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operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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Beiträge: 5 401

Registrierungsdatum: 14. Mai 2008

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Freitag, 19. Dezember 2014, 20:27

Journalistische Aktivitäten der Taminos!

Gespräch
mit Jongmin Park, Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper


„Ich werd‘ ein hochberühmter Mann“

singt der Schulmeister Baculus in Lortzings „Wildschütz“. Fast ist man versucht, diese Aussage als Prognose für die Karriere des jungen Bassisten Jongmin Park zu verwenden. Nach seiner Mitwirkung im Konzert Bassissimo im Schlosstheater Schönbrunn am 12. November 2014 wurde das Gespräch mit diesem Senkrechtstarter im tiefen Fach des Operngesangs geführt.


Herr Park, gestern waren Sie im Konzert Bassissimo im Schloßtheater Schönbrunn zu erleben. Drei Tenöre, fünf Tenöre, ja bis zu 10 Tenöre ist man bereits gewöhnt. Vier Bässe in einem Konzert sind schon etwas Besonderes. Wie war das Gefühl, zusammen mit drei anderen ausgezeichneten Bassisten auf der Bühne zu stehen?

Vier Bässe in einem Konzert sind tatsächlich sehr selten. Deshalb war es interessant, mit den Kollegen gemeinsam zu singen. Ich meine, dass jeder von uns sein Bestes gegeben hat, um das Publikum zu erfreuen. Aus dem Beifall und den Reaktionen der Zuhöre schließe ich, dass das Experiment mit uns vier Bässen gut aufgenommen wurde.


Das Konzert wurde auch zum Gedenken an die großen Bassisten Otto Edelmann und Gottlob Frick gegeben. Von diesen berühmten Sängern wurden auch Aufnahmen in Bild und Ton eingespielt.
Was denken Sie, wenn Sie solche Größen hören?


Die Aufnahmen solcher Künstler haben Vorbildcharakter. Es sind Lehrbeispiele für uns junge Sänger. Zum Beispiel bei der Technik, der richtigen Stimmbildung, bei Musikalität und Charakter der Rolle.


Nachdem ich Sie hörte, habe ich den Eindruck, dass Ihre Stimme bereits heute ein dunkel timbrierter Basso profundo ist. Sehen Sie das auch so?

Die Stimme tendiert in dieser Richtung. Ich bin mir jedoch noch nicht ganz sicher, ob das letztlich auch so weitergehen wird. Bei mir ist
die Entwicklung noch nicht abgeschlossen und ich lerne aus jeder neuen Rolle, ja praktisch aus jedem Auftritt.


Sie sind 1986 in Seoul / Korea geboren. Wie kamen Sie mit der Musik unseres Kulturkreises in Verbindung?

Ich besuchte schon sehr früh Konzerte für Kinder und Jugendliche mit klassischer Musik in Opernhäusern und Konzerthallen. Es kamen viele internationale Künstler zu uns nach Korea und ich konnte viele davon hören. Geboten wurden nicht nur trockene Konzerte, sondern es waren oft Sprecher dabei, die über Musik und Handlung spannend erzählten. Dadurch entwickelte sich bei mir bald das Interesse an dieser Musikrichtung.


Stammen Sie aus einem musikalischen Elternhaus?

Ja. Meine Mutter ist Sopranistin und unterrichtet an der Hochschule für Musik in Korea. Jeden Morgen ließ meine Mutter klassische Aufnahmen spielen. Durch die Tätigkeit meiner Mutter hörte ich zu Hause ständig Gesangsübungen und habe da oft mitgesungen. Ich war von klein auf von Musik und Gesang umgeben; dadurch wurde meine Liebe zu Musik und Gesang schon früh geprägt.


Wie war Ihre gesangliche Ausbildung?

Ich studierte in meiner Heimatstadt Seoul Gesang und war Mitglied der Mailänder Accademia Teatro alla Scala.


Sie errangen zahlreiche wichtige Preise. Welche waren das?

Die wichtigsten waren 2011 der 1. Preis beim internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb in Russland und der Wagner-Award beim Placido Domingo-Operalia-Wettbewerb. Im Sommer 2014 gewann ich den 1. Preis, sowie den Publikumspreis und Spezialpreis beim Otto-Edelmann-Gesangswettbewerb in Wien.


Nach dem Studium kam Ihre
Karriere erstaunlich schnell in Gang. Welches waren die Stationen?



Ich startete
in Korea mit kleinen Rollen. Zu Beginn der Spielzeit 2010/2011 wurde ich ins Ensemble der Hamburgischen Staatsoper engagiert. Hier
durfte ich drei Jahre lang bereits Partien wie den König in Aida, Sarastro ,
Sparafucile und Masetto singen. Außerdem gastierte ich regelmäßig in Korea
sowie im Moskauer Bolschoi-Theater und im Mariinsky-Theater St. Petersburg. Nach meinem erfolgreichen Debüt als Colline im
November 2011 wurde ich für die Spielzeiten 2013/2014 als Ensemblemitglied an
die Wiener Staatsoper engagiert und sang an diesem berühmten Haus Zuniga, Don Basilio, Don Bartolo, Truffaldin. 2013
sang ich in Tokyo Rossinis Stabat Mater
mit dem NHK-Symphonie Orchester unter dem Dirigenten Myung-Whun Chung. 2014 durfte ich erstmals am Royal Opera House
Covent Garden in London singen. Als Konzertsolist bin ich ebenfalls
international tätig.


Steht schon fest,
welche weiteren Rollen Sie in absehbarer Zeit an der Wiener Staatsoper singen
werden?



Diese Saison ist sehr wichtig für mich, weil neben den Rollen, die bereits genannt
wurden, unter anderem so bedeutende
Partien wie Sir Giorgio in I Puritani und Fürst Gremin in Eugen
Onegin zusätzlich dazu kommen und ich damit mein Repertoire erweitern kann. Außerdem
werde im April 2015 einen Soloabend im Gläsernen Saal des Musikvereins geben, auf den ich mich bereits sehr freue.


Welche Rollen wollen
Sie in absehbarer Zeit angehen und was sind die langfristigen Träume?



Im Bereich
des Möglichen liegen die leichteren Verdi-und Wagner-Rollen, hier denke ich
z.B. an Banquo, Ferrando, Ramphis, Daland, Fasolt und Landgraf. Längerfristig
wären dies z.B. Partien wie Philipp in Don Carlos und Gurnemanz in Parsifal. Aber das sind in der Tat heute
noch Träume.


Wie studieren Sie Ihre
Rollen?



Zunächst lese ich den Text. Dabei habe ich immer das
Wörterbuch zur Hand, um noch unbekannte Wörter zu verstehen. Komme ich dabei einmal nicht
weiter, frage ich hilfsbereite Kollegen. Bis jetzt hat es noch immer geklappt. (Anmerkung des Verfassers: Wie gut
das klappt, erlebte man im Konzert Bassissimo, weil Jongmin Park darin mit
ausgezeichneter Artikulation und Wortdeutlichkeit überzeugt hat.)



Daneben beschäftige ich mich mit der
Geschichte des Werkes. Danach folgt das
Studieren der Noten und zuletzt die Arbeit mit dem Korrepetitor.


Haben Sie sängerische
Vorbilder?



Ich sehe mir
schon DVDs an und höre CDs. Aber das
kann gefährlich werden, wenn man versucht, stark zu imitieren, dann kann man
Eigenheiten und sogar Fehler übernehmen. Meines Erachtens sollte ich als junger Sänger
mir nur Anregungen und Ideen holen. Vorbildcharakter haben für mich Sänger wie
Siepi, Carreras und im deutschen Fach Frick und Edelmann.


Bässe singen in der
Oper schwerpunktmäßig Könige, Priester, Bösewichte, Finsterlinge, Philosophen,
Trunkenbolde, alte Plumpsäcke, Schwerenöter, also die älteren Charaktere. Wie
kommen Sie als junger Sänger damit zurecht?



Ich bin der
Meinung, dass man die Stimme nicht künstlich alt erscheinen lassen soll. Auch bei der Gestaltung der älteren
Charaktere muss ich als junger Sänger
meine persönliche Authentizität und Glaubwürdigkeit behalten.
Wie bereits gesagt, singe ich heute ja eher noch die leichteren Partien.
Der Regisseur unterstützt bei der Erarbeitung und Maske und
Kostüm tun das Weitere.


Bekommt ein junger
Sänger wie Sie an den großen Häusern genügend Probenzeit, um in die
Inszenierung hinein zu wachsen?



Das hängt
davon ab, wie schnell und intensiv man studiert und lernt. Ich kann lange Zeit
üben, studieren und lernen ohne müde zu werden, weil ich die Musik liebe und
das ist die beste und stärkste Motivation.


Wie soll die Karriere
jetzt weitergehen? Fest angestellt an einem Haus oder bereits freischaffend?



Seit einem
Jahr bin ich verheiratet. Da hat die
Familie einen ganz hohen Stellenwert. Das ist einer der Gründe, warum ich zur
Zeit die Festanstellung an einem Haus wie der Wiener Staatsoper bevorzuge.
Später möchte ich auch mehr gastieren, ob aus der Festanstellung heraus oder
als freischaffender Sänger, das weiß ich noch nicht.


Wenn Jongmin Park drei
Wünsche frei hätte, welche wären das?



1. Kein Mensch auf der Welt soll mehr
Hunger leiden.


2. Nord- und Südkorea soll wieder
vereinigt werden, wie dies in Deutschland verwirklicht wurde.


3. Ich hoffe, dass möglichst viele junge
Menschen früh an klassische Musik herangeführt werden. Wenn ich dazu etwas beitragen
könnte, wäre ich glücklich.


Wer die ausdrucksstarke Stimme und Gestaltung von
Jongmin Park im Konzert oder auf der Opernbühne
erleben durfte, versteht, warum dieser erst 28 jährige Bassist an einem
Haus wie der Wiener Staatsoper bereits in großen Rollen eingesetzt wird. Dieser
positive Eindruck wird durch die persönliche Begegnung mit dieser
natürlich-sympathischen, bescheidenen, nachdenklichen und klugen
Sängerpersönlichkeit – die er trotz seiner Jugendlichkeit schon ist – noch mehr verstärkt, sodass man gerne glaubt, dass die Prognose „Ich werd‘
ein hochberühmter Mann“ auf’s Schönste
in Erfüllung gehen könnte.



Hans A. Hey

Erschienen im "Neuen Merker Wien" 12/2014

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