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lutgra

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Donnerstag, 11. Juni 2015, 21:29

Vissarion Shebalin / Wissarion Schebalin

Da es mir inzwischen gelungen ist, eine der drei CDs mit den Streichquartetten von Vissarion Shebalin zu beschaffen, möchte ich hier einen neuen Thread zu diesem Komponisten starten. Eine Biographie zu verfassen ist - wie ich gerade feststellen durfte - gar nicht nötig, denn Ex-Tamino Holger Sambale hat das schon in idealer Manier getan. Ich erlaube mir, seinen Beitrag hierher zu holen. Schade übrigens, dass er nicht mehr hier schreibt, wir haben ziemlich viel gemeinsame Interessen.

An erster Stelle aber ein paar Informationen zum Lebensweg Schebalins.

Wissarion Jakowlewitsch Schebalin
Omsk, 11. Juni 1902 - Moskau, 28. Mai 1963

Schebalin wurde im sibirischen Omsk geboren; sein Vater war Lehrer an einer landwirtschaftlichen Schule, seine Mutter gab an einer Pfarrschule Unterricht. Schebalin wuchs in einem durchaus musischen Umfeld auf; er interessierte sich für Poesie und kam mit Musik (insbesondere Kammermusik) in Berührung. Nach Beendigung seiner Schullaufbahn begann er ein Studium an der Landwirtschaftlichen Akademie in Omsk, das er allerdings bald in Zusammenhang mit einer schweren Erkrankung abbrach. Stattdessen fand er kurzzeitig eine Stelle als Bilbiothekar der Staatlichen Oper Sibiriens an. In diesen Jahren, verhältnismäßig spät also, schrieb er seine ersten Kompositionen und besuchte ab 1921 das Musikkolleg von Omsk. Sein dortiger Lehrer machte ihn unter anderem mit neuester sowjetischer Musik bekannt, und insbesondere die Werke Nikolai Mjaskowski hinterließen bei Schebalin einen tiefen Eindruck.

Im Herbst 1922 begegnete Schebalin Mjaskowski zum ersten Mal. Bei dieser Gelegenheit stellte er ihm einige seiner Kompositionen vor, die Mjaskowskis Anerkennung fanden. Ab 1923 studierte Schebalin am Moskauer Konservatorium bei Mjaskowski, dessen Unterricht ihn nach eigener Aussagen nicht nur in musikalischer Hinsicht stark prägte. 1928 erhielt er sein Diplom mit höchsten Auszeichnungen; sein Prüfungswerk war seine Erste Sinfonie, die bereits 1926 mit großem Erfolg uraufgeführt worden war. Anschließend promovierte Schebalin und nahm selbst eine Lehrtätigkeit am Moskauer Konservatorium auf.

Aus dieser Zeit stammen viele wichtige Bekanntschaften in Schebalins Leben: sein Lehrer Mjaskowski wurde mit der Zeit zu einem Freund, der ihn in seinen Bekanntenkreis einführte. Weiterhin machte er mit dem jungen Schostakowitsch Bekanntschaft, mit dem er sein Leben lang befreundet blieb. Die beiden Komponisten unterhielten einen regen Briefwechsel, der nur zum Teil überliefert ist: Schostakowitsch pflegte seine Korrespendenz stets zu vernichten; nur Schebalins letzter Brief ist erhalten. Schostakowitschs Briefe an Schebalin hat jener dagegen sorgfältig aufbewahrt. Krzysztof Meyer überliefert, dass Schostakowitsch in seinem Arbeitszimmer die Bilder dreier Komponisten hängen hatte, nämlich Mahler, Mussorgski und Schebalin. Auch den Musikwissenschaftler Iwan Sollertinski lernte Schebalin in dieser Zeit kennen. In den 1930ern begann er außerdem, verstärkt Bühnen- und Filmmusik zu komponieren, insbesondere arbeitete er intensiv mit Wsewolod Meyerhold zusammen, der ihn sehr schätzte. Schebalin war zeitweilig Mitglied der Assoziation zeitgenössischer Musik, später des sowjetischen Komponistenverbandes.

In den 1930er Jahren wurde Schebalin Professor für Komposition am Moskauer Konservatorium, und seit 1942 war er Direktor des Konservatoriums. Seine Arbeit (nicht zuletzt in den schwierigen Kriegsjahren, in denen sich Schebalin nach Kräften um eine Aufrechterhaltung des Lehrbetriebs kümmerte) wird allgemein hoch geschätzt ("goldene Zeit des Moskauer Konservatoriums"). Überhaupt hat Schebalin eine bedeutende Rolle in der sowjetischen Musikhistorie gespielt, und das vor allem als Lehrer. Er unterrichtete unter anderem Edisson Denissow, Sofia Gubaidulina, Sergei Slonimski, Roman Ledenjow, Nikolai Karetnikow, Karen Chatschaturjan, Arno Babadschanjan, Tichon Chrennikow und nicht zuletzt den oben erwähnten Boris Tschaikowski. Es ist sogar so, dass seine kompositorischen Leistungen ein wenig in den Schatten seiner Tätigkeit als Pädagoge gerückt sind.

Im Jahre 1948 wurde Schebalin jedoch (im Rahmen der "Formalismus-Kampagne") öffentlich kritisiert und seiner Ämter enthoben. Über Schebalins Reaktionen habe ich unterschiedlich Angaben gelesen; das Spektrum reicht hier von leichtem Wiederspruch (was ja angesichts der Situation fast schon kühn zu nennen ist; gemäß Per Skans) bis hin zu Opportunismus und Denunziationen (Marina Lobanowa). Jedenfalls fand Schebalin am Institut für Militärmusik zeitweilige Möglichkeit, weiterhin Unterricht zu geben. An 1951 nahm er wieder seine Professur am Moskauer Konservatorium wahr. Im Jahre 1953 erlitt Schebalin einen Schlaganfall, infolgedessen er rechtsseitig gelähmt war und offenbar auch zumindest Sprachstörungen aufwies (nach Michail Segelman konnte er sogar überhaupt nicht mehr sprechen). Jedoch brachte er es sich bei, mit der linken Hand zu schreiben und war so nicht nur fähig, weiterhin zu komponieren (und zwar mit bewunderswerter Produktivität), sondern sogar schriftlich junge Komponisten zu unterrichten. Offensichtlich folgte im Jahre 1959 ein weiterer Schlaganfall, aber auch dieser brachte seine Kreativität nicht zum Erlahmen. Jedoch führte seine Krankheit dazu, dass er im Mai 1963 erst knapp 61-jährig starb.

Schebalins Musiksprache ist als Ganzes betrachtet eigentlich recht homogen. Ich erkenne keine substantiellen Unterschiede zwischen Früh- und Spätwerk, lediglich vielleicht eine etwas ruhigere, abgeklärte Ausdrucksweise in den Kompositionen aus seinen letzten Jahren. Ansonsten muss man Schebalin als recht konservativen, in der russischen Musiktradition fest verwurzelten Komponisten ansehen. Nicht umsonst hat Schebalin sich auch mit der Vervollständigung unvollendet hinterlassener Kompositionen etwa von Glinka und Mussorgski beschäftigt. Russische Folklore - zum Teil explizit zitiert, zum Teil in der melodischen Gestaltung eingeschmolzen - ist in seinem Schaffen immer wieder zu finden, sein Fünftes Streichquartett, das sogenannte "Slawische" aus dem Jahre 1942, für das Schebalin den Stalinpreis erhielt, baut zum Beispiel auf russischer, slowakischer, ukrainischer, polnischer und serbischer Folklore auf. Auch in der Sinfonietta, einem fröhlichen, vitalen Werk, finden sich russische Volksthemen unmittelbar wieder.

Wenn man ein großes Vorbild für Schebalin benennen sollte, müsste eindeutig der Name Mjaskowski fallen. Oft genug erinnert die Melodik, Harmonik und Rhythmik (man denke an Mjaskowskis oftmals charakteristisch sykopierte, sprunghaft gespannte Rhythmik) ganz klar an die Musik seines Lehrers, ohne freilich eine Stilkopie darzustellen. Schebalins Musik ist (neben einer etwas avancierteren Harmonik, allerdings auch wiederum nicht in allen Werken) vielleicht eine Spur extroviertierter als die seines Lehrers, wohl auch etwas farbiger (zum Beispiel hinsichtlich der Orchestration, die bei Mjaskowski ja insgesamt eher klassisch ist). Aber der grundsätzlich akademische Musikzugang, die Betonung des Handwerklichen und ein eher sachlicher Tonfall ist beiden Komponisten gemein. Zum Beispiel legte Schebalin großen Wert auf polyphone Gestaltung seiner Kompositionen.

Weitere, unterschiedlich stark ausgeprägte Einflüsse (dies differiert zum Teil auch von Werk zu Werk) sind der Neoklassizismus (die beiden Concertini op.14, oder neobarocke Einflüsse im Violinkonzert op.21) oder die Musik des Impressionismus - Schebalin bewunderte besonders in den 1920er Jahren die französische Musik, und etwa in den leicht elegisch-nebligen Anfangstakten der Zweiten Sinfonie meine ich eine impressionistische Farbgebung deutlich zu erkennen. Interessanterweise spielt die Musik seines Freundes Schostakowitschs im Schaffen Schebalins keine nennenswerte Rolle. Die bohrenden Rhythmen und den Sarkasmus Schostakowitschs finde ich in keinem der mir bekannten Werke Schebalins wieder, ein wenig eventuell in der Dritten Sinfonie, die aber auch stark auf Prokofjew verweist, übrigens zusammen mit dem Violinkonzert eines der modernsten Werke Schebalins. Im Violinkonzert finden sich (vor allem im ersten Satz) passagenweise sogar vorsichtige zwölftönige Elemente, wie Segelman bemerkt - allerdings ohne die Tonalität zu verlassen. In den wenig später entstandenen Streichquartetten ist davon aber wieder nichts mehr zu hören.

Schebalin hat auch propagandistische Werke komponiert, zu nennen wäre vor allem seine monumentale "Lenin"-Sinfonie nach Majakowski op.16 für Sprecher, Soli, Chor und Orchester. Ich habe dieses Werk erst kürzlich kennengelernt, den Impetus des ersten Satzes (rein orchestral) finde ich prachtvoll. Weiterhin ist seine Vierte Sinfonie, Mitte der 1930er Jahre entstanden, den "Helden von Perekop" gewidmet - Perekop ist eine Stadt auf der Krim, bei der die Rote Armee einen wichtigen Sieg im russischen Bürgerkrieg erringen konnte. In dieser Sinfonie zitiert Schebalin revolutionäre Lieder, unter anderem höre ich den Arbeitertrauermarsch "Unsterbliche Opfer" heraus. Allerdings ist eine große Anzahl von Schebalins Kompositionen nicht sujetgebunden.

Sein Oeuvre umfasst fünf nummerierte Sinfonien, deren 1925 komponierte Erste Mjaskowski, die 1962 entstandene Fünfte dessen Andenken gewidmet ist. Daneben gibt es vier Orchestersuiten, eine Sinfonietta, die erwähnte Lenin-Sinfonie, Ouvertüren, ein Violinkonzert, Concertini für Violine sowie Horn, Kantaten ("Moskau", 1946), Lieder und Chöre, zwei Opern ("Die Sonne über der Steppe" und "Der Wiederspenstigen Zähmung") sowie ein umfangreiches kammermusikalisches Oeuvre, in dessen Zentrum neun Streichquartette stehen, die sein gesamtes Schaffen umspannen (das erste von 1923, das letzte aus dem Todesjahr 1963), weiterhin Sonaten für diverse Instrumente, ein Streichtrio, ein Klaviertrio und so fort. Wenig davon ist auf CD erhältlich, Kurzstückmeister hat die CD mit dem Fünften und Neunten Quartett bereits genannt, außerdem hat Marie-Luise Neunecker das Hornconcertino eingespielt. Früher hatte Olympia alle Sinfonien und Streichquartette im Sortiment, die Quartette in sehr schönen neuen Aufnahmen mit dem damals noch blutjungen Krasni-Quartett (Studenten des Petersburger Konservatoriums der Jahrgänge 1977 bis 1980). Leider alles vergriffen, ich habe die entsprechenden CDs aber alle in meiner Sammlung.

Hinweisen möchte hier zum Schluss noch besonders auf mein persönliches Lieblingswerk, die Sinfonie Nr.5 C-Dur op.56, komponiert 1962. Wie bereits erwähnt ist dieses Stück dem Andenken Mjaskowskis gewidmet. Die Sinfonie steht in der Tradition russischer epischer Sinfonik, traditionell viersätzig und rund 30 Minuten lang. Die mir vorliegende Aufnahme stammt aus dem Jahre 1963, ein Live-Mitschnitt mit einem blendend aufgelegten Jewgeni Swetlanow am Pult. Die Sinfonie selbst ist in einem heiter-melancholischen Tonfall komponiert, strahl Gelassenheit und Souveränität ebenso wie höchst elegische, subtile Momente aus. Das chromatische Soloklarinettenthema vom Beginn ist recht charakteristisch und wird kurz vor Ende des vierten Satzes apotheotisch wiederholt, während das Ende des ersten Satzes bereits dasjenige des Schlusssatzes antizipiert. Zwischen den Ecksätzen steht eine Art "Nachtstück", an Mjaskowski gemahnend und unendlich traurig, sowie ein lebendiges, tänzerisches Scherzo. Das Finale lebt zunächst von einer ruhigen Heiterkeit, kecke, fröhliche Gesten scheinen auf. Im Verlauf mischen sich aber immer stärker melancholische (Moll-) Elemente in die Musik, und nach der erwähnten Wiederholung des Hauptthemas des ersten Satzes kommt es zu einer zauberhaften Coda voller Reminiszenzen, eine wundervolle Abend- (und Abschieds-) Stimmung, die zwischen C-Dur und c-moll pendelt und schließlich in friedlicher Stille entschwindet. Schon allein wegen dieser Mischung aus Bitterkeit und herbstlicher Schönheit eine meiner absoluten Lieblingssinfonien.

Viele Grüße
Holger

Ja, eine CD aus der erwähnten schon Seit langem vergriffenen GA des Krasni Quartetts nenne ich jetzt mein, die 3. Folge mit den Quartetten 6-8. Die 1. Folge habe ich gerade in USA bestellt, bei einem Einkaufspreis von € 0,49 sind die hohen Portokosten tragbar.

Die Quartette 6 und 7 bestätigen vieles, was Holger schreibt. Es sind klassisch viersätzige Werke, von 20-25 min Länge. SQ 6 entstand im Kriegsjahr 1943, SQ 7 im Katastrophenjahr 1948, aber der Gestus beider Werke ist eher optimistisch und fröhlich. Von der Verzweiflung eines Schostakowitsch ist hier nichts zu spüren. Nun könnte man diese Werke als irrelevant zur Seite legen, wenn sie denn nicht so wunderbare Musik enthielten. Auf die würde ich Zukunft ungern verzichten und ich könnte mir vorstellen, dass - richtig vermarktet - mit diesen Werken auch Geld verdient werden könnte. Die Aufnahmen klingen hervorragend und das Spiel des jungen Krasni Quartetts aus St. Petersburg ist bezwingend, wo sind diese Musiker abgeblieben? Also eine dicke Empfehlung, falls auch diese CDs mal über den Weg laufen, das ist russische Kammermusik vom Feinsten.

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lutgra

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Freitag, 12. Juni 2015, 10:27

3. Symphonie

Die 3. Symphonie von Vissarion Shebalin entstand in den Jahren 1934/35. Sie ist vom klassischen viersätzigen Typ und dauert etwas über eine halbe Stunde. Shebalin war kein Neuerer und somit liegt dies Werk in der Tradition von Rimsky-Korsakoff, Glasunow und Miaskovsky unter Einbringung von Schärfen und Modernismen a la Prokofieff und Schostakowitsch. Als geborener Melodiker steht er dem leichteren Prokofieff vielleicht am Nähesten. Je mehr ich von wenig bis gar nicht bekannte Komponisten aus dem Sowjetriesenreich höre, umso mehr bestätigt sich meine Vermutung, dass hier der größte noch zu hebende Musikschatz lagert.



Das USSR RSO wird in meiner Einspielung kompetent vom jungen Valery Gergiev geleitet. Schade nur, dass er statt uns mit einer schönen aktuellen GA der 5 Shebalin Symphonien zu begeistern, es vorzieht uns mit weitgehend überflüssigen Mahleraufnahmen zu behelligen.

Alfred_Schmidt

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3

Freitag, 12. Juni 2015, 13:00

Ich weiß, daß ich mit einem Beitrag, der allenfalls ein Coverbild zeigt, und wo ich die Aufnahme lediglich durch Abhören der kurzen jpc-Soundsamples "kenne" - nicht gerade das Gelbe vom Ei biete, aber es ist nun mal so, daß es wirklich kaum Aufnahmen gibt, daher ist jene - hier gezeigte - bei TOCCATA erschienene Einspielung mit Orchestermusik für den einen oder anderen interessant. Das VOL 1 auf der Plattenhülle gibt der Hoffnung Nahrung, daß weitere Folgen geplant sind. Zur Musik, soweit man nach wenigen Minuten hineinhören etwas verbindliches sagen kann, ist mir aufgefallen, daß es sehr eingängige, schmissisge Stellen gibt, die es einmal mehr unverständlich scheinen lassen, daß sich keine Plattenproduzenten dafür interessierten. Die Aufnahme ist soeben auf meine Bestelliste für Juli gewandert, sie passt gut in meinen Themenschwerpunkt "Russische Sinfonien und Konzerte"

mfg aus Wien
Alfred

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lutgra

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4

Freitag, 12. Juni 2015, 13:35

Die Aufnahme ist soeben auf meine Bestelliste für Juli gewandert, sie passt gut in meinen Themenschwerpunkt "Russische Sinfonien und Konzerte"

Ich habe sie auch gerade bestellt, direkt beim Verlag, da habe ich eine Subskription.

Alfred_Schmidt

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5

Sonntag, 3. April 2016, 18:07

Beim Erstellen neuer Thread-Directory Einträge bin ich wieder auf diesen Thread gestossen. Wollte ich nicht die abgebildete CD erwerben und darüber berichten ? -Warum habe ich die CD nicht wie verprochen bestellt ?
Ahh - habe ich doch - da liegt sie seit Monaten unberührt und originalverpackt. Machen wir uns also an die Arbeit und hören wir uns die beiden Orchestersuiten an.
Beide haben ein Programm, welches im (englischsprachigen) Booklet der CD jeweils genau erklärt wird.

Die Suite Nr 1 op 18 wurde am 12, Mai 1934 in Moskau uraufgeführt. Der Protagonist der zugrundeliegenden Geschichte, ein arbeitsloser Ingenieur namens Nunbach, der gezwungen ist sein Geld durch Verkauf von pornographischen Ansichtskarten zu bestreiten beendet sein Leben nach zahlreichen Enttäuschungen und Misserfolgen. Die Geschichte scheint mir ziemlich wirr zu sein, somit verzichte ich auf eine Beschreibung.
Auf jeden Fall ist die erste von 6 Musiknummern, der bombastische Trauermarsch dem Andenken der (fiktiven) Person Nunbach gewidmet. Die restlichen 5 Nummern sind äusserst originell instrumentiert und mehrheitlich klangschön, mit exotischen und Jazz-Elementen versehen. Eigentlich habe ich mir vorgenommen keine Vergleiche zu ziehen, aber einerseits kommen mir klanglicheElemente von Rimsky-Korsakoff und Gershwin in den Sinn- In Wahrheit ist die Tonsprache aber IMO unvergleichlich.

Die Suite Nr 2 op 22 bestand ursprünglich aus drei Teilen. Sie verwendete Teile von Shebalins Schauspielmusik zu "Die Kameliendame" von Alexandre Dumas. (1935) Der Komponist überarbeitete 1962 das Werk und fügte weitere Stücke hinzu.
Wie bereits bei der ersten Suite setzt Shebalin auf den Mix von tänzerischen Elementen, rhythmisch vorantreibenden Themen (Nr 2 Tarantella). Wie eine Oase der Ruhe wirkt der folgende Satz (Nr 3 Langsamer Walzer), verhalten und leise, ein Moment der Besinnung. Der Folgende Satz (Nr Bolero) holt uns wieder ins reale Leben zurück, voll Schwung Rhythmus und Tempo. Und wieder als Kontrast der folgende Abschnitt (Nr 5 Romantischer Walzer) der aber schnell durch den folgenden Satz (Nr 6 Potpourri) ersetzt wird. Hier scheinen keine Regeln zu gelten. Ziemlich plakativ werden Schlagistrumente eingesetzt. Wie schon der Name der folgenden Nummer andeutet (Nr 7 Romanze ohne Worte) folgt erneut ein eher stiller Abschnitt. Das Finale (Nr 7 Galopp) beginnt mit einem parodierten Hornsignal. Danach gehts erst richtig los - im extremen Tempo jagt nun ein Thema das andere, während der Komponist sich mit Pauken und Trompeten austobt......

mfg aus Wien
Alfred

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lutgra

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6

Sonntag, 19. August 2018, 15:59

Ich habe mich heute einmal etwas intensiver der Musik von Vissarion Shebalin speziell seinen Symphonien gewidmet.
Begonnen habe ich mit der 3. Symphonie, diesmal in der Aufnahme von Gennadi Roshdestvensky. Da mich die Symphonie wieder sehr stark angesprochen hat, habe ich dann via youtube die Symphonien 2 und 4 nachgeschoben, die es wohl nicht auf Tonträgern gibt. Die zweite kürzere ist lyrisch geprägt und erinnert stark an die Musik des Lehrers Miaskovsky. Die vierte ist wesentlich extrovertierter, teils sogar etwas lärmig, aber sehr effektvoll und dürfte Liebhaber entsprechender Filmmusiken (Star Wars) voll ansprechen, zumal sie auch klanglich sehr gut ist.

Ich hoffe sehr, dass dem im Vorbeitrag gezeigten Volume 1 noch einige weitere u.a. mit allen fünf Symphonien folgen werden, es wird höchste Zeit.




lutgra

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Sonntag, 19. August 2018, 17:06

Ich muss mich übrigens korrigieren, die Symphonien 2 und 4 gibt es auf einer Olympia CD, aber wie üblich vergriffen und gebraucht zu Mondpreisen.

teleton

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8

Montag, 22. Oktober 2018, 19:40

Hallo Lutgra,

ich habe Deinen Beitrag zu Shebalin erst heute gesehen. Ja, die Roshdestwensky-10-CD-Box (Brillant) (Abb bei Lutgra) ist ohnehin der Hammer, was er darin neben bekannter Werke in ausgezeichneten Int, dann auch an unbekannter Sinfonik an neuem Material offenbart.
Dazu gehört in dieser Brillant-Box natürlich die Shebalin-Sinfonie Nr.3. Als ich das Werke vor Jahren erstmals mit Begeisterung hörte, hatte ich sogleich nachgesehen, was von Shebalin noch an CD´s angeboten wird ... wieder ein trauriges Bild (genau wie bei Eshpai) ... es gibt sehr wenig weiteres. Diese Musik ist so interessant und kurzweilig, dass man mehr von diesem Komponisten hören möchte ...
Die Sinfonien Nr. 2 und 4 muss ich mir auch noch von YT laden.

Die beiden Suiten Nr.1 und 2 könnten auch nach Deinen Worten für mich interessante Musik sein, auch wenn diese laut Kritik Ähnlichkeiten mit den Jazz-Suiten von Schostakowitsch haben sollen (die Jazz-Suiten hauen mich insgesamt nicht so um !) Wenn ich für den Preis eine CD bestelle, habe ich auch Erwartungen, die ich erfüllt haben möchte ...

Zitat

Both suites are pure light music, in the vein of Shostakovich’s “Jazz” suites or suites of theatre and film music, but certainly less memorable.




Zu diesen unbekannten sträflich vernachlässigten russischen Komponisten gehört auch Boris Parsadanian (1925-1997).
In der eben so wichtigen (wie Roshdestwensky) Swetlanow-10CD-Box (Brillant) befindet sich die Boris Parsadanian - Sinfonie Nr.2 op.6 "Martyros Saryan" (1961).
Leider für dieses "Hammerstück" das gleiche Bild ... es gibt hier gar nichts Weiteres an CD´s.

Swetlanow hat in der Box noch weitere unbekannte Werke von Boiko-Sinfonien Nr. 2&3, Pakhmutova - Concerto für Orchester, Muralev - Azov Moutain ... sowie zwei eigene Were = die Sinfonie Nr.1,Bilder aus Spanien, Siberische fantasie, Symphonic Preludes, Festive Poem, Daugava - Sinf.Dichtung, die Werke haben es alle in sich :thumbup:


Brillant, ADD



Die 3 Box ist dann die Mrawinsky-10CD-Box (Brillant), in der Mrawinsky von Vadim Salmanow - Sinfonie Nr. 2 g-dur (1959) mit der Leningragder PH zu Gehör bringt. Ebenfalls eine 4sätzige Sinfonie mit russischen Flair, zupackend, kurzweilig, keine Langeweile.
Auch hier das gleiche Bild - es werden auf dem Markt kaum andere Werke auf CD angeboten ... schade !


Brillant, ADD


:!: Diese 10CD-Boxen von Roshdestwensky - Swetlanow - Mrawinsky waren alle drei mal für je 10-20€ greifbar .. heute nachdem man weis, welche wichtigen Inhalte darin schlummern, haben diese inzwischen Mondpreise !
Gruß aus Bonn, Wolfgang