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m-mueller

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331

Donnerstag, 30. Juli 2015, 18:57

Du hast völlig recht, die Gier ist genial dargestellt.

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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332

Samstag, 1. August 2015, 15:54

In Händels op.3: 3. Satz des 2. Konzerts und 4. Satz des 3. Konzerts (letzterer ist wohl vom Verleger oder einem Mitarbeiter auf der Basis einer der Cembalofugen Händels für Orchester gesetzt worden). in op.3/4 nach der Einleitung fugato (nach Art der franz. Ouverture), so ähnlich auch in op.3/5, wobei hier der langsame Teil meist als 1. Satz separat gezählt wird, daher der 2. Satz fugiert.

m-mueller

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333

Sonntag, 9. August 2015, 00:29

In der Jupitersinfonie verwendet Mozart ganz kurz einen Hauch von Fugentechnik:

ab 41:28 min

m-mueller

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334

Montag, 10. August 2015, 22:07

Asche auf mein Haupt, die Jupitersinfonie war hinsichtlich ihrer kontrapunktischen Substanz bereits Gegenstand einer umfassenden und detaillierten Analyse von Bachiania im Thread "Beste Fugen" (Beiträge 188 und 189). Im Rahmen dieses Beitrags wird auch schnell klar, daß es sich nicht um einen Hauch, sondern um eine ganze Landschaft handelt.

Melot1967

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Montag, 10. August 2015, 22:44

Mozart KV 426

Ich weiß nicht, ob sie schon vorgekommen ist: Mozarts Fuge in c-Moll für zwei Klaviere. Ich habe einem Freund, der selber Klavier spielt, eine Aufnahme dieses Stücks vorgespielt, und seine Reaktion war: "Das ist sicher nicht von Mozart." Ist es aber.
Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

Bachiania

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336

Mittwoch, 12. August 2015, 16:01

Lieber Michael,

danke für deine konsequenten Bemühungen um unsere Lieblingsform "Fuge"! Du bringst immer wieder etwas Neues und Besonderes zutage!

Was mir an den letzten Postings auffiel, war, dass sie allesamt mit Bach zu tun haben. Wer an Fugen denkt, kann an Bach ohnehin nicht vorbei gehen.

Die Transkription Schönbergs ist meiner Ansicht nach so gut gelungen, dass man das Ausgangsstück nur noch mit Mühe erkennen kann ;). Eine bombastisch-romantische Symphonie! Auch wenn Schönberg hier noch deutlich in seiner spätromantischen Stilphase schwelgt, ist es bezeichnend, dass er sich so sehr um Bach bemüht, gibt es doch kaum eine Kompositionstechnik, die Bachs Fugen tatsächlich näher steht, als die Dodekaphonie.

Die Gitarrenfuge von Manuel Ponce (den ich übrigens erst hierdurch kennen lernen durfte) ist so konsequent im strengen Bachstil geschrieben, dass man, wüsste man es nicht, glatt um deren Entstehungszeit rätseln würde. Ich hätte sie zwar nicht Bach zugeordnet (dafür ist mir seine Musiksprache zu sehr vertraut), aber auch keinem seiner Zeitgenossen, denn sie hat seinen Stil gründlich studiert, und das hat im Barock niemand in dieser Weise verarbeitet. Aber darüber hinaus, hätte ich nichts sagen können...

Die moderne Gitarrenfuge ist spannend samt Präludium, und referiert ebenfalls deutlich an Bach. Im Ansatz wird dessen Form übernommen, nur die Musiksprache durch eine modernere ersetzt.

Und dann der afrikanische Bach! Lustig! Ich habe mir dann noch mehrere Stücke dieses Komponisten angehört, der in dem Album "Babel" auch Mozart, Vivaldi und sogar Guillaume de Machaut verarbeitet. Mir erschließt sich der Sinn dieses Crossovers nicht wirklich, da ich nicht sehr viele Parallelen zwischen abendländischer und afrikanischer Tonkunst zu erkennen vermeine. Jedoch ist der Kontrast zumindest sehr reizvoll und definitiv hier sehr gut verpackt.
Die Fuge "lasset uns diesen nicht zerteilen" spiegelt meines Erachtens nicht nur die Gier wider sondern ist auch in hohem Maße lautmalerisch komponiert. In den Thema hört man zuerst die rollenden Würfel (Tonrepetitionen) und danach in den großen Sprüngen das "Zerteilen".

Zuletzt wurde noch KV 426 erwähnt. Diese Fuge steht fix auf meiner inneren "darüber schreibe ich auf jeden Fall noch ausführlich, wenn ich Zeit habe"-Liste. Du hast recht, Melot, dies klingt wirklich in keinem Takt nach "echtem Mozart". Sollte es auch nicht, wie ich meine. Mozart war durch die Berührung mit der Musik Bachs so tief beeindruckt, dass er in der darauf folgenden Kompositionsphase intensiv dessen Stil und Technik in seine Musik einfließen ließ und verarbeitete.

Also: die Zusammenstellung der letzten Fugen ist wieder einmal eine Bestätigung für die Bedeutung Bachs für praktisch jeden Komponisten der Musikgeschichte. Man könnte pathetisch sagen: "Sein Genius durchdringt alle Musik". Dies ist aber nicht meine Art also sage ich ganz pragmatisch: Wer immer Musik hört, wird ständig und überall auf Stellen treffen, wo ganz eindeutig der Einfluss Bachs hörbar ist.

Viele Grüße Bachiania
Man sagt, wenn die Engel für Gott spielen, so spielen sie Bach, füreinander aber spielen sie Mozart.
(Sir Isaiah Berlin)

Gombert

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Sonntag, 16. August 2015, 21:54


Die Transkription Schönbergs [...] eine bombastisch-romantische Symphonie! Auch wenn Schönberg hier noch deutlich in seiner spätromantischen Stilphase schwelgt, ist es bezeichnend, dass er sich so sehr um Bach bemüht, gibt es doch kaum eine Kompositionstechnik, die Bachs Fugen tatsächlich näher steht, als die Dodekaphonie.


Insofern ist es wohl bezeichnend, daß Schönbergs Bachorchestrierung ja gerade nicht seiner eigentlichen "romantischen Stilphase" entstammt. 1928 verfasst, ist sie ein Kind der klassisch-dodekaphonen Periode, eine Zeitgenossin des dritten Streichquartetts wie der Orchestervariationen op. 31.

Gleichwohl unterscheidet sich diese Bachorchestrierung nur im Detail von den Äquivalenten der konservativeren Kollegen, wie etwa Elgar oder Respighi. "Dodekaphon" liesse sich ohnehin nicht orchestrieren, doch verzichtet Schönberg auch auf mögliche Neuerungen, wie sie sich in Weberns "durchbrochener" Orchestrierung des Ricercars manifestieren. Hier wird wieder einmal deutlich, wie sehr sich Schönberg als in unmittelbarer Nachfolge der Romantik stehend betrachtete (die Orchestrierung der Variationen, dieser Inkunabel der Zwölftonmusik, spricht ebenfalls dafür).

Er wolle als Dirigenten der Uraufführung keinen "Walter der Sachlichkeit" wie Kleiber oder Klemperer, schrieb der Komponist an seinen Verleger und zeigte sich zufrieden, als Furtwängler mit seinen Berliner Philharmonikern diese Aufgabe übernahm.

Bachiania

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Dienstag, 18. August 2015, 16:55

Insofern ist es wohl bezeichnend, daß Schönbergs Bachorchestrierung ja gerade nicht seiner eigentlichen "romantischen Stilphase" entstammt. 1928 verfasst, ist sie ein Kind der klassisch-dodekaphonen Periode, eine Zeitgenossin des dritten Streichquartetts wie der Orchestervariationen op. 31.


Dieses finde ich wiederum sehr interessant ! Zu wenig weiß ich offenbar über Schönberg. Doch dass er selbst nach seinem einschneidenden Stilwandel noch immer seine (musikalische) Vergangenheit im Auge und offenbar auch in der Feder behielt, zeigt, eine Entwicklungskontinuität, die ich in dieser Intensität nicht vermutet hätte. Diesesn Punkt müsste man nun zwar an anderer Stelle diskutieren, jedoch finde ich Gedanken über Stilübergänge immer besonders reizvoll, da man auch daran erkennen kann, wie überhaupt Entwicklungen im menschlichen Bereich vor sich gehen.
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m-mueller

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Mittwoch, 26. August 2015, 02:18

Eines meiner Lieblingsstücke, wenn auch nicht meiner Lieblingsfugen, da gibt es andere, deren Fugencharakter ausgeprägter ist -

Giovanni Pierluigi da Palestrina, Sicut Cervus, Cambridge Singers


m-mueller

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Dienstag, 1. September 2015, 19:08

Alban Berg, Fuge c-moll



Herr Berg kann sogar Musik!

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Dienstag, 1. September 2015, 19:09

Und deshalb gleich noch eine:

Alban Berg, Fuge C-Dur


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Dienstag, 1. September 2015, 19:18

Aber dann doch mal eine so richtig grauenhafte Neutöner-"Fuge"

Philip Herschkowitz: Fuge für Kammerorchester


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Dienstag, 1. September 2015, 19:28

Jetzt aber noch was Schönes:

Der Organist Baptiste-Florian Marle-Ouvrard verfugt die Tetris-Melodie auf bachsche Art.

, ab 0:20

Gombert

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Dienstag, 1. September 2015, 19:42

Was ist denn eine "Tetris-Melodie"?
In eigentümlicher, mehreckiger Mensuralnotation niedergeschrieben... ^^ ?

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Dienstag, 1. September 2015, 19:53

Joo, 7 oder 8 verschiedene Noten, Variationen durch 90°-Drehungen darstellbar.

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Dienstag, 1. September 2015, 23:45

Eine Fuge für Laute, gespielt auf einer 13-saitigen Gitarre:

Silvius Leopold Weiss, Fuge d-moll, Marc Antony McGrath



jedenfalls nicht schlecht, zumal, wenn man berücksichtigt, daß der Interpret Marcus Antonius heißt...

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Donnerstag, 3. September 2015, 00:28

Eine schöne Fuge ist in Bachs Capriccio BWV 992 enthalten, welches die Abreise des geliebten Bruders besingt. Der 6. Satz lautet: Fuge zur Nachahmung des Horns eines Postillons (siehe auch Beiträge 180 und 181).

Aber auch Angela Hewitts Interpretation ist sehr anhörenswert:


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Freitag, 4. September 2015, 18:35

Lord, for thy tender mercy´s sake, Richard Farrant (1525 - 1580), wunderbares Stück mit fugierten Einsätzen.

Es singen die Cambridge Singers.



wird hier auf CD angeboten (imho DIE beste Chor-CD, die ich kenne)


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Dienstag, 8. September 2015, 22:19

William Byrd, Haec Dies, King´s Singers



keine vollständige Fuge, aber fugierte Einsätze, wie in der Renaissance häufig.

Hier erhältlich (sehr empfehlenswerte 5-CD-Box)


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Sonntag, 20. September 2015, 23:13

Fuge aus BWV 849 (WTK I, 4: cis-moll) in einer Version für Gitarre.

Selbst für meine Ohren klingt die Klavierversion (Gould) fugiger und stimmiger. Aber: man KANN das Stück auf Gitarre spielen, oder präziser: Jorge Caballero kann.

, Jorge Caballero, ab 6:23 min

Bachiania

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Freitag, 25. September 2015, 15:49

Ich wurde kürzlich gefragt, wie sich die Fugen Albinonis eigentlich von jenen Bachs unterscheiden. Ich suchte mir postwendend einige schöne Sonaten von Albinoni (kurz gesagt, seine Sammlung der sinfonie op. 2), da mich diese Frage selbst interessiert. Natürlich KLINGT Bach einfach mal anders, als Albinonis federnd leichtes, fast möchte man sagen " unbeschwertes Musizieren". Sein Stil hat durch und durch "klassische" Merkmale: viele, durchaus ideenreiche Themen, eine sehr fröhlich-motorische Ausarbeitung und ausgewogene Schönheit in den langsamen Sätzen. Zudem sehr klare, überschaubare Strukturen, die sich zwischen den Sätzen der einzelnen Sonaten nicht wesentlich unterscheiden. Man könnte sagen, dass Albinonis höchstes Prinzip ist: Ausgewogenheit.
Doch: Bach muss Albinoni sehr geschätzt haben, schrieb er doch selbst vier Fugen auf Themen aus Albinonis op. 6.

Albinonis Fugen haben zumeist eine klare Struktur, die aus einer Exposition und mehreren Durchführung besteht, verbunden durch Zwischenspiele, die ganz im Stil dea Wekes bleiben. Die Fugen sind (naturgemäß) rasche Sätze, die tatsächlich ein wenig den ursprünglichen Wortsinn des Namens "Fuga" widerspiegeln: eine Stimme flüchtet vor der anderen,im Mittelpunkt steht die Erinnerbarkeit der Themen und der frische Fluss der Musik. Modulationen oder chromatik

Es ist interessant, dass Albinoni dieser Form so hohe Aufmerksamkeit zollt, dass (zumindest in op. 2, welches ich nun kenne) nahezu alle schnellen Sätze Fugen sind, was zumindest unter seinen barocken Kollegen relativ ungewöhnlich ist !

Dass Bachs Stil völlig anders gestaltet ist, versteht sich von selbst. Bachs Fugen basieren auf demselben Prinzip wie Albinonis, erweitern diese Form aber von einem Berg zu einem ganzen Gebirge. Bach setzt in seinen Fugen vielfältigste kontrapunktische Techniken ein und bringt die Arbeit mit Motiven und Motivteilen zu einem absoluten Gipfelpunkt. Je nach Instrument und Werkgattung wendet er andere Architekturformen an, die den Klang besonders gut zur Geltung bringen. Dies führt bis hin in die Kunst der Fuge, wo Bach im Prinizp instrumentenlos nur die höchsten und komplexesten kompositorischen Techniken einsetzt und Musik schreibt, die vielleicht sogar weniger zur Aufführung gedacht ist, denn um zu zeigen, was auf geistiger und musikalischer Ebene überhaupt machbar ist.

Doch zurück zu Albinoni, dessen Fugen sehr angenehm zur hören sind und eine wirkungsvolle Abwechslung zu den langsamen Sätzen bilden. Hier möchte ich gar keine einzelnen Fugen empfehlen oder heraus streichen, denn diese sind am schönsten einfach im Fluss der Sätze zu hören und zu genießen...



Viele Grüße :hello: :hello:
Bachiania
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Bachiania

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Freitag, 25. September 2015, 15:57

Noch eine Nachfrage: Bach hat offenbar auch ein weiteres Thema Albinonis, eben aus op. 2 für eine Fuge verwendet. Hört euch einmal den letzten Satz der fünften Sontae B-Dur an (hier auf 59:15). Mir fällt :untertauch: um die Burg nicht ein, aus welchem Werk Bachs ich diese Thema kenne, obwohl es mir sehr vertraut ist. Ich weiß nur, dass es Streicher sind (aber ich denke kein Brandenburgisches Konzert... oder doch ?) Vielleicht könnt ihr helfen ? ;)
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seicento

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Freitag, 25. September 2015, 19:15

alles Fugen ?

federnd leicht ... schön gesagt. :jubel:
aber ich denke, Telemann konnte das auch. Bei den TWV 44:32 bis TWV 44:34 Quartetten sind die langsamen Sätze auch recht kurz und die schnellen Sätze alle fugen-artig aufgebaut. Die Stimmen setzen aber zum Teil so schnell hintereinander ein, dass bei mir der Eindruck entsteht, dass sie umeinander schwirren, wie die Eintagsfliegen in Licht der tief-stehenden Sonne. Dabei fangen die Stimmen versetzt zueinander gleichzeitig an. Stimmt der Eindruck ?

Ich habe die Versionen vom Freiburger Borockorchester Consort und Alta Ripa



TWV 44:33 und TWV 44:34 vom Pratum Integrum Orchestra (als Link, damit der Seitenaufbau nicht so langsam ist).
TWV 44:33
TWV 44:34

Gombert

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Freitag, 25. September 2015, 20:03

Zitat

von Bachiania (aber ich denke kein Brandenburgisches Konzert... oder doch ?)

Hoffentlich keine Fangfrage!
Ansonsten "oder doch", jedenfalls denke ich an das Allegro, also den "Finalsatz" aus dem dritten "Brandenburgischen"...

Gombert

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Freitag, 25. September 2015, 20:39

P.S.:
Fast scheint es, als betreibe Telemann etwa in 44:32 eine ironische Fugenvermeidung. Das gesamte Werk, selbst die Adagio-Einleitung, ist so konsequent kontrapunktisch gestaltet, daß der Hörer ebenso zwangsläufig wie vergeblich auf eine "echte" Fuge wartet. Mehr als nur einmal grüsst Albinoni, in ein rasch übergeworfenes galantes Gewand gehüllt.

Einige der erwähnten Bach-Fugen nach Albinoni hat m-mueller bereits eingebracht, vielleicht fehlt aber noch die obskur-umstrittene BWV 951a ?

https://youtu.be/pJaUiYCWoMM

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Freitag, 25. September 2015, 20:44

Ich höre mir gerade diese (längst überfällige) Neuerwerbung an und muss zugeben, dass ich da doch deutliche Ähnlichkeiten zu Telemann höre - vor allem beim zweiten Satz vom Trio Nr. 6 a-moll. Hat Telemann die Stücke gekannt? Die schnellen Sätze sind auch alles Fugen...
oder Fugenvermeidungen .. wie ich gerade "gelernt" habe.

Gombert

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Freitag, 25. September 2015, 21:04

Für einen Albino ein in der Tat "überfälliger Neuerwerb" !
Auch ohne genauere Angaben zur zeitgenössischen Rezeptions- und Verbreitungsgeschichte von op. 1 machen zu können würde mich doch sehr wundern, hätte Telemann besagte Sammlung nicht gekannt.
Albinonis Einfluss in Deutschland liesse sich wohl schwerlich überschätzen. Selbst bei unseren gemeinsamen "Orgelsachen" läuft Bachiania und mir nicht selten dieser Italiener über den Weg...

seicento

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Freitag, 25. September 2015, 21:14

Lieber Gombert,
vielen Dank. Wenn du ihn wieder triffst, dann grüße ihn recht schön von mir und sage ihm, dass er mir unendlich viel Freude mit seiner Musik macht hat.

seicento

P.S. 1: T.A. und G.P.T. sind ja auch auf meinem Dämpfer/Avatar

P.S. 2:
Oh ich Begriffstutziger. Ich bin ein Albino !! :jubel:
Das ist die schönste "Beleidigung", die ich mir vorstellen kann !!

Bachiania

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Freitag, 25. September 2015, 21:47

Ihr schreibt ja schneller als ich lesen kann! Habe nebenbei noch schnell einen Beitrag verfasst, den ich hier poste. Ich hoffe nur, er widerspricht keinem der bisher "geschehenen" Kommentare ...

@Gombert,danke für die Aufklärung. Natürlich war das keine Fangfrage sondern ein Aussetzer! Ich habe das Talent, Melodien wieder zu erkennen, jedoch mangelt es an Merkfähigkeit für deren Herkunft... (man fragt sich, wozu man manch sonderbare Talente hat).

Nun Telemann:

Schöne Werke, Seicento.

In der Tat setzen manche Stimmen hier sehr rasant ein! Die Fuge in TWV 44:32 (dem ersten Link) auf 01:20 zu hören, ist eine lupenreine Doppelfuge. Das Thema besteht sozusagen aus einem Paket zweier Themen, die fast gleichzeitig einsetzen und stets gemeinsam, quasi symbiotisch, auftreten. Dies ist schon höhere Kontrapunktkunst, als wir es bei Albinoni hörten. Denn es ist schon schwierig, ein Thema beizubehalten und mit allen Stimmen und sich selbst systematisch zu kombinieren, jedoch dies mit zwei gleichzeitigen Themen zu machen, ist im Bauplan zumindest schon auf dem Niveau höherer Wirbeltiere ;)

TWV 44:32 und 33 haben je zwei Fugen. Normalerweise gehört es zum guten Ton unter Fugenthemen, sich zumindest bei der Vorstellung gegenseitig ausreden zu lassen. Doch manchmal überschlägt sich wohl hier der Elan und sie setzen knapp nacheinander ein, obwohl der Vorgänger noch gar nicht fertig ist. Dieses müsste man als streng genommen als "Exposition in Engführung" bezeichnen. Doch all diese Begriffe wurden anhand der Fugen Bachs im Nachhinein ermittelt und geschulmeistert (der sich übrigens selbst ja oft nicht an diese Regeln hielt). Also gehe ich gerne vom Hörbaren und Gehörten aus und nehme die Musik wahr, so wie sie daher kommt. Und wenn etwas so erfreulich ist, wie Telemann, denkt man sowieso nicht mehr daran, wie man es nun technisch benennen könnte (selbst wo manche von uns Deutsche sind ;))

Allein an diesen kurzen Sätzen könnte man die Genialität Telemanns beweisen: sie sind kunstvoll komponiert, sehr effektvoll, originell, spritzig und (TWV 44:32) ungewöhnlich in ihrem dramaturgischen Aufbau. Wirken belebend und frisch und geistig sehr anregend. Ich weiß warum ich Telemann mag !
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seicento

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Samstag, 26. September 2015, 15:33

Lieber Gombert, liebe Bachiania,
vielen, vielen Dank für die Aufklärung. Dann sind wir wieder beim dem Thema "getäuschte (in meinem Fall unbewusste) Erwartungen" und ob die den besonderen Reiz der Musik ausmachen. Ich denke also, ich kriege eine Fuge - die wird mir aber verweigert bzw. ich kriege eine doppelte. Und ich gebe in aller Öffentlichkeit zu, dass mir das auch noch besonders gut gefällt. Wo, außer in der Musik, lässt man sich so gern verarschen?

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