponisten vergessen ?
Die einfachste Anwort auf diese Frage wäre natürlich: Weil sie nicht gut genug waren.
Damit will ich mich aber nicht zufrieden geben, unter den "vergessenen" waren einst hochberühmte und angesehene Komponisten, denen man bei ihrem Ableben (virtuelle) Lorbeerkränze wand. Indes wurden diese Bewunderer ebenfalls Opfer des Zahns der Zeit, sie ruhen bei ihren Idolen. Indes ist es oft nicht gelungen die Begeisterung eines zeitgenössischen Publikums auf spätere Generationen zu übertragen, wogegen es in anderen Fällen sogar so gut geklappt hat, daß der Verblichene sich posthum zu einer Größe erhoben hat, die er zu Lebzeiten nie besessen hat. Andere Komponisten haben indes eine hervorragende Reputation, sie sind nicht vergessen, man verewigt sie auf Geldscheinen, Briefmarken, Straßennamen - lediglich hören möchte sie eigentlich niemand mehr wirklich......

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Rheingold1876

Prägender Forenuser

  • »Rheingold1876« ist männlich

Beiträge: 4 699

Registrierungsdatum: 5. Mai 2011

2

Donnerstag, 11. Februar 2016, 22:38

Andere Komponisten haben indes eine hervorragende Reputation, sie sind nicht vergessen, man verewigt sie auf Geldscheinen, Briefmarken, Straßennamen - lediglich hören möchte sie eigentlich niemand mehr wirklich......

Und wer wäre das so? Mir fällt nicht ein Name ein, lieber Alfred. Bitte hilf mir auf die Sprünge.

Ich stelle immer wieder fest, dass der lange Schatten des Nationalsozialismus auch in dieses spannende Feld bis in die Gegenwart hineinreicht. Derzeit beschäftige ich mich mit Eduard Lassen, in seiner Zeit und darüber hinaus hoch geehrt und gefeiert, in Nazideutschland verdammt, weil er Jude gewesen ist. Nach 1945 wurden zunächst nur wenige Komponisten in ihre ehemaligen Rechte wieder eingesetzt. Andere aber blieben vergessen, wie auch Lassen. Daraus ergeben sich Zerrbilder.

Gruß Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Stimmenliebhaber

Prägender Forenuser

  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

Beiträge: 8 004

Registrierungsdatum: 3. Dezember 2012

3

Donnerstag, 11. Februar 2016, 22:54

Ich habe, als ich das mit dem Geldschein las, ja unwillkürlich an Clara Schumann gedacht...

Und wenn ich mir überlege, wie wenig die Komponisten, welche mit ihren Büsten die Außenfassade des Pariser Palais Garnier zieren, (teilweise!) heute nur noch gespielt werden, kann ich verstehen, was Alfred meint.
Als ich dort 2010 eine "Verkaufte Braut" gesehen habe, musste ich feststellen, dass die Opéra National (also Garnier und Bastille zusammen) in dieser Spielzeit 2010/11 keine einzige Oper eines französischen Komponisten auf dem Spielplan hatten... :no:
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 19 095

Registrierungsdatum: 9. August 2004

4

Donnerstag, 11. Februar 2016, 23:37

nur eine WINZIGE Auswahl - so auf die Schnelle.......








mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 19 095

Registrierungsdatum: 9. August 2004

5

Freitag, 12. Februar 2016, 00:03

Zitat

Derzeit beschäftige ich mich mit Eduard Lassen, in seiner Zeit und darüber hinaus hoch geehrt und gefeiert, in Nazideutschland verdammt, weil er Jude gewesen ist. Nach 1945 wurden zunächst nur wenige Komponisten in ihre ehemaligen Rechte wieder eingesetzt.

Letzteres wäre auch unmöglich, weil er bereit 1895 in Pension gegangen ist und 1904 gestorben ist.

Wenn ich den Text lese, so bekomme ich den Eindruck, hier wäre ein Künstler ersten Ranges von der Diktatur entrechtet und seine Existenz vernichtet worden, tatsächlich war er (ob zu recht oder zu unrecht ist in diesem Zusammenhang momentan unerheblich) schon längst vergessen.

Auch später scheint niemand das Bedürfnis gehabt zu haben seine Werke aufzuführen oder wenigstens aufzunehmen.

Die englische Wikipedia (ich gehe davon aus, daß sie neutraler ist als die deutsche) schreibt über Eduard Lassen:

"A moderately prolific composer" ("ein mäßig erfolgreicher Komponist")

Was natürlich nicht heissen soll, daß man sich nicht mit ihm befassen soll. Im Gegenteil - Die Musik gefällt mir recht gut.
Vermutlich weil sie konservativ ist. Aber schon um 1935 war der Stil schon von der Avantgarde hinweggefegt.....
Hier die bislang einzige Aufnahme einer Schauspielmusik von Lassen - ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, hier wurde nur ein Teil des Werkes veröffentlicht.

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 504

Registrierungsdatum: 12. August 2005

6

Freitag, 12. Februar 2016, 09:47

Wie schon in zig ähnlichen Threads gesagt, ist die Frage falsch gestellt. Sie muss lauten: Warum wurden einige wenige Komponisten NICHT vergessen?

Musik ist eine der flüchtigsten Künste. Normalerweise hatte man immer nur Interesse an neuer Musik. Ich halte zwar nicht viel von der Behauptung, was wir heute Klassik nennen, sei die Popmusik früherer Zeiten gewesen, aber in dieser Hinsicht bestehen zweifellos Gemeinsamkeiten.
Die Herren und Damen am Hofe anno 1780, mit denen sich mancher heutige Klassikfreund ob des gemeinsamen exquisiten Geschmacks gerne vergleicht, hatten keinerlei Interesse an älterer Musik. Die wollten das neueste, die neueste Diva etc. hören.
Zwar begann in dieser Zeit ein Interesse für ältere Musik, aber das betraf nur einige wenige Musiker und Musikliebhaber. Und "ältere Musik" bedeutete nicht 200 Jahre alt, sondern 50 Jahre alt. So wurden Corellis Werke in England bis ca. 1800 sehr häufig nachgedruckt und die waren bis dahin über 100 Jahre alt.
Öffentliche/Populäre Musik wie Oper wurde aber normalerweise neu bearbeitet/ergänzt/arrangiert, selbst wenn sie nur wenige Jahre alt war. (Es ist unmöglich, eine definitive Fassung des Messiah festzulegen, weil Händel nahezu bei jeder Neuproduktion Kleinigkeiten geändert hat.) Erst recht galt das für "ältere Musik", etwa Mozarts Händelbearbeitungen (vorgenommen, als die Werke nur 50-60 Jahre alt waren) oder Mendelssohns "Wiederentdeckung" Bachs.
Man stelle sich das auf die heutige Zeit übertragen vor: Bergs Wozzeck würde, wenn überhaupt, nur in einer Bearbeitung von z.B. Wolfgang Rihm aufgeführt!

  • »Uwe Aisenpreis« ist männlich

Beiträge: 462

Registrierungsdatum: 8. Januar 2010

7

Freitag, 12. Februar 2016, 11:53

lediglich hören möchte sie eigentlich niemand mehr wirklich......


auf Rheingolds diesbezügliche Frage "nur auf die Schnelle" u. a. ?( mit einer Briefmarke von Lortzing zu antworten, halte ich wirklich für einen Schnellschuss bzw. Fehlgriff.

?( Uwe

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 19 095

Registrierungsdatum: 9. August 2004

8

Freitag, 12. Februar 2016, 12:15

Uwe Aisenpreis schrieb im vorigen Beitrag:

Zitat

auf Rheingolds diesbezügliche Frage "nur auf die Schnelle" u. a. ?( mit einer Briefmarke von Lortzing zu antworten, halte ich wirklich für einen Schnellschuss bzw. Fehlgriff.

Ich kann das nicht ganz nachvollziehen. Lortzing wird zu meinem Bedauern heute überhaupt nicht mehr an relevanten Opernhausern aufgeführt., obwohl er einst als Flaggschiff im Bereich "Deutsche Spieloper" gesehen wurde - und ich sehe ihn immer noch so. Zu leugnen, daß er heute quasi in Vergessenheit geraten ist, hiesse die Realität verkennen. Dennoch ist er im Hinterkopf der deutschen Opernszene noch immer ein wenig vorhanden - deshalb widmet man ihm eine Briefmarke.....

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Stimmenliebhaber

Prägender Forenuser

  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

Beiträge: 8 004

Registrierungsdatum: 3. Dezember 2012

9

Freitag, 12. Februar 2016, 12:24

Lortzing wird zu meinem Bedauernheute überhaupt nicht mehr an relevanten Opernhausern aufgeführt., obwohl er einst als Flaggschiff im Bereich "Deutsche Spieloper" gesehen wurde
Ist die Semperoper Dresden deines Erachtens ein "relevantes Opernhaus"? Meines Erachtens ist sie dies auf alle Fälle. Dort findet am 1. April eine "Wildschütz"-Premiere statt - und nein, das ist KEIN Aprilscherz!
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 19 095

Registrierungsdatum: 9. August 2004

10

Freitag, 12. Februar 2016, 12:31

Johannes Roel schrieb in Beitrag Nr 6:

Zitat

Wie schon in zig ähnlichen Threads gesagt, ist die Frage falsch gestellt. Sie muss lauten: Warum wurden einige wenige Komponisten NICHT vergessen?


Das ist ein interessanter Denkansatz, auch die Erklärung ist schlüssig - bis auf 2 Details - auf die ich in Folge kurz eingehen möchte, bzw eine Hypothese aufstellen:

1) Ich möchte es so sehen, daß im 19. Jahrhundert eine Wende stattfand, man huldigte dem Geniekult, suchte nach geistigen und kulturellen "Leitfiguren" die man auf ein virtuelles Podest stellen konnte. Schauspieler und Sänger erschiene hierfür nicht geeignet, weil sie ja vergänglich waren und ihre "Kunstwerke" mit ihnen starben. Sehr gut ausgedrückt in dem Satz: "Die Nachwelt flicht dem Mimen keine Kränze" (ein Satz der seit Einführung von Schsllplatte und Tonfilm so gut wie keine Bedeutung mehr hat)
Die Werke von Malern, Bildhauern und Komponisten indes waren "unsterbliche Meisterwerke" und so begann man ihre Schöpfer zu feiern . wenn sie sich "mediengerecht" dazu eigneten. Mediale Arbeit gab es nämlich such schon in der Vergangenheit.

2) Ich habe das schon in Punkt eins anklingen lassen. Die Vergänglichkeit war durch Bild- und Tonaufzeichnung faktisch aufgehoben, und so wurden die scheinbar geeignetsten Kunstwerke aufgezeichnet, was natürlich den Ruf ihrer Schöpfer mehrte und das Interesse an ihnen verstärkte.

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

âme

Profi

  • »âme« ist männlich

Beiträge: 401

Registrierungsdatum: 24. Januar 2008

11

Freitag, 12. Februar 2016, 15:23

Ich glaube um diese Frage adäquat zu beantworten muss man schon sehr detailliert und ausführlich in die Werkanalyse gehen, Techniken, Stilistiken zu den "nicht-Vergessenen zeitgenössischen Komponisten" vergleichen (quer durch verschiedene Epochen wäre natürlich nicht sinnvoll) , signifikante Unterschiede anhand von einigen Beispielen aufzeigen, denn im Regelfall kann das schon sehr aufschlußreich sein. Man könnte natürlich genauso oberflächlich sagen, dass Komponist xy deswegen zu seiner Zeit so populär war, weil er es verstand die damalige Modeerscheinung bzw. temporären Geschmack zu bedienen, wenige Komponisten es aber verstanden zeitlos und über zukünftige Epochen hinweg Musik zu erschaffen, die unabhängig vom momentanen Zeitgeist genug Menschen anspricht um Konzertsäle zu füllen. Diese Erklärung könnt man dann aber auch genauer hinterfragen...Antworten die man nicht unbedingt in Hypothesen oder in einem metaphysischen Bereich finden muß/kann , sondern sich in einigen Fällen einfach in der musikalischen Substanz (musiktheoretischen Analysen) finden lassen. Was für manche subjektive Geschmäcker als sehr gefällig erscheint und den Geschmacksnerv trifft, muß natürlich nicht für die Allgemeinheit der Klassikhörer gelten (wir hatten da glaub ich vor kurzem einen Thread mit der Thematik :whistling: :D ) Sicher hören auch viele nicht analytisch, aber es läßt sich doch einiges in der Analyse erklären warum gewisse kompositorische, gekonnt eingesetzte Mittel mehr Aufmerksamkeit und Gefallen beim durchschnittlichen Klassikhörer erzeugen, als das Weglassen oder der "weniger gekonnte" (um es mal so zu nennen) Umgang derer. Vor allem ist es ja auch die Fachwelt, allen voran die bekannten Dirigenten und Interpreten die über eine gewisse Macht verfügen, sich durchaus für gewisse Komponisten und Werke einsetzen können wenn sie wollten und ein auch ein gewisses Potential dahinter vermuten (letztendlich wollen sie das ja auch aus eigener Überzeugung weil es Vielen gefallen könnte) Und wie ich ja auch schon im anderen Thread schrieb wird sich Qualität früher oder später immer durchsetzen (es sei denn natürlich es ist etwas komplett verschollen)
"vergessen" ist zudem auch relativ, es gibt Komponisten die wurden tatsächlich komplett vergessen (es gibt nicht mal Tonträger von ihnen auf dem Markt) bis hin zu den gefühlten "Vergessenen" die sogar hin- und wieder mal auf Konzertprogrammen vorkommen doch Manche am liebsten sehen würden, wenn ihnen der Stellenwert eines Beethoven, Brahms, Mozart,... zugewiesen werden würde.
Eine Gedenktafel bedeutet übrigens noch nicht viel, es gibt eine Seite über Gedenktafeln in Wien, Zitat:
"Es gibt ungezählte Gedenktafeln in Wien. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Stadtverwaltung hat eine Übersicht nur über jene, die sie in Obhut genommen hat. Da kommen noch viele, viele private dazu.
Ich gebe zu, ich habe die Zahl unterschätzt, als ich mich auf die Spuren der Erinnerungstafeln begab (insgesamt sind es ca. 1000)."
Quelle: http://www.viennatouristguide.at/Gedenktafeln/wien.htm

Ich möchte nicht wissen, wieviele davon mehr oder weniger "vergessen" wurden. Ich habe jetzt nur mal auf die Schnelle geschaut...ich hörte zB noch nie etwas von einem Joseph Bayer (Komponist) oder Johann Baptist Blobner (Komponist) und habe jetzt nur mal sehr schnell "B" überflogen.
gruß
„Eine Erkenntnis von heute kann die Tochter eines Irrtums von gestern sein.” (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 504

Registrierungsdatum: 12. August 2005

12

Freitag, 12. Februar 2016, 16:45

Die Werke von Architekten, Bildhauern und Malern muss man "nur" einigermaßen pfleglich behandeln. Man braucht nicht (ggf. viele dutzend) relativ hochqualifizierte Leute, um sie im Repertoire zu halten. Kathedralen und Schlösser sind auch meistens kaum zu übersehen (aber natürlich wurden die auch oft umgebaut, geplündert etc.)
Musik ist, wie gesagt, erheblich flüchtiger.
(Weil man sie privat allein oder mit wenigen Musikern spielen konnte, konnten Corelli-Sonaten und Bachs WTC bis Ende des 18. Jhds. überdauern, ohne ständig öffentlich aufgeführt zu werden)

Es stimmt aber, dass im 19. Jhd. ein zweiter Mechanismus dazukommt, den Alfred angedeutet hat. Bis dahin war Musik weitgehend ein flüchtiges Geschäft gewesen und nur in Einzelfällen wurde ältere Musik gespielt. Um 1800 findet man nach und nach die Idee eines "Kanons", in den natürlich nur einige ausgewählte, besonders herausragende Komponisten aufgenommen werden können (obwohl in der Praxis natürlich weiterhin zeitgenössische Musik dominiert). Das liefert dann eine Erklärung, warum manche Komponisten nicht vergessen wurden bzw. lange nach ihrem Tod besonderen Status haben konnten. Bei den ältesten, Palestrina und Bach, lag das aber auch an deren Vorbildcharakter für bestimmte Kompositionsweisen (a cappella Kirchenstil, Fugen usw.)

William B.A.

Erleuchteter

  • »William B.A.« ist männlich

Beiträge: 17 345

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

13

Freitag, 12. Februar 2016, 19:39

Vor einem Dreivierteljahr hatten wir mal über einen Komponisten gesprrochen, der in dieses Schema passen wüde, und ich meine, Rüdiger hätte noch ein Foto eines Platzes eingestelt, der nach ihm benannt wurde:

Victor Nessler (1841 - 1890):


Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Rheingold1876

Prägender Forenuser

  • »Rheingold1876« ist männlich

Beiträge: 4 699

Registrierungsdatum: 5. Mai 2011

14

Freitag, 12. Februar 2016, 20:21

etzteres wäre auch unmöglich, weil er bereit 1895 in Pension gegangen ist und 1904 gestorben ist.

Wenn ich den Text lese, so bekomme ich den Eindruck, hier wäre ein Künstler ersten Ranges von der Diktatur entrechtet und seine Existenz vernichtet worden, tatsächlich war er (ob zu recht oder zu unrecht ist in diesem Zusammenhang momentan unerheblich) schon längst vergessen.

Auch später scheint niemand das Bedürfnis gehabt zu haben seine Werke aufzuführen oder wenigstens aufzunehmen.

Die englische Wikipedia (ich gehe davon aus, daß sie neutraler ist als die deutsche) schreibt über Eduard Lassen:

"A moderately prolific composer" ("ein mäßig erfolgreicher Komponist")


Ein Person kann auch über ihren Tod hinaus in ihre juristischen und staatsbürgerlichen Rechte wieder eingesetzt werden. Insofern bleibe ich bei meiner Auffassung, dass nach 1945 - also nach der Befreiiung vom Hitlerfaschismus - in der Kulturpolitik, und nicht nur dort, in vielen Fallen nationalsozialistisches Unrecht fortwirkte. Wenigstens moralische Widergutmachung kam oft viel zu spät - oder gar nicht. Für mich ist Eduard Lassen auch nicht Brahms oder Wagner. Na, Gott sei Dank. Darum geht es mir auch gar nicht. Was die englische Wikipedia zusammenfasst in dem zitierten Satz nehme ich nicht für die ganze Wahrheit. Woher wollen die das so genau und endgütig wissen? An der Universität Jena wird zumindest im Ansatz Forschungsarbeit zum Thema betrieben. Dort kommt man zu ganz anderen Ergebnissen. Dass nämlich die Wirkung von Lassen, die bis zu seinem Tode mit Weimar und Goethes Faust, für dessen erste geschlossene Aufführung durch Otto Devrient er die Musik schrieb, eng verknüpft war, weit daraüber hinaus ging. Er wurde in Lonon, Stockholm, Bratislava, Athen, St. Petersburg und in vielen deutschen Städten aufgeführt. In Dänemark und Deutschland wurde Musik von Lassen sogar als Hintergrund bei Hörspielen verwendet.

Es gibt also viele Gründe dafür, warum jemand vergessen ist. Nicht immer liegt es im Werk selbst begründet.

Zu den Briefmarken in Beitrag 4: Die zeigen Komponisten, die allesamt heute noch gespielt und publiziert werden. Auch Silcher. Keiner von denen ist nach meinem Eindruck vergessen.

Die Gedenktafeln an Häusern sind ein ganz anderer Fall. Sie haben oft einen speziellen und spannenden historischen Hintergrund, sind Ausdruck eines ausgeprägten Bürgerschaftssinns. Wer aufmerksam durch Straßen geht, findet sie altenhalben. Ich freue mich jedes Mal darüber. Als ich neulich durch das thüringische Rudolstadt flanierte, fielen mir gleich zwei auf, die an komponierende Einwohner erinnern. Schätzungsweise stamme sie aus den 1920er Jahren. Eine für Rudolf Herzer,



die andere für Albert Methfessel. Über beide ließe sich einiges sagen. Auch über die Gründe ihres faktischen Vergessensein.

Gruß Rheigold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Rheingold1876

Prägender Forenuser

  • »Rheingold1876« ist männlich

Beiträge: 4 699

Registrierungsdatum: 5. Mai 2011

15

Freitag, 12. Februar 2016, 20:30

Vor einem Dreivierteljahr hatten wir mal über einen Komponisten gesprrochen, der in dieses Schema passen wüde, und ich meine, Rüdiger hätte noch ein Foto eines Platzes eingestelt, der nach ihm benannt wurde:


Lieber Willi, damals ging es um Leon Jessel.

LG Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 19 095

Registrierungsdatum: 9. August 2004

16

Freitag, 12. Februar 2016, 21:16

Als ich diesen Thread begann , hatte ich EINEN Grund, warum so manche Komponist, der einst recht angesehen war, dem Vergessen anheim gefallen ist, Natürlich gibt es Gegenbeispiele. aber ich meine, daß das örtliche Umfeld, wo die Karriere stattfand eine nicht unerhebliche Rolle spielte. Haydn wäre hier eine Ausnahme, allerdings nur bedingt, Denn nach allem was ich über ihn gelesen habe verfügte er über ausgezeichnete Managerqualitäten und war - wie wir heut sagen würde - "gut vernetzt". Andere Komponisten waren Dirigent in einer mittleren Provinzstadt, angesehen, bei Insidern bekannt, aber die große weite Welt nahm von ihnen nur bedingt Notiz. Diese Tatsache muß nicht unbedingt "schwächeren Kompositionen" geschuldet sein, manche Komponisten waren mit dem Erreichten sehr zufrieden, lebten finanziel gut abgesichert, gesellschaftlich in ihrem Umkreis geschätzt und anerkannt - und mehr brauchten sie nicht.
Joseph Bayer, er wurde weiter oben genannt, ist hier ein doppelt gutes Beispiel: Zum einen war er eine Wiener Lokalgröße (Mir fiel, als ich den Namen hörte sofort sein Hauptwerk, das Ballet "Die Puppenfee" ein) zum anderen war er nicht eigentlich ein "klassischer Komponist" seine Ballette erinnern eher an Johann Strauß. "Aha" - wird manch einer sagen - "gar krin klassischer Komponist dieser Joseph Bayer"
JA und NEIN.
WIKIPEDIA bietet über das monumentale, 1888 komponierte Ballet eine Menge Information, endet dann aber interessanterweise mit der Bemerkung:
Die Puppenfee“ wird heute noch alljährlich an der Wiener Staatsoper aufgeführt und ist mit mittlerweile über achthundert Aufführungen eines der meistgespielten Stücke der Staatsoper.
das hab nicht einmal ich gewusst.

Nur so nebenbei - zur Gedächtnisauffrischeung eine Aufnahme des Ballets.
Die meisten youtube clips dieses Werkes stammen von Ballettschulen, hier die IMO beste Aufführung bietet das Waganowa Ballett aus St Petersburg, die Ballettakademie des Marinsky-Theaters
Die Russen treffen das Wiener Flair sehr gut, nein PERFEKT !! - wesentlich besser als die meisten anderen Nationen



mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 504

Registrierungsdatum: 12. August 2005

17

Freitag, 12. Februar 2016, 22:36

Seltsamerweise steht in keiner einzigen online-Quelle etwas über eine jüdische Herkunft Lassens (von meinen offline-Büchern erwähnt ihn gar keins).

Da Mendelssohn, Offenbach, sogar Mahler sich von der Verfemung im dritten Reich relativ schnell erholt haben, halte ich es für eine recht kühne These, dass Lassen hauptsächlich deswegen vergessen wurde. (Man kann zum Test ja mal gucken, wie viele andere belgische Prix-de-Rome-Träger aus der Zeit einem heute noch geläufig sind, link s.u.)
Die Faust-Musik scheint das einzige gewesen zu sein, was von Lassen vorübergehend bekannter gewesen ist, und selbst die eher regional.
Auf die Gefahr hin, banal zu klingen: wenn man die Frage nicht, wie ich oben vorgeschlagen habe, umdreht, wird man nie fertig.

Hier kann man sich die Träger des berühmten Prix de Rome, dessen belgische Spielart Lassen erhalten hat, anschauen:

https://fr.wikipedia.org/wiki/Liste_des_…sition_musicale
https://de.wikipedia.org/wiki/Prix_de_Ro…r_.28Auswahl.29
https://en.wikipedia.org/wiki/Prix_de_Rome_%28Belgium%29

nahezu jeder bekannte französische Komponist des 19. u. frühen 20. Jhds. hat den Preis erhalten (Berlioz im dritten oder vierten Anlauf), oder wenigstens einen zweiten Preis. Aber natürlich ist nicht jeder Preisträger ein heute noch bekannter Komponist.

Exakt dasselbe Spiel kann man übrigens auch mit Literaturnobelpreisträgern durchspielen, die reichen leider
nur bis 1901, daher kennt man zumindest dem Namen nach vermutlich ein paar mehr als bei den Rompreisträgern der 1850er.

William B.A.

Erleuchteter

  • »William B.A.« ist männlich

Beiträge: 17 345

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

18

Samstag, 13. Februar 2016, 00:11

Zitat

Rheingold1876: Lieber Willi, damals ging es um Leon Jessel.

Lieber Rüdiger, weil ich mitr nicht mehr ganz sicher war, habe ich mich auch so vorsichtige ausgedrückt, aber im Grunde genommen geht es doch um den gleicehn Komponistenkreis.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Rheingold1876

Prägender Forenuser

  • »Rheingold1876« ist männlich

Beiträge: 4 699

Registrierungsdatum: 5. Mai 2011

19

Samstag, 13. Februar 2016, 09:50

Seltsamerweise steht in keiner einzigen online-Quelle etwas über eine jüdische Herkunft Lassens (von meinen offline-Büchern erwähnt ihn gar keins).


Der Vater von Eduard Lassen, Louis Lassen, war von 1849 bis 1873 Präsident des "Consistoire Central Israélite de Belgique". Das war ein sehr hohes und angesehenes Amt. Für den Sohn sollen Glaubensdinge keine erstrangige Bedeutung gehabt haben. Er bezeichnete sich als "religionslos" und konvertierte in späteren Jahren zum Christentum. Nachzulesen ist das im Booklet des CD-Albums mit der Schauspielmusik zu Faust I. Dem Vernehmen nach gibt es neuerdings an der Universität Jena Forschungen - auch zu Lassen. Wünschenswert wäre es allerdings gewesen, dass sich Ergebnisse noch etwas konkreter in dem Booklet niedergeschlagen hätten.

Musik heute, 16. 1. 2014:
Während Lassens Kompositionen heutzutage kaum noch bekannt sind, wurden ihm zu Lebzeiten zahlreiche Ehrungen zuteil. So erhielt er den “Prix de Rome” und die Ehrendoktorwürde der Universität Jena. Internationale Anerkennung erfuhr er als Kapellmeister, hochvirtuoser Konzertpianist und Komponist. In den 1930er Jahren brach die Rezeption seiner Werke jedoch ab, nicht zuletzt aufgrund seiner jüdischen Herkunft. So geriet der Komponist in Vergessenheit.

In den großen Lexika von Meyer und Brockhaus wird Lassen vor Beginn der Nazidiktatur geführt. Ich zitiere mal den typischen Eintrag, der über die Jahre in etwas immer gleich geblieben ist.

Meyers Großes Konservationalexikon, Leipzig 1907
Eduard, Komponist, geb. 13. April 1830 in Kopenhagen, gest. 15. Jan. 1904 in Weimar, erhielt seine musikalische Ausbildung auf dem Konservatorium in Brüssel, wohin seine Familie übergesiedelt war, gewann 1851 den Römerpreis und studierte nun auch in Deutschland und Italien. 1857 wurde seine Oper »Landgraf Ludwigs Brautfahrt« in Weimar ausgeführt, wo er im folgenden Jahr als Hofmusikdirektor, 1861 aber nach Liszts Rücktritt als Hofkapellmeister angestellt wurde. 1895 trat er in den Ruhestand. Von seinen Kompositionen sind noch hervorzuheben: die Opern »Frauenlob« (Weimar 1860) und »Le Captif« (Brüssel 1868), zwei Symphonien, Charakterbilder für Orchester zu Hebbels »Nibelungen«, Chöre mit Orchester zu Sophokles' »König Ödipus«, Musik zu Goethes »Faust«, zu Calderons »Über allen Zauber Liebe« u.a., »Biblische Bilder« (für Gesangssoli und Instrumente), mehrere Ouvertüren und beliebt gewordene ein- und mehrstimmige Lieder.

Im Großen Lexikon der Musik in acht Bänden von Marc Honegger und Günther Massenkeil, Herder 1978 und in folgenden Ausgaben hat der Komponist wieder einen Eintrag, der nicht über das hinausgeht, was sich in den Konversationslexika findet. In der Richard-Strauss-Literatur ist sein Namen sehr präsent, weil sich beide aus gemeinsamer Zeit in Weimar kannten, schätzen und auch Freizeit beispielsweise beim Skat miteinander verbrachten. Ebenso spielt Lassen in der Literatur über Siegfried Wagner eine Rolle. Der Sohn von Richard Wagner kannte ihn auch persönlich.

Der Übertritt von Juden zum Christentum war für die Nationalisten bekanntlich kein Grund, sie von der Verfolgung oder Ächtung auszunehmen.

Da Mendelssohn, Offenbach, sogar Mahler sich von der Verfemung im dritten Reich relativ schnell erholt haben, halte ich es für eine recht kühne These, dass Lassen hauptsächlich deswegen vergessen wurde.


Ich habe meine These nicht grundsätzlich auf alle in Frage kommenden Komponisten angewendet sehen wollen. So drückte ich mich auch aus. Ich meinte also nicht Offenbach, Mahler und Mendelssohn sondern ehr Komponisten wie Berthold Goldschmidt - oder eben Lassen.

Gruß Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 19 095

Registrierungsdatum: 9. August 2004

20

Freitag, 19. Februar 2016, 22:45

Während die Brockkaus Enzyklopädie Lassen verschweigt, findet sich überraschenderweise ein gar nicht so knapper Eintrag über den Komponisten in "Das neue Lexikon der Musik" in 4 Bänden (Metzler 1996 -Lexikonfomat ca 3200 Seiten) Hier wird aud die Freundschaft mit Franz Liszt hingewiesen und daß dieser es war der Lassen in Weimar als seinen Nachfolger vorgeschlagen hat. Ferner wird darauf hingewiesen, daß Lassen in Weimar am 2. Dezember 1877 die Uraufführung von Saint Saens' "Samson und Dalila" die Uraufführung dirigierte. Neben den berits erwähnten Werken wurde auf die teilweise internationale Beachtung hingewiesen, die man seinen 227 Klavierliedern entgegenbrachte....

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 19 095

Registrierungsdatum: 9. August 2004

21

Donnerstag, 26. Mai 2016, 12:58

Zitat

Wie schon in zig ähnlichen Threads gesagt, ist die Frage falsch gestellt. Sie muss lauten: Warum wurden einige wenige Komponisten NICHT vergessen?

Ja und nein

Ich hatte inzwischen den selben Gedanken wie Johannes Röhl und habe deshalb seine Anregung, wenn auch nicht wirklich bewusst, realisiert. In diesem Zusammenhang meine ich erkannt zu haben, daß es doch zwei grundverschiedene Betrachtungsweisen zum selben Thema sind, und werde mich bemühen in beiden Threads dazu einige subjektive Anmerkungen zu machen, jedoch wird die Sache immer verzweigter und komplizierter.....
Warum wurden manche Komponisten NICHT "vergessen" ?
Ich setze daher auch hier die Diskussion fort, da in meinen Augen die beiden Threads nicht miteinander konkurrieren, sondern sich lediglich aufs Beste ergänzen.

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 19 095

Registrierungsdatum: 9. August 2004

22

Donnerstag, 26. Mai 2016, 17:06

Gestern abernd, bei meiner Recherche im Internet bin ich auf ZAHLREICHE Sinfonien (und Konzerte) vergessener Komponisten gestoßen, die es sehr wohl auf youtube gibt, nicht aber auf Cd - oder aber nur vereinzelt. Ich fand Komponisten von denen ich noch nie zuvor etwas gehört hatte. Das ist an sich nichts besonderes. Vieles wird ausgegraben, wo man sich denkt: Na ja - sooo eine Entdeckung war das wohl auch wieder nicht. Wobei ich nicht auf der Suche nach "musikalischen Genies" oder "innovativen Geistern" bin, sondern nach angenehm zu hörendem Repertoire, etwa in der Liga von Ries, Raff, Rubinstein oder Weber. Ich bin ja noch guten Mutes, daß einiges noch zu meinen Lebzeiten auf CD erscheinen wird, aber genau weiß man das natürlich nicht. Inzwischen warten auf mich geschätzte ungehörte 70-80 ungehörte Sinfonien und Konzerte des 18. und19. Jahrhunderts, jener beiden Jahrhunderte, deren Musik mir am besten gefällt.
Vielleicht noch eine Anmerkung: Gemeinhin werden Ries, Wölfö, Cannabich, Vanhal, Kozeluch, Franz Lachner und Raff zu den "vergessenen" Komponisten gezählt. Das mag zwar auf die breite MAsse und auf den aktuellen Konzertbetrieb zutreffen, sie sind indes auf Tonträger einigermaßen repräsentiert - und den Klassikkennern doch wenigstens namentlich bekannt.

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 19 095

Registrierungsdatum: 9. August 2004

23

Freitag, 27. Mai 2016, 02:23

Von hier ab, werde ich mich in loser Reihenfolge mit in der Tat beinahe vergessenen Komponisten befassen, ohne alzusehr ins Detail zu gehen. Jeder Komponist bekommt einen eigenen Beitrag mit ein oder 2 Tonbeispielen von youtube. Mögen diese Beiträge Hinweise an die Tonträgerindustrie sein....
Heute beginne ich mit einem englischen Komponisten, der allerdings für eine gewisse Zeit sein Glück in Wien versuchte und sich von Beethoven beraten ließ, da er in London nicht anerkannt wurde: Cipriani Potter (1792-1871) Als er indes wieder zurückkehrte war er ein angesehener Komponist.
Er schrieb 10 Sinfonien, von denen allerdings nur 9 erhalten sind, Es gab vereinzelt Aufnahmen auf Tontäger, die aber allesamt gestrichen sind, soviel ich weiß, weil die betreffenden Label aufgehört haben zu existieren,
Cipriani Potter - als ich um 2000 herum ins Internet kam, war sein Name völlig unbekannt . zumindest das hat sich geändert.
Ich hatte gesucht, weil ich eine Sinfonie auf dem Label "Capricorn" besitze, die sich vermutlich auflösen wird (Bronzing) - das Label selbst gibt es längst nicht mehr.

Hier eine Hörprobe der 8. Sinfonie



mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

dr.pingel

Prägender Forenuser

  • »dr.pingel« ist männlich

Beiträge: 4 256

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

24

Freitag, 27. Mai 2016, 11:01

Besonders freue ich mich auf den unbekannten ungarischen Komponisten Ferenc Wölfö.
"Ich bin ein Anhänger der Todesstrafe, aber köpfen kann ich darum doch keinen."
Erst durch Lesen lernt man, wieviel man ungelesen lassen kann." (Wilhelm Raabe)

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 504

Registrierungsdatum: 12. August 2005

25

Freitag, 27. Mai 2016, 11:34

Besonders freue ich mich auf den unbekannten ungarischen Komponisten Ferenc Wölfö.


Ein ungarischer Komponist hieße allerdings Wölfö Ferenc...

dr.pingel

Prägender Forenuser

  • »dr.pingel« ist männlich

Beiträge: 4 256

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

26

Freitag, 27. Mai 2016, 12:11

Tatsächlich. Aber vielleicht habe ich ihn mit dem Finnen Juha Wölfö verwechselt.
"Ich bin ein Anhänger der Todesstrafe, aber köpfen kann ich darum doch keinen."
Erst durch Lesen lernt man, wieviel man ungelesen lassen kann." (Wilhelm Raabe)

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 19 095

Registrierungsdatum: 9. August 2004

27

Freitag, 27. Mai 2016, 23:09

Als nächstes kommen wir zu einer fast gänzlich unbekannten Komponistin. Ich bin ja nicht gerade bekannt dafür, für Werke von weiblichen Komponisten eine Vorliebe zu haben, ich fand bislang kaum etwas, das mich wirklich begeistert hat. Anders ist das im Falle von Emilie Mayer - was das Vorurteil, ich hätte was gegen weibliche Komponisten, schlagartig vom Tisch wischt .
Die deutsche Komponistin Emilie Mayer (1812- 1882) schrieb im Laufe ihres Lebens 8 Sinfonien, 12 Streichquartette sowie diverse andere Kammermusik und Werke für Klavier solo. Ihr hinterlassenes Kompositionswerk ist recht umfangreich. Besonders begeistert hat mich aber das hier eingestellte Klavierkonzert – es ist bei Wikipedia nicht mal erwähnt. Im Rahmen eines Aprilscherzers hätte man es ohne weiteres als „Mozart verschollen geglaubtes Klavierkonzert Nr 28 „ anpreisen können, wobei man Mozarts vorausahnenden Blick ins frühe 19, Jahrhundert hätte erwähnen müssen….



auch die Sinfonie Nr 7 gibt es nur bei youtube



Auf CD ist lediglich die Sinfonie Nr 5 erhältlich.



mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich
  • »Alfred_Schmidt« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 19 095

Registrierungsdatum: 9. August 2004

28

Samstag, 28. Mai 2016, 12:56

Carl Filtsch (1830-1845) Concertino für Klavier und Orchester

Das hier eingestellte Concertino für Klavier und Orchester galt lange Zeit als verschollen und wurde - laut Wiki "erst vor kurzem " wiederentdeckt. Es stammt von Carl Filtsch (1830-1845), dem Lieblingsschüler von Chopin, der ihn für den besten Interpreten seiner Werke hielt - und zeitweise auch von Liszt, der über den Knaben sagte: „Wenn der Kleine auf Reisen geht, mach’ ich die Bude zu“



Das junge Talent, Liebling von Kollegen und Publikum konzertierte erfolgreich in diversen Metropolen (1841 debütierte er im Wiener Musikverein) und wurde von den zeitgenössischen Kritikern mit Lob überhäuft, dazu komponierte er über 10 Werke. Das Schicksl bereitete dieser Traumkarriere ein jähes Ende: Wenige Tage vor seinem 15, Geburtstag starb er am 11. Mai 1845 in 1845 in Venedig an der Tuberkulose.

Auf einer einzigen CD von naxos "Chopin und seine Schüler" sind Werke von ihm verfügbar:



mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

  • »kurzstueckmeister« ist männlich

Beiträge: 6 808

Registrierungsdatum: 16. Januar 2006

29

Donnerstag, 9. Juni 2016, 13:58

Von Emilie Mayer gibt's ein Streichquartett in einer cpo-Produktion:


Maurice

Prägender Forenuser

  • »Maurice« ist männlich

Beiträge: 5 497

Registrierungsdatum: 7. Oktober 2010

30

Samstag, 11. Juni 2016, 20:28

auch die Sinfonie Nr 7 gibt es nur bei youtube

Auf CD ist lediglich die Sinfonie Nr 5 erhältlich.

Gerne möchte ich Herrn Schmidt darauf aufmerksam machen, dass die beiden genannten Aufnahmen identisch sind – also ist irgendwo ein Recherche-Fehler vorhanden:

Entweder ist das (wahrscheinlich) die Sinfonie No 5 – oder die No 7. Also gibt es momentan nur die No. 5 auf CD – denn es handelt sich um den Live-Mitschnitt eines Berliner Konzerts, welches 2001 im Rahmen des Projekts "Der männliche und der weibliche Beethoven" gegeben wurde.

Auf meiner Festplatte findet sich jedoch auch der Mitschnitt der Sinfonie No 4, die von der Neubrandenb. Philharmonie, Malzew interpretiert wird.
Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)