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Alfred_Schmidt

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Beiträge: 18 938

Registrierungsdatum: 9. August 2004

1

Donnerstag, 14. Mai 2015, 15:58

Die Gruppe der 5 - ein mächtiges Häuflein

Im Rahmen meiner Befassung mit Russischen Sinfonikern konnte es wohl nicht ausbleiben auf eine Gruppe von Komponisten zu stoßen, welche sich selbst "die Novatoren" nannte, in der Musikgeschichte indes mit dem Namen "Gruppe der 5", bzw auch etwas flapsiger als "das mächtige Häuflein" eingegangen sind, wobei letzterer Begriff von Feinden geprägt wurde. Ziel war es Komopositionen in einem typisch nationalen, russischen Stil zu schreiben, mit Glinka als Vorbild.

Die ersten Anfänge der Gruppe gehen auf das Jahr 1856 zurück, die ersten beiden Mitglieder waren Mili Balakirieff und Caesar Cui. 1857 stieß Modest Mussorgsky zu ihnen, Nikolai Rimsky-Korsakoff folgte 1861 und zuletzt komplettierte 1862 Alexander Borodin die Gruppe, bestehend aus fünf jungen Männern, alle unter 30, der jüngste, Nikolai Rimski Korsakoff war erst 18.
Zu ihren Kompositionseigenarten gehörte es, russisches Volksgut, seien es alte Lieder oder Tänze in ihre Werke einzubauen, bzw zu verarbeiten.
Ein nicht genannte sechster (da kein Komponist), der beinahe allmächtige Kunstkritiker Wladimir Stasow fungierte quasi als ideologischer Schutzpatron über die Gruppe.

Weitere Einzelheiten zu dieser Gruppe werden gern gelesen, indes sollten die einzelnen Mitglieder zwar vorgestellt, aber nicht zu ausführlich besprochen werden . der für jeden von ihnen sind Spezialthreads in Vorbereitung - oder bereits am Laufen....

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Alfred_Schmidt

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Beiträge: 18 938

Registrierungsdatum: 9. August 2004

2

Montag, 18. Mai 2015, 23:43

Es ist gar nicht so leicht die Zusammenhänge zu rekonstruieren, wie es zu dieser Gruppe kam, was ihre gemeinsamen Ziele waren und warum sie diese Ziele hatten. Die Konzertführer und Musiklexika beschränken sich in der Regel auf das Wesentliche. Aber unter Zuhilfenahme EINIGER Konzerführer und Opernführer, sowie gelegentlich ausgezeichneter Booklets bei den entsprechenden CDs entwickelt sich langsam aber sicher so etwas wie Übersicht. Der ideologische Kopf und moralische Antrieb war zweifelsohne Mili Balakirew. In jungen Jahren hatte er er Kontakt zum bereits alten Glinka, welcher sich für das russische volkstümliche Liedgut einsetzte und es in seinen Werken verwendete, wobei der Einfluß "westlicher Strömungen" vermieden werden sollte - was natürlich nicht immer gelang.
Wer war eigentlich dieser Glinka ?
Quasi durch einen Zufall lernte er die beiden Offiziere Caesar Cui und modest Mussorgsky auf einer musikalischen Abendveranstaltung des Komponisten Alexander Dargomyschsky (1813-1869) kennen. Der Kern der Gruppe war gefunden. Man muß sich vor Augen halten wie jung alle noch waren, das Jugendbildnis des damals noch attraktiven Mussorgski mag hier helfen. Sie waren jung und voller Ideale. Eine Musik frei von westlichen und akademischen Einflüssen, naturbelassen und unverfälscht - eine Gegenbewegung zu Anton Rubinstein, der die akademische und auch eher pro-westliche Linie vertrat.
Die Gruppe bestand - von Balakirew abgesehen durchwegs aus Autodidakten, wobei Rimsky-Korsakoff in späteren Jahren sich dennoch musikalisch ausbilden liess. Über die Spannungen innerhalb der Gruppe und über die Rolle der einzelnen Mitglieder in diesem Gefüge folgen nach und nach die Informationen....
http://de.wikipedia.org/wiki/Modest_Petr…rgsky-young.jpg

mfg aus Wien
Alfred

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  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 483

Registrierungsdatum: 12. August 2005

3

Dienstag, 19. Mai 2015, 09:41

Es ist vielleicht eine Ironie der Geschichte, dass der berühmteste russische Komponist der Zeit, Tschaikowsky, nicht zu der Gruppe gehörte und zuweilen sogar als "Westler" geschmäht wurde.
Und vom Häuflein kennt man von Cui praktisch nichts mehr (ich jedenfalls nicht) und vom "Profi" Balakirev hauptsächlich den "Rausschmeißer" Islamey, weil der auch gar nicht so viel komponiert hat. (Zwei Sinfonien und einige Sinf. Dichtungen sind hörenswert, aber m.E. nicht in der Klasse von zB Tschaikowsky.)
Dagegen kann man bei dem späteren Chemieprofessor Borodin nur bedauern, dass er nicht mehr Zeit zum Komponieren hatte. Die beiden Streichquartette und von den Sinfonien mindestens die 2. sind m.E. Tschaikowskys ebenbürtig (und weit weniger sentimental).

(Ebenso bedauerlich die Trunksucht und das entsprechend kurze und sicher nicht optimal produktive Leben Mussorgskys, obwohl der in vieler Hinsicht der originellste Komponist der Gruppe gewesen ist.)

Alfred_Schmidt

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Beiträge: 18 938

Registrierungsdatum: 9. August 2004

4

Dienstag, 19. Mai 2015, 19:26

Das Endergebnis ist in einer veramerikanisierten - äh verwestlichten - Welt nicht besonders verwunderlich. Aber schon zu Zeiten als die Gruppe gegründet wurde, war ja der Anlass einer aktuellen Entwicklung Einhalt zu gebieten, bzw einem aktuellen Zustand entgegenzutreten. Die Gruppe war zudem uneinheitlich, sowohl in der Auffassung als auch in der Qualität der Kompositionen. Cäsar Cui gilt als das schwächste Mitglied der Gruppe. Ich will das weder bestätigen noch hier wiedersprechen, denn noch habe ich keine Werke von ihm gehört. Das Machtpotential der Gruppe war aber größer als angenommen, weil ja ein sechster, nämlich der einflußreiche Kunstkritiker Wladimir Stassow (1824-1906) im Hintergrund die Fäden zog. Da er kein Komponist war wurde er nicht mitgezählt. Sein Bruder Dmitri Stassow (1828–1918) war Mitbegründer der Russischen Gesellschaft für Musik. Einer seiner Freund war Leo Tolstoi
Tschaikowski - er wird gerne - und zu Recht als einer der Gegenspieler der Gruppe dargestellt, Indes es waren informative Gespräche vorhanden, wo man Tschaikowsky kennenlernte und ihn sogar für sympathisch fand. Nachdem er ihnen auf Verlangen einen Satz aus einer seiner Sinfonien am Klavier vorgespielt hatte, bewertete man ihn viel positiver als vorher. Zu einer realen Annäherung der Standpunkte kam es indes nicht.
Ich pausiere hier wieder mal - nicht ohne festzustellen, daß das was ich bisher an Musik von dieser Gruppe gehört habe, mir persönlich wesentlich besser gefallen hat, als ich erwartet habe. Balakirews erste Sinfonie hat mich gestern fast "umgehauen"....

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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Rheingold1876

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Registrierungsdatum: 5. Mai 2011

5

Dienstag, 19. Mai 2015, 20:27

Balakirews erste Sinfonie hat mich gestern fast "umgehauen"....

Das kann ich gut nachvollziehen, denn es ist mir genau so ergangen. Ich kenne allerdings nur die Einspielung unter Svetlanov, der eine sehr schöne Edition mit Werken von Balakirew vorgelegt hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das besser und packender dirigieren kann. Im Übrigen halte ich nicht viel davon, Werke der FÜNF einzuteilen oder gegen Musik aufzurechnen, aus der genialere Funken schlagen mögen. Das würde mir den unvoreingenommenen Zugang versperren. Es brächte mir absolut nichts. So wenig haben die alle gar nicht geschrieben. Immerhin hatten sie oft auch noch berufliche Aufgaben und Ämter, um auch Geld zu verdienen. Ich höre in der Musik von Cui oder Balakirew einen großen Einfallsreichtum und eine starke elementare Kraft, die mich immer wieder mitreißen. Man muss nur genau hinhören.

Ein sehr interessantes Thema hast Du da aufgetan, lieber Alfred.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."