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Rheingold1876

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  • »Rheingold1876« ist männlich

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31

Mittwoch, 23. Dezember 2015, 10:19

Was Lisa Otto so unvergleichlich machte , war die Verbindung von gespreizter Theatralik, Doppelbödigkeit und Ironie, die sich dann in Arie in Wärme und heiterer Humanität auflöst. Ob der Traum, der hier erzählt wird, von der Base wirklich geträumt wurde, oder ob Ännchen ihn in therapeutischer Absicht erfindet, bleibt bei ihr in der Schwebe. Unerreicht!

Lieber Caruso, nicht umsonst hatte ich die Aufnahme von Regina Werner mit "gewinnend" etwas unbestimmt eingestuft. Soll heißen, ich suchte lange nach einem passenden Begriff, damit sich die Begeisterung auch in deutlichen Grenzen hält. ;)

Was Du nun zu Lisa Otto feststellst, finde ich im Kern sicher getroffen. Wunderbar. Ich staune immer wieder, wie genau Du hören, beobachten und bewerten kannst. Und wie gut Du verstehst, was da ausgesendet wird. Weil wir ja gerade an anderer Stelle über gestaltendes Singen und über den "Freischütz" im Gespräch waren. Würde so intensiv gesungen, dargestellt und vermittelt, es brauchte manchen Inszenierungsaufwand mit reißerischen und derben Symbolen eigentlich nicht. Das ist meine Schlussfolgerung, die Du nicht teilen brauchst. Aber so eine wie die Otto lässt die Frage nach einem Försterhaus auf der Bühne für mich gar nicht aufkommen. Sie singt es mit allen seinen Beschränkungen, seiner Enge und seinen Zwängen. Insofern ist das Försterhaus schon ein hintersinniges Symbol und keine Kulisse schlechthin. Damit will ich nicht schon wieder die Vergangenheit über den grünen Klee loben. Das nütze rein gar nichts. Wir schreiben 2015, bald 2016! Ich plädiere für genaues Singen. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.

LG Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

operus

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32

Donnerstag, 24. Dezember 2015, 09:36

Liebe Freunde,

Ihr schildert gekonnt die schönsten Träume in der klassischen Musik, besonders gelungene Aufnahmen und ideale Interpreten. Ich wünsche Euch, dass Ihr persönlich mit klassischer Musik herrlich träumen, vergessen und genießen könnt. Dies dürfte doch die schönste Traumerfüllung sein, die klassische Musik schenken kann.

Herzlichst
Operus
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

musikwanderer

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33

Donnerstag, 24. Dezember 2015, 11:31

Kennt jemand die Oper "Der Kobold"? Sie stammt von Siegfried Wagner und beinhaltet in der ersten Szene einen fürchterlichen Traum, den eine der Protagonistinnen des Stücks hat: Ein von seiner Mutter getöteter Säugling quält Verena mit der flehentlichen Bitte, ihn von seinen Leiden zu erlösen.

Irgendwann in der nächsten Zeit wird die Inhaltsangabe zu dieser Oper im Tamino-Opernführer stehen...

:hello:
.

MUSIKWANDERER

Rheingold1876

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  • »Rheingold1876« ist männlich

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34

Donnerstag, 24. Dezember 2015, 12:09

DER KOBOLD ist sogar ein sehr bedrückendes Beispiel. Ich kenne die Oper, lieber musikwanderer und freue mich auf Deinen Opernführer. Im Zusammenhang mit diesem Thema war sie mir noch gar nicht in den Sinn gekommen. In London gab es eine sehr gut besetzte konzertante Aufführung, von der ich zum Glück ein Band habe. Die internationale Siegfried-Wagner-Gesellschaft und ihr Präsident Peter P. Pachl sind sehr aktiv und rührig, damit dieser Komponist zu seinem Recht kommt.

Die würden sich freuen, dass auch Du Dich für ihn verwendest.

Beste Grüße von Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

musikwanderer

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35

Donnerstag, 24. Dezember 2015, 23:01

Ich habe, das als kurzen Einschub auf Rheingolds Bemerkung, nach einer Aufnahme dieser Oper gesucht, war dann erstaunt (bei mir, der ich mit keinem der Wagners viel anfangen kann, wobei Ausnahmen die Regel bestätigen würden, wäre hier nicht der falsche Ort für eine solche Einlassung, vielleicht nicht verwunderlich), dass Marco Polo das Stück (aus Nürnberg) vorgelegt hat. Der Preis hat mich allerdings abgeschreckt, ich muss daher auf das Libretto (vom "Flohmarkt") zurückgreifen...

:hello:
.

MUSIKWANDERER

Mme. Cortese

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  • »Mme. Cortese« ist weiblich

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36

Donnerstag, 24. Dezember 2015, 23:13

In Paris - pardon - im antiken Sparta träumt man etwas frivoler:

https://www.youtube.com/watch?v=0KI_IhUEdTU
Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

Caruso41

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  • »Caruso41« ist männlich

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37

Samstag, 26. Dezember 2015, 11:48

Was Du nun zu Lisa Otto feststellst, finde ich im Kern sicher getroffen. Wunderbar. Ich staune immer wieder, wie genau Du hören, beobachten und bewerten kannst. Und wie gut Du verstehst, was da ausgesendet wird. Weil wir ja gerade an anderer Stelle über gestaltendes Singen und über den "Freischütz" im Gespräch waren. Würde so intensiv gesungen, dargestellt und vermittelt, es brauchte manchen Inszenierungsaufwand mit reißerischen und derben Symbolen eigentlich nicht. Das ist meine Schlussfolgerung, die Du nicht teilen brauchst. Aber so eine wie die Otto lässt die Frage nach einem Försterhaus auf der Bühne für mich gar nicht aufkommen. Sie singt es mit allen seinen Beschränkungen, seiner Enge und seinen Zwängen.

Lieber Rheingold,

hab Dank für den Beitrag, der mich sehr gefreut hat.
Zunächst vielleicht, weil Du so nette Worte für mein Hören, Beschreiben und Werten findest!

Vor allem, aber weil Du einen Punkt machst, der auch mir ungemein wichtig ist! Ich habe ja öfter schon gesagt, dass ich eigentlich in der Oper immer in erster Linie Hörender bin. Wenn ich nicht höre , dass da ein Feldherr, ein Gralsritter, eine eisumgürtete Prinzessin oder eine Dame aus Burgos dargestellt wird, und wenn ich nicht höre, wie er resp. sie liebt oder leidet, rast oder träumt.....dann hilft mir die Bühne auch nicht mehr!
Gut; darüber will ich in dem anderen von Dir erwähnten Thread noch mal was schreiben.

Jetzt erst mal weiter mit den Träumen in der Oper!

Bisher noch nicht genannt:
die Frau, die von ihren Träumen längst zerstört ist und nur eines will: nicht länger träumen.
Da der Text von Hugo von Hofmannsthal so großartig und für unser Thema so interessant ist, stelle ich ihn hier mal ein:

Klytämnestra
Ich habe keine guten Nächte. Weisst du
kein Mittel gegen Träume?
Elektra näher rückend
Träumst du, Mutter?
Klytämnestra
Wer älter wird, der träumt. Allein es lässt sich
vertreiben. Es gibt Bräuche.
Es muss für alles richtige Bräuche geben.
Darum bin ich so
behängt mit Steinen. Denn es wohnt in jedem
ganz sicher eine Kraft. Man muss nur wissen,
wie man sie nützen kann. Wenn du nur wolltest,
du könntest etwas sagen, das mir nützt.
Elektra
Ich, Mutter, ich?
Klytämnestra
Ja, du! denn du bist klug.
In deinem Kopf ist alles stark.
Du könntest vieles sagen, was mir nützt.
Wenn auch ein Wort nichts weiter ist! Was ist denn
ein Hauch! und doch kriecht zwischen Tag und Nacht,
wenn ich mit offnen Augen lieg', ein Etwas
hin über mich, es ist kein Wort, es ist
kein Schmerz, es drückt mich nicht, es würgt mich nicht,
nichts ist es, nicht einmal ein Alp, und dennoch
es ist so fürchterlich, dass meine Seele
sich wünscht, erhängt zu sein, und jedes Glied
in mir schreit nach dem Tod, und dabei leb' ich
und bin nicht einmal krank; du siehst mich doch:
seh' ich wie eine Kranke? Kann man denn
vergehn, lebend, wie ein faules Aas?
kann man zerfallen, wenn man garnicht krank ist?
zerfallen wachen Sinnes, wie ein Kleid,
zefressen von den Motten? Und dann schlaf' ich
und träume, träume! dass sich mir das Mark
in den Knochen löst, und taumle wieder auf,
und nicht der zehnte Teil der Wasseruhr
ist abgelaufen, und was unter'm Vorhang
hereingrinst, ist noch nicht der fahle Morgen, nein,
immer noch die Fackel vor der Tür,
die grässlich zuckt wie ein Lebendiges
und meinen Schlaf belauert.
Diese Träume müssen
ein Ende haben. Wer sie immer schickt:
ein jeder Dämon lässt von uns, sobald
das rechte Blut geflossen ist.
Elektra
Ein jeder!
Klytämnestra
Und müsst' ich jedes Tier, das kriecht und fliegt,
zur Ader lassen und im Dampf des Blutes
aufsteh'n und schlafen gehn wie die Völker
des letzten Thule in blutroten Nebel:
ich will nicht länger träumen.
Elektra
Wenn das rechte
Blutopfer unter'm Beile fällt, dann träumst du
nicht länger.


Elektra weiss die Antwort.
Sie weiss auch, welches das rechte Blutopfer ist.
Aber davon wäre dann an anderer Stelle zu reden!

Auch diese Szene ist übrigens eine, die für mich wesentlich davon lebt, dass ich hören kann, was die Träume mit der Frau angerichtet haben. Wenn die Sängerin das nicht schafft, hilft mir auch keine Schauspielerei.

Hier denn auch eine der zahllosen Video-Aufzeichnungen, die man bei Youtube abrufen kann!
Sie lohnt, weil Varnay alles in Stimme und Gesang mitteilt und zugleich in Mimik und Gestik!
Was für ein Glück, dass ich Sängerinnen wie Varnay, Mödl, Dalis in der Partie wiederholt hören konnte!

Der hier gemeinte Ausschnitt aus der Klytämnestra-Szene beginnt etwa nach 15 Minuten!



Und dann kündige ich schon mal an:
Mein nächster Beitrag zum Thema Träume in der Oper wird kaum erbaulicher.
Deshalb warte ich erst mal noch etwas damit!

Caruso41
;) - ;) - ;)

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Rheingold1876

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38

Sonntag, 27. Dezember 2015, 16:55

Engelbert Humperdinck: Hänsel und Gretel

Aus dem dritten Bild: Die Kinder regen sich. Gretel reibt sich die Augen, blickt um sich und richtet sich ein wenig auf während Hänsel sich auf die andere Seite legt, um weiter zu schlafen.

Gretel
Wo bin ich? Wach' ich? Ist es ein Traum?
Hier lieg' ich unterm Tannenbaum!
Hoch in den Zweigen da lispelt es leise,
Vöglein singen so süße Weise,
wohl früh schon waren sie aufgewacht
und haben ihr Morgenliedchen dargebracht.
Ihr lieben Vöglein, liebe Vöglein,
guten Morgen!

(Sie wendet sich zu Hänsel.)

Sich da, der faule Siebenschläfer!
Wart nur, dich weck' ich!
Ti-re-li-re-li, 's ist nicht mehr früh!
Ti-re-li-re-li, 's ist nicht mehr früh!
Die Lerche hat's gesungen
und hoch sich aufgeschwungen.
Ti-re-li-re-li
usw.

Hänsel
(Plötzlich mit einem Satze in die Höhe springend)
Ki-ke-ri-ki! 's ist noch früh!
Ki-ke-ri-ki! 's ist noch früh!
Ja, hab's wohl vernommen:
Der Morgen ist gekommen!

Gretel
Ti-ti-ti-ti-ti-re-li-re usw.

Hänsel
Ki-ke-ri-ki! Ü-ü-ü-ü-ü
usw.

Mir ist so wohl, ich weiß nicht wie!
So gut wie heute schlief ich noch nie!

Gretel
Doch höre nur: Hier, unterm Baum,
hatt' ich 'nen wunderschönen Traum!

Hänsel
(nachdenklich)
Richtig! Auch mir träumte was!

Gretel
Mir träumte, ich hör' ein Rauschen und Klingen,
wie Chöre der Engel ein himmlisches Singen.
Lichte Wölkchen in rosigem Schein
wallten und wogten ins Dunkel hinein.
Siehe: Helle ward's mit einem Male,
licht durchflossen vom Himmelsstrahle,
eine gold'ne Leiter sah ich sich neigen,
Engel hernieder steigen,
gar holde Englein mit gold'nen Flügelein.

Hänsel
(sie lebhaft unterbrechend)
Vierzehn müssen's gewesen sein!

Gretel
(erstaunt)
Hast du denn alles dies auch gesehen?

Hänsel
Freilich, 's war wunderschön!

Zum nachhören aus einer Aufnahme des DDR-Labels Eterna mit Ingeborg Springer (Hänsel) und Renate Hoff (Gretel), begleitet von der Staatskapelle Dresden unter Leitung von Otmar Suitner.


Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Caruso41

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  • »Caruso41« ist männlich

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39

Montag, 28. Dezember 2015, 22:58

Wie schön, lieber Rheingold, dass Du die Suche nach Träumen in der Oper weitergeführt hast. Und dann noch mit einem so stimmungsvollen, bestens in die Jahreszeit passenden Traum!
Danke!
Da mag ich gar nicht mit der Traumoper weitermachen, auf die ich eigentlich hinweisen wollte. Das ist vielleicht zwischen Weihnachten und Jahreswechsel zu alptraumhaft!

Also nenne ich erst mal einen wunderschönen Traum, der gerade Wirklichkeit zu werden verspricht:

Die Schlussszene des Rosenkavalier von Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss!
Zu Erinnerung auch hier der Text, die selig schwelberischen Klänge müsst Ihr Euch einfach selber vorstellen:

SOPHIE
zugleich mit Octavian
Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein, dass wir zwei beieinander sein, beieinand' für alle Zeit und Ewigkeit!

OCTAVIAN
ebenso
War ein Haus wo, da warst du drein, und die Leut' schicken mich hinein, mich gradaus in die Seligkeit! Die waren g'scheit!

SOPHIE
Kannst du lachen? Mir ist zur Stell' bang wie an der himmlischen Schwell!
Halt' mich, ein schwach Ding, wie ich bin, sink' dir dahin!

Sie muss sich an ihn lehnen. In diesem Augenblick öffnen die Faninalschen Lakaien die Tür und treten herein, jeder mit einem Leuchter. Durch die Tür kommt Faninal, die Marschallin an der Hand führend. Die beiden jungen stehen einen Augenblick verwirrt, dann machen sie ein tiefes Kompliment, das Faninal und die Marschallin erwidern. Faninal tupft Sophie väterlich gutmütig auf die Wange.

FANINAL
Sind halt aso, die jungen Leut'!

MARSCHALLIN
Ja, ja.

Faninal reicht der Marschallin die Hand, führt sie zur Mitteltür, die zugleich durch die Livree der Marschallin, darunter der kleine Neger, geöffnet wurde. Draussen hell, herinnen halbdunkel, da die beiden Diener mit den Leuchtern der Marschallin voraustreten. Octavian und Sophie, allein im halbdunklen Zimmer, wiederholen leise.

OCTAVIAN
zugleich mit Sophie
Spür' nur dich, spür' nur dich allein und dass wir beieinander sein! Geht all's sonst wie ein Traum dahin vor meinem Sinn!

SOPHIE
zugleich mit Octavian
Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein, dass wir zwei beieinander sein, beieinand' für alle Zeit und Ewigkeit!


Hoffen wir, dass "Zeit und Ewigkeit" nicht irgendwann zu einem Alptraum werden!

Auf einen ganz beklemmenden Alptraum komme ich ganz bestimmt später zu sprechen.
Da geht es dann auch genau um die Frage, was Traum ist und was Wirklichkeit und ob der Alptraum nicht am Ende alle Ewigkeit dauert!

Jetzt sind erst mal wieder andere dran!

Caruso41
;) - ;) - ;)

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Caruso41

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  • »Caruso41« ist männlich

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40

Montag, 28. Dezember 2015, 23:02

Hier doch noch ein Tondokument:



und wer mit Rothenberger nicht zufrieden ist, mag sich vielleicht eher darüber freuen:

;) - ;) - ;)

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Alfred_Schmidt

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  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

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41

Montag, 28. Dezember 2015, 23:51

"Der Traum in der Klassischen Musik" - Da erhebt sich die Frage ob der Bereich "Musical" noch zur klassischen Musik zählt. Ich würde sagen - das hängt vom Musikcal ab, "Anatevka" ("Fiddler on the Roof") ist ein "klassisches Musikalisches Bühnenstück - wohl wert hier genannt zu werden.Insbesondere die Tramszene ist bemerkenswert, ist sie doch unter anderem auch ein exemplarisches Beispiel, wie man einen erfundenen Traum dazu verwenden kann, seinen Willen durchzusetzen, indem man sich hinter der angeblichen Willensäusserung einer charismatischeren (wenngleich schon verstorbenen)Person verschanzt als man selber ist.....
Mit etwas Hirnschmalz gleicht man das aus....



man beachte die perfekte REGIE beim 2. Videobeispiel .....

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Caruso41

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  • »Caruso41« ist männlich

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42

Freitag, 1. Januar 2016, 17:20

"Julietta" von Bohuslav Martinů

Wer über Träume in der Oper spricht, kommt an "Julietta" von Bohuslav Martinů kaum vorbei.
Der Text ist von Martinu selbst - nach "Juliette, ou la Clé des songes" von Georges Neveux.

In dieser Oper sind wir im dritten Akt in einem Traumbüro, in dem Menschen die Verwirklichung ihrer Träume kaufen können. So will der Hotelboy einen Wildwestfilm erleben, der Sträfling träumt von der Freiheit, ein blinder Bettler von einer Urlaubsreise, der Lokomotivführer fragt nach seiner toten Tochter. Die Verteilung der Träume nimmt ein sturer Beamter eigensinnig nach Quoten vor. Und in den Träumen des Sträflings, des Hotelboys, des Bettlers und des Lokomotivführers spielt jeweils eine Juliette eine entscheidende Rolle!
Kafkaesker geht es kaum.

Einer der Kunden in dem Traumbüro ist Michel. Er hat sich in eine junge Frau, die er vor mehr als drei Jahren am Fenster singen hörte, verliebt und war zu Beginn des ersten Aktes wieder in die südfranzösische Hafenstadt gekommen. Er träumte von dem Lied, das sie damals gesungen hatte, und war von dem Verlangen getrieben, sie wieder zu treffen. Doch alles ist irgendwie anders geworden: Die Stadt liegt nicht mehr am Meer sondern mitten im Wald. Die Bewohner haben ihre Erinnerungen verloren. Niemand kann ihm bei seiner Suche nach Julietta helfen. Alle leben nur in der Gegenwart. Ein Händler handelt mit Erinnerungen, die aber die Kunden nicht zusammensetzen können. Juliette kann sich auch an Michel nicht erinnern. Vielleicht hat sie ihn damals auch gar nicht wahrgenommen? Aber als der Händler der Erinnerungen ihr Bilder von Spanien verkauft, bildet sie sich ein, sie sei einst mit ihm durch Spanien gereist.

In der eigenartig surrealen Welt gerät Michel (schon im ersten und dann weiter im zweiten Akt) in viele ungemein komische und sonderbare Situationen, erlebt er Merkwürdiges und Abstruses. Das im einzelnen zu erzählen und den Gang der Handlung zu skizzieren, muss ich mir hier sparen.
Für unseren Zusammenhang mag genügen festzustellen, dass dies alles für Michel zum Albtraum wird. Als Julietta sich gewaltsam von Michel trennen will, versucht er sie zurückzuhalten und schießt mit der Pistole auf sie. Ein Schrei ist zu hören, dann tritt Stille ein. Vor einer Verurteilung wegen Mordes rettet Michel der Handleser, der ihm rät, eine völlig neue Geschichte zu erzählen. Er versucht aufzuklären, was geschehen ist. Von Julietta aber findet er nur einen Schleier und immer noch hört er ihre Stimme. Verzweifelt und total verwirrt geht er am Ende des 2. Aktes an Bord eines Schiffes, um der Stadt zu entfliehen.

Aber dieses Schiff verwandelt sich in das Traumbüro, das ich eingangs erwähnte.
Hier nun will Michel seinen Traum mit Julietta kaufen. Der Beamte warnt ihn aber, keinesfalls länger hier zu bleiben, sonst werde er wahnsinnig werden und müsse immer im Traumland leben. Aber Michel hört hinter einer Tür abermals Juliettas Stimme. Obwohl ein Nachwächter ihm versichert, dass da niemand sei, bleibt er in der Traumwelt gefangen. Der dritte Akt endet genau, wie der erste begann. Die Oper könnte neu beginnen.
Ein ewiger Albtraum auf der schmalen Trennlinie zwischen Traum und Wirklichkeit, Leben und Illusion, Sehnsucht und Wahnsinn.

Die Musik malt diese merkwürdig surrealen Welten und die ihn ihr herrschenden Schwebezustände, Ambivalenzen, Unsicherheiten bestechend suggestiv aus! Als Opernbesucher kann man den Verdacht nicht loswerden, auch diesen Albtraum habe ihm das Traumbüro verkauft. Ob man sich daraus wieder befreien kann? Ob es eine Flucht zurück in die Realität gibt?

Eine aufregende Oper!
Es wundert nicht, dass sie im Augenblick viel gespielt wird:
in Paris mit Alexia Cousin und William Burden,
in Zürich mit Annette Dasch und Joseph Kaiser,
in London (ENO) mit Julia Sporsen und Peter Hoare,
in Frankfurt mit Juanita Lascarro und Kurt Streit,
in Bremen mit Nadja Stefanoff und Hyojong Kim.
In Genf mit Nataliya Kovalova und Kurt Streit.
Sicher noch an weiteren Bühnen?

Und im Juni kommt Barenboim in Berlin mit Magdalena Kožená und Rolando Villazón.



Ich habe die erwähnte Aufführung in Bremen und zuletzt eine konzertante Aufführung der Fragmente unter Tomas Netopil bei den Berliner Philharmonikern gehört, in der Magdalena Kožená und Steve Davislim sangen.

Und natürlich liebe ich die Aufnahme unter Jaroslav Krombholc mit Ivo Zidek und der unvergessenen Maria Tauberová. Gut, dass sie wieder im Handel ist. Auch die Fragmente unter Mackerras sind erfreulicherweise verfügbar!
Und recht viel bei Youtube!
Sogar die komplette Supraphon-Aufnahme!



Es würde mich interessieren, wie andere Opernaficionados dieses Werk erlebt haben und ob sie ähnlich fasziniert davon sind.

Ein gutes Neues Jahr ohne Albträume

wünscht
Caruso41
;) - ;) - ;)

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Dr. Holger Kaletha

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43

Freitag, 1. Januar 2016, 17:55

Und natürlich liebe ich die Aufnahme unter Jaroslav Krombholc mit Ivo Zidek und der unvergessenen Maria Tauberová. Gut, dass sie wieder im Handel ist.

Die habe ich auch, lieber Caruso! :D Bevor ich mich damit näher beschäftige kommen allerdings erst einmal "Hoffmanns Erzählungen". Karten dafür sind schon gekauft... :hello:

Schöne Neujahrsgrüße
Holger

Caruso41

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44

Freitag, 1. Januar 2016, 22:12

Und natürlich liebe ich die Aufnahme unter Jaroslav Krombholc mit Ivo Zidek und der unvergessenen Maria Tauberová. Gut, dass sie wieder im Handel ist.
Die habe ich auch, lieber Caruso! :D Bevor ich mich damit näher beschäftige kommen allerdings erst einmal "Hoffmanns Erzählungen". Karten dafür sind schon gekauft... :hello:

Schöne Neujahrsgrüße
Holger

Lieber Holger!

Ob wohl in "Les contes d'Hoffmann" auch geträumt wird?
Im Suff?
Nicht wenige Inszenierungen haben das so erzählt.

Aber mehr interessiert mich denn doch Deine Meinung zu "Juliette" von Martinu. Da ich von dem Werk weder ein französischsprachiges noch ein deutschsprachiges Textbuch habe , bin ich nicht sicher, wie stimmig meine Deutung unter der Fragestellung dieses Threads ist.
Wäre ja schön, wenn so etwas hier geklärt werden könnte, denn das schiere Aufzählen von Traumerzählungen oder Traumszenen bringt ja noch nicht viel.
Ich wäre ja auch mal auf eine Rückmeldung von Woka gespannt, der die Frage für diesen Thread gestellt hat.

Beste Grüße

Caruso41
;) - ;) - ;)

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Dr. Holger Kaletha

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45

Freitag, 1. Januar 2016, 23:15

Ob wohl in "Les contes d'Hoffmann" auch geträumt wird?
Im Suff?
Nicht wenige Inszenierungen haben das so erzählt.
Lieber Caruso,

da bin ich auch auf die Inszenierung von Ulrich Peters gespannt! :)

Aber mehr interessiert mich denn doch Deine Meinung zu "Juliette" von Martinu. Da ich von dem Werk weder ein französischsprachiges noch ein deutschsprachiges Textbuch habe , bin ich nicht sicher, wie stimmig meine Deutung unter der Fragestellung dieses Threads ist.
Wäre ja schön, wenn soetwas hier geklärt werden könnte, denn das schiere Aufzählen von Traumerzählungen oder Traumszenen bringt ja noch nicht viel.
Da hast Du mich wirklich sehr, sehr neugierig gemacht. Zu meiner Schande muß ich gestehen, dass ich Juliette auf der Bühne nie gesehen habe und ich bisher auch nicht dazu gekommen bin, mich mit dem Werk zu beschäftigen. Ein Textbuch hätte ich dazu auch sehr gerne (möglichst zweisprachig) - aber ob es so etwas gibt? Bei meiner Kurzrecherche habe ich leider nichts gefunden! :hello:

Herzlich grüßend
Holger

Bertarido

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46

Samstag, 2. Januar 2016, 11:01

"Julietta" von Bohuslav Martinů

Lieber Caruso,

ich danke Dir sehr für den Hinweis auf diese Traum-Oper von Martinů, die mir - ich muss es gestehen - bislang nicht einmal dem Namen nach bekannt war. Deine Beschreibung hört sich so interessant an, dass ich mir so bald wie möglich die von Dir erwähnte Aufnahme mit Krombholc besorgen muss. Es scheint die einzige überhaupt erschienene Gesamtaufnahme in tschechischer Sprache zu sein, oder gibt es noch eine andere? Wenn die Oper nun auch öfter aufgeführt wird, erscheint vielleicht auch irgendwann einmal ein Mitschnitt auf DVD.

Herzliche Grüße
Bertarido

Caruso41

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47

Samstag, 2. Januar 2016, 11:33

ich danke Dir sehr für den Hinweis auf diese Traum-Oper von Martinů, die mir - ich muss es gestehen - bislang nicht einmal dem Namen nach bekannt war. Deine Beschreibung hört sich so interessant an, dass ich mir so bald wie möglich die von Dir erwähnte Aufnahme mit Krombholc besorgen muss. Es scheint die einzige überhaupt erschienene Gesamtaufnahme in tschechischer Sprache zu sein, oder gibt es noch eine andere? Wenn die Oper nun auch öfter aufgeführt wird, erscheint vielleicht auch irgendwann einmal ein Mitschnitt auf DVD.

Lieber Bertarido!

Ich jedenfalls kenne nur diese Aufnahme und diverse Aufnahmen der "Fragmente aus Juliette".
Besonders empfehlenswert:



Zudem weiss ich, dass die ORF-Übertragung der Aufführung in Bregenz 2002 auch als CD und als DVD kursiert. Damals sangen Westbroek und Chum. Ich habe davon bisher nichts gehört un kann über die Aufführung nichts sagen. Aber: gesungen wird deutsch!



Es gibt auch einen Mitschnitt der Aufführung in Aix en Provence vom selbe Jahr. Kenne ich aber auch nicht!
Weiss auch nicht, wo der zu besorgen wäre. Vielleicht hilft diese Einführung:



Von der Pariser Aufführung gibt es etliche Szenen auf Youtube - aber unzusammenhängend!

13 novembre 2002, Opéra Bastille (Paris)
Alexia Cousin : Juliette
William Burden : Michel
and also : Laurent Naouri, Alain Vernhes, etc.
Orchestre de l'Opéra National de Paris
Marc Albrecht
Fang mal hiermit an:



Beste Grüße

Caruso41
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Caruso41

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48

Samstag, 2. Januar 2016, 12:09

Noch ein Nachtrag:

In der Bibliothek der Universität Toronto gibt es eine von Charles Bruck dirigierte Aufnahme - auch in französischer Sprache mit André Esposito und Jean Giraudeau, die bei Chant du Monde 1990 erschienen ist:
Bohuslav Martinů, Juliette ou la clé des songes (Le petit arabe). Orchestre lyrique de la RTF, direction : Charles Bruck. (Le Chant du Monde LDC 278995.96)

;) - ;) - ;)

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Dr. Holger Kaletha

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49

Samstag, 2. Januar 2016, 17:20

Das Textbuch der Krombholc-Aufnahme ist übrigens 4sprachig (tschechisch, deutsch, englisch, französisch) - Hut ab! Deswegen ist es allerdings auch etwas mühsam zu lesen (viel Umblättern!) :hello:

Schöne Grüße
Holger

musikwanderer

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50

Samstag, 2. Januar 2016, 17:43

Lieber Caruso41,

so wie Du einen kleinen Vorgeschmack auf "Juliette" postest, könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass daraus eine recht interessante Inhaltsangabe würde. Ich könnte dann meine Vormerkung gerne vergessen.

Will doch mal - bitte!

:hello:
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MUSIKWANDERER

Caruso41

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51

Sonntag, 3. Januar 2016, 11:41

Lieber Caruso41,

so wie Du einen kleinen Vorgeschmack auf "Juliette" postest, könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass daraus eine recht interessante Inhaltsangabe würde. Ich könnte dann meine Vormerkung gerne vergessen.

Will doch mal - bitte! quote]
;) - ;) - ;)

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Caruso41

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52

Sonntag, 3. Januar 2016, 11:44

Lieber Musikwanderer,

bitte nimm es mir nicht übel, aber ich verspüre überhaupt keine Lust, eine Inhaltsangabe einer Oper zu schreiben, von der es in Opernführern, Programmheften, Musiktheater-Enzyklopädien, CD-Beiheften und nicht zuletzt im Internet bereits dutzende von Inhaltsangaben gibt.

Es macht mir Spaß, eine Oper unter einer bestimmten Perspektive aufzuschließen. Darum habe ich mal versucht, die surreale Geschichte, die in 'Juliette' erzählt wird, unter der Fragestellung dieses Threads, in dem es um Träume geht, zu beleuchten. Da gäbe es übrigens noch ziemlich viel zu fragen und zu sagen.
Georges Neveux ist halt so ganz einfach gar nicht beizukommen. Und: ob eine narrative Darstellung des Handlungsablaufes für jemanden, der Interesse an dieser Oper hat, besonders hilfreich ist, bezweifele ich durchaus.

Vielleicht geht ja die Beschäftigung mit dem Stoff und dem Werk hier (oder in einem eigenen Thread) weiter. Fände ich spannend.
Da wäre ich dann auch sicher weiter dabei.
Vielleicht kämen wir dann intensiver auf Fragen von Traum-und-Wirklichkeit-Konstruktionen, auf die Fragen nach Bewußtsein, Identität, Erinnerung und Vergangenheit, auf das Problem des Warencharakters von Träumen und so weiter. Es wäre auch interessant, die Oper mit dem Film von Marcel Carné zu vergleichen, der ja auch auf dem Theaterstück von Georges Neveux basiert. Und sicher gäbe es auch weitere externe Bezüge, die für die Analyse und das Verstehen der Oper von Martinů interessant wären. Schließlich mag sich gar die Frage stellen: sind wir nicht in der Oper immer in Traumwelten - nicht nur in denen, die hier bisher auf WoKa's Frage hin aufgezählt wurden.

Ich weiss nicht, ob WoKa mit seiner Frage soetwas im Sinne hatte oder ob es ihm erst mal nur um das Auffinden und Beschreiben von Motiven und Topoi ging.

Beste Grüße

Caruso41
;) - ;) - ;)

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operus

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53

Sonntag, 3. Januar 2016, 13:19

Eine der großartigsten Traumszenen in der Oper ist das Nachtgespräch zwischen Alberich und Hagen in Richard Wagners






"Götterdämmerung",




2. Aufzug, 1. Szene:

Alberich




Schläfst Du, Hagen mein Sohn?





Du schläfst und hörst mich nicht,





den Ruh und Schlaf verriet.





Hagen




Ich höre dich, schlimmer Albe:





Was hast Du meinem Schlaf zu sagen?






Alberich




Gemahnt sei der Macht




,
der du gebietest,





bist du so mutig




wie die Mutter dich mir gebar!





Hagen




Gab mir die Mutter Mut,





nicht mag ich ihr doch danken,





dass deiner List sie erlag:





frühalt, fahl und bleich,





hass' ich die Frohen,





freue mich nie!





Alberich





Hagen, mein Sohn!





Hasse die Frohen!





Mich Lustfreien,





Leidbelasteten





liebst Du so, wie Du sollst!





Bist Du kräftig,





kühn und klug:





die wir bekämpfen





mit nächtigem Krieg





schon gibt ihnen Not unser Neid.





Der einst den Ring mir entriss,





Wotan, der wütende Räuber,





vom eignen Geschlechte





ward er geschlagen:





an den Wälsung verlor er





Macht und Gewalt;





mit der Götter ganzer Sippe





in Angst ersieht er sein Ende,





Nicht ihn fürcht' ich mehr:





fallen muss er mit allen!





Schläfst du, Hagen mein Sohn?





Hagen





Der ewigen Macht,





wer erbte sie?





Alberich





Ich - und du!





Wir erben die Welt.





Trüg' ich mich nicht





in deiner Treu',





teilst du meinen Gram und Grimm.





Wotans Speer





zerspellte der Wälsung,





der Fafner, den Wurm,





im Kampfe gefällt





und kindisch den Reif sich errang.





Jede Gewalt





hat er gewonnen;





Walhall und Niebelheim





neigen sich ihm.





An dem furchtlosen Helden





erlahmt selbst mein Fluch:





denn nicht kennt er





des Ringes Wert,





zu nichts nützt er





die neidlichste Macht.





Lachend in liebender Brunst,






brennt er lebend dahin,





Ihn zu verderben,





taugt uns einzig!





Hörst du, Hagen mein Sohn?





Hagen





Zu seinem Verderben





dient er mir schon.





Alberich





Den goldnen Ring,





den Reif gilt's zu erringen!





Ein weises Weib





lebt dem Wälsung zulieb:





riet es ihm je





des Rheines Töchtern,





die in Wassers Tiefen





einst mich betört,





zurückzugeben den Ring,





verloren ging mir das Gold,





keine List erlangte es je.





Drum, ohne Zögern





ziel auf den Reif!





Dich Zaglosen





zeugt' ich mir ja,






dass wider Helden





hart du mir hieltest.





Zwar nicht stark genug,





den Wurm zu bestehn,





was allein dem Wälsung bestimmt,





zu zähem Hass doch





erzog ich Hagen,






der soll mich nun rächen,





den Ring gewinnen





dem Wälsung und Wotan zum Hohn!





Schwörst du mir's, Hagen, mein Sohn?





Hagen





Den Ring soll ich haben:





harre in Ruh'!





Alberich





Schwörst du mir's, Hagen mein Held?





Hagen





Mir selbst schwör ich's





schweige die Sorge!





Alberich





Sei treu, Hagen, mein Sohn!





Trauter Helde! - Sei Treu!





Sei treu! - Treu!








Herzlichst


Operus




Eine maßstabsetzende Realisierung dieser Traumszene wird im Solti-Ring von Gustav Neidlinger, Alberich - und Gottlob Frick, Hagen geboten.
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

Caruso41

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54

Sonntag, 3. Januar 2016, 15:04

Eine der großartigsten Traumszenen in der Oper ist das Nachtgespräch zwischen Alberich und Hagen in Richard Wagners "Götterdämmerung",


Lieber Operus,
es hätte mich ja doch interessiert, was diese Szene für Dich zu einer "der großartigsten Traumszenen in der Oper " macht.

Für mich ist sie immer eher eine der Szenen im Ring, die Wagner zwar braucht, um dem Besucher die Zusammenhänge der ganzen Geschichte ins Gedächtnis zu bringen, die ich aber eher nutze, Kraft zu sparen, um dann wieder konzentrierter hören zu können. Musikalisch finde ich sie weniger interessant.

Beste Grüße

Caruso41
;) - ;) - ;)

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WoKa

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55

Sonntag, 3. Januar 2016, 17:18

Ich weiss nicht, ob WoKa mit seiner Frage soetwas im Sinne hatte oder ob es ihm erst mal nur um das Auffinden und Beschreiben von Motiven und Topoi ging.


Zitat

Ich wäre ja auch mal auf eine Rückmeldung von Woka gespannt, der die Frage für diesen Thread gestellt hat.


Hallo!

Caruso fragt, ob die Entwicklung des Threads in meinem Sinne, d.h. im Sinne desjenigen sei, der das Thema aufgemacht hat.

Erstmal freue ich mich sehr, dass ein recht spontaner Gedanke meinerseits das Interesse vieler Taminos gefunden hat. Wie ich an anderer Stelle schon angemerkt habe, bin ich bei Tamino sehr häufig ein Lernender. Auch in der Entwicklung dieses Threads habe ich viel Neues erfahren, was mich neugierig macht. Für mich ist es daher vollkommen in Ordnung, wenn sich zu einem Unterthema, das sich unter die Themenstellung subsummieren lässt, eine vertiefte Betrachtung entsteht. Insofern entwickelt der Thread ein Eigenleben, das ich nicht steuern möchte.

Eine "Steuerung" sollte m.E. nur erfolgen
- wenn das jeweilige Unterthema eine solche eigenständige Gewichtung erfährt, dass eine "Auslagerung" in einen eigenständigen Thread sinnvoll wäre oder
- bei Abgleiten in Themen, die sich dem Thema des Traumes in der klassischen Musik nicht mehr zuordnen lassen.

Ansonsten lese ich fasziniert mit. Dass ich mich nicht beteilige liegt einzig daran, dass hier Kompetenzen versammelt sind, die mein Wissen zum Thema weit übersteigen.

Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

operus

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56

Sonntag, 3. Januar 2016, 18:26

es hätte mich ja doch interessiert, was diese Szene für Dich zu einer "der großartigsten Traumszenen in der Oper " macht.

Für mich ist sie immer eher eine der Szenen im Ring, die Wagner zwar braucht, um dem Besucher die Zusammenhänge der ganzen Geschichte ins Gedächtnis zu bringen, die ich aber eher nutze, Kraft zu sparen, um dann wieder konzentrierter hören zu können. Musikalisch finde ich sie weniger interessant.


Lieber Caruso,

danke für Deine Reaktion und Stellungnahme. Wie Du selbst schreibst ist diese Szene für das Verständnis der Zusammenhänge des Geschehens in der "Götterdämmerung" wichtig. Sie unterstreicht die schicksalshafte Verstrickung des Hagen in Blutsbande, zeigt seinen erblich vorbelasteten, freudlosen Charakter und die Motivation seines Handelns auf. Musikdramatisch finde ich es äußerst gelungen, dass Wagner dieses nahezu kontemplative Zwiegespräch vor die wuchtige Mannenszene stellt. Großartig auch mit welcher Suggestion Alberich um die Dienste und Treue seines Sohnes buhlt und dadurch offenbar wird, dass er den Zaglosen bereits beim Zeugungsakt als mit zähem Hass erfüllten Rächer und Vollstrecker seiner Intrigen plante. Wenn diese Szene dann noch gelungen inszeniert wird - ich sah sie z. B. mit projizierten Bildern, wo Alberich Hagen immer wieder umkreiste, ständig im Einklang mit Musik und Szene mehr und mehr bedrängte, ihn im Schlaf umhüllte, ja fast in ihn eindrang - dann ist das wahrlich eine Traumszene von aller größter Wirkung. Vielleicht noch interessant in diesem Zusammenhang: Ich moderierte vor kurzem beim Opernclub München ein Künstlergespräch mit KS. Kapellmann, einem der weltweit bewährten "Daueralberiche". Er hatte als Video-Beispiel aus dem Stuttgarter Jahrtausend Ring aus der "Götterdämmerung" ,Regie Peter Konwitschny, genau das Nachtgespräch ausgewählt. Auf meine Frage, warum diese Szene und nicht z. B. Alberichs Fluch antwortete er: "Dies ist für mich eine der gesanglich, darstellerisch intensivsten Szenen des Alberich".

Herzlichst
Operus
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Rheingold1876

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57

Sonntag, 3. Januar 2016, 19:07

Diesmal konnte ich Caruso auch nicht folgen in der Bewerung und Einordnung der nächtlichen Szene zwischen Hangen und Alberich, die ich - im Gegensatz zu Operus allerding nicht zwingend als Traum oder traumähnlich qualifizieren würde. Sie könnte aber durchaus in diesem Sinne inszeniert werden. Für mich ist die Szene viel mehr als der im RING mehrfach anzutreffende Rückgriff auf die bisherige Handlung. Das ist sie allerdings auch. Aber nur fast nebenbei. Wenn man nämlich genau hinschaut auf deratige Rückblicke, wird oft ein ganz bestimmte Erzählweise, Absicht und Kommentierung hineingelegt, je nachdem, wer erzählt und sich erinnert. Das ist aber ein anderes Thema. Die Hangen-Alberich-Begegnung enthält viele Informationen, die wir bis dahin nicht kannten. Es kommt nämlich die Mutter ins Gespräch. Für mich ist diese Szene Ausdruck einer völlig gescheiterten Vater-Sohn-Beziehung. Die Machfrage stellt sich mit aller Wucht. Sie greift also ein Thema auf, das Wagner lebenslang beschäftigte. Und wie ist das dramturgisch ausgedacht und musikalischen umgesetzt! Diese falen Klänge, ganz von unten, ganz ohne Hoffnung und Licht und ohne Liebe. Nur Kälte. Ich kenne kein ähnliches Beispiel. Hier ist Wagner ganz groß, was in der "Götterdämmerung", die ich für den schwächsten Teil des "Rings" halte nicht immer so gelingt. Dass ich einmal mit Peter Konwitschny übereinsteimme, hätte ich bis vor zehn Minuten auch nicht gedacht. ;)

Gruß Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

Caruso41

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58

Montag, 4. Januar 2016, 15:01

der Bewerung und Einordnung der nächtlichen Szene zwischen Hangen und Alberich


Lieber Operus, lieber Rheingold!

Kein Widerspruch!

So wie ihr die Szene lest und versteht, ist sie sie zweifelsfrei eine bedeutende Szene in der Dramaturgie des Ring. Vielleicht wird sie sogar fesselnd, wenn ein so kluger und gründlich nachdenkender Regisseur wie Peter Konwitschny sie ins Bild setzt (Ich habe die Stuttgarter Inszenierung nicht gesehen, aber mal erlebt, wie Konwitschny seine Deutung der Waltrautenszene nachgezeichnet hat. Das war total erhellend! Und natürlich kenne ich etliche andere Arbeiten von ihm.)!
Allerdings stützt Ihr Euch beide bei Ihrer Argumentation eher auf den Text und seine Bedeutung.

Mir ging es aber überhaupt nicht um die Bewertung und Einordnung der Szene. Ich hatte mich lediglich gewundert, dass Operus sie als "eine der großartigsten Traumszenen" gerühmt hat.
Ganz abgesehen davon, dass ich auch bezweifle, dass dies eine Traumszene ist (Was deutet denn darauf hin, dass Alberich nur Hagen nur im Traum erscheint?), finde ich sie - ich bleibe mal bei Operus Vokabel - nicht wirklich "großartig".
Mein Bezugspunkt ist bei diesem Urteil weniger der Text als die Musik, die ich in der Szene wirklich nicht spannend finde. Da wird motivisch auf die düstere Stimmung vom Wachtgesang zurückgegriffen ohne dass etwas vorangebracht oder weiterentwickelt würde.Und wie Wagner hier das Mordmotiv einführt, ist ja nun auch nicht so genial, wie seine Motivarbeit ansonsten. Aber meinetwegen kann man das auch durchaus anders sehen. Für den Traum-Thread scheint mir das ohnehin nicht von Belang.

Da Operus noch auf Interpreten zu sprechen kam: ich habe sie eigentlich Jahre lang fast immer nur von Greindl/Neidlinger (in Berlin) oder von Frick/Kusche (in München gehört).

So, wenden wir uns wieder anderen Träumen zu. Ich habe noch eine längere Liste.
Allerdings hätte ich erst auch noch mal ein Interesse, gründlicher über die Traumebenen, Traumwirklichkeiten und Traumbedeutungen in Martinus "Juliette "zu diskutieren.

Beste Grüße miteinander

Caruso41
;) - ;) - ;)

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Caruso41

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59

Mittwoch, 13. Januar 2016, 15:23

Hängt dieser Thread jetzt etwa schon durch?
Es gibt doch noch so viele interessante Taumszenen und Traumerzählungen in der Oper.

Ich bringe jetzt erst mal die Traumerzählung des Prinzen von Homburg aus dem ersten Akt der Oper "Der Prinz von Homburg" von Hans Werner Henze!
Ganz dich am Text - aber atmosphärisch sehr dicht! Eindrucksvoll die gläsern-kühle, ganz artifizielle Klangwelt, in der die leere Quinte gleichsam zum Leitmotiv wird. Chrsitian Thielemann hat in Berlin diese somnambulen Mischklänge phantastisch stimmig entfaltet - das war faszinierend und ließ den Hörer zugleich frösteln.

Leider gibt es keine Aufnahme von der Aufführung unter Christian Thielemann mit Dietrich Henschel.

Hier der komplette erste Akt - immerhin mit LeRoux als Prinz:



Und hier die Traumerzählung, falls jemand sie nicht im Zusammenhange des ganzen Aktes hören möchte:



Caruso41
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JLang

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60

Samstag, 30. Januar 2016, 00:07

Ich dachte beim Thema spontan an Bellini, La sonnambula,

Die Schlafwandlerin Amina erlebt, wenn ich mich recht entsinne im Traum die Hochzeit und findet sich dann im Bett des Grafen wieder. Die gesamte Oper ist ein schönes Beispiel für das Changieren zwischen Traum und Realität. Ich mag sie unter den Belcanto-Opern ganz besonders. Eine Aufnahme, die ich vor allem wegen Flores und Arcangelo schätze ist folgende. Über Bartoli kann man streiten, ich finde ihre Stimme auf CD meist sehr gut, auch wenn sie mir auf dieser Aufnahme passagenweise etwas zu sehr haucht und das doch übertrieben wirkt.



Mit bestem Gruß
JLang
Gute Opern zu hören, versäume nie
(R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)

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