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m-mueller

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211

Sonntag, 26. Oktober 2014, 11:22

Aus einem Beitrag des Deutschlandfunks vom 6.6.99:

Zitat

Der Freiburger Cembalist Robert Hill hat Bach'sche Musik für das Lautenwerk eingespielt. Die CD ist bei Hänssler erschienen und trägt die Überschrift "Works for Lute Harpsichord - Werke für das Lautenklavier". Das Lautenklavier war bislang so etwas wie der weiße Elefant der barocken Klaviermusik. Immer wieder wird es in der Literatur erwähnt; aber es war kein Instrument erhalten. Nun hat der amerikanische Instrumentenbauer Keith Hill für Robert Hill ein solches Klavier gebaut, und er tat es auf die bestmögliche Weise, nämlich mit Phantasie und Erfindungsgeist. Das Lautenklavier von Hill ist einem einmanualigen Cembalo sehr ähnlich, doch nicht mit Metall-, sondern mit Darmseiten bespannt. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, über eine mechanische Vorrichtung die Position der Springer, mit denen die Saiten angerissen werden, zu verändern und damit andere, überraschende Klangfarben zu erzeugen, ganz wie dies, und noch viel differenzierter, der Lautenist und der Gitarrist vermögen. Robert Hill konzentriert sich bei seiner CD auf Werke von Johann Sebastian Bach, die ausdrücklich oder vermutlich für die Laute oder das Lautenklavier geschrieben wurden. Aber der Farbreichtum, den er erschließt, macht Lust auf mehr.

Zitat Ende

Anscheinend gibt es gar nicht so viele CDs für Lautenklavier (oder Lautenwerck), nach einer ersten Übersicht vielleicht ein gutes Dutzend - eigentlich erstaunlich, oder bin ich der einzige, der den Klang hervorragend findet?

Bachiania

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212

Sonntag, 26. Oktober 2014, 17:18

Hallo ihr lieben Fugenfreunde !

Nun erst nach Tagen kam ich dazu, in diesem einer meiner Lieblingsthreads nachzulesen "was bisher geschah". Und erlaube mir sozusagen zwischen die Fronten meinen "Senf" zu gießen. Ich kenne Bachs Musik für Tasteninstrumente in vielen Versionen, auf Cembalo und auf Klavier. Ich meine, dass es ziemlich irrelevant ist, darüber nachzudenken, ob Bach ein Klavier bevorzugt hätte. Denn selbst wenn es so wäre, er hatte es nicht zur Verfügung. Somit hat er wohl seine Musik den Instrumenten, das er hatte, dem Cembalo oder der Orgel, "auf den Laib" geschrieben. Er wusste, was er tat und warum er seine Musik WIE schrieb. Wir können froh sein, dass seine Werke sogar auf einem modernen Klavier noch immer sehr sehr gut klingen. Das spricht für deren Qualität. Folglich ist es meines Erachtens nach in erster Linie eine Geschmacksfrage.
Ich ganz persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass die Wirkung dieser Musik mit einem Cembalo direkter und intensiver ist. Mancherlei flächige Klangwirkungen, wie in vielen Präludien (z.B. d-moll WTC I) erzielen auf dem Cembalo unerreichte Effekte. Auch die Fugen werden sehr klar nachvollziehbar und strukturiert. Jedoch natürlich die persönliche Note (ich schätze hier besonders Keith Jarett, Andras Schiff oder Angela Hewitt) kann am Klavier stärker herausgeformt werden.

Lasst und dies nicht apodiktisch entscheiden. Zur Versöhnung schlage ich vor, wir hören uns eine Bach-Fuge auf einem ganz anderen (aber nicht minder virtuosen) Instrument an:


:hello: Bachiania :hello:
Man sagt, wenn die Engel für Gott spielen, so spielen sie Bach, füreinander aber spielen sie Mozart.
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m-mueller

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213

Sonntag, 26. Oktober 2014, 21:36

Liebe Bachiana,

aus meiner Sicht ist eine Versöhnung gar nicht mal nötig, ich bin gar nicht unversöhnt, die Diskussion pro Klavier oder pro Cembalo wird von niemandem hier mit "Schaum vor dem Mund" ausgetragen.

Ich hatte aber geglaubt, eine wichtige Entdeckung gemacht zu haben, nämlich, daß das auch aus meiner Sicht bestens klingende Cembalo aus Beitrag 185 gar kein Cembalo sei, sondern ein Lautenklavier.

Inzwischen habe ich aber Bedenken bekommen, da die verfügbaren Klangbeispiele zum Lautenklavier auch eine deutlich andere Klangstruktur aufweisen als 185 - das scheint mir ein Zwitter zu sein, etwas zwischen Lautenklavier und Cembalo.

Kannst Du hier vielleicht zur Erhellung beitragen?

Ansonsten müßte ich darauf warten, bis die CD, aus der 185 möglicherweise entnommen ist, hier eintrifft.

Leider scheint der Link mit den Swingle Singers nicht mehr zu funktionieren....

Bachiania

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214

Sonntag, 26. Oktober 2014, 21:48

Das ist sehr eigenartig! Den Link auf YouTube habe ich erst heute Nachmittag gesucht und angehört!
Diese Fuge ist jedoch auch ganz schön gut (so möchte ich mal singen können!) :

http://youtu.be/ax-7kYRA88Q

Die Sache mit dem Laufen Klavier werde ich mir ansehen, sobald ich Zeit habe. Interessieren tut mich das schon....

Liebe Grüße
Bachiania
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Bachiania

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215

Sonntag, 26. Oktober 2014, 22:04

Brauche ein wenig Nachhilfe (vielleicht etwas überlesen?): wodurch wissen wird, dass der youtube Link in Beitrag 185 auf einem Lautenklavier gespielt worden sein soll? Und wenn ja: es klingt definitiv nach Cembalo. Manche Lautenklaviere hatten einen angeblich auch "Nicht-Lauten-Zug" mit Stahlseiten. Vielleicht wurde dieser für die Fuge verwendet? In der Tat klingt dieses Instrument sehr angenehm...
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m-mueller

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216

Sonntag, 26. Oktober 2014, 22:17

Daß es möglicherweise ein Lautenklavier ist, habe ich versucht, in Beitrag 209 darzustellen.

Der Interpret (Robert Hill) ist bei youtube angegeben (wenn es denn stimmt).

zweiterbass

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217

Sonntag, 26. Oktober 2014, 23:15

Hallo m-mueller,

ich (kann mich täuschen) halte es für ausgeschlossen, das es sich um ein Lautenklavier (es müsste Darmbesaitung haben!) handelt, außerdem:

Bei dem Text des Links Beitrag Nr. 185 auf "mehr anzeigen" geklickt kommt "Keyboard...."
Es könnte sich also um elektr. Instrument handeln, dass die Töne des Cembalos etwas verfremdet (absichtlich?) gesampelt hat.

Viele Grüße
zweiterbass
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m-mueller

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Sonntag, 26. Oktober 2014, 23:20

Lieber zweiterbass,

warten wir halt ab, bis die möglicherweise zum Link gehörende CD hier angekommen ist - dann kann ich verifizieren, inwieweit die Angaben zu Interpret (und daraus abgeleitet zum Instrument) stimmen.

m-mueller

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219

Montag, 27. Oktober 2014, 00:01

Eine Scarlatti-Fuge, gespielt von Robert Hill auf einem Instrument von K. Hill.

Auch hier keine Schärfen, ohne daß der Brillanz-Bereich eingeschränkt zu sein scheint.

https://www.youtube.com/watch?v=eyth_ZEMFqM

m-mueller

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Mittwoch, 29. Oktober 2014, 00:45

Da das Thema "Schärfe des Cembalo" dahin ausgelagert wurde, wo es hingehört (Thread: Klang des Cembalo), sollten wir uns wieder auf Fugen konzentrieren.

Hier eine Fuge ohne zumindest für mich wirklich erkennbaren Fugencharakter:
der zweite Satz (Fuge) aus Ravels "Le tombeau de Couperin":

https://www.youtube.com/watch?v=15UuB4sPbkU

schon merkwürdiger Klang und Aufbau - daß es eine Fuge ist, sieht man wohl nur im Notenbild....


Bezug der Musik z.B. hier:


m-mueller

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Montag, 3. November 2014, 00:11

Da auf den Ravel niemand angebissen hat, versuche ich es mal mit etwas weniger strengem:

BWV 876 (Fuge) aus dem WTK 2.

In einem anderen Thread wurde u.a. einmal mehr der Frage nachgegangen: Cembalo der Klavier?

Ich möchte hier unkommentiert beide Versionen in einer jeweils, wie ich meine, guten Interpretation vorstellen.

- Klavier: Robert Riefling, http://www.youtube.com/watch?v=gxkKJuxP8Sg

- Cembalo: Robert Hill, http://www.youtube.com/watch?v=k2v6U546tNM

Bachiania

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Dienstag, 4. November 2014, 16:33

Da auf den Ravel niemand angebissen hat, versuche ich es mal mit etwas weniger strengem:

Lieber m-mueller, ich würde schon anbeißen, da ich ja fast eine Bachforelle bin (solange du mich nicht heraus fischt...). Doch ich litt in den letzten Wochen unter unfreiwilliger Tamino-Abstinenz. Viel zu viel Arbeit, viel zu wenig Zeit. Da merkt man erst, wie einem gewisse Dinge ans Herz wachsen ... Doch sei gewiss, weder Ravel noch dein neuer Bach-Liebling werde ich meinen Ohren vorenthalten. Und entsrpechend oft gehört fällt mir dann sicher auch mal etwas dazu ein. Ich bin ja doch sehr erfreut über deinen Fugen-Strauss, dass ich ihn unbedingt auch regelmäßig gießen möchte ! (Übrigens gehört die Fuge in allen Spielarten unter die TOP 3 meiner Lieblings-Musik-Formen !)

Viele Grüße und auf bald,

:) Bachiania :)
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Mittwoch, 5. November 2014, 00:06

Liebe Bachiana,

ich habe von Zeit zu Zeit ähnliche Probleme wie Du - zu viel zu tun, um Hobbies wie Tamino nachgehen zu können - andererseits habe ich dann immer den Eindruck, nicht wirklich die richtigen Dinge zu tun, wenn man lediglich versucht, die Dinge richtig zu tun...

Schön, daß wir die Liebe zu Fugen teilen, zusammen mit ihren Vorläufern aus der Renaissance ist mir das auch eine meiner drei Lieblings-Musikformen.

Und für "Bachforellen" (schöner Ausdruck !!) gibt es ja ein Meer (sic!) von Inspirationen.

Ich würde mich allerdings sehr freuen, Dich ab und zu mal für einen weiteren Beitrag "angeln" zu können.

:hello:

Bachiania

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224

Mittwoch, 5. November 2014, 01:59

Schön, daß wir die Liebe zu Fugen teilen, zusammen mit ihren Vorläufern aus der Renaissance ist mir das auch eine meiner drei Lieblings-Musikformen.

Nun würde mich natürlich besonders interessieren, welches die anderen zwei in deinem Triptychon sind....? Ob sich darunter auch noch ein weiterer meiner Lieblinge befindet? Ich habs sogar schon überlegt, aus dieser Frage einmal einen Thread zu machen Man müsste dann allerdings die Terminologie genau definieren? Musikalische Formen sind ja nicht gleich musikalischen Gattungen....
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zweiterbass

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Mittwoch, 5. November 2014, 11:04

Zitat aus Beitrag Nr. 220
Hier eine Fuge ohne zumindest für mich wirklich erkennbaren Fugencharakter:
der zweite Satz (Fuge) aus Ravels "Le tombeau de Couperin":
schon merkwürdiger Klang und Aufbau - daß es eine Fuge ist, sieht man wohl nur im Notenbild....

Hallo,

es handelt sich um eine 3-stimmige Fuge in e-Moll; der 1. Einsatz des Hauptthemas (2-taktig) ist deutlich zu hören,
auch der 2. Einsatz des Hauptthemas ist zeitrichtig (nach Ende des 1. Einsatzes des Hauptthemas)
und tonrichtig zu hören (eine Quinte über dem Einsatzton).

Wenn nun in diesem Absatz die Töne gem. Noten eingesetzt werden, ergibt sich:
Der 1. Einsatzton ist a‘‘
Der 2. Einsatzton muss (Fugenregel) eine Quinte darüber liegen, also e‘‘‘

Nun gilt, dass eine Oktave kein anderer Ton ist, sondern der ursprüngliche Ton nur in einer anderen Tonlage. (Zu c‘‘ ist die Oktave Tonleiter aufwärts c‘‘‘ und abwärts c‘.)

Die Dominante zu a‘‘ – in der Tonleiter aufwärts ist e‘‘‘, also eine Quinte,
die Subdominante zu a‘‘ – in der Tonleiter abwärts ist e‘‘, also eine Quarte.

Am Beispiel dieser Fuge wäre der 2. Einsatzton also ein e‘‘‘, Ravel nimmt aber ein e‘‘ - Fugenregel erfüllt und die Fuge steigt nicht in große Tonhöhen.

Der Ton des 3. Einsatzes des Hauptthemas entspricht dem Ton des 1. Einsatzes des Hauptthemas, also a‘‘, Ravel nimmt aber a‘ - Fugenregel erfüllt und…

Ab dem 2. Notensystem ist zwar der 3. Einsatz zeitrichtig hörbar, tonrichtig wird’s schon schwieriger.


Die Fuge ist für mich auch ungewöhnlich, weniger wegen der anfangs klaren Struktur, sondern (im Vergleich zu Bach) wegen der ausgeprägten Dynamik und Ravels Harmonik; Anfang und Ende klar e-Moll, aber die dazwischen liegenden Modulationen, da wird für mich weder Tonart noch -geschlecht klar. Der leichte, fast dahin schwebende Charakter der Fuge, sich ergebend aus Art des Hauptthemas, Dynamik, Harmonik und fast gleichbleibendem Tempo (von agogischen Schwankungen und rit. am Ende abgesehen), finde ich sehr angenehm im Vergleich mit vielen „strengen“ Fugen von Bach.




Zitat aus Beitrag Nr. 221
In einem anderen Thread wurde u.a. einmal mehr der Frage nachgegangen: Cembalo der Klavier?
Ich möchte hier unkommentiert beide Versionen in einer jeweils, wie ich meine, guten Interpretation vorstellen.


Gute Interpretation, einverstanden mit der Bemerkung: wer die Fuge hören will, wie Bach sie gehört hat, kommt an Hill nicht vorbei. Wenn er zuerst im 2. (oberen) Manual spielt, dann im 1. (unteren) und mit Hilfe der Koppel im 1. Manual die obere Oktave erklingt (Verdoppelung der Töne), dann kommt dem Klang nicht unbedingt mehr Lautstärke, aber mehr „Bedeutung“ zu.

Viele Grüße
zweiterbass
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m-mueller

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Donnerstag, 6. November 2014, 01:11

...welches die anderen zwei in deinem Triptychon sind....?


Das zweite ist ein der Fuge relativ stark verwandter Bereich: Chormusik aus Renaissance und Barock.

Das dritte ist etwas scheinbar völlig anderes: Argentinischer Tango, insbesondere, aber nicht nur, Piazzolla.

Wie weit bin ich von Deinem Triptychon entfernt?

Bachiania

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Freitag, 7. November 2014, 17:18

Lieber m-mueller, liebe Fugenfreunde,

zunächst kleine Anmerkungen zu den geposteten Werken

Die Fuge ist für mich auch ungewöhnlich, weniger wegen der anfangs klaren Struktur, sondern (im Vergleich zu Bach) wegen der ausgeprägten Dynamik und Ravels Harmonik; Anfang und Ende klar e-Moll, aber die dazwischen liegenden Modulationen, da wird für mich weder Tonart noch -geschlecht klar. Der leichte, fast dahin schwebende Charakter der Fuge, sich ergebend aus Art des Hauptthemas, Dynamik, Harmonik und fast gleichbleibendem Tempo (von agogischen Schwankungen und rit. am Ende abgesehen), finde ich sehr angenehm im Vergleich mit vielen „strengen“ Fugen von Bach.

Lieber Zweiterbass, danke für diese schöne Analyse. Dies war es auch, was mich in dieser Fuge fasziniert hat: Das Ravel, der ja dem Impressionismus zuzuordnen ist, also auch musikalisch Stimmungen, Eindrücke, Farben wiedergibt, sich einer strengen Form widmet und GLEICHZEITIG, obwohl er deren Regeln beachtet, durch uneindeutige Tonalität und andere, auch melodische Mittel, eben genau dieser seiner Stilrichtung treu bleibt. Zoologisch würde man dies eindeutig als "Kreuzung" klassifizieren ! ;)

Die Fuge BWV 876 von Bach ist einer der klar strukturiertesten des WTC überhaupt. Das Thema kommt mir immer wieder vor, wie ein Kinderlied. Der charakteristische Rythmus wird konsequent durchgehalten. Ebenso klar führt die Exposition das Thema durch alle Stimmen vom Bass bis in den Sopran. Nur eine Druchführunge bringt dann je eine Engführung des Themas zunächst in Tenor und Bass, dann in Alt und Sopran. Zum Schluss wird das Thema noch einmal in Bass und Sopran enggeführt und die Fuge verklingt ebenso wie sie begonnen hat: unkompliziert, undramatisch und fast ein wennig lakonisch.

In so manchen Aufnahmen wird der eigene Charakter dieser Fuge völlig verstellt (meiner Ansicht nach) indem das Tempo viel zu langsam genommen wird und somit eine Bedetunungsschwere erhält, die diese Fuge nicht besitzt.

Die folgende Version gefällt mir übrigens auch recht gut:


Das zweite ist ein der Fuge relativ stark verwandter Bereich: Chormusik aus Renaissance und Barock.

Das dritte ist etwas scheinbar völlig anderes: Argentinischer Tango, insbesondere, aber nicht nur, Piazzolla.

Wie weit bin ich von Deinem Triptychon entfernt?


Nun, nicht sehr weit. Doch ich denke immer sehr systematisch und unterscheide für mich zwischen Form, Gattung und Stil bzw. Epoche.

Lass mir noch einen Tag Zeit, um darüber nachzudenken, immerhin eine nicht ganz einfache Frage !

Viele Grüße, auf bald !

:hello: Bachiania :hello:
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Bachiania

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Montag, 10. November 2014, 17:18

Nun, m-mueller, leicht ist das nicht, das mit dem Tryptichon.

Meine drei Lieblingsformen sind sehr konträr. Ich selbst bin ein sehr disziplinierter Typ, also liebe ich strenge Vorgaben.
Dennoch (offenbar) liegt mir auch das freie Entfalten und prächtige dahinströmen.

Demnach lautet diese Liste:

1. Fuge
2. Präludium bzw. Fantasie
3. Variationsform

In den Gattungen sieht es wieder etwas anders aus. Nach langem Überlegen würde ich sagen:

1. Messe
1. Streichquartett
1. Motette

Man sieht, dass dies nahezu nicht zu entscheiden ist. Jedoch Oper kommte (:() nicht vor ....

Stile:
Defnifitv klar:

1. Chormusik in Renaissance und Barock (und in Kirchenmusik in die Klassik hinein)
2. Instrumentalmusik der Klassik
3. Hierfür gibt es viele Kandidaten. Ich konnte keinen bevorzugen. Bei bestem Bemühen !

Doch letztlich tut es nun leid um die vielen hundert in dieser Zusammenstellung nicht enthaltenen herrlichen Musiken..... Musikstücke sind einfach einzigartig, wie Menschen. Was wäre ein Leben ohne Musik ???? (Und ohne Fugen ;) )

Viel Grüße,

:hello: Bachiania :hello:
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m-mueller

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Dienstag, 11. November 2014, 00:33

Liebe Bachiana,

da ich ein weitgehend undisziplinierter Typ bin, auch die verschiedenen Kategorien der Antworten nicht so schön unterscheiden kann wie Du, kann ich nur sagen, daß meine Nummern zwei und drei auch schon mal wechseln - auf zwei könnte dann barocksche Instrumentalmusik (Albinoni, Bach, Händel, Buxtehude) stehen, auf drei (Kategorienwechsel) vielleicht Gitarrenmusik.

Manchmal höre ich aber auch gar keine Klassik, sondern bin mehrere Abende lang mit Jazz und Blues glücklich, oder mit Pink Floyd, Van Morrison, Eva Cassidy oder sogar alten Hitparaden.

Aber ich kehre immer wieder zum Triptychon zurück.

Klassische Musik außerhalb des Barock höre ich selten (beinahe nur Chopin und Liszt), da ist der "Zugang" für mich eher schwer. Oper höre ich wie Du im Prinzip gar nicht (Ausnahme: Opern von Händel). Mir gefällt aber auch einiges in der tonalen Musik der Neuzeit, so z.B. Pärt, Sardelli, Withacre und Lauridsen (wo doch Sardelli schöne Fugen schreibt und Pärt, Withacre und Lauridsen geniale Chormusik komponiert haben).

Bachiania

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Dienstag, 11. November 2014, 06:14

Dieses hat zwar nun nicht (unmittelbar) mit Fugen zu tun, sei jedoch als Ergänzung zu unserem kleinen Triptychon-Exkurs gestattet:

Eines sollte man nie vergessen:

Ob von oben oder unten betrachtet, ob extrinsisch oder internistisch, ob aus Sicht von Gattungsgeschichte oder Kontrapunkt, ob mit oder ohne Psyche, ob musikologisch oder gänzlich ohne Logik: immer gilt die Jahrhunderte alte Bauernregel

A MOZART A DAY
KEEPS SORROW AWAY

;) Bachiania
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m-mueller

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Dienstag, 11. November 2014, 14:35

muß ich mal ausprobieren...

ob das auch für Bach gilt?

täglich gebacht,
Glück in der Pacht...

täglich ein Händel,
Frohsinn am Bändel

(außer Konkurrenz:
täglich Vivaldi,
Schnäppchen im Aldi)

Bachiania

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232

Dienstag, 11. November 2014, 16:43

muß ich mal ausprobieren...

ob das auch für Bach gilt?

täglich gebacht,
Glück in der Pacht...

täglich ein Händel,
Frohsinn am Bändel

(außer Konkurrenz:
täglich Vivaldi,
Schnäppchen im Aldi)


Da steckt wohl mehr oder weniger Wahres dahinter. wenn auch ich von den entsprechenden Qualitäten Mozarts tatsächlich überzeugt bin.

Und nun möchte ich noch eine Lanze brechen für einen, der definitiv zu meinem Komponisten-Triptychon zählen würde (wenn auch er sich hier mit Zelenka möglicherweise einen Platz teilen müsste...)

Wer täglich hört Haydn
kann Kummer vermeiden.

Ich meinen tatsächlich, dass dieser Komponist in der Qualität Mozart um nichts nachsteht. Und er ist mit Abstand der positivste und frohsinnigste Komponist den ich kenne. Wenn man (egal in welcher Gemütslage) Haydn hört, muss man schon sehr verbohrt sein, um nicht wenigstens eine kleine Verbesserung feststellen zu können ..... Denn stattfinden tut sie mit Sicherheit !

:)Bachiania :)
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Dienstag, 11. November 2014, 17:50

Zitat

außer Konkurrenz:

Listen to some Haydn
your joy will be widen.

Bachiania

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Dienstag, 11. November 2014, 22:33

Wie schön, Gombert, das ist genau die positive Sicht !
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m-mueller

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Donnerstag, 13. November 2014, 00:18

Johann Adolph Hasse:

Toccata und Fuge (ab 5:07) g-moll für Cembalo

https://www.youtube.com/watch?v=btUpuBD5UBU

Und auch hier ist das Cembalo nicht zu scharf.

m-mueller

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236

Donnerstag, 13. November 2014, 00:49

Noch einer von den ehemaligen Barock-Größen:

Vincent Lübeck, Präludium und Fuge E-Dur (gespielt auf der Orgel)

https://www.youtube.com/watch?v=x2DF6bRwiRc, ab 3:18

zweiterbass

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Donnerstag, 13. November 2014, 10:50

Hallo m-mueller,

zu Hasse: Es ist bedauerlich - oder besser kaum nachvollziehbar - dass selten Angaben zu den Instrumenten erfolgen; dabei ist nicht nur Bj. und Instrumentenbauer von Bedeutung, sondern auch wer und wann das Instrument restauriert hat (dabei meine ich nicht die lfd. Unterhaltsreparaturen). Gäbe es diese Angaben, dann könnte der unterschiedliche Klang von Cembalos besser verglichen, etwas nachvollzogen und erklärt werden.

Zu Lübeck: Ich finde die Struktur der Fuge etwas eigenartig (für mich verwirrend?).
Zitat Youtube: "Prof. Johannes Geffert is playing the Hauptwerk organ of Joerg Glebe in a live concert on the 26th of March 2011 using the sample set of the Hus/Schnitger organ in Stade/Germany."
Was ist damit gemeint? Ist das Hauptwerk der Joerg Glebe Orgel auf den Klang der Hus/Schnitger Orgel gesampelt (wie soll das gehen?) oder versucht der Organist mit den Registermöglichkeiten der Jörg Glebe Orgel den Klang der Hus/Schnitger Orgel (incl. der Registrierungsvorschriften von Lübeck - so es solche gibt?) zu erreichen?

Viele Grüße
zweiterbass
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Donnerstag, 13. November 2014, 13:26

Das ist eine Digitalorgel im Luxusformat, "Hauptwerk" ist eine Software. Der Spieltisch (natürlich nach Cavaille-Coll...) und die Registerzüge sind dafür bestimmt, das entsprechende Orgelgefühl vermitteln. Die Pfeifen sind Attrappe (dergleichen kommt ja auch bei "echten" Prospektpfeifen vor), das Gehäuse soll eine realistischere Klangabstrahlung bewirken.
Also ein echter Sampler, klingt dennoch nicht wie in St. Cosmae, schon weil die mitteltönige Stimmung fehlt.
Registrierungsvorschriften von Lübeck liegen nicht vor.

Gombert

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239

Donnerstag, 13. November 2014, 15:08

Ergänzung zu voranstehendem Beitrag:

Da bevorzuge ich ein im direkten Vergleich zweifelsfrei authentisches Barockinstrument, wie etwa diese im Harzvorland gelegene Treutmannorgel von 1737, wenngleich auch hier die ("wohlthemperierte") Stimmung vom 60 Jahre älteren Stader Instrument abweicht.


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Donnerstag, 13. November 2014, 16:26

Hallo Gombert

"nun hast Du (fühle ich) mich aufgeklärt..." - vielen Dank. Dabei wäre/n eine/mehrere andere Stimmung/en bei einer Digitalorgel kein Problem.

Sonderbar: Mit der Einspielung auf der Treutmannorgel habe ich mit der Fugenstruktur überhaupt kein Problem.

Viele Grüße
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler