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Gerhard Wischniewski

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  • »Gerhard Wischniewski« ist männlich

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Registrierungsdatum: 7. April 2011

1 321

Donnerstag, 3. November 2016, 20:16

Zitat

Zitat von 9079Wolfgang: Ich hatte mich so gefreut, mal wieder in die Bonner Oper zu gehen. Nein, danke. Verarschen lasse ich mich nicht!
Ja, lieber Wolfgang, die wenigen Schablonen des Regisseur-Theaters werden immer wieder angewandt. Nach der Kölner Nazi-Lucia ist nun mal wieder das Irrenhaus dran. Welche Oper wird als nächstes bei den Nazi oder im Irrenhaus landen? Oder im Zirkus oder auf der Kirmes, wie jetzt die Verkaufte Braut in Hannover (Alles die Lieblingsschablonen des Regisseur-Theaters). Ich denke, dass du nicht der Einzige bist, der auf diesen Ramsch verzichtet.
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

Sixtus

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  • »Sixtus« ist männlich

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1 322

Donnerstag, 3. November 2016, 23:07

Ja, ich war etwas im Zeitstress vorhin. Jetzt also weiter:
Die volkstümlichen Chöre sind ja oft die Zugpferde der Opern beim Publikum. Was wäre Nabucco ohne Freiheitschor, was Tannhäuser ohne Pilgerchor? Aber sind diese Nummern deshalb auch schon automatisch unanfechtbare Höhepunkte? Sind sie nicht eher manchmal fragwürdig oder gar peinlich? Haben die Regisseure, die sie eher parodieren, vielleicht manchmal recht?

Beispiel: Chor der Spinnerinnen in Dalands Spinnstube: Musikalisch ein Selbstläufer, dramaturgisch unentbehrlich, gewiss. Aber mental werden die Mädchen doch eher als dümmliche Gänse vorgeführt. Ähnlich, gleichsam als deren Vorläufer, die Jungfern mit dem Jungfernkranz. Schon Heine fühlte sich von ihrem Stumpfsinn bis nach Italien verfolgt. Aber Weber braucht sie als dramaturgische Folie für die Totenkrone. Das reizt jeden Regisseur, noch eins draufzusetzen, bis zum Klamauk. Der Jägerchor erst recht mit seinem Juhu trallala la la lalala! Ich kann mir den Freischütz bei diesen Stellen kaum noch völlig ernsthaft vorstellen.

Der Vollständigkeit halber zum Vergleich: Heil dir, Gunther, dir und deinem Weib! ... Glücklicher Gibichung! Da gefriert dem Zuhörer das Blut in den Adern.

Zur Abkühlung zitiere ich: Fürst zu Bischof: Mach du sie dumm, ich mach sie arm! - Nun, Brüder, eine gute Nacht...

wünscht euch Sixtus

Sixtus

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  • »Sixtus« ist männlich

Beiträge: 984

Registrierungsdatum: 2. Dezember 2015

1 323

Mittwoch, 18. Januar 2017, 10:35

Zehn Wochen später

Bevor dieser amüsante Thread einschläft, will ich - nach einem opulenten Frühstück - einen weiteren Wiederbelebungsversuch starten. Diesmal mit Gedanken zu Beispielen, die einer bestimmten Gesinnung zu entspringen scheinen und sich besonders schlau vorkommen:

Wenn ein Bühnenbildner ein Regie-Debut angeboten bekommt und die Wahl auf Lucia fällt, macht es sich für ihn gut, sich auf einen Sockel zu stellen, der etwa heißt: Auf keinen Fall Opas Oper! Also drimme ich die Schauergeschichte auf Krimi und fange mit dem Schluss an. Da hat die blutverschmierte Irre das letzte Wort und darf mit üppigen Koloraturen dem Abend den Erfolg garantieren.
Vielleicht kann er sogar Noten lesen. Was er aber nicht weiß, ist, dass Tenöre sich einsingen müssen. Und so muss sich Edgardo mit dem Finale einsingen, das es in sich hat! Die Neulinge im Publikum verstehen natürlich nichts von der Story, die anderen die Welt nicht mehr. Aber diese Manipulation beschert dem Debutanten einen rauschenden Erfolg. Die örtliche Hofberichterstattung jubelt. Dass Donizetti hier zum erstenmal die starre Regel durchbricht, die der Primadonna das letzte Wort garantiert (was hier völlig deplatziert wäre!), bleibt mangels Kenntnisse bei Regisseur und Publikum unbemerkt.
So geschehen in Saarbrücken 2o14 (?). Der Täter: Ben Baur.

Erfolg spricht sich unter Ignoranten herum. Der Frauenversteher bekommt im Januar 2017 Janaceks Katja anvertraut. Ein neuer Einfall muss her: Die Dorfbewohner an der Wolga werden zwangsverpflichtet zur Aushilfe beim Zirkus. (Begründung laut Programmheft: Sie schleppen ihre Psychosen endlos mit sich wie die Zirkusartisten ihre Utensilien!) Resultat: Der gesungene Text bleibt trotz Übertitelung unverständlich, weil er zum veränderten Ambiente passt wie die Faust aufs Auge. Neulinge verstehen wieder nichts, der große Rest die Welt nicht mehr.
Erschwerend kommt hinzu: Wer einen Mittelplatz hat, kann in der Pause nicht flüchten, denn die gibt es nicht - die Regie lässt 110 Minuten durchspielen, um die Spannung zu halten (und um ältere Zuschauer mit Blasenschwäche in Bedrängnis zu bringen).
Beides also erlebt von einem geschundenen Sixtus

MSchenk

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  • »MSchenk« ist männlich

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1 324

Mittwoch, 18. Januar 2017, 11:39

die Regie lässt 110 Minuten durchspielen, um die Spannung zu halten (und um ältere Zuschauer mit Blasenschwäche in Bedrängnis zu bringen).

Na ja, da ist Götterdämmerungs-Siegfried grad mal wieder am Walkürenfelsen angekommen ... :untertauch:
mfG Michael

Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

Sixtus

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  • »Sixtus« ist männlich

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1 325

Mittwoch, 18. Januar 2017, 18:37

Die Dauer der Aufführung ist ja hier nur ein Nebenaspekt.

Sicher: Götterdämmerung I, Parsifal I, Meistersinger III und Elektra können da mithalten. Rheingold übertrifft sie sogar. Sie alle sind aber so komponiert. Der Holländer auch, der hat aber eine Stadttheater-Fassung bekommen mit ein oder zwei Pausen. Die Katja hat aber drei Akte mit deutlichen Aktschlüssen.

Wenn dieser Aspekt alles wäre, hätte ich bei einer ansonsten stimmigen Inszenierung sicher trotzdem (oder erst recht) gejubelt. Aber angesichts der übrigen peinlichen Zutaten kann einem schon mal die Blase drücken!

Dieter Stockert

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  • »Dieter Stockert« ist männlich
  • »Dieter Stockert« wurde gesperrt

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1 326

Mittwoch, 18. Januar 2017, 21:05

Fair ist das trotzdem nicht, es sei denn Du machst in Zukunft bei jeder Besprechung einer Wagner-Inszenierung auch eine entsprechende Nebenbemerkung.
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

Mme. Cortese

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  • »Mme. Cortese« ist weiblich

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1 327

Samstag, 27. Januar 2018, 00:13

Irgendwo war, glaube ich, mal festgelegt, dass hier nur auf Inszenierungen hingewiesen werden soll - ohne größere Diskussionen und das übliche "Hast du das gesehen" bla bla. Nun landet nach Carmen auch der Holländer in der Psychiatrie. Und da sage noch einer, die heutigen Regisseure seien nicht kreativ
Hier also ein Bericht über eine Neuinszenierung des "Fliegenden Holländers" in Koblenz:

24.1.18
Na wenn sie alle gaga sind ...
Das Theater Koblenz präsentiert einen musikalisch hervorragenden „Holländer“
von Matthias Woehl

„Der fliegende Holländer“ in Koblenz ist eine tolle Show, das kann man ohne Zweifel sagen. Aus Platzgründen setzt man die Rheinische Philharmonie auf die Bühne, und davor gestaltet Bühnenbildner Bodo Demelius eine ansehnliche Szene für die Vorgänge. Aber Regisseur Markus Dietze lässt seinen Holländer in einer Nervenheilanstalt spielen, was meine anfängliche Hoffnung, einer wirklich interessanten Deutung beizuwohnen, gleich völlig zerstört. Das Problem dabei ist nämlich, dass man, wenn alle sowieso gaga sind, alles machen, aber nichts ernst nehmen kann. Somit ist alles beliebig und auch bedeutungslos. So abwegig sind doch die Vorgänge in Wagners Oper „Der fliegende Holländer“ überhaupt nicht, jede Figur hat ihre Gründe dafür, warum sie so handelt wie sie handelt, nur dass sie nicht unbedingt zusammenpassen, und das Ganze dann nicht für alle gut endet. Durch interessante Videoprojektionen entstehen zusätzlich auch tolle Effekte, was Senta betrifft sogar durchaus interessante Einblicke in deren Gedankenwelt, aber diese funktionieren dann doch wieder nicht, weil es sich ja letztendlich einfach nur um eine Irre handelt. Das ist wirklich schade, und für eine Deutung, wie ich finde, nicht gerade förderlich.
Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

Erich Ruthner

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1 328

Sonntag, 28. Januar 2018, 21:04

Ich habe endlich wieder einmal beim Lesen einer Zeitung zuerst gelacht und dann den Kopf geschüttelt:
Im KURIER vom 26. d.M. ist ein wunderschöner Artikel unter dem Titel: FALLYS GROSSER TRAUM!
Die Redakteurin Lisa Trompisch schreibt über Verlobung, Karriere und Opernball.
Interessant ist folgende Textstelle: "Sie singen ja derzeit an der Mailänder Scala die Magd Adele in der Fledermaus - übrigens mit umwerfenden Kritiken."

Jetzt wurde die Kammerzofe zur Magd herabgestuft - was sich an den Fotos aus Mailand nicht belegen lasst.
Wenn jetzt nicht einmal mehr unsere Zeitungsschreiber in diesen Dingen auskenne, ist es kein Wunder, dass die Regisseure ihnen voran gehen.

:no:
Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

Mme. Cortese

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  • »Mme. Cortese« ist weiblich

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1 329

Freitag, 16. März 2018, 14:30

Im Münchener Nationaltheater ist derzeit eine Neuinszenierung von Verdis "Vespri" zu bestaunen. Wer sich ein Bild machen will, findet Fotos auf der Website des Hauses. Überdies gibt es am kommenden Sonntag um 18.00 Uhr einen Livestream. Als Appetitanreger hier eine Rezension:

https://www.nmz.de/online/verdi-muss-sch…nes-in-muenchen

Übrigens: Da wird doch im Text von Verunstaltung gesprochen, und der Rezensent heißt nicht Gerhard Wischniewski!
Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

La Roche

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1 330

Freitag, 16. März 2018, 14:39

Übrigens: Da wird doch im Text von Verunstaltung gesprochen, und der Rezensent heißt nicht Gerhard Wischniewski!
Ich habe die Rezension mit Genuß gelesen. Bahnt sich bei den Kritikern eine Wende an?? Hoffentlich, denn mit der Kritik könnten auch die Theaterverantwortlichen eine Wende einläuten.

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


dr.pingel

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1 331

Freitag, 16. März 2018, 17:19

In einer Anzeige der Münchner Oper für Produktionen, die man live am PC verfolgen kann, ist für den April oder Mai Janaceks Totenhaus angegeben! Inszeniert von Frank Castorf. Das muss ich sehen. Ich bin gespannt, in welches Setting er diese Oper verlegt!
(Weisheit der Brahmanen)
Die Tage sehen wir, die teuren, gerne schwinden,/um etwas Teureres herangereift zu finden:/ ein seltenes Gewächs, das wir im Garten treiben,/ ein Kind, das wir erziehn, ein Büchlein, das wir schreiben.
(Friedrich Rückert)

Gerhard Wischniewski

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  • »Gerhard Wischniewski« ist männlich

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Registrierungsdatum: 7. April 2011

1 332

Freitag, 16. März 2018, 19:42

Endlich hat es ein Rezensent richtig erfasst, wie heute viele Opern verunstaltet werden. Auch geht aus der Rezension hervor, dass es dem Regisseur weder auf die Musik noch auf das Darstellerische der Sänger, was ja seine Aufgabe wäre, ankommt, sondern lediglich um Selbstdarstellung in einer wirren Idee. Der Artikel stellt aber auch fest, dass es immer noch Leute gibt, die sich so etwas bieten lassen. Sehr bezeichnend die Feststellung (Zitat):
"das ach so kunstsinnige Gros des Münchner Premierenpublikums wird demnächst bejubeln, wenn in ein Streichquartett ein bisschen „Hot Chili Pepper“ eingelegt wird und das Team der Staatsgalerie die Bilder von Paul Klee mit Pinsel und Acryl-Pistole„aufbessert“…
Liebe Grüße
Gerhard
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
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Melomane

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1 333

Freitag, 16. März 2018, 20:24

Der Artikel stellt aber auch fest, dass es immer noch Leute gibt, die sich so etwas bieten lassen. Sehr bezeichnend die Feststellung (Zitat):
"das ach so kunstsinnige Gros des Münchner Premierenpublikums wird demnächst bejubeln, wenn in ein Streichquartett ein bisschen „Hot Chili Pepper“ eingelegt wird und das Team der Staatsgalerie die Bilder von Paul Klee mit Pinsel und Acryl-Pistole„aufbessert“…


Man könnte den Satz des Rezensenten allerdings auch so interpretieren, dass das, was den Rezensenten (in Kenntnis der Inszenierung) gestört hat und was dich (in Unkenntnis der Inszenierung) stört, viele Leute (in Kenntnis der Inszenierung) nicht gestört hat. Was natürlich sehr schwer mit der Annahme in Einklang zu bringen ist, dass die überwältigende Mehrheit des Publikums deiner Meinung ist, wie Stücke auf dem Musiktheater inszeniert werden sollen.

Hosenrolle1

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Freitag, 16. März 2018, 20:35

Man könnte den Satz des Rezensenten allerdings auch so interpretieren, dass das, was den Rezensenten (in Kenntnis der Inszenierung) gestört hat und was dich (in Unkenntnis der Inszenierung) stört, viele Leute (in Kenntnis der Inszenierung) nicht gestört hat. Was natürlich sehr schwer mit der Annahme in Einklang zu bringen ist, dass die überwältigende Mehrheit des Publikums deiner Meinung ist, wie Stücke auf dem Musiktheater inszeniert werden sollen.

Wunderbar formuliert! :hail:



Liebe Grüße,
Hosenrolle1
Keine Sorge, ich bin Arzt. Ihre spektakulären Brüste interessieren mich nicht.
(Dr. Gregory House)

Mme. Cortese

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Freitag, 16. März 2018, 21:13

In diesem Fall kann sich ja jeder anhand des Livestreams selbst einen Eindruck verschaffen.
Im übrigen finde ich, abgesehen vom optischen Teil der Inszenierung, dass ein" Anreichern" der Ballettmusik mit modernen Klängen wirklich zu weit geht. Wenn man das Ballett zu lang(weilig) findet, was es IMO auch ist, dann sollte man es weglassen. Verdi hat es ja auch nur widerwillig komponiert, weil man es in Paris eben erwartete.
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Hosenrolle1

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Freitag, 16. März 2018, 21:59

Im übrigen finde ich, abgesehen vom optischen Teil der Inszenierung, dass ein" Anreichern" der Ballettmusik mit modernen Klängen wirklich zu weit geht.

Teilweise gebe ich dir da Recht - aber dennoch: Verdi mit den heutigen Instrumenten heutiger Bauart zu spielen IST bereits ein Anreichern seiner Musik mit modernen Klängen, weil die heutigen modernen Instrumente sich von denen des 19. Jahrhunderts durchaus unterscheiden, nicht nur klanglich, sondern auch von der Lautstärke her. Die Modernisierung alter Musik wird leider von einem Großteil der Hörer erst als solche wahrgenommen, wenn tatsächlich etwa elektronische Instrumente wie Synthesizer und Co. eingesetzt werden.



LG,
Hosenrolle1
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Freitag, 16. März 2018, 23:49

Hallo Hosenrolle,
da magst du sicherlich recht haben, allerdings fürchte ich, dass deine Forderung schwer zu erfüllen ist. Ein Opernhaus hat ja während einer Spielzeit normalerweise
Werke aus unterschiedlichen Epochen im Programm. Wie viele unterschiedliche Instrumente soll ein Orchester da denn vorhalten? Oder soll für jedes Werk ein Spezialisten-Orchester engagiert werden? Ich fürchte, dass das weder organisatorisch noch finanziell zu stemmen wäre. Bei CD-Einspielungen ist das natürlich einfacher - da holt man sich für eine einmalige Gelegenheit die passenden Musiker zusammen. Ich persönlich wäre schon froh, wenn die Orchester wenigstens in der ursprünglichen Stimmung spielen würden. Das würde vielen Sängern das Leben wesentlich erleichtern.
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Hosenrolle1

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1 338

Samstag, 17. März 2018, 00:50

da magst du sicherlich recht haben, allerdings fürchte ich, dass deine Forderung schwer zu erfüllen ist. Ein Opernhaus hat ja während einer Spielzeit normalerweise
Werke aus unterschiedlichen Epochen im Programm. Wie viele unterschiedliche Instrumente soll ein Orchester da denn vorhalten? Oder soll für jedes Werk ein Spezialisten-Orchester engagiert werden? Ich fürchte, dass das weder organisatorisch noch finanziell zu stemmen wäre.

Da hast du leider vollkommen Recht, und es würde auch nichts bringen, weil viele Instrumente einfach zu verschieden sind, und die Musiker sie neu lernen müssten. Aus diesem Grund meide ich auch solche Opernhäuser "von der Stange", sondern würde - wenn es das in meiner Nähe gäbe - in Opernhäuser gehen, wo sich die Orchester auf eine Epoche spezialisiert haben. So wie auch die Musiker jeder Epoche nur auf ihre eigene Epoche "spezialisiert" waren, während man heute vielleicht 500 Jahre Musikgeschichte auf den selben modernen Instrumenten runterdudelt und der unkundige Hörer (so wie ich damals!) ernsthaft meint, er höre da gerade Bach, Haydn, Mozart, Beethoven, von Weber oder Wagner.

Wie das Michaelis Consort auf seiner Webseite auch schreibt: (fett von mir)

Zitat

In diesem Spannungsfeld jedoch den historischen Farben- und Variantenreichtum hineinzubringen ist äußerst lohnenswert. Die historische informierte Aufführungspraxis verstößt gegen die Normen und Rituale des modernen Konzertbetriebs. Es bringt die alten Ideen zum Leben, die den ursprünglichen Reichtum der Werke wieder auferstehen lassen.



Ich persönlich wäre schon froh, wenn die Orchester wenigstens in der ursprünglichen Stimmung spielen würden. Das würde vielen Sängern das Leben wesentlich erleichtern.

Ich finde es ehrt dich, dass dir das Thema nicht völlig egal ist! :)



LG,
Hosenrolle1
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La Roche

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Samstag, 17. März 2018, 10:19

Man könnte den Satz des Rezensenten allerdings auch so interpretieren, dass das, was den Rezensenten (in Kenntnis der Inszenierung) gestört hat und was dich (in Unkenntnis der Inszenierung) stört, viele Leute (in Kenntnis der Inszenierung) nicht gestört hat. Was natürlich sehr schwer mit der Annahme in Einklang zu bringen ist, dass die überwältigende Mehrheit des Publikums deiner Meinung ist, wie Stücke auf dem Musiktheater inszeniert werden sollen.
Man könnte aber auch so sagen:

Kann es sein, daß Dich das stört, daß Gerhard das nicht stört, daß es den Rezensenten stört, daß es evtl. viele Leute stören könnte?

Warum sollten Leser der Rezension etwas anderes lesen als der Rezensent geschrieben hat? Und zukünftige Besucher der Inszenierung manipuliert werden könnten, nicht ohne Vorurteile in diese Vorstellung zu gehen?

Herzlichst La Roche
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Melomane

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Samstag, 17. März 2018, 16:09


Kann es sein, daß Dich das stört, daß Gerhard das nicht stört, daß es den Rezensenten stört, daß es evtl. viele Leute stören könnte?


Mich stört überhaupt nichts von den Dingen, die du ansprichst. Am wenigsten die Inszenierung, die ich nicht kenne. Und auch nicht die Reaktion des Publikums auf die Inszenierung. Und auch die Rezension stört mich nicht. Und es stört mich auch nicht, dass der User "Gerhard Wischniewski" einem Rezensenten anerkennend auf die Schulter haut und ihm großzügig bescheinigt, dass endlich mal einer kapiert habe, was Sache ist, obwohl der User "Gerhard Wischniewski" den Gegenstand der Rezension, nämlich die Aufführung, gar nicht kennt. Letzteres finde ich zwar etwas bizarr, aber stören tut es mich wirklich nicht, weil es viel zu unwichtig ist.

Zitat von »La Roche«

Warum sollten Leser der Rezension etwas anderes lesen als der Rezensent geschrieben hat? Und zukünftige Besucher der Inszenierung manipuliert werden könnten, nicht ohne Vorurteile in diese Vorstellung zu gehen?


Zum ersten Satz: Wer behauptet das? Zum zweiten Satz: Hä?

Figarooo

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1 341

Donnerstag, 24. Mai 2018, 19:40

Die neue Forza del Destino an der Züricher Oper wird nach Angaben eines mitsingenden Chorsängers seelenzerstörend.
Liebe Grüße,
Figarooo

Gerhard Wischniewski

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1 342

Donnerstag, 19. Juli 2018, 23:19

Verdi: Aida, Staatsoper Hannover, Regisseur Kay Voges, der auch den "Freischütz" ins Lächerliche gezogen hat
Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
(Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

chrissy

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  • »chrissy« ist männlich

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Registrierungsdatum: 20. Oktober 2010

1 343

Donnerstag, 19. Juli 2018, 23:43

Danke, lieber Gerhard, für das Reinstellen dieses "interessanten" Links.
Unglaublich, nicht für Geld und gute Worte möchte ich mir diese "Verdi - Mucke reinziehen und reinschlürfen" .
Um sich so etwas anzutun, da müßte man schon ein mächtiges Geschmacksleiden haben.


Herzliche Grüße
CHRISSY
Jegliches hat seine Zeit...

Mme. Cortese

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  • »Mme. Cortese« ist weiblich

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Registrierungsdatum: 12. Januar 2010

1 344

Freitag, 20. Juli 2018, 00:08

Da müßte man schon ein mächtiges Geschmacksleiden haben, wenn man sich diese "Verdi - Mucke reinziehen und reinschlürfen" würde.


Herzliche Grüße


Die arme "Mucke" kann ja nichts dafür. Und der arme Herr Voges kann offensichtlich auch nichts dafür, dass er geistig in den 68ern steckengeblieben ist - zumindest was seinen Freischütz angeht. Ja, ich weiß, dass er Jahrgang 1972 ist - ein merkwürdiger Fall von Retardierung.
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Stimmenliebhaber

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1 345

Freitag, 20. Juli 2018, 00:34

Wurden für diese Rubrik nicht mal vor gar nicht allzu langer Zeit bestimmt Regeln aufgestellt wie Beispiele nicht kommentieren usw.?
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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