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teleton

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91

Montag, 5. Dezember 2011, 10:54

Lieber Wolfram,

dem Dank von Willi möchte ich mich anschliessen.
Aber damit ist auch für Dich das Thema noch lange nicht abgeschlossen: Ich bin nämlich gespannt auf deine Eindrücke zu Beethoven mit Bernstein und den New Yorker PH (SONY) - diese GA wird Dich ja zu Weihnachten erreichen.

Mackerras (EMI) ist ja hier nachvollziehbar bei der Sinfonie Nr.1 bei Dir nicht so gut weggekommen. Das deckt sich mit meinen Höreindrücken. Aber das gilt noch lange nicht für die weiteren Sinfonien, denn insgesamt gehört die Mackerras-GA (EMI) zu den GA die ich im oberen Drittel sehe.

Ausserordentlich freuen mich Deine Worte zu P.Järvi (RCA) , denn Paavo hat hier bei Tamino schon sein Fett weg bekommen (von wegen hüpfende Musiker :hahahaha: u.s.w.)...
Ich finde ja (bekanntlich) seine LIVE-Aufnahmen mit der Kammerphilharmonie Bremen aus der Beethovenhalle Bonn 2010 noch besser (auf DVD (SONY)). Warum ? Ganz simpel und einfach: Weil da noch mehr die Post abgeht als in den RCA-Studioaufnahmen von 2006 !
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Bernward Gerlach

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92

Montag, 5. Dezember 2011, 10:57

Ich finde ja (bekanntlich) seine LIVE-Aufnahmen mit der Kammerphilharmonie Bremen aus der Beethovenhalle Bonn 2010 noch besser (auf DVD (SONY)). Warum ? Ganz simpel und einfach: Weil da noch mehr die Post abgeht als in den RCA-Studioaufnahmen von 2006 !
Das kann ich nach dem Abhören und Sehen nur bestätigen, da ich beides besitze. Sei's drum.

LG, Bernward

"Nicht weinen, dass es vorüber ist
sondern lächeln, dass es gewesen ist"
Waldemar Kmentt (1929-2015)


William B.A.

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93

Mittwoch, 7. Dezember 2011, 21:50

Beethoven, Ludwig van: Sinfonie Nr. 1 C-dur op. 21

Der nächste Zyklus, die selben Sinfonien, jetzt sogar das selbe Orchester, aber gut 45 Jahre früher, dieses Mal Franz Konwitschny am Pult des Gewandhausorchesters Leipzig (1963). Und was soll ich sagen, ich fühlte mich sofort heimisch mit und in dieser Musik, ein warmer Klang, der auch hin und wieder in den Streichersteigerungen seine Schärfen und Reibungen aufwies, aber im Ganzen nicht "gegen den Strich gebürstet", hier kam es einfach auf die Güte der Wiedergabe an, und die ist zweifellos gegeben.
Erstaunlich auch die klangliche Transparenz. Aufgrund der konventionellen Orchesteraufstellung, Geigen links, Bratschen mittig, Celli und Kontrabässe rechts, konnte ich wunderbar die Läufe der Celli und Kontrabässe verfolgen, was natürlich bei den Ersten und Zweiten Geigen nicht so gut klappt. Das ging besser bei Krivine, der die Ersten und Zweiten Geigen gegenüber postiert hatte. Das war hier auch nicht nötig, zumal auch der Einsatz der Holzbläser aus der Mitte rechts und der Hörner aus der Mitte links gut zu vernehmen war. Das Tempo war nicht zu schnell, aber vor allem auch nicht zu langsam. Die Satzzeiten: 9:00-8:05-3:37-5:44. Da gehört er zu den Mittleren. Ein Beethoven, der nicht in die Extase treibt, aber ein Wohlgefühl hervorruft. Es muss ja nicht immer der Ritt auf der Rasierklinge sein. Ein Beethoven der Mitte also, erstaunlich guter Klang und auf sehr hohem Niveau musiziert: das Gewandhausorchester eben- und Konwitschny.

Liebe Grüße

Willi :rolleyes:
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Joseph II.

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94

Mittwoch, 7. Dezember 2011, 21:57

Danke für deinen Bericht, lieber Willi.

Allerdings kann 1963 nicht stimmen. Konwitschny starb 1962. Ich glaube, die Aufnahmen sind von 1960/61.

:hello:
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

chrissy

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95

Mittwoch, 7. Dezember 2011, 22:35

die Aufnahmen sind von 1960/61.
Das ist richtig.
Jegliches hat seine Zeit...

William B.A.

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  • »William B.A.« ist männlich

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96

Mittwoch, 7. Dezember 2011, 22:39

Beethoven, Ludwig van: Sinfonie Nr. 1 C-dur op. 21

Du hast Recht, lieber Joseph, ich habe die Angabe einfach ohne nachzudenken von Cover übernommen. Es war aber auch nirgends ein Aufnahmedatum vermerkt. Es stand wohl im Beiheft, dass Konwitschny in 1958/59 bereits einen dritten Zyklus in Vorbereeitung auf diese Aufnahmen dirigiert hätte. Da hätte ich eigentlich hellhörig werden müssen.

Liebe Grüße

Willi :)
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William B.A.

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97

Freitag, 20. Januar 2012, 11:50

Beethoven, Ludwig van: Sinfonie Nr. 1 C-dur op. 21

Gestern habe ich die Erste aus diesem Zyklus gehört, der wie die Zweit und die Fünfte von Monica Huggett dirigiert wurde, einer "gelernten" Barockgeigerin (*1953), die in den 70er Jahren im English Concert von Trevor Pinnock und in der Academy of Ancient Music von Christopher Hogwood spielte und 1980 zusammen mit Ton Koopman das Amsterdam Baroque Orchestra gründete.
Sie schlägt ein durchaus nicht zu schnelles Tempo an, der Klang der Hanover Band ist voll und kernig oder kraftvoll, wie andere sagen, die Pauken sind präsent, wenn auch dunkel abgetönt. Das Aufführungsmaterial für die Erste, Zweite und Fünfte, also exakt die Sinfonien, die Monica Huggett dirigiert, entspricht der Edition von Caroline Brown, der Gründerin der Hanover Band (1980). Die anderen Sinfonien, die von Roy Goodman geleitet werden, gehen auf die Edition von Jonathan del Mar zurück, ebenso, wenn ich mich recht entsinne, die Zyklen von John Eliot Gardiner und David Zinman.
Auch hier fällt eine gute Durchhörbarkeit auf, vor allem bei den Celli und Kontrabässen, ein federnder, swingender Klang mit überraschenden Crescendi und Diminuendi, und vor allem, man hat keinen Moment lang das Gefühl, dass hier ein falsches Tempo gewählt sei. Ich fühle mich wohl beim Hören dieser Aufnahme. Das Menuett ist rasant, das passt aber m.E. , im Finale schnurren die Streicher in bester Manier, die Dame Huggett kann ihr Handwerk und- wie gesagt, ich habe hier nicht den Eindruck, dass mangelnde instrumentale "Masse" elektronisch aufgepeppt werden muss.

Liebe Grüße

Willi :)
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William B.A.

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98

Samstag, 28. Januar 2012, 00:28

Beethoven, Ludwig van: Sinfonie nr. 1 C-dur op. 21

Hier nun schon die Erste, dirigiert von Sir Georg Solti. Wie man ihn kennt und auch seine Chikagoer, ist das alles mir viel Brio, helles Klangbild, voller Spannung, ohne gehetzt oder norvös zu wirken, alles auf den Punkt musiziert. Hier wird von Anfang an klar, dass es sich "schon" bei der Ersten um eine "große" Sinfonie im wahrsten Sinne des Wortes handelt. Das ist der Schritt in eine ganz neue musikalische Dimension, nicht nur durch die kühne Anfangsseptime, sondern hier wird schon deutlich, dass der "Größte Rhythmiker aller Zeiten" (Beethoven) auf uns zukommt, der von Solti adäquat interpretiert wird. Die Pauken sind vernehmlich, aber nicht im Vordergrund. Hier vermisse ich das auch nicht, weil der Rhythmus auch so sehr prägnant ist.
Es ist dies eins sehr erfreulicher Auftakt dieses Zyklus, und ich will hoffen, dass es so weiter geht, aber da ist mir bei Sir Georg eigentlich nicht bange.

Liebe Grüße

Willi ^^
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teleton

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99

Samstag, 28. Januar 2012, 11:10

RE: Solti (Decca, 1972-74, ADD)

Lieber Willi,

ich freue mich nach dem Auftakt mit der Sinfonie Nr.1 bereits heute auf deine weiteren Rezensionen zu den Solti-Aufnahmen.
Wie Du an anderer Stelle bei Tamino sicher gelesen hast, habe ich auch den späteren digitalen Solti-Beethoven-Sinfonien-Zyklus, der insgesamt noch näher an den Beethovenschen Metronamangaben liegt - also insgesamt flotter !
Man kann nicht unbedingt als Ganzes dem analogen oder dem digitalen Solti-Zyklus den Vorzug einräumen, denn mal sind einige Sinfonien hier mal dort vorzuziehen. Selbst Klangtechnisch gibt es mal hier mal da Vorzüge. Man muss jetzt nicht glauben, das die Digitaltechnik beim der späten Solti-GA unbedingt insgesamt besser ist, denn der analoge verfügt bereits über eine fabelhafte Decca- Klangtechnik, die je nach Sinfonie sogar noch homogener, natürlicher wirkt.
Ich werde so nach und nach dann auf deine Beiträge zu den Sinfonien mit Solti eingehen und meine Eindrücke zu den Zyklen ADD/DDD im Vergleich schildern.

:!: Hier bei der Sinfonie Nr.1 gehört die Solti-Aufnahme (Decca, 1990, DDD) zu meinen Lieblingsaufnahmen.
Solti ist hier zwar nur unwesentlich flotter, als in deiner Solti-Analog-Aufnahme (Decca, 1972-74, ADD), wirkt aber noch vorwärsdrängender und für meinen Geschmack packender. Der Sound ist bei der DDD-CD (mit den Sinf.1 und 2) so natürlich, wie bei keiner anderen Beethoven-Aufnahme der Nr.1 in meinem Bestand. Man sitzt quasi in der 3 Reihe - nur die Pauken sind bei P.Järvi (Sony-DVD) noch prägnanter !
Mir gefallen ohnehin Beethoven-Aufnahmen generell besser bei denen die langsamen 2.Sätze nicht bis "zum geht nicht mehr" auszelebriert werden. Ansonsten gilt auch hier das Gleiche, was Du an Vorzügen zur Interpretation schreibst. Beides Klasse Aufnahmen !
Die Zeiten liegen im ähnlichen Niveau (ich bin kein Sekundenfuchser): Analog / Digital...8:42 / 8:04 - 7:50 / 7:15 - 3:41 / 3:30 - 5:37 / 5:40


Bei der Sinfonie Nr.2 sind die Tempounterschiede zwischen beiden Solti-Zyklen allerdings wesentlich krasser. Da liegen die Sätze 1 und 2 bereits je 2 Minuten auseinander - da lässt Solti absolut die Post abgehen. Du wärst überrascht. Aber dazu dann mehr ....
Gruß aus Bonn, Wolfgang

William B.A.

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100

Samstag, 28. Januar 2012, 20:25

Beethoven, Ludwig van: Sinfonie Nr. 1 C-dur op. 21

Lieber Wolfgang,

jetzt hast du mich natürlich neugierig gemacht. Der langen Rede kurzer Sinn kann natürlich sein, dass ich mir den von dir beschriebenen Zyklus auch noch zulege.

Liebe Grüße

Willi :)
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Wolfram

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101

Samstag, 28. Januar 2012, 20:26

Der einzige Grund, weswegen ich noch keinen Beethoven-Zyklus mit Solti habe, ist der, dass ich mich nicht zwischen dem ersten und zweiten entscheiden kann. Wenn Ihr wirklich Entscheidungshilfen geben wolltet ... ? :yes:
Viele Grüße, Wolfram

William B.A.

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102

Samstag, 28. Januar 2012, 23:05

Beethoven, Ludwig van. Sinfonie Nr. 1 C-dur op. 21

Lieber Wolfram, ich habe gerade die Zweite zu Ende gehört und schreibe darüber im entsprechenden Thread, vielleicht kann dir das weiter helfen, aber ich sehe jetzt schon, worauf das bei mir hinauslaufen wird. Wenn Wolfgang sagt, dass der zweite Zyklus auch so doll sein soll, dann werde ich mir den auch noch wohl anschaffen, wenn er denn habhaft ist.

Liebe Grüße

Willi :)
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teleton

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103

Sonntag, 29. Januar 2012, 12:57

RE: Welcher Solti-Zyklus ?

;)
Der einzige Grund, weswegen ich noch keinen Beethoven-Zyklus mit Solti habe, ist der, dass ich mich nicht zwischen dem ersten und zweiten entscheiden kann. Wenn Ihr wirklich Entscheidungshilfen geben wolltet ... ? :yes:


Lieber Wolfram und Willi,

ich denke das ist wieder eine Geschmacksfrage.
Ihr wisst ja, dass ich generell zu schnelleren Tempi neige; von daher würde ich den digitalen Solti-Zyklus (Decca 1986 bis 1990) vorziehen, die Näher an den "richtigen" Tempi ist.
Ich bin aber froh beide Solti-GA zu haben, weil nicht alle Sinfonien in der DDD-GA auch tatsächlich der ADD-GA vorzuziehen sind.
Dann kommt noch dazu, dass die Coriolan-Ouvertüre in der DDD-GA fehlt - die habe ich heute gehört und festgestellt, dass dies eine der besten Coriolan ist, die mir insgesamt vorliegen.

Wolfram, Du solltest nochmal die folgenden Beiträge von Willi abwarten, aber aus meiner Erinnerung heraus kann ich Dir schonmal sagen, dass ich die Sinfonien Nr. 1, 2, 7 und 8 wegen iheres weit strafferen Zugriffes in der DDD-GA noch höher schätze.
Die Sinfonie Nr.4 finde ich dagegen in der ADD-GA sogar weit überlegen.
Die Sinfonie Nr.5 ist aus wegen des flotteren Tempos in der DDD-GA wiederum besser geraten, aber hier ist es die Wahnsinnsaufnahme mit Solti / Wiener PH (Decca, 1958.)=gehört zu meinen drei Favoriten, die wirklich punkten kann, weil diese den beide Späteren aus Chicago um etliche Damatikeinheiten überlegen ist. Die Fünfte wirkt auf mich in der ADD-GA Solti-untypisch - einfach zu brav !

:!: ;) Ich habe mir die DDD-Aufnahmen als Einzel-CD´s besorgt, weil das preiswerter war, als die GA !
Gruß aus Bonn, Wolfgang

William B.A.

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104

Sonntag, 29. Januar 2012, 17:46

Beethoven, Ludwig van: Sinfonie Nr. 1 C-dur op. 21

Auch dir, lieber Wolfgang, vielen Dank für den Tipp. Ich werde die vorhandenen DDD-CD's wenigstens schon mal probehören.

Liebe Grüße

Willi :)
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William B.A.

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105

Sonntag, 29. Januar 2012, 18:19

Beethoven, Ludwig van: Sinfonie Nr. 1 C-dur op. 21

Lieber Wolfgang,

ich habe bei meinen Recherchen gerade bei amazon festgestellt, dass bei der digitalen Neunten die Spielzeiten angegeben waren und die Unterschiede zur analogen Neunten nur marginal waren. Hier der Vergleich:

Analog: 17:42-13:59-19:47-24:58= 76:26 min.,
Digital: 18:13-11:53-19:59-24:42= 74:47 min.;

Auffällig ist hier, dass der Kopfsatz und das Adagio in der Digitalversion sogar geringfügig länger sind als in der Analogversion. Und den relativ großen Unterschied von 2:06 Minuten beim Scherzo kann ich mir nur so erklären (da ich die Digitalversion ja nicht in der Gänze vorliegen habe), dass er in dieser Version eine Wiederholgung wegelassen hat. Sonst würde das Tempogefüge im Binnenverhältnis der einzelnen Sätze nicht mehr passen, da die anderen drei Sätze temporal größte Ähnlichkeit miteinander haben:
Kopfsatz: digital + 31 Sekunden, Adagio: digital + 12 Sekunden, Finale: digital - 16 Sekunden.

Noch eins: Das Adagio gehört mit zu den längsten in meiner Sammlung überhaupt, und ich habe es in meiner Analog-Version noch gar nicht gehört und warte auch, bis ich dort angelangt bin. Aber ich habe den Hörausschnitt der Digitalversion gehört: Welch ein himmlischer Frieden liegt über dieser Musik. Jetzt weiß ich einmal mehr, warum mir ein 11-12-Minuten Adagio nicht so zusagt.

Liebe Grüße

Willi :)
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106

Montag, 30. Januar 2012, 10:54

Lieber Willi,

bei der Sinfonie Nr.9, diesem Jahrtausendwerk, ist das Niveau der Tempi gegenüber den anderen Sinfonien zischen ADD und DDD auch relativ gleich geblieben. Mehr dazu , wenn Du bei der Neunten bist ....

Interessant ist für mich, dass ich einen der Sänger in der DDDSolti--9 Robert Schunk beim letzten TAMINO-Treffen im Mai 2011 kennenlernen konnte. Er berichtete über so einige Anekdoten und Konzerterlebnisse, die er mit Georg Solti hatte. War Klasse diese Geschichten von ihm zu hören.
Gruß aus Bonn, Wolfgang

William B.A.

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107

Montag, 30. Januar 2012, 11:27

Beethoven, Ludwig van: Sinfonie Nr. 1 C-dur op. 21

Dann ist er also auch ein Tamino, lieber Wolfgang?

Liebe Grüße

Willi ?(
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108

Dienstag, 31. Januar 2012, 10:50

RE: Robert Schunk

Dann ist er also auch ein Tamino, lieber Wolfgang?

Ich weis es nicht genau - glaube aber nicht. Aber jedenfalls ein guter Mitleser mit Kontakten zu Taminos.
:hello: Gruss an Robert
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Wolfram

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Samstag, 4. Februar 2012, 22:52

Felix Weingartner, Wiener Philharmoniker, 19. Oktober 1937



Mit einem sehr breit aufgefächerten Pizzicato geht es los – bösartig könnte man sagen: „Absolut nicht zusammen“. Schön tropfen die „Piano“-Akkorde ab. Dann dichtes Legato in den führenden Violinen. Die zwischen Bläsern und Streichern wechselnden Akkorde schließen ebenfalls dicht an dicht an – große majestätische Geste. Den Auftakt zum ersten Thema nimmt Weingartner noch im alten Tempo – verblüffend! – so steht’s da, aber war’s so gemeint? – Um Halbe = 100, eher leicht darüber, wird das erste Thema dann genommen. Sehr schlüssig finde ich den Aufbau der ersten Themengruppe, gute Beachtung der Dynamik, kaum Nachgeben im Tempo vor dem ersten Höhepunkt, gar nicht fett im Klang, aber kraftvoll und voller Leben. Ebenso gelungen ist die zweite Themengruppe, licht und transparent. Die Eindunklung danach bringt eine leichte Verlangsamung mit sich, absolut schlüssig. Am ehesten – wenn überhaupt - wäre zu bemängeln, dass das Orchester bei Höhepunkten „nach vorne fällt“, kurz vor der Zeit spielt. Keine Wiederholung der Exposition. Weingartner macht nicht viel Geheimnis um die Modulationen eingangs der Durchführung, lässt die Fortepianos kräftig ausspielen. Auch weiterhin leichtes, lockeres Spiel. – Insgesamt ein großer Gegensatz zwischen der breiten Einleitung und dem frischen, leichten, transparenten Spiel danach!

Knapp unter 90 Achteln pro Minute ist das Tempo zu Beginn des zweiten Satzes, der trotzdem einen Rest des tänzerischen Charakters behält. Wieder bestimmt leichte Bogenführung den Ton. Natürlich darf man nicht die differenzierte Artikulation von HIP-Aufnahmen erwarten, aber hier ist kein großer spätromantischer Klang zu hören, sondern schlankes und hellwaches Spiel. Keine Wiederholung des ersten Teils.

Das Menuetto mit ca. 116 Takten pro Minute. Der erste Teil wird ganz auf den Steigerungseffekt angelegt, den man erst einmal so überzeugend hervorbringen muss wie hier! Auch hier wenig Mysterium um die piano-Abschnitte, Bewegung ist Trumpf! Die Sforzati werden gut herausgespielt. Der Gesamteindruck ist kraftvoll drängend. – Im Trio geht das Tempo deutlich zurück.

Ca. 76 Halbe pro Minute dann im Finale. Nach dem Menuetto klingt es wie mit angezogener Handbremse, passt aber zu den von Beethoven gedachten Temporelationen. Und Weingartner weiß im Laufe des Satzes zu steigern! Ich fand diese Lesart, die nicht schon in den ersten Takten die ganze Karte spielt, sehr schlüssig. Wiederum lockers Spiel, bei Bedarf straff und zupackend. Weingartner steuert sehr geschickt die jeweiligen Phrasenhöhepunkte an, das Orchester folgt ihm willig.

Wer sich davon überzeugen möchte, dass es vor HIP schon frische, schlanke, hellwache Zugänge zu Beethoven gab, der wird hier fündig. Ein hörenswertes Dokument!


Willem Mengelberg, Royal Concertgebouw Orchestra, 14. April 1940



Geradezu lyrisch klingen die ersten Akkorde. Im fünften Takt setzt das erste Fagott eindeutig zu früh ein. Das Tempo dieser Einleitung ist recht zügig, die zwischen Streichern und Bläsern wechselnden Akkorde lassen ein wenig Luft vor dem jeweils nächsten Akkord. Dadurch ist der Eindruck nicht ganz so majestätisch – was das Stück m. E. aber auch nicht braucht. Geschmackssache! – Sehr überraschend dann das erste Thema: Die ersten Violine spielen durchaus zügig los, mit Einsatz der Holzbläser nimmt Mengelberg dann aber Tempo raus, macht aus den modulierenden Akkorden ein retardierendes Moment! Genauso dann die Wiederholung auf der zweiten Stufe. Auch die letzten Akkorde vor dem ersten Höhepunkt werden ritardando genommen. Das Haupttempo liegt bei ca. 104 Halben pro Minute, steigert sich jedoch bis zu den geforderten 112. Das zweite Thema beginnt wiederum eine Spur langsamer, aber der Fluss bleibt zunächst erhalten, bis zum nächsten Ritardando … ich gebe auf: Das ist eine Achterbahnfahrt. Als ob man Mahlers Tempovorschriften über Beethovens Noten verteilt hätte. – Das Spiel ist ansonsten nicht übermäßig leicht, aber auch nicht spätromantisch aufgebläht. – Mengelberg spendiert uns die Wiederholung der Exposition. - Die Durchführung hat mehr Zug nach vorne, sehr stringent! In der Reprise verkneift sich Mengelberg dann die retardierenden Momente größtenteils, der „Gag“ würde sonst auch abgenutzt wirken.

Vorsichtig tastend beginnt das Andante cantabile, nimmt dann jedoch recht schnell Bewegung auf (über 100 Achtel pro Minute). Willkürlich wirkende Ritardandi wie im Kopfsatz gibt es nur vereinzelt, das Tempo wird aber sehr variabel gehalten. Der Klang ist eher auf der schlanken Seite.

Im Menuetto sucht Mengelberg keine Beschleunigungseffekte, beschränkt Steigerungen auf Dynamik. Im B-Teil wiederum interessantes Retardieren. Das Trio ist kaum langsamer als das Menuetto.

Die Spannung der Einleitung zum Finale wird sehr schön ausgekostet. Mit einem Haupttempo von ca. 84 Halben pro Minute ist Mengelberg dicht an Beethovens Vorgaben, sehr flott und spritzig! Die ungewohnten Ritardandi sind eher klein, doch nehmen sie immer wieder Energie aus dem Geschehen – seltsam!

Tempi passati! Diese „Ritardandi mittendrin“ muss man gehört haben. Diese Aufnahme ist ein Zeugnis früherer Aufführungspraxis, die ihrerseits auch schon wieder historisch zu nennen ist. Eher wegen des Rubato-Zugangs von Interesse.


Leonard Bernstein, New York Philharmonic, 1964



Breit und saftig ist die langsame Einleitung unter Bernstein, kühle Majestät ist nicht sein Ding. Aber etwas spannender könnte ich sie mir schon vorstellen. Das folgende Allegro con brio wird mit ca. 104 Halben pro Minute sehr geradlinig genommen. Noten mit Staccatopunkt werden, gerade im Tutti, sehr kurz und knapp gespielt, wie abgerissen. Da die Bogenstriche ansonsten eher auf der breiten Seite sind, klingt das eher prall und lustvoll als schlank und spritzig. Die Exposition wird wiederholt. – In der Durchführung reizt Bernstein die Kontraste aus, lässt die Musik aber lange im Piano-Bereich und spielt auch die Sforzati nicht voll aus, lockt und schärft das Ohr des Zuhörers. - Die Mischung vom breiten, saftigen Ton mit sehr kurzen Staccati und deutlichen Sforzati zusammen mit dem zügigen Tempo hinterlässt des Eindruck sehr lustvoll-vitalen Musizierens.

Pianissimo wird man das nicht nennen, was zu Beginn des zweiten Satzes zu hören ist. Aber Achtel = 104 sind auch schon mal erfreulich. Details werden liebevoll präsentiert, vor allem die auftaktigen Zweiunddreißigstel. Auch hier gibt es die Wiederholung. Insgesamt ist der Eindruck eher straff, es klingt eindeutig nicht nach „langsamem Satz“ – wie es wohl auch von Beethoven beabsichtigt war.

Um 112 – 116 Takte pro Minute hat das Menuetto. Die Steigerung im ersten Teil wird gespielt, aber nicht voll ausgereizt – ok! Weniger gut gefällt mir, dass die Pianissimi nicht als solche gespielt werden, da wird Spannung verschenkt, aber Bernstein legt den Satz eher auf Bewegungsenergie als auf Kontraste an. – Im Trio geht das Tempo nur leicht zurück.

Die Einleitung zum Finale hat nicht den unglaublichen Witz, den Bernstein in den 1970ern mit den Wienern herausgekitzelt hat. – Ca. 77 Takte pro Minute sind sicher kein Rekordtempo, aber ok. Bernstein legt hier mehr Wert auf Detailarbeit als auf stürmisches nach-vorne-Drängen. Die Pauken erfreuen mit harten Schlegeln. Der Orchesterklang ist wiederum sehr saftig und prall.

Die Tempi sind insgesamt eher flott, ohne ins Extreme zu gehen. Bogenstriche sind eher breit und saftig, Staccati allerdings kurz und knapp. Zusammen mit der Detailarbeit wirkt das lustvoll und vital. Eine erfreuliche Einspielung, wenn man seinen Beethoven so großorchestral und lebendig mag. Ich ziehe die Wiener Einspielung vor.
Viele Grüße, Wolfram

Wolfram

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110

Samstag, 4. Februar 2012, 22:58

Riccardo Chailly, Gewandhausorchester, 6. – 9. Juni 2007



Sehr flott wird die langsame Einleitung zum Kopfsatz genommen, mit pulsierenden Achteln in den Bässen. Kraft und Fülle haben die Tuttiakkorde kurz vor dem Übergang zur Exposition. – Beim ersten Thema liegt Chailly sogar noch leicht oberhalb der von Beethoven gewünschten 112 Halben pro Minute. Sehr detailliert klingt das Orchesterspiel, da wurde wirklich jeder Takt neu hinterfragt: Wie ist das gemeint? Überraschende Beleuchtungswechsel gibt es am Ende der Exposition, und es ist eine Freude, das in der Partitur mitzuverfolgen – genau so steht es da! Und es klingt stimmig und rund. Chailly lässt seine Leipziger reaktionsschnell, transparent und spritzig spielen wie ein Kammerorchester und zieht in den Tutti-Stellen dann die Klangreserven des großen Apparates heran. Aufregend! Natürlich wird die Wiederholung der Exposition gespielt. – In der Durchführung werden die dynamischen Eckwerte gut herausgespielt, das war aber andernorts schon spannender zu hören. Die Beibehaltung des Tempos dominiert das Geschehen für meinen Geschmack etwas zu einseitig. – Dennoch: Lebendigkeit erhält diese Version durch Binnendifferenzierungen, durch die kleinen Steigerungswellen, durch die vielen Details, die die Leipziger hier offenlegen.

Im zweiten Satz sind dann 120 Achtel pro Minute zu hören – ohne jede Hektik, aber tänzerisch und liebevoll detailliert. Es ist immer wieder erfreulich, wenn diese Musik so gespielt wird, wie es Beethoven geschrieben hat – vor allem, wenn damit bewiesen wird, dass das funktioniert.

Mit 108-112 Takten pro Minute wird das Menuetto angegangen. Hier überzeugt Chaillys Ansatz vielleicht sogar am meisten: Mit Bewegungsenergie, großer Differenzierung und bei Bedarf vollem Klang klingt der Satz ausgezeichnet! Wie im Kopfsatz fehlt bei den leisen Stellen ein wenig die Spannung, das Hintergründige.

Die Einleitung zum Finale ist mir zu wenig ausgereizt – Bernstein (WPO) und andere haben gezeigt, was da drinsteckt. Bewundernswert wiederum die Leichtigkeit des Klanges an manchen Stellen, dann das reaktionsschnelle Umschalten in einem kräftigen, erdigen Tuttiklang. Elastisch und anspringend klingen die Synkopen – da stehen die Leipziger einem guten Kammerorchester kaum nach.

Fazit: Großorchestraler früher Beethoven mit kammerorchestralem Klang, der sich bei Bedarf in den eines vollen Orchesters wandelt. Die klangliche Beweglichkeit der Leipziger ist fantastisch! Sie können bei Bedarf eben mehr Register ziehen als beispielsweise Järvis Bremer und erreichen ansonsten fast die Elastizität und Durchhörbarkeit einer kleinen Besetzung. Sehr hörenswert! Übrigens sehr gute Decca-Klangqualität.



Christian Thielemann, Wiener Philharmoniker, Dezember 2008



Sehr leuchtend klingen die Holzbläser auf den ersten Akkorden. Aber die Achtel sind schon sehr breit. Kurz vor dem G-Dur-Forte hebt Thielemann die Septime „c“ in der zweiten Flöte hervor – das wäre nur dann logisch, wenn die Auflösung „h“ ebenso deutlich zu hören wäre. So aber hängt die solchermaßen geschärfte Dissonanz in der Luft. Doch wie wohltuend klingt das philharmonische Klangbad ab Takt 5 – Labsal für alle Seelen, die durch hektische HIP-Einspielungen jahrelang gequält wurden und sich nun dem schieren Wohlklang hingeben dürfen. Welche Wellnesskur für die Ohren! Man höre das wohldosierte Vibrato im ersten Fagott, die Kraft der Wiener Kontrabässe – dieser Klang „steht“ und hat Fundament! Vor soviel Schönheit gibt es keine Rettung. – Mit knapp unter 100 Halben pro Minute geht es dann im Allegro con brio los. Oha – im Forte dürfen die Wiener aber losspielen, dass es eine Freude ist! Mir san mir! Gute Sforzati. Die Hörner sind am Ende der ersten Themengruppe gut zu hören. Richtig gelesen! Sehr legato dann das zweite Thema, hier klingt das Ganze recht gemütlich und brav – und viel zu laut. Wieder ist die Energie der Bässe zu bewundern. Gegen Ende der Exposition muss man anhand der dynamischen Vorgaben feststellen, dass Chailly die Partitur genauer gelesen hat – zumindest sorgt er für eine genauere Umsetzung als die al-fresco-Wiedergabe der Wiener (die Thielemann im Interview auf der DVD ja nicht nur einräumt, sondern befürwortet). Auch hier gibt es eine Wiederholung der Exposition. – Sehr gut: Die „Forte“-Akkorde zu Beginn der Durchführung werden auch nur „Forte“ gespielt und nicht „Fortissimo“ – das hört man nicht oft so. Das Tremolo der Streicher im ersten Abschnitt der Durchführung klingt schon arg nach Wolfsschlucht-Romantik. Geht das nicht anders? – Die Piani sind auch in dieser Einspielung einfach zu laut. – Bis Ende des Satzes dann nichts Neues.

Zwischen 92 und 96 Achteln pro Minute beginnt der zweite Satz, mit Einsatz der zweiten Stimme wird es gleich langsamer. Gut, dass dies ein Live-Mitschnitt aus dem Musikvereinssaal ist und keine Zwischenprüfung im Nebenfach „Ensembleleitung“ für Lehramtskandidaten – da gäbe es für solche Nachlässigkeiten nämlich sofort Abzüge. Gepflegter Legato-Klang. Doch was passiert eigentlich in dieser Wiedergabe? Und welche Ereignisse waren andernorts zu hören? Wiederholt musste ich nochmal von vorne hören, weil meine Gedanken mangels interessantem Input automatisch abschweiften.

Nach dem Genuss des sedativen Potenzials des zweiten Satzes kommt das Menuetto wie ein Schock: Um 120 Takte pro Minute überschreiten Beethovens diesbezügliche Wünsche (108') bei weitem. – Im Nacheinander von Menuetto und Trio scheint ein Ansatz Thielemanns direkt greifbar zu werden: Das Gegenüberstellen von Klangflächen. Da gibt es laut und kräftig und vital einerseits und lieblich und einschmeichelnd und sanft andererseits. Diese Klarheit im gebotenen musikalischen Weltbild macht es dem Hörer natürlich leicht und baut auch denjenigen eine Brücke zu Beethoven, die ansonsten nur weniger komplexe Musik zu hören gewohnt sind. Dies ist unter pädagogischen Gesichtspunkten sehr erfreulich und als lobenswerter Beitrag zur Volksbildung zu würdigen. – Wer hingegen an der Musik Beethovens interessiert ist, wird zumindest in puncto Lebendigkeit und Drive auf seine Kosten kommen: sie wird hochvirtuos von den Wiener Philharmonikern dargeboten. Sehr hörenswert!

Ärgerlich wie bei Chailly: Der Witz des Beginns des Finales wurde schon wirkungsvoller offengelegt (etwa von Bernstein mit demselben Orchester). – 72 bis 76 Takte pro Minute sind nicht gerade ein eindeutiges Bekenntnis zu Beethovens Wünschen. Dafür wird umso praller aufgespielt: Die Pauken dürfen ein bisschen knallen, die Streicher dürfen an den Fortestellen loslegen, die Synkopen werden sittsam in das ohnehin kräftige Geschehen eingebettet. Man höre die geschmeidigen Tonleitern in den Violinen – gar nicht so leicht, das in dieser großen Besetzung so hinzubekommen!

Fazit: Das ist doch gar nicht so schlecht, wie einige behaupten! Vieles weiß zu gefallen, das Menuetto ist eine echte Überraschung, und alleine der Klang der Wiener im Großen Musikvereinssaal ist natürlich das Kennenlernen wert. Auch, wenn etwa bei Weingartner zu hören ist, wie schlank diese Musik auch gespielt werden könnte. Wäre der zweite Satz nicht so beruhigend, wäre es noch besser!
Viele Grüße, Wolfram

William B.A.

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Sonntag, 26. Februar 2012, 02:24

Beethoven, Ludwig van: Symphonie Nr. 1 C-dur op. 21

Lieber Wolfram,

schönen Dank für deine ausführlichen und fachlich hervorragenden Rezensionen. Leider habe ich bei meinen Hörsitzungen keine Partitur auf den Knien liegen und kein Metronom parat. Deshalb fühle ich mich auch nicht zu dieser Art von Rezensionen berufen, sondern schreibe, was ich höre und fühle. Wenn ich temporale Vergleiche anstelle, dann verlasse ich mich auf mein Gefühl, was die Satzbezeichnungen angeht, und auf die Uhr. Nur so ist es mir möglich, manchmal etwas tiefer gehende Feststellungen zu treffen wie bei Hogwood, Neunte, Finale, Alla marcia (viel zu langsam). Ansonsten sind viele Höreindrücke eben subjetkiv.
Nun also zur Ersten unter Dohnany, aufgenommen 1988 in der Severence Hall in Cleveland, Ohio. Schon nach dieser Symphonie bin ich der Meinung, dass das Cleveland Orchestra zu den Besten der Big Five in den USA gehört, aber vielleicht sage ich in ein, zwei Wochen, wenn ich die Gesamtaufnahme von Erich Leinsdorf bespreche, von der Boston Symphony das Gleiche.
Schon nach dem Adagio molto des Kopfsatzes ist festzustellen, dass diese Erste zu den Schnellen gehört, zwar nicht ganz so schnell wie Chailly, aber schneller z.B. als Mackerras mit dem SCO oder Günter Wand mit dem NDR-Orchester, einem der Vorgänger von Dohnanys auf diesem Chefsessel.
Um ganz genau zu sehen, ob er wirklich so schnell ist, müsste man tatsächlich Partitur und Metronom bemühen, aber die Arbeit will ich mir nicht machen.
Meinen oben gesagten Satz von der Qualität des Cleveland Orchestras möchte ich untermauern mit der Feststellung, dass mich auch hier wieder der helle, lucide Klang des gleichwohl auch für die Erste groß besetzten Orchesters begeistert hat, wobei sich die warme Klanggrundierung der Streicher sehr wohl abwechselte mit ruppigen und schroffen Passagen. Ebenfalls hervorzuheben sind die Holzbläser und die Hörner, und es gibt eigentlich keine Instrumentengruppe, die nicht hervorzuheben wäre. Dieses Orchester ist so hervorragend ausgeglichen und wurde unter der Ägide Christoph von Dohnanys sicher in der überragenden Tradtion George Szells weitergeführt und nach den zehn Jahren unter Lorin Maazel auch unter dem ihm nachfolgenden Dohnany tiefer in der europäischen Tradition verwurzelt. Es wäre sicher reizvoll, wenn von irgendwo her auch noch eine GA unter George Szell auftauchen würde wie jetzt eine unter Erich Leinsdorf /Boston Symphony.
Auch das Andante cantabile ist m. E. sehr schnell, fast wie ein Allegretto. Es hat durch dieses hohe Tempo allerdings eine Leichtigkeit gewonnen, die, wenn man Beethovens Zeitgenossen betrachtet, Mozart m.E. noch fast näher steht als Haydn. Menuett und Finale mit dem kurzen eröffnenden Adagio und dem anschließenden Allegro molto e vivace festigen den Eindruck von der schnellen Gangart erheblich. man kann diese Interpretation vorsichtig auch als rasant bezeichnen, als mitreißend allemal.
Eine Instrumentengruppe habe ich noch vergessen, die Schlagintrumente, hier in der Gestalt der Pauken, die stets präsent sind, wenn auch nicht so vorgedrängt wie z.B. bei Krivine, aber auch wunderbar eingefügt in den hellen Gesamtklang, den man, wie ich glaube, gut mit dem englischen Adjektiv "bright" übersetzen könnte.

Liebe Grüße

Willi :rolleyes:
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Joseph II.

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Samstag, 14. April 2012, 16:08

Knappertsbusch (1948)



Als legendär, nicht existent, verschollen galt sie lange, aber es gibt sie wirklich: die Knappertsbusch-Aufnahme der 1. Symphonie von Beethoven mit den Münchner Philharmonikern aus dem Jahre 1948. Einem aufmerksamen Sammler sei Dank, konnte ich mich nun davon selbst überzeugen. Zur offiziellen CD-Veröffentlichung brachte es der Mitschnitt eines Sonderkonzerts vom 11. September 1948 aus der Aula der Universität München bislang allerdings mitnichten, was man aufgrund der hohen künstlerischen Qualität der Aufnahme nur bedauern kann. Vom ersten Takt an merkt man hier, daß wir es mit etwas Großem zu tun haben, mit einer Zeitenwende in der Symphonik vielleicht gar. Mächtig und monumental, wie in Marmor gemeißelt, kommt der Kopfsatz sehr paukenstark daher. Keine Scheu vor Pathos herrscht hier vor. Wunderbar, so richtig schön "unzeitgemäß" interpretiert! Man meint schon Anklänge an die "Eroica" herauszuhören, beileibe kein Anfängerwerk, sondern wahrlich großartige Symphonik. Verinnerlicht das Andante, keck und flott das ausgelassene Scherzo. Pompös und erhaben zelebriert wiederum der Finalsatz. Knappertsbusch beweist abermals, daß er "einer der ganz großen Beethoven-Dirigenten" (Zitat J. Kaiser) war. Hätte Beethoven nur die 1. Symphonie geschrieben, er wäre auch darob berühmt geworden, zumindest bei solch einer Darbietung. Diese Aufnahme macht einfach Spaß.

Ein Wort noch zur Tonqualität: Gemessen am Alter ordentliches Mono, alle Instrumentalgruppen angemessen einfangen (besonders die feurigen Pauken). Freilich ist der Rauschpegel an den ruhigeren Stellen nicht wegzudiskutieren, aber die Interpretation macht das mehr als wett.

Spielzeiten:

I. 7:10
II. 5:30
III. 3:46
IV. 6:05

Wie man sieht: alles andere als lahm!
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

William B.A.

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Sonntag, 15. Juli 2012, 18:17

Beethoven, Ludwig van: Symphonie Nr. 1 C-dur op. 21


1. Satz: Adagio molto - Allegro con brio (8:10):

Leinsdorf eröffnet sehr prägnant, zügig und mit geschärftem Klang und von Anfang an präsenten Pauken. Nach 1.12 folgt das Hauptthema mit sehr transparentem Klang, ein veritables Allegro con brio, das swingt richtig, auch in dieser ersten Symphonie liegt schon großsymphonischer Klang vor. Die wird er nicht wesentlich kleiner bestzt haben als die Eroica oder die Neunte. Ich glaube, das war in den 60er Jahren allgemein so üblich. Die HIP-Experten waren ja (bis auf Harnoncourt) noch nicht auf dem Plan, aber der führte ja mit seinem Concentus auch keinen Beethoven auf.
Die Trompeten setzen sich sehr akzentuiert durch, Leinsdorf geht ran wie "Blücher an der Katzbach", doch trotz des hohen Tempos und der großen Dynamikskala bleibt das alles gut durchhörbar, auch in der Durchführung, wo vor allem die Holzbläser und die Trompeten herausstechen. Nach 5:58 folgt die Reprise. Alles klingt sehr insporiert und zeugt von großer Spielfreude an einer großen Sinfonie. Eine begeisternde Coda mit tollen Trompeten schließt diesen tollen Satz ab, der damals ein neues symphonisches Zeitalter eröffnete.

2. Satz: Andante cantabile con moto (8:06):

Das Andante ist etwas getragener als nach dem Kopfsatz erwartet, aber sehr kantabel. Die Streicher wissen hier auch wieder durchaus zu überzeugen. Nach 2:04 wiederholt Leinsdorf die Exposition, und weitere zwei Minuten später, nach 4:03, folgt die Durchführung, die etwas Geheimnisvolles, Dunkles an sich hat, das sich bald aufhellt, auch mit strahlenden Trompeten, dann wieder ein Fugatoteil durch alle Instrumentengruppen und eine schöne Variation des Hauptthemas in den Tutti, dann wieder im wiegenden Rhythmus (Einschlafgefahr, Thomas!)dem Ende zu mit leichten Hornrufen.

3. Satz: Menuetto. Allegro molto e vivace - Trio (3:33):

Dies klingt eigentlich schon fast wie ein Scherzo, sehr flüssig und kraftvoll auch wieder mit voll einsetzenden Trompeten. Das Trio gestaltet sich mit den führenden Oboen und begleitenden Fagotti und dann den Klarinetten und den herrlichen Girlanden der Streicher, die vom Tutti mit machtvollen Paukeneinsätzen abgelöst werden. Dann wird das Hauptthema wiederholt mit den Blechbläserattacken und den Pauken-Stakkati bis zum schnellen pointierten Schluss.

4. Satz: Adagio - Allegro molto e vivace (5:26):

Das Finale wird im Adagio von einem lang anhaltenden Auftaktschlag eingeletet und dann von den Streichern weitergeführt, bis dann im Allegro das muntre Hauptthema mit seinem typischen federnden Rhythmus erscheint und herrlich zu vernehmenden Pauken, wenn sie auch nicht in der allerersten Reihe erscheinen. Der Klang ist wieder sehr transparent. Im kurzen schwelgerischen Durchführungsteil reißen die Tutti mit. Nach 3:30 folgt die Reprise mit leicht variiertem Melodieverlauf mit groß auflaufenden Pauken und sehr viel Drive in die Coda hinein- toller Schluss.

Liebe Grüße

Willi :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:
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William B.A.

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Sonntag, 15. Juli 2012, 19:13

Beethoven, Ludwig van: Symphonie Nr. 1 C-dur op. 21


1. Satz: Adagio molto - Allegro con brio (8:22):

Beinahe eine Spur langsamer eröffnet Leibowitz im Vergleich zu Leinsdorf, auf auch mit einem sehr schönen Cantabile. Das hauptthema folgt nach 1:22, die Pauken sind noch sehr integriert, aber das Ganze hat trotzdem sehr viel Brio. Der Klang ist ebenfalls transparent- nach 3:10 folgt die Wiederholung des Hauptthemas (bei Leinsdorf nach 2:58). Das heißt, dass die beiden Maestri den Abschnitt vom Ende der Adagio-Einleitung bis zur Wiederholung des Hauptthemas in exakt der gleichen Zeit dirigieren. Die Holzbläsern wissen hier sehr zu überzeugen. Weiter herrscht eine große Transparenz, so dass man besonders die tiefen Streicher gut unterscheiden kann. Der Durchführungsteil ist auch bei Leibowitz sehr inspiriert mit prägnanten Blechbläsern: die Reprise erfolgt nach 6:09, auch in diesem Abschnitt sind die beiden Dirigenten tempomäßig nahezu deckungsgleich, und auch Leibowitz nützt die dynamische Spannweite voll aus. Das ist ähnlich begeisternd wie bei Leinsdorf, aber nicht besser, auch, weil die Pauken erst am Schluss des Satzes stärker hervortreten, dann aber mit Kraft.

2. Satz: Andante cantabile con moto (6:07):

Bei dem nahezu deckungslgeichen Tempokonzept beider Dirigenten lässt sich schon jetzt absehen, dass Leibowitz das Hauptthema nicht wiederholen lassen wird, zumal er ähnlich getragen dirigiert wie Leinsdorf, auch wenn Einige hier im Forum das nicht gerne hören mögen. Die Streicher glänzen hier, und mir fällt ein überraschendes Horn auf und im Hintergrund ein Fagott. Die habe ich bei Leinsdorf nicht gehört. Bei 2:01 folgt (natürlich) keine Wiederholgung des Hauptthemas, sondern es geht direkt in die Durchführung. Genau so hatte ich mir das gedacht. Der Fugatoteil gelingt Leibowitz genau so überzeugend wie Leinsdorf, jetzt seind die begleitenden Pauken p im Hintergrund gut zu vernehmen, auch die Hörner überzeugen: wiegender Rhythmus, alles wie gehabt. Hier fällt mir noch das wirklich gelungene Diminuendo am Schluss auf.

3. Satz Menuetto. Allegro molto e vivace (3:14):

Auch hier gilt das bei Leinsdorf Gesagte (wie ich denke, grundsätzlich): eher ein Scherzo als ein Menuetto, schön auch hier die Trompeten. Das Trio erscheint mir sehr anmutig mit wehenden Geigen, hier vernimmt man die Pauken schon etwas besser. Leinsdorf ist im 3. Satz etwa um das schneller als Leinsdorf, was er im ersten Satz im einleitenden Adagio langsamer ist.

4. Satz: Adagio - Allegro molto e vivace(5:48):

Es wird eröffnet mit einem wuchtigen Auftakt in den Blechbläsern, dann die kontrastierenden leisen Streicher, und schon folgt das Hauptthema, großsymphonisch wie eh und je, mit geschärften Blechbläsern, auch hier sind die Pauken wieder in den Gesamtklang integriert, herrlich auch hier wieder der federnde Rhythmus. Auch hier folgt ein schön ausgestaltender Durchführungsteil, und die Reprise folgt nach dem Tutti bei 3:45. Das passt. Der federnde Rhythmus mit den herrlichen Hörnern und Trompeten wird wieder aufgenommen und: endlich ein klar vernehmbarer Paukenwirbel. Davon hätte man ruhig mehr hören können. Eine schöne Fagottstelle noch und dann eine rauschende Coda.

Wenn man die fehlende Wiederholung des Hauptthemas im Andante bei Leibowitz mal addiert, dann sind beide Dirigenten am Schluss ganze 16 Sekunden auseinander. Und auch sonst sind sie interpretatorisch in dieser Sinfonie sehr eng beieinander.

Liebe Grüße

Willi :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:

P.S. Als Nächstes wird wohl eine Besprechung der dritten Karajan-Gesamtaufnahme folgen, die ich mir mittlerweile zugelegt habe.
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William B.A.

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Mittwoch, 18. Juli 2012, 01:52

Beethoven, Ludwig van: Symphonie Nr. 1 C-dur op. 21



1. Satz: Adagio molto - Allegro con brio (10:11):

Karajan beginnt mit dem Adagio molto wirklich mit der Betonung auf molto. Er zelebriert es, mein Gott, wie schön, wie emotional, und von Anfang an die Pauken, nicht nur, dass man sie (im Konzert) auf der Bühne sieht, man hört sie auch.
Wegen seines veritablen Adagio-Tempos erreicht Karajan das Hauptthema auch erst bei 1:30 (Leibowitz 1:22, Leinsdorf 1:12).
Auch das Allegro con brio ist nicht rasend, aber kraftvoll und sehr prägnant und vor allem transparent. Auch das Piano-Spiel sit sehr akzentuiert, wobei Karajan die dynamische Spannweite der Partitur, wie eigentlich alle seine Zeitgenossen, gut ausnutzt, und, natürlich ist dies großsymphonischer Klang reinsten Wassers. Die Wiederholung des Hauptthemas, das konnte man an der Satzdauer ablesen, kam diesmal bei Karajan auch, und zwar bei 3:42.
Sehr schön gehen auch die Berliner Holzbläser zu Werke, Lothar Koch, der Berliner Solooboist an der Spitze. Für mich war er in jenen Jahren eh der Beste Solo-Oboist in unseren Breiten, auch zu nennen der damalige Solo-Oboist der Wiener Philharmoniker, Gerhard Turetschek.
Auch das kräftiger Blech weiß hier zu überzeugen, und die tiefen Streicher changieren zwischen federleicht und kräftig. In der Durchführung geht es in diesem an und für sich heiteren Stück auch mal ins Moll, und manche Passagen gemahnen in ihrer ätherischen Struktur gar schon an Mendelssohn, aber nie überspannt Karajan den Tempobogen, jedenfalls nicht im Kopfsatz, er bleibt immer in seinem Plan. Auch in den Tutti ist das alles gut durchhörbar, und in der Coda folgt nochmal eine wirklich starke Steigerung.
Man merkt schon in diesem ersten Satz der Karajanschen Beethoveninterpretation (und damit sind Karajan I und Karajan II natürlich auch gemeint), dass hier ein neues symphonisches Zeitalter angebrochen ist.

2. Satz: Andante cantabile con moto (6:24):

Das Andante beginnt genau so ruhig wie das Adagio im Kopfsatz. Das Spiel der Berliner ist auch hier über jeden Zweifel erhaben. Die Pauken sind p gut im Hintergrund zu vernehmen. Karajan wiederholt hier nicht, ebenso wie Leibowitz, aber das kennen wir ja schon von früheren Aufnahmen. Die Streicher sind natürlich in ihrer Gänze besonders zu erwähnen. Trotz des moderaten Tempos ist das alles spannend musiziert und nach vorne gerichtet. Kurz vor dem Schluss tauchen wieder die schönen p-Begleitfiguren der Pauken auf. Der ganze Satz strahlt eine gelassene Heiterkeit aus, und in der Schlusssequenz sind auch noch einmal die brillianten Hörner zu erwähnen.

3. Satz: Menuetto.Allegro molto e vivace (3:56)

Karajan schlägt auch hier im Gegensatz zu seinen Kontrahenten das niedrigste Tempo an, aber wie bei seinen Kollegen klingt das eher wie ein Scherzo. Hier treten die Pauken deutlich hervor.
Das Trio mit der herrlichen Oboe bewegt sich schön zwischen p und f hin und her, bis die kurze Reprise mit den markanten Pauken den Satz abschließt.

4. Satz: Adagio - Allegro molto e vivace (5:53):

Das Adagio beginnt hier mit dem gleichen machtvollen c-moll-Tuttischlag wie die 3. Leonorenouvertüre op. 72a in ff, dann schreitet das Geschehen tastend im p weiter, bis leichtfüßig Hauptthema einsetzt und zum rassigen Tutti führt mit den nun stärkeren Pauken und mit dem rauschenden Fortgang aller Instrumentengruppen und den sich immer weiter steigernden Pauken. Das klingt unheimlich toll, wenn man die Erste so spielt, wie Karajan es tut, natürlich im Verbund mit dem besten Beethovenorchester der Welt. Immer wieder unnachahmlich ist dieser federnde Beethovensche Rhythmus, wie es dem besten Rhythmiker aller Zeiten gebührt und zur Coda hin und in ihr überragen noch einmal die Pauken in diesem Superorchester.

Liebe Grüße

Willi :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:
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William B.A.

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Freitag, 22. Februar 2013, 01:22

Auch heute war mir zu später Stunde wieder nach Järvi, hier zunächst die Erste. Järvi schlägt von Anfang an ein rasches Tempo an, wie man es in dieser GA gewohnt ist. Das Orchester ist jedoch vom ersten Ton an "auf der vorderen Stuhlkante", wie man es ebenfalls gewohnt ist. Da lässt die Spannung keinen Augenblick nach, da besteht ständiger Blickkontakt zwischen Musikern und Dirigent, da wird jede noch so kleine Geste, ja jeder Blick von Paavo Järvi präzise umgesetzt. Das Orchester spielt ungeheuer kraftvoll und hat von daher eine enorme dynamische Spannweite, auch, weil es das Diminuendo, das Subitopiano und das Pianissimo mustergültig behrrscht. Was die Partitur auch nur irgendwie hergibt, wird ausgenutzt, und natürlich spielt auch in dieser Ersten Stefan Rapp an den Pauken von Anfang an eine Hauptrolle, er gibt dem ohnehin schon fast explosiven musikalischen Geschehen noch einen zusätzlichen expressiven Anstrich.
Hier schleicht sich nicht eine quasi neue Musik fast unbemerkt ins 19. Jahrhundert, sondern sie ist im wahrsten Sinne des Wortes "mit einem Paukenschlag" mitten drin.

Lierbe Grüße

Willi :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:
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Dr. Holger Kaletha

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Freitag, 22. Februar 2013, 08:33

Bei der 1. finde ich geht man mit Celibidache auf eine Entdeckungsreise. Da kommen bei ihm Sachen heraus, die man vorher nie gehört hat. Auch Ferenc Friscay finde ich überragend.

Beste Grüße
Holger

wok

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Freitag, 22. Februar 2013, 09:24

Zitat von »Dr. Kaletha«

Bei der 1. finde ich geht man mit Celibidache auf eine Entdeckungsreise. Da kommen bei ihm Sachen heraus, die man vorher nie gehört hat. Auch Ferenc Friscay finde ich überragend.
...und nicht zu vergessen PAUL KLETZKI mit seiner TSCHECHISCHEN PHILHARMONIE!!!! Beeindruckend seine ausgefeilte und intensive Realisierung der Partitur - nicht unähnlich mit FRICSAY - sein schlankes, gespanntes Musizieren, seine kristallklaren Strukturen und, und, und.....

Gruß

wok

Dr. Holger Kaletha

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Freitag, 22. Februar 2013, 11:22

..und nicht zu vergessen PAUL KLETZKI mit seiner TSCHECHISCHEN PHILHARMONIE!!!! Beeindruckend seine ausgefeilte und intensive Realisierung der Partitur - nicht unähnlich mit FRICSAY - sein schlankes, gespanntes Musizieren, seine kristallklaren Strukturen und, und, und.....

:!: :hello:

zweiterbass

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120

Freitag, 22. Februar 2013, 12:32

Bei der 1. finde ich geht man mit Celibidache auf eine Entdeckungsreise. Da kommen bei ihm Sachen heraus, die man vorher nie gehört hat.

Und genau das war seine Musik-Philosophie, das musikalische Glaubensbekenntnis von Celibidache: Das Tempo muß so (langsam - meine Einfügung) gewählt werden, dass die (ganze) Musik gehört werden kann.

zweiterbass
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