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Helmut Hofmann

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121

Montag, 11. Februar 2013, 16:45

Zu: Adelbert von Chamisso

Zit.: „Dennoch kann ich mich hin und wieder an Chamissos Versen ergötzen und möchte sie nicht missen.“

Gut, dass Du Deinem Beitrag diese Bemerkung angehängt hast, lieber Glockenton. Denn aus dem, was ich hier zu den Gedichten von „Frauenliebe und -leben“ sagte, konnte ein ganz falscher Eindruck entstehen: Der eines unbedeutenden Lyrikers Adelbert von Chamisso. Dieser Mann war aber alles andere als das. Und deshalb möchte ich Dir ausdrücklich beipflichten.

Meine Äußerungen bezogen sich ausschließlich auf den Gedichtzyklus „Frauenliebe und -leben“. Das ist aber nur ein winziger Ausschnitt aus dem äußerst vielschichtigen Werk von Chamisso, in dem sich vieles an Lyrik findet, das uns auch heute noch etwas zu sagen hat. Du hast ja „Das Schloß Boncourt“ erwähnt. Dieses Gedicht findet sich – völlig zu Recht – auch noch in heutigen Lyrik-Anthologien. In seiner lyrische Sprache ist es meilenweit von „Frauenliebe und -leben“ entfernt: Fast sachlich im Ton, bildhaft-konkret, ohne jegliche Sentimentalität, und wahrhaftig in der lyrischen Aussage. Die Schlussstrophe, eingeleitet mit dem Vers „Ich aber will auf mich raffen…“, liegt ganz in der Logik der mit wunderbar konkreter Bildhaftigkeit geschilderten Begegnung mit dem Schloss der Väter und der eigenen Jugend, über das der Pflug der Zeit (und konkret die Französische Revolution) hinweggegangen ist.

Man kann mehrere Phasen im Schaffen des Adelbert von Chamisso feststellen. Anfänglich schreibt er noch (übrigens mit Schwierigkeiten im Deutschen, - als französischer Emigrant) noch ganz unter dem Einfluss von Klopstock und der deutschen Klassik. Dann aber, ab 1830, wird er einer der bekanntesten deutschen Lyriker. Zunächst wird er so etwas wie der „Hofpoet“ des biedermeierlichen Bürgertums, weil er Szenen aus dessen alltäglichem Leben lyrisch aufgreift und schildert („Der Klapperstorch“, „Die drei Schwestern“). Hierher gehört auch „Frauenliebe und -leben“.

In dieser Lyrik deutet sich aber schon etwas an, was diesen Poeten dann wirklich bedeutsam werden lässt: Eine Abkehr von der Poetik der Romantik. Chamisso wird deshalb als Vorläufer des lyrischen Realismus eingeschätzt. Und tatsächlich: In der dritten Phase seines Schaffens greift er soziale Themen auf, schreibt sozialkritische Gedichte: „Die alte Waschfrau“, „Der Bettler und sein Hund“, „Der Invalid im Irrenhaus“ u.a. In seiner lyrischen Sprache wird er jetzt regelrecht derb und drastisch. Vor allem aber erkennt man: Für ihn als Dichter ist die Zeit des Feudaladels Geschichte, und er glaubt an den gesellschaftlichen Fortschritt. Daher begrüßt er im Grunde ja auch den Zerfall und die Zerstörung von Schloß Boncourt!

Seltsam an ihm ist dann freilich aber die Schlussphase seines dichterischen Schaffens: Er stilisiert sich ganz bewusst als alten Mann, der eigentlich nur noch zurück, aber nicht mehr vorwärtsblicken kann. Ganz bezeichnend ist diesbezüglich eines seiner Hauptwerke: Das Gedicht in Terzinen „Salas y Gomez“. Das ist eine Art Robinsonade, die aber keineswegs vom Geist jenes anderen Robinson geprägt ist. Im Gegenteil: Diese Schiffbrüchige gestaltet nicht mehr sein künftiges Leben, sondern beschäftigt sich nur noch damit, sein altes Leben auf Steintafeln zu ritzen. Man hat dieses Werk – wohl zu Recht – als „Dokument des endgültigen Abschieds von der Romantik“ bezeichnet.

So, - nun denke ich das Bild von Adelbert von Chamisso ein wenig zurechtgerückt zu haben. Solche Beiträge wie diesen von Glockenton hier nimmt man gerne und dankbar entgegen. Sie regen zum Nachdenken an und ermuntern zur schriftlichen Stellungnahme. Die Frage nach der Zeitgebundenheit von Kunst, Literatur und Musik, die Glockenton aufgeworfen hat, verdiente eine ausführliche Reflexion. Sie ist eine überaus komplexe und – besonders im Falle von Musik – eine höchst schwierige.

hart

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122

Montag, 11. Februar 2013, 22:31

Habt allerbesten Dank für Eure interessanten Beiträge 118 / 119 / 120 / 121. In meinem Beitrag Nr. 95 hatte ich das Buch »Der wilde Europäer« von Beatrix Langner eingestellt.
Aus diesem Buch möchte ich einige wenige Zeilen zitieren, die mir – insbesondere auf Eure Beiträge bezogen – zitierenswert erscheinen:
Da heißt es zum Beispiel auf Seite 307:

»Erst die Germanistik des späten 19. Jahrhunderts hat Adelbert von Chamisso zum harmlos biederen Spätromantiker abgerichtet, seine französische Seite verschwiegen, sein soziales Umfeld germanisiert, seine kritische Zeitgenossenschaft ignoriert und ihn als „unseren Chamisso“ und „Liebling des deutschen Volkes“ (Georg Hesekiel) an die nächste Generation weitergereicht.«

Bezüglich seiner Einstellung wird auf Seite 275 ausgeführt:

»…erteilen Menschen das Wort, die in der Literatur jener Zeit selten sind: Gesetzesbrecher aus Not und Armut … den einfachen Leuten, den Unterdrückten gehört seine Sympathie. Als Familienvater ein Gegner der weiblichen Emanzipation, begrüßt er als Bürger den technologischen Fortschritt, die Dampfmaschine und die Eisenbahn«

Madame de Staël schrieb einmal an Chamisso: „Sie sind altmodisch und modern, Wilder und Edelmann – die Gegensätze zu vereinigen, das ist Vollkommenheit.“

Schließlich sollte man versuchen, Chamisso aus seiner Situation heraus zu verstehen. Der Pulverdampf der Revolution hatte sich gerade verzogen, die Aristokratie strebt wieder nach ihren Privilegien und Chamisso ist bemüht eine Familie zu gründen – vorher erfährt er, dass er unwissentlich ein Kind gezeugt hatte, das inzwischen verstorben ist, aber jetzt vier Jahre alt wäre „…mich neckt die Gestalt eines krauslockigen, vierjährigen Knaben überall und wenn ich dieses Wesen vermisse, womit ich mich in Anbetung wieder finden möchte, dass ich nur in ihm frisch und froh leben könne …“ schrieb er in einem Brief.

Beatrix Langner schreibt:

»Eine Familie gründen, Vater eines Kindes zu werden, endlich nicht mehr als Vereinzelter in der Welt zu sein, seine Gesichtszüge in einem anderen Gesicht vervielfältigt zu sehen, das wünscht er sich schon lange«

Ja, da sind wir mitten drin im Zyklus, genauer gesagt beim 6. Lied Süßer Freund, du blickest, wo es zum Schluss hin heißt:

„Kommen wird der Morgen.
Wo der Traum erwacht,
Und dein Bildnis
Mir entgegenlacht.“

Das ist, wie ich meine, eine sehr persönliche Dichtung, da ist durchaus eigene Betroffenheit. Und was die teilweise dargestellte „Überheblichkeit“ angeht, war bei der Eheschließung auch ein Standesunterschied, was vielleicht zum Teil (niedre Magd) die „Unterwürfigkeit“ der jungen Frau erklärt. Dass das eine veraltete Denkart ist, braucht hier eigentlich nicht näher erläutert werden …
Interessant ist auch der Altersunterschied zwischen den Männern und Frauen, Schumanns Ehe darf man hier durchaus in die Betrachtungen mit einbeziehen.

hart

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123

Dienstag, 12. Februar 2013, 22:06

Linda Finnie + Anthony Legge (Piano)


Das Booklet hat 27 Seiten (Sprachen D / E / F) und gibt für Ersthörer, die mit der Materie nicht so vertraut sind, gute Informationen und bietet alle Liedtexte.
In der Erklärung zu diesem Zyklus heißt es unter anderem:

»Das ganze Thema, beziehungsweise dessen sehr begrenzte, rein männliche Interpretation der Rolle der Frau im Leben, erscheint heute unweigerlich überholt, sprach aber Schumann und dessen damalige Lebensumstände stark an. Er entdeckte diese Verse im Sommer 1840 (Schumanns lyrisches annus mirabilis), als es endlich so aussah, als ob er seine angebetete Clara Wieck doch würde heiraten können. Er schrieb die Lieder in wenigen Julitagen, kurz vor der endgültigen Entscheidung des Gerichts, seine Heirat zu genehmigen – entgegen der bitteren und sinnlosen Ablehnung von Claras Vater. Sie war neun Jahre jünger als Robert, und er hatte sie schon als ganz junges Mädchen gekannt, so dass die selbstlose Anbetung des zweiten Liedes – Er, der Herrlichste von allen – in ihrem Falle völlig zutraf«

Der 1954 in Schottland geborenen Mezzosopranistin Linda Finnie wurde bereits im Jahre 1974 der Kathleen-Ferrier-Memorial-Preis verliehen und eine Menge anderer Preise errang sie ebenfalls. Linda Finnie ist eine weltweit gefragte Sängerin mit einem sehr breit gefächerten Repertoire in den unterschiedlichsten Genres.

Aus diesem Zyklus verabschiedet sich ihre Stimme fast laut- und tonlos ... eine sehr solide gesungene Aufnahme.

hart

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124

Donnerstag, 14. Februar 2013, 18:02



Das 46 Seiten umfassende Booklet zu dieser CD bietet für Hörer, die sich noch nicht besonders mit dem Liedschaffen Schumanns beschäftigt haben, recht gute Informationen, die dreisprachig (D/F/E) angeboten werden. In dem Büchlein findet man auch alle Liedtexte.
Speziell zum Zyklus Frauenliebe und –Leben und zum Textdichter wird folgende Aussage gemacht:
»Im Unterschied zu den meisten Zyklen Schumanns, deren Lieder oft in keiner unmittelbar erkennbaren Verbindung miteinander stehen, wird hier eine richtige „Handlung“ geschildert: Ein Frauenschicksal von der ersten Schwärmerei des jungen Mädchens für den Geliebten, über Brautzeit, Hochzeit, Mutterschaft bis zum Tode des Ehemannes. Der innere Zusammenhang der Lieder wird unterstrichen, wenn im Klaviernachspiel des letzten Liedes das Sarabanden-Thema des ersten Liedes noch einmal erklingt, jetzt als Erinnerung an einstiges Glück.
Zu Chamissos Texten ist oft kritisch vermerkt worden, in ihnen werde die Frau als demütig zum Manne aufblickendes Wesen dargestellt. Das von ihm wiedergegebene Frauenbild stammt aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, und der Hörer unserer Tage sollte es nicht mit heutigen Maßstäben bewerten. Es entsprach den allgemeinen Vorstellungen der Zeit. Schumann ging es vor allem darum, durch seine Musik die Wandlungen, Freuden und Leiden einer Frauenpsyche nacherlebbar zu machen«
Die 1955 in Buenos Aires geborene Sängerin Bernarda Fink (Mezzosopran) hat ihre familiären Wurzeln in Slowenien und ist in den späten 1980er Jahren in Europa heimisch geworden. Bernarda Fink ist nicht die „typische Opernsängerin“, die auch einmal einen Liederabend gibt, man darf sie schon als Spezialistin für das Lied bezeichnen, aber sie befasst sich auch mit Mozart und alter Musik.
Auch bei dieser Aufnahme ist es wieder ganz besonders das letzte Lied des Zyklus, das den Stimmenliebhaber beeindruckt. Hörte man bei den vorher gesungenen Liedern noch einen strahlenden Sopran, wird bei „Nun hast du mir den ersten Schmerz getan, der aber traf“ eine sonore Mezzotiefe gehört, die dieser Situation voll gerecht wird und auch die letzten Worte werden – trotz verhaltenen Singens – klar artikuliert.

Die Kritik einer Musikzeitschrift sagte zu dieser 2002 erschienenen CD:
»Roger Vignoles ist der Sängerin ein ebenbürtiger Partner. Die bei Schumann so oft bis zur ausgewogenen Gleichwertigkeit konzipierte Balance zwischen Gesang und Klavierbegleitung kommt gut zur Geltung, auch wenn letztendlich doch das Hauptaugenmerk gerichtet bleibt auf die attraktive Stimme von Bernarda Fink.«

hart

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125

Sonntag, 17. Februar 2013, 17:51

Lorraine Hunt Lieberson (Mezzosopran) / Julius Drake (Klavier)



Bei der vorgestellten CD handelt es sich um den Mitschnitt eines Konzertes, das am 4. Oktober 1999 in der altehrwürdigen Wigmore Hall (die im Jahre 1901 ursprünglich als Bechstein Hall errichtet wurde), die für ihre gute Akustik bekannt ist und nur 545 Plätze hat, durch Lorraine Hunt Lieberson (Mezzosopran) und Julius Drake (Klavier) aufgeführt wurde.
Im Verlaufe dieses Threads wurden ja schon einige Live-Konzerte vorgestellt, diesem disziplinierten Publikum in der Wigmore Hall würde ich den ersten Preis zusprechen, denn nur unmittelbar nach dem Lied „Du Ring an meinem Finger“ ist so eine Art kollektives Atmen zu hören, ansonsten kein Räuspern oder Hüsteln während die acht Lieder des Zyklus vorgetragen werden. Und als der letzte Klavierton verklungen – eine gefühlte Stille von drei Sekunden (exakt gemessen ist es weniger), bevor der tosende Applaus einsetzt. Bei der im Beitrag 113 besprochenen Aufnahme zum Beispiel, fehlt mir dieser Wimpernschlag an Ruhe.
Lorraine Hunt Lieberson stammt aus Kalifornien und studierte zunächst Viola, um sich dann sehr spät, nämlich mit 26 Jahren, dem Gesangsstudium zu widmen. Ihre großen Vorbilder waren Kathleen Ferrier und Janet Baker. Im Jahre 1999 heiratete sie den amerikanischen Komponisten Peter Lieberson, mit dem sie auch eine künstlerische Gemeinschaft verband. 2006 ist Lorraine Hunt Lieberson im Alter von nur 52 Jahren gestorben. Neben anderen Aufnahmen hat sie uns diese vorzüglich gesungene »Frauenliebe« hinterlassen.
Auch zu dieser CD kann der Zeitungsleser etwas aus seiner täglichen Lektüre erfahren, einschließlich der kritischen Betrachtung des Chamisso-Textes – das liest sich dann so:
»1999 sang sie in der Londoner Wigmore Hall Brahms-Werke und Schumanns Frauenliebe- und leben. Den heute so anachronistisch anmutenden Chamisso-Zyklus vom kuschenden Weibchen interpretiert Hunt Lieberson, mit klarer, nüchterner Diktion. Sie trägt vor, was ist, sucht nach Ausdrucksnuancen in der Musik, weniger im unrettbaren Text«
Wenn ich schreibe, dass diese »Frauenliebe« vorzüglich gesungen ist, dann ist das ein etwas zu allgemeiner Begriff und man sollte die Vorzüge versuchen zu erklären.
Es wird sehr natürlich gesungen, schön gesungen und Lorrain Hunt Lieberson verzichtet auf „Effekte“. Insbesondere beim letzten Lied, wo in manchen Aufnahmen im Bereich Mezzosopran eine oft dramatische Abdunkelung erfolgt oder der Text nur noch gehaucht wird, bleibt die Stimme im „normalen Bereich“ und der Text ist klar verständlich.

Das beigefügte Booklet umfasst 23 Seiten, alle Texte bezüglich der Komponisten und Interpreten nur in Englisch – alle Liedtexte in D / E

hart

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126

Mittwoch, 20. Februar 2013, 16:52

Waltraud Meier (Mezzosopran) / Gerhard Oppitz (Klavier)



Waltraud Meier (Mezzosopran) wurde1956 in Würzburg geboren und debütierte 1976 an der Oper ihrer Heimatstadt; ihr internationales Debüt gab sie 1980 in Buenos Aires in der Wagner-Oper »Walküre«, bei den Bayreuther Festspielen war sie erstmals 1983 als Kundry zu hören. In der Presse wird sie als die populärste Wagner-Sängerin unserer Zeit bezeichnet. Auch wenn sie längst nicht mehr in Bayreuth singt, erklärte sie einmal in einem Interview Bayreuth als „meine musikalische Heimat“
Seit 2011 ist Waltraud Meier als vierte Sängerin (nach Lotte Lehmann, Leonie Rysanek und Hildegard Behrens) mit dem Lotte-Lehmann-Ring ausgezeichnet worden – Hildegard Behrens starb 2009 während einer Festival-Reise in Tokio.
Die Grundlage dieser Weltkarriere ist ein musikbegeistertes Elternhaus und intensives Interesse am Gesang. Während ihres Lehramtsstudiums (Anglistik und Romanistik) sang Waltraud Meier in fünf verschiedenen Chören und nahm privaten Gesangsunterricht. Sie hat nie Musik studiert oder Schauspielunterricht genommen.
Aber in Diesem Thread geht es schließlich nicht um Wagner, sondern um Schumanns Liederzyklus »Frauenliebe und –Leben«, also sollte man auch erwähnen, dass Waltraud Meier sich in der Saison 2003/2004 fast ausschließlich dem Lied widmete; sie sagte damals: "Im Opernalltag geht der Liedgesang immer etwas unter und ich möchte mich nun einmal eine Saison lang ganz darauf konzentrieren."
Bei der vorliegenden CD handelt es sich um eine im Oktober 1997 entstandene Studioaufnahme. Eine solche Stimme hat natürlich alle Möglichkeiten die verschiedensten Gefühle zu artikulieren. Insbesondere beim letzten Lied sah ich die Künstlerin auf der Bühne stehend, aber das ist nicht negativ gemeint, und wirklich ein ganz und gar subjektiver Eindruck. Objektiv ist – überraschenderweise – die „R“-Betonung aufgefallen, über die bereits im Beitrag 113 etwas gesagt wurde. Ein kurzes Zitat aus einem längeren Internetbeitrag (mit Hörbeispiel) von Michael Michaelis sei hier als Fremdmeinung eingefügt:
» Hinzu kommt ihr ganz unglaublicher Umgang mit dem Vibrato. Wenn in Schumanns "Frauenliebe" die Gesangsstimme vor Glück jubelt, muss die Meier nicht schreien, um das Klavier komplett zu übertönen; statt dessen macht sie die Stimme mit einem schnellen Vibrato erdrückend breit – und zwar ohne hörbar hoch- und runter zu eiern, wie man das sonst so oft hört.«
Das Booklet zu dieser CD umfasst 31 Seiten, die erklärenden Texte und alle Liedtexte sind in Deutsch und Englisch vorhanden. Auch aus diesem Text sei Kritisches zum Chamisso-Text zitiert:
»Das Gedicht zeichnet die Abschnitte im Leben einer Frau nach, angefangen bei ihrer ersten Begegnung mit dem Mann, den sie liebt, über ihre Verlobung, die Hochzeit, Schwangerschaft und das Leben als Mutter bis hin zur Trauer über den Tod ihres Gatten. Die Implikation, dass eine Frau nur durch den von ihr verehrten Mann lebt, ist männliches Wunschdenken, an dem selbst einige von Schumanns Zeitgenossen Anstoß nahmen. Doch es ist nachvollziehbar, warum der Komponist sich einer solchen Phantasie hingab: Nur wenige Tage, bevor er den Zyklus am 11.12. Juli 1840 umriss, hatte sich der ein Jahr währende Kampf um Clara Wiecks Hand zu seinen Gunsten entschieden.«

hart

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Donnerstag, 21. Februar 2013, 14:42

Marie-Nicole Lemieux (Kontra-Alt) / Daniel Blumenthal (Klavier)



Marie-Nicole Lemieux (Kontra-Alt) ist 1975 in Kanada geboren und studierte am Conservatoire de musique de Montréal. Ihre Lehrerin machte sie darauf aufmerksam, dass ihre Stimme eigentlich ein Kontra-Alt sei. Natürlich sind die Übergänge fließend, aber wer diese Lieder hört, bemerkt sofort, dass das keine übliche Mezzosopranstimme ist, da geht es ziemlich tief nach unten, da muss man nicht warten bis im fünften Lied die Stelle „scheidet aus eurer Schar“ kommt.
Wenn sich die Sängerin dann im letzten Lied in „ihr innres still zurückzieht“, ist es notwendig, dass man ganz konzentriert zuhört, weil die Stimme sehr zurückgenommen wird.
Man darf Marie-Nicole schon als Spezialistin des Liedgesanges bezeichnen, weil es natürlich auf der Opernbühne nicht die ganz großen Einsatzmöglichkeiten in diesem Stimmfach gibt.
Wer diese Aufnahme mit der vorher besprochenen vergleicht, wird einmal mehr zu dem Schluss kommen, dass man manche Werke einfach in unterschiedlichen Interpretationen hören muss. Einen Teil einer Kundenrezession füge ich hier als Zitat ein:
»Samtig-weich und vollmundig, jedoch niemals übertrieben durchlebt sie den Kosmos von Schumanns Kleinoden. Besonders "Frauenliebe und -leben" scheint der französischen Sängerin in die Goldkehle gelegt. Seit langer Zeit habe ich keine Lieder-CD eines aktuell diskutierten Sängers mehr so intensiv genossen. Dieses Album sei wärmstens ans Herz gelegt.«
Die Aufnahme erschien im April 2009 und ist auch farbpsychologisch interessant, wenn man das schwarze Cover aufklappt, ist die Innenseite in zartem „Frauenrosa“ gehalten und die CD selbst in etwas dunklerer Rosanuance.

Das Booklet umfasst 35 Seiten und gibt allgemeine Informationen in Französisch und Englisch, die Liedtexte sind dreisprachig abgedruckt, also auch in Deutsch.

hart

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Freitag, 22. Februar 2013, 21:26

Soile Isokoski (Sopran) / Marita Viitisalo (Klavier) - erste CD



Soile Isokoski (lyrischer Sopran) ist 1957 in Finnland geboren und ihr Vorname bedeutet soviel wie „nordisches Licht“. Seit 2008 ist sie Kammersängerin der Wiener Staatsoper. Diese »Frauenliebe« ist solide und gut gesungen, aber die acht Lieder stehen im simultanen Kontrast (zumindest bei der der hier gezeigten CD) zu Liedern von Edvard Grieg und Jean Sibelius, die unmittelbar folgen, das war dann für mich das Besondere!
Es ist ja so, dass der Liederzyklus »Frauenliebe –und Leben« wegen seiner Kürze von etwa 22 Minuten, immer im Kontrast zu anderen Liedern steht, aber ganz bewusst wurde das bisher ausgeklammert, weil es zu weit außerhalb des Threadthemas führt. Nur weil mir von Soile Isokoski zwei unterschiedliche CDs mit »Frauenliebe« vorliegen, wird es erwähnt.
Die Aufnahme, die unter dem Titel »Artist Portrait« im Handel ist, beginnt mit 8 Schubert-Liedern und daran schließt sich der Schumann-Zyklus an, und es folgen 3 Lieder von Grieg und 4 von Sibelius. In dem dünnen Booklet von 11 Seiten findet man einige Informationen in Deutsch und Englisch, jedoch keine Liedtexte. Der Leser erfährt zum Beispiel, dass Soile Isokoski seit Jahren immer wieder mit der Pianistin Marita Viitisalo zusammenarbeitet und dass die beiden als finnisches »Dreamteam« gelten. Bezüglich des Schumann-Zyklus heißt es wörtlich:
»Neben der skandinavischen Literatur gilt das besondere Interesse von Soile Isokoski und Marita Viitisalo seit langem dem romantischen Lied – Schumanns Frauenliebe –und Leben ist ein Liederzyklus, der beiden besonders am Herzen liegt.«

hart

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Freitag, 22. Februar 2013, 21:40

Soile Isokoski (Sopran) / Marita Viitisalo (Klavier) - zweite CD



Die CD FINLANDIA-RECORDS mit dem roten Holzrelief als Coverbild, bietet erst Schumanns Liederkreis op. 39 und danach »Frauenliebe –und Leben«. Hier hat das Booklet den Umfang von 31 Seiten und alle Liedtexte sind in Deutsch und Englisch abgedruckt, der erklärende Text über die Interpretinnen und Robert Schumann auch in Finnisch (zumindest vermute ich das) – „Robert Schumannin elämänkaari osoittaa,että kohtalolla on joskus perin sentimentaalien maku.“
»Robert Schumanns Lebensweg zeigt, dass das Schicksal manchmal einen ungemein sentimentalen Geschmack hat.«

Und natürlich auch eine kritische Passage zu Chamissos Text:

»Frauenliebe und –Leben ist auf Gedichte von Adelbert von Chamisso (1781-1838) komponiert, die nunmehr eine ziemliche Belastung für den ansonsten großartigen Liederzyklus darstellen. Das Frauenbild der Gedichte ist nämlich stark befangen in der damaligen eng begrenzten Auffassung von den Geschlechterrollen, und der heutigen Zuhörerin mag es schwer fallen, die Gefühle der Hauptperson zu teilen, wenn sie z. B. im vierten Lied versichert “Ich will ihm dienen, ihm leben, ihm angehören ganz, hin selbst mich geben und finden verklärt mich in seinem Glanz.“
Man kann nur hoffen, dass Schumann nicht versuchte, im Liederzyklus auf die Rolle zu verweisen, die er seiner Gattin Clara zugedacht hatte.
Chamissos ursprünglicher Zyklus enthält neun Gedichte, von denen Schumann acht vertont hat. In ihnen wird das Leben der Frau von dem ersten Augenblick der Liebe zur Verehelichung, der Geburt des Kindes und schließlich bis zum Tod des Ehegatten beschrieben. Die Ironie des Schicksals will es, dass der Lebensweg der Hauptperson dem Los Clara Schumanns sehr nahe kommt. Obwohl das Frauenbild des Zyklus an sich nicht gerade begeisternd ist, kann man nur bewundern, mit welchem instinktiven Feingefühl sich Schumann in die Empfindungen der Hauptperson eingelebt hat.«

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Sonntag, 24. Februar 2013, 18:07

Versteckte »Frauenliebe« Christa Ludwig in der EMI-Box



Christa Ludwig, eine der schönsten Stimmen des 20. Jahrhunderts, verabschiedete sich 1994 von der Bühne. So Gott will, kann sie in wenigen Tagen, am 16. März, 2013, Ihren 85. Geburtstag feiern. 48 Jahre lang stand sie im Rampenlicht, schon mit 17 Jahren sang sie ihre erste Rolle. Auch ihre Eltern waren Theaterleute, die Mutter – Eugenie Bessalla-Ludwig – war ebenfalls Sängerin und unterwies die Tochter von Kindesbeinen an (eine interessante Parallele zur Karriere von Brigitte Fassbaender, die von ihrem berühmten Vater unterrichtet wurde). 1955 holte Karl Böhm Christa Ludwig an die Wiener Staatsoper, da war sie gerade einmal 27 Jahre alt. Man kann es kurz darstellen:
Im Folgenden stand sie auf allen bedeutenden Bühnen der Welt und man muss hier nicht alle bedeutenden künstlerischen Partner und Dirigenten Revue passieren lassen – seit April 2006 gibt es im Forum den Thread »Christa Ludwig – Eine Bilderbuchkarriere«

Allenthalben wird ihre unkomplizierte und natürlich Art gelobt. Als sie einmal in einem Interview (WELT ONLINE) gefragt wurde wie sie diese Einfachheit gegenüber Fischer-Dieskau und Schwarzkopf durchhalten konnte, antwortete sie:
»Ich fand das schrecklich! Dabei war gerade Fischer-Dieskau nach dem Krieg, als ich ihn kennen lernte, ein ganz Einfacher. Er hatte eine unglaublich geniale Naivität, aber dann hat sich diese Kunst immer mehr verfeinert – bis hin zum Professor Doktor Lied. Er hatte damit weltweit Erfolg und deshalb wollte er davon nicht mehr abrücken.« Allgemein zu den Sopranen meinte sie, dass sie diese immer beneidet habe (sie hatte in den 1980er Jahren ja einige Ausflüge ins Sopranfach unternommen), aber dass ihre Stimmbänder gut für die Modulation von Liedern gewesen seien und dass der Mezzosopran langlebiger sei als der Sopran.

Als die Hier vorgestellte Aufnahme von »Frauenliebe und –Leben« entstand, hatte die Sängerin sowohl noch eine junge Stimme als auch schon reichlich praktische Erfahrung, es war das Jahr 1959, am Klavier begleitet der legendäre Gerald Moore.
Diese Aufnahme ist in einer EMI-Box mit fünf CDs enthalten, die einen Querschnitt über das doch breite Spektrum des Schaffens von Christa Ludwig geben; auf der zweiten CD sind Lieder von Mahler, Schumann und Reger.
Über die Güte des Vortrages von »Frauenliebe und –Leben« möchte ich hier kein Referat halten, dass vorzüglich gesungen wird, ist fast eine Selbstverständlichkeit, man sollte das Angebotene nicht versuchen zu beschreiben, sondern einfach hören!

hart

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Mittwoch, 27. Februar 2013, 19:39

Elisabeth Grümmer - Sopran (1911-1986)



Elisabeth Grümmer – ein Leben, der Kunsterfüllung geweiht, so überschreibt das dünne Booklet den 3-seitigen Lebenslauf der Künstlerin. Ihre Familie wurde nach dem Krieg 1918 aus Lothringen ausgewiesen; die nächste Lebensstation war die Theaterstadt Meiningen, wo Elisabeth Grümmer Schauspielunterricht nahm. Im Zusammenhang mit dem Inhalt dieses Threads passt es gut, einen winzigen Teil der Biografie zu zitieren: »Die privaten Veränderungen – sie heiratete einen Kapellmeister des Landestheaters Meiningen und wurde schließlich Mutter – schienen zunächst allen künstlerischen Zielen ein Ende zu setzen und einen Lebenslauf in bürgerlicher Normalität zu eröffnen.«

Man sollte hier vielleicht einmal daran erinnern, dass Detlef Grümmer seiner Frau die Ausübung des Berufs hätte verbieten können (so die gesetzliche Regelung bis 1977!). Wenn man noch etwas mehr nachdenken möchte … Julia Culp (die »Frauenliebe« auch aufgenommen hat) schloss ihr Gesangsstudium im Jahre 1900 ab. Man kann durchaus vermuten, dass diese Frauen andere Bilder im Kopf hatten, wenn sie diesen Zyklus vortrugen, im Vergleich mit einer Sängerin unserer Tage.
Aber Herr Grümmer förderte seine Gemahlin nach Kräften, erst spät, mit dreißig Jahren, fand Elisabeth Grümmer zum professionellen Gesang. Das Ehepaar wechselte nach Aachen, wo Herbert von Karajan am Stadttheater Kapellmeister war. Es folgten die Kriegswirren und ihre eigentliche Karriere begann 1946 in Berlin, wo sie sich auch am Neujahrstag 1972 von der Bühne verabschiedete. Berlin war das Zentrum ihres Wirkens, aber sie war natürlich in allen großen Opernhäusern der Welt zu Gast. Auch als Liedinterpretin hat sich Elisabeth Grümmer große Verdienste erworben, ihre Stimme war dazu prädestiniert. Kesting beschreibt es so:
»Alle konkret-sinnlichen Beschreibungen ihrer Stimme als rein und klar, als zart und fein greifen zu kurz: Sie war die Klang gewordene romantische Innigkeit und Empfindsamkeit, selbst wenn es zuweilen in der hohen Lage den Erdenrest kleiner klanglicher Sprödigkeit gab.«

Am Klavier wird Elisabeth Grümmer von Aribert Reimann begleitet. Als Aufnahmedaten werden angegeben: Sender Freies Berlin 1963/66/68.

hart

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132

Freitag, 1. März 2013, 22:56

Marjana Lipovšek

Wieder eine wunderschön gesungene »Frauenliebe«! Gesungen von der slowenischen Mezzosopranistin Marjana Lipovšek, die 1946 in Ljubljana geboren wurde. Sie ist die Tochter des Komponisten Marijan Lipovšek (1910-1995). Marjana Lipovšek studierte zunächst an der Akademie ihrer Geburtsstadt Musikerziehung und Gesang. Nach dem Abschluss im Jahre 1970 folgte bis 1979 ein Studium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz: Opern – und Konzertgesang. Unmittelbar nach dem Studium wurde sie an die Wiener Staatsoper verpflichtet und sang auch an den Staatsopern in Hamburg und München und im Verlauf ihrer langen Karriere an allen großen Häusern der Welt.
All dies verschweigt uns das dieser CD beigefügte 44-seitige Booklet (D/E/F). Man findet zwar auf der ersten Seite ein schönes Foto von Frau Lipovšek, aber keinerlei Informationen über die Sängerin und den Pianisten Graham Johnson – vielleicht ist man der Ansicht, dass der Musikfreund das alles als Grundwissen mitbringen sollte
Aber im Büchlein findet man alle Liedtexte und einige Informationen zu den vorgetragenen Liedern. Auch hier sei als Zitat eingefügt, was zum Chamisso-Text gesagt wird: »So antiquiert uns heutigen Hörern vielleicht das überschwängliche Schwärmen der dem Manne ganz ergebenen Frau, wie sie von Chamisso in den acht Gedichten porträtiert wird, erscheinen mag, so ergreifend ist doch nach wie vor die großartige Schumannsche Schilderung ihrer echten, tiefen Gefühle« Ein Hinweis, dass Chamisso eigentlich noch ein weiteres Gedicht, nämlich »Traum der eignen Tage«, hinzugefügt hat, wird nicht gegeben. In der Tat ist es natürlich die Faszination der Musik, die den Zyklus so populär gehalten hat.
Eingangs wurde festgestellt, dass „wunderschön“ gesungen wird: Dieses Attribut kann man fast bei allen vorgestellten Aufnahmen verwenden, denn es ist eine sehr allgemeine Aussage. Aber in diesem Falle hat mich die zunächst unspektakuläre Stimme beeindruckt, die dann eine wunderschöne „Farbskala“ aufblättern kann, wunderbar, wenn sie den „Mezzoteil“ ihrer Stimme einblendet und es ist hörbar, dass sie „schauspielert“ (ganz toll bei Schumanns „Der Soldat“, wenn ich mir die Abschweifung erlauben darf). Diese »Frauenliebe« ist grundsolide und sehr gut verständlich gesungen.
Der Kritiker der FAZ (04.11.1998) hat (das bezieht sich allerdings nur allgemein auf die Stimme, denn der Zyklus wurde damals nicht gesungen) dazu folgendes festgestellt:» Die Mezzosopranistin Marjana Lipovsek konzentrierte bei ihrem Liederabend mit dem Pianisten Anthony Spiri im Mozart-Saal der Alten Oper in den unteren Lautstärkegraden den farblich-dynamischen Reichtum ihrer Stimme, die in jeder Hinsicht weit ausgreift, auch im Tonumfang und in der sehr unmittelbaren Gefühlsentäußerung.« »Wer sich so unverstellt verausgabt, muß durch Kontrolle um so mehr Distanz zu sich und dem Gesungenen finden - ein Balanceakt, der Marjana Lipovsek fast immer spannend, immer wieder anders gelang«

Diese CD wurde im Oktober 1993 im Konzerthaus Wien - Mozartsaal - aufgenommen.

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133

Sonntag, 3. März 2013, 20:28

Caroline Melzer

Caroline Melzer ist eine deutsche Sopranistin, die Liedgestaltung bei den bekannten Liedbegleitern Ulrich Eisenlohr und Irwin Gage studierte. Das 30-seitige Booklet führt aus: »Caroline Melzers besondere Liebe gilt dem Lied. Liederabende führten sie durch Deutschland, nach Spanien, Belgien und in die Schweiz.«
Das Begleitheftchen enthält weiterhin Informationen über die ausführenden Künstlerinnen und Basiswissen über das Gebotene, sowie alle Liedtexte (D/E).
Es wäre unfair, wollte man diese Aufnahme mit Einspielungen von Brigitte Fassbaender oder Christa Ludwig vergleichen oder -. um reine Soprane zu nennen: mit Edith Mathis oder Lucia Popp. Aber schauen wir einmal, was das Booklet zu Chamissos Text zu sagen hat:
»Wie unerwünscht das männliche Rollendiktat sein kann, wird im Hinblick auf Schumanns Komposition deutlich. In acht Liedern erzählt sie in zyklischer Rundung die Lebens- und Liebesgeschichte einer Frau, die ihre Erfüllung ganz traditionell als liebende Ehefrau, Mutter und Witwe findet. Schumann widmete diesen Zyklus 1840 seiner kurz zuvor angetrauten Frau Clara, die die Rolle bekanntlich nur widerstrebend und nach seinem Tod gar nicht mehr erfüllte. Sie war eine emanzipierte und prominente Frau, die sich und ihre Kinder als reisende Klaviervirtuosin und später als Professorin ernährte.«
Das ist aus meiner Sicht etwas unglücklich formuliert, denn nach Roberts Tod war das ja ein gänzlich anderer Sachverhalt und zudem war Clara zu keinem Zeitpunkt eine „normale“ Ehefrau. Sicher war da nicht alle Tage Friede, Freude, Eierkuchen, aber sie schreibt auch anlässlich ihres 14. Hochzeitstages, dem unmittelbar der Geburtstag folgte: »Kann ein Hochzeitstag wohl schöner sein als mit einem geliebten und liebenden Mann zur Seite und sechs munteren, wohlgestalteten Kindern um uns!« Und etwas später: »Was ich nun aber auf dem Flügel (ein Geschenk Roberts) liegend fand, das erfüllte mich wahrhaft mit Wehmut, denn es war doch des Glückes gar zu viel! Die Früchte seines rastlosen Fleißes waren es … Es klingt vielleicht übermütig, wenn ich es sage, doch ist es denn nicht wahr, bin ich nicht das glücklichste Weib auf der Erde?«

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134

Montag, 4. März 2013, 21:05

Zu dieser CD gibt es als Informationsquelle lediglich ein zusammengeklapptes Deckblatt mit der Überschrift »für meine Mutter« - dann wird weiter informiert: »Diese CD, entstanden im Sommer 1992 in Wien, ist die dramaturgische Grundlage, die gedankliche Initialzündung zu dem Theater-Projekt „mein Herz macht sich Luft in den Tönen“
Im Folgenden wird eine „theatralische Annäherung an Clara Schumann“ erklärt, danach wird Ernst Bloch zitiert »Aber der Ton brennt aus uns heraus, der gehörte Ton, nicht er selbst oder seine Formen. Dieser aber zeigt uns ohne fremde Mittel unsern Weg, unseren geschichtlich inneren Weg, als ein Feuer, in dem nicht die schwingende Luft, sondern wir selber anfangen zu zittern und den Mantel abzuwerfen.« Ja, und das war es dann auch schon. Auf dem Deckblatt erfährt man nur, dass der Text von Adalbert von Chamisso sein soll, obwohl der Mann Adelbert hieß. Erklärungen zum Zyklus oder eine Aussage über die Entstehungszeit muss man erst gar nicht suchen, auch keine Liedtexte.
Ein Erstkäufer von »Frauenliebe und –Leben« sitzt da ziemlich auf dem Trockenen. Eine Sängerin Jovita Dermota war mir bisher in den Programmen der diversen Festspiel- und Konzertveranstaltungen noch nicht aufgefallen. Aber der Liederhörer kennt natürlich Hilde Dermota, die Ehefrau Anton Dermotas (die Pianistin Hilde Berger-Weyerwald *17 Juni 1912), die ihren Mann zu Liedern von Schubert und Schumann stets begleitete. Jovita Dermota hat bisher - soweit mir bekannt - eher einen gewissen Bekanntheitsgrad als Schauspielerin und Gestalterin von Lesungen.

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135

Dienstag, 5. März 2013, 15:04

Lisa Della Casa (Sopran) / Sebastian Peschko (Klavier)


Lisa Della Casa (1919-2012) war eine Schweizer Sopranistin, die vor allem als hervorragende Interpretin von Strauss und Mozart allgemein anerkannt war. Es wäre müßig, wollte man hier alle großen Häuser auflisten an denen sie auftrat. Der Begriff »auftrat« ist mit Bedacht gewählt, denn ihr wird Eleganz, Schönheit und aristokratische Noblesse attestiert. Seit 1947 war sie Mitglied der Wiener Staatsoper und von 1953-1966 an der Metropolitan Opera in New York, um nur zwei wichtige Häuser zu nennen. Als Arabella (Richard Strauss) war und ist sie eine Legende. 1974, im Alter von 55 Jahren, beendete sie abprupt ihre Karriere mit einer »Arabella« an der Wiener Staatsoper, letztmals sang sie den Text: » Dann fahr ich fort von Euch auf Nimmerwiedersehen« Zeitzeugen sagen, dass sie diese Worte mit außergewöhnlicher Betonung gesungen habe. Fortan lebte sie zurückgezogen auf Schloss Gottlieben am Bodensee und starb am 10. Dezember 2012 in Münsterlingen. Marianne Zelger-Vogt schreibt in ihrem Nachruf am 11. Dezember 2012 in der »Neue Zürcher Zeitung«
»Ihre Stimme ist auf zahlreichen Plattenaufnahmen festgehalten: dieser kostbare leuchtkräftige Sopran, der manchmal wie durch einen hauchdünnen Schleier erstrahlte, eine Stimme, die Beredtheit aus der Synthese von vokaler Ausdruckskraft, Phrasierungskunst und Sprachbewusstsein gewann. Selbst in hoher und höchster Lage konnte sie mühelos aufblühen, das machte sie zum idealen Instrument für die Opern- und Liedkompositionen von Richard Strauss. Doch die Stimme allein, so unverwechselbar ihr Klang war, erklärt nicht die Faszination, die von Lisa Della Casa ausging.«
Die vorliegende Aufnahme von »Frauenliebe- und Leben« wurde 1962 im Kulturhaus Loffenau aufgenommen. Und das Booklet informiert den Leser weiter:
»Lisa Della Casas tief empfundene Einspielung von Frauenliebe und –Leben wird nicht immer entsprechend gewürdigt. Laut Jeremy Sams´ Überblick über Schumanns Zyklus in Song on Record: Lieder (CUP 1986) zählt diese Aufnahme zu den vier Interpretationen, die dank der besten Balance von poetischer Fantasi, aufrichtiger Emotion und Wahrung des komponistischen Zieles am bewundernswertesten sind. Er bezeichnet sie als lebhaft und nachdenklich zugleich, mädchenhaft aber empfindsam, mit wunderbar herausgearbeitetem Text. Nur eines machte ihm Bedenken: Da die Sängerin sich weigerte, zu transponieren, gaben ihr einige tiefe Noten ein wenig zu schaffen.«
Heute übertreiben viele Sängerinnen die Gedanken und Gefühle der Person, daher ist Lisa Della Casas Zurückhaltung um so erfreulicher. Das bedeutet freilich nicht, dass sie die Verwirrung des Mädchens, als sie den Geliebten erstmals erblickt, ihrer Seligkeit als Gattin und Mutter und dem furchtbaren Schmerz über seinen Verlust nicht gerecht wird; vielmehr erteilt sie Schumann das Wort, indem sie Dichtung und Musik ungekünstelt, aber mit souveränem Verständnis des inneren Sinnes vorträgt.«

Das ist eine absolut zutreffende Darstellung, nach mehrmaligem Hören kann man das hier Gesagte nur unterstreichen. Das Booklet umfasst 25 Seiten (D/E) mit wichtigen Informationen und bietet alle Liedtexte. Wenn man in die Vergangenheit hört, macht man sich alle möglichen Gedanken – mir fiel ein, dass die Schweizer Bürgerin Lisa Della Casa, als sie diesen Schumann-Zyklus 1962 sang, als Frau noch kein Wahlrecht hatte … erst neun Jahre später, ab 1971 durften Frauen in der Schweiz wählen; die Männer – wie so milde, wie so gut! – hatten es gestattet.

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136

Mittwoch, 6. März 2013, 21:39

Ein feiner Sopran

Dame Felicity Lott (*1947) studierte an der Royal Academy of Music und debütierte 1975 an der English National Opera als Pamina in Mozarts »Zauberflöte«. Wie bei Künstlern dieser Güteklasse üblich, wurde auch sie mit einer Vielzahl an Ehrungen und Auszeichnungen bedacht. Schon 1996 wurde die Kammersängerin von Königin Elisabeth II. in den Adelsstand erhoben (Dame Commander of the Brithish Empire).
In einem Interview sagte sie einmal: »Nach unzähligen „anständigen“ Liederabenden war es schön, etwas sehr viel Entspannteres machen und das Publikum zum Lachen bringen zu können« In der Tat wendet sie sich in den letzten Jahren etwas mehr auch den „leichten“ Dingen zu; gerade dieser Tage sang sie in Berlin Operette.
Über ihr Singen nachsinnend sagt sie einmal: »Ich denke vor allem an die Worte, an den Text. Möglicherweise nicht häufig genug an die Stimme. Vielleicht ist das der große Fehler in meinem Leben, dass ich immer versucht habe, die Worte deutlich zu artikulieren. Man bekommt eine schönere Stimme, wenn man nicht so viel an das Wort denkt. Aber natürlich sollte man versuchen, beides zu verbinden: Schönklang und Textverständlichkeit.«
Davon, dass sie genau das tut, kann sich der Hörer ihrer »Frauenliebe« überzeugen. Insbesondere im ersten Lied „Seit ich ihn gesehen“ kann man die ganz zurück genommene Stimme genießen, ein ganz sensibler, verhaltener Beginn, ganz so als würde im Traum oder träumend gesungen und Graham Johnson begleitet feinfühlig – man kennt sich, und man hört es!
Aber auch an den lebhafteren Stellen des Zyklus wird ausgezeichnet musiziert.
Felicity Lott wurde schon im Beitrag Nr. 99 vom 1. September 2012 im Rahmen der CD „Women´s lives and loves“ genannt, wo sie den Sopranpart in den von Graham Johnsons „verschränkten“ Zyklen (Loewe + Schumann) singt, allerdings ist das dort nur bruchstückhaft zu hören.
Wie üblich, ist der gesamte von Lott gesungene Zyklus auf verschieden aussehenden CDs zu hören. Meine Aufnahme stammt aus der im Bild gezeigten 4 CD-Box; auf der Einzel-CD findet man op. 39 und op. 42. Das 7-seitige Booklet bietet keinerlei Erklärungen an, aber alle Liedtexte in Deutsch.

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137

Sonntag, 10. März 2013, 20:00

Zeitgenössische Aufführungen des Zyklus

Zitat

Sie war eine emanzipierte und prominente Frau, die sich und ihre Kinder als reisende Klaviervirtuosin und später als Professorin ernährte.«

Da im Beitrag Nr. 133 in einem Zitat der Broterwerb Clara Schumanns nach dem Tod ihres Gatten angesprochen wird, ist es vielleicht in diesem Rahmen auch interessant hinzuzufügen, dass Clara Schumann und die Altistin Amalie Joachim (die Gattin des berühmten Geigenvirtuosen) einige Male auch »Frauenliebe und –Leben« als Fragment, nämlich nur die Lieder 1 - 4 oder auch 5 zusammen aufführten, denn in der Öffentlichkeit klammerte man die Themen: Schwangerschaft, das erste Kind und den Tod des Mannes aus. Man kann Amalie Joachim als berühmte Sängerin ihrer Zeit bezeichnen – eine Kritik liest sich so:
»Amalie Joachim sang Schumann´s „Frauenliebe und –Leben“. Es ist unnöthig zu bemerken, dass die hochpoetische oder richtiger echt lebenswarme Auffassung der Interpretin die Lieder Schumann´s, vielleicht die schönsten, die es giebt, in einer Vollendung zur Geltung brachte, welche den empfänglichen Zuhörer seine Umgebung ganz vergessen liess; manches Auge wurde feucht. Diese Lieder, so gesungen, sind fast zu schön für den Concertvortrag, und doch möchte man andererseits wieder, daß die ganze Welt zuhöre und Theil habe an diesem seelischen Hochgenuss.«
Amalies Ehemann bezichtigte seine Gattin des Ehebruchs; die Ehe wurde nach 21 Jahren geschieden. Nach der Scheidung setzte die Sängerin »Frauenliebe und –Leben« bevorzugt auf ihre Konzertprogramme. Wenn Clara Schumann nicht mit konzertierte, sang Amalie den gesamten Zyklus und man sagt, dass das Publikum dann ein anderes Stück hörte als vor der Trennung.

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138

Dienstag, 12. März 2013, 01:00

Die Brillanz der Nachtigall


Arleen Augér (1939-1993) war eine US-amerikanische Sopranistin (sie war Nachfahrin französischer Einwanderer, was am Namen abzulesen ist), die 1986 anlässlich der Heirat von Prinz Andrew und Sarah Ferguson, auch einem ganz breiten Publikum bekannt wurde, als sie in der Westminster Abbey Mozarts »Exsultate, Jubilate« sang.
Bereits 1967 debütiert sie an der Wiener Staatsoper, 1969 bei den Salzburger Festspielen, 1975 an der Mailänder Scala und 1978 an der Metropolitan Opera New York.
In den folgenden Jahren sieht man sie dann immer häufiger auf dem Konzertpodium und sie entdeckt ihre Liebe zum Liedgesang, über den sie sich einmal so äußerte:
»Wir Sänger müssen bei Liedkonzerten mehr darstellen als in der Oper. Wir haben nicht alle diese Extra-Hilfen von Maske, Kostüm, Licht und Kulissen. Wir müssen alle Wirkung, alle Illusion durch uns selbst zustande bringen.«
Diese „Frauenliebe“ wurde 1977 in der Lukaskirche zu Dresden aufgenommen, da war Arleen Augér praktisch auf der Höhe ihres Könnens.
1993 schrieb die FAZ in einem Nachruf mit der Überschrift »Die Brillanz der Nachtigall« unter anderem folgendes:
»Nachtigall und Brillanz: beliebte, abgegriffene Floskeln zur Beschreibung von Koloratursopranstimmen. Bei Arleen Augér stimmten sie ausnahmsweise genau und klangen so wieder frisch - die Stimme der Amerikanerin kletterte in beweglichem Ziergesang bis in den Zenit der Spitzentöne und erreichte dort den kühlen Glanz, manchmal auch das scharffunkelnde Feuer des geschliffenen Edelsteins. In der Mitte war sie eher lyrisch warm timbriert und in jeder Lage voll Farben und Schattierungen. Ihre kultivierte, lupenreine Technik verwaltete die Künstlerin klug und diszipliniert; oberste Gesetze des Singens waren ihr Wahrheit des Ausdrucks und eine Klangschönheit, die sich zuweilen in ihrer Makellosigkeit verselbständigte.«
Erstaunlich, dass Arleen Augér heute in vielen Nachschlagwerken nicht vertreten ist, wo man sie eigentlich als nachschlagbar vermuten müsste.

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139

Samstag, 16. März 2013, 10:55

Konzerthinweis

Parallel zum CD-Hören sollten ja auch stets Konzertbesuche absolviert werden, aber oft fehlt die entscheidende Information. Auch ich bin schon durch Zufallsinformationen zu Konzertveranstaltungen gelangt, die dann ein prägendes Erlebnis wurden.
Nun teilte mir die Schubertiade Schwarzenberg gerade mit, dass Anja Harteros ein für den 2. September 2013 geplantes Konzert abgesagt hat.
Stattdessen singt zu diesem Termin nun die schwedische Sopranistin Miah Persson, am Flügel begleitet Roger Vignoles und Daniel Ottensamer (Klarinette) ist auch mit dabei.
Die Schubertiade in Schwarzenberg beschränkt sich längst nicht mehr nur auf Schubert, und so ist es möglich, »Frauenliebe und –Leben« op. 42 hier zu hören. Wenn man sich ganz eng am Threadthema orientiert, müsste die Nachricht hier enden, aber ich weise darauf hin, dass im gleichen Programm auch das selten im Konzertsaal zu hörende Schubert-Stück »Der Hirt auf dem Felsen« und sechs Lieder von Edvard Grieg zu Gehör gebracht werden.

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140

Sonntag, 17. März 2013, 18:25

Rosemarie Lang (Mezzosopran) / Rolf-Dieter Arens (Klavier)

Rosemarie Lang (*1947) studierte an der Leipziger Musikhochschule (1843 von Felix Mendelssohn Bartholdy gegründet) und war von 1972-1987 Mitglied des Opernhauses Leipzig. Danach sang sie an der Deutschen Staatsoper Berlin.
Im Jahre 1969 gewann sie den Robert-Schumann-Wettbewerb in Zwickau und 1972 den Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb. Das sind Indikatoren, die Rosemarie Langs Qualitäten als Lied- und Konzertsängerin ausweisen.
Sie sang bei den Salzburger Festspielen, bei den Schwetzinger Festspielen, beim Schleswig-Holstein-Festival … in Chicago, Washington, Oslo und sonst in der Welt, aber es gibt Sängerinnen, die einen größeren Bekanntheitsgrad erringen konnten, eine Feststellung, die mit künstlerischer Wertung nichts zu tun hat. Der Mezzosopran von Rosemarie Lang färbt diesen Zyklus nicht besonders dunkel ein; die acht Lieder werden ohne spektakuläre Effekte solide gesungen.
Am Flügel begleitet Rolf-Dieter Arens, der ebenfalls an der Musikhochschule in Leipzig ausgebildet wurde und seit 1989 dort als Ordentlicher Professor wirkt. Wenn man bedenkt, dass dieser Zyklus in Leipzig komponiert wurde, ist diese Aufführung fast schon eine „familiäre“ Veranstaltung …
Diese CD entstand 1990 in der Lukaskirche zu Dresden.
Das Booklet zu dieser CD hat den Umfang von 23 Seiten und enthält alle Liedtexte in deutscher Sprache, sowie allgemeine Erklärungen (D/E)
Natürlich auch hier einen Blick in die Beschreibung von »Frauenliebe und –Leben«:
»Die Darstellung des Lebensschicksals einer liebenden Frau mutet mit ihrer schwärmerisch-tränenseligen Verehrung des Mannes heute etwas lebensfremd an – der Komponist projizierte wahrscheinlich in sie seine eigenen Vorstellungen vom bevorstehenden Liebesglück mit Clara«

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141

Mittwoch, 20. März 2013, 00:23

Teresa Berganza (Mezzosopran) / Ricardo Requejo (Klavier)


Teresa Berganza (*1935)
ist eine spanische Mezzosopranistin, der die Opernhäuser der Welt offen standen, deren Opernrepertoire man jedoch eher als klein bezeichnen kann. Es ist eine weiche, samtige Stimme, die dem großen Pathos und der Dramatik möglichst aus dem Wege geht. Allgemein wird die absolute Sicherheit ihrer Technik gelobt. Die »Süddeutsche Zeitung« schrieb einmal:
»Je schwieriger die technische Aufgabe wird, um so ruhiger, sanfter, voller wird der Ton, um so klarer und anrührender ihre Musikalität«
1956 gewann Terese Berganza den Gesangswettbewerb des Konservatoriums; die eigentliche Bühnenlaufbahn begann 1957 mit der Teilnahme am Festival in Aix-en-Provence.
Parallel zur Opernkarriere war sie immer wieder auch in den Konzertsälen zu Gast und baute sich in dieser Sparte ein breites und mehrsprachiges Repertoire auf. Neben dem spanischen Liedgut widmete sie sich ganz besonders dem französischen und deutschen Lied.
An ihrem ersten großen Liederabend in Madrid stand Schumanns Liederzyklus »Frauenliebe und –Leben« auf dem Programm.

Das Booklet (D/E/F) zu dieser CD umfasst 23 recht informative Seiten; so informativ, dass sogar der Flügelstimmer Norbert Lüthi genannt wird, was will man mehr?
Als Aufnahmeort wird die Kirche Seon genannt und das Aufnahmejahr mit 1982 angegeben.
Natürlich findet sich auch hier eine Verlautbarung zu Chamissos Text – und das liest sich so:
»In diesen Liedern treffen sich Zeitgeist, lebensgeschichtliche Situationen des Komponisten und poetische Textvorlage so ideal, dass man von einem einzigartigen Glücksfall sprechen muss, der bei Schumann nur noch in der Verbindung mit Rückert oder Eichendorff so nahtlos gelungen ist. Man hat an Chamissos Gedichten viel genörgelt. Sinnlos zu rechten, ob sie zweit- oder drittklassig sind. Sie waren erstklassig genug, um einen Glücksfall von musikalisch-romantischer Innerlichkeit zu zeitigen. „Innig“ ist denn auch das Leitwort, das fast jedes Lied in seiner Ausdrucksbezeichnung von Schumanns Hand trägt«

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142

Donnerstag, 21. März 2013, 21:22

Margaret Price (Sopran) / Thomas Dewey (Klavier)


Dame Margaret Price (1941-2011)
war eine britische Sopranistin, die, in Wales geboren, 1962 an der Welsh National Opera in Cardiff debütierte. Ihre Karriere führte sie an alle großen Opernhäuser der Welt. Sie sang relativ wenige Rollen, ihr Schwerpunkt waren die Mozart-Opern, später dann auch noch einige geeignete Verdi-Stücke.
Die Konzerttätigkeit nahm dann auch einen beachtlichen Raum ein; sie war und ist eine anerkannte Liedsängerin. 1998 beendete sie ihre Bühnenkarriere und zog sich in ihre Heimat nach Wales zurück. Vordem wohnte sie lange Zeit in München
Zu ihrem Tode ist in merkur-online zu lesen:
»Kaum einen Opernstar gibt es, dem dieses merkwürdige Phänomen vergönnt ist: Hebt der Gesang an, entfaltet er einen Sog, der zum Hinhören zwingt, der auch sämtliche „Nebengeräusche“ im Auditorium sofort verstummen lässt. Vielleicht, weil dieser Gesang, wie eben bei Margaret Price, aus einer anderen Dimension zu kommen schien. Allem Irdischen entrückt, makellos, wahrhaftig. Eine dunkle, lyrische Stimme, die im Piano vibratolos instrumental sein und sich auch zu dunkler Fülle öffnen konnte. Eine Klang gewordene Melancholie und Sehnsucht „sprach“ aus dem Gesang der Price. Ihre Kunst war keine des gleißenden Tages, sondern die einer Nacht, die vom verführerischen Mondlicht erhellt wird.«
Wer diese Aufnahme hört kann sich ein eigenes Bild machen; die Stimme ist sicher, klingt unangestrengt, klar und liedgerecht und die Sängerin hat die Fähigkeiten auch kleinste Nuancen heraus zu arbeiten. Natürlich, man sollte es erwähnen, auch bewundernswert akzentfrei gesungen.
Wer sich das Titelblatt des Booklet etwas genauer betrachtet bemerkt, dass hier »Framenliebe« anstatt »Frauenliebe« steht und der Text wird einem gewissen Adalbert von Chamisso zugeschrieben. Diese CD ist offensichtlich eine französische Produktion von 1994; alle Liedertexte sind nur in französischer Sprache gedruckt, einige Erklärungen in (F/E)

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143

Sonntag, 24. März 2013, 16:05

Eine »Stradivari unter den Sopranen«

An dieser Stelle – also nach Margaret Price – bietet es sich geradezu an, auf die »Frauenliebe-Aufnahme« vom Leontyne Price aufmerksam zu machen. Gleiche Namen, aber große Unterschiede in der Interpretation.
Soweit ich das beurteilen kann, gibt es zwei Möglichkeiten diese acht Lieder zu hören. Einmal wird eine hellblaue CD mit roten Blütenzweigen angeboten, die jedoch als Einzelstück im Handel zurzeit nicht zu bekommen ist; die Lieder des Zyklus können von dieser CD nur als Download gekauft werden.
Meine CD stammt aus der 12-teiligen Box »THE COMPLETE COLLECTION OF SONG AND SPIRITUAL ALBUMS«. Die Hüllengestaltung dupliziert die ursprünglichen Langspielplatten in allen Details, was Erinnerungen an längst vergangene Zeiten wach ruft, aber den Nachteil hat, dass man zum Textstudium eine Lupe braucht. Das 38-seitige Booklet (D/E/F) ist allerdings ohne Lupe lesbar.

Dass Jürgen Kesting auch am Gesang der Leontyne Price herumnörgelt ist an sich keine Überraschung, wenn ich dann aber in Kestings Buch, nach der Lektüre mehrerer Seiten, die viereinhalb Schlusszeilen lese, ist das Geschriebene um so erstaunlicher, denn da steht:
»Um so überraschender ist Schumanns Zyklus Frauenliebe und –Leben gelungen. Price singt die Musik ohne gefühlvolle Drücker, ohne falsche Innerlichkeit – mit sorgfältiger Diktion, musikalischer Phrasierung und zwar verhaltener, aber reicher Tongebung, die nur bei geringen dynamischen Graden von einem übermäßigen Vibrato bedroht ist.«
Leontyne Price (*1927) ist am Mississipi geboren. Mit Gershwins Porgy and Bess hatte sie erste Auftritte in New York, danach tourte die Truppe 1952-1954 durch Europa. 1957 sang Leontyne Price in San Francisco eine »Aida«, die den Durchbruch als Opernsängerin bedeutete. Ein Jahr später sang sie unter Karajan in Wien, 1960 an der Scala. Als erste schwarze Sängerin schaffte sie es 1961 die Primadonna der New Yorker Metropolitan Opera zu werden; zwar sang Marian Anderson bereits 1955 an der „Met“, aber diese hatte, damals 55-jährig, nicht diesen Status.
Die meisten Stimmenthusiasten bezeichnen das Organ von Leontyne Price als phänomenal, die Stimme klingt einmal rauchig und tief im Mezzobereich und schwingt sich dann unangestrengt in höchste Regionen.
Wir haben ja hier eine Sängerin aus einem anderen Kulturkreis und es wäre sicher interessant zu erfahren, inwieweit sich die Stellung der Frau am Mississipi um das Jahr 1840 von der in mitteleuropäischen Regionen unterschied.
Wer etwas auf sich hält, mäkelt in unsrer ach so modernen Zeit an Chamissos Text herum …ganz klar, dass das eine für immer hinunter gegangene Epoche war; was wird man einmal über unsere Zeit sagen?
Der sprachgewandte und sich immer vornehm ausdrückende Dietrich Fischer-Dieskau hat zum Beispiel noch 1976 »die samtene Stimme der amerikanischen Negerin Marian Anderson« gelobt, erst im zweiten Teil des Satzes spricht er von den farbigen Sängern. Das war keineswegs despektierlich gemeint, es war die Sprache der Zeit.

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Donnerstag, 28. März 2013, 17:51

Glitzernder Sopran (Überschrift eines Liederabends 1999)


Barbara Hendricks (Sopran)
ist 1948 in Arkansas geboren, besitzt die schwedische Staatsbürgerschaft und lebt in der Schweiz. Eine Laufbahn als Sängerin war zunächst nicht geplant; im Alter von zwanzig Jahren erwarb sie den Bachelortitet in Mathematik und Chemie.
Sie bekam eine Einladung nach Aspen zum Sommercamp der Musikakademie, wo sie der Sängerin Jennie Tourel (1900-1973) auffiel. 1974 debütierte Hendricks als Opernsängerin mit Auftritten in Europa beim Glyndebourne Festival und in Amerika an der San Francisco Opera. Im Laufe ihrer Karriere sang sie an allen renommierten Häusern der Welt.
Barbara Hendricks wuchs noch im Amerika der Rassentrennung auf und hat unter dieser Diskriminierung vor allem in den Jahren an der High-School gelitten. In dieser Zeit – sie verehrte Martin Luther King – scheint sich ihre Kämpfernatur entwickelt zu haben. Diese Aussage soll an einem Beispiel aufgezeigt werden:
1995 feierte man im Oktober den Tag der Deutschen, DER SPIEGEL berichtete es damals folgendes:
»So plätschert es dahin am Tag der Deutschen, bis die amerikanische "Jubilate"-Sängerin Barbara Hendricks stört. Statt nach artiger Entgegennahme eines üppigen Blumenstraußes glücklich von der Bühne zu rauschen, wie sich das für eine Diva gehört, drückt sie das Bukett dem verblüfften Dirigenten der Düsseldorfer Symphoniker in den Arm und beginnt zu reden, deutsch und deutlich: Dieses "größer und wichtiger gewordene Deutschland" habe die Pflicht, "bei der Neugestaltung der Welt mitzuwirken", sagt sie in einem Ton, in dem viel von verdammter Schuldigkeit mitschwingt - zur Not auch militärisch.«
Dies wurde hier eingefügt, um das Bild dieser Künstlerin etwas plastischer erscheinen zu lassen.
In der »Süddeutschen Zeitung« stand im Dezember 1999 die Kritik eines Liederabends, wo kritisiert wurde, dass verrutschte Vokale, zerbeulte Umlaute und opernhaftes Pathos geboten wurde – aber am Schluss des Artikels steht: »Alle Achtung!«
Das 51-Seiten dicke Booklet sagt, dass die Aufnahmen (es sind insgesamt 27 Schumann-Lieder Lieder) in den Jahren 2002 und 2003 entstanden sind. Alle Liedtexte sind in D/E/F abgedruckt.

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Samstag, 30. März 2013, 00:34

Elisabeth Schumann (1888-1952)

Auch in diesem Falle ist es einmal wieder interessant zu erfahren, was so genannte Experten so alles von sich geben und ist erstaunt, zu welch unterschiedlichen Urteilen die Leute gelangen, wenn eine bestimmte künstlerische Leistung zur Diskussion steht.
So beurteilt zum Beispiel Jens Malte Fischer Elisabeth Schumann unterm Strich eher negativ, weist jedoch darauf hin, dass Bruno Walter die Stimme von Elisabeth Schumann sehr schätzte. Bei JMF liest man dagegen Begriffe wie „Edelsoubrette“, „äußerst schmale Substanz“ und „Legato kaum mehr als Durchschnitt“.
Dietrich Fischer-Dieskau spricht dagegen von „feiner Diktion und Beseelung ihres Vortrags“ Dies alles zeigt, dass man sich das selbst intensiv anhören sollte, um zu eigenen Bewertungsmaßstäben zu kommen.
Aber konzentrieren wir uns nun einmal auf diese Aufnahme und schauen, was Zeitzeugen zu sagen haben:
Gerald Moore, den die ältere Generation noch oft mit Dietrich Fischer-Dieskau „live“ erlebte, schreibt in seinen Memoiren bezüglich der Aufnahmen mit Elisabeth Schumann allgemein: „Sie wählte mit Klugheit Lieder, die ihr von Natur aus lagen“ und er sagt weiter: „Niemand konnte Frauenliebe und –Leben herzbewegender singen.“
Speziell zu der hier vorliegenden Aufnahme sagte Moore: „Wenn ich jetzt die Schallplatte Frauenliebe und –Leben anhöre, die von uns zusammen aufgenommen wurde, kann ich es kaum glauben, dass Elisabeth Schumann damals bereits die sechzig überschritten hatte.“(Bin ich zu laut? Erinnerungen eines Begleiters, Seite 99)
Das Booklet zu dieser CD gibt detaillierte Auskünfte und sagt, dass sich die Aufnahmen über beinahe drei Jahre hinzogen und Elisabeth Schumann bei der letzten Aufnahme 61 Jahre alt war. Zudem meint der Verfasser (Keith Hardwick) dass die Nr. 2 und 4 das Alter der Interpretin verraten, er spricht auch davon, dass sie bei „Süßer Freund“ zweifellos ganz nahe daran war, unverhohlene Sexualität auf Platte zum Ausdruck zu bringen. Keith Hardwick sagt, dass er live bei dieser Aufnahme dabei war.

Elisabeth Schumann wurde am 13. Juni 1888 in Merseburg geboren und begann 1904 ernsthaft Gesangsstunden zu nehmen. 1908 gab sie in Hamburg ihr Debüt als Ännchen in „Der Freischütz“. Dann entwickelte sich ihre Karriere und man könnte jetzt alle bedeutenden Veranstaltungsorte der Welt auflisten. Erwähnenswert ist vielleicht, dass sie 1921 eine Tournee durch Amerika mit ihrem Förderer Richard Strauss unternahm. Ihren letzten Opernauftritt hatte sie als erstes Blumenmädchen in Parsifal am 1. November 1937 an der Wiener Staatsoper.

Das Booklet (D/E/F) umfasst 15 Seiten allgemeiner Erklärungen, jedoch keine Liedtexte.

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Sonntag, 31. März 2013, 16:49

Eine grundsolide Aufnahme


Sibylla Rubens
studierte an der Staatlichen Musikhochschule Trossingen Konzert- und Operngesang und an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt / Main.
Soweit es sich überblicken lässt, ist Sibylla Rubens in der Regel als Konzertsängerin unterwegs und arbeitet mit namhaften Dirigenten und Orchestern.
Singstimme und Klavier harmonieren hier in dieser Aufnahme recht gut zusammen, die Pianistin Ute Hielscher bringt ja auch schon einige Erfahrungen in der Liedbegleitung mit.
Das Booklet von 11 Seiten liefert erklärende Texte in Deutsch und Englisch, aber es sind keine Liedtexte abgedruckt.
Zu Chamissos Text finden sich u. a. folgende Bemerkungen:
»Die Frauenrolle, in die Chamisso in seinen Dichtungen schlüpft, entspricht bekanntlich ganz und gar nicht der Position des feministischen „Frauenlieds“ von heute, sondern reproduziert den patriarchalischen Geist des 19. Jahrhunderts, der sich auf Seite des weiblichen Geschlechts in Devotheit äußert. Die namenlos bleibende Liebende in diesen Gedichten bezeichnet sich selbst als „niedere Magd“, die den Mann zunächst von Ferne als „hohen Stern der Herrlichkeit“ anschwärmt und, als sie von ihm zur Gattin erwählt wird, ganz selbstverständlich beschließt: „Ich will ihm dienen“ und „hin mich selber geben“.«

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Sonntag, 31. März 2013, 22:11

Ann Murray (Mezzosopran) / Malcolm Martineau (Klavier)


Ann Murray (*1949) ist eine irische Mezzosopranistin,
die ihre Gesangsausbildung am Royal Manchester College of Music absolvierte. 1974 debütierte sie in der Titelrolle von Glucks Alceste und darf heute als weltweit anerkannte Sängerin bezeichnet werden. Sie war übrigens mit dem verstorbenen Tenor Philip Langridge (1939-2010) verheiratet. (nicht zu verwechseln mit der kanadischen Country-Sängerin Anne Murray).
Auf dieser CD (Aufnahme im Mai 2005) hört man eine attraktive Stimme, das reichhaltig vorhandene „Material“ wird in der ganzen Fülle eingesetzt, aber das wird vermutlich bei Strauss notwendiger gebraucht als bei diesem Schumann-Zyklus.
Im 43-seitigen Booklet stellt Paul Kildea (Dirigent und ehemaliger künstlerischer Leiter der Wigmore Hall) die Künstlerin vor, indem er in Erinnerungen ihrer Auftritte schwelgt. Innerhalb des deutschen Textes findet man sogar zwei gleiche Textseiten nebeneinander …Sämtliche Liedtexte in Deutsch und Englisch.
1998 erhielt Ann Murray den Titel Kammersängerin der Bayerischen Staatsopper; 2010 wurde sie zur Professorin für Gesang an der Royal Academy of Music in London ernannt.

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Freitag, 5. April 2013, 22:35

Edda Moser (Sopran) / Erik Werba (Klavier)


Edda Moser (*1938) Sopran,
gehört die einzige Sopranstimme, die eventuell jenseits unseres Sonnensystems gehört werden kann. Ihre Aufnahme von »der Hölle Rache kocht in meinem Herzen« befindet sich an Bord der beiden interstellaren Raumsonden Voyager I und Voyager II, die 1977 in Cape Canaveral gestartet wurden. Falls jemand da draußen auf den Knopf drückt, hört er diese Stimme, die Lebensdauer wird auf 500 Millionen Jahre geschätzt.
Edda Mosers Vater war selbst Sänger und Musikwissenschaftler. Während ihr Vater übte, spielte sie unter dem Klavier, so dass sie von Kindesbeinen an mit Musik vertraut war und schon im Alter von zehn Jahren die Königin der Nacht übte.
Bis dahin hat das überhaupt nichts mit Robert Schumanns »Frauenliebe und –Leben« zu tun. Anlass dieses Beitrages ist allerdings, dass ab heute Opus 42 - von Edda Moser gesungen - auf dem Markt erhältlich ist. Der Zyklus wurde im Gemeindehaus Berlin-Zehlendorf im Juli 1975 aufgenommen.
Diese im Bild gezeigte EMI-Box mit insgesamt 9 CDs wird teilweise überraschen, denn sechs dieser CDs sind dem Kunstlied gewidmet, wobei sogar Lieder von Hans Pfitzner dabei sind, Pfitzner war nämlich ein Freund ihres Vaters. Auf der letzten CD findet man schließlich Edda Moser im Gespräch mit Holger Wemhoff, aber in diesem Gespräch wird das Kunstlied nicht erwähnt.

Aber in dem relativ kleinen Booklet (9 Seiten in Deutsch und Englisch) sagt die Künstlerin auf den Einwand »Sie haben einmal gesagt, dass die Kunst des Liedgesangs immer mehr verloren geht«
»Nicht bei Festivals, aber im täglichen Musikleben. Da droht das Lied immer mehr zu einem Nischenprodukt für Liebhaber und Experten zu werden. Als ich in Berlin studierte, waren Liederabende selbstverständlicher Teil des musikalischen Alltags. Da verging keine Woche ohne einen Liederabend, und man hörte regelmäßig die Besten des Metiers. Fischer-Dieskau, Grümmer, Seefried, Prey, Schwarzkopf, Rothenberger, Streich und viele andere«

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Montag, 8. April 2013, 00:57

Susan Platts (Mezzosopran) mit berühmtem Vorbild


Susan Platts
ist eine kanadische Sängerin, die sich erst im Alter von 16 Jahren ernsthaft mit dem Gesang zu beschäftigen begann. Sie hat keine Ausbildung am Konservatorium, aber in Jessye Norman eine brillante Mentorin. Diese Verbindung kam im Jahre 2004 zustande; eine Initiative der Firma »Rollex«, die sich zur Aufgabe gemacht hat in verschiedenen Bereichen der Bildenden Kunst namhafte Künstler mit aufstrebenden außergewöhnlichen, aber noch weitgehend unbekannten Künstlern für die Dauer von einem Jahr zusammenzubringen.
Interessant ist es, wenn man die beiden Aufnahmen von »Frauenliebe und –Leben« von der Meisterin (siehe Beitrag 104) und ihrer Schülerin hört; wieder einmal ein ganz klares Beispiel, dass eine Interpretation eines Werkes nicht ausreicht, wenn man sich ernsthaft dafür interessiert. Jessye Norman singt ja Schumanns Opus 42 grandios, aber die Schülerin singt das nicht etwa „schlechter“, sondern anders, einfach anders – sensibel und wunderbar, da ist nicht nur Stimme, da ist viel Ausdruck und Gefühl. Der leichte Akzent stört (mich) nicht.
Der erklärende Booklettext (37 Seiten) ist in Französisch und Englisch gehalten, bei den Liedtexten kommt die deutsche Sprache noch hinzu.

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Samstag, 13. April 2013, 22:49

»Frauenliebe« ohne Worte


Unter diesen 28 Lied-Transkriptionen von Clara Schumann finden sich auch zwei Stücke aus Opus 42, nämlich »Er, der Herrlichste von allen« und »Helft mir, ihr Schwestern«. Clara Schumann hat mehrere Lieder ihres Gatten auf diese Weise übertragen, wobei sie eher eine dienende Funktion einnahm und nicht etwa besonders wirkungsvolle Klaviervorträge herausarbeitete, sondern auf die zurückhaltende Schönheit dieser Schumann-Lieder achtete.