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dr.pingel

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Donnerstag, 15. Februar 2018, 16:46

Seit langer Zeit bin ich mal wieder hier, und die Gräber und Ehrenplätze sind immer noch ein Ruhmesblatt dieses Forums. Neben den Fotos gibt es immer wieder ausführliche Texte. Da werde ich mir demnächst eine ruhige Stunde suchen und alles bedächtig lesen. Danke, lieber hart!
Eine Kleinigkeit, die nicht einmal korrigiert werden muss: August Bungert wurde in Mülheim an der Ruhr geboren; wir Mülheimer brauchen für unsere Stadt nur ein-h-!
Eichendorff, In der Fremde.
Aus der Heimat hinter den Blitzen rot/ da kommen die Wolken her,/ aber Vater und Mutter sind lange tot,/ es kennt mich dort keiner mehr./ Wie bald, wie bald kommt die stille Zeit,/ da ruhe ich aus und über mir/ rauscht die schöne Waldeinsamkeit,/ und keiner kennt mich auch hier (vertont von Robert Schumann).

hart

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212

Sonntag, 4. März 2018, 00:16

Die Gottlob-Frick-Gedächtnisstätte in Ölbronn-Dürrn

Wo liegt denn Ölbronn-Dürrn? Das ist eine Frage die sich wohl viele Menschen stellen, falls sie nicht schon einmal dort waren oder in unmittelbarer Umgebung wohnen - zur Kreisstadt Pforzheim sind es 12 Kilometer, Stuttgart ist etwa 60 Kilometer entfernt.
Ist man dann als Musikinteressierter erst einmal auf der Dürrner Straße in den Ort gekommen, fällt auf, dass es hier einen Gottlob-Frick-Weg gibt. Folgt man der Dürrner Straße weiter, kommt man direkt zum Rathaus Ölbronn, wo sich die Gottlob-Frick-Gedächtnisstätte befindet.




Schild am seitlichen Rathaus-Eingang

Gottlob Frick, der weltbekannte schwarze Bass, eine heute praktisch ausgestorbene Spezis, kam in Ölbronn, einem Ort, der damals noch nicht mit dem Nachbarort Dürrn verbunden war, am 28. Juli 1906 zur Welt. Diese Welt war für den jungen Gottlob überschaubar; dass er einmal die ganze Welt sehen würde, eher unwahrscheinlich. Gottlob Fricks Vater war Gemeindewaldschütz und Jagdführer, eine sicher wichtige Tätigkeit, aber man konnte dadurch nicht reich werden; der einzige Reichtum der Familie waren die Kinder, es waren deren 13, von denen jedoch, wie damals üblich, nicht alle überlebten. Dass der jüngste der Familie 1934 als Daland auf der Bühne des Coburger Theaters stehen würde, war 1906 mehr als unwahrscheinlich.
In der bäuerlichen Umgebung wurde zwar, weil man YouTube und ähnliche Medien nicht kannte, viel und kräftig gesungen, aber dass man vom Singen leben könnte, glaubte hier niemand. Gottlob konnte zwar bei einem Auftritt zur Konfirmation einmal acht Mark Honorar einstreichen, die er damals durchaus als »Spitzengage« empfand, aber das war eine einmalige Sache.
Musikmachen war in der Bevölkerung weit verbreitet und an Gesangvereinen bestand kein Mangel, und an Mitgliedern auch nicht. Praktisch überall war es üblich, dass sich aus den besten Stimmen Quartette bildeten. Beim Liederkranz Ölbronn war das nicht anders, dass Gottlob Frick dazu gehörte war keine Frage. Der Stimmbruch war für den Heranwachsenden kein Problem, singen konnte er immer. In einem solchen Gesangsquartett wurde also auf gehobenem Niveau gesungen, die Herren waren auf Volksfesten, Hochzeiten und ähnlichen Gelegenheiten zu hören.

Drei der Frick-Brüder waren im Ersten Weltkrieg Soldaten geworden; einer kam nicht mehr zurück, einer starb später an den Kriegsfolgen. Der dritte Bruder, Karl, kam 1918 gesund zurück und hatte einige Musikinstrumente einer aufgelösten Militärkapelle mitgebracht, womit er die Familie versorgte. Man - das waren sechs Brüder von Karl, wobei Gottlob der jüngste war - beschloss nun eine Blaskapelle zu gründen. Damit das Ganze auch ordentlich zum Klingen gebracht werden konnte, versicherte man sich der Hilfe des Oberlehrers Österle, der es zuwege brachte, dass diese Neugründung als Tanz- und Unterhaltungskapelle Furore machte.
Vermutlich war der musikalische Erfolg größer als der wirtschaftliche Gewinn; erste inflationäre Entwicklungen warfen ihre Schatten, als der Bruder Christian 1923 starb, hörte man auf.

Als Gottlob Frick die Volksschule abgeschlossen hatte, fasste er eine Ausbildung als Techniker ins Auge und besuchte die Gewerbeschule im etwa 10 Kilometer entfernten Bretten. Mit 17 begann er eine Ausbildung zum Mechaniker in Mühlacker, einem Ort, der die gleiche Wegzeit beanspruchte, aber in der entgegengesetzten Richtung lag.
Neben dem Beruf begleitete er seinen Vater in den Wald, im Wald wurde gejagt, und nach erfolgreicher Jagd gefeiert. Der Jagdpächter hatte honorige Herren zur Jagd geladen und Vater Frick lud als umsichtiger Jagdführer das Quartett des Ölbronner Liederkranzes ein.
Das Quartett war gut, die Stimmung auch, die Darbietungen fanden den Beifall der Jagdgesellschaft. Einer der Gäste hörte besonders interessiert zu, ein Regierungsrat Dr. Paul, der, wenn er nicht jagte, Verwaltungschef der Stuttgarter Staatsoper war. Diesem Herrn waren Klagen seines Chorleiters bekannt, der dringend tiefe Bässe brauchte. Das schien zu passen, der junge Mann aus Ölbronn wurde zum Vorsingen nach Stuttgart gebeten. Gottlob Frick wollte da eine gute Figur machen und studierte mit seinem alten Lehrer Österle »O Isis und Osiris« ein; damit hatte sich der junge Herr Frick, er war gerade mal zwanzig, einen Vertrag als Eleve im Stuttgarter Opernchor ersungen. Am 15. Februar 1927 stand er erstmals auf der Bühne des Staatstheaters. Die Stuttgarter Anfänge waren kein Honiglecken, aber seine Eltern ließen ihm im Rahmen ihrer Möglichkeiten etwas zukommen, aber oft war das Budget doch sehr eng. Als hätten´s die Dörfler zu Hause geahnt, denn sie meinten auf gut schwäbisch, wenn er mal zu Besuch kam: »Mr ka doch net vom Singe lebe!« Nun, ab und an wirkte er beim feinen und renommierten Stuttgarter Liederkranz mit, wo es manchmal etwas an Zuwendung materieller Art gab.

Viele in seiner musikalischen Umgebung - die waren ja alle sachverständig - bemerkten, dass in der Stimme Potenzial steckt. In zunehmendem Maße redete man ihm zu, dass er eine Solistentätigkeit anstreben sollte. Und er nahm die Sache in Angriff; zunächst bei Fritz Windgassen (also nicht bei dessen Sohn Wolfgang), wo Frick als Gast an den Unterrichtsstunden teilnahm. Aber Fricks Gesangslehrer, die ihn echt weiter brachten, waren der Bariton Julius Neudörffer-Opitz und der Bassist Hermann Horner.

Im Stuttgarter Opernbetrieb tat sich Entscheidendes, das zwar auch mit Singen zu tun hatte, aber andererseits sehr privat war. Margarete Bayen, eine Sängerin aus dem Rheinland, kam von der Oper Düsseldorf und stammte aus einem sehr kultivierten Elternhaus. Als Fräulein Bayen in Stuttgart erschien, war sie nicht nur Chorsängerin, sondern wurde auch schon in kleineren Rollen als Solistin eingesetzt.
Das gemeinsame Singen in Stuttgart hatte auch Einfluss auf das Privatleben. Am 28. Juli 1929, es war am Geburtstag des Bräutigams, wurde in der Dorfkirche zu Ölbronn geheiratet, aus Fräulein Bayen war Frau Frick geworden. Von Margarete Frick sind einige wenige Kunstlieder erhalten, aber mit dem Aufstieg ihres Mannes ließ sie ihre eigene Gesangskariere ausklingen.
Für Eingeweihte ist klar, dass Margarete Frick ihren Partner nicht nur in seinen Anfängerjahren monetär unterstützte, sondern ihm auch stets künstlerisch beratend zur Seite stand. Ihre Ehe hatte mehr als 65 Jahre Bestand.

1930 verpflichtete Siegfried Wagner den Herrn Frick nach Bayreuth, nicht als Wotan, sondern als Chorsänger. In Stuttgart gab´s die ersten kleinen Rollen für ihn und das hätte sich so über die Jahre hinziehen können. Als das Coburger Theater im Mitteilungsblatt für Bühnenangehörige einen 1. Bassisten suchte, hielt sich Frick für geeignet, sang vor und wurde sofort engagiert. Ein junger Sänger hatte in den damaligen Verhältnissen viel zu tun, weil viel mehr Stücke gezeigt wurden, als das heute üblich ist, es gab Neuinszenierungen am laufenden Band. Aber dem Anfänger Frick eröffneten sich auch Chancen gleich an große Rollen zu kommen; oben wurde bereits erwähnt, dass er als Daland auf der Bühne stand, es war Fricks Debüt am Landestheater Coburg. Es folgten Pogner, Fafner, Hunding und auch größere Rollen außerhalb des Wagner-Fachs. Der Intendant hatte recht bald bemerkt, dass man diesem jungen Mann das alles anvertrauen kann und wenn Frick in seiner Galauniform als Fürst Gremin »Ein jeder kennt die Lieb auf Erden« sang, war ihm Beifall sicher, den man sogar als frenetisch bezeichnen kann.

Schon in der nächsten Spielzeit setzte man in Coburg »Parsifal« auf den Spielplan, und natürlich sollte Frick den Gurnemanz singen, wer denn sonst? Zar Ferdinand, der sich für sein Coburger Theater sehr engagierte, tat auf seine Weise etwas zum Gelingen der Vorstellung, indem er Gottlob Frick seinen Rolls-Royce nebst Fahrer zur Verfügung stellte, damit sich Frick direkt an der Quelle in Bayreuth Anregungen zur Gestaltung dieser Rolle holen konnte - in der von Frick besuchten Aufführung gab der Norweger Ivar Andresen den Gurnemanz; Andresen war zehn Jahre älter als Frick, und das darf man wörtlich nehmen, denn beide Sänger hatten am gleichen Tag Geburtstag. Noch heute lässt sich bei YouTube nachhören, dass ihre Stimmen auch nahe beieinander lagen. Man darf vermuten, dass die Fahrt nach Bayreuth ein Erfolg war, denn nach dem Coburger »Parsifal« schrieb die Zeitung über Frick:

»Sein machtvoller Bass erwies sich als besonders für die große Wagneroper geschaffen. In gleicher Weise wie als Pogner imponierte er in "Parsifal" als Gurnemanz. Mehr und mehr zeigte sich, wie sehr der Künstler an Reife gewonnen hat.«

Nachdem er zwei Jahre in Coburg gesungen hatte, wechselte Frick nach Freiburg, wo er ebenso wie vordem schon, ein breitgefächertes Repertoire sang und auch beim Publikum gut ankam. Aber ein in der Theaterwelt bedeutenderes Haus lockte, das Theater in Königsberg, wo er auf Kollegen traf, die sich in der Opernwelt schon einen Namen ersungen hatten. Als Frick in Königsberg den Daland sang, gastierte der aus Hamburg kommende Bariton Carl Kronenberg, der den Holländer sang.
Der erfahrene Kollege gab Frick einige wertvolle Tipps zum weiteren Ausbau seiner sängerischen Möglichkeiten. Als Frick in Königsberg verabschiedet wurde, lobte man, dass der Sänger sowohl das Komische als auch das Seriöse Fach souverän beherrscht habe.
Als an der Staatsoper Dresden Kurt Böhme einen Abend absagen musste, sprang Frick als Rocco kurzfristig ein und rettete den Abend. Natürlich hatte es in Dresden stimmkundige Leute, man lud Gottlob Frick zu drei Gastspielen ein. Karl Böhm hatte Frick in »Tobias Wunderlich«, einer Oper von Josef Haas, in Königsberg gehört. Zu den drei vorgesehenen Gastspielen kam es nicht, sein König Heinrich im »Lohengrin« hatte ausgereicht, man war sich in Dresden recht schnell darüber klar geworden, dass man diesen Sänger sofort festhalten muss; im November 1940 wurde der Vertrag unterschrieben, Frick war auf einem ersten Gipfel angekommen, ein Jahr später wurde er zum sächsischen Kammersänger ernannt.
Beinahe hätte man ihn Ende 1943 auch noch zum Funker ernannt, denn er wurde zum Militär eingezogen. Aber ein hoher Offizier und Theatergänger hatte den Bassisten erkannt und Frick konnte sich im Rahmen der Verwundeten-Betreuung künstlerisch betätigen. Im Februar 1945 erlebte er die grausame Bombennacht in Dresden, aber die Fricks hatten Glück, weil sie relativ abseits der Innenstadt, in Blasewitz, wohnten.
Im Mai 1945 kamen russische Soldaten in die Stadt, Frick sang im Offizierskasino Mussorgskis »Flohlied« - als Honorar gab´s Kohlen für den Winter. Schon im September des Jahres sang er in einer konzertanten Aufführung den Rocco. Mit dem Dresdner Ensemble gastierte Frick nun auch im osteuropäischen Ausland. Insgesamt zehn Jahre blieb Frick der Dresdner Oper verbunden.

Gottlob Frick orientierte sich nun in Richtung Westen; es gab Gespräche mit Wien, aber er nahm die Angebote der Städtischen Oper Berlin und der Staatsoper Hamburg an.
Rudolf Bing, der seit 1949 die Metropolitan Opera in New York leitete, ließ europäische Sänger suchen; auch Gottlob Frick stand auf der Wunschliste, aber politische Verhältnisse verhinderten einen vorliegenden Vertrag von 1950 zu erfüllen. So kam dann Frick mit einiger Verzögerung erst 1961 an die »Met«. Frick war in Europa eine bekannte Sängerpersönlichkeit geworden, was schon alleine an seinen Auftritten an der Wiener Staatsoper abzulesen ist. Sein erster Auftritt ist mit dem 4. März 1951 als Rocco in »Fidelio« dokumentiert; seine letzte Vorstellung an der WSO ist mit dem 4. Juni 1974 eingetragen, wo Frick unter Dohnányi den Gurnemanz singt, als Amfortas wirkt Siegmund Nimsgern.
In Wien sang Gottlob Frick über Jahre hinweg in 24 Vorstellungen den Komtur, einmal findet man seinen Namen sogar als Verantwortlichen für die Inszenierung, das war die Vorstellung am 14. April 1964. Insgesamt kommt Gottlob Frick an diesem renommierten Haus auf 386 Opernvorstellungen, davon singt er 61 Mal den Serastro.

Es wäre nun müßig, und wohl kaum möglich, in ähnlicher Weise seine Tätigkeit an anderen bedeutenden Häusern im In- und Ausland darzustellen, festzuhalten ist, dass er sich in München und Wien besonders wohl fühlte. Natürlich wirkte er bei den Salzburger Festspielen mit, selbstverständlich auch in Bayreuth, erstmals 1957 als Pogner und dann 1960 bis 1964 in verschiedenen Rollen.
Im Laufe seines langen Lebens wurde er mit Ehrungen und Auszeichnungen überhäuft, war mehrfacher Kammersänger und blieb doch, trotz weltweiter Tätigkeit, immer seiner Heimat verbunden; in den Theaterferien war er oft zuhause anzutreffen. Den Erlös eines Konzerts stiftete er für die Kirchenglocken seiner Heimatgemeinde. 1961 gab er seinen Wohnsitz in München auf und ließ sich in Ölbronn direkt am Wald sein Jägerhaus »Waldfrieden« bauen. Auch Fritz Wunderlich kam nach Ölbronn und sorgte höchstpersönlich für das Gelingen eines Spießbratens. Gottlob Frick war Wunderlichs väterlicher Freund, die beiden waren leidenschaftliche Jäger, der Altersunterschied betrug 24 Jahre, dass der Ältere noch singen würde, wenn der Jüngere längst tot ist, ahnte damals niemand.
Gottlob Frick kannte zwar die ganze Welt, war aber bodenständig und heimatverbunden, vielleicht gerade deshalb, weil er so weit herum kam, liebte er seine Heimat. Bei heimatnahen Veranstaltungen trat Frick auch oft mit Ruth Margret Pütz auf.
Diese Heimatverbundenheit hatte Margarethe Frick, als Rheinländerin, nicht, aber die Fricks hatten neben dem Haus »Waldfrieden« noch eine Wohnung im exklusiveren Baden-Baden, nur eine dreiviertel Autostunde von Ölbronn entfernt. Während Gottlob Frick auf Tonaufnahmen, auch durch die lange währende Karriere bedingt, sehr häufig vertreten ist, sind von seiner Frau nur wenige Kunstlieder auf einer Schallplatte festgehalten.
Auch Gottlob Frick musste dem Alter Tribut zollen, Spaziergänge hatten die Jagdereignisse ersetzt. Am 18. August 1994 starb Gottlob Frick im Alter von 88 Jahren. Eine große Trauergemeinde begleitete ihn zum Friedhof in Ölbronn - sein Grab ist im Thread »Der Musiker Gräber« im Beitrag Nr. 42 zu sehen.

Schon unmittelbar nach der Trauerfeier war sich ein »harter Kern« von Frick-Gefährten und Bewunderern darüber einig, dass diese Künstlerpersönlichkeit nicht der Vergessenheit anheim fallen darf. Man beschloss an seinem Geburtsort eine Gedenkstätte einzurichten, die dann bereits 1997 in einem Festakt eröffnet werden konnte. An diesem Festakt nahmen auch ehemalige Kolleginnen und Kollegen Fricks teil.
Diese Gedenkstätte präsentiert sehr viele Fotos in unterschiedlichen Formaten, Vitrinen mit einer Menge an Auszeichnungen, die dem Sänger verliehen wurden, originale Bühnenkostüme und natürlich eine breite Auswahl an besungenen Tonträgern, sowie die Aufzeichnung von zu Zeiten Fricks populären Fernsehsendungen.

Spiritus Rector des Ganzen ist Hans A. Hey, der im Vorder- und Hintergrund die Fäden zieht und das Ganze am Laufen hält, im Tamino Klassikforum firmiert Hey unter dem Pseudonym »Operus«. Naturgemäß ist ein Museum dieser Art eine mehr oder weniger tote Sache, aber in den kleinen, schmucken Fachwerkort von nur knapp zweitausend Einwohnern kommt mindestens einmal im Jahr mächtig Leben, wenn sich im Herbst die Welt der Oper hier trifft.

Beachtlich große Namen kommen immer wieder, um Erinnerungen auszutauschen und zu schauen, was der singende Nachwuchs so drauf hat, die Veranstaltungen in Ölbronn und im nahen Mühlacker, wo Gottlob Frick einst seine Lehrzeit als Mechaniker begann, sind also auch ein Sprungbrett für junge Künstler. Anlässlich des 100. Geburtstages von Gottlob Frick, hat man den Kultur- und Konzertsaal der Stadt nach dem berühmten Kammersänger benannt.
Natürlich wird in Ölbronn primär Gottlob Frick, der große Sohn des Ortes, geehrt, dem die Gemeinde in ihrem Rathaus respektabel viel Platz einräumt, aber nicht nur ihm wird »gehuldigt«, man bezieht ganz bewusst das gesamten Umfeld Fricks mit ein.
Weltweit einmalig ist hier die Sammlung von Handabdrücken. Es hat sich eine Tradition entwickelt, dass bei der herbstlichen Abschlussveranstaltung des Künstlertreffens alle Künstler, die erstmals teilnehmen, in einer rechteckigen Tonscheibe ihren Handabdruck mit Unterschrift hinterlassen. Diese Tafel wird gebrannt und verbleibt, durch Glas geschützt, im Museum. Inzwischen verfügt man hier über mehr als dreihundert Tonstücke. Mit der Lesbarkeit der Tonautogramme ist das so eine Sache, deshalb sind die Namen auch nochmals in Druckschrift auf der Glasscheibe angebracht.


Treppenaufgang zur Gottlob-Frick-Gedächtnisstätte - Foto Augenstein


Der Handabdruck von Josef Metternich


Großfotos vom Wirken Gottlob Fricks


Gottlob Fricks Falstaff-Kostüm, das er 1975 bei einer Aufführung an der Stuttgarter Staatsoper trug.

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Sonntag, 4. März 2018, 01:37

aber er nahm die Angebote der Städtischen Oper Berlin und der Staatsoper Hamburg an.
Und der Deutschen Staatsoper Berlin! Dort (im Ausweichquartier Admiralspalast) debütierte er am 21. Juni 1947 in der Premiere der "Zauberflöte" als Sarastro und sang bereits einen Monat später mit dem Daland seine zweite Premiere am Haus. In der Spielzeit 1947/48 stand Frick regelmäßig (wenn auch mit dem Zusatz "a.G.") auf dieser Bühne, neben Sarastro und Daland auch ab 3.10. als Premierenbesetzung unter Wilhelm Furtwängler den König Marke in "Tristan und Isolde", ab 20.6.1948 auch als Premierenbesetzung Komtur in "Don Giovanni" unter Joseph Keilberth, ab 2.1.1949 stand er auch als Veit Pogner auf dieser Bühne, ab 29.03.1949 sang er auch den Falstaff in den "Lustigen Weibern von Windsor", ab 19.5.1949 auch den Osmin und ab 7.6.1949 auch den Fürsten Gremin in "Eugen Onegin" (alles mehrfach). In der Berliner Erstaufführung von Gottfried von Einems Oper "Dantons Tod" stand er als Herrmann auf der Bühne, am 13.7.1949 sang er die Solo-Bass-Partie in Pfitzners "Von deutscher Seele". Ab 25.12.1949 sag er auch den Pimen in "Boris Godunow". am 7.2.1950 war Frick die Premierenbesetzung des Capulet in Sutermeisters "Romeo und Julia". Am 17.2.1950 sang Frick im Hause die Solo-Bass-Partie von Händels "Messias". Am 7.4.1950 war Frick der Premieren-Gurnemanz im "Parsifal" unter Joseph Keilberth. Bis Sommer 1950 trat Frick in etwa 100 Vorstellungen regelmäßig am Hause auf, danach werden seine (Gast-) Auftritte seltener. Sein letzter Auftritt im Admiralspalast fand am 15. Juni 1952 als König Marke unter Erich Kleiber statt.
Doch auch im 1955 wiedereröffneten Stammhaus der Staatsoper Berlin gastierte Frick einige wenige Male: im Januar 1956 in der Generalprobe und Premiere von "Tristan und Isolde" unter Franz Konwitschny als König Marke und dann ein letztes Mal am 15.10.1966 als Hagen in der "Götterdämmerung" unter Otmar Suitner.

Ich weiß nicht, wie viele Rollen und Abende Gottlob Frick an der Städtischen Oper (West-) Berlin gesungen hat, aber ich finde, dass 13 Opernrollen und 2 Konzertpartien bei mehr als 100 Auftritten (darunter in 8 Premieren) durchaus eine Erwähnung dieses Hauses (Staatsoper Berlin) in seiner Vita wert sind. :yes:
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

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Sonntag, 4. März 2018, 08:11



Treppenaufgang zur Gottlob-Frick-Gedächtnisstätte - Foto Augenstein


Der Handabdruck von Josef Metternich


Großfotos vom Wirken Gottlob Fricks


Gottlob Fricks Falstaff-Kostüm, das er 1975 bei einer Aufführung an der Stuttgarter Staatsoper trug.
Lieber Hart,

heute hast Du Ingrid, mir und sicherlich auch der großen Fangemeinde von Gottlob Frick eine große Freude gemacht. Dein Bericht vom Besuch der Gedächtnisstätte ist gewohnt informativ, umfangreich und aussagekräftig geworden. Die Fotos geben bereits einen gewissen Eindruck von dem Gebotenen in der Gedächnisstätte. Auch alle Fakten sind korrekt wiedergegeben. Also Anerkennung und Dank an Dich, lieber Hart. Vielleicht noch der Hinweis: Die Gedächnisstätte kann jederzeit besichtigt werden und nicht nur am 3. Sonntag im Monat. Auf dem Hinweisschild ist die Telefonnummer 0160/147 1966 vermerkt. Anrufen und kurze Zeit später ist ein Mitglied des Gedächtnisstättenteams vor Ort, meistens Erhard Werthwein, selbst Sänger, Dirigent und noch persönlich gut bekannt mit Gottlob Frick. Es ist also eine Führung mit Verstand Authentizität, Insiderwissen und Herz zu erwarten.
Lieber Hart, nochmals herzlichen Dank, nicht nur für den Bericht über die Gottlob-Frick-Gedächtnisstätte sondern für die ganze ausgezeichnete, enorme Arbeit die Du in den Gedächtnistthreads der "Musiker Gräber" und hier bei der "Musiker Ehrenplätze leistest. Bedeutende Erarbeitungen mit historischem Wert für uns und das Tamino-Klassik-Forum.

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Sonntag, 4. März 2018, 08:18

Es wäre nun müßig, und wohl kaum möglich, in ähnlicher Weise seine Tätigkeit an anderen bedeutenden Häusern im In- und Ausland darzustellen.

Lieber Stimmenliebhaber,
es ist ja gut, wenn man einen kompetenten Spezialisten vor Ort hat - besten Dank für diesen wertvollen ergänzenden Beitrag! Aber wie oben zitiert, der Bericht eines Museums- oder Grabbesuchs kann nicht das leisten, was möglich ist, wenn man eine Biografie in Buchform schreibt. Gottlieb Frick hätte sich bestimmt darüber gefreut, dass seine Leistung in Berlin entsprechend gewürdigt wird, aber 88 Jahre sind eine lange Lebensspanne ...

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Sonntag, 4. März 2018, 08:49

Ich weiß nicht, wie viele Rollen und Abende Gottlob Frick an der Städtischen Oper (West-) Berlin gesungen hat, aber ich finde, dass 13 Opernrollen und 2 Konzertpartien bei mehr als 100 Auftritten (darunter in 8 Premieren) durchaus eine Erwähnung dieses Hauses (Staatsoper Berlin) in seiner Vita wert sind.
Lieber Stimmenliebhaber,

Du überraschst immer wieder durch hervorragende Detailkenntnisse. Wir wußten selbstverständlich einiges über Fricks Berliner Zeit. Dass es jedoch über 100 Auftritte mit so vielen Premieren waren,wurde bei uns bisher nicht in der vollen Bedeutung gesehen. Aus persönlichen Gesprächen wusste ich nur, dass Frick zum Übervater der Städtischen Oper Berlin Heinz Titjen, dem verdienten Intendanten, dem großartigen Regisseur und Dirigenten, also einem Multitalent gute Beziehungen hatte. Dies erklärt wahrscheinlich, warum der Bassist doch so oft in Berlin, dem Stammhaus von Josef Greindl, in großen Partien und Premieren eingesetzt wurde.

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Sonntag, 4. März 2018, 08:58

Lieber Operus,

damit keine Missverstände aufkommen: Ich habe hier die Auftritte Fricks an der Staatsoper Berlin (Ost) nachgereicht. Über Fricks Auftrittszahl an der Städtischen Oper Berlin (West), die zum Stammhaus Josef Greindls wurde, nachdem er an der Berliner Staatsoper nicht mehr auftreten durfte, weiß ich bislang leider auch nichts.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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Sonntag, 18. März 2018, 13:04

Hindemith in Frankfurt am Main - ein enges, aber authentisches Museum


Der Kuhhirtenturm, die ehemalige Wohnung von Paul Hindemith





Die Große Rittergasse in Frankfurt ist eine autofreie Pflasterstraße, in der es wohl weltweit das dichteste Gedränge von Apfelweinwirtschaften gibt, allerdings waren das früher weit mehr als heute; der Stadtteil heißt Alt-Sachsenhausen. Von der Frankfurter Innenstadt kommend, ist die Mainquerung über die Ignatz-Bubis-Brücke wohl die beste Möglichkeit den Turm einfach und schnell zu erreichen. Vom Main her, beginnt dann nach dem Turm die Apfelweinkultur.
Der Turm, der schon seit etwa 1390 hier steht, war einer von mehreren Wehrtürmen und wurde, wohl seiner Größe wegen, Elefant genannt. Ursprünglich einmal als Wehrturm konzipiert, verlor er diese Funktion und man nutzte ihn als Armeleute-Wohnung, die den Kuhhirten beherbergte.1923 erhielt der Turm eine enorme Aufwertung, indem er zur Produktionsstätte bedeutender Kunstwerke wurde, die Oper »Cardillac« und der Liederzyklus »Marienleben« sind zum Beispiel in diesem Turm entstanden. Ab diesem Zeitpunkt diente er nämlich dem Komponisten Paul Hindemith als Wohnung.



Robert Rudolf Hindemith, der Vater von Paul Hindemith, wäre gerne Musiker geworden, schlug sich dann aber als Maler und Anstreicher durchs Leben und spielte zu seiner privaten Ergötzung mit Begeisterung Zither. Die Mutter kam aus einer Familie von Schäfern.
Dem Paar wurde am 16. November 1895 in Hanau ihr erstes Kind geboren, dem sie den Namen Paul gaben, weil der Großvater auch so hieß. 1898 kam Pauls Schwester Toni zur Welt und 1900 Bruder Rudolf; das 1905 geborene Zwillingspaar hatte keine Überlebenschance.

Ab 1905 lebt dann die Familie in Frankfurt. In der Literatur findet man die Aussage: »Paul Hindemiths Vater muss für seine Kinder wohl gleich den Musikerberuf bestimmt haben, denn er unterwarf sie schon in ihrer frühesten Kindheit einem erbarmungslosen musikalischen Drill.«
Es stimmt traurig, wenn man liest, dass die Jahre 1899 bis 1902, bei den Großeltern in Naumburg, für Paul die einzige glückliche Zeit in seiner Kindheit waren.
Das was der Vater für sich erträumt hatte, wollte er in seinen Kindern verwirklicht sehen; noch dem achtzehnjährigen Paul fordert er brieflich asketische Strenge ab. Aber dem musikbegeisterten Vater schwebte offenbar nicht vor, dass sein Sohn mal ein weltbekannter Komponist werden müsse, er war schon zufrieden, wenn seine Kinder in den Dörfern seiner Oberschlesischen Heimat als »Frankfurter Kindertrio« erfolg hatten. Paul und Toni spielten Violine und Rudolf Cello. Chronisten zweifeln daran, dass der Vater das tatsächliche außergewöhnliche Potenzial von Paul erkannte.
Eugen Reinhard in Mühlheim am Main war Pauls erster richtiger Musiklehrer; als Familie Hindemith 1905 nach Frankfurt zog, übernahm die Schweizer Geigerin Anna Hegner Pauls weitere musikalische Ausbildung und empfahl ihn 1907 an Adolf Rebner, der Konzertmeister im Opernorchester war und auch in einem Streichquartett die erste Geige spielte.
Bis zu Pauls Volksschulabschluss wurde er von Rebner als Privatschüler unterrichtet.
Schließlich konnte ihm Rebner dann auch eine Freistelle am angesehenen Hochschen Konservatorium verschaffen. Dort war er ein sehr fleißiger Schüler, sein Vorbild war Adolf Busch.

Bei allem Fleiß holte er aber einiges an freier Entfaltung nach, was ihm in seiner Kinderzeit nicht vergönnt war. Sein Lebensinhalt wurde lockerer und er kam auch mit etablierten Familien in Kontakt. Er spielte Sketsche, Puppentheater, fertigte skurrile Zeichnungen und spielte leidenschaftlich gern mit der Eisenbahn.
Neben den vielen Lehrern, die er hatte, sollte man den privat so unglücklichen Arnold Mendelssohn nennen, der ihm in dieser Zeit ein wichtiger Lehrer in Komposition war.
Als im Sommer 1914 der Erste Weltkrieg begann, hat das auch ganz beträchtlich in das Leben Paul Hindemiths eingegriffen. Wie viele mit ihm, war er von der Sache zunächst begeistert und freute sich, dass die Franzosen endlich was auf die Mütze bekommen sollten, als jedoch sein Vater 1915 als Soldat in Frankreich gefallen war, sah er diesen Krieg mit anderen Augen. Urplötzlich war er in der Situation, dass er Verantwortung für seine Mutter und die noch minderjährigen Geschwister zu tragen hatte.

Da traf es sich gut, dass im Sommer 1915 im Frankfurter Opernhaus ein neuer Konzertmeister gebraucht wurde. Aus dem damals 19-jährigen Paul Hindemith war zwar ein hervorragender Geiger geworden, aber er hatte seine 1908 begonnenen Studien weder als Violinist noch als Komponist offiziell abgeschlossen. Allerdings war er bereits durch Vortragsabende einem fachkundigen Publikum recht positiv aufgefallen. Er bekam seinen Platz im Orchester und erreichte im Frühjahr 1916 sogar die Position des Ersten Konzertmeisters. Ganz so leicht, wie sich das in einer Kurzbiografie liest, war das aber nicht. Man hatte ihn mit dem Vorspiel-Termin überrascht, aber dennoch gelang es ihm, sein Können herauszustellen. Und noch einmal wurde er zu einem Vorspiel gebeten, bei dem der Amsterdamer Kapellmeister Mengelberg zugegen war; dieser versuchte dem jungen Anwärter Steine in den Weg zu legen, weil er sich an Hindemiths Jugend störte, es wurde aber gemunkelt, dass Mengelberg diese Stelle gerne einem Geiger aus seinem Dunstkreis zuerkannt hätte. Hindemith zeigte dann jedoch so viel von seinem überdurchschnittlichen Können, dass man ihm die Stelle zuerkennen musste. Diese Position erreicht zu haben, bedeutete für ihn auch einen großen sozialen Aufstieg. Nun war er also zum Konzertmeister bestellt und hatte immer noch kein abgeschlossenes Studium, aber im Juni 1916 legte er am Konservatorium dann ganz offiziell sein Examen ab, dies war dann allerdings nur noch Formsache.

Am 13. August 1917 - an diesem Tag wurden auf Frankfurt Bomben geworfen und Menschen getötet - hatte es sich für Hindemith ausgefiedelt, er wurde zum Militär eingezogen, aber man gab ihm vorerst noch Gelegenheit weiterhin im Opernorchester zu spielen. Im Januar 1918 war dann damit Schluss, sein Regiment fuhr gegen Frankreich, zunächst ins Elsass, südlich von Muhlhouse, wo er noch notieren konnte: »Der Dienst ist nicht arg streng, ich habe viel freie Zeit und kann für mich arbeiten, was ich will.» Dort entstand dann tatsächlich sein 2. Streichquartett op. 10, in dieser Kriegsphase hatte er mächtig Glück, sein Kommandeur, Graf von Kielmansegg, war ein großer Musikfreund und erlaubte die Bildung eines Streichquartetts. Als dann das Regiment nach Flandern verlegt wurde, war es mit solcherart Lustbarkeiten vorbei und Hindemith erlebte das Grauen des Krieges; am 10. November 1918 ist in Flandern der Krieg für Paul Hindemith zu Ende.

Diese Kriegserlebnisse haben Hindemiths weiteres Wirken sehr stark geprägt. Zwar tat er im Orchester weiter routiniert seinen Dienst, aber immer mehr widmete er sich dem Komponieren und in dieser Zeit hatte er auch seine Liebe zur Bratsche entdeckt.
1919 wurde Geheimrat Dr. Ludwig Strecker, der Inhaber des renommierten Schott-Verlages, zu einem Konzertabend eingeladen, bei dem ausschließlich Kompositionen von Paul Hindemith auf dem Programm standen, konnte aber nicht an dem Konzert teilnehmen, weil die französischen Besatzer eine Ausreise nicht gestatteten. Aber Dr. Streckers Interesse war geweckt und er ließ sich die Partituren schicken. Für Hindemiths 2. Streichquartett f-moll op. 10, bot man 100 Mark, was Hindemith entrüstet ablehnte; dem Verlag teilte er mit, dass er mit sich reden ließe, wenn man ihm mehr als 500 Mark bieten würde; sei das für den Verlag nicht akzeptabel, möge man ihm bitte seine Arbeit zurückschicken.

1921, bei der Gründung der «Donaueschinger Kammermusik-Aufführungen zur Förderung zeitgenössischer Tonkunst», ergaben sich unerwartete Probleme, wegen der Uraufführung von Hindemiths drittem Streichquartett op. 16. Die für die Erstaufführung vorgesehenen Musiker warfen das Handtuch, der Schwierigkeitsgrad schien ihnen zu hoch.
So kam es dann zur Gründung des Amar-Quartetts, Hindemith gründete es 1922 als Bratschist unter dem Namen des ungarischen ersten Geigers Licco Amar. Hindemiths Bruder Rudolf war als Cellist beteiligt. Paul Hindemith wirkt bis 1929 mit, 1933 löst sich das Quartett auf.
Diese Donaueschinger Uraufführung war für den bisher als Komponist weitgehend unbekannten Hindemith ein voller Erfolg, der ihn mit einem Schlag bekannt machte.
1922 befasst sich Hindemith bevorzugt mit alter Musik und entdeckt seine Liebe zu alten Instrumenten, so auch zur Viola d´amore. Seiner Freundin Emmy Ronnefeld schreibt er einmal: »Ich habe einen neuen Sport, ich spiele Viola d´amore, ein ganz herrliches Instrument, das ganz verschollen ist, und für das nur eine ganz kleine Literatur besteht.«

Als Hindemith 1923 von dem gut betuchten Wiener Pianisten Paul Wittgenstein einen Kompositionsauftrag für ein Klavierkonzert erhält, rückt auch der Frankfurter Kuhhirtenturm so langsam ins Blickfeld der Musikgeschichte.

Paul Wittgenstein hatte durch Kriegseinwirkung seinen rechten Arm verloren. Die Familie war so reich, dass er sich hätte zur Ruhe setzen können, aber er setzte sich nicht zur Ruhe, sondern setzte mit eisernem Willen seine Pianisten-Karriere fort, allerdings waren entsprechende Kompositionen dünn gesät, also vergab er Aufträge, vor allem an Komponisten, mit denen er teilweise schon als Knabe vierhändig gespielt hatte. Neben der Komposition Hindemithts waren da noch Richard Strauss, Franz Schmidt, Erich Wolfgang Korngold, Prokofjew, Ravel und Benjamin Britten im Gespräch.
Paul Wittgenstein war ein schwieriger Kunde, ihm gefiel Hindemiths Arbeit nicht, vermutlich war es ihm zu modern geraten, er nahm es in Besitz, führte es aber nicht auf. Dessen ungeachtet zahlte Wittgenstein sofort, als ihn Hindemith - mit dem Hinweis, dass er sich in einem alten Wartturm eine Wohnung einrichten wolle - bat, ihm die Hälfte des Gesamtbetrags auszuzahlen. Aber das von Hindemith 1923 komponierte Werk - Klaviermusik mit Orchester op. 29 - fand erst im Jahr 2004 den Weg in die Öffentlichkeit und wurde somit über achtzig Jahre nach seiner Entstehung uraufgeführt – so lange hatten die Musikwelt und die Forschung keinen Zugriff darauf.
Noch eine zweite Geldquelle hatte sich inzwischen aufgetan; mit dem Verlagshaus B. Schott's Söhne in Mainz, konnte 1922 ein Vertrag abgeschlossen werden, der die anfänglich mickrigen Angebote des Verlags - wie oben erwähnt - weit übertraf und Hindemith eine monatliche feste Zahlung garantierte.

Hindemith hatte ein Auge auf diesen Wehrturm geworfen, weil er sich nun finanziell in der Lage sah, in das alte Gemäuer einen beträchtlichen Geldbetrag zu investieren. Im April 1923 verhandelte der Magistrat Hindemiths Antrag den Turm zu Wohnzwecken mit Zeitgemäßem Komfort wie Dampfheizung, Bad und Telefon ausbauen zu lassen. 1.000 US-Dollar war damals ein mächtiger Batzen Geld. Als Ausgleich für die von Hindemith bezahlte Renovierung, sollte der Musiker dann in den nächsten dreißig Jahren nur eine geringe Mietbelastung haben. Dass die Stadtverwaltung nun Hindemiths wertvolle Dollars unverzüglich in deutsches Geld eintauschten, das dann in rasender Geschwindigkeit zu fast Nichts verfiel, ärgerte Hindemith sehr. Dennoch konnte der Turm im Herbst 1923 bezogen werden; auch der Zeitung war dieses Ereignis einen Bericht wert und man stellte den spektakulären Vorgang so dar:
»Am alten Kuhhirtenturm schwebten Klavier und Harmonium, Tische und Betten an einem Flaschenzug empor, um durch die Fenster im Innern zu verschwinden.« Endlich konnte Hindemith mit seiner Mutter und Schwester im Turm wohnen.

Hindemith hatte sich praktisch mit allen Musikgenres befasst, so auch mit der Oper, wobei das nicht immer das war, was man sich so unter einer Oper allgemein vorstellt, da waren auch Miniaturopern wie »Hin und zurück«, »Mörder der Frauen« oder »Sancta Susanna« dabei, deren Spieldauer keine halbe Stunde beanspruchte; diese Werke erstanden alle vor 1930.
Seine erste abendfüllende Oper war »Cardillac«, ein Werk, das 1926 seine Uraufführung erlebte und nach dem Zweiten Weltkrieg eine erhebliche Erweiterung erfuhr.
Bei der Dresdner Erstsaufführung reagierten Publikum und Presse verhalten, wie es sich nachlesen lässt. Gleichwohl galt das Werk bei Kennern neuer Musik als Meilenstein in der Entwicklung des Musiktheaters.

1924 hatte Hindemith Gertrud Rottenberg, die Tochter des Frankfurter Opernkapellmeisters Rottenberg, geheiratet. Während Paul Hindemith 1927 einer Berufung an die Musikhochschule Berlin folgte, wohnten Mutter und Schwester weiterhin im Turm, der dann in der Bombennacht am 5. Oktober 1943 zerstört wurde.
In Berlin widmete sich Paul Hindemith nicht ausschließlich nur der Musik, er lernt dort auch Autofahren und nimmt Boxunterricht, wobei Boxlehrer Frank meint, dass das Boxen Hindemiths feinnervigen Händen in keiner Weise geschadet hat.

Nach der politischen Wende 1933 verändert sich das gesellschaftliche Umfeld Hindemiths so, dass er von der nun herrschenden Kulturbürokratie missachtet und seine Werke als »kulturbolschewistisch« bezeichnet wurden. Auch Furtwängler, der für Hindemith eintrat, konnte nicht verhindern, dass Hindemith 1934 als Hochschulprofessor beurlaubt wurde. Hindemith betätigt sich dann im Auftrag der türkischen Regierung in den Jahren zwischen 1935 und 1937 in Ankara mit der Ausbildung von Musikern und Musiklehrern nach westeuropäischem Muster.
Am 28. Mai 1938 wird »Mathis der Maler« in Zürich uraufgeführt, das Werk entstand jedoch im südlichen Schwarzwald, wohin sich der Komponist in aller Stille zurückgezogen hatte. (siehe »Der Musiker Ehrenplätze« Beitrag Seite 4, Nr. 110)
In Zürich gefeiert und in Düsseldorf angeprangert, wo seine Musik als »entartet« bezeichnet wurde, verlegt Hindemith seinen Wohnsitz in die südliche Schweiz und geht, nachdem er seine Möglichkeiten in USA sondiert hatte, 1940 nach Amerika, wo Paul Hindemith an der Yale University als Professor für Musikgeschichte tätig sein kann und später dann auch die amerikanische Staatsbürgerschaft annimmt.

In der Bombennacht 1943 verlor der Turm seine Spitze; als später die Amerikaner in die Stadt kamen, soll ein Soldat von dem zerstörten Turm Fotos gemacht haben, die den Flügel der ehemaligen Hindemith-Wohnung im Regen stehend zeigen.
Unmittelbar nach dem Krieg erhielt der Turm ein ziemlich flaches Notdach. Für einige Zeit stand der Kuhhirtenturm dann der Jugendarbeit zur Verfügung. Nach Ablauf der Nutzung durch das »Haus der Jugend« konnte man eine andere Verwendung ins Auge fassen, es war die Absicht der Stadt Frankfurt, das ganze Viertel aufzuwerten, kulturelle Einrichtungen waren willkommen. Schließlich wurde das ganze Viertel mit erheblichem Aufwand umgestaltet. Dabei hatte man bei der Stadt Frankfurt auch Überlegungen angestellt, wie man den Kuhhirtenturm der Öffentlichkeit zugänglich machen könnte, was bisher nicht möglich war.
2011 konnte das «Hindemith Kabinett im Kuhhirtenturm» mit Ausstellungsräumen zu Leben und Werk Hindemiths sowie einem Musikzimmer für Kammerkonzerte und Veranstaltungen eröffnet werden. Im Turm ist es schon etwas eng, was bereits bei Nennung der Maße deutlich wird:
Die Turmgrundfläche beträgt 6,00 x 7,00 Meter und die Mauern sind 1,50 Meter dick, also darf man demnach keine großen Räume im Innern erwarten. Dennoch verfügt das Gebäude über einen Konzertsaal - vielleicht ist es der kleinste der Welt, aber zumindest der kleinste in Frankfurt. Es ist ein Raum, in dem vor Publikum konzertiert wird und der über einen Konzertflügel verfügt. Etwa 25 Besucher können zuhören, hier finden immer wieder Kammermusik-Veranstaltungen statt. Wenn man den Turm betrachtet wird deutlich, dass er oben breiter ist.
Als der Turm 2010 wieder instand gesetzt wurde und die Turmhaube abgenommen war, nutzte man die Gunst der Stunde und hievte den Flügel, der sorgfältig in einer Holzkiste verpackt war, in die Höhe. Erst im Februar 2011 durfte er ausgepackt werden, als die Bauarbeiten abgeschlossen waren.


Über diesen Weg kommt kein Klavier nach oben










Ein Konzertsaal dieser Größenordnung ist rasch ausgebucht ...


Der Wandschmuck im Konzertsaal ist ebenfalls ein Werk Hindemiths


Hindemith schaute noch auf das alte Frankfurt - so ist der Ausblick für den Museumsbesucher heute.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, schon 1947, kam Paul Hindemith wieder nach Europa. Frankfurt hatte angefragt ob er die Leitung der Musikhochschule übernehmen möchte, aber er mochte nicht, sondern übernahm in Zürich eine Professur für Musikwissenschaft.
Wenn er in den 1950er Jahren nach Frankfurt kam, dann hatte das den wesentlichen Grund zum Arzt zu gehen. 1963, nach einem Konzert in Wien, wird Hindemith schwer krank und seine Ärzte in Frankfurt stellen eine Bauchspeicheldrüsenentzündung fest, am 28. Dezember stirbt Paul Hindemith in Frankfurt. Bürokratische Gegebenheiten stehen einer Beisetzung in Frankfurt im Wege, obwohl seine Frau Gertrud, die in Frankfurt gebürtig war, diesen Wunsch hatte. Seine letzte Ruhe fand Paul Hindemith auf dem Friedhof des an Blonay angrenzenden Ortes La Chiésaz in der Nähe des Genfer Sees.

219

Montag, 19. März 2018, 21:44

Lieber Hart,

herzlichen Dank für diesen ausgezeichneten Bericht über die Gottlob-Frick-Gedächtnisstätte.
Als Präsidiumsmitglied für "Öffentlichkeitsarbeit" der GFG kann ich nur sagen: Hut ab, vor diesem tollen Bericht. :jubel:
Ich habe schon mit dem Gedanken gespielt, deine Ausführungen zu kopieren und als "Flyer" in unserer Gedächtnisstätte anzubieten. Aber da würde ich dann vermutlich urheberrechtliche Probleme mit dir bekommen, oder? ;)

Herzliche Grüße,
Stefan
"...du holde Kunst, ich danke dir!"

hart

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220

Montag, 19. März 2018, 22:55

Aber da würde ich dann vermutlich urheberrechtliche Probleme mit dir bekommen,

Niemals würde ich einen Schubert-Freund verklagen ...

Fiesco

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221

Dienstag, 20. März 2018, 03:16

Hallo hart,

Zitat

Hindemith in Frankfurt am Main - ein enges, aber authentisches Museum
.....jedem Musikliebenden Besuch der bei mir war, habe ich dieses interessante und sehenswerte Museum in Sachsenhausen gezeigt!

Vielen Dank für die Erinnerung! LG Fiesco
Il divino Claudio
"Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

hart

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222

Donnerstag, 22. März 2018, 23:07

Droben stehet die Kapelle ...

es ist nicht die Würmlinger von Uhland, sondern eine Kapelle, die der weltberühmte Dirigent Willem Mengelberg auf mehr als 1700 Meter im Schweizer Engadin erbauen ließ.








Heute ist der Todestag des Dirigenten Willem Mengelberg, auch hoch in den Bergen erinnert eine Kapelle an ihn.

Mengelberg war 1871 im Niederländischen Utrecht geboren, aber seine Eltern stammten aus dem Rheinland, wo Willems Großvater mit der künstlerischen Gestaltung von Kirchenmobiliar zu tun hatte und unter anderem auch für den Kölner Dom die Kreuzwegstationen und die Bronzetüren des Nordportals fertigte. Nun wurde der Kundenkreis immer größer und man registrierte in zunehmendem Maße Aufträge aus den relativ nahen Niederlanden, nach Utrecht sind es ein bisschen mehr als zweihundert Kilometer, also verlegten Willems Eltern zwei Jahre bevor er zur Welt kam, ihren Wohnsitz in die Niederlande.

Durch die ursprünglich Kölner Herkunft der Familie bedingt, bot es sich an, dass Willem sein Musikstudium in Köln absolvierte. Während seines Studiums musste er einmal spontan als Glockenspieler einspringen, als Richard Strauss im Gürzenich »Don Juan« dirigierte, hier in den Schweizer Bergen entstand ein Glockenspiel mit einem gewissen Seltenheitswert.
Zunächst hatte es so ausgesehen, dass aus Mengelberg ein Klaviervirtuose werden könnte, aber dann bot sich ihm 1892 die Gelegenheit als Allroundmusiker in Luzern zu arbeiten. Hier wirkte er als Orchesterdirigent, leitete verschiedene Chöre, war Klavierlehrer und Direktor einer Musikschule; daneben fand er sogar noch etwas Zeit zum Komponieren.
Nun ergab sich 1895 in Amsterdam die Situation, dass das dort seit 1888 bestehende Concertgebouw-Orchester einen neuen Dirigenten brauchte. In den folgenden Jahren konnte er aus diesem Orchester einen Klangkörper formen, der weltweit Beachtung fand. Legendär ist dieses Mahler-Festival von 1920 in Amsterdam, wo sämtliche Mahler-Kompositionen aufgeführt wurden. Als man Otto Klemperer einmal fragte, ob Mengelberg einen besonderen Mahler-Stiel hatte, meinte Klemperer: »Nein. Mengelberg war doch eher ein hervorragender Trainer als ein großer Dirigent. Er verstand das Orchester zu bändigen, und er hatte ein sehr gutes Gehör.«
Nun, es ist wohl nicht zu bestreiten, dass sich Mahler und Mengelberg künstlerisch sehr, sehr nahe waren, das war natürlich auch bei Bruno Walter ähnlich, der aber fünf Jahre jünger war als Mengelberg, ergo konnte der Amsterdamer Chef-Dirigent mehr für den Anschub Mahlers tun.

Im Jahr 1900 war Mengelberg mit seiner Tilly auf der Hochzeitsreise wieder in die Schweiz gekommen. Mit Mengelbergs Ruhm stieg auch sein Einkommen, sodass er sich realistisch nach einem Ruheplätzchen für die konzertfreien Wochen umschauen konnte.

Von alters her war bekannt, dass es im Val Sinestra, das auf dem Gemeindegebiet von Sent liegt, heilende Quellen gibt. Man begann allmählich einen Kurbetrieb einzurichten, der sich gut anließ, so dass man sich dazu entschloss, in dieser eigentlich gottverlassenen Gegend, sechs Kilometer von Sent entfernt, ein stattliches Kurhotel mit 120 Betten zu errichten, das 1912 eröffnet wurde. Kaum war das Hotel eröffnet ging es, bedingt durch unvorhersehbare Ereignisse, wirtschaftlich bergab; der Erste Weltkrieg war dann einem florierenden Kurbetrieb auch nicht förderlich.

Von diesem ehemaligen Kurhaus aus, das durch eine schmale Fahrstraße vom Ort Sent her erreichbar ist, führt ein Wanderpfad, in dessen Verlauf man über zwei spektakuläre Hängebrücken kommt, in einer guten Stunde hoch zum Hof Zuort, der in Urkunden schon 1482 erwähnt ist. Zuort war jahrhundertelang Alpwirtschaft, Säumerstation - also eine Station für Lasttiere - und Zollamt, denn Österreich liegt gleich hinter dem nahen Fimberpass.
1910 kam Mengelberg vom etwa vier Kilometer entfernten Vná und hatte den Flecken gleich ins Herz geschlossen, und es war ihm möglich, ein Stück Land zu erwerben, um sich dort ein Haus zu bauen. Mengelberg entwarf sein Haus selbst. Ab 1914 konnte man Gäste empfangen, aber der etappenweise fortschreitende Bau war dann erst 1922 in seiner jetzigen Form fertiggestellt. 1920 kaufte er auch noch das Bergheimanwesen dazu und setzte einen Bauern aus Sent zum Pächter ein.
Die Gästeliste ist beachtlich und gespickt mit Berühmtheiten aus der Musikwelt wie zum Beispiel: Fritz Kreisler, Richard Strauss, Walter Gieseking, Paul Hindemith, CaselIa ...
Hindemith als Gast in Zuort, wie doch die Zeit vergeht, 1916 versuchte Mengelberg den damals noch blutjungen Hindemith als Konzertmeister in Frankfurt zu verhindern.

Aus Dankbarkeit, dass die Niederlande und die Schweiz vom ersten Weltkrieg verschont geblieben waren, ließ Mengelberg ganz in der Nähe seines Wohnhauses eine Kapelle im Stil einer norwegischen Stabkirche errichten, der man von außen nicht unbedingt ansieht, dass sie im Innern mit aufwändigen Schnitzarbeiten versehen ist.





Die Arbeiten an der Kapelle wurden im Wesentlichen 1928 fertiggestellt. Eine Besonderheit ist das eingebaute Glockenspiel. Im Juni 1924 besucht Mengelberg selbst die Glockengießerei in Aarau und bereits Ende August des gleichen Jahres wurden die ersten sechs Glocken in Zuort angeliefert. Es kamen immer mehr Glocken dazu, letztendlich waren es 15 Glocken geworden. Wie aus alten Unterlagen ersichtlich, gab es bei der Beschaffung der Glocken mitunter finanzielle Engpässe.

Ein Carillon in dieser Landschaft war schon etwas ganz Besonderes, schon die Bezeichnung sagt an, dass es sich um ein Turmglockenspiel handelt. Solche Instrumente haben ihren Ursprung in Belgien, den Niederlanden und Nordfrankreich. Mengelberg soll über hundert »Zuorter Weisen« für sein Glockenspiel komponiert haben, aber nur 17 stehen heute noch zur Verfügung, die anderen sind verschollen. Natürlich war Mengelberg höchstselbst hier Carrillonneur, aber noch viele Jahre nach Mengelbergs Tod spielte seine langjährige Assistentin Ellie Bysterus Heemskerk das Carillon, wenn die Gäste in Zuort eintrafen, dann ging die Zeit darüber hinweg ... Man plant nun eine mechatronische Aufrüstung mit elektronischer Klaviatur, damit irgendwann die Glocken wieder täglich erklingen können.

In seinem Testament hatte Willem Mengelberg festgelegt, dass nach seinem Tode die Chasa für »Musiker aller Welt» offen stehen sollte, damit sie hier - wie er es selbst so gerne getan hatte - ihren Urlaub verbringen können. Das hatte viele Jahre so Bestand, erst in den letzten Jahren ergab sich hier eine andere Situation, weil die Weggefährten des Meisters auch den Gegebenheiten des Lebens Tribut zollen mussten. Vor einigen Jahren übernahm ein wohlhabender Arzt aus St. Moritz das Anwesen, aber die Idylle soll nicht angetastet werden und in Zuort können Fremde, wie zu Mengelbergs Zeiten, immer noch absolut ruhige Nächte verbringen.

Anmerkung: Im Thread »Der Musiker Gräber« ist unter Nr. 525 ein etwas umfangreicherer Text zu Willem Mengelberg eingestellt.


Die Chasa Mengelberg mit Kapelle

hart

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223

Freitag, 30. März 2018, 16:12

Heute vor 152 Jahren ... Richard Wagners Jahre in Tribschen

Am Karfreitag, es war der 30. März 1866, kam Richard Wagner mit seiner Geliebten, Cosima von Bülow, nach Luzern; sie waren aus Genf gekommen und hatten Luzern über die Reiseroute Lausanne, Bern und Interlaken erreicht.




Der Blick aus Wagners Wohnräumen



Während einer Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee entdeckte das Paar die Halbinsel Tribschen am Rand von Luzern mit einem imposanten Herrenhaus, das zwar leicht verwahrlost war, aber dieser Zustand ließ sich ja ändern.
Wie sich herausstellte, stammte das Haus aus dem Spätmittelalter und wurde einst von den Herren zu Tripschen bewohnt. Im 18. Jahrhundert erwarb es eine Luzerner Patrizierfamilie und baute es in seine heutige Form um. Wagner mietete diesen Landsitz von einem Oberstleutnant Walter Am Rhyn und schloss für das möblierte Haus einen Mietvertrag ab; für ein Jahr war die Summe von 3000 Franken fällig. Da die vorhandene Möblierung nicht Wagners Geschmack entsprach, orderte er auf schnellstem Wege Mobiliar aus Genf, München und Wien. Auch einige Umbauten wurden schleunigst veranlasst, die Handwerker waren gefordert, Wagner drängte. Finanziell war die Sache abgesichert, weil der Bayernkönig Ludwig II. für die Miete und teilweise auch den Lebensunterhalt aufkam.
Cosima war alleine nach München weitergereist, während sich Wagner darum kümmerte, dass man hier standesgemäß wohnen konnte und zog bereits am 15. April in das Haus ein. Erst am 12. Mai folgte auch Cosima, die zunächst einige Zeit eher vor der Welt verborgen lebte, es waren etwa fünf ehebrecherische Jahre, die zwar noch nicht einmal Hans von Bülow wahrhaben mochte, auch gegenüber Ludwig II. wollte man so tun als sei da nichts, aber der Sachverhalt war doch mehr oder weniger bekannt.

In München hatte es Wagner 1865 auf die Spitze getrieben; dort war er nicht nur wegen seiner Verbindung mit der Frau des Dirigenten Hans von Bülow ins Gerede gekommen, die Öffentlichkeit betrachtete auch die hochfliegenden Pläne von Theaterprojekten und seine offensichtliche Verschwendungssucht mit steigendem Missmut. Als Wagner dann in einem Zeitungsartikel die Entfernung mehrerer Personen aus dem Kabinett verlangte, hatte er überzogen. Nun stellte man Ludwig II. ein Ultimatum: entweder würde Wagner aus München entfernt oder die Minister träten geschlossen zurück. Der König gab dem Druck seiner Regierung nach, im Dezember 1865 musste Wagner München verlassen; zunächst setzte er sich nach Genf ab.

Es war nicht sein erster Besuch in der Schweiz, schon 1849, als man ihn in Dresden steckbrieflich suchte, hatte er sich in diese Richtung abgesetzt. Sein Freund Franz Liszt organisierte und finanzierte die Fahrt ins neutrale Zürich. Zwischen 1850 und 1861 entwickelte Wagner einen Plan seines zukünftigen Schaffens; er dachte alle Opern vor, die er in seinem Leben schreiben wollte. Damals, noch mit seiner ersten Frau Minna, wohnte er im Gartenhaus der reichen Wesendoncks mit Blick über den Zürichsee.

Luzern kannte Richard Wagner schon lange bevor er mit Cosima die Idylle Tribschen entdeckt hatte. Erstmals war er am 28. August 1850 in der Stadt, dann im Mai 1858, im Frühling 1859, und bei seinem vierten Besuch, der vom 29. März bis zum 7. Dezember dokumentiert ist, vollendet er im Hotel Schweizerhof seine Oper »Tristan und Isolde«; Felix Draeseke, der Wagner dort vier Wochen Gesellschaft leistete und mit ihm viele Ausflüge unternahm, durfte ihm zuschauen, als er die letzten Noten in die »Tristan«-Partitur schrieb. Im Laufe dieses mehrmonatigen Hotelaufenthalts lernte er auch die Hotelbedienstete Verena Weidmann, »Vreneli« genannt, kennen und schätzen. Sie trat bei Wagners Umzug nach München in seinen Haushalt ein, diente ihm dann auch in Genf im Landhaus »Les Artichauts« und war dann auch der gute Geist in Tribschen.

Wagners Frau Minna war im Januar 1866 in Dresden gestorben, während er sich weitab auf Reisen befand und in Marseille von ihrem Tod erst verspätet erfuhr und nicht an der Beerdigung teilnehmen konnte. Aber nun war es von Wagners Seite aus möglich, sein Verhältnis zu Cosima zu legalisieren.
Im Februar 1867 wurde Wagners und Cosimas zweite gemeinsame Tochter Eva in Tribschen geboren, schließlich zog Cosima im November 1868 dann endgültig bei Wagner ein. Nach der Geburt des Sohnes Siegfried im Juni 1869 willigte Hans von Bülow endlich in eine Scheidung ein und überließ Cosima jetzt auch die gemeinsamen Kinder. Am 25. August 1870 wurde diese Verbindung legalisiert, Richard und Cosima heirateten in Luzerns evangelischer Kirche St. Matthäus. Es war keine aufwändige Hochzeit, nur die Wagner geistig verwandte ehemalige »Revolutionärin« Malwida von Maysenburg und des Meisters rechte Hand, der musikalische Sekretär Hans Richter, fungierten als Trauzeugen. Wie berichtet wird, soll der Brautvater von der Hochzeit seiner Tochter aus der Zeitung erfahren haben. Man erinnert sich - selbiger hatte 1849 Wagners Flucht in die Schweiz organisiert.

Wagner gab den »Gutsherrn« und führte nach dem Einzug Cosimas ein großes Haus; neben den nun zahlreichen Familienmitgliedern waren da noch:
Der musikalische Sekretär Hans Richter, der auch die Funktion eines »Maître de Plaisir« hatte und die Hauskonzerte organisierte, eine Erzieherin, ein Kindermädchen, eine Köchin, eine Haushälterin, und zwei bis drei Knechte.
Daneben waren noch eine Menge Tiere zu versorgen: die Hunde »Ruß« und »Koß«, das Pferd »Fritz« und das von Cosima aus München mitgebrachte Pfauenpaar »Wotan« und »Fricka«, sowie ein Goldfasanenpaar, Hühner, Schafe, Katzen ...

Nach Tribschen kamen einige prominente Besucher, der wohl ranghöchste dürfte König Ludwig II. gewesen sein, der schon am 22. Mai 1866 zu Richard Wagners 53. Geburtstag in aller Heimlichkeit anreiste und seinen Auftritt inkognito als Walther von Stolzing hatte. So ganz geheim scheint die Sache dann aber doch nicht gewesen zu sein, denn dieser Ausflug des Königs - er weilte in Tribschen zwei Nächte - sorgte in München für Irritationen, weil dieser Besuch bei Wagner stattfand, als in München wichtige politische Entscheidungen anstanden.

Zu diesem Ereignis kursierte eine mehrstrophige Ballade, deren erste Strophe lautet:

Im Bayernland, in Bayernland,
Da war der König durchgebrannt;
Verschollen und verschwunden
Seit einundzwanzig Stunden;
Die Bayern sind sehr übel dran -
Was fängt man ohne König an?


Ein zweiter, ganz bedeutender Geburtstag, war zu Weihnachten 1870 zu feiern, Cosimas 33. Geburtstag. Ein halbes Jahr vorher, am 6. Juni 1869, hatte sie Richard Wagner den ersehnten Stammhalter geboren - Siegfried. Nun war endlich mal Ruhe im Hause Wagner eingekehrt, nach all den Turbulenzen der letzten Jahre.
In aller Heimlichkeit hatte man Cosimas musikalisches Geburtstags- und Weihnachtsgeschenk vorbereitet. Schon im Oktober 1870 hatte er dieses intime Werk, das ursprünglich mit »Tribschener Idyll« bezeichnet wurde und dann als »Siegfried-Idyll« in die Musikgeschichte einging, komponiert.
Am 4. Dezember übergab Wagner die Partitur seinem Sekretär Hans Richter, der rasch Kopien fertigte und unverzüglich nach Zürich eilte, um dort aus dem städtischen Orchester einige Musiker auszuwählen, mit denen das Stück im Theaterfoyer geprobt wurde; dem folgte dann noch eine Probe, die in einem Luzerner Hotelsaal abgehalten wurde. Dann wurde es am Weihnachtstag in Tribschen spannend: Die Instrumente wurden in der geräumigen Küche gestimmt, dann nahm das kleine Orchester im Treppenhaus Aufstellung - Wagner ganz oben, dann die Violinen, Bratschen, Holzbläser, Hörner und unten Violoncello und Bass.
Den Eindruck dieser Überraschung konnte man viele Jahrzehnte danach in Cosimas Tagebuch nachlesen:

»Wie ich aufwachte, vernahm mein Ohr einen Klang, immer voller schwoll er an, nicht mehr im Traum durfte ich mich wähnen, Musik erschallte, und welche Musik! Als sie verklungen, trat R. mit den fünf Kindern zu mir ein und überreichte mir die Partitur des »Symphonischen Geburtstagsgrußes«–, in Tränen war ich, aber auch das ganze Haus. Auf der Treppe hatte R. sein Orchester gestellt und so unser Tribschen auf ewig geweiht! … – Nun begriff ich R.’s heimliches Arbeiten, nun auch des guten Richter’s Trompete (er schmetterte das Siegfried-Thema prachtvoll und hatte eigens dazu Trompete gelernt), die ihm viele Ermahnungen von mir zugezogen hat.«

Nur ganz allmählich und zögerlich fand dieses Werk seinen Weg in die Öffentlichkeit. Das Siegfried-Idyll ist im Original für Streichquartett mit Kontrabass, Flöte, Oboe, zwei Klarinetten, Fagott, zwei Hörnern und Trompete instrumentiert. Mit größerer Streicherbesetzung wurde das Idyll am 20. Dezember 1871 in Mannheim zum ersten Mal vor geladenem Publikum aufgeführt. Auch in die Aufführung in Meiningen am 10. März 1877 fand noch als geschlossene Veranstaltung statt; so ein bisschen »halbprivater« Charakter blieb erhalten. Es war ja ursprünglich nicht für die große Öffentlichkeit gedacht und so sah es Cosima nicht gerne, dass ihr ganz persönliches Geburtstagsgeschenk vermarktet werden sollte. Aber später war Wagner durch eine finanzielle Zwangslage genötigt, das Werk gegen den Willen Cosimas beim Verlag B. Schott’s Söhne, Mainz, zu veröffentlichen.


Der Erard-Flügel, ein Prachtstück des Museums





Man kann über Tribschen nicht berichten, ohne den Namen Friedrich Nietzsche zu erwähnen; dieser war übrigens sowohl bei den Proben zum »Siegfried-Idyll« als auch bei der Uraufführung im Treppenhaus anwesend.
Nietzsche hatte Wagner schon außerhalb von Tribschen kennengelernt, das war am Abend des 8. November 1868 in Leipzig, in Basel war er dann schon näher an Wagners aktuellen Wohnsitz herangekommen und Wagner hatte ihm gesagt, dass er ja mal in Tribschen vorbei kommen könnte.
Im April 1869 war der erst 24-Jährige Nietzsche als frischgebackener Professor in Basel eingetroffen. Zu Pfingsten 1869, gleich an den ersten freien Universitätstagen, erscheint Nietzsche, der Wagners Werke seit seiner Jugend gut kannte, unangemeldet in Tribschen; diesem Besuch sollten noch zweiundzwanzig folgen, wie Historiker notiert haben. Nietzsche fand bei den Wagners so eine Art Ersatzfamilie, denn an Festtagen wie Weihnachten gehörte er einfach mit dazu und man beschenkte sich gegenseitig. Der Altersunterschied zu Wagner war beträchtlich, immerhin drei Jahrzehnte, aber die altersmäßige Differenz zu Cosima war geringer. Sie gab dem jungen Besucher stets das Gefühl ein besonders wichtiger Gast der Familie zu sein; Spekulationen inwieweit sich Nietzsche verliebt hatte führen hier zu weit ab.
Aber beide Gastgeber registrierten erfreut, dass sich der intelligente junge Mann auch gut als Propagandist für die Bayreuther Sache einspannen lässt, Nietzsche besucht mehrmals Bayreuth und ist auch bei der Grundsteinlegung des Festspielhauses mit dabei gewesen. Er soll sogar erwogen haben, sich von der Universität beurlauben zu lassen, um die Bayreuther Pläne propagandistisch vorantreiben zu können.
Allerdings schaute Friedrich Nietzsche nicht immer und ewig zu Meister Wagner auf. Nietzsche hatte an dem Brahms-Werk »Triumphlied« op. 55 Gefallen gefunden, das er im Sommer 1874 in einem Konzert des Basler Gesangvereins gehört hatte. Bei seinem Bayreuth-Besuch im August 1874 nahm er die Noten mit und versuchte, dieses Werk Wagner näher zu bringen, was dieser heftig ablehnte - »mit Wut und Toben«, heißt es in der Literatur. Nietzsche war von dieser Reaktion schwer enttäuscht, weil er nicht verstehen konnte, dass Wagner nicht die Größe hatte, auch andere Werke anzuerkennen.
Als Nietzsche 1876 wieder nach Bayreuth kam, schenkte ihm das Ehepaar Wagner kaum Beachtung, weil man mit scheinbar Wichtigerem beschäftigt war - kein Vergleich mit der gemeinsamen Zeit in Tribschen. Das in Bayreuth zwischenzeitlich entstandene Milieu war nicht im Sinne Nietzsches und Wagners Hinwendung zu christlicher Symbolik behagte ihm noch weniger. Man begegnete sich noch einmal im Frühherbst 1876 in Sorrent, dann blieben nur noch Erinnerungen an schönere Zeiten in Tribschen.

1872 war das noch ein besseres Verhältnis zwischen den beiden gewesen. Am 25. April war Nietzsche nach Tribschen gekommen und dachte Wagner dort anzutreffen, aber der hatte Tribschen schon am 22. April verlassen, weil die Entscheidung für Bayreuth gefallen war, im Februar hatte er dort ein Grundstück erworben und die Grundsteinlegung des Festspielhauses sollte zu seinem 59. Geburtstag stattfinden.
So fand er nur noch Cosima und die Bediensteten beim Packen vor und beschrieb die Situation so:

»Tribschen hat nun aufgehört. Wie unter lauter Trümmern gingen wir herum. Die Rührung lag überall, in der Luft und in den Wolken; der Hund fraß nicht, die Dienerschaft war, wenn man mit ihnen redete, in beständigem Schluchzen. Wir packten die Manuskripte, Briefe und Bücher zusammen - ach, es war so trostlos!«

Fünf Jahre nach seinem Weggang aus Tribschen, kehrte Wagner, aus London kommend, noch ein einziges Mal ins Tribschener Haus zurück. Nachdem die Wagners sich in Bayreuth ein neues Heim geschaffen hatten, stand das Haus in Luzern einige Jahre leer. Als Wagner dort am 19. Juli 1877 mit seiner ganzen Familie aufkreuzte, war das Haus von einer französischen Familie bewohnt, die sich taktvoll zurückzog und den berühmten Gast mit seinen Erinnerungen alleine ließ.
In der Folgezeit lebten viele andere Mieter in diesem Landhaus, bis sich 1929 eine Kommission mit der Idee gründete aus dem Haus ein Museum zu machen. Am 1. Juli 1933 wurde die Gedenkstätte feierlich eröffnet. Auch nachdem aus dem Wohnhaus ein Museum geworden war, behielt man den Charakter eines Wagner-Wohnhauses bei. Das erste Stockwerk wurde den Nachkommen Richard Wagners als Sommerwohnung zur Verfügung gestellt; sie machten davon regen Gebrauch und bedankten sich dafür, indem sie dem Museum einige Erinnerungsstücke überließen.

Die WAGNER-BÜSTE vor dem Museum
Die in Zürich ansässige Schweizerische Richard Wagner-Gesellschaft schenkte aus Anlass ihres 50 jährigen Bestehens dem Richard Wagner-Museum in Luzern diese Büste. Der Künstler Thomas Hunziker hat sie aus Neusilber gefertigt. Wagner ist in der Lebensspanne dargestellt, in der er das Haus bewohnte.
Dieses erste Wagner-Denkmal in der Schweiz wurde am 17. September 2006 eingeweiht. Ursprünglich war von Hunziker keine Beschriftung des Denkmals vorgesehen, aber auf Wunsch des Museums und der Stadt Luzern hat er diese jedoch nachträglich angefertigt.



Adresse:
Richard Wagner Weg 27, CH- 6005 Luzern
In den Wintermonaten ist das Richard Wagner Museum nicht geöffnet, in diesem Jahr ist es ab 1. April besuchbar.

hart

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Dienstag, 10. April 2018, 19:15

Die Villa Teresa in Coswig - Teresa Carreño und Eugen d´Albert






Das Haus wurde 1874 fertiggestellt und wechselte dann einige Male den Besitzer. 1891 war der Pianist und Komponist Eugen d´ Albert für sich und seine Familie auf der Suche nach einer Wohnung, das Haus stand leer, war ruhig gelegen und bot ausreichend Raum.
Beide Ehepartner waren zu dieser Zeit schon sehr berühmte Leute und hatten stets zahlreiche Konzertverpflichtungen in den bekannten Musikmetropolen und Kontakte mit fast der ganzen Welt. Da war es günstig, dass Coswig bereits über einen Eisenbahnanschluss und ein Post- und Telegrafenamt verfügte.

Damit sich das künstlerisch arbeitende Paar nicht gegenseitig beim Musizieren störte und auch die sonstigen Umtriebe der zahlreichen Kinder, Angestellten und Besuchern d´ Albert nicht beim Arbeiten beeinträchtigten, ließ er sich in der äußersten Ecke des parkähnlichen Grundstücks einen zweistöckigen Pavillon zum Komponieren bauen; so etwas ähnliches hatte er schon vor Jahren in Eisenach praktiziert.

Eine Patchworkfamilie, wie man heute sagt, war damals eine seltene Konstruktion. Als das Paar hier einzog, hatte Eugen d´Albert eine gescheiterte Ehe hinter sich und seinen Sohn Wolfgang in die neue Verbindung eingebracht. Teresa Carreño, d´ Alberts neue Ehefrau, hatte schon zwei gescheiterte Ehen vorzuweisen und brachte ihre Tochter Teresita und Sohn Giovanni in die neue Ehe ein. Aus der neuen Verbindung mit d´Albert gingen zwei Töchter hervor, so dass nach einer gewissen Zeit fünf Kinder zu versorgen waren, wofür natürlich entsprechendes Personal bereit stand.
Es ist die Episode überliefert, dass Teresa mal ihren Mann um Hilfe bat und rief: »Eugenio, komm und schaffe Ordnung, meine Kinder und dein Sohn hauen unsere Kinder.«

Als 1891 die große Tonkünstlerversammlung in Berlin stattfand, traf Eugen d´Albert erstmals mit dieser exotischen Schönheit aus Venezuela zusammen, die Dame soll d´Albert zunächst kühl begegnet sein, wurde aber zutraulicher als sie in einer öffentlichen Orchesterprobe von ihrem Klavierkonkurrenten hörte, wie er das G-Dur-Konzert von Beethoven spielte. Die beiden näherten sich immer mehr an, gaben gemeinsame Konzerte und eine Heirat wurde ihnen von allen möglichen Seiten eingeredet, führende Zeitungen berichteten von der Heirat, was jedoch nicht den Tatsachen entsprach. Hans von Bülow betätigte sich dann auch noch als Ehevermittler und redete den beiden gut zu. Am 27. Juni 1892 gab man sich in London das Ja-Wort.

Da die Immobilie den Namen «VILLA TERESA« trägt, soll auf das Leben der Namensgeberin etwas näher eingegangen werden:

Teresa Carreño wäre fast ein Christkind geworden, sie wurde am 22. Dezember 1853 in Caracas geboren. Sie kam aus einer angesehenen Familie, ihr Vater war ein hochrangiger venezolanischer Politiker und privat ein recht guter Pianist, daneben ist er noch als Verfasser eines spanischen »Knigge« bekannt geworden.
Teresas Mutter hatte erhebliches musikalisches Erbgut mit eingebracht, ihr Vater war Musiker.
Teresas Großvater väterlicherseits war ein bedeutender venezolanischer Komponist.
Den ersten Klavierunterricht bekam das Mädchen von ihrem Vater. Mit fünf Jahren spielte Teresa, die im Kindesalter Teresita genannt wurde, schon leichte Stücke und dann dauerte es nicht lange bis sie mit größter Leichtigkeit Etüden von Czerny und Bertini spielte, auch Phantasien über Opernarien sollen ihr keine Schwierigkeiten bereitet haben.
Als Achtjährige gab sie ihr erstes öffentliches Konzert, hatte aber auch schon eine Polka komponiert, die von einer namhaften Militärkapelle gespielt wurde. Natürlich lag es bei so viel Talent nahe Teresita als »Wunderkind« zu bezeichnen, was jedoch der Familie nicht gefiel, aber die Eltern ahnten schon, dass da ein ganz außergewöhnliches Talent heranreift, aber es war ihnen auch klar, dass es wenig bringt, wenn man nur in Venezuela »weltberühmt« ist ...
Nach langen und eingehenden Beratungen beschloss der Familienrat in die Vereinigten Staaten überzusiedeln. Im Juli 1862 schifft sich die Familie auf einem Segler ein, ihr Ziel ist Philadelphia. Nach einer kurzen Ruhepause ging es weiter nach New York.
Das Besondere am Klavierspiel der Kleinen war die Unbekümmertheit ihres Spiels, das so gar nicht nach harter Arbeit aussah. Der Vater muss ein kluger Mann gewesen sein, denn er versuchte jeglichen Wunderkind-Rummel von seiner Tochter fernzuhalten.
Die Familie konnte es sich leisten, das alles in Ruhe anzugehen, man besaß in Caracas Ländereien, die einiges abwarfen. Die Situation änderte sich schlagartig, als man erfuhr, dass der heimatliche Verwalter betrügerisch tätig war und von dort nichts mehr zu erwarten war.

Hoffnung keimte auf, als sich Louis Moreau Gottschalk, der damals als pianistische Lichtgestalt unterwegs war, nach einigem Zögern die kleine Teresita anhörte, von ihrem Spiel begeistert war und anbot sie zu unterrichten, wann immer er in New York sei. Die leere Kasse einerseits und das positive Urteil Gottschalks andererseits, bewogen Vater Carreño zuzustimmen, dass seine nun neunjährige Tochter vor großem Publikum auftritt - das Konzert fand am 7. November 1862 in der Irving Hall, einem Konzertsaal für zwölfhundert Personen, statt. Das Mädchen hatte einen ganz großen Erfolg und bei einem Konzert, das vierzehn Tage später am gleichen Ort stattfand, soll der Jubel noch enthusiastischer gewesen sein. Teresa konzertierte in Boston und anderen Städten, man reiste herum, die Tochter war zur Ernährerin der Familie geworden. Sie gab Konzerte in Kuba und komponierte zwischendurch immer mal wieder eigene Stücke - zum Ende ihres Lebens hatte sie über vierzig Klavierwerke komponiert. Ein weiterer Höhepunkt war 1863 die Einladung ins Weiße Haus nach Washington, wo sie Abraham Lincoln vorspielte.

Aus musikalischer Sicht hatte Europa kulturell eine nicht zu überbietende Tradition, Familie Carreño beschloss diesem Umstand Rechnung zu tragen und schiffte sich auf dem Dampfer »City of Washington« nach Europa ein, die Überfahrt soll dramatisch gewesen sein, erschöpft ging sie in England an Land; Anfang Mai überquerte man den Kanal und traf in Paris ein. Empfehlungsbriefe an Monsieur Érard waren wertvoll wie Gold. Die Érards bemühten sich sehr um das Mädchen und sie kam unverzüglich in Kontakt mit den besten Musikern Europas. Sie spielte mit dem alten Rossini Klavier, hatte eine Begegnung mit Franz Liszt, traf Claude Debussy, Charles Gounod ... und stellte mit der weltberühmten Adelina Patti, die feststellte, dass Terese über einen wohllautenden Mezzosopran verfügt, Versuche mit ihrer Stimme an.

1866 musste Teresita Carreño den Tod ihrer Mutter Clorinda verkraften, nach einigen Monaten kehrte sie in den Konzertsaal zurück. Der berühmte Impresario Moritz Strakosch stellte eine Künstlertruppe für eine Konzertreise nach USA zusammen, Carlota Patti und der Violinist Émile Sauret waren ebenfalls mit von der Partie. Teresita und Émile waren fast gleichaltrig, fanden Gefallen aneinander und schlossen eine Zivilehe, aus der ein Mädchen und ein Junge hervorgingen; das zweitgeborene Kind, der Junge, wurde nur einen Monat alt. Der ideale Papa war Émile Sauret nicht; nach nur zwei Jahren trennte sich das Paar. Theresa musste weiterhin ihr Geld verdienen und gab das Töchterchen zur Adoption frei.

In Boston trat sie in die Gesangsschule einer Frau Rudersdorff, die mit Hans von Bülow befreundet war, als Klavierbegleiterin ein. Und frau Rudersdorff entdeckte, wie schon vor einiger Zeit Adelina Patti, dass bei Teresa auch Stimme war. Sie studierten die Rolle der Zerline aus »Don Giovanni« ein, in der Teresa Carreño tatsächlich in einigen amerikanischen Städten erfolgreich auftrat. Nun war sie also in der Strakosch-Truppe als Sängerin gelandet. Wo Zerline ist, ist Don Giovanni nicht weit, in der Truppe trug er den bürgerlichen Namen Giovanni Tagliapietra, der als der arroganteste und schönste Bariton galt. Ende 1874 hat sie diesen Traummann geheiratet, im März 1878 war sie wieder Mutter einer Tochter geworden. Als das Kind einige Monate alt war, nahm sie ihre pianistische Tätigkeit wieder auf, die Ehe war nicht besonders gut und als das gemeinsame Kind starb, war es kaum drei Jahre alt geworden. 1882 kam Töchterchen Teresita zur Welt, die Mutter komponierte »Mi Teresita«, eine bis heute erhaltene Komposition. 1885 kam noch der Stammhalter Giovanni zur Welt.

Aus Venezuela kam eine ehrenvolle Einladung von der Regierung, der Empfang war im Heimatland war enthusiastisch, Giovanni Tagliapietra stand etwas enttäuscht dabei, weil hier unbestritten seine Gattin der umjubelte Star war. Man glaubte bei all der Begeisterung in Caracas, dass man auch hier - wie in den USA üblich - eine Operntruppe erfolgreich durchs Land schicken könne, die Regierung stellte einen erheblichen Batzen Geld zur Verfügung und Teresa und ihr Mann engagierten Künstler für dieses Unternehmen, das letztendlich nicht gefallen konnte, man schob dem schlechten Tenor die Hauptschuld zu und es waren politische Querelen mit im Spiel. Nachdem man den Dirigenten bedroht hatte, nahm dieser Reißaus und in einigen Opernaufführungen schwang Teresa Carreño den Dirigentenstab, aber das Ganze endete als großes Fiasko.

Giovanni Tagliapietra war ein guter Bariton, aber als vorbildlicher Familienvater war er nicht zu gebrauchen, er spielte eher die Rolle eines flotten Junggesellen. Der Bruder des Baritons, Arturo Tagliapietra kam, um die Kinder zu betreuen und Teresa Carreño kam, von einer Freundin schon oft dazu gedrängt, zum Schluss, dass sie ihre Kunst im in dieser Sache aufnahmebereiten Europa darbieten sollte.
Als Teresas Gatte zu einem Gastspiel reiste, nutzte sie die sich bietende Gelegenheit und buchte für sich und ihre beiden Kinder eilig eine Schiffspassage nach Europa. Die 5000 Dollar Reisegeld waren geliehen, ihre Freundin hatte den Betrag bei einem Freund der Künste locker gemacht, der das Geld leihweise zur Verfügung stellte, und es dann später von der erfolgreichen Teresa Carreño zurück bekam.
Arturo Tagliapietra fiel die pädagogische Aufgabe zu, seinem Bruder mitzuteilen, dass Teresa nicht mehr zurück kommt und die Scheidung eingereicht hat.

Im Juli 1889 kam die vaterlose Familie in London an und reiste von dort nach Paris weiter, wo sie von Teresas Bruder, Manuel Carreño, der dort im diplomatischen Dienst stand, erwartet wurden. Die aus New York Kommenden staunten nicht schlecht, man hatte hier gerade das höchste Gebäude der Welt errichtet, den Eiffelturm.
Ende Oktober traf Teresa Carreño in Berlin ein und nahm Kontakt zur damals größten und renommiertesten Konzertagentur Wolff & Sachs auf. Man beriet sie dahingehend, dass sie für ihr Berliner Debüt ein Klavierkonzert mit Orchester wählen sollte. Im Mittelpunkt stand das a-Moll-Konzert von Grieg. Die Veranstaltung fand in der Singakademie statt, es spielte das Philharmonische Orchester Berlin. Die Pianistin wird als beindruckend und von stattlicher Gestalt und Schönheit geschildert, was, gepaart mit exzellentem Spiel, das sehr sachverständige Publikum voll überzeugte. Rasch war sie in Berlin eine bekannte Größe geworden und unternahm von hier aus auch Konzertreisen, wo sie dann auch einmal Edvard Grieg persönlich kennenlernte, der von ihrem Spiel sehr angetan war. Im Januar 1891 begab sie sich auf eine Tournee durch Russland, wo sie nach zwanzig Jahren mal wieder Anton Rubinstein traf, mit dem sie schon einmal über den Atlantik geschippert war.
Große »Reklame« in Berlin machte auch Hans von Bülow, der ja selbst ein ganz ausgezeichneter Pianist war, für Teresa Carreño - als dann noch Eugen d´ Albert hinzukam, hatten sich die Richtigen gefunden ...
Das Berliner Tonkünstlerfest 1891 war eine Musik-Großveranstaltung allererster Güte, da kam die Crème de la Crème zusammen. Hier trafen die beiden Kometen - wie es in der Literatur heißt - erstmals zusammen Teresa und Eugen; noch war man nicht beim vertraulichen »Du« angelangt, das erste Zusammentreffen fand in der Konzertagentur statt, sie konnte an dem kleinen Engländer nichts finden und war entsprechend kühl, er war von ihrer stattlichen Erscheinung sogleich angetan und Feuer und Flamme und als er sie dann erst spielen hörte, wusste er augenblicklich, dass das eine außergewöhnliche Pianistin war.

Teresa wurde zutraulicher als sie in einer öffentlichen Orchesterprobe von ihrem Klavierkonkurrenten hörte, wie er das G-Dur-Konzert von Beethoven spielte. Die beiden näherten sich immer mehr an, gaben gemeinsame Konzerte und eine Heirat wurde ihnen von allen möglichen Seiten eingeredet, führende Zeitungen berichteten von der Heirat, was jedoch nicht den Tatsachen entsprach. Hans von Bülow betätigte sich dann auch noch als Ehevermittler und redete den beiden gut zu. Beide Partner hatten gescheiterte Ehen hinter sich und aus diesen Verbindungen waren Kinder da. Am 27. Juni 1892 gab man sich in London das Ja-Wort und die neue Familienplanung konnte in Angriff genommen werden. In Coswig, knappe zwanzig Kilometer von Dresden entfernt, hatte man ein großes Grundstück mit einem geräumigen Haus erworben, Eugen ließ sich an einer abgelegenen Ecke des Parks einen Pavillon zum Arbeiten bauen; so war gewährleistet, dass sich beide bei ihrer künstlerischen Arbeit nicht störten.
Es war ein für jeden sichtbar ungleiches Paar, sie groß, schön und stattlich, er wirkte daneben eher unvorteilhaft, der Altersunterschied betrug elf Jahre.
Neben einigen Kompositionen - Eugen und Teresa komponierten -, war auch Eugenia, die gemeinsame Tochter von Teresa und Eugen entstanden.
In Coswig war Ende 1893 Herta, die zweite Tochter, zur Welt gekommen und die Kinderschar auf fünf angewachsen, von Eingeweihten ist die Episode überliefert, dass Teresa mal ihren Mann um Hilfe bat und rief: »Eugenio, komm und schaffe Ordnung, meine Kinder und dein Sohn hauen unsere Kinder.«

Der Geburt von Herta folgte ein Paukenschlag; d´Albert setzte sich ans Wochenbett seiner Frau, um ihr mitzuteilen, dass er die Scheidung möchte. Wie Zeitgenossen mitteilen, sei das wie ein Blitz aus heiterem Himmel gekommen, es seien keine Unstimmigkeiten vorausgegangen. Teresa nahm sich in Berlin gute Anwälte. Da sie auch während der Ehe stets gut verdiente und zur aufwändigen Haushaltsführung erkleckliche Geldbeträge beisteuerte, argumentierte man nun, dass hierzulande die Familienfinanzierung Männersache sei und die Frau im Trennungsfall ihr investiertes Geld zurückfordern könne, das Ganze sollte 70.000 Mark kosten. Erwähnenswert ist, dass beide - Pacta sunt servanda - noch in gemeinsamen Konzerten auftraten.

Dann stand Teresa mit ihren vier Kindern wieder alleine da, aber inzwischen war sie so bekannt, dass sie keine Schwierigkeiten hatte, den Lebensunterhalt zu verdienen; 1896 absolvierte sie in der Konzertsaison mehr als siebzig Veranstaltungen in ganz Europa. 1897 gab sie auch wieder Konzerte in Nordamerika. Dort hatte sie auch ihren Schwager Arturo wieder getroffen, mit dem sie immer bestens zurechtkam. Eines Tages stand Arturo Tagliapietra in Berlin vor der Tür. Endlich hatte Teresa den richtigen Familienvater gefunden, die Initiative soll von ihr ausgegangen sein, im Sommer 1902 war die Hochzeit.

In den folgenden Jahren war Teresa Carreño weltweit unterwegs. 1907 war sie erstmals in Australien und Neuseeland, 1908 gab sieallein in den Vereinigten Staaten achtzig Konzerte und die Chronik verzeichnet für 1909 einhundertzweiunddreißig Konzerte - es sei daran erinnert, dass der erste gesteuerte Motorflug der Brüder Wright erst 1903 stattfand ...

Während des Ersten Weltkriegs musste auch Teresa Carreño ihre Konzerttätigkeit einschränken, kam aber nochmals in der Herbstsaison 1916 nach Amerika, wo sie auch nochmal im Weißen Haus spielte. Teresas Töchter waren inzwischen verheiratet.
Es war eine große Tournee durch Südamerika geplant, aber vorher machte sie noch einen Abstecher nach Kuba. Als sie in Havanna am Flügel saß, sah Teresa die Tastatur doppelt. Man diagnostizierte eine teilweise Lähmung des Sehnervs. Noch einmal unternahm sie einen Versuch, es ging nicht mehr. Teresa Carreño starb am 12. Juni 1917 abends um sieben Uhr, ein ereignisreiches Leben war zu Ende gegangen. Sie wurde zunächst in New York beigesetzt; 1938 überführte man ihre Urne nach Venezuela. Ihr zu Ehren trägt ein 1983 eingeweihter Kulturkomplex in Caracas den Namen Complejo Cultural Teresa Carreño. Und der Name dieser Ausnahmepianistin ist seit 1991 sogar im Weltraum präsent, einer der Einschlagkrater auf der Venus wurde nach Teresa Carreño benannt.

Man kann auch heute noch ihr Klavierspiel - wie das von Eugen d´Albert und anderen Künstlern - hören, weil auch sie Aufnahmen auf diesem »Welte-Mignon-Reproduktionsklavier« gemacht hat, das auch die Anschlagsdynamik weitgehend originaltreu wiedergeben kann.

Eugen d´Albert verkaufte 1896 die Villa an den reichen Schweizer Paul Matter, der ein Faible für neuzeitliche Technik hatte und das Anwesen in diesem Sinne aufmöbelte, aber der Reichtum des neuen Besitzers schmolz hinweg. Nach den Kriegswirren wurde das Haus mit Flüchtlingen und Ausgebombten belegt. Die verwitwete Elisabeth Matter ist so verarmt, dass sie die Rhododendronblüten des Gartens in den Coswiger Blumenläden zum Kauf anbietet. Nach ihrem Tod geht das Haus 1961 in das Eigentum der Stadt über und wird zu einem Sechsfamilienhaus umgebaut, wobei das Haus seine historische Fassade und einiges mehr verliert. Zum 70. Todestag von Teresa Carreño lässt der Botschafter Venezuelas eine Gedenktafel am Haus anbringen. Als der einstige Botschafter Venezuelas in der DDR, der inzwischen Botschafter seines Landes in Deutschland geworden war, nach der Wende in Coswig anfragt, wie die 1987 versprochene Sanierung der Villa vorangekommen sei, kommt Bewegung in die Sache. Ein Förderverein wird gegründet und der Plan für eine Gedenkstätte entwickelt; im Jahr 2000 wird mit dem Umbau des Gebäudes begonnen.

Die aufwändige Wiederherstellung der historischen Fassade zeigt weitgehend wieder das ursprüngliche Gesicht; auch das Herrenzimmer, der Damensalon, das frühere Speisezimmer und die Bibliothek werden wieder hergerichtet. Der große Salon - einst Treffpunkt für Musiker und Literaten um Eugen d´Albert und Teresa Carreño - wird als Kammermusiksaal eingerichtet.
Neben Kammermusikabenden, Lesungen und kleinen Theaterstücken finden in den Räumen der Villa Teresa standesamtliche Eheschließungen, sowie private und geschäftliche Feiern statt.



HIER LEBTE VON 1891-1895
EUGEN d´ ALBERT*1864 †1932
KOMPONIST DER OPER TIEFLAND MIT SEINER FRAU
TERESA CORRENO *1853†1917
EINE DER HERVORRAGENDSTEN PIANISTINNEN DER WELT
DIE ZEIT IN KÖTITZ GEHÖRTE MIT ZU IHREN
SCHÖPFERISCHSTEN LEBENSABSCHNITTEN



Adresse:
Villa Teresa
Kötlitzer Straße 30
01640 Coswig

Anmerkung:
In der Literatur findet sich auch der Hinweis, dass »Tiefland« in der VILLA ERMINIA am Lago Maggiore entstanden ist - eine Oper kann zu Teilen schon an verschiedenen Orten entstehen ...

hart

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225

Samstag, 9. Juni 2018, 22:13

Die Reliefs an der Stadtmauer von Bayreuth






Das Kunstwerk ist etwas in die Jahre gekommen ...

Die meisten Passanten waren erstaunt, als ich in Bayreuth nach der Stadtmauer fragte, aber nach einem Dutzend Frageversuchen war das Ziel erreicht.
In der Nähe des Zentralen Busbahnhofs am Hohenzollernring sind zwei Marmorreliefs in die um 1665 in der jetzigen Form errichteten Stadtmauer eingelassen; zwischen den Marmorplatten findet sich auf einer Metalltafel eine dürftige Erklärung, die dürftig sein muss, weil die dahinter stehende ungeheuerliche Geschichte nicht in einigen Zeilen dargestellt werden kann.
Die zwei Kalkstein-Relieftafeln wurden 1976 anlässlich des 100-jährigen Festspieljubiläums hier angebracht; es war ein langer Weg bis zu diesem Bestimmungsort. Die Entstehungsgeschichte reicht bis ins Jahr 1931 zurück.



Schlicht, aber monumental ... eine fast unendliche Geschichte

Im Sommer 1931 sah man in Leipzig den 50. Todestag von Richard Wagner auf sich zukommen und bildete ein hochkarätig besetztes Gremium, um zu prüfen, in welcher Form eine entsprechende Würdigung vorbereitet werden kann; auch das Haus Wahnfried war in Erwartung einer würdigen Ehrung des Meisters. Schließlich wurde von dort daran erinnert, dass Leipzig den Abriss des Geburtshauses zugelassen habe und es nun endlich an der Zeit wäre ein Denkmal zu errichten.
Aber es waren wirtschaftlich keine rosigen Zeiten und Oberbürgermeister Goerdeler entwickelte den bescheidenen Plan, den Klinger-Sockel, der sich versteckt im Palmengarten befand, an einer hervorragenderen Stelle zu platzieren.
Einen Denkmalsenthusiasten weist er darauf hin, dass öffentliche Gelder für eine großzügige Anlage nicht zur Verfügung stehen und die Gelder durch Privatinitiativen aufgebracht werden müssten. Wörtlich heißt es im Brief des OB:

»... ich bedauere, dass Frau Winifred Wagner in ihrem Schreiben vom 9. November von einer Blamage für die Stadt Leipzig spricht und die ungeheure Not und den Hunger der Gegenwart übersieht, wenn sie jetzt meint, es wäre höchste Zeit, dass die Stadt Leipzig jetzt ein Denkmal errichtet. Solche Äußerungen von Frau Winifred Wagner werden auch keineswegs geeignet sein, etwaige Privatinitiative zu fördern, und ich kann daher nur dringende empfehlen, dieses Schreiben von Frau Winifred Wagner nicht in die Öffentlichkeit gelangen zu lassen.«

Von Seiten der Stadt wurden nun eine Denkmalslotterie und andere Geldbeschaffungsmaßnahmen angedacht; im Oktober 1932 erfolgte ein Ideen-Wettbewerb für ein Richard Wagner-Denkmal in Leipzig; in den Vorgaben hieß es unter anderem, dass das Denkmal schlicht, aber monumental sein sollte ..
Es gingen 658 Entwürfe ein; 10 Einreichungen kamen in die engere Wahl. Am meisten überzeugt der Entwurf des 40-jährigen Stuttgarter Bildhauers Emil Hipp, der ein Denkmal im Neo-Klassizistischen Stil konzipiert hatte. Das Votum von Winifred Wagner soll den Ausschlag für Hipp gegeben haben.
Als Oberbürgermeister Goerdeler am 12. Februar 1933 im Gewandhaus den Bau des Richard-Wagner-Denkmals ankündigte, saß Adolf Hitler, gerade eben Reichskanzler geworden, mit Winifred Wagner in der ersten Reihe.
Als die Entwürfe dann in der Reichskanzlei präsentiert wurden, explodieren die Kosten, weil der Herr Reichskanzler, wie es so seine Art war, in größeren Dimensionen dachte.
Das war nun künftig kein Denkmal einer Stadt, sondern ein »Nationaldenkmal des Deutschen Volkes«. Die Gesamtkosten lagen bereits 1938 bei 4,5 Millionen Mark.
Die Grundsteinlegung erfolgte am 6. März 1934. Der »Führer« reist mit entsprechender Entourage an, das begeisterte Volk saß sogar auf den Dächern. Der »Führer« und Wagner-Verehrer hielt eine Rede, dann nahm er den Hammer zur Hand und sprach:

»Ich lege hiermit den Grundstein zum Richard-Wagner-Nationaldenkmal in Leipzig«.

Emil Hipp beschreibt sein Denkmal so:

»Ich habe es absichtlich und bewusst vermieden, Gestalten aus Wagners Werken für meine Arbeit zu verwenden. Es lag mir vielmehr daran, den Wagnerischen Ideengehalt und die musikalische Ausdeutung in plastische, zeitlose Form zu bringen. Die vier Seiten des Reliefs sollen Folgendes bezeichnen: Schicksal, Mythos, Erlösung, Bacchanal.«

Die Dimensionen sind riesig, der von der Stadt Leipzig hergerichtete Denkmalplatz im Richard-Wagner-Hain, ist eine 150 mal 80 Meter große streng geometrische und terrassenförmige Anlage, die am östlichen Ufer des Elsterbeckens der angemessene Standort des Denkmales sein sollte. Dazu gehörte eine umfassende und gestaltete Gartenanlage. Reste der Anlage sind heute noch zu sehen.
Während der Standort des Denkmals hergerichtet war, gab es in Kiefersfelden, Oberbayern, wo Hipp für diesen Großauftrag in Steinbruchnähe ein Extra-Atelier errichtet hatte, durch kriegsbedingte Einwirkungen immer mehr Probleme, im Laufe der folgenden Jahre wurden noch viele Einweihungstermine genannt, aber aufgrund der dramatischen Kriegsereignisse dann immer weiter nach hinten geschoben, spätestens als Leipzig im Dezember 1943 durch einen Luftangriff schwer getroffen wurde, hatte ein Wagner-Denkmal dort wirklich keine Priorität mehr.

Zum Kriegsende lagerten die fast ganz fertiggestellten Denkmalteile in Kiefersfelden und die inzwischen politisch ganz anders ausgerichtete Stadt verweigerte die Annahme des Denkmals, das zwar bereits fast ganz bezahlt war, aber es ging um Lager- und Versicherungskosten, die Transportwege waren marode und man hatte in dieser Zeit wirklich andere Sorgen, als ein Denkmal von Kiefersfelden nach Leipzig zu transportieren.
Die damalige Stadtverwaltung schrieb dem Bildhauer unter anderem:

»Ihre ehemaligen Vertragspartner sind seit dem siegreichen Einmarsch der Truppen der vereinten Nationen restlos verschwunden. Damit ist Ihren Aufträgen und Abmachungen die Rechtsgrundlage entfallen und Sie könnten Ihre Forderungen nur noch bei den Kriegsverbrechern in Nürnberg mit anmelden.«

Eigentlich hatte der Bildhauer keinen Vertrag mit Kriegsverbrechern, sondern einen Vertrag mit der Stadt Leipzig, unterschrieben von Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler, der am 2. Februar 1945 in Plötzensee hingerichtet wurde.
Emil Hipp hatte sich noch einige Jahre um die Aufstellung seines Richard-Wagner-Denkmals in anderen deutschen Städten bemüht - vergeblich.
In einem Brief bedauert er, dass er von der Familie Wagner keine Unterstützung erhoffen darf und teilt mit, dass er sogar auf Widerstände stößt, welche unverständlich sind:

»Diese jungen Herren geben überall hin negative Urteile über meine Arbeit ab, sie hätten aber doch mehr die Pflicht über eine Sache, welche ihren Großvater ehrt, gut zu sprechen.«

Als die Marmor-Industrie 35 Kubikmeter von den Wagner-Blockreliefs absägt, um sie zu Fensterbänken zu verarbeiten, überwirft sich Hipp mit der Werksleitung und erhält Hausverbot.
Heute sind die Denkmalteile weit verstreut:
Ein Arzt hat sich die Wände »Mythos«, »Schicksal«, »Liebe« und »Erlösung« in seinen Garten stellen lassen, ein Bauunternehmer erwarb ein Relief, das Seejungfrauen zeigt, für seinen Swimmingpool, am Haus eines Architekten hängt ein kleines Relief mit Hans Sachs ... man könnte noch einige Beispiele nennen ...

»Senta und Mägde in der Spinnstube« aus dem »Fliegenden Holländer« und »Hagen tötet Siegfried« aus »Götterdämmerung«, sind zwar an der Stadtmauer von Bayreuth noch vorhanden, aber man sieht den Reliefs auch an, dass sie schon seit 42 Jahren hier zu Gast sind ...

Demnach wurden also offensichtlich doch Gestalten aus Wagners Werken für das Denkmal verwendet. Das Wissen um dieses Denkmal ist bruchstückhaft wie das Denkmal selbst.
Hipp hatte zwar ab 1936 auch eine Professur an der Staatlichen Kunsthochschule Weimar, aber zwölf Jahre seines Lebens an diesem Werk gearbeitet und in dieser Zeit gab es Veränderungen und Ergänzungen, wie zum Beispiel die Figur des Siegfried zeigt, die manchen markigen Herren als zu weichlich erschien - ein Stadtbaudirektor schrieb:

»Es ist kaum anzunehmen, dass der Führer eine derart weichliche Auffassung der Siegfriedfigur im Denkmalsganzen billigen würde.«

Emil Hipp ließ sich da nicht viel dreinreden und fühlte sich in erster Linie seiner Kunst verpflichtet.

hart

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226

Donnerstag, 14. Juni 2018, 21:14

Hier, wo mein Wähnen Frieden fand: Wahnfried sei dieses Haus genannt

Fünf Jahre lang konnte man hier als Bayreuth-Besucher nicht mehr rein; seit der Festspielsaison 2015 ist es nun wieder möglich; für viele, die Bayreuth besuchten, war es ein Ärgernis - manche sprachen sogar von einem Skandal - dass hier ausgerechnet im Jubiläumsjahr 2013 eine Baustelle war, denn so ganz überraschend kommt ein 200-jähriger Geburtstag ja nicht.


Wahnfried von vorne gesehen, rechts davon ist ein Stückchen vom Neubau zu erkennen


Die Rückseite der Villa - links im Bild ist der geduckte Neubau zu sehen, der unterirdisch
mit Wahnfried verbunden ist, die Häusergiebel haben mit dem Museum nichts zu tun.

Seit 1976, dem Gründungsjahr des Museums, war es in Wahnfried so, dass die Vitrinen oben standen und unten im Keller die Bühnenbildmodelle. Im Saal stand als Prunkstück der Flügel. an welchem der Meister noch selbst spielte und sein Schwiegersohn Liszt auch. Übers Jahr kamen etwa 25. 000 Besucher, die meisten während der Festspiele.

Das Haus am Rande des Bayreuther Hofgartens war bis 1973 im Besitz der Familie Wagner. Mit der Gründung der Richard-Wagner-Stiftung am 1. Mai 1973 ging Wahnfried durch Schenkungsurkunde vom 24. April 1973 in das Eigentum der Stadt Bayreuth über, die es wiederum der Richard-Wagner-Stiftung als Dauerleihgabe zur musealen Nutzung zur Verfügung stellte.

Seit der Eröffnung des Richard-Wagner-Museums im Jahre1976 hatte sich in der Museumslandschaft weltweit, aber auch in Deutschland, einiges getan, was man natürlich auch in Bayreuth bemerkte.
Der Stadtrat beschloss am 15. Dezember 2010 mit einer Gegenstimme den Um- und Neubau des Museums. Die Stadt Bayreuth schrieb einen europäischen Realisierungswettbewerb zur Erweiterung des Museums aus; 25 Architekten wurden geladen; den ersten Preis gewann Volker Staab aus Berlin, ein renommierter Museumsexperte.
Wie andern Orts auch, gab es zunächst heiße Dispute wegen der Kosten, die ursprünglich auf etwa 12 Millionen Euro geschätzt wurden und sich im Endeffekt dann auf stolze 20 Millionen auswuchsen.
Gegen den Neubau, rechts der Villa Wahnfried, der das Museum erweiterte, also einen Bau, den es bisher nicht gab, hatte sich eine Bürgerinitiative formiert, die gegen das Fällen von Bäumen auf dem Wahnfried-Gelände protestierte.
Aber irgendwann stand dann der Bauzaun, in den man in verschiedenen Höhen Gucklöcher eingearbeitet hatte, damit die interessierte Öffentlichkeit wenigstens den Fortgang der Bauarbeiten beobachten konnte.

Wenn man durch die Baumallee kommt und auf das Gebäude zugeht, sieht man zwar Wagners Villa als zentralen Punkt in seiner ursprünglichen Form, aber beim Studium der Geschichte des Hauses wird klar, dass Wahnfried am 5. April 1945, also kurz vor dem Kriegsende, durch eine britische Fliegerbrandbombe zu etwa 60 Prozent zerstört wurde, wenn man Fotos des zerstörten Anwesen sieht, ist klar, dass Wesentliches des Wagnerwohnsitzes unwiederbringlich verlorengegangen ist.

Nun hat man also hier neuerdings nicht nur die restaurierte Wagner-Villa, sondern ein völlig neues Museums-Areal, das aus drei Gebäude-Komplexen besteht.

Rechts von Haus Wahnfried steht noch ein einfaches altes Haus, das heute ein Café beherbergt und früher das Gärtnerhaus war. Im Anschluss an das Museumscafé entstand auf einem schmalen Geländestreifen, der bereits 1930 von Winifred Wagner hinzugekauft wurde, weil sie ein Gewächshaus brauchte, ein völlig neuer in zeitgemäßer Architektur gehaltener Museumstrakt, der durch einen unterirdischen Verbindungsgang mit der Villa Wahnfried verbunden ist; so gelangt man in das Untergeschoss von Haus Wahnfried, wo die spektakulären Schätze des Hauses aufbewahrt werden. Hier befinden sich zum Beispiel die Original-Partituren und Handschriften Wagners.


Das alte Gärtnerhaus - heute Museumscafé - ist mit dem Museumsneubau verbunden.

Hatte man in der Zeit von 1976 bis 2010 in Bayreuth nur ein Wagner-Museum, verfügt man nun immerhin über drei der Öffentlichkeit zugänglichen Gebäuden, denn diese Häuser zur Linken von Wahnfried stehen zwar schon lange da, aber dienten nach dem Tod der prominenten Bewohner - Winifred Wagner starb 1980 - administrativen Zwecken
Das Herzstück der Anlage ist immer noch die Villa von Cosima und Richard Wagner. Wer sie heute unvorbereitet betritt ist überrascht. Nicht mehr vorhandene Möbel wurden durch weiße Hussenmöbel ersetzt, das heißt, dass die Möbel und Bilder, die nicht mehr im Original vorhanden sind, mit weißen Tüchern bedeckt wurden. Das wird so interpretiert, dass es den Anschein hat, als seien die Wagners gerade mal eben nach Italien gereist.
Durch noch vorhandene Fotografien weiß man sehr genau, wie der große Salon ausgestaltet war. Zwei Uhrgläser, Wagners Brille und ein Federhalter sowie der Flügel, den Wagner 1876 von der Firma Steinway & Sohns zu seinen ersten Festspielen als Geschenk erhielt, sind noch originale Stücke aus Wagners Zeit.
Über die Ausgestaltung des Obergeschosses zu Wagners Zeit weiß man wenig, weil es damals keinen Anlass gab dies im Bild festzuhalten. Hier findet man zum Beispiel Biografisches, die Noten zu »Rienzi«, »Siegfried-Idyll« ... in der neuen Konzeption schließlich auch das Sterbesofa Wagners aus Venedig, vorsichtshalber in einer Glasvitrine, denn bei ebay wurde schon mal für 63,50 Euro ein Stück Stoff angeboten, das von diesem Sofa stammen soll.


Das Sterbesofa Richard Wagners

Der Neubau, ein weitgehend gläserner Pavillon, flankiert das Haus Wahnfried auf der westlichen Seite. Hier geht es vor allem um die Festspiele; zu sehen sind unter anderem historische Bühnenbildmodelle und Kostüme, alles ästhetisch hervorragend und großzügig präsentiert. Für Besucher, die viel Zeit zum Verweilen haben, stehen Audiostationen und Arne-Jacobsen-Egg-Chairs bereit.
Natürlich bietet sich hier auch Raum für Sonderausstellungen zu besonderen Themen.

Mit der Neukonzeption als Gesamtanlage kamen nun 2015 auch die Gebäude westlich von Wahnfried ins Blickfeld, die einst berühmten Besuchern wie zum Beispiel Richard Strauss, Arturo Toscanini und Adolf Hitler Herberge boten.
1894 wurde hier für Siegfried Wagner, Richard Wagners Sohn, ein Wohnhaus im Stil der Neurenaissance gebaut, dem in den 1930er Jahren erhebliche Erweiterungsbauten hinzugefügt wurden. In einer Veröffentlichung ist zu lesen, dass dies der historisch am meisten belastete Ort auf dem Gelände sei.
Siegfrieds Ehefrau Winifred - seit 1930 Witwe - hatte hier viele Politgrößen des Dritten Reiches zu Gast, absoluter Stargast war Adolf Hitler, der hier ein und aus ging - ein Gast mit Familienanschluss, der bereits 1923 schon einmal in der Villa Wahnfried zu Besuch war. später erschien er hier als Reichskanzler; mal leger, mal im Frack.

Winifred Wagner hatte nach dem Tod ihres Gatten in Bayreuth alle Fäden fest in der Hand und konnte aus ihrer Nähe zu den Machthabern des Dritten Reiches sehr viel für den Erhalt der Festspiele tun.
Umso tiefer war ihr Fall nach Kriegsende. In den feudalen Räumen richtete die US-Armee zunächst einen Offiziersclub ein, etwas später sollen die Räumlichkeiten als Bordell genutzt worden sein.
Seit 1957 durfte die ursprüngliche Hausherrin wieder hier wohnen. Als Hans-Jürgen Syberberg 1975 den Film »Winifred Wagner und die Geschichte des Hauses Wahnfried 1914-1975« herausbrachte, waren diese 302 Filmminuten ein Riesen-Aufreger und die Aufgeregtheiten waren auch mit der Eröffnung des Siegfried-Wagner-Hauses zu musealen Zwecken noch längst nicht beendet.
Da man mit der Öffnung des Siegfried-Hauses auch die nichtmusikalischen Aspekte der Festspiele darstellen wollte, war zunächst angedacht den Syberberg-Film hier in voller Länge laufen zu lassen, wie Syberberg sagte »habe man ihm Kränze gewunden«, man war der Meinung, dass der Winifred-Film in diesem neuen Museum unverzichtbar sei.
Wie man heute weiß, hat man inzwischen - sehr zum Leidwesen von Syberberg - darauf verzichtet.


Eine Blick in den Salon


Im Eingangsbereich von Wahnfried


Im Obergeschoss von Wahnfried


Eine güldene Huldigung im Untergeschoss

Ein recht persönliches Resümee des Museumsbesuchs:
Bald wird über diese 20 Millionen Ausgaben Gras gewachsen sein. Das Geld hat sich ja schließlich nicht in Luft aufgelöst; hier ist ein Gegenwert entstanden und zu besichtigen, der nicht nur eine neue, sondern auch wesentlich bessere Situation geschaffen hat.
Natürlich gibt es nicht nur Bewunderer, sondern auch kritische Stimmen. Während einige die politische Seite noch besser ausgeleuchtet sehen wollen, fehlt den anderen das Licht im Kellergeschoss des Neubaus, und so weiter und so fort ...
Wer hier seine Freude und einen schönen und interessanten Tag haben will, kann durchaus auf seine Kosten kommen.
Im Neubau findet man Ästhetik pur, wenn ich jedoch vor der Museumstür stehe, fühle ich mich eher abgewiesen als eingeladen, aber das ist wahrscheinlich darin begründet, dass ich ein Bewunderer von Richard Meier bin.

Anmerkung für Leser, die noch nie in Bayreuth waren:
Die drei Museen sind nicht beim Festspielhaus, sondern am Rande des Bayreuther Hofgartens - Richard-Wagner-Straße 48, 95444 Bayreuth

hart

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Freitag, 15. Juni 2018, 09:41

Berichtigung

Im Saal stand als Prunkstück der Flügel. an welchem der Meister noch selbst spielte und sein Schwiegersohn Liszt auch

Bei den familiären Verhältnissen im Hause Wagner kann man schon mal durcheinander kommen; natürlich war Franz Liszt der Schwiegervater von Richard Wagner, da er dessen Tochter Cosima geheiratet hatte ...

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Donnerstag, 28. Juni 2018, 10:29

Der Reichardts Garten in Giebichenstein



Der Reichardtsgarten ist heute eine Grünanlage im Stadtteil Giebichenstein; bis 1900 war Giebichenstein selbständig, dann wurde es in die Stadt Halle an der Saale eingemeindet. Der Garten ist nach dem ehemaligen Besitzer, dem Komponisten Johann Friedrich Reichardt benannt, der das 5 ha große Grundstück im Jahr 1791 von der Fürstin Luise von Anhalt-Dessau für 9.300 Reichstaler erwarb.
Reichardt schuf hier für sich und seine Familie ein ruhiges Refugium, die Anlage sollte nach dem Vorbild eines englischen Landschaftsparks gestaltet werden, und man orientierte sich an den Ideen Rousseaus.
Zu Reichardts Zeiten gehörte hierzu noch ein Gehöft, in welchem die berühmtesten Kulturschaffenden der Zeit ein- und aus gingen. Dieses Gehöft wurde dann durch Napoleons Truppen verwüstet, und 1902 verschwand es ganz von der Bildfläche, weil man hier eine elektrische Straßenbahn baute.

Den Reichardts Garten gibt es aber immer noch und man findet im Park auf einer Stele auch eine Büste von Johann Friedrich Reichardt, sowie einen Gedenkstein Goethes und eine Goethe-Bank. Noch heute bezeichnet man das grüne Stück Land als »Giebichensteiner Dichterparadies«.
Reichardt war zwar in erster Linie Musiker, aber er betätigte sich auch sehr umfänglich journalistisch, schrieb Reiseberichte und sonst zu allen möglichen Themen und veröffentlichte eine Menge Druckwerke.
Wer zählt die Völker, nennt die Namen, die gastlich hier zusammenkamen? Clemens Brentano, Achim von Arnim, Ludwig Tieck, Wilhelm Grimm, Friedrich Freiherr von Hardenberg - Novalis genannt ...
Wenn Freunde der Familie beisammen waren, las Reichardt seinen Gästen oft etwas vor, zum Beispiel aus »Des Knaben Wunderhorn« und der Dichter Adam Oehlenschläger bemerkte einmal dazu: »Er las gut, besonders trug er die ‹Fischpredigt des heiligen Antonius› vortrefflich vor.«
Immer wieder wird auch auf Reichardts auffallend schöne Töchter hingewiesen, wobei eine der Töchter - es war Louise, die älteste - ihrem Vater folgend, auch Gedichte Goethes vertonte.
Reichardts Gutshaus lag auch relativ nah bei Bad Lauchstädt, die Entfernung beträgt so um die zwanzig Kilometer. Dort hatte Goethe immer mal wieder etwas zu tun und die Theaterleute kamen von dort zuweilen rüber ins gastliche Giebichenstein; auch Madame Mara und Karoline Jagemann beehrten Reichardts Haus mit ihrem Besuch.

Henrich Steffens, Reichardts Schwiegersohn, berichtet, dass seine Schwiegermutter nicht verstehen konnte, dass man auch außerhalb des Gartens irgendeine Freude haben konnte und Steffens meint zu diesem Stück Land:

»Allerdings war dieser sehr anmutig. Reichardt hatte seinem Kutscher und seinem Bedienten Unterricht geben lassen im Waldhornblasen, seine Töchter bildeten zusammen Gesangschöre, die in ihrer einfachen Weise großen Eindruck machten. Nicht allein um das Klavier versammelt hörte man sie gern singen. Wenn, oft an schönen lauen und stillen Sommerabenden die alten wehmütigen lyrischen deutschen Gesänge, von dem Waldhorn begleitet, in dem stillen Garten erklangen, war der Eindruck hinreißend. Der Garten war einfach, ohne alle Ziererei; eine Fülle einheimischer und Nordamerikanischer Bäume zierten ihn; ansteigende Höhen und kleine Täler gaben ihm eine erwünschte Mannigfaltigkeit der Ebene, die sich dem Hause anschloß, ruhige Bequemlichkeit; der in dieser sanften Umgebung mächtige Reilsberg erhob sich dicht hinter dem Garten. Der Küchengarten war von dem anmutigen Park abgesondert, in einem Winkel angelegt. Es durfte in diesem Garten kein Schuß fallen; alle Singtiere und Vögel, die ihn betraten, waren geschützt; Hasen knabberten an den Kräutern, ein Volk Rebhühner brütete ungestört in dem Küchengarten, eine große Schar von Nachtigallen nistete in den Gebüschen; eine stille friedliche idyllische Ruhe herrschte auf dieser geweihten Stätte und es war, als wollte hier das unruhige und unstete Leben des Besitzers eine versöhnliche Vermittlung finden.«


Diese Idylle war vergänglich. Als Napoleons Truppen 1806 vom Süden kommend gegen Mitteldeutschland zogen, bevorzugten die preußischen General bei der Quartiersuche das gepflegte Gut in Giebichenstein. Gespräche über Kunst waren nun nicht mehr angesagt, alles drehte sich um den immer erfolgreicher werdenden Napoleon Bonaparte, der dann auch im Herbst bei Jena und Auerstedt siegte. Nun wurde es für Reichardt und seine Familie brenzlig, denn es war öffentlich bekannt, dass Reichardt ein Gegner Napoleons war. Reichert verfügte zwar nicht über Truppen, aber als Vielschreibender, der sich zu allen möglichen Sachverhalten äußerte, hatte er 1804 etwas mit einer Veröffentlichung zu tun, die Napoleon nicht gefallen konnte. Als nun der neue Herrscher in der Gegend war, ließ er nach dem »professeur de musique« fahnden und ordnete an dessen Gut zu verwüsten.
Reichardt floh nach Danzig, wo er sich in der Form an der Verteidigung Danzigs beteiligte, dass er beim Generalfeldmarschall Graf von Kalckreuth den Dienst eines Sekretärs versah.
Seine Familie hatte Reichardt vorher noch auf einem Gut in der Mark Brandenburg untergebracht.
Im Mai 1807 traf Reichardt in seiner Vaterstadt Königsberg ein, im Sommer begegnete er dort Achim von Arnim und Clemens Brentano wieder.
Inzwischen hatte Luise versucht, die Wohnung in Giebichenstein wieder notdürftig herzurichten, so dass man wohnen konnte.
Am 3. November 1806 fragt Goethe bei dem Altphilologen Friedrich August Wolf an:
»Wie sieht es in Giebichenstein aus? Ist jemand von der Familie daselbst? ...«
Reichardt hatte weder die Kraft noch das Geld, hier die alten Zeiten wieder aufleben zu lassen, aber er wird nun für kurze Zeit Theaterdirektor, unternimmt auch wieder ausgedehnte Reisen und lernt dabei einige interessante Leute kennen - wie eh und je ...


Der Reichardts Garten ist auch heute noch eine Oase der Ruhe



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Sich an seine Jugendzeit erinnernd dichtet Eichendorff 1841:

Bei Halle
Da steht eine Burg überm Tale
Und schaut in den Strom hinein,
Das ist die fröhliche Saale,
Das ist der Giebichenstein.

Da hab ich so oft gestanden,
Es blühten Täler und Höhn,
Und seitdem in allen Landen
Sah ich nimmer die Welt so schön!

Durchs Grün da Gesänge schallten,
Von Rossen, zu Lust und Streit,
Schauten viel schlanke Gestalten,
Gleich wie in der Ritterzeit.

Wir waren die fahrenden Ritter,
Eine Burg war noch jedes Haus,
Es schaute durchs Blumengitter
Manch schönes Fräulein heraus.

Das Fräulein ist alt geworden,
Und unter Philistern umher
Zerstreut ist der Ritterorden,
Kennt keiner den andern mehr.

Auf dem verfallenen Schlosse,
Wie der Burggeist, halb im Traum,
Steh ich jetzt ohne Genossen
Und kenne die Gegend kaum.

Und Lieder und Lust und Schmerzen,
Wie liegen sie nun so weit –
O Jugend, wie tut im Herzen
Mir deine Schönheit so leid.

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Anmerkung:
Das Leben des Gartengründers wurde im Thread »Der Musiker Gräber« etwas ausführlicher dargestellt.

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229

Gestern, 17:18

Das Geburtshaus von Claude Debussy in Saint-Germain-en-Laye


Ein historisches Foto

Claude Debussy war am 22. August 1862 das Erstgeborene Kind in der Familie, vier weitere Geschwister folgten. Die Eltern betrieben dort draußen, etwa 25 Kilometer vom Stadtkern Paris entfernt, ein Steingut- und Porzellangeschäft, womit sich kein Reichtum erwirtschaften ließ, der Vater gab den Laden mangels Rentabilität Ende 1864 auf und zog mit seiner Familie nach Paris; Claude Debussy hat also nur seine ersten Kindheitsjahre hier in der 38 rue au Pain verbracht.
Saint-Germain-en-Laye ist heute eine Stadt von etwa 40.000 Einwohnern. Wenn man mit der Bahn von Paris aus anreist - zum Beispiel von den Haltestellen Auber oder Charles-de-Gaulle-Etoile aus mit der RER-Linie A - erreicht man das Geburtshaus vom Bahnhof Saint-Germain-en-Laye aus in wenigen Minuten, praktisch grad um die Ecke und kann auf diesem kurzen Weg sogar noch das dem Komponisten gewidmete Denkmal sehen.
Hinweis:
In dem Thread »Der Musiker Gräber« ist im Beitrag 526 das Leben von Claude Debussy ausführlicher dargestellt.


Früher war hier auch das Tourismus-Büro untergebracht.


Das Tourismus-Büro ist inzwischen umgezogen.


So sieht das aktuell aus.


Ein Schild am Eingang weist auf die Öffnungszeiten hin.


Man kann den Eingang kaum verfehlen


hart

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230

Gestern, 18:50

Das Denkmal zu Ehren von Claude Debussy in Saint-Germain-en-Laye


Das Denkmal ist in unmittelbarer Nähe zu dieser imposanten Kirche zu finden.




Dieses Schild ist vorne am Sockel des Denkmals angebracht.





Auf dem Weg vom Bahnhof zum Museum kommt man am Place de L´Abbe Pierre de Porcaro vorbei, wo des Denkmal steht.




Wegweiser zeigen zum Museum.

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